[Deutscher Bundestag Drucksache 17/12610
17. Wahlperiode 04. 03. 2013 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sabine Zimmermann, Jutta Krellmann,
Yvonne Ploetz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/12325 –
Steigende Erwerbstätigkeit von Frauen und ihre Benachteiligung
auf dem Arbeitsmarkt
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Am 8. März jährt sich der internationale Frauentag. Die Bundesministerin für
Arbeit und Soziales, Dr. Ursula von der Leyen, lässt kaum eine Gelegenheit aus,
auf die positive Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit hinzuweisen. In der Tat
arbeiten immer mehr Frauen, aber an ihrer Benachteiligung auf dem
Arbeitsmarkt hat sich nichts grundlegend geändert. Weiterhin gibt es einen deutlichen
Lohnabstand und Frauen arbeiten oft in unsicheren
Beschäftigungsverhältnissen. Ohne ein Handeln der Politik droht eine Verfestigung der Ungleichheiten
auf dem Arbeitsmarkt. Die Bundesregierung ist gefordert, eine ehrliche Bilanz
der Gleichstellung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt abzulegen und geeignete
Maßnahmen zum Abbau der Diskriminierung zu ergreifen.
1. Wie bewertet die Bundesregierung die steigende Erwerbstätigkeit von
Frauen vor dem Hintergrund, dass es sich immer noch um einen gespaltenen
Arbeitsmarkt handelt bzw. dieser sich verfestigt hat (Gleichstellungsbericht
der Bundesregierung, Bundestagsdrucksache 17/6240)?
2. Welche Fortschritte sieht die Bundesregierung bei der Gleichberechtigung
von Frauen auf dem Arbeitsmarkt, wo sieht sie noch Handlungsbedarf, und
was hat sie diesbezüglich unternommen und will sie noch unternehmen?
Die Fragen 1 und 2 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Im Jahr 2011 ist die Erwerbstätigenquote der Frauen im Vergleich zum Vorjahr
etwas stärker als die allgemeine Erwerbstätigkeit angestiegen. Die
Erwerbstätigenquote ist seit 2000 um rund 10 Prozentpunkte auf 67,7 Prozent (Frauen im
Alter von 15 bis einschließlich 64 Jahren) gestiegen (siehe auch Antworten zu
den Fragen 3 ff.). Sie nähert sich kontinuierlich dem nationalen Zielwert im Rah- Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom
26. Februar 2013 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/12610 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodemen der EU 2020-Strategie von 73 Prozent an (dieser bezieht sich auf Frauen im
Alter von 20 bis einschließlich 65 Jahre; nach dieser Abgrenzung lag die
Erwerbstätigenquote der Frauen 2011 bei 71,1 Prozent).
Die Bundesregierung begrüßt diese positive Entwicklung nicht nur im Blick
darauf, dass die gestiegene Erwerbstätigkeit von Frauen einen wesentlichen
Beitrag zur Vermeidung des Fachkräftemangels leistet, sondern auch im
Bewusstsein, dass eine steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen deren eigenständige
Einkommensabsicherung im Lebensverlauf verbessert und deren
gleichberechtigte Teilhabe im Beruf wie im privaten Bereich unterstützt. Darauf weist auch
der Erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung „Neue Wege – gleiche
Chancen. Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf“
(Bundestagsdrucksache 17/6240) hin. Dieser konstatiert im Übrigen keine Verfestigung
eines geschlechtsspezifisch gespaltenen Arbeitsmarkts. Auch die
Bundesregierung hat hierzu keine empirisch belastbaren Erkenntnisse.
Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass Frauen und Männer ihre
Potenziale innerhalb und außerhalb des Berufslebens nur optimal nutzen können, wenn
sie faire Chancen über ihren gesamten Lebensverlauf hinweg erhalten. Die
Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern entstehen an wichtigen Übergängen
im Lebensverlauf: bei der Berufswahl, bei der Gründung einer Familie, beim
Aus- und Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. An diesen Übergängen setzt die
Gleichstellungspolitik der Bundesregierung mit verschiedenen Maßnahmen an.
• In der Arbeitsförderung und in der Grundsicherung für Arbeitsuchende wird
die Gleichstellung von Frauen und Männern als durchgängiges Prinzip
verfolgt. Zudem sind bei der Ausgestaltung der Leistungen der Arbeitsförderung
die Lebensverhältnisse von Frauen und Männern, die Kinder erziehen oder
Angehörige pflegen, zu berücksichtigen. Bei dieser Aufgabe werden die
Agenturen für Arbeit und die Jobcenter von den Beauftragten für
Chancengleichheit am Arbeitsmarkt unterstützt.
• Die Bundesregierung unterstützt den Wiedereinstieg in das Berufsleben mit
dem Modellprogramm des Europäischen Sozialfonds (ESF) „Perspektive
Wiedereinstieg“ (PWE). Die zweite Phase des Modellprogramms enthält
unter anderem spezifische Angebote für wiedereinstiegswillige
Akademikerinnen und Frauen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Darüber hinaus
hat die Bundesagentur für Arbeit auf Basis der Erfahrungen des
Modellprogramms die erfolgreichsten Module zu einer Maßnahme „Verstetigte PWE“
zusammengefasst und damit in die Regelförderung überführt.
• Die Bundesregierung verstetigt ebenfalls erfolgreiche Konzepte und
bewährte Ansätze aus dem ESF-Bundesprogramm „Gute Arbeit für
Alleinerziehende“. Diese werden bundesweit den Jobcentern zur Verfügung gestellt,
damit sie im Rahmen des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch (SGB II)
eingesetzt werden können, um Alleinerziehenden passgenaue Unterstützung für
die Integration in Erwerbstätigkeit anbieten zu können. Zudem wird die
Verstetigung geeigneter lokaler Unterstützungsstrukturen in dem noch bis Mitte
2013 laufenden ESF-Programm „Netzwerke wirksamer Hilfen für
Alleinerziehende“ vorangetrieben.
• Die Bundesregierung hat gemeinsam mit ihren Partnern im Nationalen Pakt
für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs am 6. Februar 2013 eine
Gemeinsame Erklärung zur Teilzeitberufsausbildung beschlossen. Die Paktpartner
haben sich damit verpflichtet, für eine stärkere Nutzung der
Teilzeitausbildung zu werben. Denn sie bietet Müttern (und Vätern) ohne
Berufsausbildung die Möglichkeit, erfolgreich eine betriebliche Berufsausbildung zu
absolvieren.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/12610• Faire Einkommensperspektiven für Frauen und Männer bedeutet, faire
Berufs- und Karrierechancen zu eröffnen und Entgeltungleichheiten zu
reduzieren. Auf Initiative der Bundesregierung haben sich die Unternehmen des
deutschen Leitindex DAX 30 zu konkreten Zielen für einen höheren
Frauenanteil in Führungspositionen und zur regelmäßigen Veröffentlichung ihrer
Fortschritte verpflichtet. Das Projekt „Logib-D“ hilft Unternehmen
außerdem, betriebliche Lösungen für eine faire Entlohnung zu entwickeln (siehe
dazu auch Antwort zu Frage 18).
3. Wie hat sich seit 1990 die Zahl der Erwerbstätigen nach Frauen und Männern
entwickelt (bitte jährlich für Gesamtdeutschland sowie Ost und West
ausweisen)?
Die Entwicklung der Erwerbstätigenzahlen ab dem Jahr 1991 kann der
nachfolgenden Tabelle entnommen werden; frühere Jahre sind im Mikrozensus nicht
verfügbar.
4. Wie hat sich seit 1990 die Erwerbsquote von Frauen und Männern entwickelt
(bitte jährlich für Gesamtdeutschland sowie Ost und West ausweisen)?
Erwerbsquoten geben den Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätige plus
Erwerblose) an der Bevölkerung an, Erwerbstätigenquoten hingegen bilden die
Relation zwischen Erwerbstätigen und der Bevölkerung ab. Aufgrund des
Zusammenhangs mit Frage 3 weisen die nachfolgenden Tabellen beide Quoten in
der gewünschten Differenzierung ab dem Jahr 1991 aus; frühere Jahre sind im
Mikrozensus nicht verfügbar.
Tabelle 1:
Erwerbstätige nach Geschlecht im Alter von 15 bis unter 65 Jahren (in 1.000)
Insgesamt Männer Frauen Insgesamt Männer Frauen Insgesamt Männer Frauen
2011 39.106 21.021 18.085 31.390 16.938 14.452 7.716 4.083 3.633
2010 38.270 20.637 17.633 30.646 16.602 14.045 7.624 4.036 3.588
2009 37.994 20.556 17.438 30.432 16.556 13.875 7.562 4.000 3.562
2008 38.091 20.786 17.305 30.539 16.758 13.781 7.552 4.028 3.525
2007 37.568 20.522 17.046 30.118 16.545 13.573 7.450 3.977 3.473
2006 36.801 20.141 16.661 29.511 16.262 13.249 7.291 3.878 3.412
2005 36.047 19.806 16.240 28.920 16.022 12.898 7.127 3.784 3.342
2004 35.209 19.397 15.812 28.224 15.684 12.540 6.985 3.713 3.272
2003 35.734 19.720 16.014 28.627 15.913 12.714 7.106 3.806 3.300
2002 36.117 20.073 16.045 28.906 16.190 12.716 7.212 3.883 3.328
2001 36.415 20.375 16.040 29.083 16.393 12.689 7.332 3.982 3.350
2000 36.231 20.439 15.793 28.806 16.378 12.429 7.425 4.061 3.364
1999 36.026 20.421 15.605 28.524 16.311 12.213 7.503 4.111 3.392
1998 35.498 20.278 15.220 28.115 16.220 11.895 7.383 4.059 3.324
1997 35.438 20.322 15.117 27.942 16.186 11.756 7.497 4.136 3.361
1996 35.634 20.490 15.144 28.001 16.280 11.721 7.633 4.210 3.423
1995 35.727 20.744 14.983 27.977 16.428 11.549 7.750 4.316 3.434
1994 35.765 20.796 14.969 28.119 16.545 11.574 7.646 4.251 3.395
1993 36.070 21.111 14.959 28.501 16.895 11.606 7.569 4.215 3.353
1992 36.617 21.436 15.180 28.776 17.100 11.676 7.841 4.337 3.505
1991 37.126 21.689 15.437 28.361 16.970 11.391 8.765 4.719 4.046
Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus
Deutschland Neue Länder und Berlin
Früheres Bundesgebiet (ohne
Berlin)
Drucksache 17/12610 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode.
5. Wie stellt sich die Erwerbsquote von Frauen in Deutschland im europäischen
Vergleich dar?
Die Erwerbsquoten und Erwerbstätigenquoten im europäischen Vergleich
können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden. Deutschland liegt mit bei-
Tabelle 2:
Erwerbsquote (in Prozent) nach Geschlecht im Alter von 15 bis unter 65 Jahren
Insgesamt Männer Frauen Insgesamt Männer Frauen Insgesamt Männer Frauen
2011 77,0 82,2 71,6 76,3 82,1 70,5 79,6 82,7 76,4
2010 76,5 82,1 70,7 75,7 81,9 69,4 79,6 82,8 76,1
2009 76,2 82,0 70,3 75,4 81,9 68,9 79,2 82,4 75,8
2008 75,8 81,8 69,6 75,2 81,9 68,3 78,2 81,6 74,7
2007 75,5 81,6 69,2 74,8 81,7 67,9 77,9 81,3 74,4
2006 74,8 81,1 68,4 74,3 81,4 67,1 76,9 80,1 73,4
2005 73,7 80,4 66,8 73,2 80,8 65,5 75,7 79,1 72,1
2004 72,3 79,3 65,2 71,7 79,6 63,6 74,5 77,9 70,9
2003 72,2 79,2 65,1 71,7 79,5 63,6 74,2 77,9 70,4
2002 71,7 79,0 64,3 71,2 79,4 62,8 73,6 77,3 69,8
2001 71,5 79,0 63,9 70,9 79,3 62,3 73,8 77,8 69,7
2000 71,0 78,8 62,9 70,3 79,1 61,2 73,7 77,9 69,3
1999 71,1 79,2 62,7 70,2 79,4 60,7 74,4 78,5 70,1
1998 70,7 79,2 62,0 69,6 79,4 59,6 74,6 78,4 70,6
1997 70,7 79,3 61,8 69,6 79,6 59,3 74,6 78,3 70,8
1996 70,4 79,3 61,3 69,3 79,6 58,7 74,5 78,2 70,6
1995 70,3 79,4 60,9 69,1 79,7 58,2 74,5 78,3 70,5
1994 70,5 79,7 61,1 69,5 80,2 58,4 74,3 77,9 70,6
1993 70,3 79,8 60,5 69,5 80,5 58,0 73,4 77,4 69,3
1992 70,8 80,5 60,8 69,5 80,8 57,8 75,3 79,5 71,1
1991 71,1 81,5 60,5 69,0 80,9 56,7 78,7 84,0 73,4
Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus
Erwerbsquote = Anteil der Erw erbspersonen (Erw erbstätige plus Erw erblose) an der Bevölkerung
Neue Länder und Berlin
Früheres Bundesgebiet
(ohne Berlin)
Deutschland
Tabelle 3:
Erwerbstätigenquote (in Prozent) nach Geschlecht im Alter von 15 bis unter
65 Jahren
Insgesamt Männer Frauen Insgesamt Männer Frauen Insgesamt Männer Frauen
2011 72,4 77,1 67,6 72,5 77,8 67,1 71,7 74,0 69,3
2010 71,0 75,9 66,0 71,1 76,6 65,5 70,6 72,8 68,2
2009 70,2 75,3 65,1 70,5 76,3 64,7 69,1 71,3 66,8
2008 70,0 75,7 64,2 70,6 77,0 64,1 67,8 70,6 64,9
2007 68,9 74,5 63,1 69,6 76,0 63,1 66,0 68,9 63,1
2006 67,1 72,7 61,4 68,1 74,5 61,5 63,4 65,9 60,8
2005 65,4 71,2 59,5 66,5 73,3 59,7 61,2 63,5 58,8
2004 64,3 70,1 58,4 65,5 72,2 58,7 59,8 62,2 57,3
2003 64,9 70,9 58,8 66,1 72,9 59,1 60,5 63,3 57,5
2002 65,4 71,9 58,8 66,6 74,1 59,1 60,8 64,0 57,5
2001 65,8 72,7 58,8 67,0 74,8 59,1 61,5 65,2 57,5
2000 65,4 72,8 57,7 66,3 74,7 57,8 61,8 66,2 57,2
1999 64,8 72,4 56,9 65,5 74,0 56,8 62,1 66,6 57,4
1998 63,8 71,8 55,5 64,6 73,5 55,4 61,0 65,7 56,0
1997 63,7 71,9 55,2 64,2 73,3 54,8 61,8 66,9 56,5
1996 64,2 72,7 55,4 64,5 73,9 54,8 63,0 68,3 57,5
1995 64,6 73,9 55,0 64,8 74,9 54,4 64,0 70,3 57,5
1994 64,6 74,0 55,0 65,1 75,3 54,5 63,0 69,2 56,5
1993 65,1 75,0 54,9 65,8 76,6 54,7 62,5 69,1 55,8
1992 66,6 76,9 56,0 67,0 78,3 55,4 65,0 71,9 58,1
1991 67,8 78,4 57,0 66,6 78,5 54,3 72,1 78,2 66,2
Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus
Erwerbstätigenquote = Anteil der Erw erbstätigen an der Bevölkerung
Deutschland Neue Länder und Berlin
Früheres Bundesgebiet
(ohne Berlin)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/12610den Quoten deutlich über dem Durchschnitt der EU 27 und weist nach
Schweden, Dänemark, Niederlande und Finnland die höchste Erwerbsquote innerhalb
der EU 27 auf.
Tabelle 4:
Erwerbsquoten von Frauen im Alter von 15 bis unter 65 Jahren in Europa
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
EU 27 : : : : : : : : : 60,1 60,2 60,5 61,1 61,5 62,2 62,9 63,2 63,7 64,1 64,4 64,8
Belgien 48,2 49,3 50,3 51,2 51,7 52,0 52,9 53,8 56,0 56,6 54,5 55,4 55,8 57,7 59,5 59,5 60,4 60,8 60,9 61,8 61,1
Bulgarien : : : : : : : : : 56,1 59,1 58,4 57,1 58,4 57,3 60,2 62,1 63,1 62,5 62,3 62,4
Tschechische Republik : : : : : : 63,4 63,7 63,9 63,5 63,0 62,5 62,6 62,1 62,4 62,3 61,5 61,0 61,5 61,5 62,2
Dänemark 78,0 78,2 77,4 73,8 73,3 73,6 74,2 75,1 76,1 75,9 75,0 75,9 74,8 76,1 75,9 77,0 76,4 77,0 76,8 76,0 76,1
Deutschland 61,2 61,1 60,7 61,4 61,3 61,3 61,8 62,1 62,9 63,0 63,7 64,2 65,0 65,1 66,9 68,5 69,4 69,7 70,4 70,8 71,8
Estland : : : : : : 67,5 66,6 64,9 64,8 65,5 63,2 65,3 66,2 66,9 69,3 68,7 70,1 70,6 71,0 71,5
Irland 42,7 43,4 45,4 46,7 47,1 48,6 49,8 52,0 54,3 55,6 56,0 57,3 57,6 58,0 60,8 61,9 63,3 63,1 62,7 62,2 61,9
Griechenland 40,2 41,7 42,3 43,2 44,3 45,8 46,0 48,8 50,4 50,6 49,7 51,0 52,1 54,1 54,5 55,0 54,9 55,1 56,5 57,6 57,5
Spanien 40,7 42,6 43,3 45,1 45,8 46,7 47,9 48,6 49,6 51,8 50,4 52,9 54,8 56,6 58,3 60,2 61,4 63,2 64,8 65,9 67,0
Frankreich 58,3 59,0 59,7 60,2 60,6 61,3 61,1 61,6 62,2 62,5 62,3 62,6 64,4 64,3 64,8 64,8 65,2 65,4 66,0 66,1 66,2
Italien 44,2 42,5 42,0 42,2 42,4 43,1 43,7 44,5 45,6 46,2 47,1 48,0 48,7 50,4 50,4 50,8 50,7 51,6 51,1 51,1 51,5
Zypern : : : : : : : : 50,4 57,3 60,6 61,6 63,1 63,1 62,5 63,8 65,4 65,7 66,0 67,4 67,4
Lettland : : : : : : : 64,4 62,2 61,7 63,6 65,2 64,9 64,3 65,1 66,7 68,3 70,5 71,0 70,7 70,1
Litauen : : : : : : : 66,0 68,3 67,7 66,4 65,7 69,1 65,5 64,9 64,6 65,0 65,5 67,8 68,8 69,3
Luxemburg 44,6 47,5 46,1 47,0 44,1 45,7 47,1 47,6 50,2 51,7 52,0 53,5 53,5 55,8 57,0 58,2 58,9 58,7 60,7 60,3 60,7
Ungarn : : : : : 49,5 48,6 50,8 52,0 52,5 52,1 52,5 53,8 53,6 55,1 55,5 55,1 55,0 55,3 56,7 56,8
Malta : : : : : : : : : 35,8 35,6 37,4 37,1 34,5 36,9 36,5 38,6 40,2 40,8 42,3 44,1
Niederlande 53,6 55,3 56,0 57,4 58,3 59,6 61,3 62,5 64,4 65,7 66,9 67,9 68,6 69,2 70,0 70,7 72,2 73,3 74,1 72,6 73,1
Österreich : : : : 62,3 61,8 61,8 62,5 62,7 62,5 62,3 63,9 63,9 63,5 65,6 67,0 67,8 68,6 69,6 69,3 69,5
Polen : : : : : : 59,5 59,4 59,6 60,5 60,6 59,1 58,2 57,6 58,1 56,8 56,5 57,0 57,8 59,0 59,4
Portugal 59,9 58,6 58,7 58,8 59,1 59,5 60,3 62,3 62,9 63,7 64,6 65,4 66,6 66,7 67,9 68,4 68,8 68,9 69,0 69,9 69,8
Rumänien : : : : : : 65,4 64,0 63,7 63,6 62,4 57,6 56,7 57,2 55,3 56,6 56,0 55,2 55,4 55,8 56,0
Slow enien : : : : : 61,5 62,9 64,4 63,0 63,1 62,5 63,9 62,1 65,6 66,1 66,7 66,6 67,5 67,9 67,4 66,5
Slow akei : : : : : : : 61,3 62,0 62,8 63,6 63,0 63,2 63,0 61,5 60,9 60,8 61,3 60,6 61,3 61,0
Finnland : : : : 69,4 69,3 69,8 70,0 73,9 74,1 74,7 74,9 74,5 74,1 72,8 73,3 73,8 73,9 73,5 72,5 72,7
Schw eden : : : : 75,9 75,2 74,1 72,2 74,0 73,4 76,0 76,1 76,0 75,5 76,3 76,3 76,8 76,9 76,4 76,7 77,7
Vereinigtes Königreich 66,0 65,9 66,0 66,1 66,0 66,5 66,9 66,9 67,4 67,8 67,7 68,2 68,1 68,4 68,8 69,2 69,0 69,4 69,5 69,4 69,7
Quelle: Eurostat
: nicht verfügbar
Frauen
Tabelle 5:
Erwerbstätigenquoten von Frauen im Alter von 15 bis unter 65 Jahren in Europa
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
EU 27 : : : : : : : : : 53,6 54,3 54,5 55,0 55,4 56,1 57,2 58,2 58,9 58,4 58,2 58,5
Belgien 43,0 44,6 44,9 44,8 45,4 45,6 46,7 47,5 50,2 51,9 50,7 51,1 51,4 53,0 53,8 54,0 55,3 56,2 56,0 56,5 56,7
Bulgarien : : : : : : : : : 47,2 47,9 48,2 49,5 51,6 51,7 54,6 57,6 59,5 58,3 56,4 56,2
Tschechische Republik : : : : : : 60,2 58,9 57,4 56,8 56,9 57,1 56,6 56,1 56,3 56,8 57,3 57,6 56,7 56,3 57,2
Dänemark 70,1 70,4 68,7 67,1 67,0 67,4 69,4 70,3 71,6 72,1 71,4 72,6 70,5 72,0 71,9 73,4 73,2 74,1 72,7 71,1 70,4
Deutschland (einschließ 57,2 56,0 55,0 55,0 55,3 55,4 55,2 55,6 57,1 57,8 58,7 58,8 58,9 58,5 59,6 61,5 63,2 64,3 65,2 66,1 67,7
Estland : : : : : : 61,0 60,9 58,1 57,2 56,9 57,6 58,3 60,3 62,1 65,3 65,9 66,3 63,0 60,6 62,8
Irland 35,5 36,8 38,2 39,8 41,3 42,8 44,7 48,1 51,2 53,2 54,0 55,2 55,3 55,8 58,3 59,3 60,6 60,2 57,6 56,1 55,1
Griechenland 34,9 36,2 36,4 37,1 38,0 38,5 39,1 40,6 41,1 41,8 41,7 43,1 44,5 45,5 46,1 47,4 47,9 48,7 48,9 48,1 45,1
Spanien 31,2 31,7 30,8 30,7 31,7 32,8 34,5 35,6 38,2 41,2 42,8 44,3 46,1 47,9 51,2 53,2 54,7 54,9 52,8 52,3 52,0
Frankreich 51,5 51,4 51,7 51,4 52,1 52,4 52,2 52,9 53,5 54,8 55,7 56,4 58,3 57,6 58,4 58,6 59,6 60,2 59,8 59,7 59,7
Italien 37,2 36,5 35,7 35,7 35,5 36,1 36,5 37,1 38,1 39,3 40,9 41,9 42,8 45,2 45,3 46,3 46,6 47,2 46,4 46,1 46,5
Zypern : : : : : : : : 50,4 53,0 57,1 59,0 60,2 59,7 58,4 60,3 62,4 62,9 62,3 63,0 62,1
Lettland : : : : : : : 55,6 53,7 53,3 56,1 57,6 57,8 57,4 59,3 62,4 64,4 65,4 60,9 59,4 60,2
Litauen : : : : : : : 58,1 59,9 58,2 56,9 57,2 60,0 57,8 59,4 61,0 62,2 61,8 60,7 58,7 60,2
Luxemburg 43,6 46,2 44,7 44,9 42,2 43,6 45,4 45,6 48,5 50,0 50,8 51,5 50,9 51,9 53,7 54,6 56,1 55,1 57,0 57,2 56,9
Ungarn : : : : : 45,1 44,8 46,8 48,8 49,4 49,6 49,8 50,9 50,5 51,0 51,1 50,9 50,6 49,9 50,6 50,6
Malta : : : : : : : : : 33,4 32,7 34,3 33,4 31,6 33,7 33,4 35,7 37,4 37,6 39,3 41,0
Niederlande 48,3 50,9 51,7 52,7 53,2 54,8 56,9 58,9 61,3 63,4 65,3 65,9 66,0 65,7 66,4 67,7 69,6 71,1 71,5 69,3 69,9
Österreich : : : : 59,2 58,6 58,5 59,0 59,7 59,7 59,8 61,0 61,1 60,1 62,0 63,5 64,4 65,8 66,4 66,4 66,5
Polen : : : : : : 51,6 52,2 51,6 49,3 48,3 46,7 46,4 46,1 46,8 48,2 50,6 52,4 52,8 53,0 53,1
Portugal 56,4 55,7 54,9 54,1 54,3 54,2 55,5 58,6 59,5 60,5 61,2 61,7 61,5 61,7 61,7 62,0 61,9 62,5 61,6 61,1 60,4
Rumänien : : : : : : 61,1 60,1 59,7 59,0 58,2 52,8 52,8 53,5 51,5 53,0 52,8 52,5 52,0 52,0 52,0
Slow enien : : : : : 57,5 58,4 59,5 58,1 58,5 58,6 59,8 57,7 61,3 61,3 61,8 62,6 64,2 63,8 62,6 60,9
Slow akei : : : : : : : 53,6 52,1 51,1 51,8 51,2 52,3 50,6 50,9 51,9 53,0 54,6 52,8 52,3 52,7
Finnland : : : : 58,1 58,4 59,2 60,5 64,6 65,2 66,6 67,3 67,1 66,2 66,5 67,3 68,5 69,0 67,9 66,9 67,4
Schw eden : : : : 69,8 68,7 66,8 66,4 68,9 69,7 72,6 72,5 72,2 70,8 70,4 70,7 71,8 71,8 70,2 70,3 71,8
Vereinigtes Königreich 61,1 61,0 60,9 61,2 61,4 62,3 63,0 63,3 63,9 64,5 64,9 65,2 65,3 65,5 65,8 65,8 65,5 65,8 65,0 64,6 64,5
Quelle: Eurostat
: nicht verfügbar
Frauen
Drucksache 17/12610 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode6. Sieht die Bundesregierung das Erwerbspotential von Frauen ausgeschöpft?
Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich
angestiegen. Gleichwohl sieht die Bundesregierung nach wie vor ein großes
Potential bei den Frauen und ist bestrebt, sie auch weiterhin bei der Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit zu unterstützen. Im Fokus stehen dabei
• qualifizierte Frauen, die nicht am Erwerbleben teilnehmen, die mit dem ESF-
Modellprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ und künftig mit der von der
Bundesagentur für Arbeit neu entwickelten Maßnahme „Verstetigte
Perspektive Wiedereinstieg“ unterstützt werden,
• alleinerziehende Frauen, die verstärkt dadurch unterstützt werden, indem
gute Erfahrungen aus (ESF-) Programmen nachhaltig in die Strukturen der
Agenturen für Arbeit und der Jobcenter sowie in die Regelförderung des
SGB III und des SGB II übertragen werden,
• Mütter ohne Berufsabschluss, denen eine Teilzeitberufsausbildung die
Möglichkeit eröffnet, einen Berufsabschluss zu erlangen.
Im Übrigen wird hinsichtlich der Maßnahmen auf die Antwort zu den Fragen 1
und 2 verwiesen.
7. Inwiefern arbeiten Frauen in Branchen, die sich durch besondere
Arbeitsbelastungen auszeichnen?
Zur Beantwortung der Frage wird der Stressreport Deutschland 2012
herangezogen, der auf den Ergebnissen der Erwerbstätigenbefragung 2011/2012 des
Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) und der Bundesanstalt für
Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) basiert. In dieser Erwerbstätigenbefragung
wurden Daten von 17 562 abhängig Beschäftigten analysiert. Der Anteil der
Frauen in der Gesamtstichprobe beträgt 46 Prozent und der der Männer 54
Prozent. Die Auswertungen gehen ausschließlich auf die psychische Belastung ein.
Von den Branchen, die durch eine besondere psychische Arbeitsbelastung
gekennzeichnet sind, sind – gemessen an der Verteilung in der Gesamtstichprobe –
überproportional mehr Frauen als Männer in der Branche „Gesundheit und
Sozialwesen“ tätig:
• Verarbeitendes Gewerbe (Frauen 27 Prozent, Männer 73 Prozent),
• Baugewerbe (Frauen 12 Prozent, Männer 88 Prozent),
• Verkehr und Lagerei (Frauen 27 Prozent, Männer 73 Prozent),
• Information und Kommunikation (Frauen 37 Prozent, Männer 63 Prozent),
• Gesundheit und Sozialwesen (Frauen 78 Prozent, Männer 22 Prozent).
Für die Branche „Gesundheit und Sozialwesen“ sind folgende Merkmale
charakteristisch:
• verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig betreuen,
• starker Termin- und Leistungsdruck,
• ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge,
• bei der Arbeit gestört, unterbrochen,
• Verfahren verbessern, Neues ausprobieren,
• Arbeitsdurchführung detailliert vorgeschrieben,
• arbeiten an Grenze der Leistungsfähigkeit.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/126108. Inwiefern sind Frauen besonders von dem Problem psychischer
Belastungen, Stress und Burnout betroffen, und welchen Zusammenhang gibt es hier
zu ihrer Doppel- bzw. Dreifachbelastung hinsichtlich Familie, Kinder und
Arbeit?
Zur Beantwortung der Frage wird der Stressreport Deutschland 2012
herangezogen. Um Aufschluss über die psychische Belastung, das heißt die
psychischen Anforderungen aus Arbeitsinhalt und -organisation zu erhalten, wurden
die Erwerbstätigen dazu befragt, wie häufig die nachfolgenden Merkmale bei
ihrer Arbeit auftreten (Antwortmöglichkeiten: häufig, manchmal, selten, nie).
Die Ergebnisse können der folgenden Tabelle entnommen werden.
Tabelle 6:
Psychische Anforderungen aus Arbeitsinhalt und -organisation, deren Auftreten
mit „häufig“ angegeben wurde (in Prozent)
Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
In der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2011/2012 wurde nicht direkt
nach Stress gefragt. Erfasst wurde die Stresszunahme bezogen auf den Zeitraum
der vorangegangenen zwei Jahre (Antwortmöglichkeit: zugenommen, gleich
geblieben, abgenommen). Dabei geben jeweils 43 Prozent der Frauen und Männer
eine Zunahme an. Vergleicht man jedoch nur vollzeitbeschäftigte Männer und
Frauen, geben Frauen in höherem Maße eine Stresszunahme an (Frauen 48
Prozent, Männer 44 Prozent). Wenn ein Kind unter 18 Jahren im Haushalt lebt oder
nur die vollzeitbeschäftigten Führungskräfte betrachtetet werden, gibt es keine
Geschlechtsunterschiede.
Da eine Stressreaktion aus einem Ungleichgewicht zwischen der auftretenden
Belastung und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten entsteht, können
zwei weitere Fragen indirekt Hinweise auf das Stresserleben geben, nämlich ob
sich eine Person fachlich oder mengenmäßig überfordert fühlt. Bezogen auf alle
Befragten geben Frauen eher als Männer an, mengenmäßig überfordert zu sein
(Frauen 20 Prozent, Männer 17 Prozent). Bei fachlichen Überforderungen gibt
es dagegen keine Geschlechtsunterschiede.
Der Geschlechtsunterschied für die mengenmäßige Überforderung vergrößert
sich, wenn man nur die Vollzeitbeschäftigten untersucht (Frauen 24 Prozent,
Männer 17 Prozent). Der Unterschied verändert sich nicht wesentlich, wenn ein
Kind unter 18 Jahren im Haushalt lebt (Frauen 22 Prozent, Männer 17 Prozent)
Insgesamt Vollzeitbeschäftigte
(≥ 35 Std./Woche)
Kind unter 18
Jahren im
Haushalt
Vollzeitbeschäftigte
Führungskräfte
F M F M F M F M
verschiedenartige Arbeiten
gleichzeitig betreuen
61 56 68 57 67 60 76 69
Ständig wiederkehrende
Arbeitsvorgänge
55 45 53 44 55 43 49 42
Arbeitsunterbrechungen 47 42 54 42 53 43 64 53
Sehr schnell arbeiten 42 37 45 37 48 39 49 43
Arbeiten an der Grenze der
Leistungsfähigkeit
17 16 20 17 – – – –
Drucksache 17/12610 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeoder wenn nur die Führungskräfte betrachtet werden (Frauen 26 Prozent,
Männer 19 Prozent).
Burnout wurde in der oben genannten Erwerbstätigenbefragung ebenfalls nicht
direkt erfragt. Erfasst wurde nur eine Dimension, die mit Burnout in
Zusammenhang steht, nämlich körperliche und emotionale Erschöpfung. Diese berichten
Frauen eher als Männer (Frauen 20 Prozent, Männer 13 Prozent). Bei
Betrachtung nur der Vollzeitbeschäftigten geben 23 Prozent der Frauen und 13 Prozent
der Männer eine körperliche und emotionale Erschöpfung an.
Der Abstand zwischen Männern und Frauen bleibt bestehen, wenn ein Kind
unter 18 Jahren im Haushalt lebt (Frauen 25 Prozent, Männer 13 Prozent) oder
wenn nur die Führungskräfte betrachtet werden (Frauen 25 Prozent, Männer
13 Prozent).
Im Rahmen einer Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (Hapke et
al. 2012, Bundesgesundheitsblatt, 55, 980 bis 990) wurde das Burnout-Syndrom
mit einer Frage berücksichtigt. Gefragt wurde, ob das Burnout-Syndrom jemals
von einem Arzt oder Psychotherapeuten festgestellt wurde, wann das erste Mal,
ob es in den vergangenen zwölf Monaten bestand und welche Behandlungen in
Anspruch genommen wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die 12-Monats-
Prävalenz des Burnout-Syndroms bei Frauen 1,5 Prozent und bei Männern 1,1
Prozent beträgt. Dabei bleibt allerdings zu berücksichtigen, dass Burnout nach der
Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandten
Gesundheitsprobleme (ICD-10) keine klinische Diagnose darstellt.
9. Wie hat sich seit 1990 die Zahl der Männer und Frauen nach
Beschäftigungsformen entwickelt (bitte jährlich nach Normalarbeitsverhältnis sowie nach
den verschiedenen Formen atypischer Beschäftigung für
Gesamtdeutschland sowie Ost und West ausweisen)?
Die als Anlage beigefügte Tabelle 7.1 enthält eine Zeitreihe der
Kernerwerbstätigen differenziert nach Geschlecht und Erwerbsformen für die Jahre 1991 bis
2011 (frühere Jahre sind im Mikrozensus nicht verfügbar). Eine weitere
Zeitreihe (Tabelle 7.2 im Anhang), die zusätzlich nach Ost- und Westdeutschland
differenziert, ist beim Statistischen Bundesamt nur für die Jahre 2005 bis 2011
und ohne Ausweis der Zeitarbeiterinnen und Zeitarbeiter verfügbar. Zu den
Kernerwerbstätigen zählt das Statistische Bundesamt Personen im Alter von
15 bis 64 Jahren die sich nicht in Bildung oder Ausbildung befinden. Ebenfalls
werden Zeit- und Berufssoldatinnen und -soldaten sowie Grundwehr- und
Zivildienstleistende bei der Zählung nicht berücksichtigt. Zeitarbeit als Form der
atypischen Beschäftigung wird im Mikrozensus erst seit 2006 erfasst. Damit wäre
ein Vergleich der Jahre vor 2006 mit Jahren nach 2006 innerhalb der Reihen
„Normalarbeitnehmerinnen und Normalarbeitnehmer“ und „atypisch
Beschäftigte insgesamt“ verzerrt. Die Zahl der Kernerwerbstätigen insgesamt ist
zwischen 1991 und 2011 um rund 1,4 Millionen gestiegen. Vergleicht man die
Entwicklung zwischen 2006 und 2011, fällt der Anstieg mit gut zwei Millionen
sogar noch stärker aus. Davon entfallen rund 1,6 Millionen auf die Zunahme der
Normalarbeitsverhältnisse und 460 000 auf das Wachstum atypischer
Beschäftigung. Im Jahr 2011 waren knapp 75 Prozent aller abhängigen
Beschäftigungsverhältnisse Normalarbeitsverhältnisse.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/1261010. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu den
Arbeitszeitwünschen von berufstätigen Frauen vor (bitte auch entsprechende Zahlen
nennen)?
Wie decken sich diese mit ihren realen Arbeitszeiten?
Die Übereinstimmung von tatsächlichen mit den gewünschten Arbeitszeiten
kann als wichtiger Gradmesser für Work-Life-Balance angesehen werden. Aus
verschiedenen empirischen Untersuchungen ist bekannt, dass erwerbstätige
Frauen ihre individuellen Arbeitszeiten häufig ausweiten wollen, insbesondere
dann, wenn sie teilzeitbeschäftigt sind. Das Institut für Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung hat auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) 2009 zu
den Arbeitszeitwünschen von Frauen in Beschäftigung ermittelt, dass besonders
häufig geringfügig Beschäftigte sowie Frauen, die regelmäßig Überstunden
leisten, gerne länger (regulär) arbeiten würden. Eine längere Wochenarbeitszeit
wünschen sich im Vergleich zu Höherqualifizierten auch Frauen mit niedrigerer
beruflicher Qualifikation und niedrigem Haushaltseinkommen. Der Wunsch
nach einer längeren Arbeitszeit kommt häufiger bei Frauen ohne Partner oder
ohne kleine Kinder vor (siehe Wanger, Susanne (2012): Arbeitszeitpotenziale
bei Frauen. Wunschlängen und wahre Größen, IAB-Forum 1/2012, S. 18 ff.).
Auf der anderen Seite wünschen sich beschäftigte Mütter auch häufig kürzere
Arbeitszeiten, als sie gegenwärtig haben (siehe Abschnitt 6.2.3 des Ersten
Gleichstellungsberichts der Bundesregierung, Bundestagsdrucksache 17/6240).
Auf Grundlage des Mikrozensus 2011 kann die Differenz zwischen
gewünschten und tatsächlichen Arbeitszeiten als Saldo zwischen Wünschen nach
Verlängerung und Verkürzung dargestellt sowie die jeweiligen Anteile der
erwerbstätigen Frauen näher ausgewiesen werden, die kürzer, gleich oder länger
arbeiten wollen. Demnach arbeiten die bundesweit rund 17,5 Millionen
erwerbstätigen Frauen (im Alter von 20 bis 64 Jahren) durchschnittlich 30,7
Wochenstunden (siehe nachfolgende Tabelle 8).
Drucksache 17/12610 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeIm Saldo wünschten sich erwerbstätige Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren im
Durchschnitt eine 1,3 Stunden längere Wochenarbeitszeit. Ausgeprägte
Wünsche nach einer Arbeitszeitverlängerung finden sich insbesondere bei Frauen,
die normalerweise nur wenige Wochenstunden arbeiteten: So wünschen sich
rund ein Viertel der Frauen mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von bis zu
10 Stunden eine Ausweitung; im Durchschnitt dieser Gruppe würde dies zu einer
4,6 Stunden längeren Wochenarbeitszeit führen, sofern sich diese
Arbeitszeitwünsche auch tatsächlich auf dem Arbeitsmarkt durchsetzen ließen. In den
neuen Bundesländern liegen die entsprechenden Werte deutlich höher: Fast
46 Prozent der Frauen mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von bis zu 10
Stunden haben einen Wunsch nach Arbeitszeitverlängerung, bei dessen Realisierung
sie dann durchschnittlich 11,7 Wochenstunden mehr arbeiten würden.
11. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zum Problem der
unfreiwilligen Teilzeitarbeit vor?
Inwiefern gibt es Hindernisse im Jobangebot, inwiefern Hindernisse durch
familiäre und soziale Verpflichtungen?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
Unfreiwillige Teilzeitarbeit liegt zum einen dann vor, wenn eine Vollzeittätigkeit
aufgrund mangelnder Arbeitsnachfrage nicht zustande kommt. Zum anderen
können Erwerbstätige nicht immer ihren Wunsch nach vollzeitnahen Tätigkeiten
(siehe dazu auch Antwort zu Frage 10) wegen familiärer oder persönlicher
Verpflichtungen realisieren. Bei solchen Motiven für Teilzeitarbeit ist allerdings
Tabelle 8:
Normalerweise geleistete Arbeitszeiten und Arbeitszeitwünsche von erwerbstätigen
Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren (Jahr 2011)
in 1.000 Stunden Stunden 1.000 % 1.000 % 1.000 %
Normalerweise geleistete
Wochenarbeitsstunden:
1-10 Stunden 1.744 7,5 4,6 9 0,5 1.301 74,6 434 24,9
11-20 Stunden 3.340 17,3 3,2 28 0,9 2.598 77,8 714 21,4
21-30 Stunden 2.867 27,3 1,9 55 1,9 2.244 78,3 568 19,8
31-40 Stunden 7.898 38,6 0 264 3,3 7.162 90,7 472 6,0
41 oder mehr Stunden 1.701 49,2 -0,9 116 6,8 1.519 89,3 65 3,8
Insgesamt 17.550 30,7 1,3 473 2,7 14.824 84,5 2.253 12,8
Normalerweise geleistete
Wochenarbeitsstunden:
1-10 Stunden 1.566 7,6 3,8 9 0,6 1.205 76,9 352 22,5
11-20 Stunden 2.958 17,3 2,6 27 0,9 2.386 80,7 545 18,4
21-30 Stunden 2.216 27,0 1,5 49 2,2 1.806 81,5 361 16,3
31-40 Stunden 5.840 38,6 0 209 3,6 5.281 90,4 350 6,0
41 oder mehr Stunden 1.401 49,1 -1,0 101 7,2 1.243 88,7 58 4,1
Insgesamt 13.981 29,8 1,1 395 2,8 11.921 85,3 1.665 11,9
Normalerweise geleistete
Wochenarbeitsstunden:
1-10 Stunden 178 7,0 11,7 / / 96 54,0 82 45,9
11-20 Stunden 382 17,6 8,1 / / 212 55,4 169 44,2
21-30 Stunden 651 28,4 3,3 6 0,9 438 67,3 207 31,8
31-40 Stunden 2.058 38,9 0,1 55 2,7 1.881 91,4 122 5,9
41 oder mehr Stunden 299 49,4 -0,7 15 5,1 276 92,3 8 2,5
Insgesamt 3.569 34,0 2,0 77 2,2 2.904 81,4 587 16,5
/ = keine Angabe, da Zahlenwert nicht sicher genug
Neue Länder einschl. Berlin
Differenz
gewünschte
Arbeitszeiten
minus
tatsächliche
Arbeitszeiten
Durchschnittl.
Wochenstunden
Personen
Deutschland
Früheres Bundesgebiet
davon mit gewünschter … Arbeitszeit
niedriger gleicher höherer
Quelle: Mikrozensus 2011
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/12610nicht immer eindeutig, ob Teilzeit aufgrund ungeeigneter Rahmenbedingungen
oder mangelnder Anreize subjektiv tatsächlich als unfreiwillig eingeschätzt
wird. Nach Angaben des Mikrozensus 2011 gaben fast 13 Prozent der befragten
Frauen (im Alter von 20 bis 64 Jahren) an, nur deshalb teilzeitbeschäftigt zu
sein, weil sie keine Vollzeittätigkeit finden konnten (siehe nachfolgende
Tabelle 9). Diese Art der unfreiwilligen Teilzeitarbeit ist in Ostdeutschland
aufgrund der Arbeitsmarktlage stärker verbreitet als in Westdeutschland: In den
neuen Bundesländern wird der Grund „Vollzeittätigkeit nicht zu finden“ mit
einem Anteil von über 38 Prozent an erster Stelle genannt. Dies trifft auch schon
in den Vorjahren zu, allerdings wurde hier noch dieser Grund für die Ausübung
einer Teilzeittätigkeit von regelmäßig über der Hälfte der befragten
teilzeitbeschäftigten Frauen genannt (siehe auch Antwort der Bundesregierung zu
Frage 18 auf Bundestagsdrucksache 17/4916).
Auch in Fällen, wo die befragten Frauen „Betreuung von Kindern oder
pflegebedürftigen/behinderten Personen“ oder „Persönliche oder familiäre
Verpflichtungen“ als Hauptgrund für ihre Teilzeittätigkeit angegeben haben – dies trifft
2011 bei jeweils fast 26 Prozent der befragten Teilzeitbeschäftigten zu –, kann
Teilzeitarbeit unfreiwillig ausgeübt werden, sofern z. B. externe
Betreuungsangebote nicht ausreichend vorhanden sind.
Soweit unzureichende Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und
Familie Ursache für eine unfreiwillige Einschränkung der Arbeitszeit sind, setzt
die Politik der Bundesregierung auf verschiedenen Ebenen an:
• Die gemeinsam mit der Wirtschaft getragenen Initiative „Familienbewusste
Arbeitszeiten“ fördert den Bewusstseinswandel in Unternehmen.
• Der Bund beteiligt sich finanziell am Ausbau der Kinderbetreuungsangebote;
diese finanzielle Beteiligung wurde 2013 noch einmal auf 5,4 Mrd. Euro bis
2014 und ab 2015 auf dauerhaft jährlich 845 Mio. Euro erhöht.
• Ab 1. August 2013 besteht der Rechtsanspruch auf Förderung in einer
Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege für Kinder vom vollendetem ersten
Lebensjahr an.
• Im Rahmen der Demografiestrategie der Bundesregierung sollen
familienunterstützende und haushaltsnahe Dienstleistungen gestärkt werden. Denn
Tabelle 9:
Teilzeiterwerbstätige Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren*) nach Gründen für
Teilzeittätigkeit
Jahr
Teilzeiterwerbstätige Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren
Insgesamt
davon Grund für Teilzeittätigkeit
Vollzeittätigkeit
nicht zu
finden
Betreuung
von
Kindern oder
pflegebedürftigen/
behinderten
Personen
Persönliche
oder familiäre
Verpflichtungen
Schulausbildung oder
sonstige Aus-
und
Fortbildung
Krankheit,
Unfallfolgen
Vollzeittätigkeit aus
anderen
Gründen nicht
gewünscht
keine
Angabe
1.000 Prozent
Deutschland
2007 7.611 18,7 21,3 33,1 4,8 1,9 15,4 4,9
2011 7.999 13,9 25,7 25,8 5,2 2,4 21,8 5,2
Früheres Bundesgebiet (ohne West-Berlin)
2007 6.446 12,8 23,2 37,0 4,5 1,8 15,8 5,0
2011 6.781 9,6 27,7 28,6 5,0 2,3 21,8 5,0
Neue Länder einschl. Berlin
2007 1.164 51,3 10,7 11,3 6,3 2,6 13,4 4,5
2011 1.218 38,1 14,1 10,6 6,3 3,1 21,7 6,2
___
*) Bevölkerung in Privathaushalten am Hauptwohnsitz.
Abweichungen in den Summen ergeben sich durch das Runden der Zahlen.
Quelle: Mikrozensus 2007 und 2011
Drucksache 17/12610 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodehaushaltsnahe Dienstleistungen können in besonderem Maße dazu beitragen,
die zeitlichen Spielräume für Familien zu erweitern und die Vereinbarkeit
von Familie bzw. Pflege und Beruf zu verbessern.
Darüber hinaus hat nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz der Arbeitgeber
teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihre Arbeitszeit
verlängern wollen, bei der Besetzung eines entsprechenden freien
Arbeitsplatzes grundsätzlich bevorzugt zu berücksichtigten, soweit gleiche Eignung
vorliegt.
12. Wie stellt sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Ausmaß der
Teilzeitarbeit von Frauen in Deutschland im Vergleich zu anderen
europäischen Staaten dar?
Im Jahr 2011 arbeiteten in Deutschland 45,1 Prozent der beschäftigten Frauen in
Teilzeit. Damit liegt Deutschland deutlich über dem Durchschnitt der EU 27
(31,6 Prozent). Ähnlich hohe Teilzeitanteile von Frauen lassen sich in
Österreich, Belgien und dem Vereinigten Königreich finden. Die Niederlande weisen
mit 76,5 Prozent mit Abstand den höchsten Teilzeitanteil von Frauen aus.
13. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu den
Arbeitszeitwünschen von nicht berufstätigen Frauen vor (bitte auch entsprechende
Zahlen nennen, wenn möglich nach verschiedenen
Beschäftigungsformen), und welche Hindernisse gibt es für die Verwirklichung dieser
Wünsche?
Zur Beantwortung dieser Frage wird auf den Mikrozensus zurückgegriffen.
Dieser befragt Erwerbslose und diejenigen Personen aus der Stillen Reserve, die
arbeitsuchend, aber aktuell aus verschiedenen Gründen nicht verfügbar sind,
Tabelle 10:
Teilzeitbeschäftigung als Prozentsatz der gesamten Beschäftigung (Frauen im Alter
zwischen 15 und unter 65 Jahren)
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
EU 27 : : : : : : : : : 28,7 28,4 28,2 28,8 29,8 30,5 30,7 30,8 30,6 31,0 31,4 31,6
Belgien 27,4 28,2 28,6 28,4 29,8 30,5 31,4 33,3 39,9 39,8 36,8 37,7 39,4 40,9 40,4 41,0 40,5 40,8 41,4 42,1 43,3
Bulgarien : : : : : : : : : : 3,7 3,5 2,7 3,1 2,3 2,3 1,9 2,4 2,5 2,4 2,4
Tschechische Republik : : : : : : 9,7 9,5 9,3 8,9 8,1 7,7 8,0 7,9 8,0 8,0 7,9 7,8 8,5 9,1 8,5
Dänemark 37,4 36,3 36,9 34,4 35,3 34,3 34,4 35,7 33,7 34,9 31,2 31,1 31,6 33,7 32,6 35,0 35,1 35,6 37,2 38,1 37,0
Deutschland 29,9 30,5 31,7 32,9 33,5 33,3 34,9 36,1 36,9 37,7 39,0 39,2 40,4 41,3 43,4 45,4 45,6 45,2 44,9 45,0 45,1
Estland : : : : : : 11,7 9,5 8,4 8,8 9,4 8,4 8,5 9,5 9,1 9,7 10,6 9,3 12,5 13,1 13,5
Irland 17,8 18,5 21,1 21,7 23,0 22,0 23,1 30,1 30,6 30,7 31,1 30,4 31,1 31,6 31,5 30,8 31,6 31,9 33,5 34,3 35,2
Griechenland 6,5 7,8 7,2 7,4 7,9 8,2 7,7 10,0 9,9 7,7 6,9 7,8 7,3 8,4 9,0 9,9 9,9 9,8 10,1 10,2 10,0
Spanien 11,0 13,5 14,6 15,1 16,3 16,8 17,3 17,0 17,5 17,0 17,2 17,0 17,3 18,3 24,0 23,0 22,7 22,6 22,9 23,1 23,4
Frankreich 23,4 24,4 26,2 27,7 28,8 29,4 30,8 31,6 31,6 30,9 30,3 29,6 29,9 30,5 30,3 30,2 30,4 29,4 29,9 30,0 29,9
Italien 10,2 11,7 11,3 12,5 13,1 12,9 13,9 14,4 15,7 17,3 17,7 16,7 17,2 24,7 25,6 26,4 26,8 27,8 27,9 29,0 29,3
Zypern : : : : : : : : 10,8 13,3 12,1 10,8 12,5 12,5 13,2 11,3 10,4 10,8 11,5 11,8 12,1
Lettland : : : : : : : 11,7 12,1 11,6 11,3 10,5 13,1 12,6 9,7 7,4 6,9 7,1 9,6 11,0 10,4
Litauen : : : : : : : 9,5 : 10,1 9,6 10,7 10,7 10,2 8,8 11,5 9,7 8,3 9,1 8,9 9,9
Luxemburg 18,1 16,4 18,4 19,4 20,3 18,4 20,1 22,3 24,7 25,8 25,7 26,4 30,7 36,4 38,2 36,2 37,1 38,2 34,9 35,8 35,9
Ungarn : : : : : 4,1 5,3 5,2 5,4 5,0 4,9 4,9 5,8 6,0 5,6 5,4 5,5 5,8 7,1 7,6 8,8
Malta : : : : : : : : : 13,3 16,8 18,8 20,9 17,5 20,9 21,4 24,6 25,3 23,2 24,5 25,5
Niederlande 59,7 63,7 64,4 65,9 67,2 68,4 67,8 67,8 68,5 70,5 71,3 72,7 74,1 74,7 75,0 74,5 74,8 75,2 75,7 76,2 76,5
Österreich : : : : 26,4 28,4 28,7 30,0 32,3 32,9 33,3 35,7 35,2 38,4 39,1 39,9 40,7 41,1 42,4 43,3 43,4
Polen : : : : : : 11,9 11,5 11,8 12,1 11,6 12,2 12,1 12,5 13,3 12,2 11,7 10,9 10,9 10,8 10,4
Portugal 9,9 10,5 10,3 10,9 10,5 11,6 13,2 14,8 14,3 13,7 13,7 13,5 14,4 13,0 13,2 12,7 13,6 13,9 13,0 12,3 13,7
Rumänien : : : : : : 15,6 16,6 16,2 16,0 16,2 10,7 11,5 9,6 9,2 8,5 8,9 9,3 9,1 9,9 10,1
Slow enien : : : : : 8,0 8,6 7,9 7,1 6,9 6,5 7,6 7,6 10,7 9,8 10,4 10,0 10,4 12,1 13,6 12,2
Slow akei : : : : : : : 3,6 3,1 2,9 3,8 2,7 3,5 4,0 3,9 4,5 4,3 4,1 4,5 5,2 5,6
Finnland : : : : 15,5 15,3 15,4 16,8 16,8 16,7 16,6 16,9 17,6 17,8 18,2 18,7 18,8 17,8 18,5 19,0 19,0
Schw eden : : : : 43,0 41,5 41,2 40,5 40,1 35,7 32,2 32,3 35,1 36,0 39,2 39,7 39,5 40,9 40,5 39,7 38,7
Vereinigtes Königreich 43,1 43,3 43,3 43,8 43,7 44,3 44,3 44,2 43,7 43,8 43,7 43,3 43,6 43,5 41,9 41,7 41,4 41,0 41,7 42,4 42,2
Quelle: Eurostat
: nicht verfügbar
Frauen
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/12610danach, ob sie eine Vollzeit- oder Teilzeittätigkeit suchen, sofern sie eine
Tätigkeit als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer suchen. Mit dem
Befragungsprogramm des Mikrozensus 2011 wurde eine zusätzliche Antwortmöglichkeit
eingefügt, sodass keine exakten Vergleiche mit den Vorjahren möglich sind. In
nachfolgender Tabelle 11 sind die entsprechenden Angaben für Frauen (im Alter
von 20 bis 64 Jahren) im Vergleich der Jahre 2007 und 2011 wiedergegeben.
Demnach gab es bundesweit im Jahresdurchschnitt 2011 rund 993 000
erwerbslose Frauen, die ganz überwiegend eine Vollzeittätigkeit suchten. Der Wunsch
nach einer Vollzeittätigkeit war unter den erwerbslosen Frauen in den Neuen
Ländern (einschließlich Berlin) noch höher als im Bundesdurchschnitt.
Stärkere Präferenzen für eine mögliche Teilzeittätigkeit finden sich bei den
nicht-verfügbaren arbeitsuchenden Frauen. Das geringere Potenzial für eine
vollzeitnahe Beschäftigung ist in dieser Gruppe der sogenannten Stillen Reserve
ganz wesentlich darin begründet, dass diese Frauen wegen der Betreuung von
minderjährigen Kindern oder der Pflege von Angehörigen nur an Arbeit im
geringeren Stundenumfang interessiert sind.
Ob ein solches Arbeitsangebot auch eine entsprechende Nachfrage bei den
Unternehmen findet, kann nicht ohne weiteres angenommen werden. Hohe
Anforderungen hinsichtlich Qualifikation, Beruf etc. sowie regionale Unterschiede
könnten verhindern, dass die Erwerbswünsche auch umgesetzt werden können.
Einem möglichen „Mismatch“ kann deshalb mit arbeitsmarktpolitischen Maß-
Tabelle 11:
Nach einer Arbeitnehmertätigkeit suchende Frauen (Erwerbslose und Stille
Reserve) im Alter von 20 bis 64 Jahren*) (Jahre 2007 und 2011)
eine
Vollzeittätigkeit
eher eine
Vollu.U. eine
Teilzeittätigkeit
eine
Teilzeittätigkeit
eher eine
Teilu.U. eine
Vollzeittätigkeit
sowohl eine
Voll- als auch
eine
Teilzeittätigkeit
keine
Angabe
1.000
2007 1.549 30,5 37,4 23,8 8,0 x 0,4
2011 993 26,3 34,5 24,2 8,5 6,2 /
2007 351 19,8 23,8 43,7 10,8 x 1,9
2011 170 18,9 25,2 37,6 11,5 6,2 /
2007 954 27,6 30,4 32,3 9,3 x /
2011 641 24,0 28,7 31,1 9,6 6,3 /
2007 242 18,8 19,8 48,4 10,6 x 2,4
2011 118 18,0 20,7 42,0 11,9 6,5 /
2007 595 35,2 48,6 10,1 5,8 x /
2011 353 30,5 45,0 11,8 6,6 5,9 /
2007 109 22,2 32,7 33,2 11,1 x /
2011 53 20,9 35,2 27,9 10,6 / -
___
*) Bevölkerung in Privathaushalten am Hauptw ohnsitz.
/ = keine Angabe, da Zahlenw ert nicht sicher genug.
- = nichts vorhanden
x = Tabellenfach gesperrt, w eil Aussage nicht sinnvoll; Ausprägung w urde erst 2011 aufgenommen.
Abw eichungen in den Summen ergeben sich durch Runden der Zahlen.
Erwerbslose Frauen
Neue Länder einschl. Berlin
nicht-verfügbare arbeitsuchende Frauen
Erwerbslose Frauen
nicht-verfügbare arbeitsuchende Frauen
Deutschland
Früheres Bundesgebiet (ohne West-Berlin)
Erwerbslose Frauen
nicht-verfügbare arbeitsuchende Frauen
Jahr
Nach einer Arbeitnehmertätigkeit suchende Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren
Insgesamt
davon suchen
Prozent
Quelle: Mikrozensus 2007 und 2011
Drucksache 17/12610 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodenahmen entgegengewirkt werden, z .B. Maßnahmen, die den Wiedereinstieg
von Berufsrückkehrerinnen erleichtern.
Nach einer Erwerbsunterbrechung aufgrund familiärer Verpflichtungen ist der
berufliche Wiedereinstieg die entscheidende Weichenstellung für die
Realisierung vorhandener Arbeitszeitwünsche. Erfahrungen aus dem ESF-geförderten
Modell „Perspektive Wiedereinstieg“ zeigen, dass die Ansprache und stärkere
Einbeziehung des Partners beziehungsweise der Partnerin der/des
Wiedereinsteigenden in die Bewältigung häuslicher und familiärer Aufgaben während des
Wiedereinstiegsprozesses sowie die Inanspruchnahme externer Hilfen in Form
familienunterstützender und haushaltsnaher Dienstleistungen Hindernisse für
die Realisierung eines substanziellen Arbeitszeitumfangs abbauen können. Im
Rahmen des Aktionsprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“ steht außerdem
eine Strategie der Sensibilisierung von Unternehmen für eine familienbewusste
Arbeitszeitflexibilisierung auf der Agenda.
14. Wie haben sich seit 1990 die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und
Männern entwickelt (Gesamtdeutschland sowie Ost und West), und wie
bewertet die Bundesregierung diese Entwicklung?
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht auf Basis der
Verdienststrukturerhebung und ihrer Fortschreibung über die vierteljährliche Verdiensterhebung
Jahresangaben zu den Unterschieden im Bruttostundenverdienst zwischen Männern
und Frauen (unbereinigter Gender Pay Gap). Die Daten liegen ab 1995 vor und
werden ab 2006 getrennt für die Gebietsstände West/Ost ausgewiesen (siehe
nachfolgende Tabelle 12). Im Jahr 2011 lag der Verdienstunterschied zwischen
Männern und Frauen bundesweit bei durchschnittlich 22 Prozent. Der
Unterschied liegt dabei im alten Bundesgebiet einschließlich Berlin mit 24 Prozent
beträchtlich höher als in den neuen Bundesländern (7 Prozent).
Tabelle 12:
Durchschnittlicher Unterschied zwischen Bruttostundenverdiensten von
Männern und Frauen (Gender Pay Gap) in Prozent, 1995-2011
Jahr Gesamtdeutschland Altes Bundesgebiet
(inkl. Berlin)
Neue Bundesländer
(ohne Berlin)
1995 21 – –
1996 21 – –
1997 21 – –
1998 22 – –
1999 19 – –
2000 21 – –
2001 21 – –
2002 22 – –
2003 23 – –
2004 23 – –
2005 22 – –
2006 23 24 6
2007 23 24 6
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/12610Quelle: Statistisches Bundesamt, Verdienststrukturerhebung; fortgeschrieben mit Ergebnissen der
Vierteljährlichen Verdiensterhebung
15. Was sind nach Ansicht der Bundesregierung die wesentlichen Gründe für
die vorhandenen Verdienstunterschiede?
Für geschlechtsspezifische Verdienstunterschiede gibt es verschiedene
miteinander verbundene Ursachen. Wie Forschungsergebnisse belegen, lassen sich die
vorhandenen Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen auf drei
wesentliche Ursachenkomplexe zurückführen:
• Frauen unterbrechen und reduzieren ihre Erwerbstätigkeit häufiger und
länger familienbedingt. Verdienstunterschiede fallen umso höher aus, je länger
die beruflichen Auszeiten dauern, denn die Entgelteinbußen können im
weiteren Erwerbsverlauf nicht vollständig aufgeholt werden. Dieser Effekt ist
umso stärker, je höher der Bildungsabschluss ist.
• Frauen fehlen in bestimmten Berufen und Branchen (horizontale Segregation
des Arbeitsmarktes), aber sind auch weniger auf höheren beruflichen
Positionen vertreten (vertikale Segregation).
• Trotz des Gebotes der Gleichbehandlung haben individuelle und kollektive
Lohnverhandlungen bisher nicht nachhaltig dazu beitragen können, die
Schlechterbewertung typischer Frauentätigkeiten zu beenden.
16. Welchen Anteil an den Verdienstunterschieden hat nach Ansicht der
Bundesregierung eine geschlechtsspezifische Berufswahl und -ausübung, und
welche politischen Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
Die Gegenüberstellung der Berufe von Frauen und Männern zeigt, dass bei
den Frauen eine vergleichsweise starke Konzentration auf ein kleines Spektrum
der Berufe (z. B. Bürotätigkeiten, Verkauf, Reinigung, Gesundheitsberufe)
vorherrscht. Das Statistische Bundesamt hat anhand der Daten der
Verdienststrukturerhebung 2006 den simultanen Einfluss verschiedener
Erklärungsgrößen ermittelt (vgl.
www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Verdienste
Arbeitskosten/Verdienstunterschiede/VerdienstunterschiedeMannFrau5621001
069004.pdf?blob=publicationFile).
Demnach ließen sich mittels bestimmter Tätigkeitsmerkmale (Unterschiede in
den Leistungsgruppen der Tätigkeiten, Anteil von Frauen an niedrig bezahlten
Tätigkeiten), aber auch weiterer Merkmale, wie z. B. Beschäftigungsumfang
sowie anhand persönlicher Merkmale (z. B. Dienstalter, Ausbildungsabschluss)
und unternehmensbezogener Merkmale (z. B. Unternehmensgröße) fast zwei
Drittel des unbereinigten Gender Pay Gap im Jahr 2006 erklären. Der Gender
Pay Gap von damals rund 23 Prozent (2006) reduziert sich unter
Berücksichtigung dieser Merkmale um rund 14 Prozentpunkte auf rund 8 Prozent, die nicht
über Ausstattungsunterschiede erklärt werden können. Die ausgeübte Tätigkeit
trägt dabei zu über vier Prozentpunkten zur Erklärung des
geschlechtsspezifischen Lohnabstands bei. Daher zielt die Bundesregierung im Rahmen ihrer
Jahr Gesamtdeutschland Altes Bundesgebiet
(inkl. Berlin)
Neue Bundesländer
(ohne Berlin)
2008 23 25 6
2009 23 24 7
2010 22 24 7
2011 22 24 7
Drucksache 17/12610 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeGleichstellungspolitik maßgeblich darauf ab, faire Einkommensperspektiven
für Männer und Frauen über den Lebensverlauf zu fördern, indem das
Berufswahlspektrum von Frauen und Männern erweitert und insgesamt Arbeits- und
Karrierechancen verbessert werden.
17. Welchen Einfluss auf die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und
Männern hat nach Kenntnissen der Bundesregierung die Frage, ob nach
Tarif entlohnt wird oder nicht?
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts liegt der Verdienstunterschied bei
Beschäftigten mit Tarifbindung um drei Prozentpunkte niedriger als bei
Beschäftigten ohne Tarifbindung.
Tabelle 13:
Verdienstunterschiede und Tarifbindung
Quelle: Statistisches Bundesamt, Verdienststrukturerhebung 2010
Die in Antwort zu Frage 16 erwähnte Dekompositionsanalyse des Statistischen
Bundesamts hat ergeben, dass die Tarifbindung nur einen geringen Einfluss hat.
Dies ist auch ein Anzeichen dafür, dass bei der Tarifbindung von
Beschäftigungsverhältnissen zwischen Männern und Frauen keine bedeutsamen
Unterschiede bestehen.
18. Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass der Verdienstunterschied
zwischen Frauen und Männer in Deutschland so hoch ist wie in kaum einem
anderen Land der Europäischen Union (
www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/
Gesamtwirtschaft+Umwelt/VerdiensteArbeitskosten/Verdienstunterschiede
MaennerFrauen/Tabellen/GenderPayGapEU.html), und welchen
Handlungsauftrag für die Politik leitet sie daraus ab?
Welche anderen europäischen Mitgliedstaaten sieht die Bundesregierung
als vorbildhaft an, und welche Maßnahmen aus diesen Staaten als
beispielgebend im Sinne eines Best-Practice-Ansatzes?
Ein aussagekräftiger europäischer Vergleich der geschlechtsspezifischen
Verdienstunterschiede ist ohne Beachtung weiterer länderspezifischer Faktoren
nicht möglich. Werden die europäischen Vergleichszahlen betrachtet, lässt sich
ein Zusammenhang zur geschlechtsspezifischen Beschäftigungslücke (Abstand
zwischen der Beschäftigungsquote von Frauen und Männern) erkennen.
Insgesamt nimmt die Beschäftigungslücke zwischen Frauen und Männern in Europa
mit steigendem Bildungsniveau ab: Gut qualifizierte Frauen sind relativ stärker
am Erwerbsleben beteiligt. Somit partizipieren hoch qualifizierte Frauen in den
Mitgliedstaaten generell stärker am Erwerbsleben. Während beispielsweise die
Beschäftigungslücke zwischen Frauen und Männern im hochqualifizierten
Segment in Schweden sehr gering ist, ist der Abstand in der Tschechischen
Republik weitaus höher. Auch in Deutschland ist dieser Beschäftigungsabstand
Bruttostundenverdienst
(Euro/Stunde)
Verdienstunterschied
in Prozent
insgesamt Frauen Männer
Arbeitnehmer mit
Tarifbindung
18,97 16,56 20,89 21
Arbeitnehmer ohne
Tarifbindung
14,94 12,68 16,74 24
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 17 – Drucksache 17/12610recht hoch, während die Beschäftigungslücke in Deutschland über alle
Qualifikationsniveaus hinweg im Ländervergleich eher gering ausfällt. Dieser Befund
legt nahe, dass in Deutschland gerade auch hoch qualifizierte Frauen
familienbedingt stärker aus dem Erwerbsleben ausscheiden als in anderen Ländern – mit
den entsprechenden Effekten auf die Entgeltungleichheit.
Entgeltungleichheit wird in allen EU-Ländern als große Herausforderung
angesehen. Dabei wird einer ursachengerechten Strategie, die verschiedene Akteure
einbezieht, durchgängig der Vorzug gegeben. Seit 2008 wird in Deutschland und
in anderen Ländern sowie seit 2011 auch für die Europäische Union der Equal
Pay Day ausgetragen. Der Aktionstag dient der Sensibilisierung und
Mobilisierung der Zivilgesellschaft.
Die Priorisierung von Maßnahmen fällt von Land zu Land verschieden aus. In
Schweden sind Arbeitgeber nach dem „Equal Opportunities Act“ verpflichtet,
aktive Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung am Arbeitsplatz zu
ergreifen und jährlich eine Überprüfung der Lohn- und Gehaltsbedingungen von
Frauen und Männern vorzunehmen, die veröffentlicht werden muss. Soweit
diese nicht gesetzeskonform sind, kann eine Geldstrafe verhängt werden. Die
Einhaltung der Regelungen wird von einer Regierungsorganisation überwacht.
In Österreich wurde 2011 das Gleichstellungsgesetz um Transparenzregelungen
in Vergütungssystemen erweitert, die intern dem Betriebsrat vorgelegt werden
müssen. Die Erstellung der Einkommensberichte ist abhängig von der Größe des
Unternehmens und muss dem Betriebsrat zugeleitet werden.
Die Schweiz bietet das Lohngleichheitsinstrument Logib an. Dabei handelt es
sich um ein Instrument, das Unternehmen intern freiwillig zur
Selbstüberprüfung und ggf. Änderung ihrer Lohnpolitik nutzen können. Dieses Instrument
wurde 2009 von der Bundesregierung für Deutschland übernommen und wird
seitdem beratungsgestützt als Logib-D für Unternehmen in Deutschland zur
Verfügung gestellt.
19. Wie haben sich seit 1990 die Zahl und der Anteil von Frauen entwickelt,
die zu Niedriglöhnen arbeiten (bitte insgesamt nennen sowie nach
verschiedenen Beschäftigungsformen)?
Wie hat sich im Vergleich dazu die Zahl und der Anteil der Männer
entwickelt?
20. Was sind die zehn Branchen, in denen die meisten weiblichen
Niedriglohnbeschäftigten arbeiten (bitte auch mit konkreten Beschäftigungszahlen
nennen)?
Wie hoch ist jeweils der Frauenanteil in diesen Branchen?
Die Fragen 19 und 20 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Analysen des Niedriglohnbereichs richten sich in der Regel nach einer
Konvention der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD), die einen Niedriglohn definiert als einen Bruttolohn, der unterhalb von
zwei Dritteln des mittleren Bruttolohns (Median) aller Beschäftigten liegt. Die
relative Definition in Abhängigkeit von der statistischen Verteilung führt dazu,
dass immer ein Niedriglohnbereich existiert, unabhängig von der absoluten
Höhe der so definierten Niedriglöhne und dem damit verbundenen
Wohlstandsniveau.
Die nachfolgenden Tabellen stützen sich auf die in den Jahren 2006 und 2010
durchgeführten Verdienststrukturerhebungen (VSE) des Statistischen
Bundesamtes, die nach Beschäftigungsformen und weiteren Merkmalen differenzierte
Aussagen zulassen. Dabei werden allerdings nur Betriebe mit zehn und mehr
Drucksache 17/12610 – 18 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeBeschäftigten und die Abschnitte B bis S der Klassifikation der
Wirtschaftszweige (WZ 2008) erfasst, sodass auf Basis der VSE keine aussagekräftigen
absoluten Zahlen zu Niedriglohnbeziehenden ausgewiesen werden können. Für
Auskünfte vor 2006 stehen keine vergleichbaren Daten zur Verfügung.
21. Was sind die zehn Branchen mit den niedrigsten durchschnittlichen
Stundenverdiensten (bitte mit Höhe des Stundenlohns und Zahl der
Beschäftigten angeben), und wie hoch ist dort jeweils der Anteil der weiblichen und
männlichen Beschäftigten?
22. Was sind die zehn Branchen mit den höchsten durchschnittlichen
Stundenverdiensten (bitte mit Höhe des Stundenlohns und Zahl der Beschäftigten
angeben), und wie hoch ist dort jeweils der Anteil der weiblichen und
männlichen Beschäftigten?
Die Fragen 21 und 22 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Aus der amtlichen Statistik liefert die Vierteljährlichen Verdiensterhebung
(VVE) regelmäßig Daten zu Bruttoverdiensten nach Branchen. Dabei werden
allerdings nur Betriebe mit zehn beziehungsweise fünf und mehr Beschäftigten
Tabelle 14:
Anteil der Beschäftigten mit Niedriglohn nach Geschlecht und Beschäftigungsform
2006 und 2010
Niedriglohnschwelle 2006: 9.90 Euro
Niedriglohnschwelle 2010: 10.36 Euro
davon
Teilzeitbeschäftigte
befristet
Beschäftigte
geringfügig
Beschäftigte
Zeitarbeitnehmer/-innen
2006 insgesamt 18,7 10,5 47,3 17,6 36,0 81,5 68,1
Frauen 25,0 15,3 44,7 16,2 37,5 82,1 78,2
Männer 13,6 7,6 52,5 27,5 34,5 80,1 64,7
2010 insgesamt 20,6 10,8 49,8 20,9 33,5 84,3 67,7
Frauen 26,5 15,1 47,6 19,2 35,5 84,8 72,9
Männer 15,8 8,1 53,7 34,3 31,6 83,4 65,4
Quelle: Verdienststrukturerhebung 2006 und 2010
© Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2013
Geschlecht %
Grundgesamtheit: Betriebe mit zehn und mehr Beschäftigten; Beschäftigte im Alter von 15 bis 64 Jahren, ohne
Auszubildende und Altersteilzeit
Jahr
Insgesamt
Normalarbeitnehmer/-innen
Atypisch
Beschäftige
Tabelle 15:
Die zehn Branchen (WZ-2-Steller) mit den meisten weiblichen
Niedriglohnbeschäftigten 2010
Niedriglohnschwelle 2010: 10.36 Euro
Anteil der Frauen an allen
Beschäftigten in %
47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 70,3
81 Gebäudebetreuung; Garten- und Landschaftsbau 65,1
10 Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln 51,8
87 Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime) 79,1
56 Gastronomie 57,5
86 Gesundheitswesen 75,1
78 Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften 30,9
88 Sozialwesen (ohne Heime) 77,9
46 Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 34,9
55 Beherbergung 62,2
Frauen im Alter von 15 bis 64 Jahren, ohne Auszubildende und Altersteilzeit
Quelle: Verdienststrukturerhebung 2010
Grundgesamtheit: Betriebe mit zehn und mehr Beschäftigten
© Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2013
Branche
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19 – Drucksache 17/12610und die Abschnitte B bis S der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008)
erfasst, sodass auf Basis der VVE keine aussagekräftigen absoluten
Beschäftigtenzahlen ausgewiesen werden können.
In der folgenden Tabelle werden die zehn Branchen mit den jeweils höchsten
beziehungsweise niedrigsten Bruttostundenverdiensten für das Jahr 2011
dargestellt. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.
23. Wie hoch ist die Zahl und der Anteil der Erwerbstätigen mit aufstockenden
Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II),
differenziert nach Frauen und Männern?
Erwerbstätige Arbeitslosengeld II-Beziehende sind erwerbsfähige
Leistungsberechtigte, die aufgrund des Hilfebedarfs der Bedarfsgemeinschaft, in der sie
leben, Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende und gleichzeitig
Bruttoeinkommen aus Erwerbstätigkeit beziehen. Gründe für den gleichzeitigen
Bezug von Grundsicherungsleistungen und Erwerbseinkommen liegen vor
allem im Arbeitsumfang (Teilzeit- bzw. geringfügige Beschäftigung) und/oder im
Haushaltskontext (Größe der Bedarfsgemeinschaft).
Im Juni 2012 bezogen 724 507 Frauen und 609 317 Männer Arbeitslosengeld II
und gleichzeitig Einkommen aus Erwerbstätigkeit. Von allen weiblichen
Arbeitslosengeld II-Bezieherinnen waren das 31,5 Prozent und von allen
männlichen Arbeitslosengeld II-Beziehern 28,1 Prozent. Die Angaben differenziert
nach Geschlecht können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
Tabelle 16:
Die zehn Branchen (WZ-2-Steller) mit den höchsten und niedrigsten
Bruttostundenverdiensten im Jahr 2011
Abteilungen der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008)
Bruttostundenverdienst (ohne
Sonderzahlungen) in Euro
Anteil der
Männer in %
Anteil der
Frauen in %
B06 "Gewinnung von Erdöl und Erdgas" 35,53 85,3 14,7
C19 "Kokerei und Mineralölverarbeitung" 29,99 82,6 17,4
M70 "Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben; Unternehmensberatung" 28,34 55,5 44,5
H51 "Luftfahrt" 28,29 40,3 59,7
K66 "Mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundene Tätigkeiten" 27,49 50,5 49,5
J60 "Rundfunkveranstalter" 27,41 53,0 47,0
C30 "Sonstiger Fahrzeugbau" 26,40 86,4 13,6
J62 "Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie" 26,18 72,8 27,2
D35 "Energieversorgung" 25,82 77,5 22,5
C12 "Tabakverarbeitung" 25,79 63,6 36,4
Q87 "Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime) 14,81 19,9 80,1
H49 "Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen" 14,23 85,4 14,6
G47 "Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)" 14,09 29,6 70,4
C10 "Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln" 13,27 47,3 52,7
S96 "Erbringung von sonstigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen" 11,87 30,8 69,2
I55 "Beherbergung" 11,38 37,2 62,8
N78 "Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften" 11,36 73,7 26,3
N81 "Gebäudebetreuung; Garten- und Landschaftsbau" 10,91 35,6 64,4
N80 "Wach- und Sicherheitsdienste sowie Detekteien" 10,60 78,1 21,9
I56 "Gastronomie" 10,36 43,4 56,6
Anmerkung:
Die Ergebnisse beziehen sich auf Voll- und Teilzeitbeschäftigte in Betrieben mit i.d.R. mehr als 10 Beschäftigten.
© Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2013
Drucksache 17/12610 – 20 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode.
24. Wie hoch waren im Jahr 2012 die verausgabten aufstockenden Leistungen
nach dem SGB II für Erwerbstätige, differenziert nach Frauen und
Männern?
Auswertungen zu den Geldleistungen für erwerbstätige Arbeitslosengeld II-
Beziehende werden nach dem Bedarfsgemeinschaftskonzept durchgeführt, weil
nicht nur die beschäftigte Person, sondern auch die Angehörigen, die mit ihr in
einer Bedarfsgemeinschaft leben, Grundsicherungsleistungen beziehen. Dazu
werden die Bedarfsgemeinschaften identifiziert, in denen mindestens eine
Arbeitslosengeld II-Bezieherin beziehungsweise ein Arbeitslosengeld II-Bezieher
erwerbstätig ist. Ergebnisse liegen nur auf Jahresbasis bis 2011 vor.
Die Zahlungsansprüche von Bedarfsgemeinschaften mit mindestens einem
erwerbstätigen Arbeitslosengeld II-Bezieher beziehungsweise einer -Bezieherin
beliefen sich 2011 in der Jahressumme auf 10,7 Mrd. Euro. Eine Differenzierung
nach Geschlecht ist nicht möglich.
Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass der gleichzeitige
Bezug von Grundsicherungsleistungen und Erwerbseinkommen nur für einen Teil
der betroffenen Bedarfsgemeinschaften mit der Erwerbstätigkeit (Stundenlohn)
zusammenhängt und deshalb nicht kausal in dem Sinne zu interpretieren ist, dass
durch die Erwerbstätigkeit die berechneten Leistungen entstehen. Gründe für
den gleichzeitigen Bezug von Grundsicherungsleistungen und
Erwerbseinkommen liegen vor allem im Arbeitsumfang (Teilzeit- bzw. geringfügige
Beschäftigung) und/oder im Haushaltskontext (Größe der Bedarfsgemeinschaft).
Insbesondere bei den geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen ist davon
auszugehen, dass die Grundsicherungsleistungen durch die Erwerbstätigkeit
aufgestockt werden und der Hilfebedarf so vermindert wird.
25. Gibt es Gruppen weiblicher Beschäftigter (Frauen mit Behinderung,
Migrantinnen, ältere Frauen), die besonders zahlreich im Niedriglohnbereich
beschäftigt sind oder aufstockende Leistungen nach dem SGB II für
Erwerbstätige beziehen, und wie hoch ist ihre Zahl und ihr Anteil?
Soweit sich die Frage auf den Niedriglohnbereich bezieht, liegen der
Bundesregierung keine Daten vor. Mit Blick auf die zweite Teilfrage ist festzustellen, dass
im Juni 2012 724 507 Frauen Arbeitslosengeld II bezogen und gleichzeitig
Einkommen aus Erwerbstätigkeit, das waren 31,5 Prozent der Arbeitslosengeld II-
Bezieherinnen. Gemessen an allen Arbeitslosengeld II-Bezieherinnen sind die
mittleren und älteren Altersgruppen sowie deutsche Frauen stärker vertreten als
jüngere und ausländische Frauen. Von den 15- bis unter 25-jährigen Arbeits-
Tabelle 17:
Erwerbstätige ALG II-Beziehende nach Geschlecht
Juni 2012; Hochgerechnete Werte
Anzahl Anzahl Anteil in % an Spalte
1
1 2 3
Insgesamt 4.461.531 1.333.824 29,9
Männer 2.164.631 609.317 28,1
Frauen 2.296.900 724.507 31,5
Merkmal
Erw erbsfähige
Leistungsberechtigte
(Alg II-Bezieher)
erw erbstätige ALG II-Bezieher
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 21 – Drucksache 17/12610losengeld II-Bezieherinnen sind 15,2 Prozent und von den ausländischen
Arbeitslosengeld II-Bezieherinnen 26,8 Prozent erwerbstätig.
26. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung hinsichtlich des Problems
der sexuellen Belästigung und Nötigung in der Arbeitswelt?
Das Ausmaß der Betroffenheit von Frauen durch unterschiedliche Formen
sexueller Belästigung war unter anderem Gegenstand der durch das
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Jahr 2004 veröffentlichten
repräsentativen Untersuchung „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von
Frauen in Deutschland“, für die insgesamt über 10 000 Frauen im Alter
zwischen 16 und 85 Jahren befragt wurden. Nach dieser Untersuchung haben
insgesamt rund 58 Prozent der Befragten bereits mindestens einmal sexuelle
Belästigung (insgesamt; unabhängig vom Kontext) erlebt.
Die Studie enthält auch Zahlen zur sexuellen Belästigung in der Arbeitswelt.
22 Prozent aller Befragten (entsprechend 42 Prozent der insgesamt von
sexueller Belästigung Betroffenen) gaben an, Situationen sexueller Belästigung in
Arbeit, Schule oder Ausbildung erlebt zu haben, davon haben 2 Prozent häufig,
5,5 Prozent gelegentlich, 9,5 Prozent selten, 5 Prozent nur einmal eine solche
Situation erlebt.
Bei weiterer Differenzierung der Angaben lässt sich aus der Befragung auch
erkennen, in welchen konkreten Zusammenhängen diese stattgefunden hat.
Demnach haben:
• 13 Prozent aller Befragten sexuelle Belästigung durch Personen aus der
Arbeitswelt erlebt (durch Arbeitskolleginnen beziehungsweise -kollegen und
Vorgesetzte)
• 16 Prozent (neben Arbeitskolleginnen beziehungsweise -kollegen und
Vorgesetzte auch Kunden, Klienten und Patienten)
• 6 Prozent haben sexuelle Belästigung durch Personen aus Schule und
Ausbildung (durch Lehrpersonal, Mitschülerinnen, Mitschüler oder Mitstudierende
etc.) erlebt.
Von unterschiedlichen Formen sexueller Belästigung sind in geringerem
Umfang auch Männer im Kontext von Arbeit und Ausbildung betroffen,
vergleichbar differenzierte Erkenntnisse liegen hierzu jedoch nicht vor.
Tabelle 18:
Erwerbstätige ALG II-Bezieherinnen nach Alter und Nationalität
Juni 2012; Hochgerechnete Werte
Anzahl Anzahl Anteil in % an Spalte
1
1 2 3
Frauen 2.296.900 724.507 31,5
15 bis unter 25 Jahre 410.883 62.466 15,2
25 bis unter 50 Jahre 1.301.714 458.832 35,2
50 Jahre und Älter 584.303 203.210 34,8
Deutsche 1.790.190 588.952 32,9
Ausländer 497.857 133.505 26,8
Merkmal
Erw erbsfähige
Leistungsberechtigte
(Alg II-Bezieher)
erw erbstätige ALG II-Bezieher
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit
Drucksache 17/12610 – 22 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode27. Welche Rolle spielt diesbezüglich nach Ansicht der Bundesregierung die
Schlechterstellung von Frauen in der Hierarchie der Arbeitswelt, ihre
prekäre Beschäftigung und eine geringere Wahrnehmung ihrer Rechte, und
welche politischen Schlussfolgerungen leitet die Bundesregierung daraus
ab?
28. Gibt es Gruppen weiblicher Beschäftigter, die besonders von sexueller
Belästigung und Nötigung betroffen sind?
Wenn ja, welche sind dies, und sieht die Bundesregierung hier einen
besonderen Handlungsbedarf?
Die Fragen 27 und 28 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Umfassende aktuelle und differenzierte wissenschaftliche Erkenntnisse zu den
oben erfragten Zusammenhängen zwischen der Betroffenheit von sexueller
Belästigung und der Situation von Frauen in der Hierarchie der Arbeitswelt oder
zur besonderen Betroffenheit bestimmter Gruppen liegen nicht vor.
Als wissenschaftlich gesichert ist anzusehen, dass grundsätzlich jede Frau –
unabhängig von ihrer beruflichen Stellung, ihrem Alter oder anderen Parametern –
im Kontext von Arbeit und Ausbildung von grenzüberschreitendem
sexualisiertem Verhalten betroffen sein kann. Anhaltspunkte dafür, dass bestimmte
Gruppen beschäftigter Frauen – sei es aufgrund einer besonderen
Abhängigkeitssituation innerhalb der betrieblichen Hierarchie, sei es aufgrund einer besonders
prekären Ausbildungs- oder Beschäftigungssituation, sei es aufgrund eines für
Frauen negativ geprägten Arbeitsumfelds in bestimmten Betriebstypen oder
Branchen – in besonderem Maße von sexueller Belästigung oder sexueller
Gewalt betroffen und zugleich hinsichtlich der Abwehr solcher Übergriffe faktisch
in einer schlechteren Position sind, werden seit den 90er-Jahren in der
Fachöffentlichkeit diskutiert. Das Bestehen solcher Zusammenhänge kann aus einer
Zusammenschau der verschiedenen in Deutschland und im europäischen Raum
publizierten Forschungsergebnisse grundsätzlich als gesichert angesehen
werden.
Den Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz und die Rechte
betroffener Beschäftigter gegenüber dem Arbeitgeber regelt das am 18. August 2006 in
Kraft getretene Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Die
Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) unterstützt auf unabhängige Weise
Personen, die von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen sind. Zu den
gesetzlichen Aufgaben der Antidiskriminierungsstelle gehört auch die
Information, Beratung und auf Wunsch Unterstützung von Betroffenen bei einer
gütlichen Beilegung sowie gegebenenfalls die Vermittlung ortsnaher
Unterstützungsangebote.
Beratung zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz gehört auch zum
Tätigkeitfeld der meisten Frauenberatungsstellen und Fachberatungsstellen bei Gewalt
gegen Frauen (nähere Einzelheiten dazu s. Bericht der Bundesregierung zur
Situation der Frauenhäuser, der Fachberatungsstellen und anderer
Unterstützungsangebote für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder, Bundestagsdrucksache
17/10500).
Eine besondere Unterstützung bei der Durchsetzung ihrer Rechte im Hinblick
auf geschlechtsbedingte Benachteiligungen einschließlich des Schutzes vor
Gewalt und sexueller Belästigung benötigen Frauen mit Behinderung, die in
Werkstätten für Menschen mit Behinderungen arbeiten. Mit dem Ziel einer
zielgruppenspezifischen Gewaltprävention hat das Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend daher das im Mai 2011 abgeschlossene Projekt
„Frauenbeauftragte in Wohnheimen und Werkstätten für behinderte Menschen“
in Trägerschaft des Weibernetz e. V. in Kooperation mit Mensch zuerst – Netz-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 23 – Drucksache 17/12610werk People First Deutschland e. V. gefördert. In dem Projekt wurden Frauen
mit Behinderung erfolgreich geschult, in ihrer Werkstatt oder ihrem Wohnheim
die Aufgabe als Frauenbeauftragte wahrnehmen zu können und Frauen in
Werkstätten u. a. im Falle von sexuellen Übergriffen zu helfen.
Drucksache 17/12610 – 24 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeAnlage
Tabelle 7.1: Kernerwerbstätige
1)
nach Erwerbsform 1991 bis 2011 (in 1.000)
2006 18.346 2.654 1.288 1.366 15.642 13.494 2.148 1.337 650 572 376
2007 18.655 2.645 1.314 1.331 15.963 13.735 2.228 1.336 659 595 409
2008 18.841 2.622 1.302 1.320 16.178 13.918 2.260 1.352 647 568 425
2009 18.618 2.659 1.313 1.346 15.933 13.794 2.139 1.253 648 589 375
2010 18.755 2.669 1.312 1.357 16.060 13.750 2.310 1.322 669 575 503
2011 19.157 2.732 1.331 1.402 16.397 14.060 2.338 1.352 706 595 517
2006 15.374 1.184 417 767 13.939 8.624 5.315 1.282 4.215 2.095 186
2007 15.667 1.198 413 785 14.212 8.758 5.454 1.323 4.287 2.177 205
2008 15.893 1.198 414 784 14.472 9.011 5.462 1.379 4.256 2.010 187
2009 16.012 1.218 427 791 14.650 9.197 5.453 1.387 4.253 1.985 185
2010 16.218 1.248 435 813 14.844 9.319 5.525 1.439 4.261 1.942 238
2011 16.606 1.286 433 853 15.195 9.614 5.581 1.453 4.318 2.078 258
2006 33.720 3.838 1.705 2.133 29.582 22.119 7.463 2.619 4.865 2.667 562
2007 34.321 3.843 1.727 2.116 30.175 22.493 7.682 2.659 4.946 2.772 614
2008 34.734 3.820 1.717 2.103 30.650 22.929 7.721 2.731 4.903 2.578 612
2009 34.629 3.877 1.740 2.137 30.582 22.990 7.592 2.640 4.901 2.574 560
2010 34.973 3.917 1.748 2.169 30.904 23.069 7.835 2.761 4.929 2.517 742
2011 35.762 4.018 1.763 2.255 31.592 23.674 7.918 2.805 5.025 2.673 775
Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus
- = keine Daten verfügbar
3) Mehrfachnennungen möglich
4) Mit weniger als 21 Arbeitsstunden pro Woche
zusammen
Normalarbeitnehmer/-
innen 5)
Männlich
Weiblich
Insgesamt
atypisch Beschäftigte
mit
Beschäftigten
5) atypische Beschäftigung vor 2006 ohne Zeitarbeitnemer/-innen. Damit ist ein Vergleich der Jahre vor 2006 mit Jahren nach 2006 innerhalb der
Reihen "Normalarbeitnerhmer/-innen" und "atypisch Beschäftigte insgesamt" verzerrt.
ohne
Beschäftigte
zusammen 5)
darunter3)
befristet
Beschäftigte
Teilzeitbeschäftigte4)
geringfügig
Beschäftigte
Zeitarbeitnehmer/-
innen
Jahr2) Insgesamt
Selbstständige Abhängig Beschäftigte
zusammen
davon
1) Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren nicht in Bildung oder Ausbildung; ohne Zeit- und Berufssoldat/-innen sowie Grundwehr- und
Zivildienstleistende
2) Bis 2004 Ergebnisse einer Bezugswoche im Frühjahr; ab 2005 Jahresdurchschnittswerte, sowie geänderte Erhebungs- und
Hochrechnungsverfahren.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 25 – Drucksache 17/12610Statistisches Bundesamt
D210
Tabelle 7.2: Kernerwerbstätige
1)
nach Erwerbsform und Region 2005 bis 2011 (in 1.000)
2005 Deutschland 32.962 3.802 2.115 28.831 22.084 6.747 2.394 4.679 2.425
Früheres Bundesgebiet 26.518 3.010 1.643 23.212 17.591 5.622 1.716 4.140 2.084
Neue Bundesländer 6.444 792 472 5.619 4.493 1.126 678 539 341
2006 Deutschland 33.720 3.838 2.133 29.582 22.458 7.124 2.619 4.865 2.667
Früheres Bundesgebiet 27.100 3.024 1.636 23.804 17.927 5.877 1.874 4.281 2.211
Neue Bundesländer 6.620 814 497 5.777 4.531 1.247 745 584 456
2007 Deutschland 34.321 3.843 2.116 30.175 22.916 7.259 2.659 4.946 2.772
Früheres Bundesgebiet 27.566 3.037 1.624 24.253 18.269 5.985 1.912 4.336 2.290
Neue Bundesländer 6.755 805 492 5.922 4.647 1.275 746 610 482
2008 Deutschland 34.734 3.820 2.103 30.650 23.320 7.330 2.731 4.903 2.578
Früheres Bundesgebiet 27.868 3.020 1.618 24.605 18.552 6.053 2.009 4.288 2.088
Neue Bundesländer 6.867 800 486 6.045 4.768 1.276 722 615 490
2009 Deutschland 34.630 3.877 2.137 30.582 23.368 7.214 2.640 4.901 2.574
Früheres Bundesgebiet 27.742 3.064 1.640 24.519 18.555 5.965 1.922 4.293 2.125
Neue Bundesländer 6.889 812 498 6.063 4.814 1.249 719 607 449
2010 Deutschland 34.973 3.917 2.169 30.904 23.566 7.338 2.761 4.929 2.517
Früheres Bundesgebiet 27.969 3.101 1.673 24.727 18.635 6.092 2.033 4.334 2.090
Neue Bundesländer 7.004 815 496 6.177 4.931 1.246 728 595 427
2011 Deutschland 35.762 4.018 2.255 31.592 24.144 7.448 2.805 5.025 2.673
Früheres Bundesgebiet 28.648 3.170 1.739 25.339 19.097 6.242 2.132 4.410 2.246
Neue Bundesländer 7.114 848 516 6.253 5.048 1.206 672 615 427
Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus
Früheres Bundesgebiet ohne Berlin, Neue Bundesländer mit Berlin
1) Kernerwerbstätige: Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, nicht in Bildung oder Ausbildung; ohne Zeit- und Berufssoldat(en/innen) sowie Wehr-
und Zivildienstleistende.
zusammen
darunter
befristet
Beschäftigte
Teilzeitbeschäftigte
geringfügig
Beschäftigte
Insgesamt
zusammen
Normalarbeitnehmer/-
innen
Selbstständige Abhängig Beschäftigte
atypisch Beschäftigtedarunter
ohne
Beschäftigte
zusammen
davon
Tabelle 7.2: Kernerwerbstätige
1)
nach Erwerbsform und Region 2005 bis 2011 (in 1.000)
2005 Deutschland 17.989 2.646 1.370 15.289 13.548 1.741 1.218 597 452
Früheres Bundesgebiet 14.610 2.113 1.059 12.452 11.171 1.280 865 456 327
Neue Bundesländer 3.380 532 311 2.837 2.377 460 352 141 125
2006 Deutschland 18.346 2.654 1.366 15.642 13.740 1.902 1.337 650 572
Früheres Bundesgebiet 14.864 2.113 1.049 12.709 11.325 1.384 945 491 396
Neue Bundesländer 3.481 540 317 2.933 2.415 518 392 159 176
2007 Deutschland 18.655 2.645 1.331 15.963 14.034 1.929 1.336 659 595
Früheres Bundesgebiet 15.088 2.109 1.018 12.940 11.525 1.415 959 497 412
Neue Bundesländer 3.566 536 313 3.023 2.509 514 377 162 183
2008 Deutschland 18.841 2.622 1.320 16.178 14.221 1.956 1.352 647 568
Früheres Bundesgebiet 15.213 2.064 999 13.021 11.578 1.443 994 473 384
Neue Bundesländer 3.628 531 311 3.091 2.581 510 363 168 181
2009 Deutschland 18.618 2.659 1.346 15.933 14.077 1.856 1.253 648 589
Früheres Bundesgebiet 15.008 2.116 1.024 12.870 11.506 1.364 903 485 413
Neue Bundesländer 3.610 543 322 3.063 2.571 491 350 163 176
2010 Deutschland 18.755 2.669 1.357 16.060 14.117 1.943 1.322 669 575
Früheres Bundesgebiet 15.085 2.126 1.037 12.936 11.492 1.444 964 507 405
Neue Bundesländer 3.670 543 319 3.124 2.625 499 359 162 170
2011 Deutschland 19.157 2.732 1.402 16.397 14.405 1.992 1.352 706 595
Früheres Bundesgebiet 15.418 2.164 1.070 13.230 11.709 1.521 1.022 536 433
Neue Bundesländer 3.739 568 332 3.167 2.696 471 329 170 162
Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus
Früheres Bundesgebiet ohne Berlin, Neue Bundesländer mit Berlin
1) Kernerwerbstätige: Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, nicht in Bildung oder Ausbildung; ohne Zeit- und Berufssoldat(en/innen) sowie
Wehr- und Zivildienstleistende.
zusammen
darunter
befristet
Beschäftigte
Teilzeitbeschäftigte
geringfügig
Beschäftigte
männlich
zusammen
darunter
ohne
Beschäftigte
zusammen
davon
Selbstständige Abhängig Beschäftigte
Normalarbeitnehmer/-
innen
atypisch Beschäftigte
Drucksache 17/12610 – 26 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeTabelle 7.2: Kernerwerbstätige
1)
nach Erwerbsform und Region 2005 bis 2011 (in 1.000)
2005 Deutschland 14.973 1.156 745 13.543 8.536 5.007 1.176 4.082 1.973
Früheres Bundesgebiet 11.908 896 584 10.760 6.419 4.341 851 3.684 1.757
Neue Bundesländer 3.064 260 162 2.782 2.116 666 326 398 216
2006 Deutschland 15.374 1.184 767 13.939 8.718 5.222 1.282 4.215 2.095
Früheres Bundesgebiet 12.236 911 587 11.095 6.602 4.493 929 3.790 1.815
Neue Bundesländer 3.138 273 180 2.844 2.115 729 353 425 280
2007 Deutschland 15.666 1.198 785 14.212 8.882 5.331 1.323 4.287 2.177
Früheres Bundesgebiet 12.477 929 606 11.313 6.744 4.570 953 3.840 1.879
Neue Bundesländer 3.189 269 179 2.899 2.138 761 369 448 299
2008 Deutschland 15.893 1.198 784 14.472 9.099 5.373 1.379 4.256 2.010
Früheres Bundesgebiet 12.655 929 609 11.518 6.912 4.607 1.020 3.808 1.701
Neue Bundesländer 3.238 269 175 2.954 2.187 767 359 448 309
2009 Deutschland 16.012 1.218 791 14.650 9.291 5.358 1.387 4.253 1.985
Früheres Bundesgebiet 12.733 949 616 11.649 7.049 4.600 1.019 3.808 1.711
Neue Bundesländer 3.279 268 175 3.001 2.243 758 369 444 273
2010 Deutschland 16.218 1.248 813 14.844 9.449 5.395 1.439 4.261 1.942
Früheres Bundesgebiet 12.884 975 635 11.791 7.143 4.648 1.069 3.827 1.686
Neue Bundesländer 3.334 272 177 3.053 2.306 747 370 433 256
2011 Deutschland 16.606 1.286 853 15.195 9.739 5.456 1.453 4.318 2.078
Früheres Bundesgebiet 13.231 1.006 669 12.109 7.387 4.722 1.110 3.873 1.813
Neue Bundesländer 3.375 280 185 3.086 2.352 734 343 445 265
Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus
Früheres Bundesgebiet ohne Berlin, Neue Bundesländer mit Berlin
darunter
ohne
Beschäftigte
zusammen
davon
Normalarbeitnehmer/-
innen
1) Kernerwerbstätige: Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, nicht in Bildung oder Ausbildung; ohne Zeit- und Berufssoldat(en/innen) sowie Wehr-
und Zivildienstleistende.
atypisch Beschäftigte
zusammen
darunter
befristet
Beschäftigte
Teilzeitbeschäftigte
geringfügig
Beschäftigte
weiblich
Selbstständige Abhängig Beschäftigte
zusammen
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ISSN 0722-8333]