Deutscher Bundestag Drucksache 21/4157
21. Wahlperiode 16.02.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ayse Asar, Dr. Andrea Lübcke,
Claudia Müller, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/3689 –
Umsetzung des Programms 1000-Köpfe-Plus bzw. der Global-Minds-Initiative
der Bundesregierung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In ihrer Antwort auf die Frage der Abgeordneten Ayse Asar vom 3. November
2025 zur Einbettung der Förderprogramme der Global-Minds-Initiative (bzw.
„Programm 1000 Köpfe Plus“) in die Hightech Agenda Deutschland (HTAD)
führt die Bundesregierung aus, die Initiative trage „zur Stärkung der deutschen
Forschungsökosysteme sowie zur Entwicklung von Zukunftsthemen der
HTAD bei“. Der Wissenschaftsstandort Deutschland werde als sicherer Hafen
der Wissenschaftsfreiheit mit exzellenten Forschungsinfrastrukturen und
vielfältigen Karriereperspektiven als einer der attraktivsten
Wissenschaftsstandorte weltweit positioniert. Die Bundesregierung hebt hervor, dass die Initiative
die Fachkräftegewinnung aus dem Ausland vorantreibe und internationale
Netzwerke und Zusammenarbeit in Forschung und Innovation stärke und
damit direkt zur Sicherung der technologischen Souveränität sowie zur Stärkung
des Wissenschafts- und Innovationsstandorts Deutschland im Sinne der
Hebel 5 und 6 der Hightech Agenda Deutschland beitrage. Trotz dieser hohen
Erwartungen liegen der Öffentlichkeit bislang nur begrenzte Informationen
zur tatsächlichen Umsetzung, Resonanz und Wirksamkeit der Initiative vor.
Der Transparenz über die ersten Ergebnisse der Initiative kommt eine
besondere Bedeutung zu, um ihre Effektivität fundiert einschätzen und die
Außenwissenschaftspolitik mit ihren etablierten und neuen Maßnahmen insgesamt
weiterentwickeln zu können. Besonderes Augenmerk verdient dabei die
Synergie mit europäischen Instrumenten; so bleibt für die Fragestellenden
unklar, warum das Potenzial der „Seal of Excellence“ zur Bildung bereits positiv
begutachteter Spitzenforschenden bislang kaum adressiert wird.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und
Raumfahrt vom 13. Februar 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Wie viele Forschende sind bis zum 25. November 2025 in die Initiative
aufgenommen worden, und wie verteilt sich diese Anzahl auf die
einzelnen Förderinstrumente (Humboldt-Forschungsstipendien, Humboldt-
Forschungspreise, Bessel-Forschungspreise, DFG-Professuren [DFG =
Deutsche Forschungsgemeinschaft] und DFG-Mercator-Fellows,
DAAD-Programme [DAAD = Deutscher Akademischer
Austauschdienst])?
Insgesamt wurden bis zum 25. November 2025 166 Personen im Rahmen des
1.000-Köpfe-Plus-Programms gefördert, davon 10 durch die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG) und 156 durch die Alexander von Humboldt-
Stiftung (AvH).
Aufschlüsselung nach Förderinstrumenten:
DFG
• Emmy Noether-Programm: 5
• Walter Benjamin-Programm: 4
• Einzelförderung/Eigene Stelle: 1
AvH
• Humboldt-Forschungsstipendien: 136
• Alexander von Humboldt-Forschungspreis: 14
• Friedrich-Wilhelm-Bessel-Forschungspreis: 6.
Die Humboldt Research Professorships der AvH werden im Jahr 2026 zum
ersten Mal ausgeschrieben und verliehen. Von der DFG geförderte Professuren in
Forschungsverbünden sowie Mercator-Fellows wurden im Rahmen des 1.000-
Köpfe-Plus-Programms bisher nicht vergeben. Die im Rahmen des Programms
geförderten DAAD-Maßnahmen sind nicht auf Individualförderungen
gerichtet, sondern flankieren die Förderung durch DFG und AvH.
2. Wie hoch war die Gesamtzahl der geförderten Personen in den
beteiligten Programmen der DFG und der Alexander von Humboldt-Stiftung
(AvH) in den Jahren 2023 und 2024 (Stichtag jeweils 31. Dezember),
und wie hoch ist die Zielzahl für diese spezifischen Programme im
Rahmen der Global-Minds-Initiative für 2025 und 2026?
Gesamtzahl geförderter Personen in den beteiligten Programmen in den Jahren
2023 und 2024:
DFG
• Emmy Noether-Programm: 70 (2023); 80 (2024)
• Heisenberg-Programm: 73 (2023); 64 (2024)
• Walter Benjamin-Programm: 116 (2023); 125 (2024)
• Eigene Stelle: 361 (2023); 351 (2024)
AvH
• Humboldt-Forschungsstipendien: 466 (2023); 451 (2024)
• Humboldt-/Bessel-Forschungspreise: 84 (2023); 83 (2024)
• Alexander von Humboldt-Professur: 9 (2023); 9 (2024).
Das 1.000-Köpfe-Plus-Programm ist im Juli 2025 angelaufen. Anpassungen
der bisher zu Planungszwecken mit DFG und AvH vereinbarten Ziele können
im Fortgang des Programms bedarfsgerecht vorgenommen werden. Die
Mindestzahl für die Gesamtzahl der Förderungen durch das Programm liegt bei
1.000 Förderungen.
3. Wie hoch ist der Anteil der Forschenden, die bereits vor Juli 2025 in
Deutschland tätig waren und nun in die Initiative übernommen wurden?
Eine Antragstellung aus dem Ausland und eine mehrjährige wissenschaftliche
Tätigkeit im Ausland sind Bedingung für eine Förderung aus dem Programm.
Die genauen Voraussetzungen sind den Programmdarstellungen von DFG und
AvH zu entnehmen.
4. Aus welchen Herkunftsländern stammen die in die Initiative
aufgenommenen Forschenden (bitte nach den Top 10 der Herkunftsländer
aufschlüsseln)?
1) USA
2) China
3) Indien
4) Spanien
5) Frankreich
6) Italien
7) Kanada
8) Polen
9) Niederlande
10) Israel.
5. Auf welcher Karrierestufe (R2, R3, R4 gemäß der Europäischen
Klassifikation der Forscherlaufbahnen) befinden sich die gewonnenen
Forschenden, wie verteilen sie sich auf diese Stufen, und was ist die
durchschnittliche Laufzeit der Förderungen auf der jeweiligen Stufe?
Die Geförderten im Walter Benjamin-Programm (zwei Jahre Förderdauer)
können in die Kategorie R2 eingeordnet werden; Emmy Noether-Geförderte in R3
(sechs Jahre Förderdauer, in der Zeit Entwicklung zu R4); Eigene Stelle (drei
Jahre Förderdauer) in R3; Heisenberg-Geförderte in R3/4 (fünf Jahre
Förderdauer).
Die Geförderten der Humboldt-Forschungsstipendien (6-24 Monate
Förderdauer) können je nach Karrierestufe der Kategorie R2/R3 zugeordnet werden;
Friedrich-Wilhelm-Bessel-Forschungspreis in R3; Alexander von Humboldt-
Forschungspreis in R4; Alexander von Humboldt-Professur (bis zu sieben Jahre
Förderdauer) in R4;
Demensprechend befinden sich unter den 166 Geförderten des 1.000-Köpfe-
Plus-Programms 118 Forschende der Karrierestufe R2; 34 Forschende der
Karrierestufe R3 und 14 Forschende der Karrierestufe R4.
6. Wie verteilen sich die aufgenommenen Forschenden auf die in der
Hightech Agenda Deutschland als Schlüsseltechnologien definierten Bereiche
(Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik,
Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung, Technologien für
die klimaneutrale Mobilität) und auf weitere strategische
Forschungsfelder, und wie viele Forschende arbeiten in anderen Bereichen (bitte die
Disziplinen angeben)?
Die Verteilung der Wissenschaftsbereiche der Geförderten zeigt den klaren
Bezug zu Zukunftsfeldern der Hightech Agenda Deutschland (HTAD): 41 Prozent
Lebenswissenschaften (Anzahl Geförderte: 68), 28 Prozent
Naturwissenschaften (Anzahl Geförderte: 47), 20 Prozent Ingenieurwissenschaften (Anzahl
Geförderte: 34), 10 Prozent Geistes- und Sozialwissenschaften (Anzahl
Geförderte: 17).
7. Hat die Priorisierung von Forschenden in den HTAD-
Schlüsseltechnologien der Global-Minds-Initiative dazu geführt, dass die Förderquoten für
Bewerberinnen und Bewerber in den Geistes- und Sozialwissenschaften
gesunken sind, und wenn ja, in welchem Umfang?
Die Förderung im Rahmen des 1.000-Köpfe-Plus-Programms erfolgt
themenoffen, eine inhaltliche Priorisierung nach Fachdisziplinen wird nicht
vorgenommen.
8. Bei welchen Aufnahmeinstitutionen sind die Forschenden angesiedelt
(bitte nach Helmholtz-Zentren, Fraunhofer-Instituten, Max-Planck-
Instituten, Leibniz-Instituten, Universitäten und sonstigen Einrichtungen
aufschlüsseln)?
Die gastgebenden Institutionen der Geförderten verteilen sich wie folgt:
• Helmholtz-Gemeinschaft: 15
• Fraunhofer-Gesellschaft: 0
• Max-Planck-Gesellschaft: 17
• Leibniz-Gemeinschaft: 12
• Universitäten: 120
• Sonstige Forschungseinrichtung/weitere Hochschulen: sechs
Hinweis: Vier Personen haben jeweils zwei Gasteinrichtungen.
9. Wie viele Bewerbungen gingen seit dem Start der Initiative im Juli 2025
insgesamt ein, wie viele wurden positiv beschieden, und welche Quote
der zugesagten Forschenden ist tatsächlich nach Deutschland gekommen
(Mobilisierungsquote)?
In der DFG und AvH gehen fortlaufend Anträge ein.
Seit Juli 2025 eingegangene Anträge im Förderraum „Person“ der DFG im
Rahmen des 1.000-Köpfe-Plus-Programms: 174. Von den Bewilligungen
wurden zehn aus Mitteln des 1.000-Köpfe-Plus-Programms gefördert.
Seit Juli 2025 eingegangene Anträge in den für das 1.000-Köpfe-Plus-
Programm relevanten Förderprogrammen der AvH: 1.548. Im selben Zeitraum
wurden 1.376 Bewerbungen und Nominierungen von der AvH entschieden.
Von den Bewilligungen werden 156 aus Mitteln des 1.000-Köpfe-Plus-
Programms gefördert.
Ein wesentlicher Teil der Anträge, die seit Juli 2025 eingereicht wurden,
befindet sich noch in der Bearbeitung. Die Bundesregierung hat keine Kenntnis über
Fälle einer Nichtannahme der Förderung im Rahmen des 1.000-Köpfe-Plus-
Programms.
10. In wie vielen Fällen kam es bei den aufgenommenen Forschenden bis
zum 31. Dezember 2025 zu Verzögerungen beim Forschungsbeginn
aufgrund von Visumsverfahren oder Terminengpässen bei
Ausländerbehörden?
Daten im Sinne der Fragestellung werden statistisch nicht erfasst.
11. Welche zusätzlichen strukturellen Unterstützungsmaßnahmen wurden im
Vergleich zu bestehenden Förderprogrammen der Deutschen
Forschungsgemeinschaft, der Alexander von Humboldt-Stiftung und des Deutschen
Akademischen Austauschdienstes umgesetzt, um die Attraktivität des
Wissenschaftsstandorts zu steigern und eine Willkommenskultur für
internationale Forschende zu fördern, und inwieweit wurde das von der
Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee
Bär erwähnte „Rundum-Sorglos-Paket“ konkretisiert und implementiert?
Die Bundesregierung verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz zur Stärkung der
Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Deutschland. Mit dem 1.000-Köpfe-Plus-
Programm investiert die Bundesregierung über 600 Mio. Euro in attraktive
Karriereperspektiven auf verschiedenen Karrierestufen und über alle
Fachdisziplinen hinweg für internationale Forschende. Flankierend stärken zusätzliche
Förderprogramme, wie das DAAD-Programm „Academic Horizons –
Attracting Global Minds“, die Willkommenskultur an deutschen Einrichtungen.
Informations- und Beratungsangebote wie „Make it in Germany“, „Research in
Germany“, „Study in Germany“ sowie das EURAXESS Deutschland-Netzwerk
erleichtern internationalen Talenten das Ankommen und den Einstieg in
Deutschland. Darüber hinaus tragen die fortschreitende Digitalisierung der
Visumantragstellung durch das Auslandsportal sowie der Ausbau der
Visabearbeitungskapazitäten zu schnelleren Visaverfahren bei. Auch der Aufbau der Work-and-
Stay-Agentur für Fachkräfteeinwanderung leistet einen wichtigen Beitrag zur
nachhaltigen Bindung internationaler Forschender und damit zur langfristigen
Stärkung des Wissenschaftsstandorts Deutschland.
12. Wie viele Ehepaare oder Partnerinnen- und Partnerpaare wurden im
Rahmen der Initiative in Doppel- oder koordinierten Berufungen sowie
anderen Dual-Carreer-Angeboten gewonnen, und in wie vielen Fällen gelang
es, für beide Partnerinnen oder Partner eine geeignete
Forschungsposition zu schaffen?
Die Programme der DFG und AvH beinhalten verschiedene Ansätze zur
Unterstützung von Doppelkarrieren in der Wissenschaft. So werden beispielsweise
parallele Bewerbungen von Partnerinnen und Partnern ermöglicht, wobei die
Anträge jeweils individuell und auf Grundlage der persönlichen Qualifikation
begutachtet und entschieden werden. Im Rahmen der Alexander von
Humboldt-Professur und der Humboldt Research Professorships kann die
Verwaltungskostenpauschale für die Integration der Familie und Dual-Career-
Maßnahmen eingesetzt werden. Dual-Career-Maßnahmen werden zumeist von den
aufnehmenden Einrichtungen umgesetzt und fließen daher nicht in das zentrale
Monitoring des 1.000-Köpfe-Plus-Programms ein.
13. Wie viele der gewonnenen Forschenden arbeiten an Projekten, die von
der Bundesregierung als relevant für die „technologische Souveränität“
im Sinne der Hightech Agenda Deutschland eingestuft werden (bitte die
konkreten Technologiefelder und Forschungsbereiche dieser Projekte
benennen)?
Es wird auf die Antwort zu Frage 6 verwiesen.
14. Welche Bedeutung spielt die Tatsache, dass die Initiative zu großen
Teilen auf bewährten Programmen etablierter Wissenschaftsorganisationen
basiert, für die Erfolgsmessung, die bürokratiearme Durchführung der
Initiative sowie für ihren Beitrag zur Entwicklung von Zukunftsthemen
der HTAD und zur Stärkung der technologischen Souveränität?
Das 1.000-Köpfe-Plus-Programm baut auf den etablierten Förderinstrumenten
der DFG und AvH auf. Dies ermöglicht einen schnellen Programmstart, ohne
zusätzliche bürokratische Strukturen aufbauen zu müssen.
Die im Rahmen des 1.000-Köpfe-Plus-Programms ausgesprochenen
Förderungen sind Gegenstand der regulären Maßnahmen zur Evaluation und
Erfolgsmessung der jeweiligen Programme, auf die das 1.000-Köpfe-Plus-Programm
aufsetzt. Damit lässt sich der Beitrag des Programms zu den Zukunftsfeldern
der HTAD abbilden.
Für das 1.000-Köpfe-Plus-Programm wird zudem ein Monitoring etabliert, mit
dem der Programmfortschritt verfolgt wird, um nachsteuern zu können. Zum
Ende der Laufzeit des 1.000-Köpfe-Plus-Programms erfolgt eine
abschließende, extern durchgeführte Evaluation, welche den Zielerreichungsstand prüft und
die bereits bestehenden Wirkungen analysiert.
15. Welche flankierenden Module zur Gewinnung internationaler
Studierender und Promovierender wurden bislang in die Initiative integriert, wie
viele Personen aus diesen Zielgruppen haben bereits Zusagen erhalten,
und wie steht das Programm in diesem Punkt im Verhältnis zum FIT-
Programm (FIT = Förderung internationaler Talente zur Integration in
Studium und Arbeitsmarkt) des DAAD?
Die flankierenden Maßnahmen zur Gewinnung internationaler
Masterstudierender und Promovierender im Rahmen des 1.000-Köpfe-Plus-Programms
umfassen zwei Programme des DAAD. Dabei handelt es sich nicht um
Individualförderungen, sondern um strukturstärkende Maßnahmen. Das
Hochschulförderprogramm „Academic Horizons – Attracting Global Minds“ unterstützt
deutsche Hochschulen bei der Gewinnung von internationalen, herausragenden
Masterstudierenden und Promotionsinteressierten in Schlüsseltechnologien und
strategisch wichtigen Forschungsfeldern, durch Aktivitäten im Bereich
Recruiting, Onboarding und Karriereplanung. Im Rahmen des Programms
„International Student Journey – Destination Germany“ werden zielgruppenspezifische
Internetseiten mit Informationen zum Studieren und Leben in Deutschland
entwickelt, um Deutschland international als exzellenten Studienstandort noch
sichtbarer zu machen.
Das DAAD Programm „FIT – Förderung internationale Talente zur Integration
in Studium und Arbeitsmarkt“ fällt nicht unter das 1.000-Köpfe-Plus-
Programm, wird aber ebenfalls aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung,
Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Ziel des FIT-Programms ist
es, internationale Studierende durch den Aufbau strukturierter
Unterstützungsangebote an deutschen Hochschulen beim Studienerfolg sowie bei der
Integration in den Arbeitsmarkt zu begleiten. Das Programm ist nicht auf bestimmte
Fachrichtungen begrenzt und schließt sowohl Maßnahmen für Bachelor- und
Masterstudierende ein. Eine Individualförderung einzelner Personen ist auch im
Rahmen des FIT-Programms nicht vorgesehen.
16. Welche systemischen Maßnahmen im Sinne eines breiten
wissenschaftspolitischen Wandels mit dem Ziel struktureller Verbesserungen im
Wissenschaftssystem wurden bereits vorgenommen, und welche weiteren
Maßnahmen sind in Vorbereitung?
Die Bundesregierung verfolgt einen vielfältigen Ansatz zur strukturellen
Stärkung des Wissenschaftssystems (zum Beispiel im Rahmen der
Exzellenzstrategie oder des Tenure Track Programms). Mit dem 1.000-Köpfe-Plus-Programm
soll auch ein Impuls für einen wissenschaftspolitischen Wandel hin zu besseren
Rahmenbedingungen an deutschen Einrichtungen gesetzt werden. Das umfasst
u. a. die Beschleunigung von Visa- und Aufenthaltserlaubnisverfahren und den
Ausbau von Unterstützungsangeboten zur Förderung der Willkommenskultur,
wie das Programm „Academic Horizons – Attracting Global Minds“. Diese
Punkte sind auch in der Bund-Länder-Strategie zur Internationalisierung der
Hochschulen in Deutschland festgeschrieben. Für attraktivere
Arbeitsbedingungen und verlässlichere Karrierewege in der Forschung soll unter anderem das
Wissenschaftszeitvertragsgesetz novelliert werden. Die Bundesregierung wird
sich zugleich dafür einsetzen, flächendeckend international anschluss- und
wettbewerbsfähige Personalstrukturkonzepte zu etablieren. Mit der Förderung
einer Peer-to-Peer-Strategieberatung, die im Frühjahr 2026 starten soll, werden
die Hochschulen auf ihrem Weg zu weiterentwickelten Personalstrukturen
unterstützt.
17. Welche verbindlichen Zusagen der Bundesländer oder der
Aufnahmeinstitutionen liegen nach Kenntnis der Bundesregierung vor, um den
Forschenden nach Ablauf der Global-Minds-Förderung je nach
Entwicklungsstufe ein Tenure-Track-Verfahren oder eine Dauerstelle anzubieten?
Bis zum Jahr 2033 werden an deutschen Hochschulen voraussichtlich 44
Prozent der Professuren neu zu besetzen sein. Das 1.000-Köpfe-Plus-Programm
bietet den Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland die Möglichkeit, die
freiwerdenden Stellen auch mit internationalen Spitzenforschenden zu besetzen.
Die bisher im Rahmen des 1.000-Köpfe-Plus-Programms ausgesprochenen
Bewilligungen sehen keinen zwingenden direkten Übergang in eine Dauerstelle
oder ein Tenure-Track-Verfahren vor.
Bund und Länder stehen im Rahmen verschiedener Kontexte, beispielsweise
zur Umsetzung der Bund-Länder-Strategie zur Internationalisierung der
Hochschulen, zur Gewinnung internationaler Forschender im Austausch miteinander.
18. Gibt es Koordinationsmechanismen zwischen der Initiative und anderen
Bundes- und Landesfördermaßnahmen zur Gewinnung internationaler
Forschender, und wie wird vermieden, dass es zu Doppelförderungen
oder Konkurrenzen zwischen den verschiedenen Förderinitiativen
kommt?
Für Geförderte im Rahmen des 1.000-Köpfe-Plus-Programms ist die
Inanspruchnahme einer weiteren Förderung aus öffentlichen Mitteln nicht zulässig.
Geförderte sind im Rahmen der Antragstellung verpflichtet, über ggfs. weitere
Finanzierungsquellen zu informieren.
Das Ergebnis einer erst kürzlich von den Innenrevisionen der DFG und AvH
durchgeführten Prüfung belegt, dass die etablierten Prozesse aktuell keinen
Hinweis auf Doppelförderungen erkennen lassen.
Bezüglich des Austauschs zwischen Bund und Ländern wird auf die Antwort
zu Frage 17 verwiesen.
19. Gibt es Koordinierungsmechanismen zwischen der Initiative und
vergleichbaren Programmen auf europäischer Ebene, wie z. B. der Choose-
Europe-Initiative, und wie wird vermieden, dass es zu
Doppelförderungen oder Konkurrenzen zwischen den verschiedenen Förderinitiativen
kommt?
Die Bundesregierung bewirbt das 1.000-Köpfe-Plus-Programm als nationales
Förderprogramm über die europaweite Choose Europe for Science-Initiative.
Der Wettbewerb um die besten Köpfe findet auch innerhalb von Europa statt
und fördert exzellente Wissenschaft. Deutschland ist dabei das wichtigste
Zielland für internationale Forschende in Europa. Zur Doppelförderung wird auf
die Antwort zu Frage 18 verwiesen.
20. Inwiefern sieht die Bundesregierung vor, Forschende, die bei
europäischen Exzellenzprogrammen (z. B. Choose Europe, ERC Starting
Grants oder MSCA Postdoctoral Fellowships) ein „Seal of Excellence“
erhalten haben, aber aufgrund von EU-Budgetbeschränkungen nicht
gefördert werden konnten, prioritär oder durch ein vereinfachtes Verfahren
in die Global-Minds-Initiative aufzunehmen?
Eine prioritäre Behandlung oder ein vereinfachtes Verfahren für Forschende,
die im Rahmen europäischer Förderprogramme ein „Seal of Excellence“
erhalten haben, ist im 1.000-Köpfe-Plus-Programm nicht vorgesehen.
21. Wie viele Forschende haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung im
Rahmen der Choose-Europe-Initiative mit einer deutschen
Gasthochschule als Erstwunsch beworben, konnten aber aufgrund der niedrigen
EU-Erfolgsquote (von ca. 9 Prozent) nicht gefördert werden?
Es stehen bisher für die Choose Europe Initiative keine eigenständigen EU-
Mittel für Förderprogramme zur Verfügung.
22. Welcher Mittelumfang wurde für die Initiative im Gesamten vorgesehen,
wie verteilt sich dieser auf die einzelnen Förderinstrumente und
Partnerorganisationen, und wie hoch ist der durchschnittliche Förderumfang pro
Forschenden oder Forschendengruppe?
Für das 1.000-Köpfe-Plus-Programm sind für den Zeitraum 2025 bis 2029 über
600 Mio. Euro vorgesehen. Die Neuverteilung der Mittel nach der Entsperrung
der zusätzlichen Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und
Klimaneutralität ist derzeit Gegenstand laufender Abstimmungen. Die Verteilung der
Mittel auf die verschiedenen Programmteile erfolgt nach Bedarf und mit der
Möglichkeit, auf Anpassungsbedarfe angemessen reagieren zu können. Die
durchschnittliche Förderhöhe je nach Programm ist der Webseite der Global
Minds Initiative Germany sowie den Programminformationen von AvH und
DFG zu entnehmen.
23. In welchem Umfang sind die Auslandsstrukturen der Auswärtigen
Kultur- und Bildungspolitik (Goethe-Institute, DAAD-Außenstellen,
Deutsche Auslandsschulen, Wissenschafts- und Innovationshäuser) in die
internationale Anwerbung für die Initiative eingebunden?
24. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um die Initiative
in zentralen Partnerländern der Wissenschaftsdiplomatie international
sichtbar zu machen, und wie bewertet sie deren Beitrag zur Stärkung
Deutschlands als Wissenschafts- und Wertepartner?
25. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um auch die
Programme und Förderangebote der Außenwissenschaftspolitik, die nicht
Teil der Global-Minds-Initiative sind, ebenfalls sichtbarer und
erfolgreicher zu machen?
Die Fragen 23 bis 25 werden im Zusammenhang beantwortet.
Für die Anwerbung internationaler Talente und Wissenschaftler für das
deutsche Wissenschaftssystem im Rahmen des Programms koordinieren die DFG,
die AvH und der DAAD ihre Marketingmaßnahmen im Ausland
partnerschaftlich. So wurde eine gemeinsam errichtete Webseite veröffentlicht. Die
deutschen Auslandsvertretungen wirken unterstützend bei der Bewerbung des
Programms.
Der DAAD hat im Rahmen des Programms begonnen, für ausgewählte
Zielländer eigene Webseiten freizuschalten. Diese halten im Rahmen des Webauftritts
von „Studieren in Deutschland“ Informationen bereit, die für das jeweilige
Land relevant sind, da sich die Schwerpunktsetzungen bei der
Studienentscheidung von Land zu Land sehr unterscheiden.
Die AvH macht das Programm, aber auch ihr allgemeines Programmportfolio,
über den Einsatz zielgruppenspezifischer Marketinginstrumente und über ihr
weltweites Humboldt-Netzwerk, Multiplikatoren und Partner international
sichtbar.
Zudem nutzt die DFG ihre Außenstellen, beispielsweise die DFG-Büros in
Nord- und Südamerika, um über das 1.000-Köpfe-Plus-Programm im Ausland
zu informieren.
Die deutschen Auslandsvertretungen bewerben die Programme im Rahmen
ihrer Gespräche und Öffentlichkeitsarbeit vor Ort, zum Beispiel über ihre
jeweiligen sozialen Medienkanäle.
Die Bundesregierung leistet in Kooperation mit den Partnerorganisationen des
Programms mittels ihrer Auslandsstrukturen einen Beitrag, sowohl das 1.000-
Köpfe-Plus-Programm als auch andere Programme der
Außenwissenschaftspolitik erfolgreich und nachhaltig in der internationalen wissenschaftlichen
Gemeinschaft sichtbar zu machen und zu stärken.
Hierdurch stärkt Deutschland seine Rolle als Wissenschaftspartner für
Forschung, Innovation und akademischen Austausch und fördert
Wissenschaftsfreiheit und internationale Zusammenarbeit.
Der DAAD ist die zentrale Wissenschaftsorganisation für die
Informationsverbreitung über den Studien- und Forschungsstandort Deutschland. Über
Digitalangebote, Veranstaltungen, Publikationen und sein umfassendes
Auslandsnetzwerk informiert und berät der DAAD über Programme und Förderangebote für
Studierende, Wissenschaftler, Forscher und Hochschulen. Auch über die durch
den DAAD koordinierten Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser ist
der Forschungsstandort Deutschland mit seinen vielfältigen Möglichkeiten u. a.
für wissenschaftsbasierten Transfer weltweit vertreten.
26. Inwieweit werden die geförderten Forschenden systematisch in
bestehende internationale Netzwerke der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik
(z. B. Humboldt-Netzwerk, DAAD-Alumni, Goethe-Alumni,
multilaterale Dialogformate) eingebunden, um nachhaltige Beziehungen
aufzubauen?
Wie bei anderen von der Bundesregierung geförderten
Wissenschaftsprogrammen ist auch bei diesem Programm von Beginn der Förderung eine
systematische Anbindung in die jeweiligen Netzwerke der Förderorganisationen
vorgesehen. Geförderte Forschende werden so gezielt und strategisch in
internationale Netzwerke der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik eingebunden. Ziel
ist der Aufbau langfristiger, belastbarer Beziehungen über die Förderphase
hinaus. Deutsche Auslandsvertretungen leisten dazu einen wichtigen Beitrag,
indem sie Netzwerktreffen organisieren und direkten Austausch zwischen
Geförderten, Alumni, deutschen Institutionen und regionalen Partnern ermöglichen.
Auf diese Weise stärkt die systematische Alumniarbeit auch die internationale
Sichtbarkeit Deutschlands und die Förderung internationaler
Wissenschaftskooperationen.
27. Welcher Anteil an Fördermitteln der Initiative ist zur Weiterentwicklung
und zum Ausbau von Alumni-Strategien vorgesehen, um nach Abschluss
der Förderung langfristige wissenschaftliche, kulturelle und
gesellschaftliche Bindungen zu Deutschland aufzubauen und zu pflegen?
Die Fördermaßnahmen im Rahmen des 1.000-Köpfe-Plus-Programms setzen
auf den regulären Förderungen der Partnerorganisationen auf. Für das Jahr
2026 sieht die AvH eine Verwendung von 3,9 Prozent der geplanten
Bundesförderung für Alumni-Maßnahmen vor.
28. Welche Wirkungen der Initiative erwartet die Bundesregierung im
Hinblick auf die Stärkung der deutschen Soft Power, insbesondere durch
internationale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren,
Wissenschaftsnetzwerke und die Vermittlung deutscher Wissenschafts- und Freiheitswerte?
Wissenschaftsfreiheit genießt in Deutschland Verfassungsrang. Die
themenoffene Ausgestaltung der Förderung, die Ansprache einer breiten Zielgruppe über
verschiedene Karrierestufen hinweg sowie die wissenschaftsgeleiteten
Auswahlverfahren des 1.000-Köpfe-Plus-Programms unterstreichen diesen hohen
Stellenwert der Wissenschaftsfreiheit in Deutschland. Mit dem 1.000-Köpfe-
Plus-Programm und der Investition von über 600 Mio. Euro sendet die
Bundesregierung deshalb auch auf internationaler Ebene ein starkes Signal für die
Wissenschaftsfreiheit. Dies unterstreicht Deutschlands Position als international
anerkannter Standort für freie und exzellente Wissenschaft.
29. Welche Maßnahmen sind seitens der Bundesregierung neben der
Initiative zur Unterstützung ausländischer Forschender und Studierender
vorgesehen, insbesondere wenn diese in ihren Herkunftsländern verfolgt
oder bedroht werden?
Die Bundesregierung fördert bereits mehrere Programme, um ausländische
Forschende und Studierende zu unterstützen, die in ihren Herkunftsländern
verfolgt oder bedroht werden.
Beispiele für Programme, die von der Bundesregierung finanziell unterstützt
werden, sind die Philipp Schwartz-Initiative der AvH und das Hilde Domin-
Programm des DAAD. Die DFG unterstützt aus ihren Heimatländern
geflüchtete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, indem sie die Mitarbeit in
Forschungsprojekten sowie die Antragstellung im Walter Benjamin-Programm
erleichtert.
Zur Unterstützung gefährdeter Forschender und zum Schutz der
Wissenschaftsfreiheit auf europäischer Ebene kooperieren AvH und DAAD mit europäischen
Partnerorganisationen und beteiligen sich an EU-Maßnahmen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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