[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Clara Bünger, Nicole Gohlke, Gökay
Akbulut, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 20/5208 –
Berichte über Zurückweisungen von Schutzsuchenden an den Binnengrenzen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Laut Berichten von Rechtsanwältinnen und Menschenrechtsorganisationen
gegenüber den Fragestellenden soll es an der deutsch-tschechischen Grenze
wiederholt zu Zurückweisungen von syrischen Geflüchteten gekommen sein,
obwohl diese der Bundespolizei klar mitgeteilt hätten, dass sie einen Asylantrag
stellen möchten. Die Betroffenen seien außerdem mit einem Einreise- und
Aufenthaltsverbot belegt worden. Aus Sicht der Fragestellenden steht der
Verdacht im Raum, dass es sich dabei um illegale Pushbacks von
Schutzsuchenden handelte. Die Bundespolizei habe die Zurückweisungen anwaltlichen
Berichten zufolge damit gerechtfertigt, dass die Betreffenden angegeben hätten,
sie seien wegen Arbeit und der Hoffnung auf ein besseres Leben nach
Deutschland gekommen und nicht, um einen Asylantrag zu stellen. Dies
widerspricht jedoch den Darstellungen der Betroffenen gegenüber den
Rechtsanwältinnen und Menschenrechtsorganisationen. Zahlen, die das
Bundesministerium des Innern und für Heimat auf Anfrage der Abgeordneten Clara Bünger
veröffentlicht hat (Antwort auf die Schriftliche Frage 47 auf
Bundestagsdrucksache 20/4434), zeigen, dass sich Zurückweisungen von Syrerinnen und
Syrern an der deutsch-tschechischen Grenze 2022 im Vergleich zum Vorjahr
vervielfacht haben: Von Januar bis September 2022 wurden an dieser Grenze
insgesamt 108 syrische Staatsangehörige zurückgewiesen, während es im
Gesamtjahr 2021 nur 20 waren. Nach Einschätzung der Fragestellenden deutet
dies darauf hin, dass es sich bei den aus der anwaltlichen Praxis berichteten
Zurückweisungen nicht um Einzelfälle handelt.
Vor einigen Monaten hatte es bereits Berichte über eine Einreiseverweigerung
und anschließende Zurückweisung von mindestens zwei jemenitischen
Staatsbürgern durch die Polizeidirektion Görlitz gegeben (
https://taz.de/Zurueckgew
iesene-Gefluechtete-in-Goerlitz/!5871254/ sowie Antwort auf die Schriftliche
Frage 47 auf Bundestagsdrucksache 20/3470). Auch in diesem Fall gab die
Bundespolizei an, sie habe eine Einreisebefragung durchgeführt, wobei sich
keine Hinweise auf das Vorliegen eines Schutzgesuchs ergeben hätten. Einer
der Betroffenen berichtet dagegen, er habe mehrfach gesagt, er wolle Asyl
beantragen. Die Antwort der Bundesregierung zu einer früheren Anfrage deutet
aus Sicht der Fragestellenden auf eine Zunahme potentiell rechtswidriger
Zurückweisungen von Asylsuchenden durch die Bundespolizei hin. Gefragt
worden war nach der Zahl der Zurückweisungen von Personen aus den 15 wich-
Deutscher Bundestag Drucksache 20/5674
20. Wahlperiode 15.02.2023
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern und für Heimat vom
14. Februar 2023 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
tigsten Asylherkunftsländern an der deutsch-polnischen Grenze seit Anfang
2021. Die absoluten Zahlen sind zwar gering (2021: 12, Januar bis Juli 2022:
27), haben sich aber 2022 im Vergleich zum Vorjahr aufs Jahr hochgerechnet
fast vervierfacht. Unter den Betroffenen im Jahr 2022 waren neben den zwei
jemenitischen Staatsbürgern auch acht Personen aus Afghanistan und eine
Person aus Syrien (Antwort zu Frage 8 auf Bundestagsdrucksache 20/3470).
Berichte über Zurückweisungen von Asylsuchenden gibt es nach Kenntnis der
Fragestellenden auch von der deutsch-österreichischen Grenze.
Die Fragestellenden sehen die Zunahme von Zurückweisungen von Personen
aus wichtigen Asylherkunftsländern wie Afghanistan und Syrien mit großer
Sorge. Nach ihrer Rechtsauffassung verbieten sich Zurückweisungen von
Schutzsuchenden an den Grenzen nach europäischem und internationalem
Flüchtlingsrecht (
https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Reda
ktion/Publikationen/Stellungnahme_Zurueckweisungen_von_Fluechtlingen_a
n_der_Grenze_Zweite_Auflage.pdf). Wenn Menschen ein Asylgesuch äußern,
müssen sie zunächst registriert werden. Anschließend muss in einem Dublin-
Verfahren ermittelt werden, ob Deutschland oder ein anderer Mitgliedstaat für
die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist.
Unklarheiten gibt es aus Sicht der Fragestellenden ferner zur statistischen
Erfassung von unerlaubten Einreisen, aufenthaltsbeendenden bzw.
einreiseverhindernden Maßnahmen und registrierten Asylgesuchen. In ihrer Antwort auf
die Schriftliche Frage 42 auf Bundestagsdrucksache 20/4141 gab die
Bundesregierung an, dass von Januar bis August 2022 fast 45 000 Personen bei der
unerlaubten Einreise festgestellt wurden. Im „unmittelbaren zeitlichen
Zusammenhang“ seien fast 20 000 aufenthaltsbeendende bzw.
aufenthaltsverhindernde Maßnahmen „initiiert“ worden. Ob diese „letzten Endes vollzogen werden
konnten“, könne nicht gesagt werden. Dies führte zu einer Nachfrage der
Abgeordneten Clara Bünger, denn dass gegenüber fast jeder zweiten unerlaubt
eingereisten Person mit syrischer Staatsangehörigkeit aufenthaltsbeendende
bzw. aufenthaltsverhindernde Maßnahmen eingeleitet worden waren (in
4 150 von 8 303 Fällen), bedürfe der Erklärung, schließlich würden syrische
Asylsuchende zu fast 100 Prozent als schutzbedürftig anerkannt, sodass zu
vermuten sei, dass sie bei einem Aufgriff durch die Bundespolizei ein
Asylgesuch stellen würden, was aufenthaltsbeendenden Maßnahmen entgegenstehe
(vgl. Antwort auf die Schriftliche Frage 24 auf Bundestagsdrucksache
20/4776). Die Bundesregierung erklärte hierzu, dass „nicht auszuschließen“
sei, dass durch ein späteres Asylgesuch „die ursprünglich vorgesehene
einreiseverhindernde bzw. aufenthaltsbeendende Maßnahme[n] nicht mehr
vollzogen wird“ (ebd.); „im Zusammenhang“ mit diesen beabsichtigten Maßnahmen
hätten 241 von 19 702 Personen „zugleich“ ein Asylgesuch gegenüber der
Bundespolizei gestellt, darunter 46 syrische Staatsangehörige. Dass nur
46 von 4 150 syrischen Geflüchteten bei einem Aufgriff durch die
Bundespolizei ein Asylgesuch gestellt haben sollen, d. h. nur etwa einer von 100
Betroffenen, erscheint den Fragstellenden angesichts der hohen
Anerkennungschancen syrischer Flüchtlinge extrem unwahrscheinlich. Die Bundesregierung
erklärte weiterhin (ebd.), dass nach Feststellung einer unerlaubten Einreise
„weitere“ Maßnahmen getroffen würden, etwa eine Einreisebefragung, bei der
festgestellt werden könne, ob die Person um Schutz nachsuche, soweit
erforderlich würden dafür „Dolmetscher hinzugezogen“. Bei einem Asylgesuch
würden die Betroffenen dann „grundsätzlich an die zuständige
Erstaufnahmeeinrichtung weitergeleitet“, andernfalls würden einreiseverhindernde bzw.
aufenthaltsbeendende Maßnahmen geprüft bzw. vollzogen. Für die
Fragestellenden wird aufgrund dieser Ausführungen nicht klar, ob aufenthaltsbeendende
bzw. einreiseverhindernde Maßnahmen „im unmittelbaren zeitlichen
Zusammenhang zur Feststellung der unerlaubten Einreisen“ erfolgen, wie die
Bundesregierung zunächst erklärte, oder ob diese Maßnahmen erst zu einem
späteren Zeitpunkt erfolgen, d. h. nach einer Einreisebefragung und wenn
geklärt ist, ob ein Asylgesuch gestellt werden soll – und wann und wie diese
Vorgänge jeweils statistisch erfasst werden.
1. Wie viele Zurückweisungen gab es an deutschen Grenzen seit 2018, und
wie viele Zurückweisungen von Menschen aus den 15 wichtigsten
Asylherkunftsländern gab es an deutschen Grenzen seit 2018 (bitte nach
Jahren, den jeweiligen Grenzen bzw. Nachbarstaaten und nach
Herkunftsländern aufschlüsseln)?
Seit 2018 wurden gemäß Polizeilicher Eingangsstatistik der Bundespolizei
(PES) 84 179 Personen an deutschen Grenzen zurückgewiesen. Die erbetene
Aufschlüsselung nach Grenzen, den 15 häufigsten Asylherkunftsländern (HKL)
im Jahr 2022 sowie Staatsangehörigkeiten kann den nachfolgenden
Übersichten entnommen werden.
Grenze
2018 2019 2020 2021 2022
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Belgien 0 0 0 0 11 5 18 6 86 33
Dänemark 0 0 0 0 2.239 468 7 4 42 34
Flughäfen 5 851 3 082 7 278 3 604 7 257 2 177 4 790 2 341 6 334 2 971
Frankreich 0 0 38 23 2.402 760 145 54 312 152
Luxemburg 0 0 1 1 76 38 0 0 32 15
Niederlande 0 0 9 1 40 14 61 26 86 51
Österreich 6 208 4 616 6 299 4 542 7 233 5 032 7 672 5 843 14 675 9 980
Polen 0 0 1 0 11 2 22 12 55 27
Schweiz 0 0 49 33 186 96 94 55 3 644 2 914
Seehäfen 20 9 3 0 187 39 42 36 62 52
Tschechische
Republik
0 0 11 11 48 37 332 170 210 194
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Afghanistan 702 724 854 1 381 5 094
Ägypten 124 123 117 109 265
Albanien 1 389 1 706 1 571 1 593 1 448
Algerien 85 122 164 117 276
Angola 44 25 16 9 45
Antigua u. Barbuda 1
Äquatorialguinea 1 6 1 4 3
Argentinien 34 49 36 25 65
Armenien 29 30 36 23 68
Aserbaidschan 35 39 25 36 70
Äthiopien 35 40 20 19 34
Australien 7 1 18 7 6
Bahrain 3 6 4 9 7
Bangladesch 48 60 55 33 75
Barbados 1
Belgien 5 1
Belize 2 2
Benin 9 11 9 3 18
Bolivien 12 9 5 5 21
Bosnien-Herzegowina 193 287 427 448 461
Botsuana 1 1 1
Brasilien 151 231 253 187 316
Bulgarien 2 3 1 151 10 2
Burkina Faso 7 16 7 7 14
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Burundi 5 5 264
Chile 25 21 16 6 34
China 172 250 127 82 131
Costa Rica 13 11 11 7 7
Côte d'Ivoire 25 29 26 21 31
Dänemark 1 045
Dominica 1 19 12 21
Dominikanische
Republik
44 47 12 8 21
Dschibuti 2 3 1
Ecuador 13 32 14 10 17
El Salvador 19 10 8 6 8
Eritrea 99 82 67 64 115
Estland 3
Finnland 4
Frankreich 1 193 7 19
Gabun 1 3 1
Gambia 122 114 108 54 72
Georgien 524 650 378 305 404
Ghana 115 139 67 44 100
Grenada 1 1
Griechenland 1 1 30 5
Großbritannien 1 4 130 227 52
Guatemala 7 7 4 3 3
Guinea 37 28 30 21 77
Guinea-Bissau 14 13 13 6 6
Guyana 1 2 3
Haiti 3 2 1 2 15
Honduras 17 50 20 1 19
Hongkong (SAR VC) 1 1 1
Indien 176 199 131 168 1 183
Indonesien 28 13 12 1 32
Irak 358 410 500 415 463
Iran 261 240 171 109 241
Irland 44 8 1
Island 3
Israel 9 22 60 27 21
Italien 1 159 11
Jamaika 8 12 8 1 11
Japan 7 5 32 3
Jemen 9 22 13 15 39
Jordanien 23 19 9 25 39
Kambodscha 3 2 1 3
Kamerun 46 61 56 33 53
Kanada 7 18 69 27 16
Kap Verde 2 3 2
Kasachstan 50 76 43 13 34
Katar 14 7 1 7 9
Kenia 9 15 4 4 9
Kirgisistan 15 6 5 11 27
Kolumbien 313 593 142 55 182
Komoren 3 2
Kongo, Dem. Republik 33 43 19 23 62
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Kongo, Volksrepublik 5 9 3 2 8
Korea,
Dem. Volksrepublik
2
Korea, Republik 4 3 22 6 5
Kosovo 188 187 286 226 287
Kroatien 165 2 2
Kuba 53 37 32 10 75
Kuwait 28 18 10 14 17
Laos 7 1 3
Lettland 25 7 1
Libanon 49 34 34 60 148
Liberia 12 7 3 4 6
Libyen 58 41 78 61 169
Litauen 1 1 92 2
Madagaskar 1 1 2 1
Malawi 1 1
Malaysia 3 29 5 12 17
Mali 26 27 26 18 16
Malta 1
Marokko 208 214 224 258 754
Mauretanien 5 7 2 3
Mauritius 16 8 1 1 5
Mexiko 62 68 78 35 50
Moldau 423 392 849 247 365
Mongolei 12 7 8 8 39
Montenegro 82 90 90 73 71
Mosambik 2 1 2 1
Myanmar 4 2 1 1
Namibia 6 4 7 2 4
Nepal 8 4 13 40 96
Neuseeland 2 2 2
Nicaragua 39 17 3 28 97
Niederlande 1 8 24 9 2
Niger 2 12 6 9 5
Nigeria 878 689 324 214 271
Nordmazedonien 602 540 477 493 530
Norwegen 13
Oman 16 2 1 1 6
Österreich 43 19 1
Pakistan 270 272 186 196 588
Palästina 26 7 1 10 46
Panama 3 14 1
Papua-Neuguinea 1
Paraguay 33 13 9 15 35
Peru 48 103 33 14 95
Philippinen 39 32 33 15 42
Polen 142 8 10
Portugal 12 3
Ruanda 4 3 1 1 3
Rumänien 15 17 1 573 67 17
Russland 452 455 344 306 385
Saint Kitts und Nevis 4 4 4 7
Sambia 4 4 2
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Sao Tomé und Príncipe 1 1
Saudi-Arabien 77 67 7 24 37
Schweden 80 1
Schweiz 23 3 1
Senegal 61 40 29 24 38
Serbien 895 989 859 581 641
Seychellen 2 1
Sierra Leone 17 14 14 3 14
Simbabwe 11 20 3 4 13
Singapur 3 2 12 3 10
Slowakische Republik 14 6 1
Slowenien 1 13
Somalia 127 92 138 127 163
Spanien 92 3 1
Sri Lanka 21 30 28 24 35
St. Vincent & Grenadine 2 2
staatenlos 19 85 109 94 92
Südafrika 26 23 17 8 32
Sudan 22 25 26 18 37
Südsudan 2 2
Suriname 3 1
Syrien 294 426 1 414 1 968 3 528
Tadschikistan 25 30 7 3 20
Taiwan (Republik China) 5 17 5 2 6
Tansania 6 6 1 4 5
Thailand 29 21 16 4 27
Timor-Leste 1 6
Togo 10 9 19 7 13
Tonga 1
Trinidad und Tobago 4 5 2
Tschad 2 9 4 3 8
Tschechische Republik 25 1
Tunesien 141 122 179 210 1 278
Türkei 433 548 536 548 2 187
Turkmenistan 6 1 15
Uganda 6 10 6 2 4
Ukraine 395 664 1 511 624 469
Ungarn 2 52 4 3
ungeklärt 17 1 101 82 68
Uruguay 1 4 1 2 1
Usbekistan 13 18 23 26 69
Vanuatu 1 8
Venezuela 92 107 42 49 61
Vereinigte Arabische
Emirate
12 5 1 10 16
Vereinigte Staaten von
Amerika
20 55 287 192 104
Vietnam 28 31 38 80 61
Weißrussland 33 42 81 33 28
Zentralafrikanische
Republik
3 3 1 2
Zypern 10
2. Wie verteilen sich die Zurückweisungen an deutschen Grenzen seit 2018
auf die verschiedenen Bundespolizeidirektionen (bitte auch nach Jahren
differenzieren)?
Die erbetene Aufschlüsselung nach Bundespolizeidirektionen kann der
nachfolgenden Übersicht entnommen werden (PES).
Bundespolizeidirektion 2018 2019 2020 2021 2022
BPOLD Bad Bramstedt 6 1 2 426 46 119
BPOLD Berlin 617 993 817 528 599
BPOLD Flughafen
Frankfurt am Main
2 808 3 475 2 724 1 604 2 404
BPOLD Hannover 248 258 352 251 283
BPOLD Koblenz 64 46 415 200 387
BPOLD München 6 657 6 993 7 878 8 258 15 283
BPOLD Pirna 31 81 57 148 168
BPOLD Sankt Augustin 1 136 1 286 2 103 1 221 1 431
BPOLD Stuttgart 234 351 2.591 610 4 559
Grenzpolizeilich
beauftragte Behörden
278 205 327 317 305
3. Wie viele begleitete und unbegleitete Minderjährige (bitte differenzieren)
waren seit 2018 von Zurückweisungen betroffen (bitte nach Jahren
differenzieren)?
Wie viele unbegleitete Minderjährige wurden in den genannten
Zeiträumen an den deutschen Grenzen festgestellt (bitte nach Grenzen sowie
nach den 15 wichtigsten Staatsangehörigkeiten auflisten), und wie viele
von ihnen wurden in die Obhut der Jugendämter gegeben?
Eine statistische Erhebung des Alters der von Zurückweisungen betroffenen
Personen erfolgt im Rahmen der PES erst seit dem Jahr 2019. Demnach
wurden von 2019 bis 2022 insgesamt 3 294 unbegleitete Minderjährige an
deutschen Grenzen zurückgewiesen. Demgegenüber stehen im selben Zeitraum
4 460 Minderjährige, die in Begleitung eines Erziehungsberechtigten
zurückgewiesen wurden. Eine entsprechende Aufschlüsselung nach Jahren kann der
nachfolgenden Übersicht entnommen werden.
2019 2020 2021 2022
unbegleitet 194 256 703 2 141
begleitet 974 1 177 865 1 444
Bei der Zurückweisung unbegleiteter ausländischer Minderjähriger wird den
internationalen Schutzvorschriften und damit auch der vorrangigen
Berücksichtigung des Kindeswohls vollumfänglich Rechnung getragen. So sind
beispielsweise die zuständigen Behörden des Zielstaates rechtzeitig zu unterrichten. Die
Grenzbehörde vergewissert sich zudem, dass die unbegleiteten Minderjährigen
den gesetzlichen Vertretern, einem Mitglied der Familie oder einer geeigneten
Aufnahmeeinrichtung im Zielstaat übergeben werden.
Von 2018 bis 2022 wurden von der Bundespolizei und den mit der Kontrolle
des grenzüberschreitenden Verkehrs beauftragten Behörden 15 118
alleinreisende Minderjährige festgestellt. Die erbetene Aufschlüsselung nach Grenzen kann
der nachfolgenden Übersicht entnommen werden.
Grenze
2018 2019 2020 2021 2022
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Belgien 313 74 247 36 169 28 153 42 299 108
Dänemark 160 78 69 36 56 18 37 8 43 13
Flughäfen 50 32 113 48 64 31 61 48 138 115
Frankreich 434 128 302 66 293 100 345 110 571 312
Luxemburg 20 4 13 2 18 8 30 5 45 24
Niederlande 24 7 41 14 74 8 86 14 96 43
Österreich 315 241 536 471 539 490 1 330 1 256 2 585 2 393
Polen 17 3 22 9 22 16 261 245 565 429
Schweiz 406 234 100 39 65 23 206 113 1 680 1 492
Seehäfen 73 52 21 12 12 9 7 7 1 1
Tschechische
Republik
59 40 53 40 121 109 321 312 911 874
ungeklärt 36 17 47 34 100 83 343 309
Von den 15 118 festgestellten alleinreisenden Minderjährigen wurden 10 027 in
die Obhut des Jugendamtes übergeben. Eine Aufschlüsselung nach Grenzen
und Jahren kann der nachfolgenden Übersicht entnommen werden.
Grenze
2018 2019 2020 2021 2022
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Belgien 310 73 226 31 146 22 140 35 283 101
Dänemark 160 78 56 30 41 12 26 6 41 11
Flughäfen 39 25 43 24 23 18 21 17 101 97
Frankreich 418 125 237 50 194 70 212 74 437 264
Luxemburg 20 4 9 1 13 4 24 4 41 22
Niederlande 21 7 25 11 39 2 47 11 71 27
Österreich 188 146 232 212 195 179 503 482 795 748
Polen 11 3 9 7 13 7 186 175 550 416
Schweiz 368 208 70 27 43 15 170 96 1 376 1 240
Seehäfen 73 52 20 11 11 8 5 5 1 1
Tschechische
Republik
51 38 35 26 90 82 248 244 824 797
ungeklärt 32 17 38 29 89 78 337 303
4. Was waren die Gründe der Zurückweisungen 2022 (bitte nach
Zurückweisungsgründen und den 15 wichtigsten Staatsangehörigkeiten
differenzieren)?
Eine Aufschlüsselung der im Jahr 2022 vollzogenen Zurückweisungen nach
deren Gründen und den wichtigsten Staatsangehörigkeiten kann den
nachfolgenden Übersichten entnommen werden (PES).
Gesetz Zurückweisungsgrund Gesamt
AsylG § 18 Absatz 2 55
§ 18a Absatz 3 unbegründeter Asylantrag 95
AufenthG (A) ohne gültige(s) Reisedokument 14 960
(B) im Besitz eine falschen, ge- oder verfälschten Reisedokuments 170
(C) ohne gültiges Visum oder gültigen Aufenthaltstitel 4 693
(D) im Besitz eines falschen, ge- oder verfälschten Visums oder
Aufenthaltstitels
90
(E) verfügt nicht über die erforderlichen Dokumente zum Nachweis von
Aufenthaltszweck und -bedingungen
1 263
(F) hat sich bereits 90 Tage innerhalb eines Zeitraumes von 180 Tagen im
Gebiet der Schengenstaaten aufgehalten
935
(G) verfügt nicht über ausreichende Mittel zur Bestreitung des
Lebensunterhalts
618
(H) Ausschreibung zur Einreiseverweigerung 1 338
(I) Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche
Gesundheit oder die internationalen Beziehungen
1 273
FreizügG/EU § 6 48
Staatsangehörigkeit
Gemäß AufenthG Gemäß AsylG
ge
m
äß
F
re
iz
üg
G
/E
U
A B C D E F G H I
§
18
A
bs
at
z
2
§
18
a
A
bs
at
z
3
Afghanistan 4 885 5 117 2 4 2 18 45 9 7
Syrien 2 874 15 422 5 14 1 13 168 14 1 1
Türkei 1 394 17 503 6 48 43 26 78 51 3 18
Albanien 67 6 253 3 146 287 105 254 327
Tunesien 1 115 12 108 4 10 4 2 15 8
Indien 844 6 260 15 14 1 5 6 18 12 2
Marokko 594 4 97 1 4 9 2 31 9 3
Serbien 24 7 168 1 45 117 58 96 125
Pakistan 437 5 119 2 1 1 7 10 5 1
Nordmazedonien 19 1 72 1 48 82 47 78 182
Ukraine 124 162 1 42 26 10 73 31
Irak 331 5 75 3 6 1 25 11 6
Bosnien-
Herzegowina
16 141 34 84 34 25 127
Georgien 29 3 82 2 46 74 52 70 45 1
Russland 76 6 206 2 27 7 3 20 31 7
5. Wie viele Feststellungen einer unerlaubten Einreise oder eines
unerlaubten Aufenthalts (bitte auch im Folgenden differenzieren) gab es an
deutschen Grenzen seit 2018, und wie viele Feststellungen einer unerlaubten
Einreise oder eines unerlaubten Aufenthalts von Personen aus den
15 wichtigsten Asylherkunftsländern gab es an deutschen Grenzen seit
2018 (bitte nach Jahren, den jeweiligen Grenzen bzw. Nachbarstaaten
und Staatsangehörigkeiten differenzieren)?
Die erbetenen Daten zu festgestellten unerlaubt eingereisten und aufhältigen
Personen können den nachfolgenden Übersichten entnommen werden (PES).
Unerlaubt Eingereiste nach Grenzen
Grenze
2018 2019 2020 2021 2022
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Belgien 2 097 845 2 025 791 1 921 766 2 312 1 088 2 721 1 242
Dänemark 1 453 1 123 975 744 850 605 652 433 624 388
Flughäfen 10 289 4 391 11 222 4 392 6 487 2 448 11 583 7 215 12 361 5 166
Frankreich 3 736 1 749 3 505 1 671 4 517 2 281 4 816 2 353 5 579 2 913
Luxemburg 289 146 486 260 415 219 509 270 625 296
Niederlande 1 462 718 1 770 877 1 648 922 2 023 1 090 2 409 1 358
Österreich 11 464 8 486 10 227 7 368 10 253 7 313 12 596 9 937 22 824 16 277
Polen 2 061 717 1 917 732 2 168 1 080 14 679 12 531 15 198 10 359
Schweiz 4 062 2 382 2 724 1 654 1 601 743 2 512 1 527 10 472 7 651
Seehäfen 1 226 999 778 633 1 320 1 068 985 784 691 487
Tschechische
Republik
4 295 2 943 4 441 2 753 3 787 2 537 4 224 2 921 16 071 13 899
ungeklärt 44 25 540 377 468 303 746 570 2 411 2 010
Unerlaubt Aufhältige nach Grenzen
Grenze
2018 2019 2020 2021 2022
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Gesamt
davon
aus
HKL
Belgien 23 9 10 2 8 5 12 8 18 5
Dänemark 254 158 195 122 147 86 303 181 499 363
Flughäfen 18 658 8 211 20 565 9 270 12 165 6 327 10 679 5 532 20 895 9 859
Frankreich 215 98 79 41 58 23 54 22 73 33
Inlandsfestst. 8 726 4 434 11 662 6 208 11 061 5 012 14 985 7 668 20 809 12 134
Luxemburg 83 44 5 2 2 3 3 9 1
Niederlande 94 49 39 17 74 38 137 83 223 135
Österreich 294 199 308 234 394 243 443 344 88 57
Polen 1 081 541 860 109 735 121 575 129 337 178
Schweiz 213 110 153 93 187 112 232 132 254 138
Seehäfen 322 266 188 144 86 68 108 89 202 156
Tschechische
Republik
305 169 97 62 81 61 143 120 121 101
ungeklärt 0 0 75 47 106 51 60 33 32 22
Unerlaubt Eingereiste nach Staatsangehörigkeit
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Afghanistan 3 354 2 875 3 256 9 503 14 981
Ägypten 444 325 282 436 2 126
Albanien 1 806 2 094 2 119 1 982 1 766
Algerien 929 931 1 141 1 536 1 995
Angola 129 123 57 89 160
Antigua und Barbuda 1 2 1
Äquatorialguinea 33 36 35 35 20
Argentinien 120 138 115 187 298
Armenien 215 200 118 179 300
Aserbaidschan 163 190 80 98 249
Äthiopien 232 217 122 132 216
Australien 8 3 3 1 5
Bahamas 1 2 1 4
Bahrain 11 7 5 10 16
Bangladesch 125 144 119 104 235
Barbados 5 1 1 3
Belgien 0 3 3 1 3
Belize 2 3
Benin 31 45 26 40 49
Bhutan 2
Bolivien 25 25 13 33 42
Bosnien-Herzegowina 374 449 554 477 570
Botsuana 3 6 3 2 3
Brasilien 86 144 96 61 59
Bulgarien 5 14 11 16 13
Burkina Faso 28 43 18 28 43
Burundi 11 7 12 10 966
Chile 29 33 22 20 24
China 919 1 068 682 290 705
Costa Rica 47 48 35 37 29
Cote dIvoire (Elfenbeinküste) 242 185 112 159 190
Dominica 1 16 9 14 10
Dominikanische Republik 72 61 21 33 48
Dschibuti 5 2 4 4 8
Ecuador 76 72 18 24 62
El Salvador 14 25 11 5 8
Eritrea 894 435 253 381 473
Fidschi 1 1 2 2
Finnland 1
Frankreich 3 2 13 13 8
Gabun 15 14 8 11 6
Gambia 660 492 394 281 296
Unerlaubt Eingereiste nach Staatsangehörigkeit
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Georgien 807 972 895 1 317 1 852
Ghana 349 399 200 171 217
Grenada 1 6 2 5
Griechenland 1 2 4 2 3
Großbritannien 0 5 2 37 39
Guatemala 21 23 5 14 19
Guinea 755 642 375 317 469
Guinea-Bissau 109 82 44 44 43
Guyana 1 4 1 3 3
Haiti 3 8 6 16 19
Honduras 19 50 11 9
Hong Kong 2 3
Indien 793 874 706 963 2 867
Indonesien 77 156 27 18 70
Irak 2 438 2 115 1 756 10 336 3 973
Iran 1 708 1 215 606 1 215 1 819
Irland 1 2
Israel 9 20 10 5 9
Italien 8 11 4 5 4
Jamaika 39 57 19 31 44
Japan 5 7 5 4 11
Jemen 122 122 76 593 949
Jordanien 86 74 38 83 126
Kambodscha 4 16 7 10 33
Kamerun 339 363 266 278 350
Kanada 6 13 4 9 10
Kap Verde (Cabo Verde) 7 3 5 4 7
Kasachstan 227 225 113 185 297
Katar 17 10 2 5 12
Kenia 73 91 32 39 82
Kirgisistan 31 28 31 19 63
Kolumbien 396 650 285 253 465
Komoren 2 3 6 4 12
Kongo (Dem. Republik) 184 168 99 154 276
Kongo (Volksrepublik) 11 38 20 19 47
Korea (Dem. Volksrepublik) 7 1 1
Korea (Republik) 35 49 12 17 24
Kosovo 639 652 565 540 642
Kroatien 0 3 3 3
Kuba 173 142 82 54 457
Kuwait 55 52 53 53 53
Laos 10 13 3 2 2
Unerlaubt Eingereiste nach Staatsangehörigkeit
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Lesotho 1 1 1 2
Lettland 3 6 8 5 7
Libanon 212 198 166 225 590
Liberia 62 43 13 38 26
Libyen 482 342 348 418 571
Litauen 9 6 8 5 5
Luxemburg 1
Madagaskar 10 11 7 6 9
Malawi 9 13 3 1 11
Malaysia 14 20 16 12 22
Malediven 2
Mali 156 125 125 86 86
Marokko 1 132 1 152 991 1 337 2 041
Mauretanien 21 20 18 14 20
Mauritius 95 68 11 17 24
Mexiko 284 359 253 231 252
Moldau 954 829 1 295 1 003 1 045
Monaco 1 1 1
Mongolei 48 54 189 250 327
Montenegro 111 147 96 77 78
Mosambik 28 13 5 12 13
Myanmar 11 19 32 30 32
Namibia 14 26 33 35 29
Nepal 19 23 25 25 132
Neuseeland 5 3
Nicaragua 43 54 63 32 20
Niederlande 2 4 2 5 4
Niger 33 38 26 18 20
Nigeria 3 053 2 491 949 873 921
Nordmazedonien 792 700 622 476 531
Norwegen 0 1
Oman 22 10 9 7 20
Österreich 1 2 2 1 3
Pakistan 1 044 936 617 648 1 164
Palästinensische Gebiete 124 29 21 141 351
Panama 11 16 2 1 2
Papua-Neuguinea 1 1
Paraguay 45 31 26 33 40
Peru 91 136 88 43 121
Philippinen 127 149 85 99 258
Polen 46 21 49 51 49
Portugal 0 1 1 1
Unerlaubt Eingereiste nach Staatsangehörigkeit
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Ruanda 21 9 6 38 28
Rumänien 22 48 41 51 44
Russische Föderation 1 286 1 201 713 788 1 403
Salomonen 1 1
Sambia 24 14 8 4 9
Sao Tome u. Principe 2 2 1 3
Saudi-Arabien 160 147 22 80 80
Schweden 0 1 3 1
Schweiz 2 1
Senegal 216 172 103 131 158
Serbien 1 455 1 385 1 242 964 873
Seychellen 2 2 1 1
Sierra Leone 128 77 56 51 49
Simbabwe 57 44 24 15 48
Singapur 15 9 7 23 38
Slowakische Republik 3 2 3 9 3
Slowenien 1 2 1
Somalia 936 645 486 599 626
Spanien 0 1
Sri Lanka 88 87 61 80 140
St. Kitts und Nevis 2 1 1 2
St. Lucia 1
St. Vincent u. Grenadinen 1 1
staatenlos 142 206 299 328 245
Südafrika 133 105 59 69 200
Sudan 311 218 137 144 283
Südsudan 12 7 6 19 10
Suriname 2 3 1 6 2
Swasiland 6 3 1
Syrien 2 000 2 282 3 816 8 102 21 525
Tadschikistan 79 53 36 65 305
Taiwan 28 34 29 18 31
Tansania 26 31 5 12 28
Thailand 127 129 99 122 232
Timor-Leste 1 4 1
Togo 77 75 59 52 67
Tonga 8 1
Trinidad u. Tobago 10 21 8 3 1
Tschad 40 36 32 33 32
Tschechische Republik 15 14 15 13 10
Tunesien 604 464 485 786 2 487
Türkei 1 997 2 077 1 660 2 532 9 094
Unerlaubt Eingereiste nach Staatsangehörigkeit
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Turkmenistan 3 13 6 14 62
Uganda 17 25 13 7 15
Ukraine 1 584 1 793 2 509 1 744 1 929
Ungarn 2 5 3 6 3
ungeklärt 193 265 263 320 358
Uruguay 6 7 5 7 14
Usbekistan 48 56 81 81 234
Vanuatu 2 12
Venezuela 157 220 180 177 248
Vereinigte Arab. Emirate 20 14 6 4 17
Vereinigte Staaten von Amerika 77 108 47 118 127
Vietnam 426 422 296 559 513
Weißrussland (Belarus) 100 122 106 105 190
Zentralafrikanische Rep. 8 12 5 13 3
Unerlaubt Aufhältige nach Staatsangehörigkeit
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Türkei 2 253 2 848 1 399 1 389 3 598
Albanien 1 558 2 248 2 336 2 178 2 850
Afghanistan 956 1 101 920 1 817 3 356
Ukraine 803 1 736 2 197 1 768 856
Syrien 750 797 733 1 359 3 148
Georgien 913 803 1 110 1 483 2 445
China (Volksrep.) 1 937 2 001 1 151 496 987
Algerien 602 608 994 1 425 1 873
Marokko 845 830 876 1 160 1 615
Indien 1 032 1 384 475 569 1 685
Serbien 799 925 1 124 912 1 198
Mazedonien 729 885 896 973 1 388
Russland 1 442 1 402 568 583 772
Iran 1 373 1 495 483 424 933
Irak 1 128 1 094 614 843 928
Vietnam 703 871 722 665 883
Moldau 633 612 737 905 950
Nigeria 675 952 449 424 492
Kosovo 605 635 415 292 634
Tunesien 497 359 280 447 871
Bosnien-Herzegowina 264 364 364 390 663
Pakistan 358 421 271 413 443
Libyen 376 343 323 380 463
Thailand 468 445 202 224 482
Somalia 314 412 301 384 364
Unerlaubt Aufhältige nach Staatsangehörigkeit
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Guinea 378 356 294 260 285
Eritrea 407 356 206 257 317
Ghana 285 381 324 286 207
Ägypten 311 353 188 186 419
Kasachstan 266 464 145 129 394
Vereinigte Staaten von
Amerika
260 225 188 307 320
Libanon 248 255 138 249 348
Gambia 184 326 249 210 206
ungeklärt 191 221 198 250 264
Aserbaidschan 288 279 96 130 299
Brasilien 235 222 129 126 207
Armenien 328 299 69 69 142
Kenia 255 249 43 63 268
Polen 91 97 156 173 247
Mexiko 172 200 72 84 216
Philippinen 161 141 76 69 236
Kamerun 225 146 72 96 129
Sudan 206 110 89 102 129
Montenegro 77 112 176 108 159
Jordanien 206 120 58 74 151
Äthiopien 154 180 72 75 115
Kolumbien 95 138 83 84 161
Südafrika 130 90 40 37 254
Saudi-Arabien 172 177 21 56 116
Mongolei 113 143 60 19 166
Usbekistan 89 105 40 52 164
Weißrussland 60 93 107 93 83
Indonesien 55 113 29 67 168
Côte d'Ivoire 75 130 66 64 92
Großbritannien 3 1 2 174 233
Senegal 67 109 58 55 88
Venezuela 54 54 54 86 126
Mali 63 99 47 73 80
staatenlos 38 89 62 112 51
Kuba 99 96 49 21 71
Tadschikistan 75 58 55 51 94
Korea, Rep. 68 49 71 56 72
Sri Lanka 108 97 34 25 52
Guinea-Bissau 66 87 55 60 47
Vereinigte Arabische
Emirate
89 29 12 29 154
Kanada 67 55 51 61 47
Unerlaubt Aufhältige nach Staatsangehörigkeit
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Argentinien 51 65 49 36 79
Palästina 59 20 7 42 149
Katar 69 57 48 33 69
Israel 54 47 47 67 60
Kuwait 144 60 17 13 40
Bangladesch 57 77 41 39 57
Tansania 48 77 13 19 89
Kirgisistan 36 45 31 18 109
Rumänien 18 29 41 69 79
Jemen 62 54 29 29 59
Sierra Leone 45 55 25 43 50
Uganda 39 47 25 30 72
Burkina Faso 44 54 35 23 37
Australien 40 41 20 53 36
Chile 29 52 40 20 46
Peru 29 46 39 15 54
Dominikanische
Republik
71 30 14 22 40
Benin 23 56 31 24 33
Tschad 37 43 29 42 16
Togo 27 32 26 29 41
Angola 49 28 15 15 44
Japan 33 20 28 27 40
Kongo (Dem. Rep.) 20 44 21 20 40
Namibia 26 42 8 7 57
Taiwan (Republik China) 25 24 30 17 29
Lettland 12 12 36 42 22
Nepal 20 32 23 33 16
Bulgarien 10 20 28 19 39
Niger 26 24 16 12 32
Jamaika 38 23 12 6 30
Malaysia 25 18 15 18 30
Liberia 22 26 18 16 18
Mosambik 26 34 4 8 25
Litauen 6 17 24 19 23
Ecuador 11 20 9 14 31
Costa Rica 24 16 7 17 16
Simbabwe 16 18 11 5 28
Turkmenistan 7 8 13 13 37
Singapur 13 13 6 16 27
Myanmar 19 26 9 2 18
Dominica 10 14 22 8 18
Bahrain 16 17 10 7 22
Unerlaubt Aufhältige nach Staatsangehörigkeit
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Mauretanien 12 8 14 17 19
Mauritius 25 17 5 6 17
Burundi 2 6 1 2 57
Ruanda 10 19 7 9 23
Kambodscha 18 22 4 4 18
Paraguay 16 7 8 5 19
Südsudan 11 6 8 17 11
Sambia 11 7 9 7 14
Malawi 12 8 3 3 21
Bolivien 6 8 4 3 25
Oman 14 6 7 3 13
Neuseeland 7 9 5 9 9
Frankreich 2 9 4 9 12
Trinidad und Tobago 14 12 3 6
Botsuana 10 11 2 2 8
Slowakische Republik 5 6 8 10 4
Tschechische Republik 1 4 4 12 8
Nicaragua 9 8 2 7
Uruguay 8 6 4 5 2
El Salvador 5 4 2 7 7
St. Kitts u. Nevis 4 4 8 8
Honduras 7 6 2 9
Italien 2 3 2 10 6
Haiti 5 7 3 2 5
Guatemala 2 6 2 2 9
Griechenland 1 1 5 12 2
Madagaskar 9 5 2 1 3
Laos 5 2 5 1 7
Gabun 5 3 3 4 4
Kroatien 1 3 6 9
Ungarn 2 2 3 4 6
Korea (VR) 2 10 1 1 2
Tonga 13 1 1
Spanien 1 2 3 5 4
Äquatorialguinea 4 3 6 1
Portugal 3 3 4 4
Vanuatu 2 2 9
Dschibuti 3 2 1 3 3
Kongo (Volksrep.) 7 2 2 1
Kiribati 12
Zentralafrikanische
Republik
7 2 1 1 1
Seychellen 2 1 1 4 2
Unerlaubt Aufhältige nach Staatsangehörigkeit
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Komoren 1 2 3 3
Fidschi 6 2 1
Malediven 2 2 4
Kap Verde 1 2 1 4
Niederlande 1 2 1 4
Barbados 2 2 3 1
Grenada 1 3 2 1
Schweden 1 2 1 3
Suriname 1 1 5
Panama 1 2 3 1
Belize 1 3 1 1
Bahamas 1 1 1 1 2
Dänemark 1 5
Bhutan 1 2 2 1
Antigua und Barbuda 6
Belgien 2 3 1
Slowenien 3 1
St. Lucia 1 1 2
Estland 1 2
Österreich 1 1 1
Swasiland 2
Guyana 1 1
Hongkong (SAR VC) 1 1
Brunei Darussalam 1
Timor-Leste 1
Lesotho 1
Andorra 1
San Marino 1
Malta 1
Zypern 1
Finnland 1
Samoa 1
Norwegen 1
Salomonen 1
Schweiz 1
6. Wie verteilten sich die Feststellungen einer unerlaubten Einreise bzw.
eines unerlaubten Aufenthalts seit 2018 auf die verschiedenen
Bundespolizeidirektionen (bitte auch nach Jahren differenzieren)?
Die Aufschlüsselungen der festgestellten unerlaubt eingereisten und aufhältigen
Personen nach Bundespolizeidirektionen können den nachfolgenden
Übersichten entnommen werden (PES).
Unerlaubt Eingereiste nach BPOLD
Bundespolizeidirektion 2018 2019 2020 2021 2022
BPOLD Bad Bramstedt 2 883 2 028 2 543 3 430 2 577
BPOLD Berlin 1 676 1 562 1 328 8 405 7 419
BPOLD Flughafen Frankfurt
am Main
6 339 6 969 4 234 6 784 7 457
BPOLD Hannover 810 965 731 1 938 1 966
BPOLD Koblenz 2 061 2 057 1 776 2 644 3 955
BPOLD München 15 110 14 464 13 335 15 699 29 229
BPOLD Pirna 3 200 3 241 3 093 8 002 20 550
BPOLD Sankt Augustin 3 473 3 742 2 999 4 506 4 742
BPOLD Stuttgart 6 478 5 412 5 079 6 058 13 839
Grenzpolizeilich beauftragte
Behörden
448 170 285 171 252
Unerlaubt Aufhältige nach BPOLD
Bundespolizeidirektion 2018 2019 2020 2021 2022
BPOLD Bad Bramstedt 684 785 580 836 1 289
BPOLD Berlin 5 097 4 429 4 032 4 585 6 029
BPOLD Flughafen Frankfurt
am Main
6 681 6 985 4 204 3 426 7 493
BPOLD Hannover 2 769 3 244 2 307 2 888 4 626
BPOLD Koblenz 1 388 1 368 1 404 1 800 2 151
BPOLD München 3 077 3 785 2 157 2 247 3 902
BPOLD Pirna 1 365 3 159 2 052 3 018 4 609
BPOLD Sankt Augustin 6 928 7 675 6 098 6 295 9 570
BPOLD Stuttgart 1 678 2 062 1 615 1 791 2 785
BPOLP 0 0 0 0 2
Grenzpolizeilich beauftragte
Behörden
601 959 841 848 1 104
7. In wie vielen Fällen wurde bei Personen, die an einer deutschen Grenze
von der Bundespolizei bei einer unerlaubten Einreise aufgegriffen
wurden, seit 2018 ein Asylgesuch registriert, wie viele dieser Personen bzw.
wie viele Personen insgesamt (bitte differenzieren) wurden an zuständige
Erstaufnahmeeinrichtungen übergeben (bitte nach Jahren, nach Grenzen
bzw. Nachbarstaaten, Bundespolizeidirektionen und den 15 wichtigsten
Herkunftsländern differenzieren)?
Statistische Daten im Sinne der Fragestellung liegen lediglich für den Zeitraum
2019 bis 2022 vor.
Demnach wurden im vorgenannten Zeitraum 70 688 unerlaubt eingereiste
Personen festgestellt, die gegenüber der Bundespolizei ein Asylgesuch
vorbrachten. Die erbetenen Aufschlüsselungen können den nachfolgenden Übersichten
entnommen werden (PES).
Grenze
2019 2020 2021 2022
Gesamt davonEAE Gesamt
davon
EAE Gesamt
davon
EAE Gesamt
davon
EAE
Belgien 785 638 717 685 791 767 988 982
Dänemark 89 76 145 140 157 154 126 123
Flughäfen 2 814 2 517 1 165 994 5 671 4 504 3 623 3 558
Frankreich 1 113 877 798 657 1 280 1 066 1 634 1 497
Luxemburg 139 131 73 66 160 149 158 156
Niederlande 175 128 161 140 214 198 206 197
Österreich 1 185 963 795 718 1 581 1 453 2 771 2 478
Polen 276 241 359 250 9 549 7 196 9 520 9 489
Schweiz 1 279 1 174 451 410 923 877 6 006 5 934
Seehäfen 81 68 545 538 464 462 165 163
Tschechische
Republik
294 191 383 329 697 654 8 329 8 284
ungeklärt 183 140 134 124 325 302 1 211 1 200
Bundespolizeidirektion
2019 2020 2021 2022
Gesamt
davon
EAE
Gesamt
davon
EAE
Gesamt
davon
EAE
Gesamt
davon
EAE
BPOLD Berlin 444 393 279 189 6 314 4 014 4 905 4 889
BPOLD Bad Bramstedt 173 153 690 680 1 925 1 918 629 625
BPOLD Flughafen Frankfurt
am Main
1 405 1 340 481 444 2 339 2 124 1 308 1 263
BPOLD Hannover 220 154 115 96 1 284 398 1 163 1 158
BPOLD Koblenz 903 712 602 538 1 465 1 320 2 185 2 130
BPOLD München 1 273 1 081 836 714 1 380 1 260 3 160 2 860
BPOLD Pirna 781 601 777 669 3 276 3 151 13 305 13 253
BPOLD Stuttgart 2 067 1 838 998 853 1 996 1 829 6 692 6 506
BPOLD Sankt Augustin 1 107 839 876 798 1 801 1 739 1 355 1 342
Grenzpolizeilich beauftragte
Behörden
40 33 72 70 32 29 35 35
Staatsangehörigkeit
2019 2020 2021 2022
Gesamt davonEAE Gesamt
davon
EAE Gesamt
davon
EAE Gesamt
davon
EAE
afghanisch 718 582 1 061 973 5 894 4 748 7 929 7 791
syrisch 600 514 883 752 2 930 2 463 10 885 10 756
irakisch 720 602 476 444 7 115 5 502 2 127 2 106
türkisch 587 525 414 340 954 827 4 293 4 184
iranisch 614 543 180 168 705 598 1 079 1 073
algerisch 334 265 456 400 665 562 723 659
marokkanisch 432 394 266 245 403 355 460 426
jemenitisch 75 42 38 36 428 286 691 689
nigerianisch 854 743 124 106 103 91 140 136
russisch 267 233 134 105 181 173 550 535
ägyptisch 57 49 45 39 125 116 891 881
Staatsangehörigkeit
2019 2020 2021 2022
Gesamt davonEAE Gesamt
davon
EAE Gesamt
davon
EAE Gesamt
davon
EAE
tunesisch 120 101 139 116 271 232 528 495
libysch 167 138 142 131 207 197 214 203
georgisch 226 207 82 72 142 128 216 209
guineisch 303 249 94 87 70 67 180 177
8. Wie viele Asylgesuche bzw. Asylanträge gab es seit 2018, bei wie vielen
Asylgesuchen bzw. Asylanträgen hat das Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge (BAMF) eine vorherige Bearbeitung durch die Bundespolizei
bzw. ein Asylgesuch gegenüber der Bundespolizei festgestellt (bitte nach
Jahren und den 15 wichtigsten Herkunftsstaaten differenzieren)?
Die Anzahl der gegenüber der Bundespolizei insgesamt vorgebrachten
Asylgesuche kann der nachfolgenden Übersicht entnommen werden (PES).
Staatsangehörigkeit 2018 2019 2020 2021 2022
Gesamt 10 798 11 691 7 921 24 599 43 526
davon
afghanisch 914 1 070 1 460 6 647 13 245
syrisch 582 739 1 021 3 187 11 493
irakisch 909 1 063 715 7 394 2 321
türkisch 556 693 454 1 016 4 408
iranisch 1 176 1 060 285 802 1 509
algerisch 350 454 738 948 892
nigerianisch 1 147 1 077 185 153 239
marokkanisch 348 548 443 597 549
russisch 318 352 147 198 705
tunesisch 197 172 186 341 651
guineisch 492 418 179 119 221
jemenitisch 99 80 46 431 703
ägyptisch 101 68 57 145 901
somalisch 332 246 139 238 225
libysch 212 227 220 282 233
Die Zahl der Asylanträge seit 2018 kann den nachfolgenden Tabellen
entnommen werden (Sortierung der 15 wichtigsten Herkunftsstaaten nach
Erstanträgen).
Asylanträge im Jahr 2018
Asylanträge
gesamt
Erstanträge Folgeanträge
Gesamt 185 853 161 931 23 922
darunter:
Syrien 46 164 44 167 1 997
Irak 18 074 16 333 1 741
Iran 11 846 10 857 989
Nigeria 11 073 10 168 905
Türkei 10 655 10 160 495
Afghanistan 12 251 9 942 2 309
Eritrea 5 920 5 571 349
Somalia 5 754 5 073 681
Ungeklärt 4 849 4 220 629
Russische Föderation 5 282 3 938 1 344
Georgien 4 265 3 764 501
Guinea 3 160 2 873 287
Pakistan 3 442 2 211 1 231
Albanien 2 941 1 877 1 064
Aserbaidschan 2 319 1 783 536
Asylanträge im Jahr 2019
Asylanträge
gesamt
Erstanträge Folgeanträge
Gesamt 165 938 142 509 23 429
darunter:
Syrien 41 094 39 270 1 824
Irak 15 348 13 742 1 606
Türkei 11 423 10 784 639
Afghanistan 11 306 9 522 1 784
Nigeria 10 533 9 070 1 463
Iran 9 498 8 407 1 091
Ungeklärt 4 228 3 727 501
Somalia 4 154 3 572 582
Eritrea 3 743 3 520 223
Georgien 3 880 3 329 551
Russische Föderation 4 464 3 145 1 319
Guinea 2 771 2 422 349
Pakistan 3 415 2 174 1 241
Moldau (Republik) 2 839 1 771 1 068
Albanien 2 573 1 694 879
Asylanträge im Jahr 2020
Asylanträge
gesamt
Erstanträge Folgeanträge
Gesamt 122 170 102 581 19 589
darunter:
Syrien 40 570 36 433 4 137
Afghanistan 11 311 9 901 1 410
Irak 11 068 9 846 1 222
Türkei 6 562 5 778 784
Ungeklärt 4 353 3 903 450
Nigeria 4 223 3 303 920
Iran 4 009 3 120 889
Somalia 3 049 2 604 445
Eritrea 2 712 2 561 151
Georgien 2 526 2 048 478
Russische Föderation 2 729 1 700 1 029
Moldau, Republik 2 248 1 284 964
Guinea 1 511 1 268 243
Algerien 1 484 1 205 279
Vietnam 1 179 1 112 67
Asylanträge im Jahr 2021
Asylanträge
gesamt
Erstanträge Folgeanträge
Gesamt 190 816 148 233 42 583
darunter:
Syrien 70 162 54 903 15 259
Afghanistan 31 721 23 276 8 445
Irak 16 872 15 604 1 268
Türkei 7 873 7 067 806
Ungeklärt 5 764 5 041 723
Georgien 4 322 3 685 637
Somalia 4 090 3 649 441
Eritrea 3 307 3 168 139
Iran 3 670 2 693 977
Nigeria 3 299 2 508 791
Moldau, Republik 5 016 2 390 2 626
Nordmazedonien 4 542 2 332 2 210
Algerien 1 802 1 520 282
Russische Föderation 2 314 1 438 876
Pakistan 1 962 1 256 706
Asylanträge im Jahr 2022
Asylanträge
gesamt
Erstanträge Folgeanträge
Gesamt 244 132 217 774 26 358
darunter:
Syrien 72 646 70 976 1 670
Afghanistan 41 471 36 358 5 113
Türkei 25 054 23 938 1 116
Irak 16 328 15 175 1 153
Georgien 8 865 7 963 902
Iran 7 350 6 322 1 028
Ungeklärt 4 973 4 672 301
Somalia 4 360 3 938 422
Eritrea 4 020 3 923 97
Russische Föderation 3 862 2 851 1 011
Nordmazedonien 5 602 2 755 2 847
Moldau, Republik 5 218 2 589 2 629
Nigeria 3 016 2 363 653
Venezuela 1 841 1 822 19
Libanon 1 945 1 756 189
Bei 69 613 Personen, die in den Jahren 2018 bis 2022 ein Asylgesuch und/oder
Asylantrag gestellt haben, wurde eine vorherige Bearbeitung durch die
Bundespolizei bzw. ein Asylgesuch gegenüber der Bundespolizei festgestellt. Weitere
Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden (Quelle:
Ausländerzentralregister, Jahresangaben nach dem jeweils letzten Asylgesuch/
Asylantrag).
2018 2019 2020 2021 2022 Summe
Gesamt 6 298 6 900 5 056 18 931 32 428 69 613
darunter
Afghanistan 409 498 789 7 944 10 282 19 922
Syrien 556 475 759 2 492 8 793 13 075
Irak 524 633 452 3 838 2 711 8 158
Türkei 415 501 402 731 2 590 4 639
Iran 680 747 292 491 1 020 3 230
Nigeria 790 780 163 129 216 2 078
Ukraine 19 45 36 13 1 424 1 537
Algerien 123 184 244 470 392 1 413
Russische
Föderation
201 171 124 192 382 1 070
Marokko 103 134 151 258 255 901
2018 2019 2020 2021 2022 Summe
Jemen 38 72 45 304 432 891
Georgien 61 248 130 150 288 877
Somalia 205 170 98 146 199 818
Tunesien 96 101 80 209 280 766
Guinea 256 213 98 61 136 764
9. Wie waren die Zahlen zu festgestellten unerlaubten Einreisen,
Asylgesuchen (nicht: Asylantragstellungen) und Zurückweisungen im Verlauf des
Jahres 2022, jeweils nach Monaten, Grenzabschnitten und den 15
wichtigsten Herkunftsländern differenziert?
Die erbetenen Daten können den nachfolgenden Übersichten entnommen
werden (PES).
Unerlaubt Eingereiste 2022 nach Grenzen und Monaten
Grenze Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Belgien 267 196 228 153 196 241 236 161 239 305 244 255
Dänemark 39 50 65 45 49 68 46 39 55 40 56 72
Flughäfen 844 776 763 766 803 1 065 1 069 1 262 1 233 1 372 1 227 1 181
Frankreich 473 384 422 378 448 460 437 463 445 478 582 609
Luxemburg 51 26 26 48 32 57 53 50 54 60 84 84
Niederlande 236 196 183 154 213 190 198 215 183 217 222 202
Österreich 1 045 985 1 126 1 402 1 321 2 038 1 780 1 983 2 325 3 635 3 077 2 107
Polen 624 492 966 760 833 917 1 278 1 248 1 685 2 336 2 501 1 558
Schweiz 275 248 264 193 296 334 410 576 991 2 390 2 916 1 579
Seehäfen 38 40 58 50 70 75 84 58 56 56 56 50
Tschechische
Republik
453 402 516 452 683 1 077 1 199 2 501 5 090 1 934 1 181 583
ungeklärt 95 48 65 103 92 147 151 290 353 344 392 331
Asylgesuche 2022 nach Grenzen und Monaten
Grenze Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Belgien 66 60 48 26 38 56 40 40 84 123 82 85
Dänemark 4 9 15 10 7 12 15 16 22 23 20 25
Flughäfen 628 802 764 770 666 563 671 635 876 946 860 858
Frankreich 81 63 64 56 66 87 91 112 120 151 176 203
Luxemburg 375 327 353 304 441 582 845 1 310 2 243 1 533 1 341 858
Niederlande 18 4 4 8 6 7 7 15 14 21 29 16
Österreich 19 10 5 7 19 10 16 26 15 26 20 12
Polen 91 137 128 161 136 176 121 151 230 435 336 246
Schweiz 432 313 605 387 414 522 744 795 1 105 1 426 1 339 783
Seehäfen 75 107 92 60 133 169 167 292 621 1 310 1 636 967
Asylgesuche 2022 nach Grenzen und Monaten
Grenze Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Tschechische
Republik
10 8 27 10 17 21 10 22 20 19 36 23
ungeklärt 49 61 182 43 114 254 264 797 1 765 486 279 86
Zurückweisungen 2022 nach Grenzen und Monaten
Grenze Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Belgien 2 2 1 3 2 53 9 4 2 2 3 3
Dänemark 1 7 0 0 0 30 3 0 0 1 0 0
Flughäfen 456 438 537 491 755 567 536 534 517 530 494 479
Frankreich 11 14 23 14 13 159 24 7 6 29 9 3
Luxemburg 0 0 0 0 0 25 3 0 1 0 1 2
Niederlande 4 3 4 1 3 48 7 2 2 0 6 6
Österreich 596 639 691 881 850 1 332 1 196 1 326 1 574 2 404 1 903 1 283
Polen 3 1 4 1 0 20 17 2 1 2 0 4
Schweiz 23 17 22 14 21 71 35 56 95 536 1 464 1 290
Seehäfen 1 1 1 1 2 32 19 1 0 1 2 1
Tschechische
Republik
6 4 7 0 7 71 12 9 50 31 7 6
Unerlaubt Eingereiste 2022 nach Staatsangehörigkeit und Monaten
Staatsangehörigkeit Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Syrien 632 455 495 616 752 1 142 1 491 2 720 5 037 3 401 3 109 1 675
Afghanistan 517 607 546 592 562 936 1 049 1 363 1 609 2 553 2 858 1 789
Türkei 275 279 334 420 511 774 545 691 1 544 1 556 1 215 950
Irak 352 200 479 320 216 297 421 312 458 387 297 234
Indien 137 118 135 109 172 195 253 341 424 408 335 240
Tunesien 120 121 184 139 175 262 218 242 242 292 319 173
Ägypten 46 38 41 69 72 117 182 178 307 497 373 206
Marokko 149 107 155 89 110 163 150 160 196 237 298 227
Algerien 187 193 185 79 109 149 126 157 169 245 219 177
Ukraine 114 87 143 234 151 151 131 126 139 202 244 207
Georgien 156 127 172 150 181 150 127 128 145 142 205 169
Iran 79 80 95 63 116 113 104 186 232 276 316 159
Albanien 138 144 157 124 147 158 183 137 135 157 148 138
Russland 75 56 91 51 87 85 54 88 88 247 242 239
Pakistan 72 57 59 70 104 138 128 134 113 120 72 97
Asylgesuche 2022 nach Staatsangehörigkeit und Monaten
Staatsangehörigkeit Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Afghanistan 704 874 737 790 733 758 884 1 018 1 402 1 682 2 123 1 540
Syrien 222 199 170 187 348 482 801 1 605 3 194 1 817 1 589 879
Türkei 92 99 130 157 213 361 215 374 898 827 571 471
Irak 291 168 316 146 111 175 234 177 245 208 121 129
Asylgesuche 2022 nach Staatsangehörigkeit und Monaten
Staatsangehörigkeit Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Iran 66 58 42 49 96 90 102 162 212 218 265 149
Ägypten 15 16 17 32 28 36 86 90 140 190 179 72
Algerien 76 91 69 34 41 57 62 72 89 121 96 84
Russland 9 14 31 18 25 13 12 43 62 209 159 110
Jemen 39 17 63 46 33 50 85 70 69 94 105 32
Burundi 0 0 0 0 0 0 8 29 84 402 139 12
Tunesien 39 42 46 30 32 38 48 55 71 90 91 69
Marokko 57 40 46 22 27 47 50 53 48 47 51 61
Ukraine 1 84 157 23 6 17 3 10 12 29 30 44
Indien 4 10 31 10 30 22 32 42 42 35 48 42
Kuba 2 - 4 9 11 6 20 9 26 46 74 106
Zurückweisungen 2022 nach Staatsangehörigkeit und Monaten
Staatsangehörigkeit Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Afghanistan 76 133 132 146 140 292 274 382 440 807 1221 1051
Syrien 132 117 88 136 135 302 245 225 317 739 717 375
Türkei 67 95 100 168 140 200 107 129 191 404 327 259
Albanien 86 104 175 139 177 185 105 102 100 85 90 100
Tunesien 47 56 73 64 96 185 137 123 128 149 151 69
Indien 24 24 27 32 67 56 102 167 189 197 173 125
Marokko 29 15 26 26 45 65 48 55 61 114 159 111
Serbien 62 60 59 53 97 83 48 33 29 37 45 35
Pakistan 25 16 15 37 54 90 75 83 61 63 29 40
Nordmazedonien 28 50 50 51 77 63 36 33 35 31 34 42
Ukraine 43 24 61 100 31 33 17 18 27 37 35 43
Irak 26 11 26 30 16 52 39 32 51 45 69 66
Bosnien-
Herzegowina
41 29 55 53 71 37 42 27 33 25 19 29
Georgien 16 35 22 19 32 68 35 23 19 46 32 57
Russland 17 20 23 11 13 37 24 21 20 71 57 71
10. Werden im Grenzgebiet aufgegriffene Personen von
Bundespolizeibeamtinnen und Bundespolizeibeamten explizit darauf hingewiesen, dass sie
jederzeit ein Schutzgesuch vorbringen können, vor dem Hintergrund,
dass die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 20/3470 erklärte, es bestehe „jederzeit die
Möglichkeit, ein Asylgesuch vorzubringen“, und wenn ja, wie geschieht dies
genau, und wenn nein, warum nicht, und welche internen
Anwendungshinweise und Regeln gelten innerhalb der Bundespolizei für diese
Situation (bitte mit Datum und Inhalt auflisten)?
Die Möglichkeit, ein Asylgesuch zu äußern, besteht jederzeit. Im Übrigen wird
auf die Antwort zu Frage 11 verwiesen.
11. Gibt es bei der Bundespolizei bestimmte Richtlinien oder interne Regeln
dazu, wann eine Aussage als Schutzgesuch zu werten ist, und wenn ja,
worin bestehen die jeweiligen Kriterien?
Müssen die aufgegriffenen Personen ein bestimmtes Wort oder
bestimmte Wörter wie zum Beispiel „Asyl“ äußern (bitte genau benennen), und
inwieweit werden die aufgegriffenen Personen über diese informiert?
Wie wird sichergestellt, dass alle Asylsuchenden eine effektive
Möglichkeit haben, ein Schutzgesuch vorzubringen, etwa auch durch den Einsatz
von dolmetschenden Personen?
In den entsprechenden Bestimmungen ist festgehalten, wie mit Asylgesuchen
umzugehen ist.
Ein Asylgesuch liegt entsprechend § 13 des Asylgesetzes (AsylG) vor, wenn
sich aus dem schriftlich, mündlich oder in anderer Weise geäußerten Willen der
Drittstaatsangehörigen entnehmen lässt, dass diese in Deutschland um Schutz
vor politischer Verfolgung (Artikel 16a Absatz 1 des Grundgesetzes (GG), § 2
AsylG) oder um internationalen Schutz nachsuchen (Asylsuchende). Der
internationale Schutz umfasst sowohl die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft
(§ 3 AsylG) als auch den subsidiären Schutz (§ 4 AsylG).
Dabei ist es weder erforderlich noch ausreichend, dass das Wort „Asyl“
gebraucht wird. Auch die Verwendung der Begriffe „Schutz“, „politische
Verfolgung“, „subsidiärer Schutz“ etc. ist nicht erforderlich, um das Vorbringen als
Asylgesuch zu werten. Aus den Erklärungen der Drittstaatsangehörigen oder
den tatsächlichen Umständen muss vielmehr erkennbar sein, dass sie Schutz
vor einer aus ihrer Sicht gegebenen politischen Verfolgung oder vor subjektiv
empfundenen Gefahren im Sinne des Artikel 16a GG oder der §§ 3 ff. AsylG
suchen. Dabei genügt die bloße Behauptung der Gefahr. Ein tatsächlicher
Nachweis oder eine Begründung ist gegenüber der Bundespolizei nicht
erforderlich. Das Asylgesuch kann auch auf andere Weise zum Ausdruck kommen,
etwa durch Gesten.
Bestehen Zweifel, ist von einem Asylgesuch auszugehen. Dies gilt auch, wenn
im Nachgang ein anderweitiges oder ergänzendes Vorbringen erfolgt, das eine
Neubewertung erfordert, z. B. im Rahmen der Anhörung zur
Aufenthaltsbeendigung oder durch einen anwaltlichen Vertreter.
Liegt ein Asylgesuch vor, steht der Bundespolizei kein inhaltliches
Prüfungsrecht zu. Dies gilt selbst dann, wenn das Asylgesuch aus Sicht der
Bundespolizei unschlüssig, offensichtlich unglaubwürdig, rechtsmissbräuchlich oder sonst
unbegründet ist. Die inhaltliche Bewertung obliegt ausschließlich dem
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Das BAMF wird unverzüglich
über das Asylgesuch informiert.
Anlassbezogen werden Sprachmittler oder Dolmetscher hinzugezogen.
12. Wie genau setzt die Bundespolizei Artikel 8 der Asylverfahrensrichtlinie
(RL 2013/32/EU vom 26. Juni 2013) um, wonach bei Anzeichen dafür,
dass Drittstaatsangehörige oder Staatenlose, die sich in
Gewahrsamseinrichtungen oder an Grenzübergangsstellen an den Außengrenzen,
einschließlich Transitzonen, befinden, möglicherweise einen Antrag auf
internationalen Schutz stellen möchten, die Mitgliedstaaten den
Betreffenden entsprechende Informationen über die Möglichkeit hierzu zur
Verfügung stellen müssen (bitte möglichst konkret darstellen)?
Besteht an Grenzübergangsstellen jederzeit ein Zugang zu
„Sprachmittlungsvorkehrungen“, um die Inanspruchnahme des Asylverfahrens zu
erleichtern?
Auf die Antwort zu Frage 11 wird verwiesen.
13. Gibt es bei der Bundespolizei einen Fragebogen für die Durchführung
von Einreisebefragungen, und wenn ja, welche Fragen beinhaltet dieser,
und wenn nein, wie wird sichergestellt, dass die aufgegriffenen Personen
sachlich, verständlich und in vollem Wissen über die Konsequenzen ihrer
Antwort danach gefragt werden, ob sie ein Schutzgesuch vorbringen
möchten?
Die Verwendung eines Fragebogens zum Anlass der Reise nach Deutschland ist
vorgesehen, wenn im konkreten Einzelfall Zweifel bestehen, ob ein Asyl-/
Schutzgesuch geäußert werden soll. Er enthält die folgenden Fragen und erfolgt
regelmäßig unter Hinzuziehung eines Sprachmittlers:
1. Fühlen Sie sich körperlich und geistig in der Lage, einige Fragen zu Ihrer
Reise zu beantworten?
2. Nennen Sie Gründe für die Einreise und den Aufenthalt in Deutschland.
3. Wann und warum haben Sie Ihr Herkunftsland verlassen?
4. Beschreiben Sie Ihre persönliche Situation im Herkunftsland?
5. Werden Sie im Herkunftsland wegen Ihrer Rasse, Religion, Nationalität,
politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen
Gruppe verfolgt oder befürchten Sie, aus diesen Gründen verfolgt zu
werden?
6. Haben Sie andere Gründe vorzubringen, die einer Rückführung in Ihr
Herkunftsland entgegenstehen?
7. Haben Sie bereits früher in einem anderen Staat oder in Deutschland Asyl
beantragt? (ggf. wann und wo; Ausgang des Verfahrens?)
8. Haben Sie Ihren Aussagen noch etwas hinzuzufügen?
14. Werden im Grenzgebiet aufgegriffene Personen, gegen die
einreiseverhindernde bzw. aufenthaltsbeendende Maßnahmen ergriffen werden
sollen, darüber informiert, dass das Vorbringen eines Schutzgesuches diesen
Maßnahmen entgegenstehen würde und sie ein solches jederzeit stellen
können, und wenn nein, warum nicht?
Auf die Antworten zu den Fragen 10 und 11 wird verwiesen.
15. Wie lässt sich nach Kenntnis und Einschätzung der Bundesregierung der
Anstieg von Zurückweisungen von Personen aus den 15 wichtigsten
Asylherkunftsstaaten an der deutsch-polnischen Grenze im Jahr 2022
gegenüber dem Vorjahr erklären (siehe Vorbemerkung der Fragesteller),
insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Zahl der aufgegriffenen
Personen ohne entsprechendes Visum aus den wichtigsten
Asylherkunftsländern im selben Zeitraum rückläufig war (13 168 Personen im Jahr 2021
gegenüber 4 325 Personen von Januar bis Juli 2022, Antwort zu Frage 7
auf Bundestagsdrucksache 20/3470)?
Kausal für den Anstieg der Zurückweisungen an der deutsch-polnischen
Grenze im Jahr 2022 gegenüber 2021 dürften neben der deutlichen Zunahme der
irregulären Migration in die EU und nach Deutschland im Vergleich zum
Vorjahr die bundesweit – auch an der deutsch-polnischen Grenze – vorübergehend
wiedereingeführten Binnengrenzkontrollen anlässlich des G7-Gipfels in Elmau
im Zeitraum vom 13. Juni bis 3. Juli 2022 und damit die Möglichkeit zum
Ergreifen von unmittelbar anschließenden einreiseverhindernden Maßnahmen im
Einklang mit europäischem und nationalem Recht sein.
16. Wie ist zu erklären, dass nach Angaben der Bundesregierung zwischen
Januar 2021 und Juli 2022 mehr als 8 000 Personen an der deutsch-
polnischen Grenze aufgegriffen wurden, die unerlaubt eingereist waren bzw.
sich unerlaubt in Deutschland aufhielten, aber weder zurückgewiesen,
zurückgeschoben oder an zuständige Erstaufnahmeeinrichtungen
übergeben wurden (Antworten zu den Fragen 7 bis 10 auf
Bundestagsdrucksache 20/3470)?
Was ist nach dem Aufgreifen durch die Bundespolizei nach Kenntnis der
Bundesregierung mit diesen Personen passiert?
Zur Beantwortung der Frage sind zahlreiche unterschiedliche Konstellationen
zu unterscheiden, zu denen gehören: In der PES werden Personen als unerlaubt
eingereist oder aufhältig erfasst, wenn die Feststellung in einem zeitlichen
Zusammenhang zur unerlaubten Einreise erfolgte bzw. der unerlaubte Aufenthalt
zum Zeitpunkt der Feststellung andauerte. Bei der Feststellung unerlaubt
eingereister Personen führt dies dazu, dass sie als solche erfasst werden, auch wenn
die Feststellung abgesetzt von der Grenze erfolgt und die Bundespolizei gemäß
§ 71 Absatz 3 AufenthG nicht für die Einleitung aufenthaltsbeendender bzw.
-verhindernder Maßnahmen zuständig ist. In diesen Fällen erfolgt eine
Übergabe der Person an die zuständigen Landesbehörden, die Maßnahmen in eigener
Zuständigkeit prüfen. Zusätzlich ist, sofern eine Zuständigkeit der
Bundespolizei gemäß § 71 Absatz 3 AufenthG vorliegt, vor der Einleitung
aufenthaltsbeendender bzw. einreiseverhindernder Maßnahmen zu prüfen, ob die Person
freiwillig die Bundesrepublik Deutschland verlässt. Sofern dies der Fall ist,
wird der Person eine Grenzübertrittsbescheinigung ausgestellt. Ist dies nicht der
Fall, ist es möglich, dass die Vornahme der aufenthaltsbeendenden Maßnahme
wegen vorliegender faktischer Hindernisse nicht vollzogen werden kann. Dazu
können insbesondere nicht verfügbare Haftplätze zur Sicherung der Maßnahme
als auch die fehlende Zustimmung des aufnehmenden Staates gehören. In
diesen Fällen erfolgt die Weiterleitung der Person an die zuständige
Ausländerbehörde.
Bezüglich unerlaubt aufhältiger Personen ist ergänzend anzumerken, dass
entsprechende Feststellungen regelmäßig unmittelbar vor der Ausreise aus der
Bundesrepublik Deutschland erfolgen. In diesen Fällen ist eine Einleitung
aufenthaltsbeendender Maßnahmen obsolet, da die Ausreise von der Person aktiv
angestrebt wird und freiwillig erfolgt.
17. Liegen der Bundesregierung Angaben oder Schätzungen dazu vor, wie
viele im Grenzgebiet von der Bundespolizei aufgegriffene Personen erst
ein Schutzgesuch vorgebracht haben, nachdem aufenthaltsbeendende
oder einreiseverhindernde Maßnahmen gegen sie in die Wege geleitet
wurden, und wonach genau bemisst sich der Zeitpunkt, zu dem solche
Maßnahmen eingeleitet werden?
Statistische Daten im Sinne der Fragestellung werden von der Bundespolizei
nicht erhoben.
Die Prüfung aufenthaltsbeendender bzw. einreiseverhindernder Maßnahmen
beginnt unmittelbar nach der Feststellung, dass die Person unerlaubt eingereist
ist oder unerlaubt einreisen will. Bringt die Person während dieser Prüfung ein
Asyl-/Schutzgesuch vor, werden entsprechende Maßnahmen nach dem
Asylgesetz geprüft.
18. Wie unterscheiden sich nach Auffassung der Bundesregierung
aufenthaltsbeendende von einreiseverhindernden Maßnahmen im Kontext
unerlaubt eingereister Personen, insbesondere wenn diese ein Asylgesuch
stellen, in rechtlicher und praktischer Hinsicht (bitte so genau wie
möglich erläutern), und welche differenzierten Angaben lassen sich ggf. zu
aufenthaltsbeendenden bzw. einreiseverhindernden Maßnahmen
machen?
Die Bundespolizei ist bei Drittstaatsangehörigen rechtlich verpflichtet,
einreiseverhindernde bzw. aufenthaltsbeendende Maßnahmen zu prüfen, wenn diese
die Einreisevoraussetzungen nicht erfüllen und deshalb unerlaubt einreisen
wollen oder unerlaubt eingereist sind. An den grenzkontrollfreien
Binnengrenzen sind als aufenthaltsbeendende Maßnahmen Zurückschiebungen möglich, da
die Personen bereits mit Überschreiten der Grenzlinie unerlaubt eingereist sind.
Abweichend davon sind an Außengrenzen sowie an Binnengrenzen, an denen
vorübergehende Binnengrenzkontrollen wiedereingeführt worden sind,
einreiseverhindernde Maßnahmen möglich. Sofern Personen gegenüber der
Bundespolizei ein Asyl-/ Schutzgesuch äußern, werden sie grundsätzlich an die
zuständige Erstaufnahmeeinrichtung weitergeleitet.
19. Wie ist der genaue zeitliche Ablauf einer Bearbeitung durch die
Bundespolizei bei Aufgriffen von Personen, die unerlaubt einreisen und
gegebenenfalls ein Asylgesuch stellen wollen, und wann, und wie werden
statistische Angaben hierzu von der Bundespolizei erhoben bzw. gespeichert
(bitte so genau und nachvollziehbar wie möglich darstellen)?
Die Personen, bei denen ein Anfangsverdacht besteht, unerlaubt in das
Bundesgebiet eingereist zu sein, werden zur Sachverhaltserforschung und für die sich
gegebenenfalls anschließende (grenz-)polizeiliche Sachbearbeitung zur
Dienststelle verbracht. Dabei wird die Identität der Person festgestellt, die Person
wird befragt und die erforderlichen erkennungsdienstlichen Maßnahmen
werden getroffen. Dies umfasst insbesondere die Anfertigung von Lichtbildern und
– soweit die Person das sechste Lebensjahr vollendet hat – die Abnahme von
Fingerabdrücken. Dabei erfolgt regelmäßig auch ein Abgleich mit der EURO-
DAC-Datenbank. In diesem Zusammenhang werden die gesetzlich
vorgeschriebenen Informationen als Merkblatt in einer verständlichen Sprache übermittelt
oder von einem Sprachmittler mündlich vorgetragen. Die Personen erhalten
Verpflegung und erforderlichenfalls medizinische Hilfe. Sofern Personen ein
Asyl-/Schutzgesuch äußern, werden sie grundsätzlich an die zuständige
Erstaufnahmeeinrichtung weitergeleitet. Für die Unterbringung ist die jeweils
zuständige Landesbehörde verantwortlich. Unbegleitete Minderjährige werden in die
Obhut des Jugendamtes übergeben. Familien werden nicht getrennt, sondern
ebenso wie unbegleitete Minderjährige beschleunigt bearbeitet, um die
Aufenthaltsdauer in den Diensträumen so kurz wie möglich zu halten.
Das Asyl-/Schutzgesuch wird dokumentiert, sobald es gestellt wird. Die
Polizeiliche Eingangsstatistik der Bundespolizei (PES) ist aber keine
Verlaufsstatistik und bildet nicht den Verlauf der Vorgangsbearbeitung zu einzelnen Personen
ab. Daher ist keine Aussage dazu möglich, ob eine Person im Nachgang zur
Feststellung durch die Bundespolizei ein Asyl-/Schutzgesuch an anderer Stelle
vorgebracht hat.
Die Erhebung entsprechender statistischer Daten der Bundespolizei im Rahmen
der PES ist frühestens sieben Tage nach der Feststellung verfügbar.
Abschließende Daten des jeweiligen Berichtsmonats liegen in der Regel zum 20. Tag
des Folgemonats vor.
20. Wie genau sind die Ausführungen der Bundesregierung in ihrer Antwort
auf die Schriftliche Frage 24 auf Bundestagsdrucksache 20/4776 zu
verstehen, wonach nur 241 von 19 702 Personen, gegen die
einreiseverhindernde bzw. aufenthaltsbeendende Maßnahmen initiiert wurden,
„zugleich“ ein Asylgesuch gestellt hätten – bis zu welchem Moment der
polizeilichen Bearbeitung und wie müssen bei der unerlaubten Einreise
aufgegriffene Personen ein Asylgesuch äußern, damit ihr Gesuch auch
statistisch von der Bundespolizei als solches erfasst wird (bitte so genau
wie möglich und nachvollziehbar darstellen)?
Von den im Zeitraum Januar bis August 2022 19 702 unerlaubt eingereisten
Personen, für welche nach deren Befragung und Prüfung des Einzelfalls eine
einreiseverhindernde bzw. aufenthaltsbeendende Maßnahme vorgesehen war,
stellten zum Zeitpunkt ihrer Feststellung 241 ein Asyl-/Schutzgesuch
gegenüber der Bundespolizei. Aus den Statistiken der Bundespolizei kann nicht
abgeleitet werden, wenn eine Person im Nachgang zur Feststellung durch die
Bundespolizei ein Asyl-/Schutzgesuch an anderer Stelle vorgebracht hat.
Da die PES der Bundespolizei keine Verlaufsstatistik ist und insoweit nicht den
Verlauf der Vorgangsbearbeitung zu einzelnen Personen abbildet, kann ferner
nicht beantwortet werden, welche der ursprünglich für 19 702 Personen
vorgesehenen einreiseverhindernden bzw. aufenthaltsbeendenden Maßnahmen
tatsächlich im Ergebnis konkret vollzogen worden sind. Die bei der Bundespolizei
vorhandenen statistischen Angaben zu vollzogenen einreiseverhindernden bzw.
aufenthaltsbeendenden Maßnahmen sind – da es sich nicht um eine
Verlaufsstatistik handelt – damit nur bedingt deckungsgleich und können diese Frage nicht
konkret beantworten.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 19 verwiesen.
21. Erfolgt die statistische Erfassung des Umstands, dass ein Asylgesuch von
unerlaubt eingereisten Personen geäußert wurde, vor oder nach der
Einreisebefragung, vor oder nach der Hinzuziehung von dolmetschenden
Personen, bzw. welche Regeln und internen Vorgaben gibt es hierzu
(bitte ausführen)?
Auf die Antwort zu Frage 19 wird verwiesen.
22. Wie erklärt die Bundesregierung die nach Auffassung der
Fragestellenden hohe Zahl von Zurückweisungen von Menschen aus typischen
Asylherkunftsländern, die nach ihrer Auffassung im Falle eines Asylgesuchs
eigentlich nicht zurückgewiesen werden dürften (siehe Vorbemerkung
der Fragesteller, bitte ausführen)?
Die Entscheidung über aufenthaltsbeendende bzw. einreiseverhindernde
Maßnahmen an der Grenze oder die Weiterleitung an eine Erstaufnahmeeinrichtung
richtet sich nach den maßgeblichen europäischen und nationalen
Rechtsvorschriften und den Umständen des Einzelfalls und hängt maßgeblich davon ab,
ob die Person ein Asyl-/Schutzersuchen stellt oder nicht. Dies kann die
Bundespolizei nicht beeinflussen. Eine Unterscheidung nach den jeweiligen
Herkunftsländern ist dabei nicht zulässig.
23. Ist das Wort „grundsätzlich“ in der Aussage der Bundesregierung, bei
einem Asylgesuch würden bei einer unerlaubten Einreise aufgegriffene
Personen „grundsätzlich an die zuständige Erstaufnahmeeinrichtung
weitergeleitet“ (Antwort auf die Schriftliche Frage 24 auf
Bundestagsdrucksache 20/4776), so zu verstehen, dass dies nicht immer geschieht, und
wenn ja, in welchen Fallkonstellationen ist dies der Fall (bitte ausführen
und rechtlich erläutern)?
Ja.
Aus Sicht des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) können
im Rahmen der vorübergehend wiedereingeführten Binnengrenzkontrollen an
der deutsch-österreichischen Landgrenze auf Grundlage der
Verwaltungsabsprachen des BMI mit dem griechischen Migrationsministerium und mit dem
spanischen Innenministerium über die Zurückweisung von Schutzsuchenden,
die die Einreisevoraussetzungen nicht erfüllen und einen EURODAC-Treffer
der Kategorie 1 in Griechenland bzw. Spanien aufweisen, auch
Zurückweisungen von Schutzsuchenden nach Griechenland bzw. Spanien erfolgen. Zu den
Einzelheiten wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage
der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 19/13857 (dort
insbesondere die Antwort zu den Fragen 5 und 6) verwiesen.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 3 der Kleinen
Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/7311
verwiesen.
24. Gibt es nach Auffassung der Bundesregierung einen Unterschied für den
rechtlichen und praktischen Umgang mit Asylgesuchen von bei der
unerlaubten Einreise aufgegriffenen Personen, je nachdem, ob es
Binnengrenzkontrollen gibt (wie an der deutsch-österreichischen Grenze) oder
nicht, und wenn ja, wie wird dies rechtlich begründet?
Der praktische Umgang und die Sachbearbeitung durch die Grenzbehörden bei
Asyl-/Schutzgesuchen von unerlaubt eingereisten Personen ist grundsätzlich
unabhängig von der Frage, ob diese Personen im Rahmen von
grenzpolizeilichen Maßnahmen unterhalb der Schwelle der vorübergehenden
Wiedereinführung von Binnengrenzkontrollen oder im Rahmen von Kontrollen nach der
Wiedereinführung von temporären Binnengrenzkontrollen festgestellt werden
und richtet sich nach den einschlägigen europäischen und nationalen
Bestimmungen unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls. Im Falle
vorübergehend wiedereingeführter Binnengrenzkontrollen kommen vor erfolgter
Einreise auch einreiseverhindernde Maßnahmen in Betracht. Im Übrigen wird
auf die Antwort zu Frage 23 verwiesen.
25. Gab es eine Reaktion (Nachfragen, Bewertungen usw.) der EU-
Kommission auf das Schreiben von Bundesministerin des Innern und für Heimat,
Nancy Faeser, vom 13. Oktober 2022 zur Ankündigung und Begründung
weiterer Binnengrenzkontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze,
und wenn ja, welche, und wie hat die Bundesregierung gegebenenfalls
reagiert, oder welche Reaktion plant sie?
Die EU-Kommission ist mit dem BMI zur Frage der vorübergehenden
Wiedereinführung von Binnengrenzkontrollen an der deutsch-österreichischen
Landgrenze im Gespräch.
26. Hat die Bundesinnenministerin geprüft, inwieweit die von ihr in dem
genannten Schreiben an die EU-Kommission in Bezug genommene
Angabe von 86 000 irregulären Grenzübertritten entlang der Westbalkanroute
in den ersten acht Monaten des Jahres 2022 auf mehrfachen Aufgriffen
identischer Personen beruhten, und wenn nein, warum nicht, vor dem
Hintergrund zahlreicher Berichte über (meist illegale) Zurückweisungen
von Schutzsuchenden entlang der Westbalkanroute (
https://www.tagessc
hau.de/ausland/europa/europarat-asylpolitik-101.html)?
Welche Einschätzungen hat die Bundesregierung zu dieser Frage?
Das BMI sieht keinen Anlass, die in Rede stehende Mitteilung der
Europäischen Kommission über Migration und Asyl [COM (2022) 740 final] vom
6. Oktober 2022, auf welche im Schreiben der Bundesministerin des Innern und
für Heimat Bezug genommen wird, und die ihr zugrundeliegenden
Erkenntnisse in Zweifel zu ziehen.
27. Mit welcher Begründung soll die von der Bundesinnenministerin in dem
genannten Schreiben in Bezug genommene Visumspolitik Serbiens
weitere Binnengrenzkontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze
rechtfertigen können, da die Einführung von EU-Binnengrenzkontrollen
grundsätzlich nur als letztes Mittel erfolgen darf (vgl. Artikel 25
Absatz 2 des Schengener Grenzkodex, VO (EU) 2016/399) und bereits die
politische Einflussnahme auf die Regierung Serbiens offenbar zu einer
Änderung dieser Visumspolitik bzw. auch zu einem deutlichen Rückgang
entsprechender Migrationsbewegungen geführt hat (laut einer dpa-
Meldung vom 8. Januar 2023 habe die restriktivere Einreisepolitik Serbiens
auf Druck der Europäischen Union österreichischen Behörden zufolge zu
einem Rückgang unerlaubt nach Österreich eingereister Personen um
etwa 70 Prozent geführt)?
Die Bundesministerin des Innern und für Heimat hat entschieden, dass die
vorübergehend wiedereingeführten Binnengrenzkontrollen an der deutsch-
österreichischen Landgrenze auch über den 11. November 2022 hinaus fortgesetzt
werden. Daher wurde die vorübergehende Wiedereinführung von
Binnengrenzkontrollen an dieser Landgrenze mit Wirkung zum 12. November 2022 für die
Dauer von sechs Monaten neu angeordnet und auf EU-Ebene mit Schreiben
vom 13. Oktober 2022 notifiziert.
Gründe hierfür sind insbesondere:
• die besorgniserregende Zunahme des irregulären Migrationsgeschehens
entlang der Balkanroute nach Mittel-/Westeuropa bis hin zur
deutschösterreichischen Landgrenze und
• die Entwicklung neuer Migrationshubs in Drittstaaten infolge dortiger
Visumliberalisierungsprozesse und deren Auswirkungen auch auf
Deutschland.
Das BMI sieht nach sorgfältiger Abwägung keine milderen Maßnahmen zur
Eindämmung des irregulären Migrationsgeschehens an der deutsch-
österreichischen Landgrenze. Nur temporäre Binnengrenzkontrollen ermöglichen
Kontrollen aus bloßem Anlass des Grenzübertritts und das Ergreifen von
unmittelbar anschließenden einreiseverhindernden Maßnahmen im Einklang mit
europäischem und nationalem Recht. Dies ist weder durch lageabhängige
Polizeikontrollen im Grenzgebiet im Rahmen von Artikel 23 des Schengener
Grenzkodex noch durch Kontrollen im Inland möglich.
Dem BMI ist bewusst, dass der Europäische Gerichtshof – EuGH in seinem
Urteil vom 26. April 2022 zusätzliche Anforderungen stellt, wenn ein
Mitgliedstaat temporäre Binnengrenzkontrollen für weitere sechs Monate neu anordnen
will. Der EuGH hat klargestellt, dass neue tragende Gründe erforderlich sind,
um eine Neu-Anordnung von vorübergehenden Binnengrenzkontrollen nach
den Artikeln 25 bis 27 der Verordnung (EU) 2016/399 (Schengener
Grenzkodex) zu rechtfertigen. Aus Sicht des BMI sind zu der ursprünglichen
Begründung neue Umstände hinzugetreten, die eine erneute eigenständige Anordnung
der vorübergehenden Wiedereinführung von Binnengrenzkontrollen nach den
Artikeln 25 bis 27 des Schengener Grenzkodex rechtfertigen.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 28 verwiesen.
28. Hat auch die Bundespolizei einen entsprechenden Rückgang feststellen
können, und wenn ja, werden die Binnengrenzkontrollen zu Österreich
entsprechend wieder aufgehoben, nachdem die Bundesinnenministerin in
ihrem genannten Schreiben eine kontinuierliche Kontrolle der
Erforderlichkeit der Binnengrenzkontrollen auf der Grundlage der weiteren
Entwicklung versichert und eine Rückkehr zu grenzkontrollfreien
Binnengrenzen als zentrales Ziel bezeichnet hat?
Gemäß Polizeilicher Eingangsstatistik der Bundespolizei wurden im Jahr 2022
insgesamt 22 824 unerlaubte Einreisen über die deutsch-österreichische Grenze
festgestellt. Qualitätsgesicherte statistische Daten für den Monat Januar 2023
der Polizeilichen Eingangsstatistik der Bundespolizei liegen noch nicht vor.
Eine Aufschlüsselung nach Monaten kann der nachfolgenden Übersicht
entnommen werden.
Januar Februar März April Mai Juni Juli Au-gust
September
Oktober
November
Dezember
Gesamt
1 045 985 1 126 1 402 1 321 2 038 1 780 1 983 2 325 3 635 3 077 2 107 22 824
Das BMI strebt eine Rückkehr zu grenzkontrollfreien Binnengrenzen an, sobald
dies migrations- und sicherheitspolitisch vertretbar ist.
29. Wenn die Bundesinnenministerin in dem genannten Schreiben erklärt,
nur Binnengrenzkontrollen ermöglichten es, Kontrollen aus „bloßem
Anlass des Grenzübertritts“ durchzuführen und „unmittelbar anschließende
[…] einreiseverhindernde […] Maßnahmen im Einklang mit
europäischem und nationalem Recht“ zu ergreifen, gilt das nach Auffassung der
Bundesregierung auch für um Asyl nachsuchende Personen, und wenn
ja, wie wird dies rechtlich begründet, insbesondere dass in diesen Fällen
keine Prüfung der Zuständigkeit nach der sogenannten EU-Dublin-
Verordnung (EU 604/2013) vor dem Vollzug einreiseverhindernder
Maßnahmen erforderlich sein soll?
Drittstaatsangehörige Personen, die ein Asyl-/Schutzgesuch gegenüber der
Grenzbehörde vorbringen, werden grundsätzlich an die zuständige
Erstaufnahmeeinrichtung weitergeleitet. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 23
verwiesen.
30. Unterscheiden sich „unmittelbar“ einreiseverhindernde Maßnahmen
rechtlich und tatsächlich von anderen einreiseverhindernden bzw.
aufenthaltsbeendenden Maßnahmen, und wenn ja, inwiefern?
Wie viele solcher „unmittelbar“ einreiseverhindernden Maßnahmen gab
es seit 2018 (bitte nach Jahren, den 15 wichtigsten Staatsangehörigkeiten
und Grenzabschnitten, für 2022 bitte zusätzlich auch nach Monaten,
auflisten)?
Das in den vorstehenden Fragen erwähnte Schreiben der Bundesministerin des
Innern und für Heimat vom 13. Oktober 2022 spricht von
einreiseverhindernden bzw. aufenthaltsbeendenden Maßnahmen, die unmittelbar an die
Feststellung der betreffenden Person anschließen können. Es handelt sich auch hier um
einreiseverhindernde bzw. aufenthaltsbeendende Maßnahmen.
31. Weshalb begründet die Bundesinnenministerin in dem genannten
Schreiben die Binnengrenzkontrollen zu Österreich mit der Zielsetzung, „einer
unkontrollierten und ungesteuerten Zunahme des Migrationsgeschehens
und damit einer möglichen Überforderung der Gesellschaft entgegen zu
wirken“, was nach Auffassung der Fragestellenden in der Wortwahl und
Argumentation an Aussagen ihres Vorgängers Horst Seehofer erinnert,
der die Gewährleistung des Rechts auf Asyl von einer „Obergrenze“
abhängig machen wollte und andernfalls vor einer Überforderung der
Gesellschaft warnte (vgl. z. B.
https://www.merkur.de/politik/seehofer-will-
fluechtlingskrise-gemeinsam-schaffen-zr-5961013.html)?
Können Einschränkungen des Asylrechts bzw. des Grundsatzes der
Reisefreiheit innerhalb der EU nach Auffassung der Bundesinnenministerin
mit allgemeinen Belastungen infolge des aktuellen Kriegs in der Ukraine
gerechtfertigt werden?
Auf die Antwort zu Frage 27 wird verwiesen.
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