Förderung anwendungsorientierter und erfolgreicher Forschung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
der Abgeordneten Thomas Sattelberger, Katja Suding, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Britta Katharina Dassler, Peter Heidt, Renata Alt, Nicole Bauer, Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Reginald Hanke, Katrin Helling-Plahr, Torsten Herbst, Katja Hessel, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Daniela Kluckert, Pascal Kober, Frank Sitta, Linda Teuteberg, Dr. Andrew Ullmann, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Die Förderung anwendungsorientierter Forschung ist den Fragestellern ein besonderes Anliegen. Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) bzw. Fachhochschulen (FH) stehen wie kein anderer Hochschultyp für den Praxis- und Anwendungsbezug und den Transfer ihrer Forschungsergebnisse.
In zwei Kleinen Anfragen haben sich die Fragesteller daher nach Verlauf und Evaluierung der Förderlinie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) „Projektakademien“ erkundigt, mithilfe derer Professorinnen und Professoren von HAW bzw. FH beim Einstieg in durch DFG-Drittmittel geförderte Forschungsprojekte unterstützt werden (vgl. https://www.dfg.de/foerderung/programme/einzelfoerderung/projektakademie/index.html sowie Antworten der Bundesregierungen auf Bundestagsdrucksachen 19/12543 sowie 19/14533).
Das nach Auffassung der Fragesteller gravierende Missverhältnis bei der Forschungsförderung durch die DFG in Bezug auf Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen einerseits und auf die FH bzw. HAW andererseits hat sich trotz anhaltender Kritik daran nicht geändert. Nur 1,1 Prozent der im Zeitraum 2017 bis 20219 bei der DFG entschiedenen Anträge ist Fachhochschulen zuzuordnen (s. https://www.dfg.de/dfg_profil/zahlen_fakten/evaluation_studien_monitoring/studien/bericht_drittmittel/index.html).
Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat in ihrem Gutachten 2019 zudem die Förderstrukturen der DFG mit wichtigen Forschungsförderorganisationen in Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz und den USA verglichen. Ein Ergebnis war, dass die Qualität der Publikationen von durch die DFG geförderten Projekten, basierend auf Publikationen mit Förderverweisen, niedriger war als in den Vergleichsländern. Die EFI regte unter anderem an, zu prüfen, ob die hohe Gewichtung strukturbildender Förderformate nicht zugunsten einer Stärkung der Förderung von Einzelprojekten korrigiert werden könnte (https://www.e-fi.de/fileadmin/Assets/Gutachten/EFI_Gutachten_2019.pdf).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen15
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die DFG-Förderlinie „Projektakademien“ ab 2019 entwickelt (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
a) Wie viele Anträge auf Einrichtung einer Projektakademie wurden insgesamt bei der DFG gestellt?
b) Wie viele Professorinnen und Professoren haben an einer Projektakademie teilgenommen (bitte aufschlüsseln)?
c) Aus welchen Wissenschaftsbereichen kamen die Antragstellungen?
d) Wie viele Anträge wurden bewilligt, wie viele abgelehnt (bitte nach Wissenschaftsbereichen aufschlüsseln)?
Wie viele Anträge auf Projektförderung sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Nachgang der jeweiligen Projektakademien insgesamt in welcher Kostenhöhe gestellt worden (bitte nach Jahr und Art der Sachbeihilfe aufschlüsseln)?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Bewilligungsquote der seit 2019 aus den Projektakademien hervorgegangenen Anträge, und wie verhält sich diese im Vergleich zur durchschnittlichen Bewilligungsquote von DFG-Anträgen?
Wie bewertet die Bundesregierung diese Zahlen?
Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2019 Änderungen bzw. Optimierungen an dem Programm „Projektakademien“ vorgenommen?
Wenn ja,
a) welche Änderungen wurden vorgenommen?
b) wann wurden diese Änderungen vorgenommen?
c) mit welchen Zielen?
d) wurden diese Ziele erreicht?
Wie haben sich die Förder- und Bewilligungsquoten der DFG für Anträge der HAW bzw. FH seit 2019 weiterentwickelt (bitte nach Jahren, Antrags- und Bewilligungszahl sowie Antrags- und Bewilligungssumme aufschlüsseln)?
Was ist nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2019 unternommen worden, um Professorinnen und Professoren der HAW bzw. FH über die Möglichkeiten der Fördermittelantragstellung bei der DFG zu informieren?
Mit welchem Erfolg?
Wann ist die durch die Bundesregierung angekündigte Anregung im Hauptausschuss der DFG, eine möglichst breite und genaue Analyse sowie konkrete Verbesserungsvorschläge durch die DFG erarbeiten zu lassen, erfolgt (vgl. Antwort der Bundesregierung zu Frage 15 auf Bundestagsdrucksache 19/14533)?
Was sind die Ergebnisse der Anregung durch die Bundesregierung
a) hinsichtlich der möglichst breiten und genauen Analyse,
b) hinsichtlich konkreter Verbesserungsvorschläge,
c) hinsichtlich der Umsetzung dieser Verbesserungsvorschläge,
d) hinsichtlich der gelebten Praxis dieser Verbesserungsvorschläge?
e) Wenn diese Ergebnisse oder Teilergebnisse zu den Fragen 8a bis 8d nicht vorliegen, warum nicht?
Was gedenkt die Bundesregierung ggf. dagegen zu tun?
Was ist nach Kenntnis der Bundesregierung das Ergebnis der von der DFG-Präsidentin eingesetzten Arbeitsgruppe, in der unter dem Vorsitz der Präsidentin die Frage nachgegangen wurde, warum die HAW bzw. FH vergleichsweise wenige DFG-Mittel einwerben (vgl. https://www.jmwiarda.de/2020/04/02/diversitaet-und-exzellenz-sind-fuer-mich-untrennbar/)?
Inwieweit werden nach Kenntnis der Bundesregierung bei der DFG neue Beteiligungsformate der HAW bzw. FH bei der DFG geprüft, und wenn ja, mit welchen Ergebnissen, darunter
a) eine höhere Repräsentanz in den Gutachtergremien und Fachkollegiaten,
b) die Aufnahme einzelner HAW bzw. FH als Vollmitglieder in die DFG,
c) eine stärkere Berücksichtigung HAW- bzw.FH-spezifischer Rahmenbedingungen bei der Begutachtung von Anträgen?
Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass die HAW bzw. FH ihr Potenzial hinsichtlich anwendungsbezogener Forschung und Transfers auf der Grundlage aktueller Förderungsstrukturen voll entfalten können (bitte begründen)?
Hat die DFG nach Kenntnis der Bundesregierung die Anregung der EFI-Kommission in ihrem Gutachten 2019 aufgenommen und ihre starke Gewichtung auf Förderprogramme, die Kooperation und Strukturbildung erzielen sollen, einer kritischen Überprüfung unterzogen?
Wenn ja, in welcher Form, und mit welchem Ergebnis?
Wenn nein, warum nicht?
Hat die DFG nach Kenntnis der Bundesregierung die Anregung der EFI-Kommission in ihrem Gutachten 2019 aufgenommen und geprüft, ob internationale Zusammenarbeit stärker als bisher durch die DFG gefördert werden könnte?
Wenn ja, in welcher Form, und mit welchem Ergebnis?
Wenn nein, warum nicht?
Hat die DFG nach Kenntnis der Bundesregierung die Anregung der EFI-Kommission in ihrem Gutachten 2019 aufgenommen, die Gründe für die Muster näher zu untersuchen, die dazu führen, dass die Qualität der Publikationen von durch die DFG geförderten Projekten, basierend auf Publikationen mit Förderverweisen, niedriger als in den Vergleichsländern ist?
Hat sie hier, wie von der EFI empfohlen, verstärkt Wirkungs- und Ursachenanalysen nach neuesten wissenschaftlichen Standards durchgeführt?
Wenn ja, in welcher Form, und mit welchem Ergebnis?
Wenn nein, warum nicht?
Wie viel Prozent der DFG-Fördermittel sind seit 2010 jährlich an Projekte der HAW bzw. FH geflossen (bitte nach Jahren, Anzahl der Projekte sowie Disziplinen aufschlüsseln)?