[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jens Beeck, Dr. Andrew Ullmann,
Alexander Graf Lambsdorff, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/30251 –
Umsetzung von Gesundheitsprojekten in Entwicklungsländern während der
COVID-19-Pandemie – Comeback gefährlicher Infektionskrankheiten
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Hälfte der Weltbevölkerung hat noch immer keinen Zugang zu guter
Gesundheitsversorgung (
https://www.aerztezeitung.de/Politik/COVID-19-versch
aerft-gesundheitliche-Ungleichheit-dramatisch-418536.html). Nirgendwo
sonst auf der Welt traf das Coronavirus dabei auf so unterfinanzierte und
schlecht vorbereitete Gesundheitssysteme wie in Afrika. Auf 1 000 Einwohner
kommen nur 0,3 Ärzte, womit Afrika gemessen an der Einwohnerzahl
globales Schlusslicht ist (
https://www.tagesschau.de/ausland/corona-pandemie-afrik
a-101.html). Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung Gerd Müller befürchtet, dass allein in Afrika innerhalb eines Jahres
weitere 2 Millionen Menschen sterben könnten, weil sie aufgrund
zusammengebrochener Lieferketten keinen Zugang zu wichtigen Medikamenten,
Impfstoffen und Nahrungsmitteln haben (
https://www.br.de/nachrichten/deutschlan
d-welt/mehr-als-zwei-millionen-tote-wegen-corona-in-afrika-befuerchtet,SHF
naBj). Ähnliche Entwicklungen sind auch auf anderen Kontinenten zu
beobachten.
Gesundheitsexperten der Vereinten Nationen schlugen schon früh Alarm:
„Alles konzentriert sich auf den Kampf gegen COVID“, warnte etwa der Leiter
des Impfprogramms des Kinderhilfswerks UNICEF, Robin Nandy (
https://ww
w.diepresse.com/5918059/das-comeback-gefahrlicher-krankheiten). Die
UNICEF-Direktorin Henrietta Fore mahnte den Anstieg von
Masernerkrankungen: „Während die Gesundheitssysteme durch die COVID-19-Pandemie
belastet sind, dürfen wir es nicht zulassen, dass unser Kampf gegen eine
tödliche Krankheit auf Kosten unseres Kampfes gegen eine andere geht“ (
https://w
ww.tagesschau.de/ausland/masern-unicef-101.html). Viele Fortschritte in der
Bekämpfung von Krankheiten wurden durch die COVID-19-Pandemie
zunichte gemacht, da wichtige Routineversorgungen, präventive
Gesundheitsmaßnahmen und Impfkampagnen in vielen Ländern ausgesetzt oder sogar
gänzlich gestoppt wurden (
https://www.diepresse.com/5918059/das-comebac
k-gefahrlicher-krankheiten). Seit März 2020 sind Routineimpfungen für
Kinder so stark eingeschränkt worden wie zuletzt in den 1970er-Jahren vor dem
Erweiterten Impfprogramm der Weltgesundheitsorganisation (WHO) (https://
www.un.org/Depts/german/millennium/SDG%20Bericht%202020.pdf). Bis
Deutscher Bundestag Drucksache 19/31330
19. Wahlperiode 02.07.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung vom 1. Juli 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
zu 80 Millionen Kinder unter einem Jahr sind nach Angaben der Vereinten
Nationen von coronabedingten Impfausfällen betroffen. In mindestens 68
Ländern konnten Routineimpfprogramme nicht wie geplant durchgeführt werden
(
https://www.tagesschau.de/ausland/un-impfschutz-kinder-101.html). Zwei
Impfkampagnen sind den Vereinten Nationalen zufolge besonders schwer
betroffen: Die Kampagne gegen Masern wurde in 27 Ländern ausgesetzt, die
gegen Polio sogar in 38 Ländern (
https://www.un.org/Depts/german/millennium/
SDG%20Bericht%202020.pdf). Das könnte Ausbrüche schwerer
Infektionskrankheiten zur Folge haben. So führte beispielsweise der Ebolaausbruch im
Kongo aufgrund unterbrochener Impfkampagnen zum weltweit schlimmsten
Masernausbruch. Mehr als 6 000 Menschen starben – weit mehr als an der
Ebolainfektion selbst. Die Sorge ist groß, dass sich eine solche Entwicklung
nun wiederholen könnte (
https://www.deutschlandfunk.de/milliarden-von-geb
erkonferenz-wie-kann-ein-covid-19.676.de.html?dram:article_id=478011). So
erlebt zum Beispiel das in Afrika bereits als besiegt gegoltene Poliovirus
derzeit unter anderem im Sudan und Südsudan ein Comeback (
https://www.who.i
nt/news-room/feature-stories/detail/how-polio-personnel-are-pivoting-
againstcovid-19). Auch die Infektionskrankheit Tuberkulose ist wieder auf dem
Vormarsch. Vorläufige Daten der WHO aus 84 Ländern zeigen, dass 2020
1,4 Millionen Menschen weniger wegen Tuberkulose behandelt wurden als
noch im Jahr 2019. Schätzungsweise könnten mehr als eine halbe Million
Menschen an Tuberkulose gestorben sein, ohne dass sie eine Diagnose oder
Behandlung erhalten haben (
https://www.who.int/publications/m/item/impact-
of-the-covid-19-pandemic-on-tb-detection-and-mortality-in-2020). Hinzu
kommen steigende HIV-Neuinfektionen. Die Anzahl der Todesfälle aufgrund
von Aids könnte sich aufgrund der Corona-Krise verdoppeln und auf das
Niveau von 2008 zurückfallen, was 534 000 zusätzliche Todesfälle zur Folge
hätte (
https://reliefweb.int/report/world/covid-19-protracted-crises-worsening-
inequalities-indirect-negative-health-impacts). Aufgrund von harten
Lockdowns konnten antiretrovirale Therapien an HIV-Infizierten und Prä-
Expositions-Prophylaktika (PrEP) zum Teil nur sehr eingeschränkt verabreicht
werden. Behandlungs- und Beratungsstellen wurden entweder geschlossen
oder aus Angst vor COVID-19 gemieden. Experten gehen davon aus, dass der
Abbruch oder die Unterbrechung antiretroviraler Behandlungen sowie die
fehlende Prophylaxe mehr als 500 000 zusätzliche Todesfälle in afrikanischen
Ländern südlich der Sahara auslösen könnte – auch deshalb, weil Patienten
stärker anfällig für andere Erkrankungen wie Tuberkulose oder Malaria seien
(
https://www.aerztezeitung.de/Politik/COVID-stoppt-in-Afrika-die-AIDS-Pro
phylaxe-415175.html). Auch Präventions- und Behandlungsdienste für nicht
übertragbare Krankheiten sind durch die Corona-Krise in
Entwicklungsländern stark eingeschränkt worden. Die Vereinten Nationen warnen zudem vor
einem verheerenden Anstieg der Kinder- und Müttersterblichkeit (
https://ww
w.un.org/Depts/german/millennium/SDG%20Bericht%202020.pdf). Auch für
den Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs) hat die
COVID-19-Pandemie schwerwiegende Folgen. Durch die Unterbrechung von
NTD-Programmen besteht die Gefahr, dass sich die Krankheiten erneut
ausbreiten (
https://www.vfa.de/de/wirtschaft-politik/globale-gesundheit/synergie
n-und-chancen-gegen-tropenkrankheiten).
Die Stärkung von Gesundheitssystemen in Entwicklungsländern zählt aus
Sicht der Fragesteller zu den dringlichsten Herausforderungen in der
Entwicklungszusammenarbeit. Das Aussetzen wichtiger Impfkampagnen sowie
eingeschränkte Präventions- und Behandlungsdienste auch für nicht übertragbare
Erkrankungen könnten nach Ansicht der Fragesteller jahrzehntelange
Fortschritte im globalen Kampf gegen Infektionskrankheiten zunichtemachen und
das Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) gefährden. Vor
diesem Hintergrund besteht aus Sicht der Fragesteller Informationsbedarf
bezüglich der Umsetzung und Anpassung laufender gesundheitsbezogener
Maßnahmen in der Entwicklungszusammenarbeit.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung teilt die Ansicht der Fragestellerinnen und Fragesteller,
dass die Stärkung von Gesundheitssystemen eine der größten
Herausforderungen im Kontext der COVID-19-Pandemie darstellt. Daher setzt sich die
Bundesregierung bereits jetzt auf verschiedenen Ebenen und über
unterschiedliche Verfahren für das Thema Gesundheitssystemstärkung ein.
Übergeordnetes Ziel des deutschen sowie des internationalen Engagements für
die Förderung globaler Gesundheit ist die Erreichung der nachhaltigen
Entwicklungsziele (SDGs) der Agenda 2030, unter anderem des Ziels SDG 3: „Ein
gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr
Wohlergehen fördern“. Gesundheitssystemstärkung und allgemeine
Gesundheitsversorgung (SDG 3.8. Universal Health Coverage, UHC) ist insbesondere für
sozioökonomisch schwächere und benachteiligte Bevölkerungsgruppen wichtig
(„leave no one behind“), um soziale und ökonomische Ungleichheiten zu
reduzieren.
Für viele Menschen liegt eine angemessene Gesundheitsversorgung – trotz
Fortschritten in den letzten Jahren – in weiter Ferne: Mindestens die Hälfte der
Weltbevölkerung hat noch immer keinen Zugang zu essenziellen
Gesundheitsdiensten. Fast 100 Millionen Menschen verarmen jährlich in Folge von
Krankheit (
https://www.who.int/healthinfo/universal_health_coverage/report/fp_gm
r_2019.pdf). Erste Zwischenüberprüfungen und Trends zeigen, dass deutlich
schneller und mehr gehandelt werden muss: Bei der Fortsetzung der aktuellen
Trends werden laut Prognosen der Weltbank und der WHO fünf Milliarden
Menschen im Jahr 2030 keinen Zugang zu angemessener
Gesundheitsversorgung haben.*
Die Stärkung von globalen Gesundheitsakteuren ist daher von großer
Bedeutung. Auf globaler Ebene ist der Globale Aktionsplan für ein gesundes Leben
und das Wohlergehen aller Menschen (GAP) der wichtigste Rahmen für die
Koordinierung von Maßnahmen zur Erreichung von SDG 3. Der GAP wurde
2019 auf Initiative von Deutschland, Norwegen und Ghana gemeinsam mit der
WHO und weiteren multilateralen Organisationen verabschiedet.
Die Bundesrepublik Deutschland ist dabei ein verlässlicher Partner
insbesondere der WHO, der Globalen Impfallianz (Gavi), der Global Polio Eradication
Initiative (GPEI) sowie des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids,
Tuberkulose und Malaria (GFATM). Sie setzt sich unter anderem für eine Stärkung
und Reform der WHO als Koordinatorin von Globaler Gesundheit und die
Ausarbeitung eines internationalen Pandemievertrags ein. Im Zuge der Corona-
Pandemie hat die Bundesregierung die finanzielle Unterstützung der WHO
substantiell gesteigert und war 2020 mit über 637 Mio. US-Dollar ihr größter
Geber. Weitere wichtige internationale Kooperationspartner Deutschlands auf
diesem Gebiet sind der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), die
Global Financing Facility (GFF) und die Internationale Föderation für
Familienplanung.
In der aktuellen Pandemie-Situation fördert die Bundesregierung den globalen
Zugang und die globale Verteilung von Impfstoffen, Tests, Schutzausrüstung
und Therapieansätzen im Kampf gegen COVID-19:
Hierbei nimmt die Bundesregierung bei der multilateralen Initiative „ACT-
Accelerator“ (ACT-A) und deren Impfstoffsäule „COVID-19 Vaccines Global
Access“ (COVAX) eine wichtige Rolle ein. Deutschland ist Gründungsmitglied
beim ACT-A und mit 2,2 Mrd. Euro im Jahr 2020/2021 zweitgrößter Geber
dieser globalen Plattform zur Entwicklung, Herstellung und global gerechten
Verteilung von COVID-19-Impfstoffen, Therapeutika und Diagnostik. COVAX
*
https://www.who.int/healthinfo/universal_health_coverage/report/fp_gmr_2019.pdf?ua=1
hat das Ziel, über Großbestellungen von COVID-19-Impfstoffen günstige
Preise insbesondere für ärmere Staaten zu erzielen und für eine gerechte globale
Impfstoffverteilung zu sorgen. Über 190 Länder sind Mitglied in der
COVAX Facility, über die die Impfstoffbeschaffung erfolgt. Deutschland stellt
der COVAX Facility derzeit 1,62 Milliarden Euro zur Verfügung – als Teil des
Gesamtbetrages von rund 2,2 Milliarden Euro für ACT-A.
Neben dem globalen Zugang und der Verteilung von Impfstoffen spielen die
Stärkung der multilateralen Zusammenarbeit im Sinne des One-Health-
Ansatzes, etwa durch Initiierung und Unterstützung des „One Health High
Level Expert Panel“ bei der WHO, der Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Weltorganisation für Tiergesundheit
(OIE) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), sowie die
Stärkung der Forschung und Entwicklung von Impfstoffen gegen Erreger, die
Epidemien auslösen können, eine wichtige Rolle: Deutschland beteiligt sich
aktiv an der internationalen Initiative CEPI („Coalition for Epidemic
Preparedness Innovations“) und stellt diesbezüglich – ebenfalls als Teil der oben
genannten ACT-A Zusage – für die Jahre 2020 und 2021 insgesamt 350 Mio.
Euro zur Verfügung.
Die COVID-19-Pandemie gefährdet zudem globale Impffortschritte.
Routineimpfungen können einen Beitrag zur Pandemieprävention leisten bzw. die
Folgen von Pandemien abfangen. Impfstopps in der ersten Hälfte des Jahres 2020
führten zu Infektionsrisiken über COVID-19 hinaus. Laut gemeinsamen
Schätzungen der WHO, UNICEF und der Impfallianz Gavi hatten Mitte 2020
80 Millionen Kleinkinder ein erhöhtes Risiko, an Krankheiten wie Polio oder
Masern zu erkranken.* Auch wenn Polioimpfungen in Kliniken und Arztpraxen
fortgesetzt wurden, werden Kinder in schwer erreichbaren Regionen in
Afghanistan und Pakistan, den letzten beiden Ländern mit endemischer Poliomyelitis,
nicht ausreichend mit Routineimpfungen, sondern nur mithilfe zusätzlicher
Sonderimpfkampagnen, erreicht. 2021 erreichen nationale Impfkampagnen
gegen Polio in beiden Ländern nun wieder ähnliche Niveaus wie vor der
COVID-19-Pandemie. Weil verschiedene Krankheiten sich gleichzeitig und
über Ländergrenzen hinweg verbreiten, müssen sie integriert betrachtet werden.
Die Bundesregierung setzt sich daher in den Gremien von Gavi und GPEI für
einen integrierten Ansatz von Interventionen und eine strategische
Kollaboration zwischen globalen Gesundheitsinitiativen ein, um ihre Wirkungen zu
maximieren. Menschen, die mit Routineimpfungen erreicht werden, tragen nicht nur
zur Herdenimmunität gegen bestimmte Erreger bei, sie sind auch besser an die
gesundheitliche Basisversorgung angebunden, was wiederum die Nutzung
allgemeiner Gesundheitsleistungen fördert und die Reaktion auf neue
Herausforderungen vereinfacht. So kann eine gute Infrastruktur für Routineimpfungen
die Ausrollung von Notfallimpfungen wie z. B. gegen COVID-19 erleichtern.
Auch die Beobachtung und Eindämmung von Krankheiten wie Polio, Masern
oder Tuberkulose funktioniert besser, je mehr Menschen an
Gesundheitssysteme angebunden sind. Zusätzlich unterstützen Systeme, die beispielsweise durch
die GPEI, aufgebaut wurden, die Reaktion auf SARS-CoV-2: So konnten bis
Dezember 2020 mehr als 31 000 Mitarbeitende, die im Rahmen des Polio-
Programms eingesetzt werden, vor allem in Afrika und der östlichen
Mittelmeerregion, einen wesentlichen Beitrag zur Eindämmung der COVID-19-
Pandemie in den Partnerländern leisten.**
Vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus der Ebola-Krise in Westafrika hatte
das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
*
https://www.who.int/news-room/detail/22-05-2020-at-least-80-million-children-under-one-at-risk-of-diseases-such-
asdiphtheria-measles-and-polio-as-covid-19-disrupts-routine-vaccination-efforts-warn-gavi-who-and-unicef
** 19th Independent Monitoring Board Report
http://polioeradication.org/wp-content/uploads/2020/12/19th-IMB-Report-
The-World-is-Waiting-20201223.pdf
(BMZ) in Kooperation mit dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) die
„Schnell Einsetzbare Expertengruppe Gesundheit“ (SEEG) gegründet. Sie
unterstützt Partnerländer dabei, sich auf Krankheitsausbrüche vorzubereiten und
auf diese zu reagieren. Im Rahmen der SEEG-Einsätze haben Fachexpertinnen
und -experten des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, der Charité, des
Friedrich-Loeffler-Instituts, des Robert Koch-Instituts und der Deutschen
Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) bisher 17 Länder durch
Materiallieferungen, den Aufbau von Laboren sowie Beratung bei der
Pandemiebekämpfung unterstützt (Namibia, Benin, Nepal, Kolumbien, Ecuador, Peru,
Togo, Mexiko, Guatemala, Honduras, Kirgistan, Costa Rica, Dominikanische
Republik, Irak, Mauretanien, Kirgisistan, Gambia). In der aktuellen
COVID-19-Pandemie ist die Nachfrage der Partnerländer nach SEEG-
Einsätzen stark gestiegen. Die SEEG hat ihr Angebot an die Bedarfe der
Partnerländer deshalb auf die Bekämpfung von COVID-19 angepasst und versorgt
diese mit medizinischem Verbrauchsmaterial wie PCR-Testkits, Reagenzien
und Geräten zur Sequenzierung von Virusmutationen. Weitere Einsätze sind
derzeit in Planung.
Darüber hinaus stellt das BMZ 2020 und 2021 mit einem umfassenden
„Corona-Sofortprogramm“ für Entwicklungs- und Schwellenländer nach
derzeitigem Stand voraussichtlich rund 4,7 Milliarden Euro zur Verfügung.
Finanziert werden damit Maßnahmen zur Vermeidung, Früherkennung und
Eindämmung von COVID-19 und zur Eindämmung der sozioökonomischen
und wirtschaftlichen Auswirkungen.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) unterstützt zudem die
Prävention und Bekämpfung von vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTDs) seit
Jahrzehnten, vor allem durch Stärkung nationaler Gesundheitssysteme und die
Einbindung nationaler NTD-Programme in die Gesundheitsdienste von
Partnerländern. In diesem Rahmen werden die Mitgliedsländer der
Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft (CEMAC) bei der Umsetzung
ihrer nationalen NTD-Programme unterstützt. In der Region der
Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) werden Diagnostikkapazitäten
aufgebaut. Projekte der Initiative Klinikpartnerschaften unterstützen unter anderem
die medizinische Versorgung von betroffenen Patienten. Seit 1974 unterstützt
das BMZ das bei der WHO angesiedelte Special Programme for Research and
Training in Tropical Diseases (TDR), welches Forschung und Entwicklung zur
Prävention, Diagnose, Behandlung und Kontrolle von ungenügend erforschten
Tropenkrankheiten fördert. Außerdem fördert das BMZ Vorhaben zur
Verbesserung der Wasser- und Sanitärversorgung, welche präventiv zur Reduktion von
NTDs, wie z. B. von bodenübertragenen Wurmerkrankungen, der
Schistosomiasis, der Frambösie, der Dracunculose, dem Trachom oder der Lepra beitragen.
Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte ist ein weiteres zentrales
Themenfeld in der deutschen EZ. Über die Initiative „Selbstbestimmte
Familienplanung und Müttergesundheit“ stellt die Bundesregierung jährlich
durchschnittlich bis zu 100 Mio. Euro für bilaterale Maßnahmen zur Verbesserung
der Mutter-Kind-Gesundheit und des Zugangs zu selbstbestimmter
Familienplanung zur Verfügung. 2020 und 2021 unterstützt die Bundesregierung
erstmalig die bei der Weltbank angesiedelte Globale Financing Facility (GFF) für
die Gesundheit und Ernährung von Frauen, Kindern und Jugendlichen mit
insgesamt 50 Mio. Euro. Um sicherzustellen, dass essenzielle sexuelle und
reproduktive Gesundheitsdienstleistungen, einschließlich moderner
Verhütungsmittel, auch in Pandemiezeiten zugänglich sind, hat die Bundesregierung im Jahr
2020 die Kernbeiträge an den Weltbevölkerungsfonds der Vereinten Nationen
(VN) und die Internationale Föderation für Familienplanung erhöht sowie
erstmals das Versorgungsprogramm des VN-Weltbevölkerungsfonds (UNFPA
Supplies) unterstützt.
1. Welche Maßnahmen und Projekte der bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit zur Stabilisierung und Stärkung von Gesundheitssystemen in
Entwicklungsländern wurden seit 2017 von der Bundesregierung mit
jeweils welchem finanziellen und personellen Volumen gefördert (bitte
nach Projekten, Haushaltstitel, Gesamtvolumen bei mehrjährigen
Projekten sowie Durchführungsorganisation aufschlüsseln)?
Es wird auf die Projektaufstellungen in der Anlage 1* sowie auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
a) Welche gesundheitsbezogenen Maßnahmen und Projekte der
bilateralen Entwicklungszusammenarbeit konnten nach Kenntnis der
Bundesregierung aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie geplant
durchgeführt werden und mussten stattdessen eingestellt oder verschoben
werden (bitte nach Ländern, Projekten und Durchführorganisationen
aufschlüsseln)?
Es wurden keine gesundheitsbezogenen Vorhaben der bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit eingestellt oder verschoben.
b) Wurden seit Beginn der Corona-Pandemie zusätzliche Maßnahmen
ergriffen, um eine Umsetzung bzw. Fortsetzung von
gesundheitsbezogenen Projekten weiterhin zu gewährleisten?
Falls ja, welche?
Falls nein, weshalb nicht?
Grundsätzlich werden Mittel aus allen Bereichen der EZ auch zur
Stabilisierung und Unterstützung von Entwicklungsländern bei der Bewältigung der
COVID-19-Krise und ihrer Folgen eingesetzt, insbesondere zur Stärkung von
Gesundheitssystemen, Flüchtlingsversorgung, Ernährungssicherung und
Krisenbewältigung. Durch die Präsenz vor Ort und unter Nutzung digitaler
Anwendungen konnte die Umsetzung der geplanten Vorhaben weitergeführt
werden und zusätzliche Maßnahmen mit spezifischem Bezug zur Pandemie mit
eingebunden werden.
Hierzu wird auf die Projektaufstellung in Anlage 2* verwiesen. Des Weiteren
wird zur Erläuterung des „Corona-Sofortprogramms“ auf die Vorbemerkung
der Bundesregierung verwiesen.
c) Ist geplant, ausgefallene oder verschobene Maßnahmen und Projekte
im dafür initial vereinbarten Umfang, auch über den kalkulierten
Zeitrahmen hinaus, nachzuholen?
Falls nein, weshalb nicht?
Nein, da keine Vorhaben eingestellt bzw. verschoben wurden, vergleiche
Antwort zu Frage 1a.
2. Welche Fort- und Rückschritte konnte die Bundesregierung im Rahmen
der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit bei der Bekämpfung von
Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Polio, Masern und Malaria
verzeichnen, und welchen Handlungsbedarf leitet sie daraus ab?
Im Rahmen der COVID-19-Pandemie ist bei der Bekämpfung von HIV und
Malaria mit einem Anstieg der Fallzahlen zu rechnen. Von 2010 bis 2018 sank
weltweit die HIV-Inzidenz von Erwachsenen zwischen 18 und 49 Jahren um
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 19/31330 auf der Internetseite
des Deutschen Bundestages abrufbar.
18 Prozent. Seitdem sind nur noch minimale Erfolge zu verzeichnen. Auch bei
der weltweiten Malariainzidenz konnten die Fortschritte zwischen 2000 und
2014 (–30 Prozent) in den letzten Jahren nicht fortgeführt werden und
stagnieren auf ähnlichem Niveau. Dies ist vor allem auf die Unterbrechungen von
Programmen zur Bekämpfung dieser Krankheiten und überlastete
Gesundheitssysteme zurückzuführen. Im Übrigen wird ergänzend auf die Antworten zu den
Fragen 4, 5 und 7 verwiesen. Konkrete Zahlen zu den einzelnen Inzidenzwerten
bezogen auf die bilateralen Maßnahmen liegen der Bundesregierung nicht vor.
Die Bundesregierung wird ihr Engagement im Kampf gegen
Infektionskrankheiten weiter fortsetzen, u. a. durch Unterstützung von multilateralen
Organisationen wie dem GFATM, der Impfallianz Gavi und der GPEI, sowie durch die
direkte Zusammenarbeit mit Partnerregierungen in Form der bilateralen EZ.
Neben dem multilateralen Engagement im Rahmen des GFATM und Gavi
unterstützt die Bundesregierung Tuberkulose-Vorhaben in Tadschikistan und
Poliovorhaben in Nigeria und Pakistan. Das Polioprogramm des GPEI leistet
unverzichtbare Dienste bei der Überwachung – nicht nur von Poliofällen, sondern
auch im Kontext der COVID-19-Pandemie. Um die indirekten
gesundheitlichen Folgen der Pandemie abzufedern, wurde mit Mitteln des Corona-
Sofortprogramms in einigen Ländern die Versorgung bzgl. HIV und
Tuberkulose im Rahmen von Maßnahmen der medizinischen Grundversorgung
sichergestellt. So können beispielsweise in Sambia dank der deutschen Unterstützung
für die Impfstoffbeschaffung bis zu 188 000 Kleinkinder unter zwei Jahren u. a.
gegen Tuberkulose geimpft werden.
3. Liegen der Bundesregierung Informationen darüber vor, wie sich der
Zugang zu medizinischer Grundversorgung für Menschen in
Entwicklungsländern während der Corona-Pandemie verändert hat, und wie fließen
diese Erkenntnisse in laufende und neue Projekte der bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit ein?
Aufgrund der COVID-19-Pandemie wurden auch in Entwicklungs- und
Schwellenländern Gesundheitsdienstleistungen weniger in Anspruch
genommen. Dafür gibt es eine Vielzahl an Gründen: die Angst vor Ansteckung,
Schließung von Einrichtungen, Unterbrechungen des öffentlichen Verkehrs, ein
reduziertes Angebot an Dienstleistungen (auch durch Engpässe bei
Medikamentenlieferungen, Abzug des medizinischen Personals von den
Gesundheitszentren zur Versorgung der COVID-19-Patientinnen und Patienten und
Erkrankungen von Personal oftmals aufgrund fehlender Schutzausrüstung und
Testkapazitäten) und vernachlässigte Gesundheits-Kampagnen.*
Die COVID-19-Pandemie hat die Bedeutung starker öffentlicher
Gesundheitssysteme und effektiver und effizienter Notfallvorsorge weltweit hervorgehoben,
ebenso die Notwendigkeit größerer Investitionen in Universal Health Coverage.
Gesundheitssystemstärkung wird in der deutschen EZ daher weiterhin als
grundlegender Ansatz systematisch in allen bilateralen
Gesundheitsprogrammen verfolgt.
Ergänzend wird hierzu auf Antwort zu Frage 16 verwiesen.
* GFATM-Berichts bezüglich der Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf HIV, TB und Malaria Leistungen
4. In welchen Ländern konnte nach Kenntnis der Bundesregierung ein
Anstieg von impfvermeidbaren und bereits behandelbaren Erkrankungen
beobachtet werden, und liegen Schätzungen bezüglich Dunkelziffern vor,
da beispielsweise der Zugang zu Tuberkulosepräventions- und
Tuberkulosediagnosedienstleistungen begrenzt wird bzw. durch
Ressourcenverlagerung für die Eindämmung der Corona-Pandemie genutzt wird?
Ein 2021 veröffentlichter Bericht des GFATM* zeigt, welche verheerenden
Auswirkungen die COVID-19-Pandemie auf Gesundheitsdienstleistungen im
HIV/AIDS-, Tuberkulose- und Malaria-Kontext hat und wie die Ausrottung
dieser Epidemien um Jahrzehnte zurückgeworfen wird.
Die Zahl der HIV-Überweisungen und durchgeführten HIV-Tests fiel demnach
drastisch. Zusätzlich mussten Maßnahmen zur Prävention von Übertragung von
HIV von der Mutter auf das Kind drastisch reduziert werden.
Tuberkuloseüberweisungen, -behandlungen und -tests fielen 2020 im Vergleich zu 2019 ebenso
drastisch. In den befragten Einrichtungen in Asien wurden 56 Prozent weniger
Malaria-Diagnosen und 59 Prozent weniger Malaria-Behandlungen
verzeichnet. In Afrika gingen Malaria-Diagnosen um 17 Prozent und Malaria-
Behandlungen um 15 Prozent zurück.
Prognosen von UNAIDS zufolge könnte es aufgrund der Störungen in der
Gesundheitsversorgung in den nächsten fünf Jahren weltweit zu 123 000 bis
293 000 zusätzlichen HIV-Neuinfektionen und 69 000 bis 148 000 zusätzlichen
AIDS-Todesfällen kommen (hier einsehbar:
https://hlm2021aids.unaids.org/w
p-content/uploads/2021/04/en-N2108064.pdf, März 2021). Die WHO rechnet
außerdem damit, dass die auf COVID-19 zurückzuführenden Unterbrechungen
in der Versorgung von Tuberkulosepatientinnen und -patienten circa eine halbe
Million zusätzliche Tuberkulose-Todesfälle verursachen werden (hier
einsehbar:
https://www.who.int/publications/m/item/impact-of-the-covid-19-pandemi
c-on-tb-detection-and-mortality-in-2020).
In Hinblick auf die verschlechterte Versorgung mit Malaria-Medikamenten und
nicht-durchführbare Moskitonetz-Kampagnen geht die
Weltgesundheitsorganisation in Hochrechnungen für das Pandemie-Jahr 2020 von bis zu 100 000
zusätzlichen Todesfällen und 44 Millionen mehr Malaria-Erkrankten im Afrika
südlich der Sahara aus (hier einsehbar:
www.who.int/publications/i/item/97892
40015791).
Ergänzend hierzu wird auf die Antwort zu den Fragen 2, 5 und 7 verwiesen.
GPEI musste 2020 mehr als 60 Impfkampagnen und -programme in fast
30 Ländern aussetzen. Die weltweite Zahl der Wildpolio- bzw.
impfstoffabgeleiteten Infektionen sind von 176 bzw. 378 2019, auf 139 bzw. 910 im Jahr
2020 gestiegen.** Auf dem afrikanischen Kontinent wurden Polio-Impfungen
für bis zu 12 Millionen Kinder verschoben und neue Fälle von
impfstoffabgeleiteter Polio traten in 22 afrikanischen Ländern auf.***
*
https://www.theglobalfund.org/media/10776/covid-19_2020-disruption-impact_report_en.pdf
**
https://extranet.who.int/polis/public/CaseCount.aspx
***
https://www.afro.who.int/news/niger-reports-new-polio-outbreak
und
http://polioeradication.org/wp-content/upl ads/2020/12/weekly-polio-analyses-cVDPV-20201222.pdf
5. Bei wie vielen Menschen in Entwicklungsländern wurde nach Kenntnis
der Bundesregierung im Jahr 2020 Tuberkulose, Malaria, HIV/Aids,
Polio/Kinderlähmung oder Masern diagnostiziert, und wie viele von ihnen
haben eine Behandlung erhalten (bitte nach Ländern aufschlüsseln und
im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren seit 2017 angeben)?
Worin liegen die Gründe für eine potentielle Abweichung zwischen
Diagnose- und Behandlungsrate, und welchen Handlungsbedarf leitet die
Bundesregierung daraus ab?
Die Daten zu den Infektionszahlen von 2017 bis 2020 sind in den im Folgenden
aufgelisteten Quellen zu finden:
Tuberkulose:
https://www.who.int/teams/global-tuberculosis-programme/tb-reports.
Malaria:
https://www.who.int/publications/i/item/9789240024359;
https://www.who.int/publications/i/item/9789240015791;
https://www.who.int/publications/i/item/9789241565721;
https://www.who.int/publications/i/item/9789241565653;
https://www.who.int/publications/i/item/9789241565523.
HIV:
https://aidsinfo.unaids.org/.
Polio:
https://polioeradication.org/tools-and-library/policy-reports/annual-reports/;
https://apps.who.int/immunization_monitoring/globalsummary/timeseries/tsinci
dencepolio.html.
Masern:
https://apps.who.int/immunization_monitoring/globalsummary/timeseries/tsinci
dencemeasles.html
https://data.worldbank.org/indicator/SH.IMM.MEAS.
Für 2020/21 liegen belastbare globale Daten aufgrund der zeitlichen Nähe und
der COVID-19-Pandemie noch nicht vor. Es wird davon ausgegangen, dass die
Fallzahlen zu HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria weltweit steigen werden, da
viele Eindämmungsprogramme durch Lockdowns und
Infektionsschutzmaßnahmen unterbrochen wurden. Neuinfektionen konnten somit nicht
diagnostiziert werden und unwissentlich Erkrankte dadurch andere Menschen anstecken.
Impfprogramme zu Masern und Polio wurden ebenfalls unterbrochen, was die
Immunisierungsraten senken und ein Infektionsrisiko erhöhen wird. Ergänzend
hierzu wird auf die Antwort zu den Fragen 2 und 4 verwiesen.
Um die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Infektionskrankheiten
einzudämmen, unterstützt die Bundesregierung COVAX, ACT-A und den
COVID-19 Response Mechanism (C19 RM) des GFATM. Letzterer unterstützt
die Länder dabei, die Auswirkungen von COVID-19 auf die Programme zur
Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria abzumildern.
Gleichzeitig erkennt die Bundesregierung die Notwendigkeit,
Gesundheitssysteme langfristig zu stärken und zugänglich zu gestalten. Im Rahmen des
GFATM und UNAIDS unterstützt sie einen menschenrechtsbasierten Ansatz,
der auf die spezifischen Bedürfnisse vulnerabler Gruppen eingeht,
zivilgesellschaftliche Gruppen einbezieht und soziale Ausgrenzung bekämpft. Auch
Wissen und Technologien, die bisher durch Polio-Mittel finanziert wurden (z. B.
Fachkräfteausbildung, Labore, Kühlketten) sollen künftig in nationale
Gesundheitssysteme integriert werden.
6. In welchen Ländern führt die Bundesregierung einen Anstieg von
Erkrankungen wie beispielsweise Tuberkulose, Malaria, HIV/Aids, Polio/
Kinderlähmung und Masern darauf zurück, dass die Lieferung von
Medikamenten, Impfstoffen oder anderen medizinischen Hilfsgütern aufgrund
von strengen Lockdowns und den damit verbundenen Grenzschließungen
sowie dem Zusammenbruch globaler Lieferketten gestoppt wurde oder
nur sehr eingeschränkt erfolgen konnte?
Politische Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, wie Ausgangssperren,
die Umleitung finanzieller, personeller und labortechnischer Ressourcen sowie
Störungen der Lieferketten wirken sich schwerwiegend auf die Durchführung
von HIV-, Tuberkulose- und Malariaprogrammen aus. Vergleiche hierzu auch
die Antworten zu den Fragen 4 und 5.
In mehr als 30 Ländern wurden Impfkampagnen gegen Polio ausgesetzt, was
zu steigenden Fällen von Impfstoff-abgeleiteter Poliomyelitis geführt hat. Diese
seltene Form des Virus tritt in un- und unterimmunisierten
Bevölkerungsgruppen auf. Des Weiteren wird hier auf die Vorbemerkung der Bundesregierung
sowie die Antworten zu den Fragen 4 und 5 verwiesen.
a) Welche Entwicklungsländer sind nach Kenntnisstand der
Bundesregierung noch immer von coronabedingten Lieferengpässen für
Arzneimittel, Impfstoffe, medizinische Geräte oder Schutzausrüstungen
betroffen?
Einer Befragung von 106 Partnerländern des GFATM in Afrika, Asien, Mittel-
und Südamerika sowie Osteuropa zufolge ist die Versorgung von AIDS-,
Tuberkulose- und Malaria-Patientinnen und -Patienten in 36 Prozent der Länder
(Stand: Mai 2021) weiterhin durch nationale Lockdowns und in 24 Prozent
durch lokale Einschränkungen beeinträchtigt. 7 Prozent der Länder berichten
von einer Knappheit an HIV-Medikamenten, 5 Prozent von einer Knappheit an
Tuberkulose-Medikamenten und 3 Prozent von einer Knappheit an
Medikamenten zur Behandlung von Malaria. Der GFATM schätzt das Risiko für seine
Lieferketten (für u. a. Medikamente, Moskitonetze, Sachgüter) seit März 2020
als moderat ein (Stand: Mai 2021).
b) Welche Entwicklungsländer verzeichnen nach Kenntnisstand der
Bundesregierung keine Einschränkungen mehr in der Lieferung
medizinischer Hilfsgüter?
Hat die Bundesregierung Informationen darüber vorliegen, ob sich der
Anstieg von Erkrankungen dort seither wieder stabilisiert hat?
Die Datenlage bezüglich dieser Frage ist nach Kenntnis der Bundesregierung
begrenzt. Im Februar 2021 gaben 19 Partnerländer des GFATM an, dass keine
auf COVID-19 zurückzuführende Einschränkungen, welche die Lieferung
medizinischer Hilfsgüter oder sonstige Gesundheitsdienstleistungen
beeinträchtigen könnten, mehr bestünden. Dies betraf größtenteils Länder in Zentralafrika
und Südostasien.
7. Wie hoch waren im Jahr 2020 und im ersten Quartal 2021 nach Kenntnis
der Bundesregierung die Todesraten aufgrund von Malaria, HIV/Aids
und Tuberkulose in Entwicklungsländern, und wie hoch war diese Rate
im Vergleich zu den Vorjahren (bitte seit 2017 und nach Jahren
aufgeschlüsselt angeben)?
Folgende Tabelle schlüsselt Todesraten aufgrund von Malaria, HIV/AIDS und
Tuberkulose von 2017 bis 2020 auf. Für 2020/21 liegen belastbare globale
Daten aufgrund der zeitlichen Nähe noch nicht vor. 94 Prozent aller
Malariainfektionen entfallen auf die Region Afrika, 95 Prozent der TB-Erkrankten leben in
Ländern niedrigen oder mittleren Einkommens, von den 37 Millionen
Menschen mit HIV leben 25,6 Millionen in Subsahara-Afrika.
2017 2018 2019 2020
Tuberkulose
Fälle weltweit 10 Mio. 7 Mio. 10 Mio. Keine Angabe (k.A.)
Todesfälle zurückgeführt auf
Tuberkulose weltweit
1,27 Mio. 1,5 Mio. 1,4 Mio. 1,66 Mio.
Todesrate, in % 12,7 21,4 14 k.A.
Malaria
Fälle weltweit 219 Mio. 228 Mio. 229 Mio. k.A.
Todesfälle zurückgeführt auf
Malaria weltweit
0,435 Mio. 0,405 Mio. 0,409 Mio. k.A.
Todesrate, in % 0,2 0,2 0,2 k.A.
HIV/Aids
Fälle weltweit (Menschen, die
mit HIV leben)
35,7 Mio. 37,9 Mio. 37 Mio. 37,6 Mio.
Todesfälle zurückgeführt auf
Aids (und Krankheiten im
Zusammenhang mit Aids)
weltweit
0,76 Mio. 0,73 Mio. 0,69 Mio. 0,69 Mio.
Todesrate, in % 2,1 1,9 1,9 1,8
Quellen: The World Bank (2021), UNAIDS (2021), UNICEF (2021), WHO (2021)
8. Wie viele Todesfälle von Kindern in Entwicklungsländern sind nach
Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2020 und im ersten Quartal 2021
auf Krankheiten zurückzuführen, die durch eine Routineimpfung oder
Behandlung hätten vermieden werden können?
Belastbare globale Daten von WHO/UNICEF liegen aufgrund der zeitlichen
Nähe für die Zeiträume 2020/2021 noch nicht vor. Ende Oktober 2020 hatte
etwa ein Drittel der Länder einen Rückgang von 10 Prozent oder mehr bei der
Versorgung mit Routineimpfungen, ambulanter Behandlung von
Infektionskrankheiten im Kindesalter und Gesundheitsdiensten für Mütter im Vergleich
zu 2019 zu verzeichnen. UNICEF geht davon aus, dass ungefähr 80 Millionen
Kinder unter einem Jahr lebensrettende Impfstoffe aufgrund der COVID-19-
Pandemie in mindestens 68 Länder verpassen*; siehe hierzu auch die
Vorbemerkung der Bundesregierung.
Fast 14 Millionen Kinder haben im Jahr 2019 keine Impfungen erhalten.
Zusätzlich erhielten fast 6 Millionen Kinder einige, aber nicht alle Impfstoffe, die
für einen vollständigen Schutz gegen viele lebensbedrohliche Krankheiten
erforderlich sind.**
*
https://data.unicef.org/resources/immunization-coverage-are-we-losing-ground/
**
https://data.unicef.org/covid-19-and-children/?utm_source=UNICEF%20Data&utm_medium=homepage&utm_campai
gn=COVID19-hub-unicef-data-hero-image
Mehr als 94 Millionen Kinder laufen Gefahr, wegen pausierter
Masernkampagnen in 26 Ländern keine Masernimpfung zu erhalten (Stand: November 2020),
wodurch sich laufende Masernausbrüche zu verschlimmern drohen. Weltweit
stiegen die Masernfälle im Jahr 2019 auf fast 870 000, die höchste Zahl der
gemeldeten Fälle in den letzten 23 Jahren.*
Zusätzliche 6,7 Millionen Kinder unter 5 Jahren könnten in den nächsten
12 Monaten an Unterernährung leiden, ein Anstieg um 14 Prozent, der zu mehr
als 10 000 zusätzlichen Kindertodesfällen pro Monat führen könnte – vor allem
in Subsahara Afrika und Südasien.
Im Jahr 2019 erhielten nur 53 Prozent aller Kinder, die mit HIV leben, die
lebensrettende Behandlung, die sie brauchen.**
Des Weiteren wird hierzu auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
9. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Durchimpfungsrate
gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP3) in
Entwicklungsländern?
Unterliegt die Rate im Vergleich zu den Vorjahren einem steigenden oder
sinkenden Trend?
Worauf ist der Trend zurückzuführen?
Nach Kenntnis der Bundesregierung lag entsprechend aktueller WHO/UNICEF
Daten 2019 die Abdeckung mit DTP3 weltweit bei 85 Prozent. Die Abdeckung
mit DTP3 in den von der Impfallianz Gavi unterstützten 68 ärmsten Ländern
der Welt stieg von 2000 bis 2019 deutlich von 60 Prozent auf 81 Prozent an.
Vorhandene Daten und Beobachtungen deuten allerdings einen Rückgang in
der DTP3-Abdeckung in der ersten Jahreshälfte 2020 an. Dies ist auf
COVID-19-bedingte Beeinträchtigungen (u. a. Lockdowns) von Kampagnen
für Routine-Impfstoffe in vielen Entwicklungsländern zurückzuführen. Daten
aus der zweiten Hälfte 2020 deuten darauf hin, dass Immunisierungsaktivitäten
in Entwicklungsländern größtenteils wiederhergestellt wurden.
10. Sind der Bundesregierung Fälle bekannt, in denen Mittel von geplanten
oder laufenden Routineimpfkampagnen, die beispielsweise von der
Impfallianz Gavi durchgeführt werden oder anderen
gesundheitsbezogenen Entwicklungsmaßnahmen abgezogen wurden, um auf die
Bekämpfung der COVID-19-Pandemie zu reagieren?
Im März 2020 hat die Impfallianz Gavi ihren Partnerländern die Möglichkeit
gegeben, bis zu 10 Prozent der Fördermittel zur Gesundheitssystemstärkung für
die Reaktion auf die COVID-19-Pandemie umzuwidmen. Mittlerweile ist diese
Förderung ausgelaufen und der Fokus liegt auf der Unterstützung der
Partnerländer bei der Aufrechterhaltung, Wiederherstellung und Stärkung von
Immunisierungsprogrammen, insbesondere mit Blick auf die Immunisierung von
Kindern.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 13 verwiesen.
*
https://data.unicef.org/covid-19-and-children/?utm_source=UNICEF%20Data&utm_medium=homepage&utm_campai
gn=COVID19-hub-unicef-data-hero-image
**
https://www.unicef.org/reports/unicef-annual-report-2020
a) Falls ja, liegen der Bundesregierung Berichte über den Anstieg von
Infektionskrankheiten vor, deren Eindämmung durch
Ressourcenverlagerung aufgrund der Corona-Pandemie vernachlässigt wurde?
Eine Umfrage der WHO hat ergeben, dass im April 2021, trotz der
Verbesserung gegenüber 2020, noch immer 37 Prozent der Länder von Unterbrechungen
der Routineimmunisierung betroffen waren. Insgesamt waren 60 Kampagnen in
50 Ländern verschoben worden, wodurch rund 228 Millionen Menschen
zusätzlich einem Risiko für Krankheiten wie Masern, Gelbfieber und Polio
ausgesetzt waren, die meisten davon Kinder. In zwei Drittel der Länder waren
Gründe hierfür v. a. die Umverteilung von Personal zugunsten der Bekämpfung von
COVID-19.
b) Falls ja, wie bewertet die Bundesregierung diese Umschichtung der
Finanzierungsmittel?
Es ist der Bundesregierung ein wichtiges Anliegen, dass die Kernmissionen
sowie die in den letzten Jahren erzielten Erfolge multilateraler
Gesundheitsinitiativen trotz ihrer wichtigen Beiträge zur COVID-19-Bekämpfung geschützt
werden. Der sorgsame Ausgleich beider Prioritäten – der akuten Reaktion auf die
COVID-19-Pandemie und der langfristigen Sicherstellung bisheriger Erfolge –
ist für die Bundesregierung ein wichtiges Anliegen im Rahmen ihres
Engagements in den Verwaltungsgremien der Impfallianz Gavi, dem GFATM, GPEI
und anderen multilateralen Partnern.
c) Stellt die Bundesregierung Entwicklungsländern gesonderte
Finanzierungsmittel zur Verfügung, um Routineversorgungen während der
COVID-19-Pandemie aufrechtzuerhalten und keine Umschichtung aus
anderen Finanztöpfen zu riskieren?
Falls ja, in welchem Umfang, und wie wird überprüft, dass keine
Umschichtung stattfindet?
Die zusätzliche Finanzierung aus den Mitteln des Corona-Sofortprogramms
und über multilaterale Organisationen im Rahmen des ACT-A dient dazu,
Routine-Versorgung auch im COVID-19-Kontext aufrecht zu halten.
Die Empfängerländer sind jedoch in ihren Planungen und
Finanzentscheidungen im Rahmen der vereinbarten Programme und Zweckbindungen frei.
Angesichts der Vielzahl von bilateralen Partnerländern und Empfängerländern der
multilateralen Fonds lässt sich hier keine generelle Aussage zu einer möglichen
Umschichtung von Finanzmitteln treffen.
Ergänzend wird hierzu auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
11. Wie viele und welche Impfkampagnen mussten nach Kenntnis der
Bundesregierung seit Beginn der COVID-19-Pandemie in
Entwicklungsländern gestoppt, verschoben oder ausgesetzt werden?
a) Wie viele Kinder sind nach Kenntnis der Bundesregierung von
coronabedingten Impfausfällen betroffen?
b) Wie viele Menschen mit Behinderung sind nach Kenntnis der
Bundesregierung von coronabedingten Impfausfällen betroffen?
Die Fragen 11 11b werden gemeinsam beantwortet.
Es wird verwiesen auf die Antwort zu Frage 10a. Weitere Informationen liegen
der Bundesregierung nicht vor.
c) Sind der Bundesregierung die Gründe für Stopp, Verschiebung oder
Aussetzung der Impfkampagnen bekannt (bitte nach Ländern und
Impfkampagnen aufschlüsseln)?
Impfkampagnen wurden vor allem aufgrund von Maßnahmen zur Eindämmung
von COVID-19, wie Beschränkungen der Bewegungsfreiheit, ausgesetzt.
Konkrete Daten zu den Gründen in den einzelnen Ländern und Impfkampagnen
liegen nicht vor. Ergänzend wird hierzu auf die Antwort zu Frage 15 verwiesen.
12. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, ob für ausgesetzte
oder verschobene Impfkampagnen in Entwicklungsländern
Nachholbzw. Aufholimpfungen organisiert werden?
Gavi, WHO und ihre Partner versuchen ausgesetzte Impfkampagnen so schnell
wie möglich wieder aufzunehmen, um die Durchimpfungsraten wieder zu
erhöhen.
a) Falls ja, für welche Impfkampagnen und Zeiträume sind diese
geplant?
Konkrete Informationen zu den geplanten Impfkampagnen mit jeweiligen
Zeiträumen liegen der Bundesregierung im Einzelnen nicht vor.
b) Liegen der Bundesregierung Informationen darüber vor, ob bei der
Nachholung bzw. Aufholung von ausgesetzten oder verschobenen
Impfungen auf eine Impfpriorisierung wert gelegt wird?
Wird zum Beispiel besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen wie
Kindern oder Menschen mit Behinderungen Vorrang gewährt?
Laut Richtlinien der WHO sollen vulnerable Bevölkerungsgruppen mit
erhöhtem Risiko für Morbidität und Mortalität aufgrund von durch Impfung zu
verhindernden Krankheiten vorrangig gegen ausbruchsgefährdete Krankheiten
(Masern, Polio, Diphtherie und Gelbfieber) geimpft werden. Dazu zählen
insbesondere Kinder und Menschen mit Behinderungen.
c) Für welche Impfkampagnen ist nach Kenntnis der Bundesregierung
keine Nachholung bzw. Aufholung geplant, und womit wird dies
begründet?
Wie bewertet die Bundesregierung dies?
Der Bundesregierung liegen keine detaillierten Informationen dazu vor.
Nationale Pläne für Impfkampagnen variieren von Land zu Land, u. a. unter
Berücksichtigung epidemiologischer Faktoren vor Ort. (Siehe auch Antwort zu
Frage 10b).
13. Ist der Bundesregierung bekannt, ob internationale Programme, die sich
der Eindämmung von Tuberkulose und HIV widmen, ihre Arbeit in
vollem Umfang wieder ausführen können (Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 19/20177)?
a) Falls ja, ist eine Aufstockung dieser Programme in Planung?
Die Fragen 13 und 13a werden zusammen beantwortet.
Da die nationalen Programme des GFATM im Mai 2021 weiterhin von
Unterbrechungen der Gesundheitsleistungen betroffen sind (HIV: 59 Prozent;
Tuberkulose: 64 Prozent, beschäftigt sich auch der GFATM als Ganzes weiterhin mit
der COVID-19-Pandemie. Die Kapazitäten des Fonds sind somit weiterhin
stark belastet. Auch UNAIDS hat seine Arbeit in den Ländern an die
COVID-19-Pandemie angepasst. Die gemeinsamen UN HIV-Teams konnten
bis zu 50 Prozent der UNAIDS-Ländermittel (country envelope) für HIV und
COVID-19-Aktivitäten umprogrammieren.
b) Falls nein, welche Maßnahmen hält die Bundesregierung für
notwendig, damit die Umsetzung dieser Programme wieder vollumfänglich
erfolgen kann?
Über das BMZ unterstützt die Bundesregierung den Globalen Fonds in seiner
Antwort auf die COVID-19-Pandemie mit zusätzlichen 290 Millionen Euro
und setzt sich über seinen Sitz im Verwaltungsrat sowie im Strategiekomitee
für die nachhaltige Stärkung von Gesundheitssystemen ein. Zudem stellt die
Bundesregierung weiteren am ACT-A beteiligten Organisationen Mittel zur
Verfügung, um die Beendung der COVID-19-Pandemie zu beschleunigen und
eine vollumfängliche Umsetzung der Programme zu ermöglichen. Über das
BMG wurde UNAIDS in den Jahren 2020 und 2021 zusätzliche 25 Mio. Euro
zur Eindämmung der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die HIV-
Arbeit zur Verfügung gestellt. Damit wurde u. a. sichergestellt, dass HIV-
Dienstleistungen inklusive HIV-Behandlung in Entwicklungsländern nicht
unterbrochen werden mussten oder schnell wieder aufgenommen werden konnten,
vor allem für vulnerable Populationen und Schlüsselgruppen. Ergänzend hierzu
wird auf die Antwort zu Frage 5 verwiesen.
14. In welchen Partnerländern wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
Bekämpfungsprogramme gegen armutsassoziierte vernachlässigte
Tropenkrankheiten (NTDs) aufgrund der COVID-19-Pandemie
unterbrochen?
Programme, die von der Bundesregierung unterstützt werden, wurden nicht
unterbrochen. Der Bundesregierung liegen keine länderspezifischen
Informationen über die Programme und Maßnahmen anderer Geber vor. Die WHO
schätzt, dass durch die COVID-19-Pandemie weltweit 44 Prozent der Dienste
für NTDs unterbrochen wurden.*
Im Mai 2020 hat das „Expanded Special Project for Elimination of Neglected
Tropical Diseases” (ESPEN) der WHO eine Online-Umfrage durchgeführt, um
den Einfluss von COVID-19 auf das Programm zu evaluieren. Von 33 Ländern,
welche die Umfrage beantworteten, haben 26 Länder eine Verschiebung von
Aktivitäten zur Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten gemeldet. Die
konkreten Zahlen für das Jahr 2020 werden bis August 2021 an die WHO
übermittelt und sind dann online öffentlich einsehbar. Erst dann können genaue
Angaben zur Reduktion von NTD-Programmen während der COVID-19
Pandemie im Jahr 2020 gemacht werden.
a) Ist der Bundesregierung bekannt, welche vernachlässigten
Tropenkrankheiten sich in welchen Ländern wieder ausbreiten?
Der Bundesregierung liegen keine nach Ländern aufgeschlüsselten
Informationen zu der Ausbreitung einzelner vernachlässigter Tropenkrankheiten vor. Die
WHO geht davon aus, dass sich die COVID-19-Pandemie sehr unterschiedlich
auf die Wiederausbreitung einzelner vernachlässigter Tropenkrankheiten
auswirken wird.**
*
https://www.who.int/news/item/29-04-2021-ntds-pulse-survey-shows-COVID-19-continues-to-disrupt-health-services
**
https://www.who.int/publications/i/item/who-wer9539-461-468
b) Ist der Bundesregierung bekannt, wie NTD-Strukturen vor Ort im
Kampf gegen COVID-19-Pandemien genutzt werden?
Die große Reichweite der NTD-Programme kann dazu beitragen, auch
Ausbrüche anderer Infektionskrankheiten, wie COVID-19, einzudämmen und
gleichzeitig Fortschritte im Hinblick auf eine allgemeine Gesundheitsversorgung
(UHC, SDG 3.8) zu erreichen. NTD-Programme bieten qualitativ hochwertige
Behandlung und gemeindebasierte Versorgung oftmals in abgelegenen
ländlichen Gebieten, die von den Gesundheitssystemen bisher nicht erreicht wurden.
Maßnahmen zu Wasser- und Sanitärversorgung, Hygiene und
Abwassermanagement (WASH) sind essenziell in der Prävention von NTDs und können
ebenfalls maßgeblich der Übertragung anderer Infektionskrankheiten wie CO-
VID-19 vorbeugen. Gleiches gilt für mobile Laboreinheiten. Beides wird im
Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt. Bestehende
Forschungsprogramme für NTDs, wie Produktentwicklungspartnerschaften,
wurden ebenfalls auf die Pandemie eingestellt.
Ergänzend wird auf die Antwort zu Frage 6 verwiesen.
Weiterhin wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Frage 7c der
Kleinen Anfrage der FDP-Fraktion auf Bundestagsdrucksache 19/23827 verwiesen.
15. In welchen Ländern wurden nach Kenntnis der Bundesregierung wegen
der COVID-19-Pandemie und daraus folgenden unterbrochenen
Gesundheitsdiensten Alternativmaßnahmen ergriffen, wie beispielsweise die
Verteilung von Langzeitvorräten an Medikamenten gegen HIV und
Tuberkulose an Patienten oder die Umstellung auf ein Haus-zu-Haus-
Liefersystem für Moskitonetze und präventive Malariamedikamente?
Wann kann mit einer Rückkehr zur Normalversorgung gerechnet werden
(bitte nach Ländern aufschlüsseln)?
Der GFATM ermöglicht es seinen Partnerländern, Anpassungen an HIV-,
Tuberkulose- und Malariaprogrammen vorzunehmen, um die Auswirkungen
der COVID-19-Pandemie auf diese abzumildern. Hierzu zählen die Lieferung
von Medikamenten, Moskitonetzen und kritischen Medizingütern von Tür zu
Tür, die Bereitstellung von Schutzausrüstung für Gesundheitspersonal sowie
virtuelle Unterstützungs- und Beratungsangebote. 2020 haben 83 GFATM-
Partnerländer und fünf länderübergreifende Programme von der über den
Krisenreaktionsmechanismus des GFATM (C19 RM) bereitgestellten Finanzierung
für diese Anpassungsmaßnahmen Gebrauch gemacht (hier einsehbar:
https://dat
a.theglobalfund.org/investments/home, dort: COVID-19). Obwohl sich die
Lage im Vergleich zu den Vormonaten verbessert hat, berichteten Anfang Mai
2021 noch immer 49 Prozent der Malaria-, 59 Prozent der HIV- und 64 Prozent
der Tuberkuloseprogramme von Unterbrechungen der Gesundheitsleistungen
(davon 13 Prozent, 9 Prozent und 11 Prozent von einem hohen sowie jeweils
1 Prozent von einem sehr hohen Ausmaß).
16. Wie stark ist basierend auf den Erkenntnissen der Bundesregierung die
Gesundheit von Kindern und Müttern von coronabedingten
Unterbrechungen der Gesundheitsversorgung betroffen?
Bisher liegen lediglich Schätzungen und erste Beobachtungen aus der Praxis zu
den Auswirkungen der anhaltenden COVID-19-Pandemie auf die Gesundheit
von Kindern und Müttern vor.
So konnten in 2020 laut UNFPA schätzungsweise 12 Millionen Frauen in
Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen aufgrund von
pandemiebedingten Einschränkungen nicht verhüten. Dies resultiert in schätzungsweise
1,4 Millionen zusätzlichen ungeplanten Schwangerschaften. Basierend auf
Daten aus 63 000 Gesundheitseinrichtungen berichtet die Global Financing
Facility (GFF) von einer erhöhten Zahl von mütterlichen Todesfällen. Eine erste
Auswertung von Studien ergibt einen Anstieg von Totgeburten in zwölf Ländern
um den Faktor 1,28 sowie einen Anstieg von Todesfällen unter Müttern in drei
Ländern um den Faktor 1,37 (hier einsehbar:
https://www.thelancet.com/journa
ls/langlo/article/PIIS2214-109X(21)00079-6/fulltext).
a) Wie hoch war im Jahr 2020 die Zahl der Totgeburten (bitte im
Vergleich zu den Jahren 2015 bis 2019 und nach Ländern aufschlüsseln)?
Nach Ländern aufgeschlüsselte Daten zu Totgeburten der verantwortlichen
Organisationen der Vereinten Nationen (UN Interagency Group for Child
Mortality Estimation) liegen bislang nur für das Jahr 2019 vor (hier einsehbar:
https://c
hildmortality.org/wp-content/uploads/2020/10/UN-IGME-2020-Stillbirth-Repo
rt.pdf/
https://data.unicef.org/topic/child-survival/stillbirths).
b) Wie hoch war im Jahr 2020 die Zahl der Müttersterblichkeit (bitte im
Vergleich zu den Jahren 2015 bis 2019 und nach Ländern
aufschlüsseln)?
Zu den globalen Trends in der Müttersterblichkeit berichteten die
verantwortlichen Organisationen der Vereinten Nationen zuletzt für das Jahr 2017 (hier
einsehbar:
https://www.who.int/reproductivehealth/publications/maternal-mortalit
y-2000-2017/en/).
c) Wie hat sich im Jahr 2020 die Zahl der Sterblichkeit von Kindern
unter fünf Jahren im Vergleich zu den Vorjahren 2015 bis 2019
entwickelt (bitte nach Ländern aufschlüsseln)?
Nach Ländern aufgeschlüsselte Daten zur Sterblichkeit von Kindern unter fünf
Jahren liegen seitens der verantwortlichen Organisationen der Vereinten
Nationen (UN Interagency Group for Child Mortality Estimation) bislang nur für das
Jahr 2019 vor (hier einsehbar:
https://data.unicef.org/topic/child-survival/unde
r-five-mortality/).
17. In welchen Ländern konnten durch Mittelumschichtungen des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) sowie durch das Corona-Sofortprogramm des BMZ
Gesundheitssysteme gestärkt und die Hygieneinfrastruktur verbessert werden?
Die Bundesregierung hat mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie ein
umfassendes Corona-Sofortprogramm aufgelegt, durch das eine Vielzahl von
Projekten in Partnerländern zusätzliche finanzielle Mittel erhält. Die Aktivitäten im
Sinne der Fragestellung umfassen neben Materiallieferungen und
Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung von nationalen Notfallplänen auch
Maßnahmen und Schulungen zur Infektionsprävention und Ausbruchskontrolle,
zur Steigerung der diagnostischen Kapazitäten sowie zur Risikokommunikation
und Aufklärung.
Im Einzelnen wird hierzu auf die Antwort zu Frage 1b und die dort genannte
Anlage verwiesen.
a) Inwieweit konnte die Bundesregierung im Rahmen der bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit Erfolge bei dem Kapazitätsausbau bei der
Aus- und Fortbildung medizinischer Fachkräfte erzielen?
Schon vor der COVID-19-Pandemie setzte sich Deutschland innerhalb
bilateraler Programme für Gesundheitssystemstärkung und als Teil dessen auch für die
Kapazitätsstärkung von Gesundheitspersonal ein. Bereits laufende bilaterale
Programme unterstützen in diesem Bereich nun auch die
Pandemiebekämpfung, u. a. durch die Aus- und Fortbildung medizinischer Fachkräfte hierzu.
Beispiele:
In Indien berät das Deutsch-Indische Programm zu Universal Health Coverage
(IGUHC) das Ministerium für Gesundheit und Familienwohlfahrt und die neu
gegründete Nationale Gesundheitsbehörde bei der Umsetzung und
Verbesserung des nationalen Krankenversicherungsprogramms Pradhan Mantri Jan
Aaroya Joyana (PM-JAY), das seit 2018 in Kraft ist. Auf zentral- und
bundesstaatlicher Ebene fördert das Vorhaben die indischen Partnerinnen und Partnern
durch Trainings, Weiterbildungen und Einsätze von Fachleuten. Während der
COVID-19-Pandemie wurde die indische Regierung bei der Umsetzung von
zusätzlichen Maßnahmen unterstützt, um die Ausbreitung des Virus
einzudämmen und das Gesundheitswesen zu entlasten. Das Programm hat
Gesundheitstrainings für Regierungen, Städte und Kommunen weiterentwickelt und in
digitale Formate umgewandelt. Außerdem helfen analysierte Daten zur Auslastung
von Krankenhäusern und Behandlung von Infizierten regionalen Behörden
dabei, besser auf dynamische Situationen zu reagieren.
In Togo konnte der Kapazitätsausbau bei der Aus- und Fortbildung
medizinischer Fachkräfte über Sofortmaßnahmen im Gesundheitssektor und in
Zusammenarbeit mit dem nationalen Gesundheitsministerium erzielt werden, u. a.
durch den Aufbau und die Unterstützung einer Außenstelle des nationalen
Hygieneinstituts und Personalschulungen in der Region Kara.
In Sierra Leone wurde durch das Projekt „Gesundheitssystemstärkung und
Epidemieprävention mit One Health-Ansatz“ eine Weiterbildung des gesamten
Gesundheitspersonals in drei Projektdistrikten zu COVID-19-Kontaktverfolgung,
Falldefinition und -management und Versorgung mit Infection-Prevention and
Control (IPC)-Materialien vorgenommen.
Des Weiteren wird hierzu auf die Antwort zu Frage 17b verwiesen.
b) In welchen Ländern konnte eine Aufstockung des
Gesundheitspersonals erreicht werden?
Als zweitgrößter bilateraler Geldgeber im Bereich der Globalen Gesundheit
spielt Deutschland eine wichtige Rolle bei der Stärkung der
Gesundheitssysteme in Ländern mit niedrigem Einkommen. Die Förderung von
Gesundheitsfachkräften ist dabei seit langem ein Schlüsselbereich der deutschen bilateralen
Unterstützung.
Eine Aufstockung des Gesundheitspersonals durch COVID-19-
Sofortmaßnahmen konnte u. a. in folgenden Ländern erreicht werden: Nepal,
Kolumbien, Kamerun, Libyen, Senegal, Südafrika, Ecuador, Peru, Mexiko,
Bolivien, Honduras, Kirgisistan, Costa Rica, Dominikanische Republik,
Mauretanien, Togo, Senegal, Sierra Leone.
c) In welche Länder konnten durch deutsches Engagement Arzneimittel,
Impfstoffe, medizinische Geräte oder Schutzausrüstungen geliefert
werden?
Die Bundesregierung hat seit der Beginn der Pandemie Partnerländer in
Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika mit Hilfsgütern aus Beständen der
Bundesregierung unterstützt.
Angesichts steigender Fallzahlen intensiviert die Bundesregierung zuletzt ihre
COVID-19-Hilfen für Afrika und Lateinamerika. Aus Mitteln des BMZ wird
derzeit die Verteilung von insgesamt 487 Beatmungsgeräten sowie weitere
Hilfsmaterialien aus Beständen der Bundesregierung an Partnerländer
finanziert, die besonders von der Pandemie betroffen sind. 30 Beatmungsgeräten
sowie weitere Hilfsmaterialien wurden bereits am 13. Juni an die Regierung
Togos übergeben. Weitere Lieferungen sind für die kommenden Wochen und
Monate nach Äthiopien, Ghana, Kamerun, Tansania, Südafrika, Malawi, Eritrea,
Namibia, Uganda und Tschad sowie Bolivien und Ecuador vorgesehen.
Zudem unterstützen im Rahmen des COVID-19-Sofortprogramms drei
deutsche Partner im Rahmen der Klinikpartnerschaften (vgl. Antworten zu den
Fragen 17d, 30) 13 Partnerorganisationen in neun afrikanischen Ländern (Ruanda,
Ghana, Uganda, Kenia, Gabun, Republik Kongo, Tansania, Äthiopien, Kenia,
Liberia). Es werden u. a. Schutzkleidung, Masken, Desinfektionsmittel,
Isolationszelte und Labordiagnostik geliefert. Der Bedarf wurde eng mit den
afrikanischen Partnerkliniken abgesprochen. Die deutschen Klinikpartner beraten die
afrikanischen Partner zudem in Form von Online-Schulungen und Video-
Konferenzen. Sofortmaßnahmen sind separat auch unter den jeweiligen
Ländern aufgelistet.
Im Rahmen der Einsätze der „Schnell Einsetzbaren Expertengruppe
Gesundheit“ (SEEG), in der Fachexpertinnen und -experten der führenden deutschen
Gesundheitsinstitutionen und der Deutschen Gesellschaft für internationale
Zusammenarbeit (GIZ) zusammenarbeiten, unterstützt die Bundesregierung das
African Centre for Disease Control mit Materiallieferungen im Umfang von
1,4 Millionen Tests sowie Labormaterial. Des Weiteren wird hierzu auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Deutschland wird im Jahr 2021 zudem mindestens 30 Millionen
Impfstoffdosen unentgeltlich an Drittstaaten abgeben. Dies soll über COVAX erfolgen.
Mit der Förderung von Kleinstmaßnahmen reagieren auch die deutschen
Auslandsvertretungen insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie
und ihrer sozioökonomischen Folgen sichtbar, eigenverantwortlich, flexibel
und unmittelbar auf akute Bedarfe und punktuelle Notlagen der ärmsten und
vulnerabelsten Bevölkerungsschichten in ihren Gastländern. Aus den 2020
zugewiesenen 12,05 Mio. Euro wurden 698 Projekte im Gesamtumfang von
11,7 Mio. Euro in über 100 Schwellen- und Entwicklungsländern unterstützt.
Unmittelbaren COVID-19-Bezug hatten 473 Projekte im Gesamtvolumen von
9,3 Mio. Euro.
Über Partnerschaften mit der Wirtschaft wurden in 63 Ländern u. a.
Schutzausrüstungen, Hygieneprodukte, wie Desinfektionsmittel oder medizinische Geräte
bereitgestellt, beziehungsweise deren lokale Produktion gefördert sowie
Gesundheits- und Hygiene-Schulungen unterstützt. Das betrifft die folgenden
Staaten: Armenien, Ägypten, Äthiopien, Afghanistan, Bangladesch, Bolivien,
Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Burkina Faso, Burundi, China, Costa
Rica, Cote d’Ivoire, Dom. Republik, Eswatini, Gabun, Ghana, Guinea, Guinea
Bissau, Indien, Indonesien, Jordanien, Kambodscha, Kamerun, Kenia,
Kirgisistan, Kolumbien, Kosovo, Liberia, Libyen, Madagaskar, Malawi, Malaysia,
Malediven, Mali, Marokko, Mexiko, Moldau, Mongolei, Myanmar, Namibia,
Nepal, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Philippinen, Ruanda, Sambia,
Senegal, Serbien, Simbabwe, Sudan, Südafrika, Tadschikistan, Tansania, Thailand,
Togo, Tunesien, Uganda, Ukraine, Usbekistan, Vietnam.
Bezüglich multilateraler Beiträge wird auf die Vorbemerkung der
Bundesregierung verwiesen.
d) In welchen Ländern konnten mithilfe der deutschen Finanzierung neue
Behandlungs- und/oder Isolationszentren eingerichtet werden?
Im Rahmen einer COVID-19-Sonderausschreibung werden mithilfe deutscher
Finanzierung 21 Klinikpartnerschaften in 17 Ländern gefördert (Afghanistan,
Bangladesch, Indien, Kolumbien, Ukraine, Kamerun, Guinea, Malawi, Ghana,
Togo, Sierra Leone, Tansania, Gabun, Uganda, Kenia, Mosambik,
Madagaskar), die sich mit den direkten und indirekten Auswirkungen der COVID-19-
Pandemie in den Bereichen Labordiagnostik, Intensivmedizin, Mutter-Kind-
Gesundheit und HIV/AIDS engagieren.
Zudem werden über die Hochschul- und Klinikpartnerschaften Kliniken und
Labore in Äthiopien, Ghana, Kenia, Ruanda und Tansania in serologischer
Diagnostik von SARS-CoV-2 geschult, um Aussagen zum Infektionsgeschehen
im jeweiligen Land machen zu können. Die Nachhaltigkeit der
Einzelmaßnahmen wird durch die Einbindung der lokalen Entscheidungsträger sichergestellt.
Die SEEG unterstützt die Eindämmung der COVID-19-Pandemie durch die
Erweiterung von Laborkapazitäten und Schulungen von Gesundheitspersonal.
Einsätze zur Etablierung der COVID-19-Diagnostik sind 2020 u. a. in Namibia,
Benin, Kolumbien, Ecuador, Peru, Mexiko, Bolivien, Guatemala, Honduras
und Kirgisistan durchgeführt worden. 2021 wurden bisher Einsätze in
Kirgisistan, Irak und Mauretanien durchgeführt.
Im Rahmen von Partnerschaften mit der Wirtschaft wurden in 18 Ländern die
Behandlungskapazitäten erhöht: Äthiopien, Bolivien, Brasilien, Burundi,
China, Ghana, Guinea, Indien, Kamerun, Kenia, Madagaskar, Malawi, Peru,
Simbabwe, Südafrika, Tadschikistan, Tansania, Togo.
e) In welchen Ländern konnten Maßnahmen der bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit eine Aufstockung von Intensivbetten erreichen?
Hierzu wird verwiesen auf die in der Antwort zu Frage 17c genannten
Unterstützungslieferungen, die die Behandlung von Intensivpatientinnen und -
patienten ermöglichen.
18. Liegen der Bundesregierung Zahlen vor, die eine Verschlechterung der
psychischen und mentalen Gesundheit in Entwicklungsländern seit
Ausbruch der Corona-Pandemie bestätigen?
Ein Anstieg psychischer und psychosozialer Belastungen durch die COVID-19-
Pandemie ist in verschiedenen Studien verzeichnet worden. Die Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellt fest, dass
die COVID-19-Pandemie weltweit zu einer signifikanten Verschlechterung der
psychischen Gesundheit der Bevölkerung geführt hat, da Risikofaktoren – wie
finanzielle Unsicherheit, Arbeitslosigkeit und Angst – steigen, während
Schutzfaktoren – wie soziale Bindung, Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen –
sinken (hier einsehbar:
https://www.oecd.org/coronavirus/policy-responses/tacklin
g-the-mental-health-impact-of-the-covid-19-crisis-an-integrated-whole-of-socie
ty-response-0ccafa0b/). Besonders vulnerable Gruppen, wie Menschen auf der
Flucht, mit schlechteren sozioökonomischen Gegebenheiten und begrenzten
Wohnverhältnissen sind besonders belastet, wie beispielsweise auch eine
repräsentative Studie des Robert Koch-Instituts zeigt (hier einsehbar:
https://edoc.rk
i.de/handle/176904/7728). Hinzu kommen exemplarische Evidenzen wie der
Anstieg der Suizidrate im Jahr 2020 unter Jugendlichen in Jordanien um
31 Prozent (hier einsehbar:
https://www.jordantimes.com/news/local/juvenile-s
uicide-rate-roseby-31-2020-%E2%80%94-sigi) oder Berichte über
Schlafstörungen unter 51 Prozent der Erwachsenen in der Türkei (hier einsehbar: https://
www.aa.com.tr/en/health/research-maps-psychological-cost-of-pandemic-in-tur
key/2257455).
a) Liegen der Bundesregierung Zahlen vor, die eine Verschlechterung der
psychischen Gesundheit von NTD-Patienten in COVID-19-Zeiten
belegen?
Der Zusammenhang zwischen vernachlässigten Tropenkrankheiten und deren
Auswirkungen auf die psychische Gesundheit durch Stigmatisierung und
Diskriminierung wird in der WHO-Publikation „Mental health of people with
neglected tropical diseases – towards a person-centred approach“* ausführlich
dargelegt. Daher ist nach Aussetzen von Bekämpfungsprogrammen zu
Vernachlässigten Tropenkrankheiten von einem Anstieg an psychischen Erkrankungen
auszugehen. Belastbare Zahlen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie
sind der Bundesregierung bisher nicht bekannt.
b) Sieht die Bundesregierung in Partnerländern der bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit einen steigenden Bedarf zur Förderung von
psychischer und mentaler Gesundheit?
Einen steigenden Bedarf zur Förderung psychischer Gesundheit und
psychosozialen Wohlbefindens von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen leitet die
Bundesregierung aus der weiter steigenden Nachfrage nach Mental Health and
Psychosocial Support (MHPSS)-Vorhaben der Sonderinitiative Flucht ab.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung zu den Fragen 31 und
32 auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf
Bundestagsdrucksache 19/24978 verwiesen.
c) Falls ja, wie plant die Bundesregierung, diesen Bereich zu stärken?
Im Rahmen der Sonderinitiative Flucht des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beinhalten bereits über 60 der
insgesamt 270 finanzierten Projekte Aktivitäten zur Förderung psychischer
Gesundheit oder psychosozialen Unterstützungsmaßnahmen.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung zu den Fragen 5, 6 und
34 der Kleinen Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in
Bundestagsdrucksache 19/24978 verwiesen. Zukünftige Projekte sind Gegenstand der
jeweiligen Haushaltsaufstellungsverfahren und stehen daher noch nicht fest.
*
https://www.who.int/publications/i/item/9789240004528
19. Welche Auswirkungen hat nach Kenntnis der Bundesregierung der stark
eingeschränkte Export von AstraZeneca-Impfstoffen aus Indien, unter
anderem an die UN-Initiative Covax, auf die Impfstoffversorgung von
Entwicklungsländern?
Welche Engpässe verzeichnet Covax durch den Exportrückgang in der
geplanten Impfstoffverteilung (bitte nach Ländern aufschlüsseln)?
Aufgrund der hohen Infektionslage in Indien stellt die indische Regierung seit
März 2021 vorerst keine Exportgenehmigungen für COVID-19-Impfstoffe
mehr aus. Zwischen März und Mai 2021 waren hiervon 131 Millionen Dosen
für COVAX betroffen. Bis Ende Juni 2021 könnten insgesamt bis zu 190
Millionen Dosen betroffen sein. Da viele Länder, insbesondere solche mit
niedrigem und mittlerem Einkommen auf Impfstofflieferungen über COVAX
angewiesen sind, kommt es zum Teil zu Verzögerungen bei den nationalen COVID-19-
Impfkampagnen. Daten zu Engpässen aufgrund der Exportbeschränkungen
nach Land aufgeschlüsselt liegen nicht vor.
20. Liegen der Bundesregierung Informationen darüber vor, welche
Impfstoffe und Liefermengen Entwicklungsländern durch BioNTech/Pfizer,
Moderna und Johnson & Johnson zugesagt wurden (bitte nach Ländern,
Impfstoff und geplantem Liefertermin aufschlüsseln)?
Über das „COVID-19 Vaccine Market Dashboard“ von UNICEF können
Verträge über COVID-19-Impfstoffe nach Hersteller und Land aufgeschlüsselt
angezeigt werden (Link:
https://www.unicef.org/supply/covid-19-vaccine-market-
dashboard, Reiter „Agreements“, dann „Vaccine Developer“ und „Country/
Group“ auswählen).
21. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über mögliche
Einschränkungen bei der Verfügbarkeit von Medikamenten zur Behandlung
von mit COVID-19 infizierten Personen aufgrund von
Produktionsumstellungen hin zur Impfstoffproduktion – insbesondere auch des
indischen Serum Institute of India – vor, und welche konkreten Kenntnisse
hat die Bundesregierung hinsichtlich daraus resultierender
Einschränkungen bei der Verfügbarkeit von Medikamenten im Rahmen des COVID-19
Therapeutics Accelerators?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine konkreten Informationen vor. Partner
des ACT-A berichten insbesondere von einer Knappheit an medizinischem
Sauerstoff, welche sich jedoch nicht auf die Verfügbarkeit an sich bezieht, sondern
durch komplexe Anforderungen in der Beschaffung, Verteilung und
Verabreichung bedingt ist. Als Teil des COVID-19 ACT-A wurde im Februar 2021 die
COVID-19 Oxygen Emergency Taskforce gegründet, um Engpässe zu
überwinden.
22. Welche Gremien sind nach Kenntnis der Bundesregierung dazu befugt,
das Mandat des Access to COVID-19 Tools Accelerator (ACT-A) zu
verlängern?
Der ACT-A ist ein freiwilliger Zusammenschluss der daran beteiligten
Organisationen, der auf Initiative der G20 gegründet wurde. Auf Grund seiner
multilateralen, kollaborativen Struktur erfordert eine Mandatsverlängerung die
Einbeziehung und Zustimmung der im ACT-A involvierten Organisationen und
Akteure sowie des ACT-A Facilitation Council. In letzterem sind mehrere Staaten,
darunter auch Deutschland als Gründungsmitglied, vertreten.
a) Werden nach Kenntnis der Bundesregierung der bislang geschaffene
Mehrwert des ACT-A sowie der prognostizierte Bedarf der Länder mit
niedrigem oder mittlerem Einkommen für den Zugang zu den vom
ACT-A organisierten „Tools“ im Jahr 2022 zuvor evaluiert?
Unter der Schirmherrschaft der WHO und insbesondere im Rahmen der Arbeit
des ACT-A Facilitation Council werden der Fortschritt und Mehrwert des ACT-
A sowie die globalen Bedarfe fortlaufend evaluiert und regelmäßig über die
WHO-Homepage öffentlich zugänglich gemacht. Mitte September sollen
zudem die Ergebnisse eines sogenannten „strategic review“ von ACT-A
veröffentlicht werden.
b) Bleibt es nach Kenntnis der Bundesregierung auch angesichts von
Finanzierungslücken bei der Zusammenstellung und den Zielvorgaben
der derzeitigen „Säulen“ des ACT-A?
Zum jetzigen Zeitpunkt liegen keine konkreten Informationen zu geplanten
grundlegenden Änderungen hinsichtlich der Zusammenstellung und der
Zielvorgaben der derzeitigen Säulen des ACT-A vor.
c) Inwiefern würde nach Kenntnis der Bundesregierung eine
Verlängerung des Mandats die im kommenden Jahr anstehenden
„Wiederauffüllungskonferenzen“ für zwei der am ACT-A beteiligten
Organisationen – CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) und
GFATM (der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose
und Malaria) – betreffen?
Die strategischen Ziele von CEPI und GFATM können unabhängig von einer
potentiellen Mandatsverlängerung des ACT-A verfolgt werden.
23. An welchen Organisationen und Programmen beteiligt sich die
Bundesregierung, um Herstellungskapazitäten für COVID-19-Impfstoffe in
Entwicklungsländern auf- und auszubauen, und welche Fortschritte konnten
bislang erzielt werden?
Die Bundesregierung plant, Südafrika bei Herstellungskapazitäten für
COVID-19-Impfstoffe und andere Impfstoffe zu unterstützen. In Senegal und
Ghana sollen ebenfalls Impfstoffproduktionskapazitäten unterstützt werden.
Zum Abschluss seiner Westafrikareise besuchte Bundesentwicklungsminister
Dr. Müller am 17. Juni 2021 das Institut Pasteur Dakar in Senegal. Dabei
wurden 20 Millonen Euro zur Förderung der lokalen COVID-19-
Impfstoffproduktion zugesagt sowie eine gemeinsame Absichtserklärung
unterzeichnet. Die kürzlich eingerichtete „COVAX Vaccine, Manufacturing
Taskforce“ und ihr politisches Steuerungsgremium, die ACT-A High Level Working
Group on Vaccine Manufacturing soll kurzfristig die Produktion und
Versorgung mit Corona-Impfstoffen beschleunigen. Langfristig soll eine Plattform für
die nachhaltige Herstellung von Impfstoffen geschaffen werden.
a) In welchen Ländern sind der Bundesregierung Fortschritte über die
Erweiterung von Herstellungskapazitäten für COVID-19-Impfstoffe
bekannt – insbesondere in Least Developed Countries (LDC)?
Im Rahmen des geplanten Aufbaus von Herstellungskapazitäten im Senegal
wird zunächst die Errichtung einer Abfüllanlage zur Portionierung von
importiertem Impfstoff (u. a. gegen COVID-19) angestrebt. Später ist der Ausbau auf
eine Gesamtproduktionslinie geplant. Ergänzend wird auf die Antwort zu
Frage 23 verwiesen. Weitere Fortschritte in LDCs sind der Bundesregierung nicht
bekannt.
b) Sind der Bundesregierung lokale und technologisch dazu befähigte
Produktionsstätten für die Produktion von Impfstoffen bekannt, die für
die Produktion von COVID-19-Impfstoffen geeignet wären?
Falls ja, gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Verhandlungen
mit Impfstoffproduzenten, diese Produktionsstätten zu nutzen?
Potentielle Partner für die Produktion von COVID-19-Impfstoffen sind in
Südafrika bekannt. Das Unternehmen Aspen plant, den Impfstoff des
Impfstoffherstellers Johnson & Johnson in Lizenz zu produzieren. Gleichzeitig werden
in diesem Land Gespräche mit weiteren Herstellern bezüglich Kapazitäten zur
Abfüllung von Impfstoffen geführt. In Ghana werden ebenfalls Gespräche mit
Pharmaproduzenten und staatlichen Stellen zum Aufbau von Anlagen zur
Abfüllung von Impfstoffen geführt.
Im Institut Pasteur Dakar in Senegal gibt es eine lokale, WHO-zertifizierte
Produktion von Gelbfieberimpfstoff, deren Ausweitung bereits vor dem Auftreten
von COVID19 überlegt wurde (der Ausbau des Pharmasektors ist Teil der
nationalen Entwicklungsstrategie). Die Regierung führt Gespräche mit Herstellern,
Gebern und Unternehmen zum Ausbau von Impfstoffabfüllung und -
produktion. Des Weiteren wird hierzu auf die Antwort zu den Fragen 23 und 23 a
verwiesen.
24. An welchen Organisationen und Programmen beteiligt sich die
Bundesregierung, um Herstellungskapazitäten für medizinischen Sauerstoff in
Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen auf- und auszubauen,
und welche Fortschritte konnten bislang erzielt werden?
Inwieweit hat die Bundesregierung bilaterale Maßnahmen zum Auf- und
Ausbau von Herstellungskapazitäten für medizinischen Sauerstoff in
Partnerländern seit Beginn der COVID-19-Pandemie unterstützt?
In Usbekistan wird eine develoPPP-Maßnahme durchgeführt: „Sicherung der
effizienten Nutzung von Hochtechnologie für moderne therapeutische und
diagnostische Anwendungen in Usbekistan“. Diese Maßnahme hat die
Entwicklung der Sauerstofffabrik bzw. die Installation eines Sauerstoffgenerators im
Krankenhaus in Andijan unterstützt und damit zur Verbesserung der
Gesundheitsversorgung insbesondere bei der Beatmung der Patienteninnen und
Patienten in der COVID-19-Pandemie beigetragen.
In Malawi hat das Vorhaben „Stärkung des Gesundheitssystems mit Fokus auf
reproduktive Gesundheit“ zur Unterstützung der COVID-19-Behandlung in
ausgewählten Notversorgungszentren u. a. die Beschaffung einer mobilen
Sauerstoffproduktionsanlage, die als Notunterstützung für die Notfallstation des
Zentralkrankenhauses Lilongwe oder bedarfsabhängig in anderen
Notfallstationen dienen wird, vorgenommen. Dadurch wird eine durchgängige Versorgung
von sauerstoffbedürftigen Patientinnen und Patienten gesichert.
In Indien wurden im Rahmen des COVID-19-Krisenreaktionsprogramms der
FZ zur Stärkung des Gesundheistssystems über UNICEF global 3 014
Sauerstoffkonzentratoren und 20 Sauerstofferzeugungsanlagen beschafft und
installiert.
25. Durch welche Maßnahmen unterstützt die Bundesregierung den Kampf
gegen minderwertige und gefälschte COVID-19-Impfstoffe und
Diagnostika in Entwicklungsländern?
Die Bundesregierung prüft dies in ihren Vorhaben, die aktuell in der Planung
sind (z. B. in Südafrika).
Über das Engagement der Bundesregierung bei COVAX unterstützt
Deutschland die Nutzung von qualitativ hochwertigen und durch die
Weltgesundheitsorganisation zugelassenen Impfstoffen. Über COVAX werden nur solche
Impfstoffe an Länder verteilt, die den von der WHO vorgeschriebenen
Wirksamkeits-, Qualitäts- und Sicherheitsstandards entsprechen.
26. An welchen Organisationen und Programmen beteiligt sich die
Bundesregierung, um Labor- und Testkapazitäten, die der Identifikation von
COVID-19-Fällen dienen, in Entwicklungsländern auf- und auszubauen,
und welche Fortschritte konnten bislang erzielt werden?
Ist geplant, diese Kapazitäten langfristig aufrechtzuerhalten, um auch die
Eindämmung anderer Infektionskrankheiten zu ermöglichen?
Im Rahmen des COVID-19-Sofortprogramms unterstützt die Bundesregierung
seit Juni 2020 im Libanon mit insgesamt bislang 20,5 Millionen Euro u. a.
Maßnahmen zur Ausweitung von Labor- und Testkapazitäten, die der
Identifikation von COVID-19-Fällen dienen. Diese umfassen u. a. Maßnahmen in den
Bereichen Beschaffung (bspw. Test-Kits, Schutzausrüstung, Laborreagenzien),
Finanzierung von Gesundheitspersonal (u. a. im Bereich Test & Trace) sowie
die Durchführung von Genomsequenzierungen zur Aufdeckung von
auftretenden Virusvarianten. Die Maßnahmen werden landesweit durch UNICEF/WHO
in Zusammenarbeit mit lokalen öffentlichen und privaten Krankenhäusern und
Gesundheitsstationen durchgeführt. Die bisherigen Maßnahmen in den
Bereichen Labor- und Testkapazitäten fokussieren auf die aktuelle Pandemielage und
wirken überwiegend kurzfristig. Ausnahmen bilden u. a. die Schulung/
Ausbildung von Personal sowie die Beschaffung von medizinischer Ausrüstung.
Außerdem unterstützt die Bundesregierung im Rahmen von COVID-19-
Sofortmaßnahmen über das Förderprogramm Klinikpartnerschaften 13
Partnerorganisationen in neun afrikanischen Ländern, um die Labor- und
Testkapazitäten vor Ort deutlich zu erhöhen. Die Corona-Sofortmaßnahmen werten die
diagnostischen Kapazitäten für die Patientenversorgung in Bezug auf HIV, HPV
(Cervix-Karzinom) und vor allem multiresistenter Tuberkulose auf.
Die Bundesregierung unterstützt weiterhin im Rahmen des Global Health
Protection Programme (GHPP) des BMG bereits seit 2016 Länder des globalen
Südens im Aufbau von Labor- und Testkapazitäten. Von 2021 bis zunächst
Frühjahr 2023 erfolgt die Förderung von Corona-spezifischen Projekten im
Rahmen der „Corona Global“-Maßnahmen des GHPP. Insgesamt wird das
GHPP auch über das Jahr 2023 hinaus fortgeführt.
Darüber hinaus wurden seit Beginn der Corona-Pandemie allein durch das
Robert Koch-Institut mehr als 170 Unterstützungsmaßnahmen (z. B. Aufbau
Diagnostikkapazitäten, online und Präsenztrainings, Unterstützung Aufbau SARS-
CoV-2 Sequenzierung) durchgeführt.
In Südafrika unterstützt die Bundesregierung die Provinz Limpopo bei der
Anschaffung eines Sequenziergeräts, das zur Entdeckung möglicher weiterer
Mutationen beitragen soll.
Auch die SEEG hat seit der Corona-Pandemie bei 18 Einsätzen vor allem die
Laborkapazitäten der Partnerländer gestärkt. Hier wurden PCR- und
Sequenzierungsmöglichkeiten in Laboren geschaffen, Laborpersonal wurde darin
geschult, diese Testungen sachgemäß durchzuführen. Aktueller Fokus liegt hier
auf der Diagnostik von Sars-CoV-2, allerdings lässt sich diese Technik auch gut
für andere Erreger einsetzen und hilft auch bei der Eindämmung anderer
Infektionskrankheiten.
Die Bundesregierung unterstützt zudem in der Diagnostiksäule des ACT-A
tätige Organisationen (GFATM und die Foundation for Innovative New
Diagnostics, FIND), welche sich für die Stärkung von Labor- und Testkapazitäten und
einen verbesserten Zugang zu COVID-19-Diagnostika wie Tests und
Analysegeräte in Entwicklungsländern einsetzen. Neben der Entwicklung von
Diagnostika (FIND) steht die Beschaffung und gerechte Verteilung (GFATM) dieser im
Vordergrund. Während die Diagnose anderer Infektionskrankheiten im Rahmen
des Bidirectional Screening (zeitgleiche Testung auf COVID-19 und
Tuberkulose) bereits berücksichtigt wird, sollen sämtliche Bestrebungen der
Organisationen auch langfristig zu der Aufrechterhaltung der ausgebauten Labor- und
Testkapazitäten beitragen.
Zudem werden im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit die drei
Regionalorganisationen EAC, CEMAC und ECOWAS beim Aufbau von
Laborkapazitäten zur Pandemieprävention unterstützt. Diese dienen auch, aber nicht
ausschließlich der Identifikation von COVID-19-Fällen und der Verhinderung
zukünftiger Pandemien, zur Bekämpfung der mit Pandemien in Zusammenhang
gebrachten Zoonosen und vernachlässigten Tropenkrankheiten sowie anderer
Infektionskrankheiten. Des Weiteren werden im Rahmen der COVID-Response
in weiteren Ländern Laborkapazitäten zur Pandemieprävention mit aufgebaut.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die
„Coalition for Epidemic Preparedness Innovations” (CEPI). Zusätzlich zur
Entwicklung von Impfstoffen hat CEPI in der COVID-19-Pandemie eine Taskforce mit
GISAID (Global Initiative on Sharing All Influenza Data) und anderen
Partnern initiiert, um regelmäßige Berichte zu Virusvarianten zusammenzutragen,
zu teilen und damit die WHO in ihrer Überwachungstätigkeit zu unterstützen.
Diese Partnerschaft unterstützt auch den Aufbau von Kapazitäten im Bereich
der öffentlichen Gesundheit und lokalen Forschung in Afrika, um dort die
Verbreitung und Evolution von SARS-CoV-2 zu überwachen.
Im Rahmen der Fördermaßnahme „Forschungsnetzwerke für
Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika“ des BMBF wurden zusätzliche Labor- und
Testkapazitäten für die Identifikation von COVID-19 aufgebaut und Trainings für
das Gesundheitspersonal durchgeführt. Damit tragen die Forschungsnetzwerke
auch zur Überwachung der Ausbreitung von SARS-CoV-2 in den
Partnerländern bei.
27. Plant die Bundesregierung, die gemeinsam mit der Deutschen
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) bereits installierten
„Schnell Einsetzbaren Expertengruppen Gesundheit“ (SEEG)
auszuweiten?
Ja. Im Rahmen einer zweiten Phase (ab 2021) der von BMZ und BMG
initiierten schnell einsetzbaren Expertengruppen Gesundheit (SEEG) wurde die
Kooperation mit den Fachinstituten durch ein „Memorandum of Understanding“
formalisiert. Neben dem Robert Koch-Institut und dem Bernhard-Nocht-Institut
für Tropenmedizin schlossen sich im Januar 2021 mit der Charité und dem
Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit weitere Kooperationspartner der
SEEG an. Ferner umfasst das Handlungsfeld der SEEG nun auch das Thema
One Health. So wurde die SEEG sowohl durch das BMZ als auch durch die
Ressorts BMG und Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung
(BMEL) deutlich gestärkt. Des Weiteren wird hierzu auf die Vorbemerkung der
Bundesregierung verwiesen.
a) Falls ja, in welchen Ländern und Projekten?
Die SEEG reagiert flexibel auf Hilfsanfragen aus Ländern, abhängig von den
Infektionsgeschehen.
b) Hilft ihre Ausweitung bei der Stärkung nationaler
Gesundheitssysteme?
Derzeit liegt ein Fokus auf der Unterstützung des Ausbaus von Testkapazitäten
für SARS-CoV-2, was allerdings in Zukunft auch für andere Erreger genutzt
werden kann. Außerdem wird die SEEG-Partnerländer bei der Umsetzung der
Internationalen Gesundheitsvorschriften auch in den Bereichen Surveillance,
Reporting, Labor, Krisenmanagement oder Koordination unterstützen. All dies
führt auch zu einer Stärkung der nationalen Gesundheitsvorschriften über die
aktuelle Pandemie hinaus.
28. In welchen Partnerländern der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit
wurde nach Kenntnis der Bundesregierung das Tool „Sormas“ bereits
implementiert, und welche Bilanz kann daraus zur Eindämmung der
COVID-19-Pandemie gezogen werden?
Ist eine Ausweitung des Tools in andere Partnerländer geplant, und falls
ja, wann, und wie?
Neben der Anwendung in drei europäischen Ländern, wird das Surveillance,
Outbreak Response Management and Analysis System (SORMAS) derzeit in
sieben Partnerländern der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit als
Instrument für Krankheitsüberwachung und Ausbruchmanagement angewendet: In
Nigeria und Ghana wird SORMAS landesweit für die Nachverfolgung von
Infektionskrankheiten genutzt, in Fidschi ausschließlich für COVID-19. In der
Elfenbeinküste, Burkina Faso, Nepal und Afghanistan (letzteres nur im Bereich
Polio-Impfkampagnen) befindet sich SORMAS in der Pilotierung im Rahmen
von Forschungsvorhaben durch das Helmholtz Zentrum für
Infektionsforschung (HZI).
Aufgrund positiver Vorerfahrungen und der raschen Anpassung von SORMAS
durch ein COVID-19-Modul entschieden sich im März 2020 Nigeria und
Ghana sehr schnell zu einer landesweiten Anwendung von SORMAS. Auch wenn
aktuell (Stand: Juni 2021) noch keine Evaluierung der Anwendung in der
COVID-19-Pandemie vorliegen, sind die Bewertungen durch die nationalen
Partner sehr positiv, insbesondere in Bezug auf die erhöhte Geschwindigkeit
beim Fallmanagement, die Identifizierung von Fall-Clustern sowie die
Bereitstellung von aktuellen Echtzeitdaten als Grundlage politischer Entscheidungen.
Eine bedarfsorientierte Ausweitung der Nutzung von SORMAS ist in
folgenden Ländern und Regionen geplant: In der ostafrikanischen IGAD- und der
westafrikanischen ECOWAS-Region ist die Anpassung von SORMAS als ein
regionales Epidemieüberwachungssystem geplant. Neben der Elfenbeinküste,
Ghana, Nigeria und Burkina Faso soll SORMAS auch in weiteren ECOWAS-
Mitgliedsländern eingeführt werden. Darüber hinaus soll SORMAS in Fidschi
bis 2022 als nationales Epidemieüberwachungssystem eingeführt werden,
welches alle relevanten Infektionskrankheiten abdeckt.
29. Sind seitens der Bundesregierung neue Kooperationen mit Regierungen
von Entwicklungsländern geplant, um die Gesundheitswirtschaft und
Gesundheitsinfrastruktur zu stärken, beispielsweise durch den Austausch
von fachlichem Know-how oder die Bereitstellung von modernen
Gesundheitstechnologien?
Falls ja, um welche Vorhaben handelt es sich?
Als geplante Kooperationen werden hier Projekte verstanden, die 2021
beginnen.
Land/
Region
Projektitel
Südafrika Multisektorale HIV-Prävention in
Südafrika
Südafrika Unterstützung der Impfstofflogistik
und -verteilung in Südafrika
Südafrika Stärkung Diagnostik u. a. durch
Bereitstellung von modernen
Gesundheitstechnologien
Afrika Kooperation mit dem Africa CDC
zur regionalen Stärkung von
Kapazitäten für Virus-Diagnostik und -
Sequenzierung
Ostafrikanische Gemeinschaft/East
African Community (EAC)
Regionales Ausbildungszentrum für
Gesundheitslogistiker
Ostafrikanische Gemeinschaft/East
African Community (EAC)
Regionales Labornetzwerk zur
Bekämpfung von übertragbaren
Krankheiten
ECOWAS Verbesserung der
Pandemieprävention und One Health in der ECOWAS
Region (Neuvorhaben)
ECOWAS Ausbau der Qualitätsinfrastruktur
medizinischer Referenzlaboratorien
in der ECOWAS Region
(Folgephase)
ECOWAS Unterstützung der
Pandemieprävention in der ECOWAS-Region
30. Sind seitens der Bundesregierung neue Forschungs- und
Klinikpartnerschaften mit Partnerländern der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit
in Planung?
Falls ja, um welche Vorhaben handelt es sich?
Das Förderprogramm Klinikpartnerschaften unterstützt im Rahmen seiner
Förderlinie „Global“ seit 2016 insgesamt 300 Klinikpartnerschaften in 59 Ländern,
darunter auch Partnerländer der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit.
Jährlich werden etwa 100 neue Klinikpartnerschaften auf der Grundlage von zwei
Ausschreibungen pro Jahr, auf die sich die Klinikpartnerschaften bewerben
können, gefördert. Im Spätsommer 2021 ist geplant, darüber hinaus die neue
Förderlinie „Academic“ auszuschreiben, die sich explizit an Forschungs-, bzw.
Hochschul- und Klinikpartnerschaften richtet. Abhängig von den eingehenden
Bewerbungen und der Förderbewilligung (Frühling 2022) werden auch hier
Klinikpartnerschafts-Projekte in Ländern der bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit gefördert.
Forschungspartnerschaften sind vorerst nicht geplant.
31. Sind seitens der Bundesregierung neue Maßnahmen der
Entwicklungszusammenarbeit in Planung, die den Fokus auf den Bereich der
Gesundheitssystemstärkung und Epidemieprävention legen?
Falls ja, welche?
Falls nein, weshalb nicht?
Zurzeit werden neun bilaterale Vorhaben in Subsahara-Afrika geprüft, die einen
Fokus auf Gesundheitssystemstärkung und Epidemieprävention legen. Zudem
ist ein Regionalvorhaben mit der Afrikanischen Union geplant, welches die
Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC) weiter stärken
soll.
Darüber hinaus ist das BMZ in Gesprächen mit Unternehmen sowie Verbänden
der Gesundheitswirtschaft, um insbesondere in afrikanischen Ländern
gemeinsam Projekte und Maßnahmen umzusetzen, die einen Beitrag zur
Gesundheitssystemstärkung leisten.
Mit dem Initiativthema One Health verfolgt die Bundesregierung das Ziel,
diesen Ansatz sektorübergreifend in der internationalen Zusammenarbeit und
innerhalb der deutschen EZ weiter zu verankern. Ein ganzheitlicher One Health-
Ansatz steht für eine interdisziplinäre Herangehensweise, die das
Zusammenspiel von Mensch, Tier und Umwelt im Bereich Gesundheit umfasst.
Multilateral setzt sich die Bundesregierung für eine verbesserte Zusammenarbeit der
beteiligten internationalen Organisationen ein, z. B. durch die Initiierung und
Unterstützung des im Mai 2021 neu geschaffenen „One Health High Level Expert
Panel“ bei WHO, FAO, OIE und UNEP. Weiterhin soll One Health durch
konkrete Programme zur Reduzierung von Gesundheitsrisiken, zur Stärkung der
Human- und Veterinärgesundheitssysteme und verbesserter Frühwarnsysteme
mit dem Ziel einer verbesserten Epidemie- und Pandemieprävention zur
Anwendung kommen.
Ansatzpunkte sind eine gestärkte Epidemie- und Pandemieprävention durch
verbesserte Aufklärung, Monitoring (hierzu wird auf die Antwort der
Bundesregierung zu der Frage 1 der Kleinen Anfrage der Fraktion der FDP auf
Bundestagsdrucksache 19/23827 verwiesen), Diagnostik und präventive
Maßnahmen, Bekämpfung von Zoonosen, insbesondere von NTDs, Reduktion von
Antibiotikaresistenzen und Förderung intakter, die Biodiversität schützender
Ökosysteme.
Das neue Globalvorhaben Pandemieprävention und -bekämpfung, One Health
befindet sich seit Januar 2021 im Aufbau und wird in ausgewählten
Partnerländern (Kambodscha, Vietnam, Kamerun, Ecuador) und Regionen (SICA, Selva
Maya (Mexiko, Guatemala und Belize), die Prävention und -bekämpfung von
Gesundheitsgefahren durch eine Stärkung des One Health-Ansatzes auf
internationaler und regionaler Ebene unterstützen. Institutionen und Organisationen in
relevanten Bereichen der Human-, Tier-, und Umweltgesundheit werden bei der
Vorbeugung und Bekämpfung von Infektionsausbrüchen, bei der Umsetzung
der internationalen Gesundheitsvorschriften sowie beim Aufbau von
technischen und fachlichen Kapazitäten in Schlüsselinstitutionen zur wirksamen
Reaktion auf gesundheitliche Gefahrensituationen gestärkt.
Um das Risiko von Zoonosen im Wildtierhandel zu verringern und einen
Beitrag zur Umsetzung des One Health-Ansatzes zu leisten, haben BMZ und BMU
gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen die internationale Allianz zur
Reduzierung von Gesundheitsrisiken im Handel mit Wildtieren und
Wildtierprodukten gegründet. Hierfür sollen zum einen Lösungsansätze zur
Eindämmung von Risiken der Mensch-, Tier- und Umweltgesundheit, die durch den
Handel mit Wildtieren und Wildtierprodukten verursacht werden, etabliert
werden. Auch sollen Verhaltensänderungen bewirkt werden, die zu einer sicheren
Nutzung von Wildtieren und Wildtierprodukten sowie zur Nachfragereduktion
beitragen. Bewusster Umgang und Wissen sollen gestärkt werden.
Im Rahmen des GHPP unterstützt die Bundesregierung bereits seit 2016
Länder des globalen Südens bei der Stärkung von Kapazitäten zur
Epidemieprävention und -bekämpfung (vgl. hierzu im Detail Antwort zu Frage 26) und bringen
die im Geschäftsbereich des BMG beteiligten Institutionen ihre spezielle
technische Expertise im Bereich des öffentlichen Gesundheitsschutzes in
internationale Projekte ein.
32. Inwieweit wurden bilaterale Maßnahmen und Projekte im Bereich der
Gesundheitssystemstärkung erweitert, verlängert und/oder angepasst
(bitte begründen)?
Hierzu wird auf die Projektaufstellung in Anlage 3* verwiesen.
33. Inwieweit wurden bilaterale Maßnahmen und Projekte im Bereich der
Epidemieprävention erweitert, verlängert und/oder angepasst (bitte
begründen)?
Maßnahmen zur Unterstützung der Pandemievorsorge in der Ostafrikanischen
Gemeinschaft (EAC), wie die strukturelle Verankerung des One Health-
Ansatzes und die Operationalisierung des regionalen Pandemieplans sowie die
Stärkung des Austauschs zwischen Veterinär- und Humanmedizinern in EAC-
Gremien wurden durchgeführt. One Health-Curricula für Ärztinnen und Ärzte,
Tiermedizinerinnen und -medizinier und Umweltwissenschaftlerinnen und
-wissenschaftler an ausgewählten Universitäten und Institutionen der
beruflichen Aus- und Weiterbildung wurden entwickelt und werden 2022 umgesetzt.
Im Rahmen des GHPP des BMG wurden bereits bestehende Kooperationen
und Aktivitäten an die SARS-CoV-2 Pandemie angepasst und in der Laufzeit
verlängert, vergleiche hierzu im Detail die Antworten zu den Fragen 26 und 31.
Neben der Reaktion auf die pandemische Lage dienen die Aktivitäten dem
Aufbau von Kapazitäten und der Prävention von Ausbrüchen und Epidemien.
Aufbauend auf ein bereits in Phase II befindliches Vorhaben mit der EAC zur
Diagnostik von Infektionskrankheiten und antimikrobiellen Resistenzen wird
dort ein regionales Referenzlabor aufgebaut. Dadurch verbessert sich die
Diagnostik und Koordination von Krankheitsausbrüchen auf regionaler Ebene.
In der ECOWAS-Region werden seit 2018 die epidemiologischen Dienste und
Gesundheitssysteme gestärkt. Das FZ-Vorhaben (Phase II, 2020-2023)
unterstützt die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS beim Aufbau
eines regionalen Überwachungssystems. Dazu wurde ein regionaler
Finanzierungsmechanismus zur Stärkung der Referenzlabore bei der Westafrikanischen
Gesundheitsorganisation (WAHO) eingerichtet, mit dessen Hilfe Laborgeräte
beschafft und aufgewertet werden sollen.
Des Weiteren wird zu SORMAS auf die Antwort zu Frage 28 und zu SEEG auf
die Vorbemerkung und Antwort zu Frage 17c verwiesen.
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 19/31330 auf der Internetseite
des Deutschen Bundestages abrufbar.
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 31 – Drucksache 19/31330
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 33 – Drucksache 19/31330
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 35 – Drucksache 19/31330
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 37 – Drucksache 19/31330
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 39 – Drucksache 19/31330
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Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 45 – Drucksache 19/31330
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 47 – Drucksache 19/31330
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