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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Sehr hohe Einkommen und Vermögen in Deutschland

(insgesamt 21 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Datum

12.09.2025

Aktualisiert

17.09.2025

Deutscher BundestagDrucksache 21/140929.08.2025

Sehr hohe Einkommen und Vermögen in Deutschland

der Abgeordneten Christian Görke, Janine Wissler, Doris Achelwilm, Dr. Dietmar Bartsch, Desiree Becker, Anne-Mieke Bremer, Jörg Cezanne, Agnes Conrad, Mirze Edis, Cem Ince, Cansin Köktürk, Tamara Mazzi, Pascal Meiser, Zada Salihović, Ines Schwerdtner, Isabelle Vandre, Sarah Vollath, Sascha Wagner, Anne Zerr und der Fraktion Die Linke

Vorbemerkung

Im Jahr 2021 gab es in Deutschland 34 509 Einkommensmillionäre und Einkommensmillionärinnen (www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Steuern/Lohnsteuer-Einkommensteuer/Tabellen/millionaere.html). Demgegenüber verdienen derzeit schätzungsweise 6,6 Mio. Menschen in Deutschland weniger als 13,90 Euro pro Stunde (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/07/PD25_256_62.html).

Im Jahr 2023 besaßen laut einer Haushaltsbefragung 10 Prozent der deutschen Haushalte 54 Prozent des Nettovermögens, während die untere Hälfte nur wenige Prozent des Vermögens besaß (https://publikationen.bundesbank.de/publikationen-de/berichte-studien/monatsberichte/monatsbericht-april-2025-954594?article=vermoegen-und-finanzen-privater-haushalte-in-deutschland-ergebnisse-der-vermoegensbefragung-2023--954598).

Im Jahr 2024 gab es laut dem jüngsten „Global Wealth Report“ der Boston Consulting Group (www.bcg.com/press/24june2025-globales-vermogen-steigt-um-vier-prozent-auf-512-billionen-us-dollar) in Deutschland geschätzte 3 900 Personen mit einem Vermögen über 100 Mio. US-Dollar, 500 mehr als im Vorjahr. Diese Personen konnten ihr Vermögen um 16 Prozent mehren und besaßen damit etwa 27 Prozent des gesamten Finanzvermögens in Deutschland. Auch die Zahl der Dollarmillionäre wächst hierzulande: Etwa 678 000 Personen besitzen derzeit mehr als 1 Mio. US-Dollar Finanzvermögen, etwa 65 000 Personen bzw. 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Dem entgegenstehen geschätzte 67 Mio. Personen in Deutschland, die zusammen nur 37 Prozent des Vermögens besitzen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen21

1

Sieht die Bundesregierung in der heutigen Verteilung der Einkommen beziehungsweise Vermögen in Deutschland ein Problem (bitte begründen)?

2

Welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung aus den Zahlen zur Vermögensverteilung und deren Entwicklung in Deutschland aus dem jüngsten „Global Wealth Report“ (siehe Vorbemerkung der Fragesteller; bitte antworten, ob positiv oder negativ, und begründen)?

3

Hält die Bundesregierung eine stärkere Gleichheit oder Ungleichheit bei den Einkommen der deutschen Bevölkerung gegenüber dem heutigen Stand für erstrebenswert (bitte begründen)?

4

Hält die Bundesregierung eine stärkere Gleichheit oder Ungleichheit bei den Vermögen in Deutschland gegenüber dem heutigen Stand für erstrebenswert (bitte begründen)?

5

Gibt es ein Maß, ab dem die Bundesregierung die Ungleichheit von Einkommen in Deutschland für untragbar oder problematisch hält, z. B. bei der Spreizung der Gehälter oder Einkommen allgemein oder für bestimmte Berufe (ggf. welches Maß genau)?

6

Gibt es ein Maß, ab dem die Bundesregierung die Ungleichheit von Vermögen in Deutschland für untragbar oder problematisch hält, z. B. in Gestalt des Gini-Koeffizienten (ggf. welches Maß genau)?

7

Kann die Bundesregierung – zumindest der Größenordnung nach – die Aussage einer Studie des „Netzwerks Steuergerechtigkeit“ bestätigen, der zufolge Männer ungefähr 71 Prozent der Milliardenvermögen in Deutschland besitzen, Frauen dagegen nur 29 Prozent (www.netzwerk-steuergerechtigkeit.de/wp-content/uploads/2025/03/Gender_Tax.pdf, S. 5)?

8

Ist bzw. wäre für die Bundesregierung eine so starke geschlechterspezifische Ungleichheit bei den Spitzenvermögen wie in der in Frage 7 genannten Studie des „Netzwerks Steuergerechtigkeit“ – oder eine ähnliche Größenordnung – mit der Gleichstellungsstrategie der Bundesregierung (siehe Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, S. 101) vereinbar (bitte begründen)?

9

Wie viele Einkommensmillionärinnen und Einkommensmillionäre gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren von 2011 bis 2023 in Deutschland (bitte nach Jahren und zusätzlich nach Einkommensarten aufschlüsseln)?

10

Wie viele Einkommensmillionärinnen und Einkommensmillionäre gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung aufgeschlüsselt nach Bundesländern und Einkommensarten (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?

11

Wie viele Einkommensmillionärinnen und Einkommensmillionäre gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren von 2011 bis 2023 jeweils in den Landkreisen und kreisfreien Städten (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?

12

Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils das höchste zu versteuernde Einkommen in den Jahren von 2011 bis 2023?

13

Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren von 2011 bis 2023 (bitte nach Jahren aufschlüsseln) die zu versteuernden Einkommen

a) insgesamt, und

b) aller Einkommensmillionäre bzw. Einkommensmillionärinnen?

14

Bei wie vielen der Einkommensmillionäre bzw. Einkommensmillionärinnen in Deutschland wurden nach Kenntnis der Bundesregierung durch die Finanzverwaltung Steuerprüfungen durchgeführt (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?

15

Wie viele der Einkommensmillionäre bzw. Einkommensmillionärinnen in Deutschland beziehen nach Kenntnis der Bundesregierung

a) ausschließlich oder

b) überwiegend

Kapitaleinkommen (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?

16

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung dazu vor, wie sich bei dem ungefähr 1 Prozent der Bevölkerung Deutschlands, das laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2023 seinen Lebensunterhalt überwiegend aus eigenem Vermögen, aus Kapitalerträgen oder Einkünften aus Vermietung und Verpachtung bestreitet (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/04/PD24_132_125.html), die entsprechenden Einkünfte im Detail gestalten, insbesondere

a) wie hoch die entsprechenden Vermögenseinkünfte im Schnitt sind (Mittelwert und Median)

b) wie sich die entsprechenden Einkünfte der Höhe nach verteilen (z. B. wie hoch die Einkünfte der reichsten 0,5 Prozent, 0,1 Prozent, 0,01 Prozent oder 0,001 Prozent sind) bzw.

c) wie sich die Einkunftsarten (eigenes Vermögen, Kapitalerträge oder Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung) prozentual insgesamt oder für bestimmte Untergruppen verteilen?

17

Wie groß sind nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittlichen Vermögenseinkommen der obersten 0,1 Prozent der Einkommensbezieher bzw. Einkommensbezieherinnen in Deutschland (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?

18

Welcher Anteil der Kapitaleinkommen entfällt nach Kenntnis der Bundesregierung (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)

a) auf das oberste 0,1 Prozent der Einkommensbezieher bzw. Einkommensbezieherinnen,

b) auf Einkommensmillionäre bzw. Einkommensmillionärinnen?

19

Wie viele Menschen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland, die keine Rentner bzw. Rentnerinnen sind und trotzdem nicht arbeiten müssen, weil sie aus ihren Kapital- bzw. Vermögenseinkommen leben können (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?

20

Wird die Bundesregierung vor dem Hintergrund ihrer Unterstützung für den Vorschlag der brasilianischen G20-Präsidentschaft für eine globale Milliardärssteuer (siehe Antwort der Bundesregierung zu Frage 34 der Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke auf Bundestagsdrucksache 21/908) in dieser Legislaturperiode einen Vorschlag für eine solche Steuer in Deutschland vorschlagen, wenn ja, wann, und wenn nein, warum nicht?

21

Was ist nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche effektive Steuersatz für Steuerpflichtige mit Einkommen

a) über 1 Mio. Euro,

b) über 10 Mio. Euro,

c) über 100 Mio. Euro bzw.

d) über 1 Mrd. Euro

(vor Steuer; bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?

Berlin, den 21. August 2025

Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion

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