Einsatz digitaler Kompetenzen in der frühkindlichen Bildung
der Abgeordneten Matthias Seestern-Pauly, Katja Suding, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Carl-Julius Cronenberg, Dr. Marcus Faber, Dr. Christopher Gohl, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Dr. Gero Clemens Hocker, Manuel Höferlin, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Gyde Jensen, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Dr. Martin Neumann, Frank Sitta, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Gerald Ullrich, Sandra Weeser, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Wer im Jahr 2021 16 Jahre alt ist, kennt keine Welt ohne Smartphone mehr. Kinder und Jugendliche wachsen heutzutage ganz selbstverständlich mit und in der digitalen Welt auf. Sie nutzen Endgeräte und das Internet in allen Bereichen des Lebens (http://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/KIM/2020/KIM-Studie2020_WEB_final.pdf). Doch bereits im frühesten Alter erfahren und erleben (Kleinst-)Kinder bereits den Umgang mit digitalen Geräten und Medien – sei es durch den Fernseher in der Wohnung oder das Smartphone der Eltern.
Dabei ist ein sicherer und kompetenter Umgang mit digitalen Geräten und Medien besonders für Kinder – aber auch deren Eltern – wichtig. Durch Medienkompetenz können bedenkliches Verhalten erkannt sowie Chancen genutzt werden. Schon kleine Kinder können an einen verantwortungsvollen und sicheren Umgang mit digitalen Geräten, die ihnen überall im Alltag begegnen, herangeführt werden.
Den Fachkräften in frühkindlichen Bildungseinrichtungen kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Sie wirken durch ihre Schnittstellenfunktion auch in die Familien hinein und stehen Eltern für Fragen und Hilfestellungen zur Seite. Dabei ist es unabdingbar, dass diese Fachkräfte einen geschulten und sicheren Umgang mit digitalen Geräten und pädagogischen Konzepten pflegen, um dieser Rolle bestmöglich gerecht werden zu können.
In einer repräsentativen Umfrage der Stiftung „Haus der Kleinen Forscher“ aus dem Jahr 2017 gaben 80 Prozent der befragten Fachkräfte an, nie (48 Prozent) oder nur ein- bis zweimal im Monat (38 Prozent) die Kinder bei der Nutzung digitaler Geräte zu begleiten (https://www.haus-der-kleinen-forscher.de/fileadmin/Redaktion/3_Aktuelles/Presse/171213_Ergebnisse_zur_Telefonbefragung_Digitales.pdf). Eine Förderung der Medienkompetenz in Aus-, Fort- und Weiterbildungen von pädagogischen Fachkräften in der frühkindlichen Bildung kann auch Sicht der Fragesteller maßgeblich zu einer besseren Medienkompetenzvermittlung führen.
Aus diesen Gründen ergibt sich Informationsbedarf über die Aktivitäten der Bundesregierung bezüglich der Stärkung der Digitalisierung und Medienkompetenz(vermittlung) in der frühkindlichen Bildung.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen12
Welchen Stellenwert misst die Bundesregierung der digitalen Medienkompetenz in der frühkindlichen Bildung aus welchen Gründen bei?
Sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf bezüglich der digitalen Ausstattung und der Stärkung der Medienkompetenz(vermittlung) im Bereich der frühkindlichen Bildung, und wenn nein, warum nicht?
Welche Studien zum Einsatz digitaler Mittel und der Vermittlung digitaler Medienkompetenz in der frühkindlichen Bildung wurden seit 2017 vom Bund gefördert, und welche Handlungsbedarfe hat die Bundesregierung aus den Ergebnissen dieser Studien abgeleitet (bitte nach Studie, Erscheinungsjahr sowie verausgabter Haushaltsmittel aufschlüsseln)?
Wie bewertet die Bundesregierung das Ergebnis der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Kurzstudie „Zukunftsfelder für Erzieherberufe – Fachkarrieren in der frühen Bildung“, dass der Umgang mit digitalen Medien in der Ausbildung von Fachkräften in den Bundesländern sehr heterogen verankert ist, und welche Schlüsse hat die Bundesregierung hieraus gezogen (https://www.bmfsfj.de/resource/blob/161224/6e19ca497438d61f75f8952154056003/20201028-kurzstudie-zufunftsfelder-erzieherberufe-data.pdf)?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der Erkenntnis der Studie „Digitalisierung in der frühen Bildung – Die Perspektive von Kita-Trägern“ des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ), dass „[d]ie befragten Träger [...] in den Einrichtungen eine von Skepsis und Verunsicherung geprägte Haltung der Erzieher*innen wahrnehmen, die durch mangelnde Medienkompetenzen verstärkt wird“, und welche Handlungsbedarfe hat die Bundesregierung hieraus abgeleitet (https://duepublico2.uni-due.de/receive/duepublico_mods_00071615)?
Welche Modellprojekte wurden seit dem Jahr 2017 von der Bundesregierung gefördert oder durchgeführt, mit dem Ziel, die Medienkompetenz von Fachkräften in der frühkindlichen Bildung zu stärken (bitte nach Modellprojekt, Laufzeit, Ergebnissen und verausgabten Haushaltsmitteln aufschlüsseln)?
Werden Onlinefortbildungen für Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung nach Kenntnis der Bundesregierung Präsenzfortbildungen bei der Anerkennung durch die Arbeitgeber gleichgestellt, und wenn nein, welchen Handlungsbedarf hat die Bundesregierung daraus abgeleitet?
Welche statistischen Daten zur Ausstattung mit digitalen Geräten in Einrichtungen der frühkindlichen Bildung liegen der Bundesregierung vor, und wie bewertet sie das Verhältnis von internetfähigen Endgeräten pro Fachkraft vor dem Hintergrund einer umfassenden Medienbildung?
Welche Handlungsbedarfe hat die Bundesregierung bezüglich der ihr vorliegenden statistischen Daten zur digitalen Ausstattung von Einrichtungen der frühkindlichen Bildung identifiziert?
Wie bewertet die Bundesregierung auf Grundlage der ihr vorliegenden Informationen den Stellenwert digitaler Lösungen zur Optimierung der Verwaltungsinfrastruktur von Einrichtungen der frühkindlichen Bildung?
Inwieweit wurden Mittel des Bundes im Rahmen des sog. Gute-Kita-Gesetzes für die digitale Ausstattung respektive Stärkung der Medienkompetenz von Fach- und Leitungskräften eingesetzt, und mit welchen Ergebnis?
Welche Informationen liegen der Bundesregierung über ihre strukturelle Zusammenarbeit mit den Bundesländern über Beschlüsse der Kultusministerkonferenz der Länder zum Einsatz der Digitalisierung in der Frühpädagogik vor?