[Deutscher Bundestag Drucksache 17/3808
17. Wahlperiode 18. 11. 2010 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulrike Höfken, Maria Klein-Schmeink,
Cornelia Behm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 17/3596 –
Maßnahmen zur Reduzierung und Prävention von Übergewicht und
Fehlernährung
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Seit 2004 hat sich die Bundesregierung die Bekämpfung des Übergewichts
zum Ziel gesetzt. Damals waren laut statistischem Mikrozensus 49 Prozent
der erwachsenen Bevölkerung übergewichtig und 13 Prozent adipös. 2007
haben sich im Rahmen der Konferenz „Gesundheitliche Prävention.
Ernährung und Bewegung für mehr Lebensqualität“ in Badenweiler Vertreter aller
27 EU-Mitgliedstaaten, der EU-Kommission und der
Weltgesundheitsorganisation die Ziele verankert, „bis 2020 die Zunahme von Übergewicht bei
Kindern zu stoppen … und die Zahl übergewichtiger Menschen in Europa zu
verringern.“ Bis 2010 sollten 10 Prozent mehr Menschen die Empfehlung
erreichen, eine halbe Stunde am Tag körperlich aktiv zu sein, 20 Prozent mehr
Menschen sollten bis 2010 täglich 5 Portionen Obst und Gemüse essen,
30 Prozent mehr Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung sollten bis
2010 „gesunde“ Mahlzeiten anbieten. Bei den Maßnahmen wurden unter
Punkt 3 „strukturelle Veränderungen, z. B. Förderung einer
gesundheitsfördernden Verpflegung und Bewegungsmöglichkeiten in
Kindertageseinrichtungen, Schulen und im Arbeitsalltag, bei den Lerninhalten in Bildungsstätten,
bei der Berücksichtigung von Bewegungsaspekten sowie bei der
Städteplanung und bei Bauvorhaben“ genannt (Badenweiler Erklärung vom 2. Mai
2007, Quelle: Bundesministerium für Gesundheit/Bundesministerium für
Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Pressemitteilung vom
27. Februar 2007).
Nachdem im Jahr 2008 die Nationale Verzehrsstudie II, eine flächendeckende
Untersuchung an 18 000 Personen, die Zahlen von 2004 weitgehend
bestätigte, rief die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan „IN FORM –
Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und Bewegung“ ins Leben.
Jährlich sollten mindestens 10 Mio. Euro investiert werden. Der Mikrozensus
2009 zeigt eine Verschlechterung der Zahlen an: 51 Prozent der erwachsenen
Bevölkerung (60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen) sind in
Deutschland übergewichtig. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit vom 16. November
2010 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/3808 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeVo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung räumt der Förderung eines gesunden Lebensstils weiterhin
einen hohen Stellenwert ein. Mit dem Nationalen Aktionsplan zur Prävention
von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit
zusammenhängenden Krankheiten wird das Ziel verfolgt, das Ernährungs- und
Bewegungsverhalten von Kindern und Erwachsenen nachhaltig zu verbessern, ein
gesundes Aufwachsen zu ermöglichen, das Gesundheitsbewusstsein zu erhöhen
sowie die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit zu steigern. Da dies nicht
kurzfristig zu erreichen ist, hat der Nationale Aktionsplan „IN FORM –
Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ eine
Laufzeit bis zum Jahr 2020. Darüber hinaus fördert die Bundesregierung
vielfältige Projekte, die direkt und indirekt einen Beitrag zur Prävention von
Übergewicht und damit assoziierten Krankheiten leisten.
1. Wie hoch ist der Anteil der übergewichtigen und adipösen Erwachsenen in
Deutschland aktuell (getrennt nach Männern und Frauen)?
Die aktuellsten Daten für Erwachsene in Deutschland entstammen dem jährlich
durchgeführten bundesweiten telefonischen Gesundheitssurvey „Gesundheit in
Deutschland aktuell“ (GEDA) des Robert Koch-Institutes (RKI), einer Behörde
im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG).
Demnach sind 44 Prozent der Männer und 29 Prozent der Frauen (Alter 18 bis über
80 Jahre) übergewichtig (Body Mass Index/BMI 25 bis 30) und 16 Prozent der
Männer bzw. 15 Prozent der Frauen adipös (BMI ≥30). Somit sind insgesamt
60 Prozent der Männer übergewichtig bzw. adipös und 44 Prozent der Frauen.
Die jüngsten GEDA-Befragungen (GEDA10) erfolgten im Zeitraum Mitte
2009 bis Mitte 2010. Die Ergebnisse beruhen auf Selbstangaben zur
Körpergröße und Gewicht. Dieses Verfahren wird auch im Mikrozensus angewandt.
2. Wie hoch ist der Anteil der übergewichtigen und adipösen Kindern und
Jugendlichen in Deutschland aktuell (getrennt nach Jungen und Mädchen)?
Die aktuellsten Daten für Kinder und Jugendliche stammen aus der Studie zur
„Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ (KiGGS-Studie, 2003 bis 2006)
und basieren auf Messwerten. Danach sind 8,8 Prozent der 3- bis 17-jährigen
Jungen und 8,5 Prozent der gleichaltrigen Mädchen übergewichtig (jedoch
nicht adipös) und 6,3 Prozent der Jungen bzw. 6,4 Prozent der Mädchen adipös.
3. Wie sehen die Daten zu Übergewicht und Adipositas im internationalen
Vergleich aus?
Aktuelle Daten im internationalen Vergleich liegen mit dem OECD-Bericht
„Obesity and the economic of prevention: fit not fat“ in englischer Sprache vor.
Die darin enthaltenen Daten aus Deutschland für Erwachsene stammen aus
dem Survey „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA09) des RKI und sind
identisch mit denen in Frage 1 aufgeführten Zahlen aus dem GEDA10. Die
Daten für Kinder und Jugendliche beruhen auf Messdaten aus der KiGGS-
Studie für den Altersbereich 5 bis 17 Jahre, sind jedoch mit dem für internationale
Vergleiche üblichen International Obesity Task Force Referenzsystem (IOFT)
errechnet. Dies basiert auf einer Vergleichspopulation aus mehreren Ländern.
Demnach liegt Deutschland sowohl bei Übergewicht als auch Adipositas im
Mittelfeld (siehe Abbildungen 1 und 2).
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/3808Abbildung 1: Übergewicht bei Kindern in OECD und Nicht-OECD-Ländern
Quelle: Figures for Finland and Luxembourg from World Health Organisation Health Behaviour in School Children (HBSC) 2005-06 survey
(selfreported weight and height of 11-year-old children), and from latest available national surveys of children in which weight and height were
measured for other countries.
Percentage of children overweight (including obese)
9
10
12
14
14
15
15
16
16
18
19
19
20
20
21
22
22
22
23
24
25
25
26
26
27
29
29
31
31
32
33
33
35
35
4
10
11
16
16
22
0 5 10 15 20 25 30 35 40
Slovak Republic (1999) 11-17
Turkey (2001) 12-17
Luxembourg
Denmark (1997) 5-16
Poland (2001) 7-9
Japan (2000) 6-14
Switzerland (2007) 6-13
Netherlands (2003) 5-16
Norway (2005) 3-17
Finland
France (2006) 11-17
Hungary (2005) 7-18
Austria (2003) 8-12
Germany (2002) 5-17
Czech Republic (2005) 6-17
Belgium (2005) 4-15
Greece (2003) 13-17
Sweden (2001) 6-13
Iceland (2003) 9
Korea (2005) 10-19
Ireland (2007) 4-13
Slovenia (2007) 6-12
Chile (2000) 6
Israel (2007) 5-7
Australia (2007) 9-13
Canada (2004) 12-17
UK England (2004) 5-17
Mexico (2006) 5-17
New Zealand (2002) 5-14
Portugal (2003) 7-9
Italy (2006) 8-9
Spain (2000) 13-14
UK Scotland (2008) 12-15
United States 2004) 6-17
Indonesia (2000) 10-18
India (2002) 5-17
Russia (2004) 10-18
China (2004) 6-11
South Africa (2004) 6-13
Brazil (2002) 7-10
Drucksache 17/3808 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeAbbildung 2: Übergewicht (inkl. Adipositas) und Adipositas bei Erwachsenen
4. Wie haben sich die Zahlen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene im
Bereich Übergewicht bzw. Adipositas seit 1999 entwickelt (getrennt für
Männer und Frauen)?
Für Kinder und Jugendliche gab es vor der Studie „Gesundheit von Kindern
und Jugendlichen“ (KiGGS) keine bundesweit repräsentativen Erhebungen.
Für die vergleichende Bewertung wird für Kinder und Jugendliche der
Altersgruppe 1 bis 17 Jahre daher auf Referenzwerte zurückgegriffen, die für
Deutschland in verschiedenen regionalen Studien im Zeitraum 1985 bis 1999
ermittelt wurden (Kromeyer-Hausschild). Entsprechend dem
Definitionsbereich waren in der Referenzpopulation 7 Prozent übergewichtig und 3 Prozent
adipös. Die auf den entsprechenden Referenzbereich bezogenen Prävalenzen
aus der KiGGS-Studie sind 8,5 Prozent und 6 Prozent. Der Anteil
Übergewichtiger hat sich somit um etwa 1,5 Prozentpunkte erhöht und der Anteil Adipöser
um mehr als 3 Prozentpunkte gegenüber der Ausgangslage verdoppelt.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/3808Für Erwachsene liegen seit 1999 lediglich Befragungswerte vor. Im Jahre 1999
waren 44 Prozent der Männer und 29 Prozent der Frauen übergewichtig und
12 Prozent der Männer bzw. 11 Prozent der Frauen adipös. In 2009/2010
(GEDA10) sind immer noch 44 Prozent der Männer und 29 Prozent der Frauen
übergewichtig, jedoch 16 Prozent der Männer bzw. 15 Prozent der Frauen
adipös.
5. Wie viele Erwachsene sind nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland an ernährungsbedingten Krankheiten erkrankt, und an
welchen?
7. Wie stellt sich die Entwicklung ernährungsbedingter Krankheiten in
Deutschland seit dem Jahr 2000 dar (getrennt Erwachsene/Kinder)?
Gibt es über die letzten 10 Jahre einen Trend zur Zunahme
ernährungsbedingter Krankheiten?
Die Fragen 5 und 7 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Anzahl von Personen mit ernährungsbedingten Krankheiten ist auf der
Basis der vorliegenden Daten nicht exakt bestimmbar, da die Ernährungsweise
lediglich einer von mehreren Faktoren ist, die dem Auftreten einer Krankheit
Vorschub leisten können. Viele Krankheiten haben multiple Ursachen und
Einflussfaktoren. Hierzu gehören z. B. auch genetische Veränderungen,
Tabakkonsum, Bewegungsmangel und den Organismus belastende Stoffe in der
Arbeitswelt und der Umwelt. Die Ernährung muss also nicht zwangsläufig die
entscheidende Krankheitsursache sein. Auch leiden viele Menschen an
mehreren ernährungsmitbedingten Krankheiten gleichzeitig, weshalb eine
Aufsummierung von absoluten Zahlen der Erkrankten nicht aussagefähig wäre. Im
GEDA09 gaben beispielsweise insgesamt 9 Prozent der Frauen und 8 Prozent
der Männer einen ärztlich diagnostizierten Diabetes mellitus an.
6. Wie viele Kinder und Jugendliche sind nach Kenntnis der
Bundesregierung in Deutschland an ernährungsbedingten Krankheiten erkrankt, und an
welchen?
Mit welchen Folgen für die Entwicklung, körperliche und geistige
Gesundheit im Erwachsenenalter, Leistungsfähigkeit und Lebenserwartung?
Die Folgen von ernährungsbedingten Krankheiten bei Kinder und Jugendlichen
im Erwachsenenalter können nur mit hierfür konzipierten aufwendigen
Langzeitstudien ermittelt werden. Diese gibt es bisher für Deutschland nicht. Die
Langzeitbeobachtung der Population der Studie „Gesundheit von Kindern und
Jugendlichen“ (KiGGS), die bereits in einer ersten laufenden
Verlaufsbeobachtung (2009 bis 2012) in Angriff genommen wurde und zukünftig durch weitere
Untersuchungsrunden ergänzt werden wird, geht solchen Fragestellungen nach.
Es wird auch auf die Antwort zu Frage 5 verwiesen.
8. Welche Kosten entstehen im Gesundheitssystem in Deutschland für die
Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten?
Wie ist die Kostenentwicklung seit dem Jahr 2000?
Ein erster Versuch, die Kosten ernährungsbedingter Krankheiten zu beziffern,
wird in der Studie „Ernährungsabhängige Krankheiten und ihre Kosten“ von
Kohlmeier, L. u. a., die vom BMG gefördert wurde, unternommen. Darin wer-
Drucksache 17/3808 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeden die Kosten für ernährungsabhängige Krankheiten für das Jahr 1990 mit
83,5 Mrd. DM beziffert. Dies sind nahezu ein Drittel aller Kosten im
Gesundheitswesen. Die höchsten Gesamtkosten unter den ernährungsabhängigen
Krankheiten entfallen mit rund 33 Mrd. DM auf die Gruppe der Herz-
Kreislauf-Erkrankungen. Ausführlich sind diese Ergebnisse in dem Band 27 der
Schriftenreihe des BMG, erschienen bei der Nomos Verlagsgesellschaft Baden-
Baden (1993), nachzulesen. Aktuelle valide Daten sind nicht bekannt.
9. Wie stellen sich die Kosten und die Kostenentwicklung seit 2000 zur
Behandlung von Diabetes dar?
Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen
Fehlernährung und sozialem Status?
Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um armutsbedingter
Fehlernährung vorzubeugen?
Die Kosten für Diabetes mellitus Typ I und II haben sich – wie in der
untenstehenden Tabelle 1 dargestellt – entwickelt und sind besonders in den
Altersgruppen ab 65 Jahre, seit 2006 auch in der Altersgruppe ab 45 Jahre, gestiegen.
Das dürfte zum Teil auf die demografische Entwicklung zurückzuführen sein.
Ferner geht aus Analysen der KiGGS-Studie des RKI zum
Ernährungsverhalten und Sozialstatus hervor, dass Kinder und Jugendliche aus niedrigen
Statusgruppen häufiger ein ungünstiges Ernährungsverhalten zeigen als Gleichaltrige
aus sozial besser gestellten Gruppen. Sie essen beispielsweise weniger frisches
Obst, Vollkornbrot und Gemüse, aber häufiger bzw. mehr Lebensmittel wie
Weißbrot, Schokolade und Süßigkeiten und trinken z. B. zuckerhaltige
Erfrischungsgetränke. Entsprechend ist auch der Anteil übergewichtiger und
adipöser Kinder und Jugendlicher höher, was die Entwicklung eines Typ-2-
Diabetes begünstigen kann. Derzeit wird in Deutschland und in Europa auch eine
Zunahme an Typ-1-Diabetes bei Kindern beobachtet, der mit einer
autoimmunen Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüsen
einhergeht. Die Gründe hierfür sind noch nicht abschließend geklärt.
Quelle: Statistisches Bundesamt (2010) Gesundheit. Krankheitskosten. Fachserie 12, Reihe 7.2 Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
Zur Vorbeugung armutsbedingter Fehlernährung ist festzuhalten, dass Gruppen
mit speziellen Bedarfen (z. B. sozial benachteiligte) bei den verschiedenen
Aufklärungsmaßnahmen gezielt einbezogen werden.
Es wird auch auf die Antwort zu Frage 22 verwiesen.
Tabelle 1 Krankheitskostenrechnung des Statistischen Bundesamts
Diabetes mellitus (E10 bis E14): Kosten in Millionen Euro
Jahr insgesamt unter
15 Jahre
15–30 Jahre 30–45 Jahre 45–65 Jahre 65–85 Jahre 85 und
mehr Jahre
2002 4953 54 105 308 1577 2560 349
2004 5158 58 106 299 1571 2788 336
2006 5725 60 112 305 1694 3170 384
2008 6342 62 110 298 1852 3560 460
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/380810. Wie setzt die Bundesregierung das international vereinbarte Recht auf
Nahrung konkret um in Bezug auf Qualität, Gesundheit und Bildung?
In Deutschland gibt es ein breites Angebot an Lebensmitteln, das es der
Bevölkerung ermöglicht, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Die primäre
Verantwortung für sichere und qualitativ einwandfreie Lebensmittel kommt hierbei
den Lebensmittelunternehmen zu. Komplementär zu der Sorgfaltspflicht der
Lebensmittelunternehmen kontrollieren die Länder, ob die einschlägigen
europäischen und nationalen lebensmittel-, futtermittel- und
pflanzenschutzmittelrechtlichen Regelungen eingehalten werden. Dies ist ebenfalls ein wichtiger
Beitrag zur Gewährleistung eines hohen Schutzniveaus der Bevölkerung vor
unerwünschten Stoffen. Mit dem Nationalen Aktionsplan „IN FORM –
Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“
wiederum trägt die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit Ländern und der
Zivilgesellschaft darüber hinaus zur Vermittlung von Kenntnissen und
Fertigkeiten über gesunde Ernährung sowie zur Unterstützung eines gesunden
Lebensstils bei.
11. Welche Maßnahmen zur Ernährungsbildung hat die Bundesregierung
bislang getroffen?
Welche Vereinbarungen dazu gibt es im Rahmen der
Kultusministerkonferenz zur Verankerung der Ernährungsbildung an Schulen?
Die Bundesregierung führt im Rahmen des vom Bundeskabinett 2008
beschlossenen Nationalen Aktionsplans „IN FORM – Deutschlands Initiative für
gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ verschiedene Maßnahmen zur
Ernährungsbildung durch. Der Ernährungsbildung in Grundschulen dient
beispielsweise der „aid-Ernährungsführerschein“. An Schülerinnen und Schüler
der Klassen 5 und 6 richtet sich der Bildungsbaustein „SchmeXperten“ und an
Jugendliche die von den Verbraucherzentralen im Rahmen von IN FORM
durchgeführte „Ess-Kult-Tour“. Der Nationale Aktionsplan ist als Instrument
des Dialogs angelegt, und die Länder nehmen daran durch regelmäßigen
Austausch über Programme, Strategien und Maßnahmen guter Praxis teil. Konkrete
Vereinbarungen über die Verankerung der Ernährungsbildung an Schulen gibt
es nicht. Es wird auch auf die Zuständigkeiten der Länder verwiesen.
12. Plant die Bundesregierung, Ernährungsbildung in den
Ausbildungsgängen von Medizinern, Pädagogen und Erzieherinnen zu verankern?
Wenn ja, wie, und in welchem Umfang?
Wenn nein, warum nicht?
Der Ausbildungsgang von Medizinern ist in der „Approbationsordnung für
Ärzte (ÄApprO)“ geregelt. In § 27 Absatz 1 Satz 5 Nummer 10 ÄApprO ist der
Querschnittsbereich „Prävention, Gesundheitsförderung“ als Pflichtfach
vorgeschrieben und bietet daher einen geeigneten Ansatzpunkt, das Thema
„Ernährungsbildung“ in der ärztlichen Ausbildung zu berücksichtigen. Damit ist es
aktuell bereits möglich, dieses Thema in die Studienordnungen bzw. Curricula
für Medizinerinnen und Mediziner aufzunehmen. Die konkrete Ausgestaltung
der Studienordnungen bzw. Curricula obliegt den Ländern, die für die
Umsetzung der Approbationsordnung für Ärzte und Ärztinnen zuständig sind.
Mit der Finanzierung des Forschungsprojekts REVIS „Reform der Ernährungs-
und Verbraucherbildung in allgemein bildenden Schulen“ hat die
Bundesregierung bereits 2005 die Grundlagen für eine zukunftsgerichtete Ernährungs- und
Drucksache 17/3808 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeVerbraucherbildung an Schulen erarbeiten lassen. Die Ergebnisse des
Forschungsprojekts wurden bereits bei der Lehrerausbildung in Schleswig-
Holstein umgesetzt.
Es wird auch auf die Antwort zu Frage 20 verwiesen.
13. Welche gesetzgeberischen Maßnahmen zur Übergewichtsbekämpfung
hat die Bundesregierung ergriffen?
Übergewicht und Adipositas werden als Konsequenz einer anhaltenden
positiven Energiebilanz, also einer in Bezug auf die Energieabgabe zu hohen
Energieaufnahme, angesehen. Dies wird beeinflusst durch verschiedene Faktoren,
deren Steuerung sowohl verhaltensbezogenen (Bewegungs- und Essverhalten)
wie auch biologischen Faktoren obliegt. Die genetische Disposition spielt
hierbei ebenfalls eine Rolle. Die Gewichtung der einzelnen Faktoren ist noch nicht
eindeutig geklärt. Übergewicht ist ein multifaktorielles Geschehen, das nicht
mit gesetzgeberischen Maßnahmen behoben werden kann. Insofern sind keine
entsprechenden Initiativen geplant.
Es wird auch auf die Antwort zu Frage 22 verwiesen.
14. Wie beabsichtigt die Bundesregierung die Ziele, bis 2020 den Trend zum
Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen zu stoppen und bei
Erwachsenen die Zahl der Übergewichtigen zu reduzieren, zu erreichen?
Die Bundesregierung verfolgt mit dem Nationalen Aktionsplan „IN FORM –
Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ das Ziel,
das Ernährungs- und Bewegungsverhalten in Deutschland nachhaltig zu
verbessern. Dadurch soll erreicht werden, dass Erwachsene gesünder leben,
Kinder gesünder aufwachsen und von einer höheren Lebensqualität und einer
gesteigerten Leistungsfähigkeit in Bildung, Beruf und Privatleben profitieren.
Deutschland bietet gute Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Dennoch
nehmen hier wie in den meisten Industrienationen Krankheiten zu, die durch
eine unausgewogene Ernährung und zu wenig Bewegung begünstigt werden.
Die in den Antworten zu den Fragen 1 bis 4 dargestellten Daten zu
Übergewicht und Adipositas sind Ausdruck davon. Daher ist es erforderlich, die
Kenntnisse über die Zusammenhänge von ausgewogener Ernährung,
ausreichender Bewegung und Gesundheit weiter zu verbessern, zu gesunder
Lebensweise zu motivieren und Rahmenbedingungen zu schaffen, die die
Wahrnehmung der Verantwortung jeder Einzelnen und jedes Einzelnen für die
eigene Gesundheit und die der Familie fördern. Mit dieser Zielsetzung bündelt
IN FORM die vielfältigen Initiativen von Bund, Ländern, Kommunen und der
Zivilgesellschaft in einer nationalen Strategie zur Stärkung und Etablierung
gesundheitsförderlicher Alltagsstrukturen in den Bereichen Ernährung und
Bewegung.
Zur Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas fördert die Bundesregierung
auch entsprechende Forschungsvorhaben. Im Rahmen des
Gesundheitsforschungsprogramms der Bundesregierung fördert das Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) die Erforschung von Adipositas. Insbesondere
das Kompetenznetz Adipositas konzentriert sich auf die Erforschung von
Entstehung und Prävention der Adipositas. Ebenso werden mit dem 2004
aufgelegten Schwerpunkt „Präventionsforschung“ Maßnahmen zur
Adipositasprävention erarbeitet und bewertet, die verhindern sollen, dass Kinder und
Erwachsene Übergewicht entwickeln und die es ihnen ermöglichen sollen, gesunde
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/3808Lebensweisen zu erlernen. Darüber hinaus werden in der Fördermaßnahme
„Ernährungsforschung – für ein gesundes Leben“ grundlegende
Forschungsarbeiten zum Themenbereich gefördert.
Es wird auch auf die Antwort zu Frage 22 verwiesen.
15. Wurde das in der Badenweiler Erklärung erklärte Ziel, dass gegenüber
2007 10 Prozent mehr Menschen je eine halbe Stunde am Tag körperlich
aktiv sein sollen, erreicht (Vergleichszahlen 2007 gegenüber 2010)?
Wenn nein, warum nicht, und welche Maßnahmen plant die
Bundesregierung, um dieses Ziel noch zu erreichen?
Eine Abfrage zur körperlichen Aktivität von Erwachsenen wurde in
Deutschland in GEDA09 gemacht. Hierbei wurde eine Betätigung zugrunde gelegt, die
jeweils 30 Minuten an mindestens fünf Tagen pro Woche entspricht. Dabei
sollte die Atemfrequenz zunehmen, und man sollte ins Schwitzen geraten.
Nach der Abfrage erreichen 20 Prozent der Frauen und 23 Prozent der Männer
diesen Richtwert. Immerhin 40 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer
sind über die Woche gerechnet mindestens 2,5 Stunden aktiv. Diese Frage
wurde davor in ähnlicher Form bereits im Bundesgesundheitssurvey 1998
gestellt (laut damalige Empfehlung für mindestens 3 Tage der Woche berechnet);
zu dem Zeitpunkt erreichten lediglich 13 Prozent der Befragten den
entsprechenden Richtwert.
Eine abschließende Bewertung kann derzeit noch nicht erfolgen, da
aussagefähige Daten für das Jahr 2010 erst zu einem späteren Zeitpunkt vorliegen
werden.
16. Wurde das Ziel erreicht, dass 20 Prozent mehr Menschen 5-mal täglich
Obst und Gemüse essen sollen, erreicht (Vergleichszahlen 2007
gegenüber 2010)?
Wenn nein, warum nicht, und welche Maßnahmen plant die
Bundesregierung, um dieses Ziel noch zu erreichen?
In der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) ebenso wie im
Ernährungsmonitoring NEMONIT wird über die Menge des Obst- und Gemüsekonsums berichtet,
nicht über die Anzahl der Portionen. Insofern liegen keine Zahlen vor, wie
viel Prozent der Bevölkerung täglich fünf Portionen Obst und Gemüse essen.
Feststellbar ist, dass der Obst- und Gemüsekonsum stetig ansteigt, auch wenn er
noch nicht die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)
empfohlene Menge von durchschnittlich ca. 250 g Obst bzw. 400 g Gemüse pro Tag
erreicht. Gemäß NVS II erreichen über 50 Prozent der Bevölkerung die
Empfehlung zum Obstverzehr, während dies beim Gemüseverzehr nur 13 Prozent sind.
17. Wie bewertet die Bundesregierung in diesem Zusammenhang die
Ergebnisse des Reports der Deutschen Krankenversicherung AG (DKV) „Wie
gesund lebt Deutschland“ vom August 2010, nach denen nicht einmal die
Hälfte der 18- bis 29-Jährigen überhaupt täglich Obst oder Gemüse
verzehren?
Auch bei der im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) durchgeführten NVS II zeigt sich,
dass der Obst- und Gemüseverzehr im jungen Erwachsenenalter niedriger ist
und bei beiden Geschlechtern mit zunehmendem Alter ansteigt. Am wenigsten
Obst verzehren die 19- bis 24-jährigen Männer und Frauen. Jedoch konsumieren
Drucksache 17/3808 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodenach Ergebnissen des telefonischen Gesundheitssurveys des RKI (GEDA10)
49 Prozent der Männer und 71 Prozent der Frauen der Altersgruppe 18 bis
29 Jahre täglich Obst oder täglich Gemüse.
18. Welchen Stellenwert misst die Bundesregierung in diesem
Zusammenhang dem EU-Schulobstprogramm bei?
Aus welchem Grund hat sich die Bundesregierung in Arbeitstreffen für
die Kürzung der Mittel für das EU-Schulobstprogramm ausgesprochen?
Die Bundesregierung begrüßt das EU-Schulobstprogramm, da es ein Schritt zur
Verhaltensänderung ist und zu einem erhöhten Obst- und Gemüsekonsum
beitragen kann. Dies wurde durch das im Auftrag des BMELV vom Verein
5 am Tag durchgeführte Pilotprojekt Schulfrucht bestätigt. Die
Bundesregierung hat sich in keinem Arbeitstreffen für die Kürzung der Mittel für das EU-
Schulobstprogramm ausgesprochen.
19. Wurde das Ziel, in 30 Prozent mehr Einrichtungen der
Gemeinschaftsverpflegung „gesunde“ Mahlzeiten anzubieten, erreicht
(Vergleichszahlen 2007 gegenüber 2010)?
Nach welchen Kriterien wurde und wird in diesem Zusammenhang
„gesund“ definiert?
Wenn nein, warum nicht, und welche Maßnahmen plant die
Bundesregierung, um dieses Ziel noch zu erreichen?
Die von der Bundesregierung verwendete Definition einer
gesundheitsförderlichen Ernährung entspricht der vollwertigen Ernährung der DGE e. V.
Erhebungen über die Anzahl aller Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung in
Deutschland liegen nicht vor. Quantitative Aussagen über die Qualität der
dortigen Angebote können daher ebenfalls nicht getroffen werden. Unstrittig ist
jedoch, dass die Qualität der derzeitigen Angebote in vielen Fällen nicht den
Kriterien einer vollwertigen Ernährung entspricht.
Das BMELV hat deshalb im Rahmen des Nationalen Aktionsplans „IN FORM –
Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ die DGE
beauftragt, zusammen mit Expertinnen und Experten für die
Gemeinschaftsverpflegung, in den Bereichen Kindertagesstätten, Schulen, stationären
Senioreneinrichtungen, Betriebsrestaurants und Essen auf Rädern Qualitätsstandards zu
entwickeln, an denen sich die jeweiligen Anbieter orientieren können. Diese
Standards liegen inzwischen vor. Es ist ebenfalls die Möglichkeit einer
Zertifizierung vorgesehen, um damit auch nach außen die Angebotsqualität zu
dokumentieren. Durch diese Maßnahmen wurde die Grundlage für eine qualitative
Verbesserung der Gemeinschaftsverpflegung geschaffen, die Umsetzung liegt
nun in den Händen der zuständigen Einrichtungen und Anbieter.
20. Welche der in der Badenweiler Erklärung unter Punkt 3 genannten
strukturellen Veränderungen hat die Bundesregierung wie umgesetzt
Die so genannte Badenweiler Erklärung ist das Ergebnis der im Rahmen der
deutschen EU-Ratspräsidentschaft durchgeführten Konferenz „Gesundheitliche
Prävention. Ernährung und Bewegung – Schlüssel für mehr Lebensqualität“,
25. bis 27. Februar 2007 in Badenweiler. In dem Memorandum werden
Ernährung und Bewegung als wesentliche Elemente eines gesunden Lebensstils
postuliert.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/3808a) Förderung einer gesundheitsfördernden Verpflegung und von
Bewegungsmöglichkeiten in Kindertageseinrichtungen,
Nach § 83 Absatz 1 des Sozialgesetzbuchs VIII (SGB VIII) ist es Aufgabe des
Bundes, die Tätigkeit der Jugendhilfe anzuregen und zu fördern. Die
Bundesregierung unterstützt die Länder und Kommunen bei der Implementierung der
in den Bildungsplänen der Länder festgeschriebenen Bildungsbereiche
„Gesundheit und Bewegung“ mit zahlreichen Maßnahmen. So sind u. a. im Jahr 2009
mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend (BMFSFJ) die von der Sarah Wiener-Stiftung für Schulen erarbeiteten
und bereits praktisch eingesetzten Module im Sinne einer frühzeitigen
Prävention auch auf Weiterbildungen zur frühkindlichen Ernährungsbildung von
Erzieherinnen und Erziehern aus 100 Kindertageseinrichtungen übertragen und
umgesetzt worden (Finanzvolumen insgesamt 30 000 Euro).
Das IN FORM-Projekt „FIT KID – Die gesund-Essen-Aktion für Kitas“
verbessert die Verpflegung in Kindertageseinrichtungen. Als Grundlage dienen die
von der DGE im Auftrag des BMELV erstellten „Qualitätsstandards für die
Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder“. Ergänzend hierzu werden
Informationsveranstaltungen, Tagungen und Fortbildungen zu gesunder
Ernährung und den Qualitätsstandards über die DGE und die Verbraucherzentralen
angeboten.
Mit dem Modellprojekt „gesunde kitas – starke kinder“ der Plattform
Ernährung und Bewegung e. V. (peb) wurden ca. 50 Kindertagesstätten vor Ort bei
der Entwicklung individueller Praxiskonzepte unterstützt. Im Zusammenwirken
von Familien, Kindern, pädagogischen Fachkräften, Trägern,
Fachverwaltungen und örtlichen Netzwerkpartnern wurden die Themen gesunde Ernährung,
Bewegung und Entspannung in die alltägliche Bildungs- und Erziehungsarbeit
der Kindertagesstätten integriert.
b) Förderung einer gesundheitsfördernden Verpflegung und von
Bewegungsmöglichkeiten in Schulen,
Mit den im Rahmen von IN FORM von der DGE e. V. erarbeiteten
Qualitätsstandards für die Schulverpflegung liegen erstmals wissenschaftlich gesicherte
und unter Einbeziehung der Praxis erarbeitete bundesweite Standards für eine
gesundheitsfördernde Verpflegung in Schulen vor. Mithilfe der von Bund und
Ländern finanzierten „Vernetzungsstellen Schulverpflegung“ werden diese
Standards in allen 16 Ländern bei den für die Schulverpflegung
verantwortlichen Stellen bekannt gemacht und Unterstützung bei der praktischen
Umsetzung geleistet. Wichtigstes Ergebnis dieser Arbeit ist ein erkennbar gesteigertes
Bewusstsein für die Bedeutung einer gesundheitsfördernden Verpflegung in
Schulen.
Die Förderung einer gesundheitsfördernden Verpflegung und von
Bewegungsmöglichkeiten in Schulen ist ein zentraler Baustein der Aktionen „TUT MIR
GUT“ und „GUT DRAUF“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(BZgA), einer Behörde im Geschäftsbereich des BMG. Sie richten sich an
Kinder und Jugendliche von 5 bis 18 Jahren. Die Schaffung gesunder
Rahmenbedingungen bezieht sich dabei nicht nur auf Schulen, sondern auch auf
Sportvereine, Jugendreisen, Jugendzentren und Ausbildungsbetriebe. Im Rahmen
dieses Konzepts wird derzeit bundesweit mit etwa 800 Einrichtungen
zusammengearbeitet.
Im Rahmen des Programms „Forschung an Fachhochschulen“ fördert das
BMBF ein Projekt zur gesunden Schulverpflegung in der Praxis. Ziel ist die
Entwicklung eines Dienstleistungskonzepts als vernetzte Strategie von Schul-
Drucksache 17/3808 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeverpflegung, Ernährungsausbildung und Gesundheitsförderung für
Dienstleister im Schnittfeld zwischen Schule, Caterer und Lebensmittelerzeugern.
c) Förderung einer gesundheitsfördernden Verpflegung und von
Bewegungsmöglichkeiten im Arbeitsalltag,
Zur Verbesserung der Verpflegung in Betriebsrestaurants wurde das IN FORM-
Projekt „JOB&FIT – mit Genuss zum Erfolg“ initiiert. Teil dieses Projekts sind
die bundesweiten „Qualitätsstandards für die Betriebsverpflegung“. Außerdem
führt die DGE e. V. Informationsveranstaltungen, Tagungen und Fortbildungen
zu gesunder Ernährung und den Qualitätsstandards durch und bietet
Beratungen von Unternehmen und Betriebskantinen zur Umsetzung der Standards an.
Mittlerweile wenden bundesweit bereits Betriebsrestaurants die Standards an.
Auf der Webseite
www.jobundfit.de werden zudem zahlreiche Informationen
für Fachkräfte, eine Datenbank mit Rezepten für ein gesundes Essensangebot,
aber auch Tipps für eine gesunde Ernährung im Berufsalltag für
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angeboten.
d) Änderung bei den Lerninhalten in Bildungsstätten,
Es wird auf die Antwort zu Frage 20b sowie auf die Antworten zu den
Fragen 11 und 12 verwiesen.
e) Berücksichtigung von Bewegungsaspekten bei der Städteplanung und
bei Bauvorhaben?
Städte und Stadtquartiere müssen als Lebens- und Wohnbereiche, insbesondere
für Familien und ältere Menschen, gestärkt werden. Dazu gehört insbesondere
eine attraktive Gestaltung des Wohnumfeldes. Im Rahmen der
Städtebauförderung fördert der Bund daher auch städtebauliche Maßnahmen zur Verbesserung
des Wohnumfeldes und des öffentlichen Raumes sowie der sozialen
Infrastruktur und des Freiflächen- und Spielangebots. Darüber hinaus ist in der zwischen
Bund und Ländern jährlich abzuschließenden Verwaltungsvereinbarung zur
Städtebauförderung seit 2007 verankert, dass die Finanzhilfen im Rahmen der
integrierten Stadtentwicklung auch zur barrierefreien Gestaltung des
Wohnumfeldes in den Förderquartieren eingesetzt werden können.
Der Bundesgesetzgeber hat die „allgemeinen Anforderungen an gesunde
Wohn- und Arbeitsverhältnisse“ in den Katalog der in § 1 Absatz 6
Baugesetzbuch (BauGB) aufgeführten Belange aufgenommen, die bei der Aufstellung
von Bauleitplänen zu berücksichtigen sind.
Ausdrücklich hervorgehoben werden in Nummer 3 dieser Vorschrift auch die
Belange des Sports. Im Übrigen sind für die Bauleitplanung nach der
Kompetenzverteilung des Grundgesetzes die Kommunen zuständig.
21. Welche Maßnahmen sind für das Jahr 2011, 2012 und 2013 insgesamt zur
Übergewichtsreduktion und -prävention geplant?
22. Welche Projekte wurden mit dem Nationalen Aktionsplan Ernährung mit
welchem Ergebnis gefördert (tabellarische Übersicht mit Projekttitel,
Zielsetzung, Fördervolumen, Träger und Ergebnis)?
Die Fragen 21 und 22 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Prävention von Fehlernährung,
Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/3808„IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr
Bewegung“ werden seit 2008 eine Reihe von Vorhaben und Maßnahmen der
federführenden Bundesministerien BMG und BMELV gefördert. Dabei werden auch
vorhandene Angebote und Strukturen genutzt und vernetzt, um aufzuzeigen,
wie Menschen in allen Altersgruppen und Lebenslagen zu einem gesünderen
Lebensstil in Eigenverantwortung motiviert werden können.
Es standen im Wesentlichen folgende Schwerpunkte bei den über 100
Vorhaben, die im Rahmen des Nationalen Aktionsplans durchgeführt worden sind
bzw. noch laufen, im Vordergrund:
● Die Vernetzung von vorhandenen lokalen bzw. kommunalen Initiativen, um
anknüpfend an vorhandene Vorhaben flächendeckende Strukturen
aufzubauen und um Gesundheitsförderung und Prävention einschließlich der
Vorbeugung von Übergewicht nachhaltig anzustoßen und zu etablieren.
● Eine bessere Koordinierung auf Landesebene in den Bereichen Ernährung
und Bewegung.
● Die Bearbeitung von besonderen Aspekten in Modellprojekten wie die
Erreichung von Zielgruppen, Erprobung von verschiedenen einfachen
Zugangswegen und die Sicherung der Qualität von Angeboten.
● Die Entwicklung und Erprobung von Methoden und Netzwerkstrukturen zur
Vorbeugung von Übergewicht bei Kindern, insbesondere auch für schwer
erreichbare Kinder und Familien.
● Die Entwicklung und Verbreitung von Qualitätsstandards für alle Bereiche
der Außer-Haus-Verpflegung, um in diesem ständig wachsenden Bereich die
gesunde Wahl zu erleichtern.
● Die Entwicklung und Verbreitung von Bausteinen und Anreizen zur
Ernährungsbildung für Kinder und Jugendliche sowie von gesicherten
Ernährungsinformationen für Familien, Berufstätige und Senioren bzw.
Seniorinnen.
Eine Vielzahl von Maßnahmen werden im Rahmen des Nationalen
Aktionsplans durchgeführt, die zu einer Verbesserung der Information, der Bildung und
des Verhaltens für eine gesunde Ernährung und ausreichender Bewegung
beitragen. Ein großer Teil dieser Maßnahmen setzt in Kindertagesstätten und
Schulen an, da ein gesundheitsförderlicher Lebensstil möglichst früh erlernt
werden sollte. So wurde das „Netzwerk Junge Familie“ gegründet, in dem alle
Gruppen, die viel Kontakt zu jungen Familien haben (vor allem Hebammen,
Kinder- und Frauenärztinnen und -ärzte), zusammenarbeiten, um sich auf
einheitliche Handlungsempfehlungen im Bereich Ernährung zu verständigen und
diese an die Familien zu kommunizieren. In einem ersten Schritt hat sich das
Netzwerk auf gemeinsame Handlungsempfehlungen für Säuglinge und
stillende Mütter verständigt. Auf dieser Basis werden entsprechende
Informationsmaterialien erarbeitet bzw. vorhandene angepasst, die dann vor allem über die
Netzwerkpartner – insbesondere auch im Rahmen von Beratungsgesprächen –
an die Familien weitergegeben werden. In einem zweiten Schritt werden derzeit
die Handlungsempfehlungen für Schwangere abgestimmt.
Mit dem Förderschwerpunkt „Aktionsbündnisse gesunde Lebensstile und
Lebenswelten“ werden in elf Vorhaben tragfähige Kooperationen durch die
Vernetzung bestehender Aktivitäten beispielsweise in Kindertagesstätten, Schulen,
Vereinen, Senioreneinrichtungen und Stadtteilen ausgebaut und dauerhaft
verankert. So wurden z. B. Qualifizierungen von Gesundheitsteams an Schulen,
die Verbindung von Schulsport mit den Angeboten von Vereinen oder die
Gestaltung eines bewegungsfreundlichen Umfelds mit einfachen Mitteln
erprobt. Die Erfahrungen werden derzeit ausgewertet und anschließend allen
Interessierten zugängig gemacht.
Drucksache 17/3808 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeUm Alltagsbewegung als Teil von Gesundheitsförderung breit zu verankern,
sind 16 Zentren zur Bewegungsförderung in den Ländern im März 2009
eingerichtet worden.
Zur Sicherung der Nachhaltigkeit sind diese vorwiegend bei den
Landesvereinigungen für Gesundheit angesiedelt. Diese Zentren vernetzen bestehende
Aktivitäten auf Länderebene, machen gute Praxisbeispiele bekannt und stehen
als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung. Vorrangig werden ältere
Menschen in ihrem Lebensumfeld angesprochen und zu mehr Alltagsbewegung
motiviert z. B. mittels Vereinbarungen mit Senioreneinrichtungen und
Sportvereinen, Verabredungen mit Wohnungsbaugesellschaften zur Nutzung von
Räumen und Flächen sowie gemeinsamen Aktivitäten (wie Kochen mit
anschließendem Spaziergang). Es wurden Kooperationen, z. B. mit den
Landessportbünden, geschlossen, die eine Kontinuität der Einrichtungen
gewährleisten. Die Länder unterstützen grundsätzlich die Zentren für
Bewegungsförderung.
Mit unterschiedlichen Modellprojekten werden einzelne Zielgruppen
angesprochen, einfache Zugangswege erprobt, übergeordnete Fragestellungen bearbeitet
und konkrete Veränderungen in den Lebenswelten wie Kindertagesstätten,
Schulen und Betrieben aufgegriffen. Diese Vorhaben verstehen sich als
Initialmaßnahmen, die von den jeweiligen Akteuren übernommen und selbstständig
weitergeführt werden. So wurde ein Ausbildungsprogramm zur Qualifizierung
so genannter Gesundheitswanderführer und -führerinnen entwickelt, das
zwischenzeitlich vom Deutschen Wanderverband umgesetzt wird. Der
Deutsche Olympische Sportbund führt Migrantinnen, die zu den bewegungsarmen
Gruppen gehören, mit gesundheitlichen Angeboten an den Sport heran. In
verschiedenen Vorhaben wird die Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit durch die
Erstellung von Modulen, Handlungsempfehlungen und
Multiplikatorenschulung sichergestellt. Derzeit wird eine internetgestützte Toolbox zur
Qualitätssicherung für Praxisprojekte erstellt, um die Arbeit vor Ort zu erleichtern und
die Zielerreichung sicherzustellen.
Kinder, Jugendliche und ihre Familien sind Zielgruppe der Maßnahmen „Joschi
hat’s drauf“ und „Ess-Kult-Tour“ ,die von den Verbraucherzentralen
durchgeführt werden, des Projekts der Plattform Ernährung und Bewegung „gesunde
Kitas – starke Kinder“, der „Qualitätsstandards für die Verpflegung in
Tageseinrichtungen für Kinder“ sowie der „Qualitätsstandards für die
Schulverpflegung“. Diese Maßnahmen beinhalten auch Module zur Information und
Motivation der Eltern und Familien. Die Bekanntmachung und Umsetzung dieser
Qualitätsstandards unter Einbeziehung aller damit befassten Personengruppen,
also auch Lehrerschaft, Eltern, Kinder sowie Schülerinnen und Schüler, ist
Aufgabe der von Bund und Ländern getragenen „Vernetzungsstellen
Schulverpflegung“, in einigen Ländern auch „Vernetzungsstellen Kita- und
Schulverpflegung“.
Den „aid-Ernährungsführerschein“, ein Unterrichtskonzept für Drittklässler mit
besonderer Betonung des praktischen Lernens, haben bereits mehr als 350 000
Kinder erworben. Das kürzlich vorgelegte Modul für die 5. und 6. Klassen
„SchmeXperten“ wird bereits intensiv von den Schulen angefordert.
Ziel des Projekts „Küchen für Deutschlands Schulen“ ist es, das Thema
„Gesunde Ernährung und Kochen“ im Schulalltag von Kindern und Jugendlichen
zu verankern. Partner sind das BMELV, der Fernsehkoch Tim Mälzer, die
Bertelsmann Stiftung sowie als Sponsor der Küchenhersteller Nolte.
Auch im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau werden
mehrere Projekte mit dem Ziel einer gesunden Ernährung von Kindern gefördert.
So z. B. die Informationskampagne „Bio kann jeder“ für Schulen und
Vorschuleinrichtungen, der Schülerwettbewerb „Bio find ich kuh-l“, „Bio für die junge
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/3808Generation“ oder „Öko-Landbau zum Anfassen“. Darüber hinaus werden mit
den Elternkalendern Informationen über eine gesunde Ernährung unter
Einbeziehung von Bioprodukten vermittelt. Außerdem wurden Schulmaterialien
zum Ökologischen Landbau zur Produktion von Lebensmitteln und zur
bewussten Ernährung erarbeitet.
Das Modellvorhaben „Schulmilch im Fokus“ soll Möglichkeiten zur Anregung
des Milchverbrauchs bei Schülerinnen und Schülern in Grundschulen ermitteln.
Ein Modul dieses Vorhabens beinhaltet auch Informationen an Schülerinnen
bzw. Schüler und Eltern über ausgewogene Ernährung.
Mit „IN FORM on Tour“ steuert die Bundesregierung das Modul zur
Ernährungsinformation für die deutschlandweite Tour der von verschiedenen Trägern
getragenen Aktion „Deutschland bewegt sich“ bei. Hierbei werden im Rahmen
von Aktionen auf öffentlichen Plätzen (häufig verbunden mit entsprechenden
Aktivitäten in Schulen und/oder Kindertagesstätten) Familien in
zielgruppengerechter Weise über ausgewogene Ernährung informiert.
Ausführliche Informationen zu den vorgestellten sowie weiteren Aktivitäten
finden sich auch auf der Internetseite
www.in-form.de. Als Ergebnisse liegen
bereits verschiedene Berichte, Materialien und Broschüren vor.
Für den Nationalen Aktionsplan stehen in den Jahren 2008 bis 2010 im BMG
und im BMELV jährlich jeweils 5 Mio. Euro (bzw. im BMG 4,5 Mio. Euro für
das Jahr 2010) zur Verfügung. In den Folgejahren wird es u. a. darum gehen,
erfolgreiche Projekte noch stärker in die Breite zu tragen.
Darüber hinaus wird die Förderung der beiden krankheitsbezogenen
Kompetenznetze Diabetes und Adipositas beim Gesundheitsforschungsprogramm der
Bundesregierung fortgesetzt. Zudem wird das neue
Gesundheitsforschungsprogramm in den nächsten Jahren mit einem eigenen Aktionsfeld einen
Schwerpunkt auf die Präventions- und Ernährungsforschung legen.
Beim Ausbau der Kinderbetreuung in guter Qualität ist ein besonders wichtiger
Aspekt die Erhaltung und Förderung der kindlichen Gesundheit. Standards für
die Gesundheitsförderung sind in multidisziplinärer Zusammenarbeit auf der
Basis wissenschaftlicher Evidenz und bewährter Praxis zu entwickeln. Diese
Standards sollen mit den Ländern, Kommunen und unterschiedlichen
Fachdisziplinen abgestimmt und in einem Curriculum Gesundheitsförderung in die
Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen, Erziehern und
Tagespflegepersonen sowie in den Alltag der Kindertagesbetreuung eingeführt werden. Das
BMFSFJ lässt hierfür in den Jahren 2010 bis 2012 von der Stiftung
Kindergesundheit ein „Curriculum Gesundheitsförderung für Kinder unter drei Jahren in
der Kindertagesbetreuung“ erarbeiten (Finanzvolumen insgesamt 498 000
Euro).
23. Welche Ergebnisse gibt es aus den Projekten der Plattform Ernährung
und Bewegung e. V. (peb)?
Wie gedenkt die Bundesregierung die weitere Zusammenarbeit mit peb
auszugestalten?
24. Welche Projekte werden auch in den Jahren 2011, 2012 und 2013
gefördert werden?
Die Fragen 23 und 24 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Ergebnisse lassen sich aus den vom BMELV geförderten und bereits
abgeschlossenen Projekten der Plattform Ernährung und Bewegung e. V. (peb)
ableiten: „Regionen mit peb“, „Junge Eltern“ und „Gesunde kitas – starke kinder“.
Drucksache 17/3808 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeMit „Regionen mit peb“ wurden lokale und regionale Netzwerke der
Gesundheitsförderung (Übergewichtsprävention) unterstützt und Strukturen vor Ort
aufgebaut und gestärkt. Diese Arbeiten werden mit neuen Schwerpunkten
(Schaffung eines bundesweiten Forums lokaler Netzwerke) fortgeführt. Die
Förderung des neuen Projekts „Regionen mit peb II“ läuft von 2010 bis 2013.
Mit dem Projekt „Junge Eltern“ wurden u. a. Ergebnisse zum Ernährungs- und
Bewegungsverhalten in jungen Familien ermittelt. Diese können als Grundlage
in weitere BMELV-Projekte einfließen. Ein neues peb-Projekt „Junge Eltern“
befindet sich im Antragsverfahren.
Das Modell-Projekt „gesunde kitas – starke kinder“ lieferte Erkenntnisse über
die Integration von ausgewogener Ernährung, Bewegung und Entspannung in
den Alltag von Kindertagesstätten. Ein Handbuch mit den Ergebnissen soll in
Kürze veröffentlicht werden.
BMELV und peb sind weiterhin im engen Dialog, so z. B. zu neuen
Projektideen. Darüber hinaus ist peb sowohl Mitglied der Steuerungsgruppe von
IN FORM als auch der Lenkungsgruppe des Projekts „Gesund ins Leben –
Netzwerk junge Familie“.
25. Welche Träger haben die besten Erfolge vorzuweisen?
Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Maßnahmen und Projekten von
Bund, Ländern, Kommunen und der Zivilgesellschaft, die Unterstützung von
Verhaltensänderungen durch Informationen und Motivationen sowie durch die
Weiterentwicklung gesundheitsförderlicher Strukturen bieten. Insofern gibt es
auch eine Vielzahl von Trägern. Dies ist grundsätzlich positiv zu bewerten, da
damit die verschiedenen Gruppen erreicht werden können. Eine pauschale
Aussage zum generellen Erfolg einzelner Träger ist daher nicht möglich.
Um mehr über die Effekte der Adipositastherapie zu erfahren, wurde von der
BZgA in den Jahren 2004/2005 eine Versorgungsstudie durchgeführt, die den
aktuellen Versorgungsstatus mit Behandlungsangeboten ermittelt. Darüber
hinaus startete ebenfalls im Auftrag der BZgA im Jahr 2005 eine multizentrische
Beobachtungsstudie, die den derzeitigen Stand der Adipositasbehandlung im
Kindes- und Jugendalter in Deutschland beschreibt. Beide Studien zeigen, dass
es sehr unterschiedliche Angebote in Deutschland gibt, die in
unterschiedlichem Maße Qualität und Effekte aufweisen. Die Auswertung der Daten ist
noch nicht abgeschlossen, eine differenzierte Darstellung kann erst zu einem
späteren Zeitpunkt erfolgen.
26. Welche Projektansätze sind am besten geeignet, den Trend zum
Übergewicht zu stoppen?
Übergewicht und Adipositas haben viele Ursachen, insofern hat sich kein
einzelner Projektansatz als umfassend und für den überwiegenden Teil der
Betroffenen als langfristig wirksam erwiesen. Dies ist auch zukünftig nicht zu
erwarten.
Weiterhin werden verschiedene Ansätze der Verhaltens- und
Verhältnisprävention verfolgt werden müssen, die auf eine bevölkerungsweite Verbesserung des
Ernährungs- und Bewegungsverhaltens einschließlich einer ausgeglichenen
Energiebilanz abzielen. Die Maßnahmen und Programme im Rahmen des
Nationalen Aktionsplans IN FORM werden evaluiert, um darauf aufbauend
Empfehlungen und Handlungsleitlinien für erfolgreiche Maßnahmen zu entwickeln
und gute Praxisbeispiele zur Prävention von Übergewicht bekannt zu machen
und in die Breite zu tragen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 17 – Drucksache 17/3808Im Rahmen einer Arbeitsgruppe der BZgA wurden Qualitätskriterien für die
Prävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen auf Basis der
besten verfügbaren Evidenz formuliert und ein wissenschaftlicher
Expertenkonsens hergestellt. Danach gelten insbesondere Maßnahmen mit einer
wissenschaftlichen Fundierung, einem strukturierten Vorgehen, einem ganzheitlichen
Ansatz (Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung), der Berücksichtigung
von Verhaltens- und Verhältnisprävention sowie einem ressourcenstärkenden
und partizipativen Vorgehen als erfolgversprechend.
Es wird auch auf die Antwort zu Frage 25 verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]