[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Andrew Ullmann, Jens Beeck,
Michael Theurer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/32092 –
Initiativen zum Aufbau von COVID-19-Impfstoffproduktionskapazitäten in Afrika
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In der Geschichte gab es noch nie zuvor solch immense Bemühungen, für eine
neu aufgetretene Erkrankung so schnell einen Impfstoff zu finden und ihn
weltweit zu verteilen, wie in der COVID-19-Pandemie. Um dieser komplexen
Aufgabe gerecht zu werden und eine faire Verteilung von sicheren und
wirksamen COVID-19-Impfstoffen sicherzustellen, wurde die globale Initiative
COVAX (COVID-19 Vaccines Global Access) und die dazugehörige COVAX
Global Vaccines Facility ins Leben gerufen. Daran nehmen 192 Länder
weltweit teil, darunter 92 mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die durch die
Abnahmegarantie der Impfallianz Gavi Zugang zu COVID-19-Impfstoffen
erhalten können. Bisher hat die Initiative über 89 Millionen COVID-19-
Impfstoffe an 133 teilnehmende Staaten ausgeliefert (Stand: 29. Juni 2021,
https://www.gavi.org/covax-vaccine-roll-out). Ziel ist es bis Ende 2021
zunächst 2 Milliarden Dosen zu erwerben, darunter mindestens 1,3 Milliarden
Dosen für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, um die akute
Phase der Pandemie zu beenden (
https://www.who.int/news/item/27-05-2021-
covax-joint-statement-call-to-action-to-equip-covax-to-deliver-2-billion-dose
s-in-2021). Damit COVAX seine Ziele erreichen kann, haben Staaten und
Staatengemeinschaften bei internationalen Gipfeltreffen
Unterstützungsleistungen in Millionenhöhe zugesagt. Anlässlich des digitalen G7-Gipfels am
19. Februar 2021 kündigte die EU an, zusätzliche 500 Mio. Euro für die
COVAX Facility bereitzustellen. Damit verdoppelt sie ihren Beitrag zu dieser
globalen Initiative (
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_2
1_690). Deutschland stellt 980 Mio. Euro für die COVAX Facility zur
Verfügung und hat am 22. Mai 2021 weitere 100 Mio. Euro (
https://newsaf.cgt
n.com/news/2021-05-22/Germany-to-donate-30-million-COVID-19-vaccine-d
oses-to-poorer-nations-10sguDRIrv2/index.html) zugesagt. Mit einem
Gesamtbeitrag von mehr als 2 Mrd. Euro zählt das Land zu den größten
Unterstützern.
Auch die Aufrufe zur Spende von Impfstoffen zeigen erste Erfolge. So
kündigte Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen am 21. Mai 2021
beim G20-Gesundheitsgipfel in Rom an, dass die EU bis Ende 2021
mindestens 100 Millionen Impfdosen aus bereits bestellten Kontingenten an COVAX
spenden will. Deutschland übernimmt davon 30 Millionen Dosen (
https://ww
w.spiegel.de/ausland/corona-ursula-von-der-leyen-kuendigt-eu-spende-von-10
Deutscher Bundestag Drucksache 19/32371
19. Wahlperiode 08.09.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung vom 8. September 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
0-millionen-impfdosen-an-a-088e3236-1489-4847-8162-272d997ae463).
Auch viele andere Staaten, Unternehmen und Stiftungen haben seit dem
Frühjahr 2021 Spenden zugesagt, dazu zählen Frankreich, Großbritannien, Kanada,
Kroatien, Neuseeland, Norwegen, Schweden, Spanien und die Vereinigten
Arabischen Emirate (VAE) (
https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/cor
onavirus/covax-facility). Pfizer und BioNTech stellen der US-Regierung
500 Millionen Dosen ihres COVID-19-Impfstoffs zu einem gemeinnützigen
Preis für Spenden an Länder mit niedrigem und niedrigem mittleren
Einkommen bereit. Die Kosten für die Lieferung an COVAX übernehmen die USA
(
https://investors.biontech.de/de/news-releases/news-release-details/pfizer-un
d-biontech-stellen-der-us-regierung-500-millionen-dosen).
Im Abschlusskommuniqué des Gipfeltreffens verpflichteten sich die G7-
Staaten dazu, mindestens 870 Millionen Impfdosen zu liefern, die vor allem
an die internationale Impfplattform COVAX gespendet werden sollen (https://
www.spiegel.de/ausland/g7-abschlusserklaerung-merkels-vollmundiges-
impfversprechen-a-ead60a34-9987-4096-81ec-751c834d1a81). Mindestens die
Hälfte soll bis Jahresende 2021 geliefert werden, der Rest im darauffolgenden
Jahr. Insgesamt wollen die G7-Staaten bis Ende 2022 über 2 Milliarden Dosen
an ärmere Länder verteilen (
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-
merkel-g7-impfstoff-100.html). Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, dass
Deutschland vor allem über COVAX rund 350 Millionen Impfdosen
bereitstellen will. Die WHO (World Health Organization)-Generaldirektor Tedros
Adhanom Ghebreyesus begrüßte die Ankündigungen über Impfstoffspenden,
forderte aber größere und schnellere Lieferungen (
https://www.who.int/news/i
tem/13-06-2021-g7-announces-pledges-of-870-million-covid-19-vaccine-dose
s-of-which-at-least-half-to-be-delivered-by-the-end-of-2021).
Dose-sharing ist eine schnelle und kurzfristige Lösung, aber es behebt nicht
den Kern des Problems des Mangels an Impfstoffen. Die COVID-19-
Pandemie hat die große Diskrepanz bei den weltweit bestehenden
Produktionskapazitäten sowie die Bedeutung der Diversifizierung der globalen
Wertschöpfungsketten offengelegt. Afrika hat die wenigsten Impfstoffhersteller. Laut
John Nkengasong, Direktor der kontinentalen Gesundheitsbehörde Africa
CDC, werden nur etwa 1 Prozent der benötigten Vakzine selbst produziert.
Der Rest, also 99 Prozent, wird importiert (
https://www.aerzteblatt.de/nachric
hten/122896/Afrika-will-bei-Impfstoffproduktion-selbststaendiger-werden).
Bisher gibt es auf dem Kontinent nur wenige Hersteller von Impfstoffen.
Senegal ist eines der wenigen Länder, das mit dem Institut Pasteur über einen
von der WHO zertifizierten Impfstoffproduzenten verfügt. Dort werden
bereits Impfstoffe gegen Gelbfieber hergestellt (
https://www.bmz.de/de/aktuelle
s/aufbau-einer-corona-impfstoffproduktion-in-afrika-84088). Zu den weiteren
sechs Herstellern von Impfstoffen auf dem Kontinent gehört VACSERA in
Ägypten. Ägypten soll bis Ende 2021 40 Millionen Dosen des chinesischen
COVID-19-Impfstoffs Sinovac produzieren. In Südafrika produziert das
Pharmaunternehmen Aspen den COVID-19-Impfstoff von Johnson & Johnson
(
https://theconversation.com/why-africas-push-to-make-vaccines-should-look-
further-than-covid-19-162110). Das Unternehmen will den Kontinent mit
300 Millionen Impfdosen versorgen (
https://www.reuters.com/article/uk-healt
h-coronavirus-j-j-vaccine-idUSKBN2BL1V4). Die afrikanischen Staats- und
Regierungschefs haben dazu aufgerufen, die Arzneimittelproduktion in Afrika
zu steigern. Langfristig sollen 2040 60 Prozent der Impfstoffe lokal produziert
werden (
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/122896/Afrika-will-bei-Impfs
toffproduktion-selbststaendiger-werden). Auch die WHO betonte mehrfach,
dass langfristig afrikanische Staaten die lokale Produktion von Vakzinen
vorantreiben müssen (
https://www.dw.com/de/afrika-braucht-dringend-corona-i
mpfungen/a-57693106). Eigene Kapazitäten für die Entwicklung und
Produktion von Impfstoffen schafft eine wesentliche Grundlage, um Bedrohungen der
öffentlichen Gesundheit zu bewältigen und Ausbrüche hochansteckender
Krankheiten zu kontrollieren.
Unterdessen hat COVAX sich das Ziel gesetzt, Produktionskapazitäten in
Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen und insbesondere in Afrika
durch Bemühungen wie ein neues mRNA Technology Transfer Hub unter der
Leitung der WHO (
https://healthpolicy-watch.news/global-covid-19-vaccine-t
ask-force-lays-out-plans/) auszubauen. Gemeinsam mit den Unternehmen
Afrigen Biologics und Biovac, einem Netzwerk von Universitäten und den
Africa Centers for Disease Control and Prevention (CDC) wird ein
Transferzentrums für die mRNA-Technologie in Südafrika etabliert (
https://www.who.int/
news/item/21-06-2021-who-supporting-south-african-consortium-to-
establishfirst-covid-mrna-vaccine-technology-transfer-hub). Außerdem wurden die
COVAX Vaccine, Manufacturing Taskforce und ihr politisches
Steuerungsgremium, die ACT-A High Level Working Group on Vaccine Manufacturing
eingerichtet (
https://www.who.int/docs/default-source/coronaviruse/act-accelerat
or/6th-facilitation-council-outcome-statement-180521.pdf?sfvrsn=645285
e8_1). Kurzfristig sollen die Produktion und Versorgung mit Corona-
Impfstoffen angekurbelt werden. Das langfristige Ziel ist es, eine Plattform für die
nachhaltige Herstellung von Impfstoffen zu schaffen (Antwort auf die Kleine
Anfrage auf Bundestagsdrucksache 19/31330).
Die EU will mit 1 Mrd. Euro den Bau von Standorten für die
Impfstoffproduktion in Afrika finanzieren (
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaf
t/die-geteilte-impfwelt-101.html). Diese finanzielle Erstausstattung soll durch
Beiträge der EU-Mitgliedstaaten weiter aufgestockt werden (
https://ec.europ
a.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_21_2594). Auch die
Bundesregierung hat verschiedene Initiativen angekündigt. Bei seiner Reise nach
Südafrika hat der Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn angekündigt, dass die
Bundesregierung 50 Mio. Euro für die Unterstützung der Impfstoffproduktion
in Südafrika zur Verfügung stellen wird. Während seiner Reise nach Südafrika
traf sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit den CEOs von Aspen und
BioVac (
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/die-geteilte-impf
welt-101.html). Laut Antwort der Bundesregierung auf die schriftliche
Einzelfrage mit der Nr. 06/144 vom 11. Juni 2021 wird die genaue Ausgestaltung
dieser Unterstützung auch mit Blick darauf, welche Impfstoffe produziert
werden sollen, noch geprüft (vgl. Schriftliche Frage 130 auf
Bundestagsdrucksache 19/30798). Auch der Bundesminister für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller kündigte in einer Pressemitteilung an, eine
Anschubkreditfinanzierung für den Ausbau von Impfstoffproduktion in
Südafrika bereitzustellen. Er erklärte, dass Südafrika zu einem Produktionsstandort
für die Impfstoffe für das gesamte südliche Afrika ausgebaut werden solle
(
https://www.bmz.de/de/aktuelles/mueller-impfstoff-produktion-in-afrika-aus
bauen-80446). Auch mit dem Senegal würden laut Bundesminister Gerd
Müller Gespräche geführt werden (
https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-05/ger
d-mueller-patentschutz-corona-impfstoffe-freigabe-entwicklungshilfe-wto/ko
mplettansicht). Er versprach im Rahmen seiner Afrikareise 20 Mio. Euro
Anschubfinanzierung für den Aufbau von Impfstoffproduktionskapazitäten in
Senegal. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen und der Ausbreitung der
Delta-Variante brauche es ihm zufolge dringend einen Impfstoff „made in
Africa“ (
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutschland-unterstuetzt-impfstof
fproduktion-in-afrika-17396576.html). Die WHO solle die Lizenzproduktion
als Welt-Pandemiezentrum koordinieren und voranbringen mit Unterstützung
und Finanzierung der Produktionsstätten (
https://www.zeit.de/wirtschaft/202
1-05/gerd-mueller-patentschutz-corona-impfstoffe-freigabe-entwicklungshilf
e-wto/komplettansicht).
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Eine gerechte und effiziente weltweite Verteilung von COVID-19-Impfstoffen
ist für die Bundesregierung ein zentrales Thema. Sie hat sich daher bewusst für
einen multilateralen Ansatz entschieden und unterstützt mit knapp 2,2 Mrd.
Euro als zurzeit zweitgrößter Geber den „Access to COVID-19 Tools Accelerator“
(ACT-A). Deutschland hat damit als eines der wenigen Länder seinen Anteil
sogar über den „fair share“ an der ACT-A-Gesamtfinanzierung für 2020/2021
hinaus erbracht (131 Prozent), genauso wie Norwegen (129 Prozent), Kanada
(108 Prozent), Saudi-Arabien (105 Prozent) und Kuwait (104 Prozent). Über
die im ACT-A verankerte globale Impfstoffplattform „COVID-19 Vaccines
Global Access“ (COVAX) sollen bis Februar 2022 genügend Impfstoffe
bereitgestellt werden, damit 30 Prozent der Bevölkerung in den 92 ärmsten Ländern
vollständig geimpft werden können.
Neben der Finanzierung des ACT-A und der darin verankerten
Impfstoffplattform COVAX hat Deutschland im August 2021 mit der Abgabe von
COVID-19-Impfstoffdosen aus eigenen Lieferverträgen begonnen. Insgesamt
wird Deutschland ärmeren Ländern mindestens 100 Millionen Impfstoffdosen,
größtenteils über COVAX, zur Verfügung stellen.
Darüber hinaus leistet die Bundesregierung auf multilateraler und auf
bilateraler Ebene wichtige Beiträge zum Aufbau einer Impfstoffproduktion auf dem
afrikanischen Kontinent, etwa in Südafrika, Senegal und Ghana, und stellt dafür
im Jahr 2021 rd. 500 Millionen Euro aus Haushaltsmitteln, Mitteln der KfW-
Entwicklungsbank (KfW) und der Unternehmensförderung der Deutschen
Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH (DEG) bereit.
Eine im Sommer 2021 eingerichtete „COVAX Manufacturing and Supply
Chain Taskforce“ (geleitet von der Coalition for Epidemic Preparedness
Innovations (CEPI), WHO, der Impfallianz Gavi und UNICEF) soll zum einen
kurzfristig Engpässe adressieren und die Produktion und Versorgung mit
Corona-Impfstoffen beschleunigen sowie zum anderen langfristig eine
Plattform für die nachhaltige Herstellung von Impfstoffen schaffen. Zur Begleitung
der Taskforce wurde ein politisches Steuerungsgremium eingerichtet, die
„Vaccine Manufacturing Working Group“ (VMWG). Deutschland hat zusammen
mit Südafrika den Ko-Vorsitz der VMWG übernommen. Zudem engagiert
sich die Bundesregierung im Rahmen der Team Europe-Initiative
„Manufacturing and Access to Vaccines, Medicines and Health Technologies in Africa
(MAV+)“.
1. Welche gesundheitspolitische Agenda verfolgt die Bundesregierung in
Afrika, und wie passt diese zu den afrikapolitischen Leitlinien der
Bundesregierung?
Gesundheit ist Ziel, Voraussetzung und Ergebnis von nachhaltiger Entwicklung
und ist Teil der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Das nachhaltige
Entwicklungsziel (SDG) 3 umfasst die Förderung eines gleichberechtigten Zugangs zu
Gesundheitsdienstleistungen und Medikamenten sowie die finanzielle
Risikoabsicherung (Universal Health Coverage – UHC). Gesundheitssysteme in
afrikanischen Ländern stehen besonderen Herausforderungen gegenüber, die durch
die COVID-19-Pandemie noch verstärkt werden. In Afrika erhalten nur 48
Prozent der Menschen die erforderlichen Gesundheitsdienste gemäß ihres Bedarfs.
Ende des Jahres 2020 wurde die Strategie zur Globalen Gesundheit von der
Bundesregierung verabschiedet, um einen nachhaltigen deutschen Beitrag zur
globalen Gesundheit sicherzustellen. Die Gesundheitssystemstärkung ist darin
als ein zentrales Handlungsfeld verankert. Die Strategie sieht politisches
Engagement für den Ausbau horizontaler Gesundheitsprogramme, u. a. durch
Infrastrukturausweitung und die Ausbildung von Fachkräften, vor. Ein besonderer
Schwerpunkt der Strategie liegt dabei auf afrikanischen Ländern. Dies steht in
Einklang mit den Afrikapolitischen Leitlinien der Bundesregierung. Darin
definiert die Bundesregierung Gesundheit als eine Voraussetzung für „Wachstum,
das niemanden ausschließt oder zurücklässt“ (Ziel 2 der Leitlinien) und
verpflichtet sich dazu, sich für die Stabilisierung von Gesundheitssystemen in den
afrikanischen Staaten einzusetzen. Die Gesundheitssystemstärkung ist daher
eine Priorität des bilateralen und multilateralen Engagements des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im
Gesundheitssektor in Afrika.
2. Mit welchen Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent ist die
Bundesregierung bezüglich des Ausbaus von
Impfstoffproduktionskapazitäten in Kontakt, und liegen der Bundesregierung Kenntnisse vor, mit
welchen Unternehmen die beiden Firmen CureVac und BioNTech
diesbezüglich in Kontakt stehen?
Die Bundesregierung ist bezüglich des Auf- und Ausbaus von
Impfstoffproduktionskapazitäten in den Ländern Südafrika, Senegal und Ghana derzeit mit
verschiedenen Unternehmen in Kontakt.
In Südafrika bestehen Kontakte mit den südafrikanischen Unternehmen Aspen
und Biovac. Zudem bestehen Kontakte mit BioNTech zu dessen
Kooperationsplanungen mit Biovac in Südafrika.
In Senegal ist die Bundesregierung derzeit nicht direkt mit Herstellern in
Kontakt. Der lokale Partner, das Institut Pasteur de Dakar (IPD), ist im Austausch
mit mehreren Herstellern zwecks möglicher Kooperationen.
In Ghana ist das Unternehmen DEK Vaccines Teil der Gespräche zu
Impfstoffproduktion, die unter Teilnahme der Deutschen Botschaft von der Deutschen
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in Accra
ausgerichtet werden.
3. Sind seitens der Bundesregierung weitere Finanzhilfen bzw.
Anschubfinanzierungen oder Kredithilfen für den Auf- und Ausbau von
Impfstoffproduktionskapazitäten in Afrika in Planung?
a) Falls ja, in welcher Höhe, in welchen Ländern, und welche
Unternehmen sollen nach Kenntnis der Bundesregierung davon profitieren?
b) Falls nein, weshalb nicht?
Die Fragen 3 bis 3b werden gemeinsam beantwortet.
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
4. Aus welchem Haushaltsetat stammen die von Bundesminister für
Gesundheit Jens Spahn angekündigten 50 Mio. Euro für den Ausbau von
Produktionskapazitäten auf dem afrikanischen Kontinent?
Die für Südafrika vorgesehenen Mittel stammen aus dem Einzelplan 23.
Insgesamt handelt es sich um Haushaltsmittel in Höhe von 51 Mio. Euro.
5. Gibt es einen koordinierenden Überbau für die angekündigte Initiative
zum Aufbau von Produktionskapazitäten vom Bundesminister für
Gesundheit Jens Spahn und Bundesminister für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller, oder handelt es sich um ein und
dieselbe Initiative?
a) Welches Ressort übernimmt die Federführung?
Die Fragen 5 und 5a werden gemeinsam beantwortet.
Die angekündigte Unterstützung für Senegal und Südafrika ist Teil der
Initiative der Bundesregierung zur Förderung von Produktionskapazitäten in Afrika
unter Federführung des BMZ.
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
b) Über welchen Zeitraum werden sich nach Plan der Bundesregierung
die Initiativen erstrecken?
Die Vorhaben der Technischen Zusammenarbeit in Südafrika sollen sich über
einen Zeitraum von drei Jahren erstrecken. Die Laufzeit der Vorhaben der
Finanziellen Zusammenarbeit richtet sich nach Projektfortschritt.
In Senegal soll nach dem Beginn der Initiative im Jahr 2021 in dem Jahr 2022
eine Abfüllanlage (fill-and-finish) von COVID-19-Impfstoff errichtet werden.
In einem zweiten Schritt ist eine Produktionsanlage geplant, in der COVID-19-
und andere Impfstoffe hergestellt werden können. Der genaue Zeitraum hängt
von der weiteren Ausgestaltung des Projekts ab.
In Ghana stellt die Bundesregierung für Vorhaben der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit zunächst 5 Mio. Euro für drei Jahre zur Verfügung, um die
Bestrebungen zum Aufbau einer lokalen Impfstoffproduktion zu unterstützen.
c) Liegen nach Kenntnis der Bundesregierung für die Initiativen bereits
konkrete Produktionspläne vor?
Südafrika: Die Unternehmen Aspen und Biovac haben bereits konkrete
Produktionspläne. Aspen füllt bereits Johnson&Johnson-Impfstoffe ab. Biovac plant
im kommenden Jahr den Impfstoffes Comirnaty (BioNTech/Pfizer) abzufüllen.
Senegal: Zunächst soll eine Abfüllanlage (fill-and-finish) in Betrieb genommen
werden. Anschließend soll auch Impfstoff vor Ort produziert werden.
Technische Details wie der Produktionsplan sind noch nicht geklärt.
Ghana: Nach Kenntnis der Bundesregierung planen die beteiligten
Unternehmen in Ghana zunächst den Aufbau einer Abfüllanlage (fill-and-finish). Die
konkreten Produktions- und Finanzierungspläne befinden sich derzeit noch in
der Ausarbeitung.
d) Gibt es nach Auffassung der Bundesregierung konkrete Meilensteine,
die erreicht werden sollen?
Südafrika: Ein erster Meilenstein wurde bereits mit der Abfüllung des
Impfstoffs von Johnson&Johnson durch Aspen erreicht. Die Abfüllung des mRNA-
Impfstoffes Comirnaty durch Biovac soll ab Anfang 2022 erfolgen.
Senegal: Zunächst ist im Jahr 2022 die Inbetriebnahme einer Abfüllanlage
(filland-finish) geplant. Langfristiges Ziel ist Aufbau einer
Impfstoffproduktionsanlage. Weitere anstehende Meilensteine befinden sich mit den Partnern vor Ort
in Abstimmung.
Ghana: Die konkreten Produktions- und Finanzierungspläne und somit auch die
vorgesehenen Meilensteine befinden sich nach Kenntnis der Bundesregierung
derzeit noch in der Ausarbeitung.
e) In welchen Zusammenhang stehen die Initiativen mit der Initiative
der Europäischen Kommission, Produktionskapazitäten in Afrika
auszubauen?
Es wird auf die Antwort zu Frage 6 verwiesen.
6. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zum Stand der Umsetzung
der Team Europe „Initiative für die Herstellung von und den Zugang zu
Impfstoffen, Arzneimitteln und Gesundheitstechnologien in Afrika“
(
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_21_2594)?
Die von der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen,
im Mai 2021 angekündigte Team Europe-Initiative „Manufacturing and Access
to Vaccines, Medicines and Health Technologies in Africa (MAV+)“ wird von
der Bundesregierung unterstützt. Im Rahmen dieser Team Europe-Initiative, die
mit 1 Mrd. Euro aus dem EU-Haushalt und den europäischen
Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) unterlegt
wird, beteiligt sich die Bundesregierung am Aufbau einer
Impfstoffproduktionsstätte in Senegal mit 20 Mio. Euro sowie in Südafrika mit 51 Mio. Euro.
Dazu finden regelmäßige Abstimmungsgespräche mit der Europäischen
Kommission und anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) statt. Als
Teil der Team-Europe-Initiative wird die EU-Kommission die WHO direkt
beim Aufbau des mRNA-Hubs in Südafrika unterstützen. Weitere Leistungen
sollen spätestens beim nächsten Gipfel der Afrikanischen Union und der EU im
Jahr 2022 verkündet werden.
a) Welche Maßnahmen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
bisher umgesetzt?
Die Maßnahmen unter der Team Europe-Initiative befinden sich derzeit in
Planung.
Senegal hat bereits ein Grundstück für die geplante Produktionsstätte
identifiziert und bereitgestellt, Baupläne liegen vor und erste Baumaßnahmen wurden
begonnen.
Zu den Planungen in Südafrika wird auf die Antworten zu den Fragen 5b und
5c verwiesen.
b) Welche Umsetzungsschritte sind nach Kenntnis der Bundesregierung
noch für das Jahr 2021 zu erwarten?
Senegal: Es ist damit zu rechnen, dass noch 2021 ein Vertrag mit einem
Impfstoffhersteller unterzeichnet wird und konkrete Produktionspläne sowie die
Wahl der Technologie und des Impfstoffs vereinbart werden.
Südafrika: Es wird auf die Antworten zu den Fragen 5b und 5c verwiesen.
c) Welche Umsetzungsschritte sind für das Jahr 2022 geplant?
Es wird auf die Antworten zu den Fragen 5b bis 5d und 6 verwiesen.
In Südafrika sollen im Jahr 2022 darüber hinaus kapazitätsbildende
Maßnahmen für regulierende Behörden und regionale Produktionsstätten in die Wege
geleitet werden, etwa in den Bereichen Finanzierung, Digitalisierung und
Wissenschaft.
d) Wie werden die Mittel der Initiative nach Kenntnis der
Bundesregierung eingesetzt?
Es wird auf die Antworten zu den Fragen 6 bis 6c verwiesen.
e) Wie hoch ist der deutsche Beitrag, um die finanzielle Erstausstattung
aufzustocken?
Es wird auf die Antwort zu Frage 6 verwiesen.
f) Welche afrikanischen Staaten werden nach Kenntnis der
Bundesregierung für regionale Produktionszentren in Erwägung gezogen?
Es wird auf die Antwort zu Frage 6b verwiesen.
g) Über welchen Zeitraum wird sich nach Kenntnis der
Bundesregierung die Initiative erstrecken?
Die Team Europe-Initiative trägt zur Umsetzung des EU-Instruments für
Nachbarschaft, Entwicklungszusammenarbeit und internationale Zusammenarbeit
(NDICI) bei. Die Programmierung des NDICI orientiert sich am mehrjährigen
Finanzrahmen der EU, dessen aktuelle Phase von dem Jahr 2021 bis zum Jahr
2027 läuft.
h) Inwieweit ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Initiative in die
Arbeit der COVAX Manufacturing Task Force eingebunden?
Die Team Europe-Initiative, die ein gemeinsames Auftreten der EU und ihrer
Mitgliedstaaten sowie eine bessere Koordinierung, Programmplanung und
Durchführung im Rahmen der EU ermöglichen soll, und die COVAX
Manufacturing Task Force, eingerichtet im Rahmen der multilateralen ACT-A-Struktur,
stehen nicht in direkter Beziehung; die Bundesregierung setzt sich u. a. im
Rahmen ihres Engagements für die Vaccine Manufacturing Working Group für
engere Information und Abstimmung der verschiedenen internationalen
Initiativen ein. Zudem arbeiten Europäische Kommission und EU-Mitgliedstaaten eng
auf verschiedensten Ebenen mit ACT-A und den multilateralen und weiteren
Organisationen zusammen, die den ACT-A tragen.
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
7. Welche Fortschritte wurden nach Kenntnis der Bundesregierung bereits
bei der Einrichtung des Transferzentrums für die mRNA-Technologie in
Südafrika verzeichnet?
Die WHO hat erste Planungen für einen mRNA-Hub in Südafrika vorgelegt.
Eine vertiefte Prüfmission der WHO mit Terminen in Südafrika findet seit dem
6. September 2021 statt. Die Ergebnisse dieser Prüfmission sollen ab Mitte
September vorgestellt werden. Auf südafrikanischer Seite sind die
Unternehmen Afrigen und Biovac Teil des mRNA-Hubs.
a) Hat die Bundesregierung Kenntnis, ob Gespräche mit den
Impfstoffherstellern fortgeschritten sind (bitte ausführen)?
Es bestehen regelmäßige Gespräche zwischen der WHO und BioNTech.
b) Sollen nach Kenntnis der Bundesregierung Lizenzvereinbarungen
zwischen den Herstellern über den mRNA Technology Transfer Hub
unter der Leitung der der WHO getroffen werden, oder werden
aktuell bilaterale Vereinbarungen bzw. Lizenzen zwischen Herstellern in
Deutschland und auf dem afrikanischen Kontinent verhandelt?
Nach Kenntnis der Bundesregierung gibt es eine bilaterale Vereinbarung
zwischen Pfizer/BioNTech und dem südafrikanischen Unternehmen BioVac.
8. Wie schätzt die Bundesregierung die Auswirkungen der Ausbreitung der
Delta-Variante in Afrika ein, und welche Konsequenzen und
Handlungsempfehlungen zieht sie daraus?
Die Ausbreitung der Delta-Variante stellt Afrika vor enorme
Herausforderungen. Es bleibt daher wichtig, afrikanische Länder weiterhin in der Bekämpfung
der Pandemie zu unterstützen, insbesondere durch die Förderung einer global
gerechten Verteilung von COVID-19-Diagnostika, Therapeutika und
Impfstoffen. Neben dem multilateralen Engagement hat die Bundesregierung auch auf
bilateraler Ebene Unterstützung bereitgestellt: Beispielsweise ist die Delta-
Variante die vorherrschende Variante in Südafrika. Um die weitere Ausbreitung
zu stoppen, unterstützt die Bundesregierung bereits jetzt die aktuelle
Impfkampagne Südafrikas durch Stärkung des Kühlkettenmanagements,
Aufklärungskampagnen über den Nutzen der Impfung und durch Digitalisierung der
Kampagne. Zusätzlich hat die Bundesregierung ein Sequenzierungsgerät
bereitgestellt, mit dem ggf. weitere Virusmutationen entdeckt werden können.
Zudem wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
9. Welche Staaten stellen nach Kenntnis der Bundesregierung nach der
Erstimpfung mit den Corona-Impfstoffen von Sinovac und Sinopharm
für die zweite Impfung auf einen anderen Impfstoff um?
Der Bundesregierung liegen hierzu – über die Presseberichterstattung hinaus –
keine Kenntnisse vor.
10. Welche Staaten erhalten nach Kenntnis der Bundesregierung über das
COVAX-Programm Sinopharm-Impfstoffe beziehungsweise Sinovac-
Impfstoffe?
Eine Übersicht zu den Sinopharm- und Sinovac-Impfstoffdosen, die über die
COVAX-Facility verteilt werden, ist hier einsehbar:
https://www.gavi.org/sites/
default/files/covid/covax/COVAX-Round-6-Allocation.pdf.
11. Ist es Priorität der Bundesregierung, den Bürgerinnen und Bürgern in
Deutschland im Herbst eine Auffrischungsimpfung anzubieten, sofern
diese medizinisch notwendig ist?
Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) hat am 2. August 2021 den
Beschluss gefasst, ab September 2021 im Sinne einer gesundheitlichen Vorsorge
in Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren
Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen eine Auffrischimpfung in der Regel
mindestens sechs Monate nach Abschluss der ersten Impfserie anzubieten,
siehe Beschluss der GMK unter
https://www.gmkonline.de/Beschluesse.html?ui
d=221&jahr=2021. Dies entspricht der Empfehlung der WHO.
a) Welchen Stellenwert weist die Bundesregierung dem Impffortschritt
in anderen Ländern zu, um die Pandemie global zu bekämpfen?
Bezüglich des Engagements der Bundesregierung für die Gründung und
Unterstützung der multilateralen Initiative ACT-A wird auf die Vorbemerkung der
Bundesregierung verwiesen.
Die COVID-19-Pandemie kann nur global und multilateral bekämpft werden.
Dies bedeutet, dass der gesamten Weltbevölkerung der Zugang zu COVID-19-
Impfstoffen ermöglicht werden muss. Der Impffortschritt in anderen Ländern
wird von der Bundesregierung bzw. ihrer nachgeordneten Institutionen verfolgt.
Der Impffortschritt bzw. die Impfquote kann auch für die Einstufung von
Hochrisiko- bzw. Virusvariantengebieten von Bedeutung sein; sie werden auch
bei der Priorisierung von Impfstoffabgaben berücksichtigt.
b) Sieht die Bundesregierung es als medizinisch und politisch opportun
an, mögliche Booster-Impfungen in Deutschland und Europa
anzubieten, bevor global zumindest medizinisches Fachpersonal ein
Impfangebot bekommen hat?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung sowie auf die Antwort zu
Frage 11 verwiesen.
c) Falls die Bundesregierung eine nationale und europäische
Auffrischungsimpfung einer Erstimpfung von medizinischem Fachpersonal
in anderen Ländern vorzieht, welche Vorteile in der Bekämpfung der
Pandemie in globalem Maßstab sieht die Bundesregierung in diesem
Vorgehen?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung sowie auf die Antworten
zu den Fragen 11 und 11a verwiesen.
d) Falls die Bundesregierung eine nationale und europäische
Auffrischungsimpfung einer Erstimpfung von medizinischen Fachpersonal
in anderen Ländern vorzieht, welche Auswirkungen sieht die
Bundesregierung in Hinblick auf die Entstehung neuer Varianten?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung sowie auf die Antworten
zu den Fragen 11 und 11a verwiesen.
12. Welche Termine der im Juni 2021 erfolgten Afrikareise des
Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd
Müller bezogen sich auf den Aufbau von
Impfstoffproduktionskapazitäten, und welche Maßnahmen und Handlungsempfehlungen leitet die
Bundesregierung daraus ab?
Im Rahmen seines Besuches am 18. Juni 2021 am Institut Pasteur de Dakar
(IPD) führte Bundesminister Dr. Gerd Müller Gespräche mit hochrangigen
Vertreterinnen und Vertretern der senegalesischen Regierung sowie der
Leitungsebene des IPD zu den Plänen bzgl. des Aufbaus der dortigen
Impfstoffproduktion. Bundesminister Dr. Müller kündigte bei diesem Besuch die Zusage über
20 Mio. Euro zur Unterstützung des Projektes an.
Es wird zudem auf die Antworten zu den Fragen 5b bis 5d sowie 6 bis 6d
verwiesen.
13. Welche Geberländer leisten nach Kenntnis der Bundesregierung
bilaterale Beiträge zum Aufbau von Impfstoffproduktionskapazitäten in Afrika,
und welche Informationen liegen der Bundesregierung diesbezüglich
vor?
Nach Kenntnis der Bundesregierung prüfen Europäische Kommission und
Frankreicheine mögliche Unterstützung der Impfstoffproduktion über den
mRNA-Hub der WHO in Südafrika.
Für Senegal haben nach Kenntnis der Bundesregierung bisher folgende Geber
Unterstützung für das Projekt zugesagt: Europäische Investitionsbank,
Weltbank, Vereinigte Staaten von Amerika, Frankreich und Vereinigtes Königreich.
Die Geber haben signalisiert, dass sie die geplante Impfstoffproduktion am IPD
unterstützen wollen.
14. Welche Anreize und Rahmenbedingungen bietet die Bundesregierung
Unternehmen, um Kooperationen und Partnerschaften im
Gesundheitssektor mit Afrika auf- und auszubauen, und ist in Planung, die
Rahmenbedingungen für Public Private Partnerships (PPP) zu verbessern (bitte
ausführen)?
Die Bundesregierung hat in den letzten Jahren die Anreize und
Rahmenbedingungen für ein Engagement von Unternehmen in Afrika kontinuierlich
ausgeweitet und verbessert, dies ist auch ein zentrales Anliegen der unter DEU G20-
Vorsitz im Jahr 2017 gestarteten Initiative Compact with Africa. Die aktuelle
Bandbreite der Angebote ist in der Broschüre „Chancen für Unternehmen –
Leistungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und
Außenwirtschaftsförderung für die Wirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern“
zusammengefasst und steht grundsätzlich auch dem Gesundheitssektor zur
Verfügung, abrufbar unter:
https://www.bmz.de/resource/blob/70438/81305b863a48f
69d522bb4c9cafd7170/Chancen%20f%C3%BCr%20Unternehmen_BMZ_A
A_BMWi.pdf. Insbesondere bietet das Wirtschaftsnetzwerk Afrika des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) umfassende Informationen
über Geschäftsbedingungen in den afrikanischen Ländern und verweist auf die
Beratung und Unterstützungsangebote der Außenwirtschaftsförderung und der
Entwicklungszusammenarbeit. Für den Gesundheitssektor in Nordafrika bietet
es zusätzliche Unterstützung beim Markteinstieg an.
Neben bestehenden Angeboten langfristiger Finanzierung zur Begleitung von
Investitionsvorhaben (beispielsweise durch den Entwicklungsinvestitionsfonds
oder Entwicklungsfinanziers wie die DEG) stellt das BMZ mit develoPPP
bereits jetzt ein attraktives Förderproramm für Public Private Partnerships zur
Verfügung, das von der Wirtschaft sehr gut angenommen wird. Dieses
Programm wurde zuletzt im Mai 2021 um eine neue Säule für Start-up-
Unternehmen erweitert.
15. In welchen afrikanischen Ländern der bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit plant die Bundesregierung, die Stärkung des
Gesundheitssystems zu einem Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit zu
machen (bitte begründen)?
Es wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
Zu Projekten mit einem Schwerpunkt auf Gesundheitssystemstärkung in Afrika
wird im Einzelnen auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 1 der Kleinen
Anfrage der Fraktion der FDP auf Bundestagsdrucksache 19/31330 verwiesen.
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ISSN 0722-8333]