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Kleine AnfrageWahlperiode 17Beantwortet

Engpässe in der Erdgasversorgung im Februar 2012 und deren Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit im Stromsektor

Nachfrage zu BT-Drs 17/9133; Kraftwerksabschaltungen aufgrund mangelnden Erdgasdrucks bzw. verminderten Erdgasimports, im- und exportierte Erdgasmengen von und nach Italien und Frankreich im Januar und Februar 2012, Erkenntnisse aus der schwierigen Strom- und Gasversorgung, nationale Autarkie und Versorgungssicherheit, Stromaustausch mit den europäischen Nachbarländern<br /> (insgesamt 13 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Datum

13.06.2012

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 17/963611. 05. 2012

Engpässe in der Erdgasversorgung im Februar 2012 und deren Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit im Stromsektor

der Abgeordneten Oliver Krischer, Hans-Josef Fell, Bärbel Höhn, Sylvia Kotting-Uhl, Undine Kurth (Quedlinburg), Nicole Maisch, Dr. Hermann E. Ott, Dorothea Steiner und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Trotz der Kehrtwende der Bundesregierung in der Atompolitik und der damit verbundenen sofortigen Abschaltung von acht Atomkraftwerken und einer längeren Kälteperiode kam es in diesem Winter zu keinem – wie von interessierter Seite zuvor prophezeiten – Blackout. Dennoch war die Energieversorgung mit Strom und Gas während der Kälteperiode Anfang Februar 2012 einer Belastungsprobe ausgesetzt. Aufgrund der hohen Stromnachfrage in Deutschland und in anderen EU-Staaten, wie Frankreich und Italien, kam es zu Liefer- und Verteilungsengpässen in der Erdgasversorgung. Vor allem Lieferengpässe in den Erdgasleitungen zwischen Nord- und Süddeutschland waren dafür verantwortlich. Aber auch Russland hatte Anfang Februar 2012 bei Erdgaslieferungen zeitweilig Lieferkürzungen von bis zu 30 Prozent durchgeführt. Das staatliche Energieunternehmen Gazprom begründete dies mit der extremen Kältewelle und dem damit verbundenen gestiegenen Bedarf im eigenen Land.

Diese beiden Faktoren haben besonders in Süddeutschland zu einer angespannten Versorgungslage geführt. In der Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Engpässe in der Erdgasversorgung“ (Bundestagsdrucksache 17/9133) konnte die Bundesregierung aufgrund der zeitlichen Nähe zum Februar 2012 noch keine konkreten Daten zu möglichen Ursachen liefern. Mittlerweile hat der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, erste Ergebnisse zu den Engpässen vorgestellt.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen13

1

Wie viele Kraftwerke mussten aufgrund eines mangelnden Erdgasdrucks oder anderer Ereignisse, die mit einem verminderten Erdgasimport in Verbindung stehen, wie oft zwischen März 2011 und März 2012 abgeschaltet werden (bitte nach Kraftwerk, Zeitpunkt, Dauer, anschließendem Netzbetreiber und Ursache aufschlüsseln)?

2

Welche Erdgasmengen hat Deutschland im Januar und Februar 2012 nach Italien exportiert?

3

Welche Erdgasmengen hat Deutschland im Januar und Februar 2012 aus Italien importiert?

4

Welche Erdgasmengen hat Deutschland im Januar und Februar 2012 nach Frankreich exportiert?

5

Welche Erdgasmengen hat Deutschland im Januar und Februar 2012 aus Frankreich importiert?

6

Was sind die Erkenntnisse aus den Schwierigkeiten bei der Strom- und Gasversorgung in diesem Winter, und muss die Regelenergie nach Ansicht der Bundesregierung zukünftig anders dimensioniert werden?

7

Inwieweit hält die Bundesregierung eine nationale Autarkie bei der Sicherstellung von Versorgungssicherheit im Strombereich für richtig, und gibt es Überlegungen, die Definition nationaler Autarkie im Sinne (gegebenenfalls begrenzter) grenzüberschreitender Ansätze zu überdenken?

8

Wie schätzt die Bundesregierung die Entwicklung des Stromaustauschs mit den europäischen Nachbarländern ein, und erwartet die Bundesregierung, dass die Nachbarländer im Bedarfsfall nicht ausreichend Strom bereitstellen könnten?

9

Erwägt die Bundesregierung, Autarkie auch im Sinne regionaler Versorgungssicherheit (z. B. für Südwestdeutschland) zukünftig zu forcieren?

10

Teilt die Bundesregierung die Auffassung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI), welches im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie ein Gutachten zum Strommarktdesign erarbeitet hat, dass Deutschland bei der Prämisse Autarkie in der Stromerzeugung Versorgungssicherheit nach 2020 nur durch die Einführung von Kapazitätsmechanismen sicherstellen kann, und wenn ja, bis wann würden durch Kapazitätsmechanismen angereizte Kapazitäten zur Verfügung stehen (müssen)?

11

Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus den Aussagen des Direktors des EWI-Instituts, Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge, der die Vorgaben des Bundeswirtschaftsministeriums als Auftraggeber für das Gutachten zum Strommarktdesign als „realitätsfern“ (siehe Energate-Meldung vom 27. April 2012) bezeichnete?

12

Wie will die Bundesregierung zukünftig sicherstellen, dass systemrelevante Gaskraftwerke, die Abschaltverträge besitzen, in Engpasssituationen nicht abgeschaltet werden, wie im Februar 2012 geschehen?

13

Plant die Bundesregierung einen zusätzlichen Erdgas-Speicherausbau in Süddeutschland (bitte nach Größe, Standort und Stand des Genehmigungsverfahrens aufschlüsseln) zu unterstützen, und falls ja, mit welchen konkreten Maßnahmen forciert sie diesen?

Berlin, den 11. Mai 2012

Renate Künast, Jürgen Trittin und Fraktion

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