[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Heidi Reichinnek, Clara Bünger,
Dr. Gesine Lötzsch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 20/3815 –
Frauengesundheit in den Fokus nehmen – Stand der Endometriose-Forschung
in Deutschland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In Deutschland sind Millionen Menschen mit Uterus von Endometriose
betroffen, und trotzdem ist diese Krankheit in der Breite noch viel zu unbekannt.
Endometriose ist die zweithäufigste Krankheit bei Frauen, fast jede zehnte ist
betroffen und trotzdem dauert es im Schnitt zehn Jahre bis zur Diagnose. In
seltenen Fällen können auch Männer von Endometriose betroffen sein. Aber
weil Endometriose bisher wenig erforscht und bekannt ist, gibt es nur wenige
Therapiemöglichkeiten. Aktuell können die Symptome oft nur mit
Schmerzmitteln oder Hormonen gelindert werden oder durch die Entfernung der
Gebärmutter bzw. des betroffenen Gewebes, das überall im Bauchraum wuchern
kann (vgl.
https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/endometriosis).
Endometriose ist eine der Hauptursachen für ungewollte Kinderlosigkeit und
bedeutet für die Betroffenen sehr viel Leid. Dabei sind andere Länder mit
ihrer Endometriose-Forschung schon sehr viel weiter als Deutschland. Die
Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN und FDP zwar vereinbart, dass sie Gendermedizin zum
Teil der medizinischen Ausbildung machen will, erwähnt Endometriose aber
mit keinem einzigen Wort. In Frankreich hingegen hat Präsident Emmanuel
Macron den nationalen Kampf gegen Endometriose eingeläutet, eine
umfassende Versorgung soll im ganzen Land sichergestellt werden und es soll mehr
Geld für die Forschung geben. Auch in Australien ist man schon viel weiter.
Nicht nur hat sich der Gesundheitsminister bereits vor Jahren bei allen
Betroffenen entschuldigt, weil man sie so lange nicht ernst genommen hat, sondern
er stellte auch 2,5 Mio. Dollar für die Forschung bereit und rief einen
landesweiten Aktionsplan ins Leben. Seit der Veröffentlichung des Nationalen
Aktionsplans wurden insgesamt 22,5 Mio. Dollar für Maßnahmen zur
Bekämpfung der Krankheit bereitgestellt (vgl. WD 9 – 3000 – 036/22,
https://ww
w.bundestag.de/resource/blob/902628/4c5f8ae58a1bc0ca64bfe69220162dd2/
WD-9-036-22-pdf-data.pdf).
Nach Ansicht der Fragestellenden widmet sich die Bundesregierung dem
Thema Frauengesundheit im Allgemeinen und Endometriose im Speziellen
nicht mit der gebotenen Dringlichkeit, dabei sind von der Krankheit rund
Deutscher Bundestag Drucksache 20/4151
20. Wahlperiode 20.10.2022
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit
vom 20. Oktober 2022 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
190 Millionen Menschen im reproduktiven Alter weltweit betroffen (
https://w
ww.who.int/news-room/fact-sheets/detail/endometriosis).
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Der Bundesregierung ist es ein besonderes Anliegen, die von Endometriose
betroffenen Frauen und Mädchen zu unterstützen. Da die Krankheit derzeit nicht
heilbar ist, ist es für die Betroffenen wichtig, so gut wie möglich über ihre
Krankheit informiert zu sein und auf dieser Grundlage selbstbestimmte
Entscheidungen treffen zu können. Auf den Gebieten der Information und
Aufklärung sowie der Diagnostik und Therapie hat die Bundesregierung seit dem Jahr
2006 viele Maßnahmen umgesetzt. Es wird auf die Antworten auf die
Schriftliche Frage 67 der Abgeordneten Dr. Kirsten Kappert-Gonther auf
Bundestagsdrucksache 19/32692 sowie auf die Schriftliche Frage 83 der Abgeordneten
Emmi Zeulner auf Bundestagsdrucksache 20/1817 verwiesen. Jedoch sind die
Ursachen für die Entstehung von Endometriose bis heute weitgehend
unbekannt. In internationalen Forschungsnetzwerken wurden aufgrund von Studien
verschiedene Theorien entwickelt, die aber weiterer Beforschung bedürfen, um
zu aussagekräftigen Ergebnissen zu führen. Die Grundlagenforschung zu
Endometriose ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für eine zielgerichtete
Ausweitung der Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten.
1. Wie viele Menschen leiden nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell
an Endometriose (bitte nach Geschlecht aufschlüsseln)?
Es wird geschätzt, dass etwa 10 bis 15 Prozent aller Frauen im
fortpflanzungsfähigen Alter von Endometriose betroffen sind und in Deutschland jährlich
etwa 40 000 Frauen neu erkranken (RKI 2020). Verlässliche Daten zur
Prävalenz und Inzidenz der Endometriose liegen nicht vor (DGGGG, SGGG und
OEGGG 2020). Im Jahr 2020 gab es nach der Krankenhausdiagnosestatistik
des Statistischen Bundesamtes 29 286 stationäre Behandlungsfälle (alle
weiblich) wegen Endometriose (ICD-10:N80).
2. Ist es geplant, ähnlich wie in anderen Ländern, einen Aktionsplan zur
Bekämpfung von Endometriose zu verabschieden?
Wenn nein, wieso nicht?
Die Bundesregierung hat bereits viele Maßnahmen umgesetzt, die zur
Verbesserung der Information und Aufklärung sowie zur Verbesserung der Diagnostik
und Therapie der Endometriose beitragen. Die Bundesregierung wird ihre
Angebote laufend an mögliche neue Erkenntnisse zu Ursachen, Behandlung und
Prävention anpassen.
3. Ist die Bundesregierung aktuell im Austausch mit internationalen
Partnern, um sich im Bereich der Endometriose-Bekämpfung auszutauschen?
a) Mit welchen Ländern fand bereits Austausch statt (bitte nach Datum
und Land auflisten)?
b) Falls nein, wieso nicht?
Die Bundesregierung beobachtet die Entwicklungen insbesondere in Frankreich
und Australien. Ein direkter Austausch hat jedoch bislang nicht stattgefunden.
4. Ist ein bundesweites Förderprogramm geplant, um die Ursachen von
Endometriose und neue Behandlungsmöglichkeiten zu erforschen?
Falls nein, wieso nicht?
Derzeit hat die Bundesregierung nicht geplant, ein solches bundesweites
Förderprogramm aufzulegen. Des Weiteren wird auf die laufenden
Forschungsvorhaben verwiesen.
5. Welche Förderprojekte wurden seit 2000 von der Bundesregierung mit
dem Themenschwerpunkt Endometriose durchgeführt oder gefördert
(bitte nach Förderhöhe und Bundesministerium aufschlüsseln)?
Folgende Forschungsvorhaben mit dem Themenschwerpunkt „Endometriose“
wurden bzw. werden durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) im Zeitraum ab
dem Jahr 2000 gefördert:
Förderkennzeichen Ressort Bundesmittel
(Euro)
Thema Laufzeit
13N8897 BMBF 1.483.484,44 Verbundprojekt: Nanofunktionale
Hydrogele (NanoGel) – Teilvorhaben: Nanogele
für gynäkologische Anwendungen
2005–2008
01GX0712 BMBF 206.793,68 Evaluation eines Schulungsprogramms
für Patientinnen mit Endometriose
2008–2011
01GY1316 BMBF 199.468,99 Qualitative Untersuchung zur
Lebensqualität und Versorgung von Frauen mit
Endometriose (EndoHealthCare)
2013–2015
13GW0360A BMBF 197.910,00 Verbundprojekt: Bildgeführte quantitative
Diagnostik und Lasertherapie der
Endometriose (IDATE) – Teilvorhaben:
IDATE – Demonstrator Diagnose
2020–2023
13GW0360B BMBF 515.820,00 Verbundprojekt: Bildgeführte quantitative
Diagnostik und Lasertherapie der
Endometriose (IDATE) – Teilvorhaben:
Quantitative Diagnostik von
Endometrioseherden basierend auf der strukturierten
Beleuchtung und schonende,
temperaturgeregelte Lasertherapie der detektierten
Endometrioseherde
2020–2023
13GW0360C BMBF 221.612,00 Verbundprojekt: Bildgeführte quantitative
Diagnostik und Lasertherapie der
Endometriose (IDATE) – Teilvorhaben:
Methodik der Bildgenerierung für die
quantitative Diagnostik der Endometriose
2020–2023
13GW0360D BMBF 314.552,00 Verbundprojekt: Bildgeführte quantitative
Diagnostik und Lasertherapie der
Endometriose (IDATE) – Teilvorhaben:
Therapielaser auf Basis eines Diodenlasers mit
integrierter kontaktloser optischer
Gewebetemperaturmessung und Regelung
2020–2023
161B0978 BMBF 99.995,18 GBi1S: Entwicklung eines neuen
diagnostischen Kits zur Erfassung der
Endometriose
2020–2021
Förderkennzeichen Ressort Bundesmittel
(Euro)
Thema Laufzeit
13FH097KX0 BMBF 399.229,76 FH-Kooperativ 1-2020: Hyperspektrale
Bildanalyse zur Gewebeklassifikation in
der minimalinvasiven Chirurgie
(HSI4MIC)
2021–2025
13N8897 BMBF 1.483.484,44 Verbundprojekt: Nanofunktionale
Hydrogele (NanoGel) – Teilvorhaben: Nanogele
für gynäkologische Anwendungen
2005–2008
01GX0712 BMBF 206.793,68 Evaluation eines Schulungsprogramms
für Patientinnen mit Endometriose
2008–2011
01GY1316 BMBF 199.468,99 Qualitative Untersuchung zur
Lebensqualität und Versorgung von Frauen mit
Endometriose (EndoHealthCare)
2013–2015
13GW0360A BMBF 197.910,00 Verbundprojekt: Bildgeführte quantitative
Diagnostik und Lasertherapie der
Endometriose (IDATE) – Teilvorhaben:
IDATE – Demonstrator Diagnose
2020–2023
13GW0360B BMBF 515.820,00 Verbundprojekt: Bildgeführte quantitative
Diagnostik und Lasertherapie der
Endometriose (IDATE) – Teilvorhaben:
Quantitative Diagnostik von
Endometrioseherden basierend auf der strukturierten
Beleuchtung und schonende,
temperaturgeregelte Lasertherapie der detektierten
Endometrioseherde
2020–2023
13GW0360C BMBF 221.612,00 Verbundprojekt: Bildgeführte quantitative
Diagnostik und Lasertherapie der
Endometriose (IDATE) – Teilvorhaben:
Methodik der Bildgenerierung für die
quantitative Diagnostik der Endometriose
2020–2023
13GW0360D BMBF 314.552,00 Verbundprojekt: Bildgeführte quantitative
Diagnostik und Lasertherapie der
Endometriose (IDATE) – Teilvorhaben:
Therapielaser auf Basis eines Diodenlasers mit
integrierter kontaktloser optischer
Gewebetemperaturmessung und Regelung
2020–2023
161B0978 BMBF 99.995,18 GBi1S: Entwicklung eines neuen
diagnostischen Kits zur Erfassung der
Endometriose
2020–2021
13FH097KX0 BMBF 399.229,76 FH-Kooperativ 1-2020: Hyperspektrale
Bildanalyse zur Gewebeklassifikation in
der minimalinvasiven Chirurgie
(HSI4MIC)
2021–2025
2506FSB103 BMG 49.780,00 Erstellung einer Expertise zum Thema
Endometriose als Gesundheitsinformation
2006–2007
2508FSB119 BMG 30.467,00 Endometriose-Symposium in
Zusammenarbeit vom BMG und WHO auf dem
UN-Campus/Langer Eugen Bonn am
20./21.11.2008
2008–2009
2518ZEG321 BMG 15.000,00 Satellitensymposium „Endometriose“ des
Arbeitskreises Frauengesundheit in
Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e. V.
(AKF) am 01.11.2019 in Berlin
2019
6. Welche konkreten finanziellen Mittel sind im Haushalt für das Jahr 2023
für das Thema Endometriose vorgesehen (bitte nach Einzelplan
aufschlüsseln)?
Der Haushalt 2023 weist keine ausschließlich für das Thema „Endometriose“
vorgesehenen finanziellen Mittel aus. Wie in der Antwort zu Frage 5
ersichtlich, werden im Rahmen der verschiedenen themenoffenen Fördermaßnahmen
diverse Forschungsvorhaben im Bereich der Endometriose gefördert, die Mittel
bis teilweise 2025 binden.
Darüber hinaus sind in der am 2. September 2022 veröffentlichten und breit
ausgeschriebenen „Richtlinie zur Förderung von interdisziplinären
Nachwuchszentren für reproduktive Gesundheit“ des BMBF (
https://www.gesundheitsfors
chung-bmbf.de/de/15181.php) Forschungsbeteiligungen mit Bezug zur
Endometriose generell möglich.
7. Plant die Bundesregierung, Betroffene von Endometriose am
Arbeitsplatz zu entlasten, z. B. durch flexiblere Regelungen für Homeoffice oder
Teilzeit-Krankschreibungen?
Soweit aufgrund einer Krankheit die bisherige Beschäftigung nicht mehr oder
nur unter der Gefahr der Verschlimmerung der Erkrankung ausgeführt werden
kann, begründet dies bereits nach geltendem Recht eine krankheitsbedingte
Arbeitsunfähigkeit. Dies gilt unabhängig von der Art der Erkrankung, d. h.
auch für eine Endometriose. Die Möglichkeit zur Feststellung einer teilweisen
Arbeitsunfähigkeit ist derzeit nicht vorgesehen.
Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt,
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Durchsetzung ihres Wunsches mobil zu
arbeiten, zu erleichtern. Etwaige Änderungen der rechtlichen
Rahmenbedingungen stehen noch nicht fest.
Kann die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer ihre/seine Arbeitsleistung
nicht vollumfänglich erbringen, liegt Arbeitsunfähigkeit vor.
8. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Betroffene jährlich
aufgrund einer Endometriose ihre Arbeitszeiten reduzieren bzw. sich
krankmelden?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Daten vor.
9. Wie unterstützt die Bundesregierung Betroffene von Endometriose, die
durch die Krankheit unter starken psychischen Belastungen leiden?
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellt Betroffenen
im „Frauengesundheitsportal“ unter dem Themenschwerpunkt „Endometriose“
umfangreiche Informationen zur Verfügung. Unter der Rubrik „Hilfsangebote“
(
https://www.frauengesundheitsportal.de/themen/endometriose/hilfsangebote/)
wird beispielsweise auf spezielle Endometriose-Einrichtungen hingewiesen
sowie auf die Unterstützungsmöglichkeiten durch Selbsthilfegruppen, bei denen
betroffene Frauen Rat und Hilfe finden; u. a. wird auf die Endometriose-
Vereinigung Deutschland e. V. verlinkt, dort ist eine Recherche nach lokalen
Selbsthilfegruppen möglich.
Bei stärkeren psychischen Belastungen oder Beeinträchtigungen können
selbstverständlich auch Hilfen aus dem medizinischen Versorgungssystem in
Anspruch genommen werden. Im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung
(GKV) haben Versicherte, die an einer behandlungsbedürftigen psychischen
Erkrankung leiden, Anspruch auf eine medizinische (einschließlich psychiatrische
und psychotherapeutische) Krankenbehandlung.
10. Plant die Bundesregierung selbst eine Aufklärungskampagne, um die
Bevölkerung für Endometriose zu sensibilisieren?
a) Welche Haushaltsmittel sind dafür vorgesehen?
b) An welche Zielgruppe soll sich diese Kampagne richten?
c) Falls nein, wieso nicht?
11. Plant die Bundesregierung eine Aufklärungskampagne, um
medizinisches Personal für Endometriose zu sensibilisieren?
a) Welche Haushaltsmittel sind dafür vorgesehen?
b) An welche Zielgruppe soll sich diese Kampagne richten?
c) Falls nein, wieso nicht?
Die Fragen 10 und 11 werden aufgrund des Sachzusammenhanges gemeinsam
beantwortet.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die zum
Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gehört, stellt im
Frauengesundheitsportal umfangreiche Informationen zum Krankheitsbild
Endometriose bereit, die auf aktuellem Stand, fachlich überprüft und
qualitätsgesichert sind (
https://www.frauengesundheitsportal.de/themen/endometriose/).
Im Auftrag des BMG hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im
Gesundheitswesen (IQWiG) eine Expertise zur Endometriose erstellt (
https://ww
w.gesundheitsinformation.de/endometriose.html). Eine vom BMG geförderte
Broschüre (
https://www.endometriose-vereinigung.de/files/endometriose/infom
aterial/Broschuere%20Mit%20Endometriose%20leben%202017.pdf) bietet
grundlegende Beiträge zum Thema „Endometriose-Schmerzen“, welche
gesundheitlichen, psychischen und sozialen Auswirkungen diese haben können
und wie Betroffene ihnen begegnen können.
Im Rahmen der Bundesinitiative „Hilfe und Unterstützung bei ungewollter
Kinderlosigkeit“ hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend (BMFSFJ) zum Tag der Endometriose am 29. September 2022 in
Kooperation mit der Zeitbild Verlag und Agentur für Kommunikation GmbH das
Zeitbild MEDICAL „Schmerzen bei der Regel? Unerfüllter Kinderwunsch?
Endometriose?“ veröffentlicht. Ziel ist es, Frauen sowie Fachärztinnen und
-ärzte der Gynäkologie für Anzeichen einer Endometriose zu sensibilisieren
und darüber zu informieren, dass sich die Erkrankung auch auf einen
möglichen Kinderwunsch auswirken kann. Frauen sollen ermutigt werden, bei
regelmäßigen, starken Regelbeschwerden eine medizinische Fachkraft aufzusuchen.
Das Zeitbild MEDICAL umfasst eine Ärztemappe mit Informationen für das
Fachpersonal und beigelegten Patientinnenmagazinen in verschiedenen
Sprachen. Das Zeitbild MEDICAL eröffnet Ärztinnen und Ärzten zudem die
Möglichkeit einer CME-zertifizierten ärztlichen Fortbildung zum Thema
„Endometriose und Kinderwunsch“, die per Online-Schulung und/oder mithilfe eines
Fragebogens erfolgt.
Das Patientinnenmagazin, welches in Deutsch und Englisch erschienen ist, soll
den Betroffenen Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen und ihnen Unterstützung
bieten. Mit Hilfe einer kostenlosen Augmented-Reality-App werden die
Printmaterialien über digitale Inhalte (Filme, Audios, Interviews und interaktive
Elemente, u. a. der Podcast des Bundesfamilienministeriums) im Internet
erweitert.
Die Auslage des Zeitbild MEDICAL in gynäkologischen Praxen und
Apotheken gewährleistet, dass die Materialien die Zielgruppe bestmöglich erreichen.
Für die Erstellung der Materialien kooperierte die Zeitbild Stiftung u. a. mit der
Endometriosevereinigung Deutschland.
Darüber hinaus hat das BMFSFJ bereits am 14. März 2022 zum Internationalen
Tag der Endometriose in der neuen Informationsreihe „Kinderwunschzeit“
einen Podcast zum Thema „Endometriose und Kinderwunsch“ veröffentlicht.
Dieser ist auf dem Informationsportal Kinderwunsch (
www.informationsportal-
kinderwunsch.de) sowie auf allen gängigen Podcast-Plattformen abrufbar.
12. Plant die Bundesregierung, weitere spezielle Endometriose-Zentren oder
Endometriose-Sprechstunden einzurichten, die sich auf die Diagnose und
Behandlung von Endometriose spezialisieren?
Falls nein, wieso nicht?
Für die Einrichtung von Endometriosezentren an Krankenhäusern sind die
Länder im Rahmen ihrer Krankenhausplanung zuständig. Die Bundesregierung hat
hierauf keinen Einfluss.
Die Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung und damit auch der
ambulanten Endometriosebehandlung obliegt den – der Aufsicht der Länder
unterstehenden – Kassenärztlichen Vereinigungen. Sie haben sicherzustellen, dass
vertragsärztliche Leistungserbringer in hinreichender Anzahl und mit der
erforderlichen Qualifikation für eine flächendeckende Versorgung der Versicherten zur
Verfügung stehen. Die gesetzlichen Ermächtigungstatbestände der §§ 116 ff.
des Fünften Buches Sozialgesetzbuch tragen zudem zu einer Vergrößerung des
Kreises der Leistungserbringer und damit zu einer Erweiterung der ambulanten
Behandlungsmöglichkeiten bei. Die Einrichtung von speziellen
Behandlungszentren wie den in der Frage angesprochenen Endometriosezentren gehört nicht
zu den Aufgaben der Bundesregierung.
13. Ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Einrichtung weiterer
zertifizierter Rehabilitationskliniken für von Endometriose Betroffene geplant?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.
14. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um in den geplanten
1 000 Gesundheitskiosken das Thema Frauengesundheit und
Endometriose zu berücksichtigen?
Die Eckpunkte zur Errichtung von Gesundheitskiosken sehen vor, dass in
besonders benachteiligten Regionen und Stadtteilen im Zusammenwirken von
Kommunen und gesetzlicher Krankenversicherung unter Beteiligung der
privaten Krankenversicherung niedrigschwellige Beratungsangebote geschaffen
werden. Aufgabe der Kioske soll es sein, allgemeine Beratungs- und
Unterstützungsleistungen anzubieten, etwa zur Inanspruchnahme von
Gesundheitsleistungen und Präventionsangeboten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des
Kiosks sollen Ratsuchende auch gezielt bei der Vermittlung von Terminen oder
konkreten Leistungsangeboten unterstützen. Insgesamt kann es mithilfe der
Kioske gelingen, die individuelle Gesundheitskompetenz insbesondere von
Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf zu erhöhen. Die Angebote
werden alle gesundheitlichen Fragen der Menschen umfassen, die dort Rat und
Unterstützung suchen.
15. Wie plant die Bundesregierung, die durchschnittlich zehn Jahre vom
ersten Auftreten der Beschwerden bis zur Diagnosestellung effektiv zu
verkürzen?
Endometriose ist schwer zu diagnostizieren. Das liegt unter anderem an einem
uneinheitlichen Krankheitsverlauf und der nicht einfachen Zuordnung der
Beschwerden und Symptome zum Krankheitsbild. Deshalb vergehen oft mehrere
Jahre, bis die endgültige Diagnose gestellt wird. Eine gründliche Vorbereitung
auf den Besuch in einer gynäkologischen Praxis kann eine wertvolle Hilfe
darstellen. Dabei kann z. B. das Führen eines Schmerzkalenders unterstützen.
Im Jahr 2006 hat die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Fachgesellschaften eine Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose
herausgegeben. An der Entwicklung waren medizinische Fachgesellschaften aus
Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien, verschiedene europäische
Endometriose-Organisationen und auch die Selbsthilfeorganisation
Endometriose-Vereinigung Deutschland e. V. beteiligt. Die Leitlinie wird regelmäßig
überarbeitet, zuletzt im Jahr 2020. Sie ist unter folgendem Link abrufbar:
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-045l_S2k_Diagnostik_Ther
apie_Endometriose_2020-09.pdf.
Eine leitlinienorientierte Diagnostik und Therapie bedeutet für die Patientinnen
in der Regel die bestmögliche Versorgung nach dem aktuellen Wissensstand
und schützt zugleich vor Über- und Unterversorgung. Durch die in der Leitlinie
enthaltenen Patienteninformationen werden die Frauen in die Lage versetzt,
sich informiert und selbstbestimmt in Diagnose und Behandlung einzubringen.
16. Was plant die Bundesregierung, um dem Missstand kurzfristig Rechnung
zu tragen, dass während der Corona-Pandemie zahllose Operationen
(OP), die nicht akut lebensnotwendig waren, darunter auch
Endometriose-Operationen, verschoben wurden?
17. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um dem
immer noch reduzierten OP-Kontingent der Kliniken zu begegnen?
Die Fragen 16 und 17 werden aufgrund des Sachzusammenhanges gemeinsam
beantwortet.
Der Gesetzgeber hat Regelungen beschlossen, damit Krankenhäuser für die
Aussetzung oder Verschiebung planbarer Aufnahmen, Operationen und
Eingriffe während der Corona-Krise Ausgleichszahlungen erhalten. So konnten
finanzielle Nachteile für die Krankenhäuser ausgeglichen werden. Es obliegt
nun den Krankenhäusern, im Rahmen ihrer Organisationshoheit ausgefallene
Operationen nachzuholen, soweit ein entsprechender medizinischer Bedarf
besteht.
18. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, den aktuell kaum oder
nur reduziert angebotenen Endometriose-Sprechstunden in Kliniken und
Praxen zu begegnen, die eine direkte Auswirkung auf die
Diagnosestellung und dringend erforderliche Behandlungen haben?
Hinsichtlich der Endometriose-Sprechstunden in Kliniken und Praxen wird auf
die Antwort zu Frage 12 verwiesen.
19. Ist geplant, zusätzliche Abrechnungsziffern für die Verbesserung der
ambulanten Versorgung einzuführen?
Die abrechnungsfähigen Leistungen in der ambulanten vertragsärztlichen
Versorgung, die gegenüber Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung
(GKV) erbracht und zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet
werden dürfen, sind in dem einheitlichen Bewertungsmaßstab für ärztliche
Leistungen (EBM) festgelegt. Der EBM wird durch den Bewertungssauschuss
vereinbart, der aus Vertreterinnen und Vertretern der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen gebildet
wird. Damit unterliegt die Ausgestaltung des EBM der Selbstverwaltung. Das
Bundesministerium für Gesundheit kann hierauf keinen Einfluss nehmen.
20. Hat die Bundesregierung eine Einschätzung des volkswirtschaftlichen
Schadens, der durch Endometriose jährlich entsteht?
Wenn ja, wie lautet diese?
Wenn nein, warum nicht?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Daten vor.
21. Wie ist der aktuelle Umsetzungsstand des Vorhabens, Gendermedizin als
Teil des Medizinstudiums und in der Aus- und Fortbildung von
Gesundheitsberufen zu etablieren?
Die Ausgestaltung der Curricula für die Ausbildungen sowie die Fort- und
Weiterbildung liegt im Zuständigkeitsbereich der Länder, der medizinischen
Fakultäten bzw. den Aus- und Weiterbildungsstätten und den Kammern.
Insbesondere in der ärztlichen Ausbildung lassen die aktuellen bundesrechtlichen
Vorgaben das Aufgreifen von gendermedizinischen Aspekten bereits zu. Vorgesehen
ist, die Gendermedizin ausdrücklich in die Approbationsordnung für Ärzte
aufzunehmen. Auch bei künftigen Reformen der Kompetenzkataloge in weiteren
Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen sind Aspekte der Gendermedizin
jeweils mitzudenken, um die Auszubildenden zur Berücksichtigung
geschlechtsspezifischer Unterschiede bei der Behandlung ihrer Patientinnen und Patienten
zu befähigen.
22. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung zur Förderung
der Frauengesundheit (siehe Frauengesundheitsbericht des RKI 2020,
https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberi
chterstattung/GBEDownloadsB/Gesundheitliche_Lage_der_Frauen_202
0.pdf?__blob=publicationFile)?
Im Dezember 2020 ist der Frauengesundheitsbericht des Robert Koch-Instituts
im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes veröffentlicht
worden. Der Bericht zeichnet ein aktuelles und umfassendes Bild zum
Gesundheitszustand, Gesundheitsverhalten und zur Gesundheitsversorgung der circa
35 Millionen Frauen in Deutschland. Mit dieser Datenbasis und der
gewonnenen Erkenntnisse leistet der Bericht einen wichtigen Beitrag für politisches
Handeln sowie zur nachhaltigen Unterstützung der Akteure des
Gesundheitswesens, eine frauengerechte Prävention und Gesundheitsversorgung
umzusetzen. Die Bundesregierung prüft entsprechende Maßnahmen.
23. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung zur
Verringerung des Gender Health Gaps in der Medizin?
Die Bundesregierung benötigt wissenschaftliche Erkenntnisse zur
konzeptionellen Vorbereitung politischer und administrativer Entscheidungen ebenso wie
die evaluierende Begleitung von Maßnahmen. Die jeweils zuständigen Ressorts
initiieren daher Forschungs- und Modellvorhaben, falls die notwendigen
Erkenntnisse fehlen. In der Ressortforschung des Bundesministeriums für
Gesundheit (BMG) ist systematisch die Berücksichtigung von Genderaspekten
gefordert und in allen Forschungsanträgen darzulegen. Ein entsprechendes
Kriterium kommt regelhaft in allen Begutachtungsverfahren zur Anwendung.
Antragstellerinnen und Antragsteller können auf eine Checkliste zurückgreifen,
um sicherzustellen, dass relevante Genderaspekte in ihren Anträgen
berücksichtigt sind. Zudem werden im BMG mit dem Förderschwerpunkt
„Geschlechtsspezifische Besonderheiten in der Gesundheitsversorgung, Prävention
und Gesundheitsförderung“ gezielt Forschungsvorhaben gefördert, die explizit
auf die Gewinnung von Erkenntnissen zu geschlechtsspezifischen
Besonderheiten abzielen. Der Förderschwerpunkt umfasst drei Module mit insgesamt zwölf
Vorhaben. Die Laufzeit der Projekte begann im Jahr 2020 und endet
voraussichtlich im Jahr 2025. Das finanzielle Volumen beträgt fast 4 Mio. Euro. Die
Ergebnisse sollen dazu beitragen, geschlechtsbedingte gesundheitliche
Ungleichheiten zu reduzieren und die Qualität von Angeboten in der
Gesundheitsversorgung, Prävention und Gesundheitsförderung zu verbessern.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt gendersensible
Studien in der Präventions- und Versorgungsforschung in der Förderinitiative
„Gesund – ein Leben lang“ von 2017 – 2022 mit rd. 10,3 Mio. Euro. Gefördert
werden gendersensible vergleichende Studien zur Verbesserung der Gesundheit
von Frauen und Männern sowie systematische Übersichtsarbeiten. So
untersucht ein Projekt beispielsweise die Integration von Geschlecht in die
Forschung zu umweltbezogener Gesundheit (INGER). Ein anderes Projekt
adressiert die Frage, wie kardiovaskulären und metabolischen Krankheiten bei
älteren Erwachsenen geschlechtssensitiv vorgebeugt werden kann (GendAge). Für
weitere Informationen siehe auch:
https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/
de/gendergesundheit-6678.php.
Zur Verringerung des Gender Health Gaps ist insbesondere auch die
geschlechterspezifische Datenerhebung und Datenauswertung erforderlich. Dies ist für
Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) / Maschinellen Lernens
unerlässlich. Eine repräsentative und vollständige Datengrundlage ist
Grundvoraussetzung für den vertrauensvollen und transparenten Einsatz von KI-Systemen.
Ebenso gilt es zu vermeiden, dass der entstehende Gender Bias durch
lückenbzw. fehlerhafte, oder gar vorurteilsbehaftete Daten, von der KI und den
dazugehörigen Algorithmen reproduziert wird. Das BMG verbessert die sekundäre
Datenverfügbarkeit und Datenqualität für die Forschung auch mit dem Aufbau
des Forschungsdatenzentrums Gesundheit im Bundesinstitut für Arzneimittel
und Medizinprodukte. Mit dem aufgebauten Datensatz werden qualitativ
hochwertige Daten für geschlechtsspezifische Fragestellungen der Forschung zur
Verfügung gestellt. Entsprechende Fragestellungen können bei FDZ
Gesundheit eingereicht werden und damit ein Betrag zur Schließung des Gender
Health Gap geleistet werden.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]