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Kleine AnfrageWahlperiode 17Beantwortet

Gewalt beim Fußball

Entwicklung der Zahl gewaltbereiter Fußballfans, Hooligans und sogenannter Ultras seit 2000; Festnahmen, Ermittlungsverfahren, Stadionverbote, verletzte Polizisten, Sachschaden, Einsatzkosten; Erkenntnisse über Beziehungen zur organisierten Kriminalität, Maßnahmen der Bundesregierung und des Deutschen Fußball-Bundes gegen Gewalt beim Fußball und zur Unterstützung von Fanprojekten<br /> (insgesamt 25 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

02.12.2011

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 17/773014. 11. 2011

Gewalt beim Fußball

der Abgeordneten Ulla Jelpke, Katrin Kunert, Petra Pau, Frank Tempel, Halina Wawzyniak und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Laut Polizei war die Zahl verletzter Besucher und gewaltbereiter Fans in der Fußballsaison 2010/2011 höher als in all den Jahren davor. Rund um die Spiele der Bundesliga, der Zweiten und Dritten Liga sind demnach in der vergangenen Saison über 1 000 Besucher verletzt worden. Dieser Trend setzt sich offenbar auch in der aktuellen Saison fort. Zu schweren Ausschreitungen durch Anhänger des Zweitligisten Dynamo Dresden kam es so beim DFB-Pokalspiel (DFB – Deutscher Fußball-Bund e. V.) gegen Borussia Dortmund.

Auseinandersetzungen gab es auch in der Pokalpartie zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Kaiserslautern. Am 11. Spieltag der Bundesliga überfielen dann vermummte Anhänger des VfB Stuttgart auf einer Raststätte einen Bus mit Fans von Borussia Dortmund. Am selben Wochenende prügelten sich in Werne (Nordrhein-Westfalen – NRW) Anhänger von Borussia Dortmund mit Fans des SV Werder Bremen. Auch in den Unterklassen kam es zu Auseinandersetzungen. So wurden in Krefeld beim Spiel des KFC Uerdingen in der NRW-Liga sechs Polizisten verletzt und über 20 Personen festgenommen. In der Berliner Stadtliga gerieten Fans des TSV Rudow 1888 mit Fans von Tennis Borussia und der Polizei aneinander. Bei einem Runden Tisch am 14. November 2011 will der Bundesminister des Innern, Dr. Hans-Peter Friedrich, mit Vertretern der Landesinnenminister, der Fußballverbände und Clubs über Maßnahmen beraten.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen25

1

In welche Kategorien teilt die Bundesregierung die so genannten Problemfans ein, und wie definiert sie diese?

2

Wie definiert die Bundesregierung die Gruppe der Hooligans?

3

Wie definiert die Bundesregierung die Gruppe der Ultras?

4

Wie grenzt die Bundesregierung die in den Fragen 1 bis 3 angesprochenen Gruppen voneinander ab?

5

Wie groß ist nach Einschätzung der Bundesregierung die Gruppe der so genannten Problemfans in der bundesdeutschen Fußballszene insgesamt (bitte möglichst genaue Zahlen angeben, die jeweils den o. g. Kategorien zugeordnet werden können)?

6

Wie viele Personen sind derzeit in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeichert?

7

Inwieweit hat die Zahl gewaltbereiter Fußballfans und Hooligans seit dem Jahr 2000 zu- oder abgenommen?

8

Inwieweit sieht die Bundesregierung einen tatsächlichen Anstieg von Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen, auch bezogen auf die langfristige Entwicklung seit dem Auftreten des Hooliganismus in den 80er-Jahren?

9

Wie viele Hooligans und andere Fußballfans wurden seit dem Jahr 2000 wegen Gewalttaten im Zusammenhang mit Fußballveranstaltungen festgenommen?

10

Gegen wie viele gewaltbereite Fußballfans wurden seit dem Jahr 2000 Ermittlungsverfahren eingeleitet, und in wie vielen Fällen kam es zu Verurteilungen (bitte nach Deliktgruppen, Verurteilungen, Jahren und Vereinen aufführen)?

11

Wie viele Stadionverbote wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2000 gegen gewaltbereite Fußballfans ausgesprochen (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?

12

Wie viele Personen (nicht Polizisten) wurden seit dem Jahr 2000 durch Hooligans und andere Fußballfans verletzt (bitte aufschlüsseln nach Jahren und im Zusammenhang mit welchen Spielen)?

13

Wie viele Polizisten wurden seit dem Jahr 2000 durch Hooligans und andere Fußballfans verletzt (bitte aufschlüsseln nach Jahren und im Zusammenhang mit welchen Spielen)?

14

Welcher Sachschaden ist im Zusammenhang mit Fußballspielen durch Straftaten von Hooligans und anderen Fußballfans sei dem Jahr 2000 entstanden (bitte aufschlüsseln nach Jahren und im Zusammenhang mit welchen Spielen)?

15

Welche Kosten sind dem Bund und den Ländern durch Polizeieinsätze gegen Hooligans seit dem Jahr 2000 entstanden (bitte nach Jahren auflisten)?

16

In wie vielen und welchen Fällen haben Fußballvereine Hooligans und gewalttätige Fußballfans für die von diesen verursachten Schäden in Regress genommen?

17

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über eine Zusammenarbeit zwischen der Hooliganszene und der organisierten Kriminalität?

18

Wie beurteilt die Bundesregierung die so genannte Ultraszene?

19

Wie hoch ist nach Einschätzung der Bundesregierung der Anteil gewaltbereiter Personen in der Ultraszene?

20

Inwieweit hält die Bundesregierung den Einsatz von Pyrotechnik im Stadion für einen legitimen Bestandteil von Fankultur?

21

Gibt es nach Einschätzung der Bundesregierung die Möglichkeit eines Kompromisses zwischen Verbot und völliger Freigabe, zum Beispiel durch kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik und bestimmten Auflagen?

22

Welche konkreten Maßnahmen gegen Gewalt beim Fußball wurden am 14. November 2011 beim Runden Tisch im Bundesministerium des Innern vorgeschlagen und vereinbart (bitte Maßnahmen, Träger, Zeitplan und Kosten benennen)?

23

Welche Aktivitäten hat die Bundesregierung seit 2000 – auch gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund e. V. – bezüglich der Hooligan- und Fanszene unternommen (bitte nach Aktivitäten, Ausgaben und Jahren aufschlüsseln)?

24

Welche Aktivitäten plant die Bundesregierung für die Zukunft – auch gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund e. V. – bezüglich der Hooligan- und Fanszene?

25

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Maßnahmen des Deutschen Fußball-Bundes e. V. zur Unterstützung von Fanprojekten und gibt es aktuell Gespräche mit dem Deutschen Fußball-Bund e. V. zur aktuellen Gewaltdebatte?

Berlin, den 14. November 2011

Dr. Gregor Gysi und Fraktion

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