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Kleine AnfrageWahlperiode 16Beantwortet

Wachstum des Bio-Markts und der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland (G-SIG: 16010980)

Bedeutung, Förderung und Entwicklung des Bio-Siegels und des ökologischen Landbaus, Zuständigkeit für das Bio-Siegel bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Förderung des Anteils der deutschen Landwirtschaft am Bio-Markt, Deckung des Arbeitskräftebedarfs in der Landwirtschaft, auch über Kombilohnangebote und Arbeitnehmer-Pools, Kürzung von EU-Geldern für den ökologischen Landbau, Forschungsförderung betr. Bio-Landbau, Bioenergie, Etablierung neuer Öko-Segmente bei Aquakulturen, Kaninchenhaltung und im Weinbau <p> </p>

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Datum

14.09.2006

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 16/248531. 08. 2006

Wachstum des Bio-Markts und der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland

der Abgeordneten Ulrike Höfken, Cornelia Behm, Bärbel Höhn, Undine Kurth (Quedlinburg), Peter Hettlich, Hans-Josef Fell, Winfried Hermann, Dr. Harald Terpe und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Bio boomt im Lebensmittelbereich. Wie sehr biologisch erzeugte Lebensmittel im Trend liegen, zeigen nicht nur die aktuellen Studien, sondern auch die Entwicklung des Markts der letzten Jahre. Auch bei Umwelt und Gesundheit liegen Bio-Lebensmittel vorn, wie z. B. Untersuchungen über Pestizidbelastungen beweisen. Seit Jahren ist der Bio-Bereich eines der wenigen wachsenden Segmente im ansonsten stagnierenden Lebensmittelmarkt. In 2005 ist der Gesamtumsatz des Bio-Markts in Deutschland um 11 Prozent von 3,5 Mrd. auf 3,9 Mrd. gestiegen.

Gerade der Lebensmitteleinzelhandel hat dabei mit 41 Prozent Marktanteil und einem Wachstum von 25 Prozent bei der Bio-Vermarktung besonders deutlich zugelegt. Dies ist auch auf den Markteinstieg der Discounter zurückzuführen, die inzwischen nahezu alle das Öko-Segment als wichtige Ergänzung ihres Angebots entdeckt haben. Es ist davon auszugehen, dass der Bio-Anteil im Lebensmitteleinzelhandel auch weiter kräftig wachsen wird, wenn dort das Bio-Basissortiment erweitert und die Verkaufsanstrengungen ausgebaut werden. Auch in den klassischen Vertriebsschienen wuchsen im Jahr 2005 die Umsätze der Öko-Lebensmittel zweistellig. Hier kommt dem Naturkostfachhandel seit jeher eine besondere Bedeutung zu.

Weiteres Indiz für den wachsenden Bio-Markt ist die stetig steigende Anzahl der mit dem Bio-Siegel ausgezeichneten Produkte. Im Juli 2006 waren 32 850 Produkte von 1 670 Unternehmen mit dem Bio-Siegel gekennzeichnet. Das sind 3 384 Produkte und 260 Unternehmen mehr als im Jahr 2005. Auch die Analysen der Wirtschaft zeigen, dass der Absatz hochpreisiger Qualitätslebensmittel wächst.

Während der Markt für Öko-Lebensmittel also konstant wächst, sind die Zuwachsraten bei Bio-Betrieben und der ökologisch bewirtschafteten Fläche in Deutschland geringer. So hat die Anzahl der Öko-Betriebe in Deutschland im letzten Jahr lediglich um 2,5 Prozent zugenommen, die bewirtschaftete Fläche um 5,2 Prozent.

Die gleichzeitige Zunahme der verarbeitenden Unternehmen um 10,7 Prozent und der im Import von Öko-Produkten tätigen Firmen um 15 Prozent zeigen, dass Rohware für die Herstellung von Öko-Produkten in Deutschland zunehmend aus dem Ausland importiert wird. Eine solche negative Entwicklung bei den Marktanteilen darf nicht hingenommen werden.

Für die deutsche Landwirtschaft bestehen erhebliche Chancen, gerade für Betriebe, die durch die globalisierten Agrarmärkte am Scheideweg stehen: Höchstqualitätsproduktion oder Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Massenproduktemarkt. Schon heute sind 150 000 Arbeitsplätze in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft entstanden (zum Vergleich: selbst bei wohlwollender Betrachtung bietet Agrogentechnik höchstens 2 500 Arbeitsplätze). Hier besteht Handlungsbedarf, damit Deutschland die Potenziale im ökologischen Lebensmittelbereich nutzt.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen18

1

Wie bewertet die Bundesregierung die Bedeutung des Bio-Siegels für den stetig wachsenden Öko-Markt?

2

Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über den Bekanntheitsgrad des Bio-Siegels in der Bevölkerung?

Welche Maßnahmen gedenkt die Bundesregierung zu ergreifen, um den Bekanntheitsgrad zu halten bzw. weiter zu steigern?

3

Welche Folgen hat nach Meinung der Bundesregierung der Wechsel der Zuständigkeit für das Bio-Siegel von der ÖPZ GmbH an die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) für die Vergabe und die Bewerbung des Bio-Siegels?

4

Welche Maßnahmen der gezielten Verbraucherinformation und -aufklärung plant die Bundesregierung in diesem Segment?

5

Sieht die Bundesregierung die Notwendigkeit für eine Weiterentwicklung des Bio-Siegels, und wenn ja, in welche Richtung soll diese Weiterentwicklung gehen?

Wie steht die Bundesregierung zu einer zusätzlichen Ausstattung des Bio-Siegels bzw. eines kommenden EU-Siegels mit einem Herkunftszeichen?

6

Welche Bedeutung haben nach Auffassung der Bundesregierung die Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von ökologischen Lebensmitteln für die deutsche Landwirtschaft und die deutsche Lebensmittelherstellung zum gegenwärtigen Zeitpunkt und in Zukunft?

7

Wie beurteilt die Bundesregierung das relativ geringe Wachstum an ökologisch wirtschaftenden Betrieben und ökologisch bewirtschafteter Fläche in Deutschland vor dem Hintergrund des stark wachsenden Bio-Markts und der positiven Verbrauchernachfrage?

Welche Ursachen sieht die Bundesregierung für diese Entwicklung?

8

Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um die deutsche Landwirtschaft wieder stärker am wachsenden Bio-Markt zu beteiligen, und wenn ja, welche?

9

Wie will die Bundesregierung die klein- und mittelständischen Landwirtschaftsbetriebe unterstützen, die sich am Weltmarkt nicht behaupten können, deren Chance aber gerade in der ökologischen Qualitätsproduktion liegt?

10

Wie will die Bundesregierung dazu beitragen, den Bedarf an Arbeitskräften im ökologischen Land-, Garten- und Weinbau, aber auch im Bereich der konventionellen artgerechten Tierhaltung und der Obst- und Gemüseerzeugung zu decken?

Plant die Bundesregierung, für diese Bereiche Kombilohnangebote oder Arbeitnehmer-Pools einzurichten?

11

Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen der Kürzung der EU-Gelder in der zweiten Säule der EU-Agrarförderung und der daraus entstehenden Unsicherheit in Bezug auf die Fortsetzung der Förderung der Umstellung und Beibehaltung ökologischer Wirtschaftsweisen auf der einen Seite und dem stagnierenden Anteil der Öko-Landwirtschaft in Deutschland auf der anderen Seite?

12

Wie kann nach Meinung der Bundesregierung die Kürzung der EU-Gelder in der zweiten Säule aufgefangen werden, um auch weiterhin eine zuverlässige Förderung des ökologischen Landbaus sicherzustellen?

Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung diesbezüglich?

13

Wie ist die Entwicklung der Mittel aus dem Bundeshaushalt für die Unterstützung der ökologischen Landwirtschaft seit 1995 bis 2006?

Welche Mittel sind für den Haushalt 2007 und folgende geplant?

14

Wie will die Bundesregierung dem wachsenden Bedarf nach Forschung im Bereich des Bio-Landbaus, des biologischen Pflanzenschutzes und der ökologischen Tierhaltung und der Bedeutung der Forschung für das weitere Wachstum der ökologischen Landwirtschaft gerecht werden?

15

In welcher Weise plant die Bundesregierung, diese Forschung zukünftig weiter zu fördern und zu unterstützen, und in welchem Umfang?

Wie sieht die Bundesregierung in diesem Zusammenhang die weitere Entwicklung des Instituts für ökologischen Landbau der FAL in Trenthorst?

16

Plant die Bundesregierung die Forschung für Biolandwirtschaft auszubauen z. B. auch im Bereich Bio-Energien?

17

Welche Aktivitäten plant die Bundesregierung, um die Entwicklung und Etablierung neuer Öko-Segmente wie der Öko-Aquakultur oder der ökologischen Kaninchenhaltung in Deutschland zu fördern?

18

Welche Aktivitäten plant die Bundesregierung, um den Anbau und die Verarbeitung von Öko-Wein zu unterstützen?

Wie ist der Stand der Planungen zum Bio-Wein-Institut?

Berlin, den 31. August 2006

Renate Künast, Fritz Kuhn und Fraktion

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