[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Caren Lay, Nicole Gohlke, Dr. Dietmar
Bartsch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 20/838 –
Öffentlicher Wohnungsbestand in Deutschland und Auswirkungen auf den
Wohnungsmarkt
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Angesichts steigender Mieten und Wohnungsnot kommt der Debatte um
öffentliche Wohnungsbestände neue Aktualität zu. Städte kaufen Immobilien
zurück, Länder und Kommen gründen neue Wohnungsbaugesellschaften, und
auch die neue Bundesregierung überarbeitet ihre Strategie in Bezug auf
öffentliche Bestände. In der Vergangenheit wurden jedoch nach Ansicht der
Fragestellerinnen und Fragesteller auf allen Ebenen Fehler gemacht. Nicht nur
Städte und Länder, auch der Bund privatisierte Wohnungen im großen
Maßstab.
Im Jahr 2013 wurden letztmals systematisch die Entwicklungen und Verkäufe
öffentlicher Wohnungsbestände der letzten Jahrzehnte in einer Kleinen
Anfrage abgefragt (vgl. Bundestagsdrucksache 18/3426). Darin nicht enthalten
waren Anteilsverkäufe des Bundes, die bereits an anderer Stelle im „Spiegel“
veröffentlicht wurden (
https://www.spiegel.de/politik/zum-hoechstgebot-a-5df
de73c-0002-0001-0000-000090638289). Nun soll die Abfrage aktualisiert
werden und ein Ausblick auf die Politik der Bundesregierung gegeben
werden.
Weniger öffentliche und im Regelfall günstige Wohnungen haben
Auswirkungen auf das Mietniveau in den Gemeinden. Mehr Wohnungen in privater Hand
sowie in den Händen börsennotiert Aktiengesellschaften bedeuten nach
Ansicht der Fragestellerinnen und Fragesteller steigende Mieten und eine höhere
Wohnkostenbelastung. Um die Auswirkungen der Privatisierung auf
Mieterinnen und Mieter soll es im zweiten Teil der Kleinen Anfrage gehen.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) hat seit ihrer Gründung im
Jahre 2005 einerseits ihrem gesetzlichen Auftrag nachkommend für
Bundeszwecke entbehrliche Wohnliegenschaften (in den Jahren 2005 bis 2021 rund
39.000 Wohneinheiten) veräußert, andererseits aber im gleichen Zeitraum den
Deutscher Bundestag Drucksache 20/1802
20. Wahlperiode 11.05.2022
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 11. Mai 2022
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Bau von rund 70.000 Wohnungen auf den von ihr veräußerten Liegenschaften
ermöglicht.
Als Instrumente zur Unterstützung der Kommunen bei der Schaffung von
Wohnraum sind dabei vor allem die Einführung der Erstzugriffsoption im Jahre
2012 und die Möglichkeit, seit 2015 aufgrund eines entsprechenden
Haushaltsvermerkes für bestimmte öffentliche Nutzungszwecke Kaufpreisabschläge zu
gewähren (insbesondere Verbilligung von 25.000 Euro pro geschaffener
Wohneinheit für Zwecke des sozialen Wohnungsbaus), zu nennen. Im Jahr 2018 hat
die BImA zudem ihr Portfolio gezielt auf mobilisierbare
Wohnungsbaupotenzialflächen hin sondiert, die identifizierten Flächen zeitnah den Kommunen im
Erstzugriff angeboten und den Großteil ihrer Verkaufsgrundstücke mit
Wohnbaupotenzial bereits an die jeweiligen Kommunen oder deren
Wohnungsbaugesellschaften veräußert. Seit 2015 hat die BImA in über 200 Fällen für den
Wohnungsbau geeignete Flächen an Kommunen bzw. kommunale
Wohnungsbaugesellschaften verkauft. Dabei hat sie in rund 70 Fällen Kaufpreisabschläge
in Höhe von rund 126 Mio. Euro als Anreize an Kommunen bzw. kommunale
Wohnungsbaugesellschaften für die Errichtung sozialen Wohnungsbaus
gewährt.
Die erbetenen Angaben zum Immobilienbestand für die erfragten und zum Teil
über 25 Jahre zurückliegenden Stichtage werden von der BImA nicht
vorgehalten und entsprechende Angaben liegen deshalb in der erfragten Detailtiefe
nicht, beziehungsweise nur teilweise vor. Insbesondere werden die erfragten
Informationen erst ab dem Jahr 2013 statistisch bei der BImA erfasst und
können daher teilweise nur für den Zeitraum 2013 bis 2021 vorgelegt werden.
Beim Käuferkreis kann ebenfalls erst ab dem Jahr 2013 zwischen
Gebietskörperschaften beziehungsweise von diesen getragenen Gesellschaften und
Privatpersonen beziehungsweise privaten Gesellschaften unterschieden werden.
Daten zu Genossenschaften werden hingegen nicht erhoben.
Für den Zeitraum 1994 bis 2012 wird im Übrigen auf die Antworten der
Bundesregierung auf die Kleinen Anfragen der Fraktion DIE LINKE. auf
Bundestagsdrucksachen 18/3426 sowie 19/12786 verwiesen.
Die dort genannten Daten beruhen bis einschließlich 2004 auf noch
vorhandenen, händisch erfassten Daten der Bundesvermögensverwaltung und für den
Zeitraum von 2005 bis 2013 auf überwiegend ebenfalls händisch
zusammengefassten Daten der BImA.
1. Wie viele Wohnungen des Bundes wurden in den Jahren 1994 bis 2021
an wen verkauft (bitte pro Verkaufsfall nach Jahr, Bundesland, der
jeweiligen verkaufenden Institution des Bundes sowie Käufer aufschlüsseln)?
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA):
Im Zeitraum von 2013 bis 2021 hat die BImA rund 12.000 Wohnungen
veräußert (davon rund 6.700 leerstehende Konversionswohnungen) und hierbei
Verkaufserlöse in Höhe von 1,024 Mrd. Euro erzielt. Einzelheiten zu den 1.949
Einzelverkäufen nebst Zusammenfassung für das jeweilige Jahr und für den
Gesamtzeitraum sind der Anlage* zu entnehmen. Mit über 6.500 Wohnungen
beziehungsweise rund 54 Prozent wurde der überwiegende Teil aller
Wohnungen im Zeitraum von 2013 bis 2021 an Gebietskörperschaften verkauft; im
Einzelnen siehe nachfolgende Tabelle.
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 20/1802 auf der Internetseite
des Deutschen Bundestages abrufbar.
an Privatperson/
private Gesellschaft
Gebietskörperschaft/
von dieser getragenen Gesellschaft
Verkaufsjahr
Anzahl der
verkauften
Wohneinheiten insgesamt
Anzahl der
verkauften
Wohneinheiten
Anteil
in Prozent
Anzahl der
verkauften
Wohneinheiten
Anteil
in Prozent
2013 2.340 1.641 70,1 % 699 29,9 %
2014 1.712 943 55,1 % 769 44,9 %
2015 1.861 1.489 80,0 % 372 20,0 %
2016 2.744 363 13,2 % 2.381 86,8 %
2017 1.362 401 29,4 % 961 70,6 %
2018 775 431 55,6 % 344 44,4 %
2019 460 154 33,5 % 306 66,5 %
2020 402 97 24,1 % 305 75,9 %
2021 492 95 19,3 % 397 80,7 %
Gesamt 12.148 5.614 46,2 % 6.534 53,8 %
Für die Jahre 2018 und 2019 wird zudem auf die Antwort der Bundesregierung
zu den Fragen 3 und 4 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf
Bundestagsdrucksache 19/18487 verwiesen.
Die Anzahl der verkauften Wohneinheiten und die zugehörigen Verkaufserlöse
entwickeln sich, insbesondere seit dem Jahr 2018, stark rückläufig.
Jahr Kaufpreis
(Mio. Euro)
Anzahl verkaufte
Wohneinheiten
2013 138 2.340
2014 169 1.712
2015 140 1.861
2016 193 2.744
2017 99 1.362
2018 115 775
2019 67 460
2020 50 402
2021 53 492
Gesamt 1.024 12.148
Bundeseisenbahnvermögen (BEV):
Für die Jahre von 1994 bis 2013 wird auf die Antwort der Bundesregierung zu
den Fragen 3 bis 5 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf
Bundestagsdrucksache 18/3426 verwiesen.
Das BEV erfasst nicht gesondert die je Verkaufsfall enthaltenen
Wohneinheiten, sodass die nachfolgenden Zahlen für den Zeitraum 2014 bis 2021 auf
einem Vergleich des Wohnungsbestands zum 31. Dezember eines jeden Jahres
beruhen.
Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Verkaufte Wohnungen 283 346 356 173 165 162 77 86
Deutscher Wetterdienst (DWD) und Bundeswasserstraßenverwaltung (WSV):
Nicht mehr benötigte Liegenschaften und Gebäude werden an die
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) abgegeben.
2. Welche Anteilsverkäufe bundeseigener Unternehmen mit eigenem
Wohnungs- bzw. Immobilienbestand fanden in den Jahren 1994 bis 2021 statt
(bitte einzeln aufschlüsseln sowie Kaufpreis, verkaufte Anteile und
Anzahl dadurch privatisierter Wohnungen bzw. Immobilien angeben)?
Für das BEV wird auf die nachfolgende Übersicht und im Übrigen auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung sowie die Antwort der Bundesregierung zu
den Fragen 3 bis 5 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf
Bundestagsdrucksache 18/3426 verwiesen.
Unternehmen
Verkaufsjahr
Käufer
(Investor)
Veräußerungsanteil
Erlös
(in TDM)
Wohnungsbestand
zum Zeitpunkt der
Privatisierung
zuzüglich
Treuhandbestand
(Immobilienverkauf)
Eisenbahn-Siedlungsgesellschaft
mbH (Siegau) (EWG Augsburg)
2000 Deutsche Annington ca. 94,9 % 103.215 2.024
Eisenbahn-Siedlungs-Gesellschaft
Berlin mbH (ESG Berlin)
2000
Investorengruppe
Praijs, Drimmer,
Baum und Pielen
ca. 94,9 % 141.033 2.785 3.760
Wohnungsgesellschaft Ruhr-
Niederrhein mbH (EWG Essen)
2000 Deutsche Annington ca. 94,9 % 593.813 8.954 4.151
BWG Frankfurt am Main
Bundesbahn-Wohnungsgesellschaft mbH
(EWG Frankfurt)
2000 Deutsche Annington ca. 94,9 % 225.222 6.616 1.711
Wohnungsgesellschaft Norden mbH
(WG Norden)
2000
Nord LB Immobilien
GmbH
ca. 94,9 % 426.098 8.864 1.820
Wohnungsbau Niedersachsen
GmbH (WBN)
2000
NBH Norddeutsche
Beteiligungsgesellschaft für Immobilien
in Niedersachsen
mbH
(Muttergesellschaft: NORD/LB-
Immobilien-Holding
GmbH)
ca. 94,9 % 476.285 9.121
Vestische Wohnungsgesellschaft
mbH (VWG Herne)
2000
TreuHandStelle für
Bergmannswohnstätten im
rheinischwestfälischen
Steinkohlenbezirk GmbH
Essen
ca. 94,9 % 380.929 6.075
Eisenbahn-Wohnungsbau-
Gesellschaft Karlsruhe GmbH
(EWG Karlsruhe)
2000 Deutsche Annington ca. 94,9 % 268.961 5.646
Bundesbahn-
Wohnungsbaugesellschaft Kassel GmbH (EWG Kassel)
2000 Deutsche Annington ca. 94,9 % 129.099 3.461 1.693
Eisenbahn-
Wohnungsbaugesellschaft Köln mbH (EWG Köln)
2000 Deutsche Annington ca. 94,9 % 337.045 8.088
SIEGE Siedlungsgesellschaft für
das Verkehrspersonal mbH Mainz
(EWG Mainz)
2000 Deutsche Annington ca. 94,9 % 199.240 4.388
Baugesellschaft Bayern mbH
(EWG München)
2000 Deutsche Annington ca. 94,9 % 269.881 5.431
GWN Gemeinnützige
Wohnungsgesellschaft Nordwestdeutschland
GmbH (GWN Münster)
2000 LEG NRW ca. 94,9 % 242.411 3.871
Unternehmen
Verkaufsjahr
Käufer
(Investor)
Veräußerungsanteil
Erlös
(in TDM)
Wohnungsbestand
zum Zeitpunkt der
Privatisierung
zuzüglich
Treuhandbestand
(Immobilienverkauf)
Eisenbahn-
Wohnungsbaugesellschaft Nürnberg mbH
(EWG Nürnberg)
2000 Deutsche Annington ca. 94,9 % 192.776 3.583 4.737
Bundesbahn-
Wohnungsbaugesellschaft Regensburg mbH
(EWG Regensburg)
2000 Deutsche Annington ca. 94,9 % 195.886 3.273
WOGE Saar Wohnungsgesellschaft
Saarland mbH (WOGE Saar)
2000 LEG Saar ca. 94,9 % 96.868 2.253
Eisenbahn-Siedlungsgesellschaft
Stuttgart gGmbH (ESG Stuttgart)
2000
LEG Baden-
Württemberg mbH
ca. 94,9 % 252.067 6.492
Gemeinnützige Eisenbahn-
Wohnungsbau-Gesellschaft mbH
Wuppertal (GEWG)
2000
WCM Beteiligungs-
und Grundbesitz-
Aktiengesellschaft
ca. 94,9 % 238.396 4.166
3. Welches waren die zehn größten Käufer gemessen an der Zahl der
erworbenen Wohnungen (bitte auflisten und jeweils die Anzahl der
erworbenen Wohnungen angeben)?
Die zehn größten Verkaufsfälle gemessen an der Anzahl der verkauften
Wohneinheiten im Zeitraum von 2013 bis 2021 können der nachfolgenden Tabelle
entnommen werden. Gut ein Drittel (rund 4.400) der zwischen 2013 und 2021
verkauften Wohneinheiten entfielen auf diese Käufergruppe. Sowohl beim
Käuferkreis als auch bei der Anzahl der verkauften Wohneinheiten lag der
Anteil der Gebietskörperschaften bzw. der von diesen getragenen Gesellschaften
bei rund 80 Prozent.
Verkaufsjahr
Liegenschaft Bundesland Postleitzahl Ort Straße Anzahl der
verkauften
Wohneinheiten
Käufer
2015 Kitzingen, ehem.
US-WS Marshall
Heights
Bayern 97318 Kitzingen Gabelsberger
Straße
712 Privatperson/
private Gesellschaft
2016 Heidelberg
MTV-Campbell
Baden-
Württemberg
69126 Heidelberg
Kirschgartenstraße
708 Gebietskörperschaft/
von dieser getragenen
Gesellschaft
2016 Askren Manor Bayern 97421 Schweinfurt J-F-K – Ring 647 Gebietskörperschaft/
von dieser getragenen
Gesellschaft
2014 Lincoln Village Hessen 64285 Darmstadt Noackstraße 588 Gebietskörperschaft/
von dieser getragenen
Gesellschaft
2016 Benjamin Franklin
Village
Baden-
Württemberg
68309 Mannheim
Wasserwerkstraße
367 Gebietskörperschaft/
von dieser getragenen
Gesellschaft
2017 Kaserne
Babenhausen
Hessen 64832 Babenhausen Aschaffenburger
Straße
359 Gebietskörperschaft/
von dieser getragenen
Gesellschaft
2013 Grünbühl Baden-
Württemberg
71638 Ludwigsburg Oder-Elbe-
Neisse-Netzestr.
319 Gebietskörperschaft/
von dieser getragenen
Gesellschaft
Verkaufsjahr
Liegenschaft Bundesland Postleitzahl Ort Straße Anzahl der
verkauften
Wohneinheiten
Käufer
2016 Pionier-Kaserne Hessen 63457 Hanau Aschaffenburger
Straße
314 Gebietskörperschaft/
von dieser getragenen
Gesellschaft
2013 Kaufbeuren,
Apfelstraße
Bayern 87600 Kaufbeuren Apfeltranger
Straße
216 Privatperson/
private Gesellschaft
2021 Heidelberg,
Sickingerstraße
Baden-
Württemberg
69126 Heidelberg Sickingenstr./
Holbeinring
192 Gebietskörperschaft/
von dieser getragenen
Gesellschaft
4. Durch wen und wann wurden nach Kenntnis der Bundesregierung die in
den Antworten zu den Fragen 1 und 2 genannten jeweiligen
Verkaufsentscheidungen getroffen (Bundestag, Haushaltsausschuss,
Bundesministerium der Finanzen, Unternehmensvorstände etc.)?
BImA:
Die Verkaufsentscheidung für Wohnungen des Bundes (siehe Antwort zu
Frage 1) wird durch die BImA getroffen. Gemäß § 64 der
Bundeshaushaltsordnung (BHO) dürfen bundeseigene Grundstücke nur mit Einwilligung des
Bundesministeriums der Finanzen und des für das Bundesvermögen zuständigen
Bundesministeriums veräußert werden. Die Bundesministerien können auf ihre
Mitwirkung verzichten. Das insoweit zuständige Bundesministerium der
Finanzen hat für Kaufpreise bis 5 Mio. Euro auf seine Mitwirkung verzichtet.
Kaufverträge ab 5 Mio. Euro stehen unter dem Genehmigungsvorbehalt der
Gremien (Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages bzw. Finanzausschusses
des Bundesrates).
BEV:
Das BEV hat den gesetzlichen Auftrag, die nicht bahnnotwendigen
Liegenschaften der ehemaligen Bundeseisenbahnen zu verwalten und zu verwerten.
Neben der internen Verkaufsplanung berücksichtigt das BEV auch kurzfristige
Kaufanfragen, insbesondere von Kommunen, die Grundstücke zu Zwecken des
sozialen Wohnungsbaus erwerben wollen. Veräußerungen, die im Einzelfall
einen Wert von 5 Mio. Euro übersteigen, bedürfen gemäß § 16 Absatz 5 des
Bundeseisenbahnneugliederungsgesetzes der Genehmigung des
Bundesministeriums für Digitales und Verkehr sowie des Bundesministeriums der Finanzen.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 1 der Kleinen
Anfrage der Fraktion der PDS auf Bundestagsdrucksache 14/3243 verwiesen.
5. Wie hoch ist die Verkaufssumme der verkauften Wohnungen in den
Jahren 1994 bis 2021 (bitte nach Jahren sowie nach Verkauf durch die
jeweilige Bundesbehörde aufschlüsseln)?
BImA:
Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen.
BEV:
Für die Jahre 1994 bis 2013 wird auf die Antwort der Bundesregierung zu den
Fragen 4 und 5 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf
Bundestagsdrucksache 18/3426 verwiesen. Das BEV veräußert keine einzelnen
Wohnungen, sondern Grundstücke mit aufstehenden Wohngebäuden. Die Erlöse aus
dem Verkauf von Grundstücken mit Wohngebäuden für die Jahre 2014 bis 2021
ergibt sich aus nachfolgender Tabelle.
Jahr Verkaufserlösin Mio. Euro
2014 23,1
2015 28,2
2016 6,1
2017 10,6
2018 6,1
2019 17,9
2020 15,3
2021 13,2
6. Welche der in den Antworten zu den Fragen 1 und 2 genannten Verkäufe
erfolgten im Rahmen sogenannter Share Deals?
BImA:
Es erfolgten keine Verkäufe von den zu Frage 1 genannten Wohnungen im
Rahmen von Anteilsverkäufen (sogenannte Share Deals).
BEV:
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung zu den Fragen 9 bis 12 und 14
der Kleinen Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf
Bundestagsdrucksache 18/11919 verwiesen.
7. Wie viele Wohnungen wurden in den Jahren 1994 bis 2021 insgesamt
privatisiert, und wie hoch belaufen sich die Gesamteinnahmen des
Bundes bzw. nachgeordneter Behörden und Institutionen aus den Verkäufen?
BImA:
Es wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
BEV:
Es wird auf die Antworten zu den Fragen 1, 2 und 5 verwiesen.
8. Wie viele Anteile besitzt der Bund an Unternehmen, die über einen
eigenen Wohnungsbestand verfügen, wie viele Wohnungen besitzen diese
Unternehmen, und wie hoch beläuft sich jeweils der Anteil des Bundes
an diesen Unternehmen?
Die BImA besitzt keine Anteile an Unternehmen, die einen eigenen
Wohnungsbestand besitzen. Die Zuständigkeit der Bundesregierung bezieht sich auf die
Bundesunternehmen (unmittelbaren Mehrheitsbeteiligungen des Bundes).
Folgende Bundesunternehmen besitzen einen eigenen Wohnungsbestand.
Unternehmen
(Mehrheitsbesitz Bund)
Anteilshöhe
Bund
Anzahl
Wohnungen
Deutsche Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit (GIZ) GmbH 100 % 7
Autobahn GmbH des Bundes1) 100 % 692
Forschungszentrum Jülich GmbH 90 % 61
Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien
und Energie GmbH 90 % 16
Helmholtz-Zentrum hereon GmbH 70,625 % 11
Helmholtz Zentrum München Deutsches
Forschungszentrum für Gesundheit und
Umwelt GmbH
90 % 11
KfW Bankengruppe (Standort Frankfurt) 80 % 23
KfW Bankengruppe (Standort Berlin) 80 % 10
1) Für die Autobahn GmbH des Bundes erfolgt der Hinweis, dass die genannten 692
Wohneinheiten als Werkswohnungen im Bereich der Bundesautobahnen und anderen Fernstraßen des Bundes
definiert sind und weder der üblichen Wohnungsdefinition, noch der üblichen Zugehörigkeit zum
Wohnungsmarkt gleichgesetzt werden können. Ferner verwaltet die Autobahn GmbH diese
Werkswohnungen treuhändisch im Auftrag des Bundes und sobald die Entbehrlichkeit dieser
Werkswohnungen vorliegt, geht die Zuständigkeit sowie Verantwortung – im Rahmen der anschließenden
Verwertung/Veräußerung – auf die BImA über.
9. Gibt es Pläne, diese Anteile zu veräußern, und wenn ja, welche Anteile
mit welchem Immobilienbesitz sollen veräußert werden?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen über geplante
Anteilsveräußerungen der in der Antwort zu Frage 8 genannten Unternehmen vor.
10. Wie hat sich der Bestand an Wohnungen von Bund, Bundesbehörden
bzw. diesen Behörden unterstellte und nachgeordnete Institutionen,
Unternehmen usw. (insbesondere Bundesbahn, Bundespost,
Bundesversicherungsanstalt, u. a.) seit dem Jahr 1994 entwickelt (bitte einzeln nach
Jahren aufschlüsseln)?
BImA:
Die Entwicklung der im Eigentum der BImA befindlichen Wohnungen können
der nachfolgenden Tabelle entnommen werden:
Stichtag Anzahl der Wohnungen
gerundet
31.12.2006 54.600
31.12.2007 49.600
31.12.2008 49.000
31.12.2009 47.200
31.12.2010 44.700
31.12.2011 42.500
31.12.2012 41.000
31.12.2013 39.000
31.12.2014 38.300
31.12.2015 37.500
31.12.2016 37.000
31.12.2017 36.600
31.12.2018 36.100
31.12.2019 36.200
31.12.2020 36.200
31.12.2021 38.100
BEV:
Die Entwicklung ist in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.
Jahr Anzahl der Wohnungen
1994 137.197
1995 136.947
1996 136.588
1997 134.640
1998 132.899
1999 131.005
2000 128.241
2001 13.864
2002 12.680
2003 11.568
2004 10.674
2005 9.588
2006 8.665
2007 6.583
2008 6.088
2009 5.715
2010 5.313
2011 4.656
2012 4.218
2013 3.885
2014 3.602
2015 3.256
2016 2.900
2017 2.727
2018 2.562
2019 2.400
2020 2.323
2021 2.237
DWD:
Der Bestand setzt sich überwiegend aus Wohnungen in Wetterstationsgebäuden
zusammen. Aufgrund der Automatisierung des Messnetzes werden diese
Gebäude, soweit dienstlich nicht mehr erforderlich, an die BImA abgegeben.
Der Bestand der Wohnungen ist daher seit Beginn der Automatisierung Ende
der 1990er Jahre rückläufig. Derzeit befinden sich noch fünf Wohnungen in der
Verwaltung des DWD.
WSV:
Nicht mehr benötigte Liegenschaften und Gebäude werden an die BImA
abgegeben.
Bundeseigene Unternehmen:
Eine statistische Erfassung im Sinne der Fragestellung erfolgt nicht, so dass die
Bundesregierung hierzu keinen Gesamtüberblick für einen Zeitraum von
27 Jahren hat.
Hinsichtlich der Entwicklung des Wohnungsbestandes von bundeseigenen
Unternehmen für den Zeitraum 2006 bis 2019 wird auf die Antwort der
Bundesregierung zu Frage 11 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE.
auf Bundestagsdrucksache 19/12786 verwiesen. In Fortschreibung dieser
Darlegung stellt sich die Entwicklung für die Jahre 2020 und 2021 wie folgt dar.
Unternehmen
(Mehrheitsbesitz Bund)
Wohnungsbestand 2020
Wohnungsbestand 2021
Deutsche Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit (GIZ) GmbH 7 7
Autobahn GmbH des Bundes1) 691 692
Forschungszentrum Jülich GmbH 61 61
Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien
und Energie GmbH 16 16
Helmholtz-Zentrum hereon GmbH 11 11
Helmholtz Zentrum München Deutsches
Forschungszentrum für Gesundheit und
Umwelt GmbH
11 11
KfW Bankengruppe (Standort Frankfurt) 23 23
KfW Bankengruppe (Standort Berlin) 10 10
1) Für die Autobahn GmbH des Bundes erfolgt der Hinweis, dass die genannten Wohneinheiten als
Werkswohnungen im Bereich der Bundesautobahnen und anderen Fernstraßen des Bundes definiert
sind und weder der üblichen Wohnungsdefinition, noch der üblichen Zugehörigkeit zum
Wohnungsmarkt gleichgesetzt werden können. Ferner verwaltet die Autobahn GmbH diese
Werkswohnungen treuhändisch im Auftrag des Bundes und sobald die Entbehrlichkeit dieser
Werkswohnungen vorliegt, geht die Zuständigkeit sowie Verantwortung – im Rahmen der anschließenden
Verwertung/Veräußerung – auf die BImA über.
Hinsichtlich des Bestands zum Stichtag 1. März 2022 wird auf die Antwort zu
Frage 8 verwiesen.
11. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil des
öffentlichen Wohnungsbestands im Vergleich zum
Gesamtmietwohnungsbestand in Deutschland in den letzten 30 Jahren entwickelt (bitte einzeln
nach Jahren aufschlüsseln)?
Es existiert keine Datengrundlage, aus der die Eigentümerstruktur am
Mietwohnungsbestand in Deutschland jahresgenau hervorgeht.
Anhand der Gebäude- und Wohnungszählung (GWZ) 2011 ist die
Eigentümerstruktur am Mietwohnungsbestand in Deutschland für den Zeitpunkt Mai 2011
bekannt. Rund 11 Prozent des Mietwohnungsbestandes befinden sich danach
im Eigentum der öffentlichen Hand: Kommunen und kommunale
Wohnungsunternehmen verfügen hierbei über 2,29 Millionen WE bzw. 10 Prozent des
Mietwohnungsbestandes; Bund und Länder sind Eigentümer von ca. 300.000
Wohnungen bzw. 1 Prozent der Mietwohnungen.
Die seit dem Zensusjahr 2011 stattgefundene Veränderung der
Eigentümerstruktur kann nicht mit amtlichen Daten abgebildet werden. Anhand der Daten
der Transaktionsdatenbank des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und
Raumforschung (BBSR) ist ein leichter Zugewinn bei der Gruppe der Kommunen in
den letzten Jahren zu erkennen. Kommunale Unternehmen weiten in den
letzten Jahren ihren Wohnungsbestand auch durch den Neubau von
Mietwohnungen aus. Aufgrund einer Befragung des BBSR (Kommunalbefragung 2018) ist
bekannt, dass zwischen 2015 und 2017 jede dritte antwortende Kommune den
eigenen Wohnungsbestand durch Neubau erweitert hat (insgesamt 22.900
Wohnungen). Insgesamt ist aber davon auszugehen, dass sich die
Eigentümerstruktur seit dem Zensus 2011 nicht grundlegend verändert hat.
Im Übrigen wird auf die Unterrichtung der Bundesregierung „Vierter Bericht
über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Deutschland und Wohngeld-
und Mietenbericht 2020“ auf Bundestagsdrucksache 19/31570 verwiesen.
12. Wie viele Wohnungen sind aktuell im Eigentum der BImA
(Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
Aktuell sind rund 38.100 Wohnungen im Eigentum der BImA. Die
Aufschlüsselung nach Bundesländern ist der nachstehenden Tabelle zu entnehmen.
Bundesland Anzahl der Wohnungen
gerundet
Baden-Württemberg 4.500
Bayern 5.300
Berlin 4.900
Brandenburg 1.500
Bremen 90
Hamburg 270
Hessen 2.300
Mecklenburg-Vorpommern 2.700
Niedersachsen 2.700
Nordrhein-Westfalen 6.800
Rheinland-Pfalz 3.000
Saarland 600
Sachsen 1.700
Sachsen-Anhalt 200
Schleswig-Holstein 500
Thüringen 1.000
Summe 38.060
13. Wie hat sich der Bestand der Wohnungen im Eigentum der BImA seit
ihrer Gründung entwickelt (bitte einzeln nach Jahren aufschlüsseln)?
Die Entwicklung des Bestands der Wohnungen im Eigentum der BImA können
der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
Stichtag Anzahl der Wohnungen
gerundet
Veränderungen
zum Vorjahr
gerundet
31.12.2006 54.600
31.12.2007 49.600 –5.000
31.12.2008 49.000 –600
31.12.2009 47.200 –1.800
31.12.2010 44.700 –2.500
31.12.2011 42.500 –2.200
31.12.2012 41.000 –1.500
31.12.2013 39.000 –2.000
31.12.2014 38.300 –700
31.12.2015 37.500 –800
31.12.2016 37.000 –500
31.12.2017 36.600 –400
31.12.2018 36.100 –500
31.12.2019 36.200 100
31.12.2020 36.200 0
31.12.2021 38.100 1.900
Die BImA wurde zum 1. Januar 2005 gegründet und im selben Jahr ein
Computersystem erstinstalliert. Die vollständige Datenpflege konnte sodann im
Frühjahr 2006 abgeschlossen werden, sodass aussagekräftige Angaben erst ab
dem Stichtag 31. Dezember 2006 erfolgen können.
Die Wohnungen verbleiben langfristig im Portfolio der BImA. In Einzelfällen
werden noch Verkäufe durchgeführt, wenn beispielsweise einzelne
Einfamilienhäuser für die Wohnungsfürsorge des Bundes auf Dauer entbehrlich sind. Das
Plus im Jahr 2021 ist vor allem auf die Übernahme von Wohnungen von den
alliierten Streitkräften und aus dem sogenannten Westvermögen
zurückzuführen.
14. Wie viele Verkäufe von BImA Wohnungen bzw. Immobilien haben in
den letzten zehn Jahren stattgefunden, und wie teilen sich die Verkäufe
prozentual in die Käufergruppen Privat, Kommune, Genossenschaft auf
(bitte einzeln für die letzten zehn Jahre aufschlüsseln)?
Es wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
15. Wie viele Wohnungen sind aktuell im Eigentum des BEV
(Bundeseisenbahnvermögen) (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Das BEV verfügt über 2.231 Wohnungen, die sich folgendermaßen auf die
Länder verteilen:
Land Wohnungen
Baden-Württemberg 41
Bayern 596
Berlin 247
Brandenburg 640
Hessen 27
Mecklenburg-Vorpommern 195
Nordrhein-Westfalen 81
Rheinland-Pfalz 5
Sachsen 301
Sachsen-Anhalt 97
Thüringen 1
16. Wie hat sich der Bestand der Wohnungen im Eigentum des BEV seit der
Gründung entwickelt (bitte einzeln nach Jahren aufschlüsseln)?
Es wird auf die Antwort zu Frage 10 verwiesen.
17. Wie viele Verkäufe von BEV Wohnungen bzw. Immobilien haben in den
letzten zehn Jahren stattgefunden, und wie teilen sich die Verkäufe
prozentual in die Käufergruppen Privat, Kommune, Genossenschaft auf
(bitte einzeln für die letzten zehn Jahre aufschlüsseln)?
Das BEV führt seit dem Jahr 2016 eine Statistik über die Erwerber seiner
Liegenschaften, unterscheidet jedoch nur, ob Liegenschaften an natürliche oder
juristische Personen oder Selbsthilfeeinrichtungen nach § 15 Absatz 2 des
Bundeseisenbahnneugliederungsgesetzes veräußert wurden. Die „Kommunen“
sind dabei eine Teilmenge der juristischen Personen. Genossenschaften, sofern
sie eine anerkannte Selbsthilfeeinrichtung sind, sind in der Kategorie
„Selbsthilfeeinrichtung“ enthalten. Sind sie dagegen keine anerkannte
Sozialhilfeeinrichtung, sind sie als „juristische Person“ eingeordnet.
Jahr Anzahl Verkäufe„Wohngrundstücke“
Anteil
„Juristische Person“
in Prozent
Anteil
„Natürliche Person“
in Prozent
Anteil
„Sozialeinrichtung“
in Prozent
2012 204
2013 225
2014 196
2015 169
2016 162 30,86 62,96 6,17
2017 162 25,93 66,05 8,02
2018 137 34,31 61,31 4,38
2019 138 34,78 57,25 7,97
2020 148 35,81 45,27 18,92
2021 139 35,97 62,59 1,44
18. Wie viele und welche der in den Antworten zu den Fragen 14 und 17
genannten Verkaufsfälle fanden zu Zwecken des Wohnungsbaus statt?
BImA:
Seit ihrer Gründung im Jahr 2005 hat die BImA dazu beigetragen, dass bis
Ende 2021 der Bau von – grob geschätzt – rund 70.000 Wohnungen ermöglicht
werden konnte. Nähere Einzelheiten können der Antwort zu Frage 1
entnommen werden.
Die BImA verfolgt beim Verkauf von Liegenschaften vorrangig das Ziel, sich
von nicht betriebsnotwendigem Aufwand zu entlasten und die für Zwecke des
Bundes, zu denen auch die Wohnungsfürsorge des Bundes zählt, entbehrlichen
Grundstücke möglichst bald wieder einer Anschlussnutzung zuzuführen. Da die
weitere Nutzung von Verkaufsflächen jedoch im Ermessen der
planungsberechtigten Kommunen steht und die BImA darauf insoweit keinen Einfluss hat,
findet keine IT-basierte Datenerhebung über die Nachnutzung von verkauften
Liegenschaften statt. Im Übrigen werden insbesondere die großen
Konversionsliegenschaften, die im Fokus der städtebaulichen Entwicklung stehen, meist auf
der Grundlage eines städtebaulichen Nutzungskonzepts verkauft, bevor die
verbindliche Bauleitplanung abgeschlossen ist. Zudem ist die städtebauliche
Entwicklung ein langjähriger Prozess, der u. a. von diversen Weiterverkäufen der
neu erschlossenen kleinteiligen Baufelder und heterogenen Nutzungsstrukturen
geprägt ist.
BEV:
Das BEV erfasst außerhalb der BEV-Verbilligungsrichtlinie weder die
beabsichtigten Zwecke des Erwerbers noch die nach Veräußerung vorgenommenen
Neubauten. Die zum 1. Januar 2020 in Kraft getretene Richtlinie des BEV zur
verbilligten Abgabe von Grundstücken (BEV-Verbilligungsrichtlinie) gestattet
eine verbilligte Abgabe von BEV-Liegenschaften ausschließlich zu Zwecken
des sozialen Wohnungsbaus. Von den in Frage 17 genannten Verkäufen
erfolgten folgende im Rahmen der BEV-Verbilligungsrichtlinie.
Jahr Anzahl Verkäufe „Wohngrundstücke“im Rahmen der BEV-Verbilligungsrichtlinie
2020 2
2021 4
19. Wie beurteilt die Bundesregierung angesichts der heute vorliegenden
Wohnungsknappheit die Verkäufe bzw. Anteilsveräußerungen innerhalb
der letzten Jahrzehnte?
Seit Ende der 1990er Jahre wurden vermehrt Wohnungspakete veräußert. Dies
hat zu Veränderungen in der Eigentümerstruktur auf dem deutschen
Mietwohnungsmarkt, aber nicht zu einer allgemeinen Wohnungsknappheit geführt. In
den letzten Jahren kam es wieder zu einer merklichen Beruhigung der
Marktaktivitäten, deren Ursache die fehlende Verfügbarkeit von
Mietwohnungsbeständen auf dem Transaktionsmarkt ist. Dabei machen Zukäufe der öffentlichen
Hand einen steigenden Anteil an den gesamten Kaufaktivitäten aus.
Das BEV hat den gesetzlichen Auftrag, seinen Immobilienbestand zu verwerten
und zu verwalten. Der Wohnungsbestand der in der Antwort zu Frage 2
genannten EWG diente der Wohnungsfürsorge für Beschäftigte der ehemaligen
Deutschen Bundesbahn bzw. Deutschen Reichsbahn. Aufgrund vertraglicher
Regelungen der Privatisierungsverträge stehen die Wohnungsbestände der
EWG weiterhin der Wohnungsfürsorge für Beschäftigte des BEV und der
Wohnraumversorgung für Beschäftigte der Deutschen Bahn AG zur Verfügung.
Eine Versorgung des berechtigten Personenkreises mit Wohnraum ist
sichergestellt.
20. Plant die Bundesregierung Rückkäufe analog zur Strategie vieler
Kommunen, vormals privatisierte Wohnungen wiederzuerlangen?
Rückkäufe sind derzeit nicht geplant. Hinsichtlich des BEV wird auf die
Antwort zu Frage 19 verwiesen.
21. Inwiefern plant die Bundesregierung, Kommunen bei der
Rekommunalisierung von Wohnungen zu unterstützen, und welche finanziellen Mittel
sieht sie dafür vor?
Die Bundesregierung prüft nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
vom 9. November 2021 (BVerwG 4 C 1.20) zum kommunalen Vorkaufsrecht
im Geltungsbereich einer Erhaltungssatzung derzeit, inwieweit eine
entsprechende gesetzliche Neuregelung des kommunalen Vorkaufsrechts zur
Unterstützung der Kommunen bei der Bereitstellung von ausreichend bezahlbarem
Wohnraum erforderlich ist. Der Bundesregierung ist es rechtlich nicht möglich,
den Kommunen Mittel zur Rekommunalisierung von Wohnungen
bereitzustellen und plant dies daher auch nicht.
Um die Kommunen bei der Konzeption ihrer Wohnungspolitik beratend zu
unterstützen, stellt der Bund zudem Mittel aus dem Investitionstitel
„Investitionsberatung lebenszyklus-und wirkungsorientierter Beschaffungen“ zur
Verfügung. Als Beratungsunternehmen steht den Kommunen die Partnerschaft
Deutschland – Berater der öffentlichen Hand GmbH (PD) zur Verfügung. Ein
mögliches Beratungsziel ist dabei die Erarbeitung eines Konzepts und eines
wirtschaftlichen Modells für die Deckung des Wohnungsbedarfs durch
Neugründung von Wohnungsbaugesellschaften. Daneben werden aber auch
alternative Strategien zur Stärkung des kommunalen Wohnungsbestandes beraten.
22. Wird es unter der Bundesregierung weitere Privatisierungen von
bundeseigenen Wohnungsbeständen geben?
Die BImA hat entschieden, ihren Wohnungsbestand zukünftig grundsätzlich
auf Dauer zu halten und massiv in den Bestand zu investieren, sowie im
Rahmen des Möglichen den Wohnungsbestand in den Regionen zu erweitern,
in denen ein entsprechender Bedarf der Wohnungsfürsorge besteht. Dies ist
eine wesentliche Weiterentwicklung der Liegenschaftspolitik des Bundes.
Hinsichtlich des BEV wird auf die Antworten zu den Fragen 9 und 19
verwiesen.
23. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
durchschnittlichen Angebotsmieten in Deutschland innerhalb der letzten 30 Jahre
entwickelt (bitte einzeln nach Jahren angeben)?
Der Bundesregierung liegen die Angebotsmieten für den Zeitraum von 2010
bis 2021 vor. Demnach sind die Mieten inserierter Wohnungen für Erst- und
Wiedervermietungen in diesem Zeitraum in Deutschland jährlich im Schnitt um
3,8 Prozent gestiegen.
Erst- und Wiedervermietungsmieten inserierter Wohnungen 2010 bis 2021
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2010–2021
Angebotsmieten Erst- und Wiedervermietung von Wohnungen
in Euro je m2 nettokalt in Deutschland
jährliche
Veränderung
in Prozent
6,23 6,43 6,59 6,86 7,11 7,38 7,71 8,07 8,53 8,89 9,16 9,45 3,8
Datenbasis: BBSR-Wohnungsmarktbeobachtung, IDN ImmoDaten GmbH, microm Wohnlagen.
Anmerkung: Angebotsmieten ohne Nebenkosten bei Erst- und Wiedervermietung für unmöblierte
Wohnungen mit 40 bis 100 m2 Wohnfläche, mittlere Wohnungsausstattung, mittlere bis gute
Wohnlage, basierend auf im Internet veröffentlichten Wohnungsinseraten von Immobilienplattformen
und Zeitungen.
Im Übrigen wird auf die Unterrichtung der Bundesregierung „Vierter Bericht
über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Deutschland und Wohngeld-
und Mietenbericht 2020“ auf Bundestagsdrucksache 19/31570 verwiesen.
24. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
durchschnittlichen Bruttolöhne in Deutschland innerhalb der letzten 30 Jahre
entwickelt (bitte einzeln nach Jahren angeben)?
Daten zur Entwicklung der Bruttoverdienste stellt das Statistische Bundesamt
in Form eines Index auf Basis der Vierteljährlichen Verdiensterhebung zur
Verfügung. Der Nominallohnindex (Bruttoverdienste einschließlich
Sonderzahlungen) wird für Deutschland in der Gesamtwirtschaft (B-S Produzierendes
Gewerbe und Dienstleistungsbereich) dargestellt und mit den jeweiligen
Veränderungen zum Vorjahr ausgewiesen.
Die Lohnentwicklung war im Jahr 2020 durch den vermehrten Einsatz von
Kurzarbeit aufgrund der Corona-Pandemie beeinflusst. Kurzarbeit reduziert die
bezahlte Wochenarbeitszeit und damit den Bruttomonatsverdienst. Wenngleich
das Kurzarbeitergeld die Verdiensteinbußen für viele Beschäftigte abgefedert
hat, ist es eine Lohnersatzleistung und kein Verdienstbestandteil und wird daher
in den Verdienststatistiken nicht erfasst.
Die entsprechenden Werte für die Jahre 1990 bis 2021 können der
nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
Entwicklung des Nominallohnindex (Bruttomonatsverdienst einschl.
Sonderzahlungen) für Deutschland und die Veränderung zum Vorjahreszeitraum in
Prozent.
Berichtszeitraum Nominallohnindex
Veränderung zum
Vorjahreszeitraum
in Prozent
2021 113,5 3,1
2020 110,1 -0,7
2019 110,9 2,6
2018 108,1 3,1
2017 104,9 2,5
2016 102,3 2,3
2015 100,0 2,7
2014 97,4 2,7
2013 94,8 1,4
2012 93,5 2,5
2011 91,2 3,3
2010 88,3 2,6
2009 86,1 0,2
2008 85,9 3,0
2007 83,4 1,5
2006 82,2 0,9
2005 81,5 0,2
2004 81,3 0,6
2003 80,8 1,1
2002 79,9 1,4
2001 78,8 1,9
2000 77,3 1,4
1999 76,2 1,2
1998 75,3 0,9
1997 74,6 0,0
1996 74,6 1,1
1995 73,8 3,1
1994 71,6 1,8
1993 70,3 4,3
1992 67,4 10,3
1991 61,1 7,2
1990 57,0 4,6
1 Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte im Produzierenden Gewerbe und im
Dienstleistungsbereich.
© Statistisches Bundesamt (Destatis), 2022
25. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Kaufkraft in
Deutschland innerhalb der letzten 30 Jahre entwickelt (bitte einzeln nach
Jahren angeben)?
Die Kaufkraftentwicklung der vergangenen 30 Jahre – gemessen am
Verbraucherpreisindex – kann nachfolgender Tabelle entnommen werden.
Jahr Verbraucherpreisindex(2015 =1 00) Inflationsrate in Prozent
1991 65,5
1992 68,8 5,1
1993 71,9 4,5
1994 73,8 2,7
1995 75,1 1,8
1996 76,1 1,4
1997 77,6 1,9
1998 78,3 0,9
1999 78,8 0,6
2000 79,9 1,4
2001 81,5 2
2002 82,6 1,4
2003 83,5 1,1
2004 84,9 1,7
2005 86,2 1,5
2006 87,6 1,6
2007 89,6 2,3
2008 91,9 2,6
2009 92,2 0,3
2010 93,2 1,1
2011 95,2 2,1
2012 97,1 2
2013 98,5 1,5
2014 99,5 0,9
2015 100 0,5
2016 100,5 0,5
2017 102 1,5
2018 103,8 1,7
2019 105,3 1,4
2020 105,8 0,5
2021 109,1 3,1
Im Übrigen sind die Zahlen der Verbraucherpreise öffentlich frei zugänglich
auf der Homepage des Statistischen Bundesamtes unter dem folgenden Link
einsehbar:
www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/Publika
tionen/Downloads-Verbraucherpreise/verbraucherpreisindex-lange-reihen-pdf-
5611103.html.
26. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittliche
Mietkostenbelastung für Privathaushalte in Deutschland innerhalb der
letzten 30 Jahre entwickelt (bitte einzeln nach Jahren aufschlüsseln)?
Daten zur durchschnittlichen Mietkostenbelastung von Privathaushalten in
Deutschland liegen über die Haushaltserhebung Sozio-oekonomische Panel des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (SOEP des DIW Berlin) für den
Zeitraum 1995 bis 2018 vor. Zwischen 1995 und 2008 hat sich demnach der
durchschnittliche Anteil der Bruttokaltmieten am Haushaltsnettoeinkommen
bei Hauptmieterhaushalten von 23,4 Prozent auf 27,5 Prozent erhöht. Im Jahr
2018 lag die Mietbelastungsquote bei 26,7 Prozent.
Durchschnittliche Mietbelastung von Hauptmieterhaushalten in Deutschland
1995 bis 2018
Jahr
Anteil der Bruttokaltmiete
am Haushaltsnettoeinkommen
in Prozent
1995 23,4
1996 24,2
1997 25,4
1998 26,3
1999 26,4
2000 25,9
2001 26,1
2002 26,2
2003 26,5
2004 26,9
2005 26,7
2006 27,5
2007 27,3
2008 27,5
2009 27,4
2010 27,2
2011 27,3
2012 27,3
2013 27,3
2014 24,6
2015 26,0
2016 27,0
2017 27,1
2018 26,7
Anmerkungen: Haushaltsnettoeinkommen: monatlicher Nettobetrag nach Abzug von Steuern und
Sozialabgaben, inkl. regelmäßiger Zahlungen wie Renten, Wohngeld, Kindergeld, BAföG,
Unterhaltszahlungen usw. Bruttokaltmieten: reine Wohnungsmieten + kalte Nebenkosten.
Aufgrund einer temporär veränderten Fragestruktur in den Jahren 2014 und 2015 sind diese Werte
nur eingeschränkt mit den Werten der Vor- und Folgejahre vergleichbar.
Datenbasis: BBSR-Wohnungsmarktbeobachtung, SOEP des DIW.
Hinweis:
Aufgrund der unterschiedlichen Datenquellen, betrachteten Segmente und
Berechnungsformen lassen sich die dargestellten Mietkostenbelastungen nicht mit
den Wohnkostenbelastungen aus der Antwort zu Frage 27 vergleichen.
Im Übrigen wird auf die Unterrichtung der Bundesregierung „Vierter Bericht
über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Deutschland und Wohngeld-
und Mietenbericht 2020“ auf Bundestagsdrucksache 19/31570 verwiesen.
27. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittliche
Wohnkostenbelastung für Privathaushalte in Deutschland innerhalb der
letzten 30 Jahre entwickelt (bitte einzeln nach Jahren aufschlüsseln)?
Daten zur Wohnkostenbelastung werden im Rahmen der Europäischen
Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (European
Union Statistics on Income and Living Conditions, EU-SILC) erfasst und sind für
den Zeitraum 2010 bis 2020 verfügbar (komplette Wohnkosten inkl.
Heizkosten). Angaben für den Zeitraum von 2010 bis 2019 sind der folgenden Tabelle
zu entnehmen.
Im Rahmen der Neugestaltung ab 2020 ist EU-SILC in den Mikrozensus
integriert worden. Dadurch haben sich weitreichende methodische Änderungen
ergeben. Zudem hat die Corona-Pandemie zu weiteren Besonderheiten in der
Erhebung des Mikrozensus 2020 geführt. Die Ergebnisse von 2020 sind daher
nicht mit denen der vorherigen Erhebungsjahre zu vergleichen. Nach der neuen
Erhebung lag die durchschnittliche Wohnkostenbelastung im Jahr 2020 bei
23,9 Prozent.
Durchschnittliche Wohnkostenbelastung in Deutschland 2010 bis 2019
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Haushaltseinkommen in Prozent
Deutschland 21,9 22,5 22,3 22,3 21,6 21,6 21,3 20,8 20,4 20,7
Anmerkungen: Bei Haushalten mit Bezug von wohnungsbezogenen Sozialleistungen werden diese
Leistungen von den Wohnkosten abgezogen (Eurostat-Kennung: ilc_lvho08).
Wohnkosten: komplette Wohnkosten inkl. Heizkosten folgender Haushaltsgruppen: Mieterinnen/
Mieter, Eigentümerinnen/Eigentümer.
Im Übrigen wird auf die Unterrichtung der Bundesregierung „Vierter Bericht
über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Deutschland und Wohngeld-
und Mietenbericht 2020“ auf Bundestagsdrucksache 19/31570 verwiesen.
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 21 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 23 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 25 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 27 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 29 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 31 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 33 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 35 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 37 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 39 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 41 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 43 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 45 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 47 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 49 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 51 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 53 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 55 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 57 – Drucksache 20/1802
Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 59 – Drucksache 20/1802
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]