[Deutscher Bundestag Drucksache 17/8891
17. Wahlperiode 07. 03. 2012 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten René Röspel, Dr. Ernst Dieter
Rossmann, Willi Brase, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
– Drucksache 17/8633 –
Stand und Perspektiven der Weißen Biotechnologie
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Verfahren und Anwendungen der Biotechnologie haben sich inzwischen in
zahlreichen Lebensbereichen durchgesetzt. Die öffentliche Wahrnehmung der
Biotechnologie fokussiert sich jedoch meist auf die Chancen und Risiken der
der Roten Biotechnologie (in der Medizin) und Grünen Biotechnologie (im
Agrarsektor). Wenig beachtet wird hingegen die Weiße oder auch industrielle
Biotechnologie. Bei der Weißen Biotechnologie handelt es sich um
biotechnische Produktionsverfahren, die insbesondere in der industriellen
Verarbeitung von Naturstoffen zum Einsatz kommen und dabei zunehmend fossile
Rohstoffe ersetzen.
Die erste industrielle Nutzung der Weißen Biotechnologie in Deutschland war
die Verwendung industriell hergestellter Enzyme für den Gerbungsprozess
von Leder im Jahr 1909. Nach der Entdeckung des Antibiotikums Penicillin
1928 wurden Mikroorganismen vermehrt in der Produktion medizinischer
Wirkstoffe genutzt. Seitdem sind die Methoden der Weißen Biotechnologie
ständig verbessert worden. In der chemischen Industrie ist diese Technologie
heute nicht mehr wegzudenken. Wichtigstes Anwendungsgebiet ist der Ersatz
erdölabhängiger chemischer Prozesse durch Mikroorganismen. Für den
Wissenschafts- aber auch Industriestandort Deutschland verspricht die Weiße
Biotechnologie ein großes Potenzial.
Hinzu kommt, dass es kaum Gründe für ethische Bedenken gegenüber
Verfahren oder Anwendungen der Weißen Biotechnologie gibt und in der
bundesdeutschen Gesellschaft der Mehrwert der Weißen Biotechnologie als
allgemein anerkannt gelten kann. Auch die in den Debatten über die Grüne
Biotechnologie häufig angeführten Umwelt- und Nachhaltigkeitsbedenken lassen
sich kaum auf die Weiße Biotechnologie übertragen.
1. Mit welcher Summe und durch welche Programme wurde die Weiße
Biotechnologie in den letzten fünf Jahren durch die Bundesregierung gefördert Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom
2. März 2012 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/8891 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode(bitte nach Jahren, Programm, Förderhöhe und federführendem
Bundesressort aufschlüsseln)?
Die Weiße Biotechnologie wird im Rahmen verschiedener Förderprogramme
für Forschung und Entwicklung (FuE) gefördert, wie in folgender Tabelle
aufgeschlüsselt:
(Zahlenangaben in Millionen Euro)
2. Wie hoch ist der Anteil der sogenannten Sicherheitsforschung im Bereich
der Weißen Biotechnologie an der Forschungsförderung der
Bundesregierung (bitte nach Jahren über die letzten fünf Jahre aufschlüsseln)?
In den letzten fünf Jahren wurde keine spezifische Sicherheitsforschung im
Bereich der Weißen Biotechnologie gefördert. Zur Begleitforschung siehe
Antwort zu Frage 18.
3. Welche Definition der Weißen Biotechnologie verwendet die
Bundesregierung?
Entspricht diese der von der Europäischen Kommission, der Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der
Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. und der
von EuropaBio verwendeten Begriffsbestimmungen, und falls nein,
welche Gründe sprechen für die von der Bundesregierung genutzten
Begriffsbestimmung?
Die Bundesregierung hat bisher keinen Anlass gesehen, sich
ressortübergreifend auf eine Definition für die Weiße Biotechnologie zu verständigen. Die
Daten, die von der Informationsplattform biotechnologie.de im Auftrag des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bereitgestellt werden,
orientieren sich an der Definition der OECD. Innerhalb der Bundesregierung
wird üblicherweise der Begriff der industriellen Biotechnologie verwendet.
4. Wie hoch ist der Anteil von nachwachsenden Rohstoffen in der
chemischen Industrie in Deutschland aktuell?
Welchen Anteil haben dabei Technologien, die der Weißen Biotechnologie
zuzurechnen sind?
Der Anteil der nachwachsenden Rohstoffe in der chemischen Industrie beträgt
seit dem Jahr 2008 etwa 13 Prozent, dies entspricht 2,7 Millionen Tonnen pro
Ressort Programm 2007 2008 2009 2010 2011
BMBF Biotechnologie – Chancen nutzen
und gestalten (Laufzeit bis 2010)
18,5 24,50 35,0 41,8 –
Nationale Forschungsstrategie
BioÖkonomie 2030 (ab 2011)
– – – – 37,5
Gesundheitsforschung (ab 2011) – – – – 4,6
BMELV Nachwachsende Rohstoffe 7,5 8,80 8,4 9,5 10,3
BMWi Zentrales Innovationsprogramm
Mittelstand (ZIM) und
Vorläuferprogramme InnoWatt/Pro INNO
5,0 5,00 10,0 10,0 15,0
Existenzgründungen aus der
Wirtschaft (EXIST)
0,0 0,10 0,6 0,4 0,2
BMU Umweltforschungsplan 0,07
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/8891Jahr. Tendenziell nimmt die Bedeutung der Weißen Biotechnologie zu,
allerdings ist der Anteil nicht genau zurechenbar bzw. quantifizierbar. Der
entscheidende Grund dafür ist, dass die Weiße Biotechnologie ein integraler Bestandteil
der chemischen und pharmazeutischen Produktion ist. Sie kann in die
chemische Produktion als einer von mehreren Schritten eingebettet sein oder
komplett chemische Produktionsverfahren ersetzen.
5. Wie hoch ist der Anteil von nachwachsenden Rohstoffen in der
chemischen Industrie in Frankreich, den USA, Großbritannien, China, Saudi-
Arabien, Japan, Indien und Brasilien aktuell?
Welchen Anteil haben dabei Technologien, die der Weißen Biotechnologie
zuzurechnen sind?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen über den Anteil
nachwachsender Rohstoffe in der chemischen Industrie dieser Staaten vor.
6. Welche Ziele zur Weiterentwicklung der Weißen Biotechnologie in
Deutschland verfolgt die Bundesregierung, und mittels welcher
Instrumente sollen diese Ziele erreicht werden?
Die Weiße Biotechnologie ist eine wichtige Schlüsseltechnologie, um die u. a.
in der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ beschriebenen
Herausforderungen und Ziele zu meistern. Die Weiße Biotechnologie kann
dabei insbesondere zu den Handlungsfeldern „Nachwachsende Rohstoffe
industriell nutzen“ und „Energieträger auf Basis von Biomasse ausbauen“
beitragen.
Bei der Weiterentwicklung der Weißen Biotechnologie in Deutschland setzt die
Bundesregierung vor allem das Instrument der Förderung von FuE-Vorhaben
ein. Außerdem werden strukturierte Diskussionsprozesse mit relevanten
Akteuren geführt, beispielsweise bei der Erstellung der „Roadmap Bioraffinerien“
oder im Strategieprozess „Nächste Generation biotechnologischer Verfahren“.
7. Welche Risiken für Mensch bzw. Umwelt sieht die Bundesregierung im
Bereich der Weißen Biotechnologie bzw. sind ihr bereits bekannt?
8. Worin unterscheiden sich nach Einschätzung der Bundesregierung die
Risiken der Weißen Biotechnologie von denen der Roten bzw. Grünen
Biotechnologie?
Die Fragen 7 und 8 werden zusammen beantwortet.
Für die Bundesregierung hat die Sicherheit von Mensch und Umwelt höchste
Priorität. Hierzu gibt es auf europäischer und nationaler Ebene eine Vielzahl
von Vorgaben, die auch die Sicherheit von Produkten gewährleisten, die mit
biotechnologischen Verfahren hergestellt werden.
Durch den bestehenden rechtlichen Rahmen, der je nach Anwendungsbereich
zum Beispiel durch das Gentechnikrecht (u. a. Sicherheitseinstufung von
gentechnisch veränderten Organismen), das Chemikalienrecht, das
Arbeitsschutzrecht (arbeitsschutzrechtlichen Anforderungen im Umgang mit biologischen
Arbeitsstoffen) oder das Arzneimittel- und Medizinprodukterecht gegeben ist,
sind die Arbeiten im Bereich biotechnologischer Verfahren in eine umfassende
Risikobeurteilung und -kontrolle eingebunden.
Die Weiße Biotechnologie umfasst ein vielfältiges Feld individueller
industrieller Anwendungen, die per se nicht risikoreicher sind als vergleichbare her-
Drucksache 17/8891 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodekömmliche Verfahren. Da ein wichtiger Teilbereich durch die Umstellung von
chemischen auf biologische Prozesse oder durch den Ersatz von erdölbasierten
Verfahren durch nachwachsende Rohstoffe gekennzeichnet ist, deutet manches
darauf hin, dass die eingesetzten Technologien potentiell risikoärmer sein
können als herkömmliche Verfahren.
9. Bei der Lösung welcher gesellschaftlichen Herausforderungen sieht die
Bundesregierung die größten Chancen und Potentiale für den Einsatz der
Weißen Biotechnologie in Deutschland?
Vor dem Hintergrund der weltweiten Bevölkerungszunahme, des
Klimawandels sowie der Zunahme von Hunger und Wassermangel ist der maßvolle
Umgang mit den natürlichen Ressourcen eine große gesellschaftliche
Herausforderung. Die Weiße Biotechnologie ist ein wichtiger Impulsgeber für den
Strukturwandel von einer erdöl- zu einer bio-basierten Industrie. Dabei werden
chemische, thermische oder mechanische Verfahren zunehmend von
biotechnologischen Verfahren abgelöst, wodurch Natur, Umwelt und Klima geschont
werden können und eine verringerte Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen
erreicht werden kann. Durch den Einsatz von Verfahren der Weißen
Biotechnologie lassen sich Prozesse beschleunigen, Energie und Wasser einsparen sowie
ggf. auch bisher ungenutzte Rest- und Abfallstoffe wiederverwerten.
10. Wie viele Biotechnologieunternehmen gibt es in Deutschland, die sich
explizit mit der Weißen Biotechnologie befassen?
Wie viele dieser Unternehmen sind nach deutscher Definition kleine oder
mittlere Unternehmen (sogenannte KMU)?
Nach Angaben der Informationsplattform biotechnologie.de, die im Auftrag
des BMBF jährliche Befragungen der Biotechnologie-Unternehmen in
Deutschland durchführt, gibt es derzeit 56 Unternehmen in Deutschland, die
sich als dedizierte Biotechnologie-Unternehmen hauptsächlich mit Weißer
Biotechnologie befassen. Zu diesen fast ausschließlich kleinen und mittleren
Unternehmen (KMU) kommen 26 sonstige biotechnologisch aktive Unternehmen
hinzu, bei denen die Weiße Biotechnologie nur einen Teil der Geschäftstätigkeit
darstellt. Unter diesen 26 Unternehmen sind 13 KMU.
11. In welcher Art und Weise hat die Bundesregierung die in der Studie
„Industrielle weiße Biotechnologie: Große Potenziale für den Standort
Deutschland“ von 2007 des Fraunhofer Instituts für System und
Innovationsforschung beschriebenen deutschen Defizite insbesondere in dem
Bereich Demonstrationsanlagen sowie qualifiziertes Personal behoben?
Mit dem Aufbau des Chemisch-Biotechnologischen
Prozessentwicklungszentrums (CBP) am traditionsreichen Chemie-Standort Leuna soll die
Verfügbarkeit von Demonstrationsanlagen verbessert werden. Mehrere
Bundesministerien stellen zusammen mit dem Land Sachsen-Anhalt insgesamt 50 Mio. Euro
für den Aufbau dieses Bioraffinerie-Forschungszentrums bereit, das im Jahr
2012 eingeweiht werden soll. Das CBP ist ein wichtiger Baustein für den
Cluster „BioEconomy“, der sich erfolgreich an der dritten Runde des
Spitzencluster-Wettbewerbs beteiligt hat. In den Jahren 2012 bis 2017 stehen bis zu
40 Mio. Euro Fördermittel aus dem Spitzencluster-Wettbewerb für die
Entwicklung des Clusters um das CBP bereit.
Neben dem Aufbau des CBP in Leuna fördert die Bundesregierung gemeinsam
mit der Bayerischen Staatsregierung den Aufbau einer Demonstrationsanlage
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/8891für die Gewinnung von Ethanol aus Stroh am Standort Straubing mit jeweils
5 Mio. Euro.
Um zukünftige Engpässe bei qualifiziertem Personal zu vermeiden, hat die
Bundesregierung den Dialog mit Hochschulen und Ländern gesucht. So konnte
das Land Nordrhein-Westfalen gewonnen werden, eine strukturierte
Graduiertenausbildung für die industrielle Biotechnologie an mehreren Hochschulen des
Landes zusätzlich zu finanzieren und damit ein wesentliches Element im
Konzept des Clusters CLIB2021 zu realisieren, der zu den Gewinnern des BMBF-
Wettbewerbs „BioIndustrie2021“ gehört. Darüber hinaus fördert das BMBF
pilothaft mehrere kooperative Forschungskollegs von Fachschulen und
Universitäten in der Bioverfahrenstechnik, bei denen exzellente
Fachhochschulabsolventen eine Promotionsmöglichkeit erhalten.
Daneben trägt allgemein auch die Mitarbeit von Studenten, Doktoranden etc.
an von der Bundesregierung geförderten Forschungsprojekten zur Weißen
Biotechnologie zur Qualifizierung und Etablierung junger Wissenschaftler auf
diesem Gebiet bei. Diesem Ziel dient auch die „Förderung wissenschaftlicher
Nachwuchsgruppen“ durch das Bundesministerium für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV): In der aktuellen Förderrunde befassen
sich zwei der sechs geförderten Nachwuchsgruppen mit dem Schwerpunkt
Weiße Biotechnologie.
12. Wo sieht die Bundesregierung nach heutiger Einschätzung die meisten
Defizite bzw. den größten staatlichen Handlungsbedarf im Bereich der
Weißen Biotechnologie in Deutschland?
Zu den größten Defiziten im Bereich der Weißen Biotechnologie zählen die
zum Teil noch nicht ausreichende Wirtschaftlichkeit der biotechnologischen
Prozesse, die nur verhaltene Diffusion von bio-basierten Innovationen in
traditionelle Branchen, die geringen FuE-Quoten in einigen Branchen sowie die
fragmentierte Forschungslandschaft in Deutschland. Staatlicher
Handlungsbedarf besteht vor allem darin, den Übergang von einer erdöl-basierten Industrie
auf eine bio-basierte Industrie zu schaffen und die richtigen Anreize zu setzen.
Zudem ist die Verfügbarkeit von nachhaltig erzeugten Rohstoffen ein
wesentlicher Faktor für das Gelingen dieses Prozesses.
13. Wie viele Lehrstühle an Hochschulen in Deutschland beschäftigen sich
explizit mit Forschungsfragen auf dem Gebiet der Weißen
Biotechnologie?
Nach einer aktuellen Erhebung der Informationsplattform biotechnologie.de
befassen sich 165 Institute an 48 Universitäten und 27 Fachhochschulen
schwerpunktmäßig mit Weißer Biotechnologie.
14. Welche außeruniversitären staatlichen Forschungseinrichtungen
beschäftigen sich explizit mit Forschungsfragen auf dem Gebiet der Weißen
Biotechnologie?
Nach einer aktuellen Erhebung der Informationsplattform biotechnologie.de
befassen sich in Deutschland eine Reihe von außeruniversitären
Forschungseinrichtungen und Ressortforschungseinrichtungen mit Forschungsfragen auf
dem Gebiet der Weißen Biotechnologie, darunter:
Drucksache 17/8891 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode● Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung,
● Bundesinstitut für Risikobewertung,
● Deutsches Biomasseforschungszentrum gGmbH,
● Deutsches Institut für Ernährungsforschung,
● Forschungsanstalt Geisenheim,
● Forschungszentrum Jülich,
● Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie,
● Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung,
● Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik,
● Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik,
● Fraunhofer-Institut für Holzforschung,
● Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie,
● Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung,
● Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik,
● Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung,
● Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung,
● Helmholtz-Zentrum Geesthacht,
● Leibniz-Institut für Neue Materialien gGmbH,
● Johann Heinrich von Thünen-Institut – Bundesforschungsinstitut für
Ländliche Räume, Wald und Fischerei,
● Julius Kühn-Institut – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen,
● Karlsruher Institut für Technologie,
● Leibniz-Institut für Agrartechnik Bornim,
● Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei,
● Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie,
● Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung,
● Max-Planck-Forschungsstelle für Enzymologie der Proteinfaltung,
● Max-Planck-Institut für Chemie,
● Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme,
● Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie,
● Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie,
● Max-Rubner-Institut – Bundesforschungsinstitut für Ernährung und
Lebensmittel,
● Zentrum für Agrarlandschaftsforschung.
15. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse aus den letzten fünf Jahren
zum Technologietransfer zwischen außeruniversitären staatlichen
Forschungseinrichtungen und in Deutschland ansässigen Unternehmen auf
dem Gebiet der Weißen Biotechnologie vor?
Der Bundesregierung liegen keine systematischen Erhebungen zum
Technologietransfer zwischen außeruniversitären staatlichen Forschungseinrichtungen
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/8891und in Deutschland ansässigen Unternehmen auf dem Gebiet der Weißen
Biotechnologie vor.
16. Wie viele Patente wurden in den vergangenen fünf Jahren angemeldet,
die sich direkt oder indirekt dem Feld der Weißen Biotechnologie
zuordnen lassen, und wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklung?
Eine exakte Angabe zur Zahl von Patentanmeldungen, die sich direkt oder
indirekt der Weißen Biotechnologie zuordnen lassen, ist mit vertretbarem
Aufwand nicht zu ermitteln. Da es sich bei der Weißen Biotechnologie im
Wesentlichen um eine Querschnittstechnologie handelt, sind entsprechende
Patentmeldungen nicht auf einzelne im internationalen Patentklassifizierungssystem IPC
verwendete Klassen oder Unterklassen begrenzt. Beschränkt man sich auf die
Klasse C 12, die u. a. „Biochemie“, „Mikrobiologie“ und „Mutation oder
genetische Techniken“ enthält, so ergeben sich folgende Zahlen für
Patentanmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA):
Die entsprechend dem Patent Cooperation Treaty für diese Jahre angemeldeten
und inzwischen offengelegten Patente deutscher Unternehmen weltweit, die
dem Feld der Weißen Biotechnologie zugeordnet werden können, beträgt
4 605. Aufgrund der eingeschränkten Aussagekraft der vorliegenden Zahlen ist
eine Bewertung der Entwicklung nicht möglich.
17. Wie viele Arbeitsplätze hängen in Deutschland nach Information der
Bundesregierung direkt von der Weißen Biotechnologie ab?
Nach Angaben der Informationsplattform biotechnologie.de waren im Jahr
2010 in den 56 dedizierten Biotechnologie-Unternehmen, die sich vorrangig
mit Weißer Biotechnologie befassen, 1 075 Mitarbeiter beschäftigt. Weitere
2 125 Mitarbeiter waren in den biotechnologischen Bereichen der 26
Unternehmen tätig, bei denen die Weiße Biotechnologie nur einen Teil der
Geschäftstätigkeit bildet.
18. Welche Summe hat die Bundesregierung in den letzten fünf Jahren für die
Begleitforschung der Weißen Biotechnologie verausgabt (bitte nach
Jahren, mit welchem Schwerpunkt, zuständigem Bundesressort
aufschlüsseln)?
Das BMBF hat im Rahmen des Dienstleistungsauftrags für den
Strategieprozess „Nächste Generation biotechnologischer Verfahren – Biotechnologie
2020+“ für begleitende Innovations- und Technikanalyse, darunter eine Delphi-
Befragung, rund 600 000 Euro vorgesehen (Laufzeit 2010 bis 2013). Darüber
hinaus gibt es in diesem Strategieprozess verschiedene FuE-Vorhaben, in denen
einzelne Arbeitspakete sich mit Begleitforschung beschäftigen, mit insgesamt
ca. 520 000 Euro Förderung (Laufzeit 2011 bis 2014).
Jahr Anzahl Patentanmeldungen
2006 369
2007 395
2008 340
2009 328
2010 292
2011 Angaben liegen noch nicht vor
Drucksache 17/8891 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeDas Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) hat im
Zusammenhang mit der Weißen Biotechnologie eine „Analyse des
Handlungsbedarfs für das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) aus
der Leitmarktinitiative (LMI) der EU-Kommission für biobasierte Produkte
außerhalb des Energiesektors“ durchführen lassen (Laufzeit 29. April 2010 bis
3. Dezember 2010, Kosten 67 947,18 Euro).
Das BMELV hat im Jahr 2010 eine Studie zur „Wettbewerbsfähigkeit der
Bundesrepublik Deutschland als Standort für die Fermentationsindustrie im
internationalen Vergleich“ mit einer Summe von 43 926,45 Euro gefördert.
Mit Mitteln des Bundesministerium für Umwelt (BMU) wurde das FuE-
Vorhaben „Anreize für die Entwicklung und Anwendung umweltfreundlicher
biotechnischer Produkte und Verfahren“ durchgeführt (Laufzeit 1. September
2008 bis 30. April 2009, Kosten 71 201,27 Euro).
Das BMWi hat im Zusammenhang mit der Weißen Biotechnologie eine
„Analyse des Handlungsbedarfs für das Bundesministerium für Wirtschaft und
Technologie (BMWi) aus der Leitmarktinitiative (LMI) der EU-Kommission für
biobasierte Produkte außerhalb des Energiesektors“ durchführen lassen
(Laufzeit 29. April 2010 bis 3. Dezember 2010, Kosten 67 947,18 Euro). Das
BMELV hat im Jahr 2010 eine Studie zur „Wettbewerbsfähigkeit der
Bundesrepublik Deutschland als Standort für die Fermentationsindustrie im
internationalen Vergleich“ mit einer Summe von 43 926,45 Euro gefördert.
Mit Mitteln des BMU wurde das FuE-Vorhaben „Anreize für die Entwicklung
und Anwendung umweltfreundlicher biotechnischer Produkte und Verfahren“
durchgeführt (Laufzeit 1. September 2008 bis 30. April 2009, Kosten
71 201,27 Euro).
19. Wie viele Produkte oder Verfahrenstechniken, welche durch Verwendung
der Weißen Biotechnologie hergestellt wurden, sind aktuell in
Deutschland auf dem Markt (bitte nach Branchen aufschlüsseln)?
Es sind zahlreiche Produkte in Deutschland auf dem Markt, ihre Anzahl ist
allerdings nicht bekannt. Produkte und Verfahren der Weißen Biotechnologie
kommen u. a. in folgenden Branchen (Beispiele in Klammern) vor:
● Chemische Industrie (chirale Zwischenprodukte, Fein-/Spezialchemikalien,
Biokunststoffe und Biopolymere, Wasch-, Lösungs- und Reinigungsmittel,
Agrochemikalien),
● Energiewirtschaft (Biokraftstoffe, Bioschmierstoffe),
● Futtermittelindustrie (Zusätze wie z. B. Aminosäuren oder Enzyme zum
Abbau von Phosphatverbindungen),
● Kosmetik-/Körperpflegeindustrie (Duftstoffe, Zahnpasta, Shampoo,
Cremes),
● Lederindustrie (Gerben, Bleichen),
● Metallindustrie (Rostentfernung),
● Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie (Vitamine, Süßungsmittel,
Säuerungsmittel, Aromastoffe, Aminosäuren, Geschmacksverstärker, Präbiotika,
Brot, Wein, Bier, Säfte, Spirituosen, Käse, Essig),
● Papier- und Zellstoffindustrie (Bleichen, Fibrilierung, Pechreduktion),
● Pharmaindustrie (Arzneimittel, z. B. Herstellung von Kortison und
Antibiotika),
● Textilindustrie (Stoffveredelung, Färben).
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/889120. Welchen Mehrwert für die Förderung der Weißen Biotechnologie
erwartet die Bundesregierung durch die Umgestaltung der Förderung im
Kontext der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“?
Mit der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ legt die
Bundesregierung wichtige Grundlagen, um die Vision einer nachhaltigen, bio-
basierten Wirtschaft langfristig zu verwirklichen. Die Weiße Biotechnologie wird als
wichtiger Impulsgeber für den Strukturwandel von einer erdöl- zu einer
biobasierten Industrie angesehen.
Um den Transformationsprozess hin zu einer Bioökonomie zu fördern und das
technologische Potenzial der Weißen Biotechnologie möglichst vollständig zu
nutzen, gilt es, industrielle Prozess- und Wertschöpfungsketten nicht isoliert auf
einzelne, parallele oder nachgelagerte Stufen, sondern umfassend zu
betrachten. Daher ist die Bildung strategischer Allianzen aller am Prozess beteiligten
relevanten Akteure zu fördern. Dadurch können Innovationsprozesse in der
Industrie beschleunigt und bekannte biotechnologische Verfahren auch in neue
Branchen eingeführt werden. Als erste Fördermaßnahme zur Umsetzung der
„Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ hat das BMBF daher
2011 die „Innovationsinitiative industrielle Biotechnologie“ aufgelegt.
Daneben ist auch die Entwicklung völlig neuartiger Verfahren erforderlich.
Durch eine verstärkte Interaktion der lebenswissenschaftlichen Forschung mit
angrenzenden Schlüsseltechnologien, wie z. B. Mikrosystemtechnik, und durch
eine Förderung der Interdisziplinarität zwischen Bio- und
Ingenieurwissenschaften können innovative biotechnologische Verfahren entwickelt werden,
mit denen die Technologieführerschaft auf dem Gebiet der Weißen
Biotechnologie für die Zukunft gesichert wird. Aufbauend auf den ersten Ergebnissen des
Strategieprozesses „Nächste Generation biotechnologischer Verfahren –
Biotechnologie 2020+“ hat das BMBF 2011 neue Fördermaßnahmen dazu
gestartet.
21. Wie viele zusätzliche Haushaltsmittel wurden nach Verabschiedung der
„Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ für die Förderung
der Weißen Biotechnologie zur Verfügung gestellt?
Nach Verabschiedung der „Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie
2030“ hat das BMBF mehrere Fördermaßnahmen zur Weißen Biotechnologie
veröffentlicht, darunter die „Innovationsinitiative industrielle Biotechnologie“,
„Basistechnologien“ und „Forschungspreis“ für eine nächste Generation
biotechnologischer Verfahren sowie ein dritter Aufruf für transnationale FuE-
Projekte im ERA-Net „Industrial Biotechnology“. Da die Prüfung der
eingegangenen Anträge noch nicht abgeschlossen ist bzw. die Einreichungsfristen für
Projekte noch nicht abgelaufen sind, können noch keine Angaben über neue
Fördersummen gemacht werden. Die Förderung laufender Projekte (z. B. aus
dem Cluster-Wettbewerb „BioIndustrie 2021“) wird fortgeführt. Für die
Förderung des Spitzenclusters „BioEconomy“ sind 40 Mio. Euro vorgesehen.
Zudem ist die Weiße Biotechnologie Bestandteil und auch ein aktueller
Schwerpunkt des Förderprogramms „Nachwachsende Rohstoffe“ des BMELV.
Innerhalb des Förderprogramms erfolgt jedoch keine einzelne Zuordnung/
Aufschlüsselung von Mitteln zu Forschungsthemen. Auch im Rahmen des Energie-
und Klimafonds (EKF) sind Aspekte der Weißen Biotechnologie Gegenstand
der Forschungsförderung.
Drucksache 17/8891 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode22. Welche Pläne verfolgt die Bundesregierung für die Fortführung des 2012
auslaufenden Cluster-Wettbewerbs „BioIndustrie 2021“?
Der 2006 gestartete Cluster-Wettbewerb „BioIndustrie 2021“ führte zu einer
Strukturierung der Weißen Biotechnologie in Deutschland. Das BMBF fördert
laufende Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in den fünf prämierten
Clustern auch noch über das Jahr 2012 hinaus. Die Zielstellung von „Bio-
Industrie2021“, die Diffusion biotechnologischer Produkte und Prozesse in
zahlreichen Industrien voranzutreiben, verfolgt das BMBF mit der 2011
gestarteten Fördermaßnahme „Innovationsinitiative industrielle Biotechnologie“
weiter. Damit können Ergebnisse aus „BioIndustrie2021“ in einem neuen
integrativen Ansatz weiter in die Anwendung transferiert werden.
23. Aus welchen Gründen liegt die für Ende 2011 angekündigte Roadmap für
die weitere Entwicklung von Bioraffinerien noch nicht vor, und wann ist
mit der Vorstellung der Roadmap zu rechnen?
Die Roadmap für die weitere Entwicklung von Bioraffinerien wird durch eine
Arbeitsgruppe bestehend aus namhaften Akteuren aus Wirtschaft und
Wissenschaft unter Federführung der Bundesregierung erarbeitet. Die Erstellung hat
sich als komplexer und schwieriger erwiesen als ursprünglich gedacht. Mit der
Vorstellung der „Roadmap Bioraffinerien“ ist im Laufe des Jahres 2012 zu
rechnen.
24. Welche Anwendungen der Weißen Biotechnologie lassen sich
exemplarisch für die großen Chancen für den deutschen Industriestandort aus
dieser Technologie anführen?
Mit der Weißen Biotechnologie werden bereits heute hochwertige
Chemikalien, Enzyme, Arzneimittel, Vitamine, Wasch- und Reinigungsmittel sowie
Futter- und Lebensmittelzusätze hergestellt, die aus dem täglichen Leben nicht
mehr wegzudenken sind.
Ein anschauliches Beispiel für die Chancen der Weißen Biotechnologie sind die
Waschmittelenzyme, die heute für saubere Wäsche auch bei niedrigen
Temperaturen sorgen. Anteil an diesem Erfolg hat auch ein vom BMBF gefördertes
Projekt, bei dem neue Waschmittelenzyme entwickelt wurden, die bei niedrigen
Temperaturen eine optimale Wirkung zeigen und damit eine Senkung des
Energieverbrauchs beim Waschen bewirken. Mit der Verleihung des Deutschen
Umweltpreises 2008 wurde diese mittlerweile am Markt etablierte Entwicklung
gewürdigt.
Ein anderes Beispiel sind die Vitamine B12 und B2, die heute überwiegend mit
biotechnologischen Verfahren hergestellt werden. Die einst chemisch-
technische Produktion des Vitamins B2 wurde in den 90er-Jahren durch ein
biotechnologisches Verfahren ersetzt. Der chemische Herstellungsprozess bestand
aus acht Stufen. Am Ende musste das entstandene Produkt noch aufwändig
unter Verwendung von Säure gereinigt werden. Das biotechnologische Verfahren
hingegen findet in nur einem einzigen Prozessschritt statt.
25. Wie verhalten sich die Beschäftigtenzahlen (bezogen auf die vergangenen
fünf Jahre, bitte auch die absoluten Zahlen angeben), die sich der Grünen
Biotechnologie zuordnen lassen, zu denjenigen, die sich der Weißen
Biotechnologie zuordnen lassen?
Nach Angaben der Informationsplattform biotechnologie.de haben sich die
Beschäftigtenzahlen der dedizierten Biotechnologie-Unternehmen, bei denen die
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/8891grüne bzw. Weiße Biotechnologie den wesentlichen Geschäftszweck darstellt,
wie folgt entwickelt:
Für die Beschäftigtenzahlen der sonstigen biotechnologisch aktiven
Unternehmen, bei denen die grüne bzw. Weiße Biotechnologie nur einen Teil der
Geschäftstätigkeit bildet, ergab die jährliche Umfrage im Rahmen von biotechno-
logie.de folgende Zahlen:
26. Wie hoch ist nach heutigen Schätzungen die maximal mögliche
Substitutionsquote für ausgewählte erdölbasierte Produkte durch die Weiße
Biotechnologie, und welche Zielwerte verfolgt die Bundesregierung in dieser
Frage?
Konkrete Abschätzungen über mögliche Substitutionsquoten sind hier nicht
möglich, da die Substitutionseffekte von den jeweiligen Verwendungsrouten,
dem Technologiefortschritt, den Marktbedingungen und vielen weiteren
Faktoren abhängen. Aus diesen Gründen können auch keine belastbaren Zielwerte
definiert werden.
27. Ist es nach Ansicht der Bundesregierung richtig, dass die meisten
Prozesse und Produkte der Weißen Biotechnologie ressourcenschonender,
energiesparender und abfallvermeidender sind als vergleichbare
konventionelle Produkte und Prozesse, und kann die Bundesregierung konkrete
Beispiele benennen?
Mit der Weißen Biotechnologie sollen konventionelle Verfahren und Prozesse
abgelöst werden mit dem Ziel, Umwelt und Ressourcen zu schonen, Energie zu
sparen oder Abfall zu vermeiden. Dazu kommt sie in ganz unterschiedlichen
Industriebereichen zum Einsatz. Welche dieser Ziele erreicht werden, hängt
dabei vom Einzelfall ab. Allgemeine Aussagen sind nicht möglich, eine
Bewertung muss stets durch den konkreten Vergleich einzelner Produktlinien
erfolgen.
Einige Beispiele wurden in der Antwort zu Frage 24 genannt, bei denen die
Umwelt hinsichtlich der CO2-Belastung, des Energieverbrauchs, der Belastung
mit Abfällen sowie des Verbrauchs fossiler Rohstoffe im Vergleich zu früheren
Verfahren deutlich entlastet wurde.
Grüne Biotechnologie Weiße Biotechnologie
2006 664 575
2007 691 683
2008 697 704
2009 565 915
2010 613 1 075
Grüne Biotechnologie Weiße Biotechnologie
2006 685 978
2007 710 944
2008 835 1 280
2009 985 2 065
2010 995 2 125
Drucksache 17/8891 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode28. In welchen Ländern wird die Biotechnologie, einschließlich der Weißen
Biotechnologie, politisch als Schlüsseltechnologie bewertet?
Biotechnologie wird in allen OECD-Ländern, aber auch weltweit, als
Schlüsseltechnologie angesehen. So hat u. a. auch China inzwischen die
Biotechnologie als Schlüsseltechnologie eingestuft.
29. Wie hoch ist der durchschnittliche Anteil an Forschung und Entwicklung
der deutschen Unternehmen im Bereich der Weißen Biotechnologie?
30. Hat die Bundesregierung Kenntnis über die Höhe der jährlich investierten
Forschungs- und Entwicklungsmittel in Deutschland ansässiger
Unternehmen im Bereich der Weißen Biotechnologie?
Wenn ja, wie hoch sind diese Mittel?
Die Fragen 29 und 30 werden zusammen beantwortet.
Nach Angaben der Informationsplattform biotechnologie.de haben die 56
dedizierten Biotechnologie-Unternehmen in Deutschland, die sich vorrangig mit
Weißer Biotechnologie befassen, im Jahr 2010 FuE-Ausgaben in Höhe von
59,3 Mio. Euro getätigt und einen Gesamtumsatz von 143 Mio. Euro erreicht.
Das entspricht einem Anteil der FuE-Ausgaben am Umsatz von 41 Prozent. Für
die 26 weiteren Unternehmen, bei denen die Weiße Biotechnologie nur einen
Teil der Geschäftsprozesse ausmacht – hier insbesondere Chemiekonzerne –,
liegen der Bundesregierung keine belastbaren Angaben zu den FuE-Ausgaben
in der Weißen Biotechnologie vor, da sich dieser Anteil nicht von den FuE-
Gesamtaufwendungen dieser Unternehmen abgrenzen lässt. Aus diesem Grund
kann die Bundesregierung keine Aussage zu den jährlich insgesamt investierten
FuE-Mitteln im Bereich der Weißen Biotechnologie machen.
31. Welches sind die zehn umsatzstärksten deutschen Unternehmen in der
Weißen Biotechnologie?
32. Welche sind die zehn weltweit umsatzstärksten Unternehmen der Weißen
Biotechnologie, und in welchen Ländern befindet sich der jeweilige
Unternehmenssitz?
Die Fragen 31 und 32 werden zusammen beantwortet.
Bei größeren Unternehmen, die in der Weißen Biotechnologie aktiv sind,
handelt es sich häufig um Großunternehmen wie etwa Chemiekonzerne, bei denen
die Biotechnologie nur eine von mehreren eingesetzten Technologien ist. Da
diese Unternehmen im Regelfall ihre biotechnologischen Aktivitäten nicht
separat erfassen und ausweisen, können keine validen Ranglisten der
umsatzstärksten Unternehmen der Weißen Biotechnologie vorlegt werden.
33. Welche Studien zur gesellschaftlichen Akzeptanz der Weißen
Biotechnologie liegen der Bundesregierung vor, und wie lauten deren
grundsätzliche Aussagen?
Aktuelle Studien zur gesellschaftlichen Akzeptanz der Weißen Biotechnologie
liegen der Bundesregierung nicht vor. Die öffentlichen Anhörungen der EU-
Kommission, die im Zuge der Erarbeitung ihres Strategie- und
Maßnahmenplans „Innovation für nachhaltiges Wachstum: eine Bioökonomie für Europa“
durchgeführt wurden, weisen auf eine positive Resonanz aller Beteiligten –
einschließlich der Nichtregierungsorganisationen – hin.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/889134. Inwieweit erwartet die Bundesregierung für die beschlossene
Energiewende in Deutschland entscheidende technologische Durchbrüche, die
auf Grundlagen der Weißen Biotechnologie beruhen?
35. Plant die Bundesregierung eine verstärkte Förderung der Weißen
Biotechnologie aufgrund der vom Deutschen Bundestag beschlossenen
Energiewende?
Die Fragen 34 und 35 werden zusammen beantwortet.
Durch ihr breites Einsatzspektrum und ihre gute Speicherfähigkeit wird
Bioenergie aus nachhaltig erzeugten nachwachsenden Rohstoffen in der künftigen
Energieversorgung eine wichtige Rolle spielen. Die Bioenergie soll als
bedeutender erneuerbarer Energieträger in allen drei Nutzungspfaden „Wärme“,
„Strom“ und „Kraftstoffe“ weiter ausgebaut werden. Hierbei wird die
Bundesregierung ihren bereits eingeschlagenen Weg der nachhaltigen Nutzung von
Biomasse für eine umweltfreundliche und sichere Energieversorgung
konsequent fortsetzen. Biogas und feste Biomasse sind gut speicherbar und in
Kombination mit anderen Maßnahmen geeignet, die fluktuierende Stromerzeugung
aus Wind und Sonne auszugleichen. Bei bedarfsgerechter Einspeisung kann
hocheffiziente Stromerzeugung aus Biomasse einen wichtigen Beitrag zur
Markt- und Netzintegration der erneuerbaren Energien leisten. Die Bioenergie-
Potenziale sind vor allem durch Nutzungskonkurrenzen sowie im Hinblick auf
den Naturschutz und Biodiversität begrenzt. Durch Koppel- und
Kaskadennutzung kann eine weitere Wertschöpfung und Ressourceneffizienz erreicht
werden. Für die Konversion von Biomasse für die energetische Nutzung sind
Verfahren der Weißen Biotechnologie (z. B. mikrobielle Umsetzung bei der
Biogasproduktion) neben physikalisch-chemischen Verfahren unerlässlich.
Die Bundesregierung hat mit der beschlossenen Energiewende die Weichen
dafür gestellt, dass die künftige Energieversorgung Deutschlands maßgeblich aus
erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Neben rechtlichen
Rahmenbedingungen gehören verschiedene Fördermaßnahmen, die über den Bundeshaushalt
und das Sondervermögen „Energie- und Klimafonds“ (EKF) finanziert werden,
zu den im Konzept verankerten Schwerpunkten für den Umbau der
Energieversorgung.
Im Verantwortungsbereich des BMELV wurden über seinen Projektträger, die
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), verschiedene
Forschungsschwerpunkte im Rahmen des EKF veröffentlicht. Dabei kommt der Weißen
Biotechnologie unter anderem bei Vorhaben zur Fermentation von
Bioalkoholen für Biokraftstoffe sowie bei der Optimierung der Biogasherstellung eine
erhebliche Bedeutung zu. Es wird davon ausgegangen, dass durch den Einsatz
der Weißen Biotechnologie Effizienzsteigerungen sowie eine Vielzahl von
Innovationen im Bereich der Energieerzeugung zu erwarten sind und dadurch
eine Beschleunigung der Energiewende ermöglicht wird.
36. Welche Aktivitäten auf Ebene der Europäischen Union zur weiteren
Förderung der Weißen Biotechnologie finden aktuell statt, und welche
Aktivitäten der Europäischen Kommission sind hier zu erwarten bzw.
angekündigt?
Im laufenden 7. Forschungsrahmenprogramm (2007 bis 2013) bildet das
Thema „Lebensmittel, Landwirtschaft, Fischerei und Biotechnologie“ neben
der Gesundheit das zweite wichtige Thema mit lebenswissenschaftlicher
Fragestellung. Ziel ist der Aufbau einer europäischen wissensbasierten Bioökonomie
(„Knowledge Based Bio Economy“, abgekürzt KBBE). In diesem Kontext
werden u. a. auch Fragestellungen der Anwendungen Weißer Biotechnologie
erforscht.
Drucksache 17/8891 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeDer Ansatz, wettbewerbsfähige, nachhaltige und innovative Industrieprodukte
und Verfahren zu entwickeln, findet sich auch im Entwurf für das neue
Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ (2014 bis 2020).
Im Abschnitt „Biotechnologie“ wird auf die Weiße Biotechnologie für
wettbewerbsfähige Produkte und Prozesse (z. B. in den Bereichen Chemie,
Gesundheit, Mineralgewinnung, Energie, Zellstoff und Papier, Textil, Stärke,
Lebensmittelverarbeitung) hingewiesen. Als Beispiel für die wachsende Bedeutung
der Biotechnologie in industriellen Anwendungen werden Biochemikalien
genannt, deren Marktanteil Schätzungen zufolge bis 2015 auf bis zu 12 bis
20 Prozent der Chemieproduktion steigen wird.
Jüngste Aktivität auf Ebene der EU, von der die Weiße Biotechnologie in
besonderem Maße betroffen sein wird, ist der Strategie- und Maßnahmenplan der
EU-Kommission „Innovation für nachhaltiges Wachstum: eine Bioökonomie
für Europa“. Hierdurch könnten nach Einschätzung der EU-Kommission
(Quelle: Citizens’ summary „Innovating for Sustainable Growth a Bioeconomy
for Europe“) 130 000 Arbeitsplätze generiert und ein Umsatz in den
verschiedenen Bioökonomie-Sektoren in Höhe von 45 Mrd. Euro bis 2025 erzielt
werden.
37. Mit welcher Summe wird die Weiße Biotechnologie im 7.
Forschungsrahmenprogramm gefördert, und welche Förderziele sollten nach
Auffassung der Bundesregierung im 8. Forschungsrahmenprogramm für diese
Technologie verfolgt werden?
Die Weiße Biotechnologie wird im 7. Forschungsrahmenprogramm unter dem
Begriff „Industrielle Biotechnologie“ mit einer eigenen Förderlinie im
Spezifischen Programm „Zusammenarbeit“ des Themas „Landwirtschaft, Fischerei,
Ernährung, Biotechnologie“ (KKBE) geführt. Diese Förderlinie wird insgesamt
rund 113 Mio. Euro umfassen. Für das nächste Rahmenprogramm für
Forschung und Innovation sollte dieser Bereich inhaltlich in das Konzept der
Bioökonomie eingebunden und angemessen finanziert werden.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]