[Deutscher Bundestag Drucksache 17/3987
17. Wahlperiode 29. 11. 2010 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Frithjof Schmidt, Kerstin Müller
(Köln), Ute Koczy, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN
– Drucksache 17/3764 –
Korruptionsvorwürfe gegen das Entwicklungshilfe-Unternehmen AGEF
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Afghanistan und Irak gelten als zwei der am stärksten von Korruption
befallenen Länder. Sie stehen im Korruptions-Wahrnehmungs-Index von
Transparency International auf dem drittletzten (176.) und viertletzten (175.) Platz.
Deutschland steht auf Platz 15 dieser Liste und die Bundesregierung hat gute
Regierungsführung und Korruptionsbekämpfung zu wichtigen Punkten ihrer
Afghanistan-Strategie erklärt.
Am 1. November 2010 berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ darüber,
dass das Berliner Entwicklungshilfe-Unternehmen AGEF (Arbeitsgruppe
Entwicklung und Fachkräfte im Bereich der Migration und der
Entwicklungszusammenarbeit) in Afghanistan mindestens 1 Mio. Euro aus Mitteln des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und
anderer öffentlicher Geldgeber unterschlagen haben soll. AGEF ist seit vielen
Jahren Durchführungsorganisation für Weiterbildungs- und
Reintegrationsprogramme der Bundesregierung und anderer europäischer Regierungen. Die
Schwerpunktgebiete der Projekte liegen in Afghanistan, im Irak und im
Kosovo. Insgesamt soll AGEF nach Angaben der „Neuen Osnabrücker
Zeitung“ allein im vergangenen Jahr 3,7 Mio. Euro für Projekte in Afghanistan
bekommen haben, wovon rund 1 Mio. Euro nicht in die Projekte geflossen
und auch nicht zurückbezahlt worden seien. Im Falle eines Programms zur
beruflichen Reintegration von Rückkehrern aus Deutschland „Return to
Employment in Afghanistan“ seien gar Empfängeridentitäten gefälscht worden.
Während in Kabul tatsächlich 34 Deutschland-Heimkehrer eine Förderung
bekommen hätten und dafür rund 39 000 Euro ausbezahlt worden seien, habe die
Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) nach Angaben der „Neuen
Osnabrücker Zeitung“ 361 050 Euro für 278 Rückkehrer an AGEF
überwiesen. Nach Angaben der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ werden von AGEF
keine separaten Länder- oder Projektkonten geführt, Verwendungsnachweise
für die Mittelverwendung seien gefälscht worden.
Neben der Rückkehrerintegration ist AGEF auch im Bereich
einkommensschaffender Maßnahmen für junge Erwachsene in ehemaligen Mohnanbauge- Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie
vom 25. November 2010 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/3987 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodebieten der Provinzen Badakhshan, Balkh und Takhar mit einem
Ausbildungsprogramm im Landwirtschaftssektor (Volumen: 1,1 Mio. Euro im Jahr 2010)
aktiv.
Die Bundesregierung stützt sich auch bei der Projektdurchführung im Irak
zum großen Teil auf die Dienste des Entwicklungshilfe-Unternehmens AGEF.
So werden auch dort seit mehreren Jahren Rückkehrerprogramme unter dem
Titel „Return to Employment in Iraq“ durchgeführt. Im Jahr 2009 wurde
AGEF damit beauftragt, Büros zur Vertretung deutscher Wirtschaftinteressen
im Irak aufzubauen. Mittlerweile existieren drei Vertretungen des
„Servicebüro Wirtschaft“ (Deutsches Wirtschaftsbüro Irak). Nach Angaben des
Auswärtigen Amts (www. auswaertiges-amt.de) wurde im Februar 2009 in
Bagdad ein „Servicebüro Wirtschaft“ eröffnet, das „deutschen und irakischen
Firmen ermöglichen soll, in einem nach wie vor schwierigen Umfeld
gemeinsame Geschäftsinteressen zu entwickeln und Möglichkeiten der Kooperation
zu eruieren. Seit Februar 2010 steht ein weiteres Büro im Norden Iraks, in
Erbil, für Interessenten zur Verfügung.“ Außerdem wurde kürzlich ein Büro in
Basra eröffnet. Laut einem Artikel „DIE ZEIT“ vom 28. Oktober 2010 soll
das deutsche Wirtschaftsbüro mittelständischen Unternehmen helfen,
Geschäfte im Irak einzufädeln. Effektive Kontaktaufnahme zwischen
Unternehmen hat es laut dem Leiter des Wirtschaftsbüros nicht gegeben. Das größte
Hindernis sei, so ein am Wirtschaftsbüro ansässiger Unternehmensvertreter im
Artikel „DIE ZEIT“, nicht die fehlende Sicherheit, sondern die Korruption.
Neben der Förderung von wirtschaftlicher Entwicklung sieht die
Bundesregierung einen Schwerpunkt ihrer Arbeit im Irak im Aufbau rechtsstaatlicher
Strukturen und guter Regierungsführung. Auch hier ist AGEF ein zentraler
Akteur bei der Durchführung der Projekte. So ist AGEF unter anderem damit
beauftragt, im Namen der Bundesregierung die Ausbildung von Richtern
sowie von Regierungs- und Verwaltungsbeamten im Rahmen eines „Leadership
Training Program“ durchzuführen. Nach eigenen Angaben von AGEF
(
www.agef.net) sollen „Durch Trainings- und Weiterbildungen für
Führungskräfte der irakischen Ministerien und Behörden sowie der regionalen
Verwaltungen, z. B. in Irakisch-Kurdistan […] deren Fähigkeiten dahingehend
verbessert werden, dass sie den verschiedenen fachlichen Anforderungen besser
gewachsen sind, Funktion und Mandat verantwortungsbewusst ausfüllen im
Sinne einer Good Governance und sowohl nach innen als auch nach außen
sicher und souverän agieren können.“
1. Wie bewertet die Bundesregierung die in der „Neuen Osnabrücker
Zeitung“ erhobenen Vorwürfe der Unterschlagung gegen das
Entwicklungshilfe-Unternehmen AGEF?
Die Bundesregierung nimmt die Vorwürfe sehr ernst und hat umgehend erste
Schritte zur Klärung der Angelegenheit eingeleitet. In diesem Rahmen hat auch
ein beauftragtes Wirtschaftsprüfungsunternehmen mit Prüfungen begonnen.
Aufgrund der laufenden Prüfungen ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine
Stellungnahme nicht möglich.
2. Geht die Bundesregierung davon aus, dass das Finanzgebahren des
Entwicklungshilfe-Unternehmens AGEF, insbesondere des Geschäftsführers,
bezüglich Transparenz und Nachprüfbarkeit tadellos ist?
Wenn ja, welche Anhaltspunkte gibt es dafür?
Siehe Antwort zu Frage 1.
3. Welche Projekte des Berliner Entwicklungshilfe-Unternehmens AGEF
werden bzw. wurden in Afghanistan, im Irak und in anderen Ländern in je-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/3987weils welcher Höhe derzeit und in der Vergangenheit durch die
Bundesregierung direkt oder indirekt mit deutschen Steuergeldern finanziert?
Aus welchen Titeln des Bundeshaushaltes stammen die Zuwendungen
jeweils?
Jahr Land Auftraggeber Titel Bezeichnung Zuwendung in
Euro
1999 weltweit BMZ/ZAV 2302/68641 Reintegrationsförderung 932 670 DM
KOS BMZ/ZAV 2302/68641 Sonderprogramm Kosovo 120 000 DM
weltweit BMZ/ZAV 2302/68641 Rückkehrerprogramm 567 818 DM
2000 weltweit BMZ/ZAV 2302/68641 Rückkehrerprogramm 252 991 DM
VIE BMZ/ZAV 2302/68641 Sonderprogramm Vietnam 62 125 DM
JUG BMZ/ZAV 6004/54704 Sonderprogramm Jugoslawien 5 590 000 DM
2001 KOS AA 2302/68712 Existenzgründerseminare 172 800
KOS AA 2302/68712 Lehrbaustelle und Bau eines
Gemeindezentrums für Roma
280 200
weltweit BMZ/ZAV 2302/685 08 Programm Rückkehrende Fachkräfte 436 549 DM
KOS BMZ/ZAV 2302/685 08 Stabilitätspakt Südosteuropa 7 742 118 DM
BMZ/ZAV 2302/685 08 EU-Analyse 176 024 DM
BMZ/ZAV 2302/685 08 Afghanistan-Analyse 155 019 DM
2002 AFG BMZ/ZAV 2302/68508 Return to Employment in Afghanistan
(REA)
1 525 000
BIH AA 0502/68729 Existenzgründerseminare 100 880
KOS AA 0502/68729 Existenzgründerseminare 111 080
KOS AA 0502/68729 Bildungszentrum für Erwachsene 249 954
BIH AA 0502/68729 Wiedereingliederungsmaßnahmen für
Soldaten
228 380
weltweit BMZ/ZAV 2302/68508 Programm Rückkehrende Fachkräfte 291 277
KOS BMZ/ZAV 2302/68508 Stabilitätspakt Südosteuropa 1 001 578
AFG BMZ/ZAV 2302/68508 Return to Employment in AFG 1 525 000
AFG BMZ/ZAV 2302/68508 Afghanistan-Analyse 52 372
2003 AFG BMZ/ZAV 2302/68508 Return to Employment in Afghanistan
(REA)
2 025 342
AFG BMZ/GTZ 2302/89603 Wirtschaftsreform und Marktwirtschaft 990 000
AFG BMZ/DEG 2302/86601 Existenzgründung 887 199
KOS AA 0502/68729 Existenzgründertraining und Förderung von
Minoritäten, Training und
Anschubfinanzierung
58 000
KOS AA 0502/68729 Berufliche Weiterbildung für benachteiligte
Gruppen im Kosovo im Bildungszentrum
für Erwachsene DAWIDAK
123 000
Drucksache 17/3987 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeSerbien AA 0502/68729 Etablierung von Minoritätenvertretern in
kommunalen Strukturen
34 000
weltweit BMZ/ZAV 2302/68508 Programm Rückkehrende Fachkräfte 312 507
KOS BMZ/ZAV 2302/68508 Sonderprogramm Kosovo 551 227
JUG BMZ/ZAV 2302/68508 SP Jugoslawien 201 400
AFG BMZ/ZAV 2302/68508 Afghanistan-Analyse 186 994
IRQ BMZ/ZAV 2302/68508 Analyse IRQ 153 000
2004 AFG BMZ/ZAV 2302/68508 Return to Employment in Afghanistan
(REA)
2 058 568
KOS AA 2302/89603 Existenzgründertraining und -förderung für
Minoritäten
67 000
KOS AA 2302/89603 Berufliche Bildung für benachteiligte
Gruppen im Bildungszentrum für Erwachsene in
der Beschäftigungsförderagentur DAWI-
DAK: arbeitsmarktbezogene
Kurzzeitausbildung. Praktika und Vermittlungsangebote
100 800
weltweit BMZ/ZAV 2302/68508 Programm Rückkehrende Fachkräfte 310 518
KOS BMZ/ZAV 2302/68508 Sonderprogramm Balkan 755 000
2005 AFG BMZ/ZAV 2302/68508 Return to Employment in Afghanistan
(REA)
2 002 220
KOS AA 2302/89603 Konfliktprävention durch wirtschaftliche
Einbindung von Minoritäten in Kosovo in
die Zivilgesellschaft
99 000
weltweit Programm Rückkehrende Fachkräfte 349 553
KOS BMZ/ZAV 2302/68508 Sonderprogramm Balkan 584 200
IRQ BMZ/ZAV 2302/68508 Return to Employment in IRQ 331 500
2006 AFG AA 2302/89603 Bau einer Uniformschneiderei 371 725
AFG AA 2302/89603 Werbekampagne Polizistinnen 30 000
AFG AA 2302/89603 Ausbildung afgh. Polizeikräfte zu Kfz-
Mechanikern
88 029
AFG AA 2302/89603 Ausbildung von Polizistenwitwen 40 606
AFG BMZ/ZAV 2302/68508 Return to Employment in Afghanistan
(REA)
1 662 332
AFG BMZ/DEG 2302/86601 Existenzgründung 40 800
KOS AA 2302/89603 Konfliktprävention für Minoritäten in
Kosovo - Runde Tische zu
Wirtschaftsintegration und Beschäftigung in vier
ausgewählten Modellregionen
67 672
KOS AA 2302/89603 Konfliktprävention durch wirtschaftliche
Einbindung von Minoritäten in Kosovo in
die Zivilgesellschaft, Teil II
12 733
Jahr Land Auftraggeber Titel Bezeichnung Zuwendung in
Euro
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/3987weltweit BMZ/ZAV 2302/68508 Programm Rückkehrende Fachkräfte 384 227
KOS BMZ/ZAV 2302/68508 Sonderprogramm Balkan 522 445
IRQ BMZ/ZAV 2302/68508 Return to Employment in IRQ 852 514
2007 AFG AA 2302/89603 Wiederaufbau einer Moschee 43 942
AFG AA 2302/89603 Drug Abuse Awareness Campaign 32 813
AFG AA 2302/89603 Ausbildung afgh. Polizeikräfte zu
Haushandwerkern
101 656
AFG AA 2302/89603 Terrorismusprävention unter Pashtunen 120 750
AFG AA 2302/89603 Ausbildung Polizistenwitwen 56 870
AFG AA 2302/89603 Ausbildung Polizeikräfte 203 187
AFG AA 2302/89603 Wiederaufbaumaßnahmen bei religiösen
Einrichtungen
43 942
AFG BMZ/ZAV 2302/68508 Return to Employment in Afghanistan
(REA)
1 534 477
weltweit BMZ/ZAV 2302/68508 Programm Rückkehrende Fachkräfte 447 754
IRQ BMZ/ZAV 2302/68508 Return to Employment in IRQ 796 390
2008 AFG AA 0502/68729 Katastrophenprävention 201 685
AFG BMZ/ZAV 2302/68508 Return to Employment in Afghanistan
(REA)
1 316 477
AFG AA 0502/68729 Beschäftigung contra Drogen 699 273
AFG AA 0502/68729 Terrorismusprävention 207 060
AFG AA 0502/68729 Drug Abuse Awareness Campaign 72 291
AFG AA 0502/68729 Ausbildung von Polizeikräften zu Kfz-
Mechanikern
248 250
weltweit BMZ/InWEnt 2302/68541 Alumniportal Deutschland (APD) 191 350
AFG AA 0502/68729 Ausbildung von Polizeikräften zu
Haushandwerkern
262 825
weltweit BMZ/ZAV 2302/68508 Programm Rückkehrende Fachkräfte 448 946
IRQ BMZ/ZAV 2302/68508 Return to Employment in IRQ 795 960
Jahr Land Auftraggeber Titel Bezeichnung Zuwendung in
Euro
Drucksache 17/3987 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode2009 AFG AA 0502/68729 Katastrophenvorsorge 245 610
AFG AA 0502/68729 Terrorismusprävention 397 162
weltweit BMZ/InWEnt 2302/68541 Alumniportal Deutschland (APD) 300 000
AFG AA 0502/68729 Beschäftigung contra Drogen 1 491 053
AFG BMZ/GTZ 2302/68508 Return to Employment in Afghanistan
(REA)
1 246 309
IRQ AA 0502/68774 Führungskräftetraining Irak 1 952 890
IRQ AA 0502/68774 Servicebüro Wirtschaft Irak 636 185
IRQ BMWi 0902/68780 Einrichtung und Betrieb Wirtschafts-
Informationsbüro Erbil
25 860
PAK AA 0502/68774 Beschäftigungsförderung zur
Terrorismusprävention
173 933
IRQ BMZ/GTZ 2302/68508 Return to Employment in IRQ 962 200
weltweit BMZ/GTZ/
ZAV
Programm Rückkehrende Fachkräfte 566 132
2010 AFG AA 0502/68729 Katastrophenvorsorge 253 530
AFG AA 0502/68729 Beschäftigung contra Drogen 1 096 211
AFG AA 0502/68729 Drug Abuse Awareness 74 600
AFG BMZ/GTZ 2302/68508 Return to Employment in Afghanistan
(REA)
952 650
weltweit BMZ/InWEnt 2302/68541 Alumniportal Deutschland (APD) 278 660
IRQ AA 0502/68729 Katastrophenvorsorge für kurdische
Bevölkerung in Suleymaniah und Dohuk
138 573
IRQ AA 0502/68774 Wirtschaftbüro Bagdad 741 900
IRQ AA 0502/68774 Führungskräftetraining Irak (Zielgruppe
hohe Beamte, Verwaltung)
1 309 175
IRQ BMWi 0902/68780 Einrichtung und Betrieb Wirtschafts-
Informationsbüro Erbil
Bis zu
362 855
MDG AA 0502/68729 Katastrophenvorsorge für Küstengemeinden
im Südosten Madagaskars
186 210
IRQ BMZ/GTZ/
ZAV
Return to Employment in IRQ 1 068 150
Jahr Land Auftraggeber Titel Bezeichnung Zuwendung in
Euro
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/3987Darüber hinaus wurden folgende Projekte durch das Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge (BAMF) aus EU-Mitteln an die AGEF gGmbH vergeben:
4. Was hat die Bundesregierung getan, um der mutmaßlichen Unterschlagung
von Steuergeldern durch das Entwicklungshilfe-Unternehmen AGEF in
Afghanistan vorzubeugen?
Die AGEF gGmbH erhält öffentliche Mittel als Zuwendungen, die den strengen
Bestimmungen des Zuwendungsrechts unterliegen. Hier ist detailliert geregelt,
dass die Gelder nur für den vom Zuwendungsgeber klar definierten Zweck
eingesetzt werden dürfen und deren Verwendung vom Zuwendungsgeber nach
einem vorgegebenen Verfahren zu kontrollieren ist. Hierzu gehört die
regelmäßige Vorlage von Zwischenberichten und Verwendungsnachweisen. Nach
Abschluss eines Projekts ist ein Verwendungsnachweis mit Sachbericht, einem
zahlenmäßigen Nachweis sowie einer tabellarischen Belegliste vorzulegen.
Dieser wird einem systematischen Prüfungsverfahren unterzogen
(Erfolgskontrolle), um festzustellen, ob und in welchem Ausmaß die angestrebten Ziele
Nr. Zeitraum Projekt Land Zuwendung Haushaltstitel
1 12/2006 bis
10/2008
„Kosovo Social Return Support
Network Projekt“, JLS/2005/
Return/011, Start-Up Workshops für
den Aufbau von Kleinbetrieben
von Rückkehrern
Republik Kosovo rd. 291 000 Euro 0602 – 27201
(EU-kofinanziert
aus „Return
Preparatory Actions
2005“, Vorläufer
des
Rückkehrfonds)
2 12/2008 bis
11/2011
Integrierte Rückkehrplanung und
Vernetzung (RF-Integ-Plan),
Qualifizierung von Rückkehrberatern
in Deutschland und deren
Vernetzung untereinander
Deutschland 471 660 Euro
(157 220 Euro/p. a.)
Europäischer
Rückkehrfonds
(ERF)
3 12/2004 bis
11/2005
Qualifizierungsmaßnahmen für
Kosovo und Serbien/Montenegro
Republik Kosovo,
Serbien/Montenegro
39 898 Euro Europäischer
Flüchtlingsfonds
(EFF)
4 12/2002 bis
12/2003
Nachbetreuung von Rückkehrern
im Herkunftsland
61 936,65 Euro EFF
5 12/2003 bis
12/2004
Nachbetreuung von Rückkehrern
im Herkunftsland
43 289,88 Euro EFF
6 10/2002 bis
09/2003
Förderung der Arbeitsaufnahme
und Existenzgründung für
freiwillige Rückkehrer nach Kosovo
Kosovo 147 452,50 Euro EFF
7 10/2002 bis
09/2003
Förderung der Arbeitsaufnahme
und Existenzgründung für
freiwillige Rückkehrer nach Kosovo
(inhaltlich eigenständiges Projekt)
Kosovo 146 465,72 Euro EFF
8 10/2002 bis
09/2003
Förderung der Arbeitsaufnahme
und Existenzgründung für
freiwillige Rückkehrer nach Bosnien-
Herzegowina
Bosnien-
Herzegowina
100 669,78 Euro EFF
9 01/2003 bis
12/2003
Programm Reintegrationshilfen
2003 für Bosnien-Herzegowina,
Serbien/Montenegro und Kosovo
des Landes Berlin
Bosnien-
Herzegowina, Serbien/
Montenegro und Kosovo
des Landes Berlin
274 792,13 Euro EFF
10 10/2003 bis
09/2004
Reintegrationsmaßnahmen für
Bosnien-Herzegowina, Serbien/
Montenegro und Kosovo
Bosnien-
Herzegowina, Serbien/
Montenegro und Kosovo
141 395,79 Euro EFF
Drucksache 17/3987 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodenach Abschluss einer Maßnahme erreicht wurden. Der Verwendungsnachweis
wird einer rechnerischen Prüfung unterzogen. Ergeben sich hieraus
Anhaltspunkte für finanzielle Unregelmäßigkeiten, wird vertieft geprüft.
Dieses Verfahren gilt auch für die AGEF gGmbH. In der Vergangenheit gab es
keine Hinweise, dass die AGEF gGmbH öffentliche Mittel nicht
ordnungsgemäß verwendet hat.
5. Welchen Bedarf hat die Bundesregierung im Jahr 2009 im Bereich
Rückkehrerintegration in Afghanistan und im Irak erhoben?
Welche Institution hat den Bedarf erhoben und die Umsetzung der
Reintegrationsprogramme verifiziert?
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) hat in beiden Fällen in 2008 die Programme „Return to Employment in
Afghanistan, REA“ und „Return to Employment in Iraq, REI“ um zwei Jahre
für 2009 und 2010 verlängert. Über diese Verlängerung ist auf Basis eines
Antrages der AGEF gGmbH auf Grund von Erfahrungen und Erkenntnissen des
BMZ in den betreffenden Ländern und der bisherigen Zusammenarbeit mit der
AGEF gGmbH entschieden worden. Als Beleg für den Bedarf kann auch
gelten, dass sich beim Deutschen Generalkonsulat in Erbil jede Woche mehrere
rückkehrbereite, in Deutschland ansässige irakische Kurden nach beruflichen
Möglichkeiten in der Region Kurdistan-Irak erkundigen.
Die zuwendungsrechtliche Kontrolle der Programme oblag bis einschließlich
2008 der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesanstalt für
Arbeit (ZAV) innerhalb der Arbeitsgemeinschaft CIM (Centrum für internationale
Migration und Entwicklung). Seit 2009 obliegt diese Kontrollpflicht der GTZ
in der Arbeitsgemeinschaft CIM.
6. Kann die Bundesregierung ausschließen, dass Vorwürfe, wie sie von der
„Neuen Osnabrücker Zeitung“ gegenüber dem Entwicklungshilfe-
Unternehmen AGEF für das Rückkehrerprojekt in Afghanistan erhoben werden,
für andere Projekte in Afghanistan, für die Projekte im Irak und in anderen
Ländern zutreffen?
Wenn nicht, warum?
Wenn ja, warum?
Die Bundesregierung kann derzeit nicht beurteilen, ob die in der „Neuen
Osnabrücker Zeitung“ aufgestellten Behauptungen auf Projekte in Afghanistan, Irak
oder in anderen Ländern zutreffen. Auf die Antwort zu den Fragen 1 und 4 wird
verwiesen.
7. Welche Evaluationsmaßnahmen hat die Bundesregierung für die Projekte
von dem Entwicklungshilfe-Unternehmen AGEF unternommen, nachdem
sich europäische Partner, namentlich Dänemark im Irak, aus den
Projektfinanzierungen von Rückkehrerprogrammen zurückgezogen haben, weil
Zweifel an der Qualität und Vertrauenswürdigkeit des Projektpartners
Entwicklungshilfe-Unternehmen AGEF aufgekommen waren?
Nach Kenntnis der Bundesregierung hat die AGEF gGbmH diverse Projekte im
Auftrag von anderen EU-Mitgliedstaaten durchgeführt bzw. führt diese noch
durch. Unter den Zuwendungsgebern befinden sich u. a. die Regierungen von
Großbritannien, Schweden und Dänemark. Nach Kenntnis der
Bundesregierung hat die Regierung von Dänemark ein Projekt im Bereich der Reintegra-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/3987tionsförderung aufgrund einer neuen Schwerpunktsetzung auslaufen lassen.
Angebliche Zweifel der dänischen Regierung an der Qualität und
Vertrauenswürdigkeit der AGEF gGmbH konnten auch nach Konsultation dänischer
Behörden von der Bundesregierung nicht bestätigt werden. Die Bundesregierung
hatte insofern keine Veranlassung, besondere Evaluationsmaßnahmen zu
ergreifen.
8. Welchen Evaluations- und Kontrollverfahren der Bundesregierung musste
sich das Entwicklungshilfe-Unternehmen AGEF unterziehen, und welchen
Kompetenznachweis musste das Unternehmen beibringen, bevor man es
mit der Ausbildung von Richtern und Regierungsbeamten und mit dem
Betrieb von Wirtschaftsbüros betraute?
Im Auftrag von diversen internationalen Auftraggebern entwickelt und
implementiert die AGEF gGmbH seit vielen Jahren Aus- und Fortbildungsprojekte in
Entwicklungs- und Schwellenländern – insbesondere in der Verknüpfung von
Arbeit, Bildung und Wirtschaft. Auf Basis dieser Erfahrungen war die AGEF
gGmbH eine der ersten internationalen Nichtregierungsorganisationen, die
nach 2003 Projekte für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Wiederaufbau in Irak durchführten – dies trotz teilweise schwierigster
Rahmenbedingungen.
Im Rahmen des von der Bundesregierung geförderten „Leadership Training
Programme“ werden seit 2009 im „European Technology and Training Center“
in Erbil Ministerialbeamte des höheren Dienstes (u. a. Richter und
Staatsanwälte) aus- und fortgebildet. Die von der AGEF gGmbH eingesetzten –
überwiegend deutschen – Dozentinnen und Dozenten sind durchgehend
hochqualifizierte Fachleute mit langer Berufserfahrung in ihren Fachgebieten. Im
Rahmen ihrer Möglichkeiten kontrolliert die Bundesregierung die Auswahl der
Dozenten. Mitarbeiter der deutschen Auslandsvertretungen in Bagdad und
Erbil begleiten und bewerten in regelmäßigen Abständen die Qualität von Aus-
und Fortbildungsmaßnahmen der AGEF gGmbH in Irak. Insbesondere das
„Leadership Training Programme“ fiel dabei durch eine hohe Qualität der
Dozenten und eine große Wertschätzung seitens der Teilnehmer auf.
Bezüglich der Evaluierungs- und Kontrollverfahren der Bundesregierung wird
auf die Antwort zu Frage 4 verwiesen. Im Übrigen wird auf die Antwort zu
Frage 9 verwiesen.
9. Aus welchem Grund wurde ein Entwicklungshilfe-Unternehmen wie
AGEF mit dem Betrieb von Büros betraut, die deutsche
Wirtschaftsinteressen vertreten sollen?
Welche Leistungen haben die Wirtschaftsbüros im Irak bisher effektiv
erbracht?
Um die krisenhafte Situation in Irak zu verbessern, müssen u. a. Möglichkeiten
zur wirtschaftlichen Entwicklung und Teilhabe der Bevölkerung an den
Ressourcen des Landes geschaffen werden. Der Aufbau von tragfähigen
wirtschaftlichen Strukturen hat daher in Irak unmittelbar konfliktlösende bzw.
krisenpräventive Wirkungen. Mit Blick auf die Situation in Irak im Jahr 2009
verfügte die AGEF gGmbH nach Einschätzung der Bundesregierung über gut
etablierte und geeignete örtliche Strukturen und Erfahrungen in diesem Land
(siehe auch Antwort zu Frage 8). Auch mangels anderer geeigneter ziviler
Partner- und Trägerstrukturen in Irak hat die Bundesregierung in enger Absprache
mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag die AGEF gGmbH mit
der Einrichtung und dem Betrieb des Wirtschafts-Informationsbüros Irak be-
Drucksache 17/3987 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodetraut. Das Wirtschafts-Informationsbüro Irak mit seinen Stellen in Bagdad
(inklusive der Außenstelle Basra) und Erbil berät und unterstützt interessierte
deutsche und irakische Unternehmen bei der Anbahnung von Geschäften und
informiert über mögliche Wirtschaftskontakte und Marktbedingungen.
10. Hat die Bundesregierung seit Bekanntwerden der mutmaßlichen
Unterschlagung von Projektmitteln noch Gelder an das Entwicklungshilfe-
Unternehmen AGEF ausbezahlt?
Wenn ja, aus welchem Titel, für welche Projekte, und in welcher Höhe?
Nein.
11. Gedenkt die Bundesregierung, zukünftig weiter mit dem
Entwicklungshilfe-Unternehmen AGEF zusammenzuarbeiten?
Wenn ja, in welchen Bereichen?
Die Bundesregierung wird auf Basis der Ergebnisse der derzeit laufenden
Prüfungen und Ermittlungen über das weitere Vorgehen entscheiden.
12. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung sonst aus den
Korruptionsvorwürfen gegen das Entwicklungshilfe-Unternehmen AGEF?
Siehe Antwort zu Frage 11.
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ISSN 0722-8333]