[Deutscher Bundestag Drucksache 17/3385
17. Wahlperiode 25. 10. 2010 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulrich Kelber, Dirk Becker, Lothar
Binding (Heidelberg), weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
– Drucksache 17/3247 –
Stand des Aufbaus der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien und
ihrer internationalen Einbindung
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Am 26. Januar 2009 wurde die Internationale Agentur für Erneuerbare
Energien (IRENA) auf der Gründungskonferenz in Bonn ins Leben gerufen.
Damals zeichneten 75 Staaten das Statut der IRENA. Seitdem haben bis Mitte
September 2010 insgesamt 148 Staaten und die Europäische Union den
Vertrag zur IRENA gezeichnet. Mit der Ratifizierung von 25 Staaten trat der
IRENA-Gründungsvertrag am 8. Juli 2010 völkerrechtlich in Kraft.
Inzwischen haben 34 Staaten das Statut der IRENA ratifiziert.
Der Prozess zur Gründung der IRENA wurde in der vergangenen
Legislaturperiode federführend durch die drei sozialdemokratisch geführten Ressorts
– das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
(BMU), das Auswärtige Amt (AA) und das Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) – vorbereitet und international
vorangetrieben. Zusammen mit Spanien und Dänemark konnte der
Initialisierungsprozess auf eine breite internationale Basis gestellt werden. Der
Ratifizierungsprozess der IRENA gehörte mit 18 Monaten zu einem der zügigsten
Prozesse auf internationaler Ebene. Doch mit dem Inkrafttreten des IRENA-
Statuts ist der Aufbauprozess noch längst nicht abgeschlossen. Auch die
Einbindung in internationale Politikprozesse ist für den Erfolg der IRENA und der
internationalen Verbreitung erneuerbarer Energien entscheidend.
1. Welche generelle Bedeutung misst die Bundesregierung der
Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien bei der weltweiten Verbreitung der
erneuerbaren Energien zu?
Erneuerbare Energien spielen eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung globaler
Herausforderungen: Energiesicherheit, Umweltschutz, wirtschaftliche
Entwicklung und Armutsbekämpfung. IRENA wurde mit dem Ziel initiiert, die
nachhaltige Nutzung aller Formen der erneuerbaren Energien weltweit zu
beschleunigen. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit vom 21. Oktober 2010 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/3385 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode2. Wie ist der derzeitige Stand des Aufbaus der IRENA?
Der Aufbau der Organisation selbst geht langsamer voran als ursprünglich
erwartet. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Der organisatorische Aufbau eines
völlig neuen Sekretariats ist eine komplexe Herausforderung für alle
Beteiligten.
3. Wie funktionieren die Entscheidungsstrukturen bei der IRENA?
Seit der Gründungskonferenz trifft eine Vorbereitungskommission (Preparatory
Commission – PrepCom), der sämtliche Signatarstaaten angehören, die für den
Aufbau der Organisation wichtigen Entscheidungen. Ihre Aufgabe ist es u. a.,
die erste Sitzung der Vollversammlung vorzubereiten. Sie hat bislang drei Mal
getagt. Die 4. Sitzung findet am 24./25. Oktober 2010 in Abu Dhabi statt. Mit
der Wahl des Rates und dem Abschluss der ersten Sitzung der
Vollversammlung (voraussichtlich im ersten Halbjahr 2011) wird der Auftrag der PrepCom
beendet sein.
Ein Verwaltungsausschuss unter Vorsitz Deutschlands wurde von den
Mitgliedern beauftragt, bis zur 2. Sitzung der PrepCom alle Aufgaben des Sekretariats
zu übernehmen und bis zur 1. Sitzung der Vollversammlung das Sekretariat bei
der Erfüllung seiner Aufgaben zu unterstützen. Zudem wurden folgende fünf
Arbeitsgruppen gebildet: Arbeitsgruppe zu Verwaltungsführung (Governance),
Unterausschuss zu Budget und Übergang (von der PrepCom) zu IRENA,
Arbeitsgruppe zu Rechtsdokumenten, Arbeitsgruppe zur Umsetzung des 2010
Arbeitsprogramms und Arbeitsgruppe zum Sitzstaatsabkommen.
4. In welcher Form ist Deutschland vertreten, und in welchen Arbeitsgruppen
ist Deutschland vertreten?
Deutschland (BMU und/oder BMZ) ist in allen Arbeitsgruppen vertreten.
5. Über welches Budget verfügt die IRENA im Jahr 2010 und in den
Folgejahren?
Das Budget 2010 umfasst laut Beschluss der dritten Sitzung der
Vorbereitungskommission vom 17. Januar 2010 13,694 Mio. US-Dollar (für die
Bundesrepublik Deutschland 1,394 Mio. US-Dollar).
Bei der vierten Sitzung des Verwaltungsausschusses hatte die Interim-
Generaldirektorin die Signatarstaaten über die schwierige finanzielle Lage informiert.
Bis zum 13. Oktober hatten erst 35 Signatarstaaten ihren freiwilligen
Finanzbeitrag von insgesamt knapp 5,5 Mio. US-Dollar gezahlt. Es wurde ein
Maßnahmenpaket vereinbart, das neben sofortigen Sparmaßnahmen auch eine
externe Überprüfung der Finanzlage durch nationale Finanzexperten umfasste.
Zudem wurden alle Signatarstaaten aufgerufen, ihre freiwilligen Beiträge zu
zahlen.
Das Budget von IRENA wird laut Statut jährlich von der Versammlung
angenommen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/33856. Wie viele Mitarbeiter beschäftigt die IRENA derzeit und voraussichtlich
in den kommenden Jahren?
Derzeit knapp 40. Vor dem Hintergrund der großen internationalen
Herausforderungen wäre grundsätzlich eine kontinuierliche Steigerung des Personals im
Rahmen der finanziellen Möglichkeiten und im Verhältnis zu den wachsenden
Aufgaben der Organisation wünschenswert.
7. Wie beurteilt die Bundesregierung das von der IRENA aufgestellte
Arbeitsprogramm und den Stand seiner Implementierung?
Das Arbeitsprogramm 2010 wurde von der Vorbereitungskommission am
17. Januar 2010 im Konsens angenommen. Es wurde für die Aufbauphase als
verhältnismäßig und die erforderlichen Grundlagen aufbauend, eingestuft.
Aufgrund der Budget- und Personalengpässe wird die Umsetzung des 2010
Arbeitsprogramms in 2011 fortgeführt.
8. Wird sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass das Budget der
IRENA bei einem steigenden Aufgabenspektrum und umfangreicherem
Arbeitsprogramm entsprechend ansteigt?
Dies wird zu gegebener Zeit unter Berücksichtigung der Haushaltslage geprüft
werden.
9. Mit welchen Beiträgen unterstützt die Bundesregierung aktuell den
Aufbau und die Arbeit der IRENA und des IRENA-Innovations- und
Technologiezentrums (IITC) in Bonn organisatorisch und finanziell, und mit
welchen Beiträgen will die Bundesregierung zukünftig die IRENA und
das IRENA-Innovations- und Technologiezentrum organisatorisch und
finanziell unterstützen?
Die Bundesregierung hat 2010 entsprechend der Entscheidung zum
Arbeitsprogramm und Budget, 1,394 Mio. US-Dollar gezahlt. Zudem wurden von der
Bundesrepublik Deutschland für Personal und Betrieb des IITC rund 2,4 Mio.
US-Dollar in 2010 in Aussicht gestellt.
10. Wie beurteilt die Bundesregierung die derzeitigen Probleme beim Aufbau
der IRENA, insbesondere was die Nichteinhaltung von Beitragszusagen
durch verschiedene Staaten für das Jahr 2010 angeht?
Bis zur ersten Sitzung der Vollversammlung wird das Budget von der
Vorbereitungskommission angenommen. Die Signatarstaaten sind aufgefordert,
freiwillige Beiträge, gemäß Beitragsschlüssel zu leisten, der sich an dem der VN
orientiert. Vielen Staaten fehlten noch die politischen bzw. rechtlichen
Voraussetzungen für die Leistung eines freiwilligen Beitrags.
11. Wie ist der Stand der Ratifizierung, und wann rechnet die
Bundesregierung mit der ersten Mitgliederversammlung?
Von den insgesamt 149 Signataren haben 38 Staaten und die EU ratifiziert. Der
Zeitpunkt der ersten Vollversammlung wird auf der Vierten Sitzung der
Vorbereitungskommission am 24./25. Oktober 2010 festgelegt. Sie wird
voraussichtlich im ersten Halbjahr 2011 einberufen.
Drucksache 17/3385 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode12. Wie beurteilt die Bundesregierung die Aussicht, dass die vorläufigen
Entscheidungen bezüglich Sitz und Generaldirektor der IRENA von der
Mitgliederversammlung bestätigt werden?
Die Interim-Generaldirektorin hat am 10. Oktober 2010 ihren Rücktritt erklärt.
Auf der anstehenden Sitzung der Vorbereitungskommission gilt es, die
Nachfolge bis zur ersten Sitzung der Vollversammlung zu klären. Zudem wird das
Verfahren für die Wahl einer Generaldirektorin/eines Generaldirektors auf der
ersten Sitzung der Vollversammlung festgelegt. Es ist davon auszugehen, dass
auf der ersten Sitzung der Vollversammlung die Sitzentscheidung der
Vorbereitungskommission vom 29. Juni 2009 bestätigt wird.
13. Wie weit ist der Aufbau des IRENA-Innovations- und
Technologiezentrums in Bonn gediehen, und wann ist damit zu rechnen, dass das IRENA-
Innovations- und Technologiezentrum in Bonn vollkommen arbeitsfähig
wird?
Die Leitung des IRENA Innovations- und Technologiezentrums wurde Ende
August 2010 von einem sogenannten Management Selection Committee
ausgewählt und erhielt am 1. Oktober 2010 ein Vertragsangebot. Die Leitung wird
voraussichtlich Anfang 2011 die Arbeit aufnehmen. Die
Stellenausschreibungen des im Arbeitsprogramm 2010 vorgesehenen Personals für das IITC sind in
Vorbereitung.
14. Welche Rolle wird dem IRENA-Innovations- und Technologiezentrum in
Bonn innerhalb der IRENA zukommen, und wie ist das IRENA-
Innovations- und Technologiezentrum in Bonn organisatorisch eingebunden?
Laut Arbeitsprogramm 2010 wird sich das IITC insbesondere mit den
Bereichen Potenziale der erneuerbaren Energien, Szenarien und Technologiepfade
befassen. Die Ergebnisse werden in die für IRENA definierten prioritären
Bereiche Knowledge Management und Politikberatung sowie Kompetenzaufbau
nutzbar gemacht.
15. Welche Strategie verfolgt die Bundesregierung, Bonn als internationalen
Standort für erneuerbare Energien auszubauen?
Dies ist nicht als Ziel im Koalitionsvertrag verankert.
16. Gab es bereits Gespräche zwischen der IRENA und den in Bonn
ansässigen Bundesministerien und angeschlossenen Organisationen hinsichtlich
einer künftigen Zusammenarbeit, und gab es dazu bereits Gespräche mit
den in Bonn ansässigen weiteren internationalen Organisationen (UN-
Organisationen sowie Nichtregierungsorganisationen (NGO))?
Die Interim-Generaldirektorin hatte bislang ihre Aufmerksamkeit ganz dem
Aufbau des Sekretariats in Abu Dhabi gewidmet.
17. Wie weit ist der Aufbau des Vienna Liaison Office der IRENA in Wien?
Soweit bekannt, gab es erste Gespräche mit der Interim-Generaldirektorin.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/338518. Wie ist Deutschland personell bei der IRENA vertreten, insbesondere, in
welcher Form ist Deutschland auf Führungsebene (D1-/D2-Positionen)
vertreten?
Falls nicht, hat die Bundesregierung geeignete Kandidaten
vorgeschlagen?
Es gibt derzeit 5 deutsche Personen im Sekretariat. Davon wurde eine Person
vom BMU abgeordnet. Bei der Auswahl der D1/D2-Positionen konnten sich
keine deutschen Kandidaten durchsetzen.
19. Wie kann aus Sicht der Bundesregierung die IRENA dazu beitragen, dass
neue Märkte für erneuerbare Energien entstehen?
In der Gründungsphase wurde die konkrete Beratung der Mitglieder für
adäquate politische und rechtliche Rahmenbedingungen als Hauptaufgaben der
neuen Organisation identifiziert.
20. Wie bewertet die Bundesregierung die mögliche Entstehung von neuen
Märkten für erneuerbare Energien im Hinblick auf die deutsche
Erneuerbare-Energien-Industrie?
Erneuerbare Energien sind weltweit ein großer Wachstumsmarkt und bieten ein
großes Potenzial auch für die deutsche Industrie. Sie kann sich wie jede andere
dem internationalen Wettbewerb stellen.
21. Wie verhalten sich andere internationale Aktivitäten der Bundesregierung
im Bereich der erneuerbaren Energien zu dem Engagement bei der
IRENA?
Die Bundesregierung unterstützt die Förderung der erneuerbaren Energien auf
internationaler Ebene mit vielfältigen Projekten und Initiativen und setzt sich
soweit möglich für einen intensiven Austausch dieser Initiativen und die
Nutzung von Synergien ein.
22. Inwieweit setzt sich die Bundesregierung bei internationalen
Politikprozessen wie z. B. dem G8- oder G20-Prozess oder bei Verhandlungen der
Welthandelsorganisation (WTO) (Doha-Runde) dafür ein, dass die IRENA
neben der IEA als eigenständiger Akteur und internationale Institution
aktiv eingebunden wird?
Die Bundesregierung hat dieses Anliegen wiederholt eingebracht. Im Einzelfall
ist die Arbeitsfähigkeit einer Organisation in der Aufbauphase zu
berücksichtigen.
23. Inwieweit sieht die Bundesregierung hier Überschneidungen und
mögliche Konflikte, und wie will sie dem im Rahmen ihrer Einbindung in die
entsprechenden Organisationen entgegnen (bitte um Stellungnahme
insbesondere in Bezug auf die Internationale Energieagentur (IEA), REN21,
Clean Energy Ministerial, Renewable Energy & Energy Efficiency
Partnership (REEEP))?
Bereits im Vorfeld der Gründung von IRENA hat die Bundesregierung
intensive Gespräche mit den hier genannten Organisationen geführt, um Synergien
zu fördern. Insgesamt ist die Herausforderung der internationalen Förderung
Drucksache 17/3385 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeder erneuerbaren Energien so groß, dass die Personalressourcen in allen
Organisationen dringend benötigt und ausgebaut werden müssen.
24. Welche Rolle soll die IRENA nach Ansicht der Bundesregierung bei
Aktivitäten spielen, die im Rahmen des Clean Energy Ministerial
beschlossen wurden?
Als globale Organisation für erneuerbare Energien eignet sich IRENA in
besonderem Maße als Umsetzungsorganisation für Aktivitäten im Bereich
Erneuerbarer Energien, die im Rahmen des „Clean Energy Ministerial’s“ initiiert
wurden.
25. Wie beurteilt die Bundesregierung die Initiative der IEA zur Schaffung
einer „International Low-Carbon Energy Technology Platform“ im
Hinblick auf die Arbeiten der IRENA zur globalen Verbreitung von
Erneuerbare-Energien-Technologien?
Die Ausarbeitung eines Konzeptes für eine „International Low-Carbon Energy
Technology Platform“ durch die IEA ist ein Mandat der G8-Staats- und -
Regierungschefs, das auf dem G8-Gipfel 2009 verabschiedet wurde. Die
Bundesregierung begrüßt die Umsetzung dieses Mandats, auch im Hinblick auf eine
Einbindung von IRENA.
26. Welche Institutionen und Organisationen sind bei der „International Low
Carbon Energy Technology Platform“ eingebunden, und welche
Bedeutung wird den erneuerbaren Energien bei dieser Plattform zukommen?
Die Plattform befindet sich in einer frühen Phase, in der zahlreiche
Institutionen beteiligt sind. Dazu zählen verschiedene Organisationen der Vereinten
Nationen, sowie das International Partnership for Energy Efficiency
Cooperation (IPEEC) oder das Global Carbon Capture and Storage Institute (GCCSI).
IRENA ist ebenfalls beteiligt.
27. Inwieweit sieht die Bundesregierung bei der Gründung einer
„International Low-Carbon Energy Technology Platform“ Überschneidungen und
mögliche Konflikte zur Arbeit der IRENA, und wie will sie dem im
Rahmen ihrer Einbindung in die entsprechenden Organisationen begegnen?
Die Bundesregierung sieht in der Plattform eine Möglichkeit für IRENA, ihre
Arbeiten zu verbreiten. Die Bundesregierung hat sich gegen Dopplungen
ausgesprochen.
28. Wie beurteilt die Bundesregierung die Initiative der IEA vom Februar 2010
zur Etablierung von Partnership Meetings on Energy and Sustainability im
Hinblick auf die Arbeiten der IRENA im Bereich der erneuerbaren
Energien?
Siehe Antwort zu Frage 30.
29. Wie beurteilt die Bundesregierung dabei die Überlegungen der IEA, zu
den oben genannten Partnership Meetings on Energy and Sustainability
die IRENA nicht einzuladen (siehe IEA-Dokument IEA/SGD(2010)2
vom 23. April 2010, Punkt 17)?
Siehe Antwort zu Frage 30.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/338530. Wird sich die Bundesregierung im Rahmen ihrer Einbindung in die
entsprechenden Organisationen dafür einsetzen, dass es bei den Partnership
Meetings on Energy and Sustainability zu keinen Konflikten und
Dopplungen der internationalen Arbeit kommt, und die Zusammenarbeit
zwischen der IRENA und der IEA verbessert wird?
Antwort zu den Fragen 28 bis 30:
Die Bundesregierung begrüßt das Partnerschaftstreffen der IEA zu Energie und
Nachhaltigkeit, das am 14. Oktober 2010 in Paris stattgefunden hat. Die
Durchführung des Treffens wurde auf dem IEA-Energieministertreffen im Oktober
2009 beschlossen.
Mit dem Partnerschaftstreffen werden der Dialog und der Beziehungsaufbau
zwischen den Mitgliedsländern der IEA und wichtigen energieverbrauchenden
Partnerländern, die nicht Mitglieder in der IEA sind (insbesondere China,
Indien und Russland), weiter gefördert und vertieft.
Themen des Treffens waren ein umfassender Meinungsaustausch zu
allgemeinen Fragen der Energiesicherheit, einschließlich erneuerbarer Energien, und
den Nachhaltigkeitsherausforderungen sowie die Darstellung laufender
gemeinsamer Initiativen und Aktivitäten und die Identifizierung gemeinsamer
Interessen für eine vertiefte und breitere Zusammenarbeit. Um den
Teilnehmerkreis nicht zu breit werden zu lassen, wurde beschlossen, zum ersten Treffen
zunächst keine anderen internationalen Organisationen einzuladen. Die
Bundesregierung setzt sich in diesem wichtigen politischen Prozess für eine
Vermeidung von Doppelarbeiten sowie für eine gute Zusammenarbeit der IEA mit
anderen internationalen Organisationen, einschließlich der IRENA, ein.
31. An welchen Implementing Agreements der IEA zu erneuerbaren
Energien ist die Bundesregierung direkt und indirekt beteiligt, und mit
welchen Beiträgen unterstützt sie die jeweiligen Implementing Agreements
der IEA finanziell?
„Implementing Agreements“ bestehen inzwischen zu allen erneuerbaren
Energietechnologien. Die Bundesregierung ist an folgenden „Implementing
Agreements“ beteiligt:
– Renewable Energy Technology Deployment
Finanzielle Unterstützung: 150 000,– Euro (Projektfinanzierung)
– Photovoltaic Power Systems
Finanzielle Unterstützung: 8 500,– Euro
– Solar Heating & Cooling Programme
Finanzielle Unterstützung: 5 800,– Euro
– Wind Turbine Systems
Finanzielle Unterstützung: 28 700,– Euro*
– Geothermal Implementing Agreement
Finanzielle Unterstützung: 11 100,– Euro*
– SolarPaces
Finanzielle Unterstützung: 50 000,– Euro
– Ocean Energy Systems
Finanzielle Unterstützung: 7 000,– Euro
Aufgeführt sind die direkten Beiträge an den „Implementing Agreements“.
Darüber hinaus erfolgt eine Beteiligung am wissenschaftlichen
Arbeitsprogramm der „Implementing Agreements“ aus nationalen F&E-Vorhaben.
(* Zahlungen z. T. in US-Dollar, daher gerundete Werte)
Drucksache 17/3385 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode32. Wie weit ist der Stand zur Verlängerung des Implementing
Agreements der IEA zur Verbreitung von Erneuerbare-Energien-Technologien
(RETD – Renewable Energy Technology Deployment)?
Das Implementing Agreement RETD wurde mit einer Entscheidung des CERT
(IEA Committee on Energy Research and Technology) vom 10. Juni 2010 für
den Zeitraum 15. September 2010 bis zum 14. September 2015 verlängert.
33. Sieht die Bundesregierung mögliche Konflikte bei der Verlängerung des
IEA-Implementing-Agreements zu RETD zur jetzigen und zukünftigen
Arbeit der IRENA?
Derlei Konflikte werden nicht erwartet. RETD arbeitet bereits jetzt erfolgreich
mit anderen Implementing Agreements und/oder der IEA selbst zusammen,
und derlei Kooperationen haben bislang stets zu beidseitig positiven Effekten
geführt.
34. Wie will die Bundesregierung mögliche Konflikte und Dopplungen der
Arbeiten des IEA-Implementing-Agreements zu RETD und der IRENA
im Rahmen ihrer Einbindung in die entsprechenden Organisationen
verhindern und die inhaltliche Abstimmung verbessern?
Bislang haben sich bei der inhaltlichen Abstimmung keine Probleme oder
Schwierigkeiten ergeben. Auch für die Zukunft soll durch engen und stetigen
Dialog eine Dopplung von Arbeiten vermieden werden.
35. Wie viele Staaten sind bisher Mitglied beim IEA-Implementing-
Agreement zu RETD, und werden neue, zusätzliche Staaten bei einer
Verlängerung dieses Implementing Agreements Mitglied werden?
RETD zählt derzeit zehn Mitgliedstaaten. Eine Erweiterung des
Mitgliederkreises ist zurzeit nicht geplant.
36. Mit welchen Beiträgen unterstützt die Bundesregierung bisher das IEA-
Implementing-Agreement zu RETD finanziell und organisatorisch, und
mit welchen Beiträgen wird die Bundesregierung in Zukunft das IEA-
Implementing-Agreement zu RETD finanziell und organisatorisch
unterstützen?
Deutschland unterstützt RETD organisatorisch und inhaltlich durch Teilnahme in
den Projektsteuerungsgruppen verschiedener RETD-Projekte, sowie beim
Outreach der RETD-Aktivitäten in Deutschland. In diesem Zusammenhang fand
beispielsweise eine Veranstaltung zur Präsentation der „Renewables in Tranport-
Studie“ (RETRANS-Studie) im September 2010 in Berlin, im Besucherzentrum
des BMU statt. Diese Unterstützung ist auch für die Zukunft geplant.
Zur finanziellen Unterstützung siehe Antwort zu Frage 31.
37. Wie beurteilt die Bundesregierung die Arbeiten der Working Party on
Renewable Energy Technologies (REWP) der IEA im Hinblick auf die
Arbeiten der IRENA im Bereich der erneuerbaren Energien?
Die „Working Party on Renewable Energy Technologies“ (REWP) der IEA ist
das Gremium der Vertreter der Mitgliedstaaten, das sich halbjährlich zu einem
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/3385Austausch über die Umsetzung des IEA-Arbeitsprogramms sowie über die
jeweiligen nationalen Politiken trifft. In diesem Rahmen werden auch die
Arbeitsbeziehungen zu Nicht-IEA-Mitgliedern inklusive anderer betroffener
internationaler Organisationen wie z. B. IRENA erörtert. Bislang ist es hierbei
nicht zu Überlappungen von Umsetzungsarbeiten aus den Arbeitsprogrammen
gekommen.
38. Wie will die Bundesregierung mögliche Konflikte und Dopplungen der
Arbeiten der IEA-REWP und der IRENA im Rahmen ihrer Einbindung in
die entsprechenden Organisationen verhindern und die inhaltliche
Abstimmung verbessern?
Als Mitglied sowohl der Internationalen Energieagentur als auch von IRENA
wird Deutschland sich bei der Beschlussfassung über die Arbeitsprogramme
der jeweiligen Einrichtungen dafür einsetzen, dass es bei beiden Einrichtungen
nicht zu einer unnötigen Doppelarbeit kommt. Dies ist auch von der Mehrzahl
der anderen IEA-Mitgliedstaaten zu erwarten, die ebenfalls Mitglieder von
IRENA sind. Des Weiteren ist Deutschland ebenfalls Mitglied in den
verschiedenen Arbeitsgruppen jeweils der IEA sowie von IRENA, die die Umsetzung
der Arbeitsprogramme begleitet und hierbei darauf achtet, dass es nicht zu
Doppelungen kommt.
39. Wer wird nach Kenntnisstand der Bundesregierung Nachfolger von
Roberto Vigotti als Vorsitzender der REWP der IEA; wie beurteilt sie die
Chancen von Michael Rantil (Schweden) als Vorsitzender der REWP
gewählt zu werden, und warum hat sich Deutschland nicht um den Vorsitz
der REWP beworben?
Bei der 58. Sitzung der REWP am 6. und 7. Oktober 2010 ist der dänische
Delegierte Hans Jorgen Koch zum neuen Vorsitzenden der REWP gewählt
worden. Er war der einzige Kandidat. Deutschland hat nach internen Abwägungen
und wegen Personalengpässen keinen Kandidaten gestellt.
40. Wie beurteilt die Bundesregierung die Rolle von REN21, insbesondere
angesichts der Tatsache, dass die IRENA eine um ein Vielfaches größere
Anzahl an Regierungen vertritt und es weltweite
Nichtregierungsorganisationen gibt, die in dem Bereich tätig sind und mit der IRENA ebenfalls
kooperieren?
Die Bundesregierung begrüßt die Rolle des Netzwerks REN21, welches
Regierungen, privatwirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren ein
alternatives Forum zum Austausch über politische Maßnahmen zu Förderung der
erneuerbaren Energien zusammenbringt. Als informelles Netzwerk ist REN21
nach wie vor gut platziert, um in unabhängiger Weise weltweit anerkannte
Wissensprodukte im Bereich der erneuerbaren Energien (Statistiken und Analysen
über den Ausbaustand der erneuerbaren Energien und unterstützende politische
Maßnahmen, beispielsweise der jährliche „Globale Statusbericht Erneuerbare
Energie“) zu produzieren. REN21 kann die Arbeit von IRENA flankieren und
unterstützen, insbesondere indem es den Kontakt zu nichtstaatlichen Akteuren
fördert und besonders engagierten Regierungen beim Ausbau der erneuerbaren
Energien als flexible Plattform dient, um Positionen abzustimmen und
gemeinsame Initiativen einzuleiten. Angesichts der deutschen Initiative für REN21
und des großen Engagements hat die Bundesregierung in REN21 ein besonders
starkes Gewicht.
Drucksache 17/3385 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode41. Gibt es mittlerweile weitere Regierungen, die bereit sind, die Aktivitäten
von REN21 zu finanzieren?
In der Vergangenheit hat die Regierung der USA REN21 zu einem kleinen
Anteil auch finanziell unterstüzt. Darüber hinaus gibt es Willensbekundungen
weiterer Regierungen, REN21 finanziell zu unterstützen. Es ist ferner kürzlich
vereinbart worden, dass künftig alle Regierungen die eine Nachfolgekonferenz zur
renewables2004-Konferenz durchführen, REN21 für seine inhaltliche und
organisatorische Unterstützung der Konferenzen finanziell unterstützen
werden.
42. Mit welchen finanziellen und organisatorischen Beiträgen unterstützt die
Bundesregierung das Global Network on Energy for Sustainable
Development (GNESD), und welche weiteren Staaten unterstützen die Arbeit
des GNESD?
Seit 2002 unterstützt die Bundesregierung die Arbeit des Netzwerkes mit
durchschnittlich 400 000 Euro jährlich. Weitere Beiträge kamen bzw. kommen
u. a. von Dänemark, Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich.
43. Wie will die Bundesregierung mögliche Konflikte und Dopplungen der
Arbeiten des GNESD und der IRENA im Rahmen ihrer Einbindung in
die entsprechenden Organisationen verhindern und die inhaltliche
Abstimmung verbessern?
In der sich verändernden Institutionenlandschaft setzt sich die Bundesregierung
für eine noch klarere Fokussierung des Netzwerks auf die Frage des
Energiezugangs im Kontext der Millenniumentwicklungsziele ein. Das Energiearmuts-
Thema wird durch die ausschließlich auf erneuerbare Energien fokussierte
IRENA, die nicht speziell für Entwicklungsländer eingerichtet wurde, nicht
explizit abgedeckt. Daneben steht im Mittelpunkt der Arbeit von GNESD der
wissenschaftliche Austausch. Bereits bestehende Kooperation soll im Rahmen des
Ausbaus der IRENA künftig intensiviert werden.
44. Mit welchen finanziellen und organisatorischen Beiträgen unterstützt die
Bundesregierung die Global Bioenergy Partnership (GBEP), und welche
weiteren Staaten unterstützen die Arbeit der GBEP?
Die Bundesregierung unterstützt die Arbeit der Global Bioenergy Partnership
finanziell mit Beiträgen für das Sekretariat und die Arbeit der Global Bioenergy
Partnership mit Sitz bei der FAO in Rom. Organisatorisch leistet Deutschland
als Co-Chair der Sub Group Environment gemeinsam mit UNEP einen
wichtigen Beitrag für die erfolgreiche Erarbeitung von Nachhaltigkeitsindikatoren für
die Bioenergienutzung. Die GBEP hat mehr als 60 Partner und Beobachter, zu
denen neben den G8+5-Ländern viele internationale Organisationen sowie
wichtige Biomasseexport- und Importländer zählen. Mehrere Staaten haben in
der Vergangenheit bereits finanzielle Beiträge geleistet.
45. Wie will die Bundesregierung mögliche Konflikte und Dopplungen der
Arbeiten der GBEP und der IRENA im Rahmen ihrer Einbindung in die
entsprechenden Organisationen verhindern und die inhaltliche
Abstimmung verbessern?
Die Global Bioenergie Partnership ist das geeignete Forum zur Erarbeitung von
Nachhaltigkeitsstandards für die Bioenergie auf globaler Ebene. Sobald ein
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/3385Konsens zu Nachhaltigkeitsindikatoren erzielt wurde, können diese in den
Ländern pilothaft implementiert werden. Das Aufgabenspektrum von IRENA ist
bedeutend vielfältiger und insofern mit GBEP nicht vergleichbar.
46. Welche Rolle sollen Nichtregierungsorganisationen bei der IRENA
spielen?
Als Beobachter und häufig als Mitglied von Netzwerken können sie helfen,
Informationen, Wissen und Bedarfe von außen in die Organisation
einzubringen und von der Organisation nach außen zu tragen und zu verbreiten.
47. Welche Rolle soll die IRENA aus Sicht der Bundesregierung bei den
UN-Klimaverhandlungen spielen, insbesondere bei der Erarbeitung und
Implementierung von geeigneten Finanzierungsinstrumenten und -fonds
für erneuerbare Energien?
Sobald in diesem Bereich Kompetenz aufgebaut ist, können hier insbesondere
Bedarfe, Besonderheiten der erneuerbaren Energien eingebracht werden, um
insbesondere die Förderung der erneuerbaren Energien als eine der
Hauptsäulen der Reduzierung von Treibhausgasen zu optimieren.
48. Setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass die IRENA ihre
Kompetenzen im Bereich der erneuerbaren Energien bei der Erstellung des
Sonderberichts des International Panels on Climate Change (IPCC) zu
erneuerbaren Energien einbringen kann?
Ein Mitarbeiter von IRENA ist einer der „Lead“-Autoren. Weitergehende
Kompetenzen müssen innerhalb von IRENA noch aufgebaut werden.
49. Welche Rolle soll die IRENA aus Sicht der Bundesregierung bei
künftigen internationalen Erneuerbare-Energien-Konferenzen spielen?
Die Organisation der IRECs liegt in der Hand der jeweils ausrichtenden
Regierung. Dies ist wünschenswert, um das jeweilige nationale/regionale
Engagement zu entwickeln und zu fördern. IRENA sollte im Rahmen ihrer Aufgaben
Expertise einbringen und die IRECs als internationale Plattform nutzen.
50. Stimmt die Bundesregierung damit überein, dass die IRENA als die
zentrale internationale Regierungsorganisation im Bereich der erneuerbaren
Energien hierbei eine koordinierende Rolle übernehmen sollte?
IRENA sollte eine zentrale aber nicht zwangsläufig koordinierende Rolle
spielen.
51. Plant die Bundesregierung derzeit, zum zehnjährigen Jubiläum der
Konferenz renewables 2004 in Bonn sich erneut mit dem Standort Bonn für
die Durchführung der Veranstaltung zu bewerben?
Nein, siehe dazu Antwort zu Frage 49.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]