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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Zur Evaluation der Hypothese vom Laborunfall als Auslöser der Corona-Pandemie

(insgesamt 9 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

07.10.2024

Aktualisiert

16.10.2024

Deutscher BundestagDrucksache 20/1279509.09.2024

Zur Evaluation der Hypothese vom Laborunfall als Auslöser der Corona-Pandemie

der Abgeordneten Dr. Michael Kaufmann, Nicole Höchst, Dr. Götz Frömming, Martin Reichardt, Norbert Kleinwächter, Barbara Benkstein, Matthias Moosdorf und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Seit Beginn der Corona-Pandemie hält sich hartnäckig der Verdacht, SARS-CoV-2 sei nicht als Zoonose von einem Wildtier auf den Menschen übergegangen, sondern als Folge eines Laborunfalls in Wuhan freigesetzt worden (www.spiegel.de/wissenschaft/corona-forschende-halten-ursprung-im-labor-fuer-moeglich-a-b5b2c5d8-90b4-40a6-85ea-98b86e07fe27). Schnell legten sich Medien und staatliche Stellen im In- und Ausland jedoch darauf fest, diese Möglichkeit für äußerst unwahrscheinlich oder gar ausgeschlossen zu erklären (www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)30418-9/fulltext).

Insbesondere einige beharrliche Parlamentarier in den USA haben jedoch dafür gesorgt, dass diesem Verdacht weiter nachgegangen wurde (https://oversight.house.gov/release/hearing-wrap-up-suppression-of-the-lab-leak-hypothesis-was-not-based-in-science/). In der Folge kam das FBI zu dem Schluss, dass das Coronavirus höchstwahrscheinlich infolge eines möglichen Laborunfalls freigesetzt wurde. Auch das US-amerikanische Energieministerium geht mit einem niedrigen Grad der Gewissheit davon aus (www.zdf.de/nachrichten/panorama/corona-ursprung-labortheorie-usa-wuhan-china-100.html). Diese Annahme stützt sich sowohl auf Dokumente als auch auf wissenschaftliche Untersuchungen der Struktur des Coronavirus.

Erst kürzlich ist ein weiterer nach Ansicht der Fragesteller starker Beleg für die Laborhypothese gefunden worden. Im Rahmen des DEFUSE Project hatte die EcoHealth Alliance bereits im März 2018 Fördergeld in Höhe von rund 14 Mio. Euro beantragt, um laut Antrag in Wuhan an einer Modifikation des SARS-CoV zu arbeiten, die in vielen Details exakt dem später zur Pandemie gewordenen Coronavirus entspricht (https://s3.documentcloud.org/documents/21066966/defuse-proposal.pdf). Diese Information war laut übereinstimmenden Berichten US-amerikanischer Nachrichtensender bei Ausbruch der Corona-Pandemie insgesamt 15 verschiedenen Behörden der US-Regierung bekannt (www.hsgac.senate.gov/media/reps/icymi-dr-paul-pens-op-ed-for-fox-news-the-great-covid-cover-up-shocking-truth-about-wuhan-and-15-federal-agencies/).

In der Folge hat das US-amerikanische Department of Health and Human Services (HHS – Gesundheitsministerium) der EcoHealth Alliance Mitte Mai 2024 die Finanzierung entzogen (www.nature.com/articles/d41586-024-01460-3).

Ein Antrag der Fraktion der AfD (Bundestagsdrucksache 20/6992), in dem die Bundesregierung unter anderem aufgefordert wurde, der Frage nachzugehen, ob das Coronavirus in einem Labor bewusst gezüchtet wurde, wurde am 10. April 2024 mit den Stimmen aller anderen Fraktionen im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung abgelehnt (vgl. Bundestagsdrucksache 20/11362).

Im Lichte der sich nach Auffassung der Fragesteller immer weiter verdichtenden Hinweise, dass die Freisetzung des Coronavirus mit seinen extremen weltweiten Folgen und Schäden aufgrund menschlichen Versagens in einem Virenforschungslabor erfolgte, erscheint diese Haltung aller übrigen Fraktionen in den Augen der Fragesteller ebenso verantwortungslos und realitätsfern wie die grundsätzlich eher ablehnende Haltung der Bundesregierung in dieser Frage (www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/mythen-corona-ursprung-1750158).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen9

1

Hat die Bundesregierung bzw. haben die ihr unterstellten Behörden eigene Anstrengungen unternommen, um die Laborhypothese zur Entstehung des Coronavirus zu prüfen?

2

Hat die Bundesregierung bzw. haben die ihr unterstellten Behörden Informationen zu diesem Themenkomplex bei ausländischen Behörden oder Institutionen angefordert?

3

Wurde die Bundesregierung nach ihrer Kenntnis zur Frage des möglichen Ursprungs des Coronavirus in einem Labor von den US-amerikanischen Behörden umfassend und wahrheitsgemäß informiert?

Wenn ja, welche konkreten Informationen wurden zu welchem Zeitpunkt von welcher Behörde übermittelt (bitte auflisten), und welche Lageeinschätzung ergab sich ggf. für die Bundesregierung aus den übermittelten Informationen, und welche Schlüsse wurden daraus gezogen?

Wenn ja, waren darin auch nun vorliegende Erkenntnisse zur Forschung am Funktionszuwachs („gain-of-function“) von Coronaviren in Wuhan enthalten, welche Schlüsse hat die Bundesregierung seinerzeit ggf. daraus gezogen, was hat sie bewogen, die sog. Laborhypothese dennoch weiter als äußerst unwahrscheinlich darzustellen, und aus welchen Gründen hat die Bundesregierung diese Informationen nicht mit der Öffentlichkeit geteilt?

4

Sieht die Bundesregierung nach den nun vorliegenden Erkenntnissen Anlass zu der Annahme, dass ihr Informationen zum möglichen Ursprung von SARS-CoV-2 Coronavirus von den US-Bundesbehörden vorenthalten wurden?

Wenn ja, welche Konsequenzen gedenkt die Bundesregierung daraus zu ziehen?

Wenn nein, warum besteht nach Auffassung der Bundesregierung kein Anlass zu dieser Annahme (bitte begründen)?

5

Sieht die Bundesregierung nach den nun vorliegenden Erkenntnissen Anlass zu der Annahme, dass ihr Informationen zum möglichen Ursprung des Coronavirus von den chinesischen Behörden vorenthalten wurden?

Wenn ja, welche Konsequenzen gedenkt die Bundesregierung daraus zu ziehen?

Wenn nein, warum besteht nach Auffassung der Bundesregierung kein Anlass zu dieser Annahme (bitte begründen)?

6

Waren Vertreter der Bundesregierung, von Behörden des Bundes oder nach Kenntnis der Bundesregierung der Länder oder anderer deutscher Institutionen und Unternehmen in die Pandemieübung „Event 201“ im Oktober 2019 eingebunden?

Wurde die Bundesregierung oder wurden Behörden des Bundes oder nach Kenntnis der Bundesregierung der Länder über Ablauf und Ergebnisse von Event 201 informiert, und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt, und welche Informationen wurden übermittelt?

Sind die Ergebnisse von „Event 201“ in die Pandemieplanungen der Bundesregierung eingeflossen, und wenn ja, in welcher Form?

7

Ist die Bundesregierung bereit, im Lichte dieser neuen Informationen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) ihre bisherige ablehnende Haltung zur Möglichkeit, dass das Coronavirus in einem Labor entstanden ist, zu revidieren?

Wenn nein, warum nicht?

Wenn ja, wie gedenkt sie, die Öffentlichkeit darüber zu informieren?

8

Bestehen oder bestanden finanzielle, kooperative, personelle oder organisatorische Verbindungen zwischen der Bundesregierung oder ihr nachgeordneten Behörden und der Nichtregierungsorganisation (NGO) „EcoHealth Alliance“ seit deren Gründung, und wenn ja, welche (bitte nach Art und Inhalt der Verbindung, Namen des Gremiums, Jahr, gegebenenfalls Fördersumme und Haushaltstitel aufschlüsseln)?

9

Bestehen oder bestanden seit 2010 finanzielle, kooperative, personelle oder organisatorische Verbindungen zwischen der Bundesregierung oder ihr nachgeordneten Behörden und dem Wellcome Trust bzw. seinen Unterorganisationen, und wenn ja, welche (bitte nach Art und Inhalt der Verbindung, Namen des Gremiums, Jahr, gegebenenfalls Fördersumme und Haushaltstitel aufschlüsseln)?

Berlin, den 26. Juni 2024

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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