[Deutscher Bundestag Drucksache 17/12755
17. Wahlperiode 14. 03. 2013 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sevim Dağdelen, Agnes Alpers,
Wolfgang Gehrcke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/12477 –
Visaerteilungen im Jahr 2012
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Wie aus den Antworten der Bundesregierung auf regelmäßige Anfragen der
Fraktion DIE LINKE. zur Visapraxis hervorgeht, sind die Ablehnungsquoten
in Bezug auf einzelne Länder, aber auch bei einzelnen Auslandsvertretungen
innerhalb eines Landes, höchst unterschiedlich (vgl. zuletzt
Bundestagsdrucksache 17/8823). Insbesondere in ärmeren Regionen und Ländern, aus denen
viele Asylsuchende kommen, werden Visumanträge überdurchschnittlich
häufig abgelehnt. Während die Ablehnungsquote im Jahr 2011 weltweit 7,5
Prozent betrug, lag sie in Afghanistan bei 35, im Kosovo bei 25 und im Iran bei
20,5 Prozent. In einigen subsaharischen Ländern wie Angola, Elfenbeinküste,
Ghana, Guinea, Kamerun, Kongo, Mali, Nigeria, Senegal und Sudan, wo z. B.
Zweifel an vorgelegten Dokumenten eine besondere Rolle spielen, reichten
die Ablehnungsquoten von knapp einem Drittel bis zu 56 Prozent (Guinea).
Allerdings sind in diesen Quoten Fälle nicht erfasst, in denen Betroffene
angesichts hoher Anforderungen oder Schikanen im Verfahren ein Visumverfahren
nicht länger betreiben und aufgeben oder mangels Erfolgsaussichten erst gar
keinen Antrag stellen. In der Praxis reicht es nach Angaben von Betroffenen
für eine Ablehnung oftmals bereits aus, keine minderjährigen Kinder zu haben
und/oder über keine hohen regelmäßigen Einkünfte zu verfügen. Daraus wird
dann häufig auf eine angeblich „mangelnde familiäre bzw. wirtschaftliche
Verwurzelung“ im Herkunftsland bzw. „mangelnde Rückkehrbereitschaft“
geschlossen. Solche Ablehnungen sind für die Betroffenen oftmals nicht
nachvollziehbar, zumal sie zumeist aus dem bloßen Ankreuzen eines vorgegebenen
Standardsatzes bestehen, etwa: „Ihre Absicht, vor Ablauf des Visums aus dem
Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten auszureisen, konnte nicht festgestellt
werden“.
Trotz gleichbleibender bzw. sogar leicht gestiegener Visazahlen wurden die
im Visabereich eingesetzten Mitarbeiterkapazitäten in den letzten beiden
Jahren reduziert. Im Jahr 2010 gab es einen Rückgang um 6,5 Prozent und 2011
um 4,2 Prozent. Die Arbeitsbelastung (bearbeitete Fälle pro statistisch Vollzeit
tätigem Mitarbeiter/tätiger Mitarbeiterin) stieg entsprechend an: Um 6,5 bzw.
3,2 Prozent bzw. in Russland sogar um 12,3 bzw. 15 Prozent in den Jahren
2010 bzw. 2011 (vgl. Bundestagsdrucksachen 17/8221 und 17/8823).
Diese Personalentwicklung ist vermutlich einer der Gründe dafür, dass die
durch den EU-Visakodex vorgegebene maximale Wartezeit für einen
Vorsprachetermin von im Regelfall zwei Wochen in etlichen Auslandsvertretungen Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 12. März 2013 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/12755 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeder Bundesrepublik Deutschland über eine längere Zeit deutlich überschritten
wurde (vgl. hierzu Bundestagsdrucksachen 17/10022, 17/10479 und 17/12476).
Zum Stand Ende Juli 2012 betrug die Wartezeit an den wichtigen deutschen
Auslandsvertretungen in Moskau, Novosibirsk, Peking, Shanghai, Chengdu,
Kiew, Teheran und Kairo für privat Reisende zwischen fünf und elf Wochen,
für geschäftlich Reisende stellte sich die Lage nur in zwei dieser
Auslandsvertretungen besser dar.
91 Prozent aller weltweit erteilten Visa waren im Jahr 2011 EU-Schengen-
Visa, dabei machten Geschäftsvisa 44 Prozent aus, Familienvisa knapp 27 und
touristische Visa 17,6 Prozent. Bei für längerfristige Aufenthalte (Ehegatten-
und Kindernachzug, Studium, Werkvertragsarbeit usw.) beantragten Visa nach
nationalem Recht betrug die Ablehnungsquote im Durchschnitt 13,3 Prozent
(vgl. Bundestagsdrucksache 17/8823).
Statt für eine ausreichende Personalausstattung, vereinfachte Verfahren und
erleichterte Erteilungsbedingungen zu sorgen, setzt die Bundesrepublik
Deutschland verstärkt auf die Übertragung von Aufgaben im Visumverfahren
auf externe Dienstleister, obwohl dies nach dem Visakodex eigentlich die
Ausnahme sein sollte und obwohl z. B. der Abgeordnete Reinhard Grindel für
seine Fraktion erklärt hatte, dass es „mit den Innenpolitikern von CDU und
CSU … in dieser Legislaturperiode keine Änderungen im Visumverfahren“
geben werde, was auch für den vom Auswärtigen Amt geplanten Einsatz von
Privatfirmen im Visumverfahren gelte (Plenarprotokoll 17/178, S. 21269).
Durch externe Dienstleister entstehen für Reisende, die diese Dienste in
Anspruch nehmen (müssen), zusätzliche Kosten zu den ohnehin bereits hohen
Visagebühren (vgl. Bundestagsdrucksache 17/8221).
Das im Visakodex vorgesehene Instrument der Mehrjahresvisa wird von der
Bundesrepublik Deutschland nur zurückhaltend genutzt. Im Jahr 2010 waren
nur etwa 12,2 Prozent aller erteilten Visa Einjahres- oder Mehrjahresvisa. Im
Jahr 2011 waren es trotz einer allgemeinen Weisung, verstärkt Mehrjahresvisa
zu erteilen, weiterhin nur 14,7 Prozent, von denen wiederum zwei Drittel nur
Einjahresvisa waren (vgl. Bundestagsdrucksache 17/8823, zu den Fragen 7
bis 10 und 18).
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Übertragung von Aufgaben auf externe Dienstleister ist lediglich eine von
mehreren Maßnahmen, um das Visumverfahren kundenfreundlicher und
effizienter zu machen. Sie ist an enge Voraussetzungen gebunden. Der Vorwurf,
Antragsteller müssten (kostenpflichtig) die Dienste der externen Dienstleister
in Anspruch nehmen, wird zurückgewiesen. Hierzu wird im Einzelnen auf die
Antwort zu Frage 7 verwiesen. Darüber hinaus trifft das Auswärtige Amt eine
Reihe von personalwirtschaftlichen, organisatorischen, rechtlichen und
informationstechnologischen Maßnahmen, um das Visumverfahren weiter zu
verbessern. So sind u.a. Verstärkungen für die Konsularbereiche der
Auslandsvertretungen im Umfang von 29 entsandten Beamten (und 20 Ortskräften) allein in
der Stoßzeit bis Sommer 2013 vorgesehen. Ebenso zurückgewiesen wird der
Vorwurf, es gebe im Visumverfahren „Schikanen“.
1. Wie hoch war die Zahl der im Jahr 2012 beantragten, erteilten bzw.
abgelehnten Visa (bitte tabellarisch und in der Differenzierung wie zu Frage 1
auf Bundestagsdrucksache 17/8823 antworten, jedoch auch bei Tabelle 1b
bei Ländern mit mehreren Auslandsvertretungen die jeweiligen
Gesamtsummen nennen)?
Auf die Anlagen 1a1 und 1b1 zu Frage 1 wird verwiesen.
1 Von einer Drucklegung der Anlagen 1a und 1b zu Frage 1 wurde abgesehen. Diese sind als Anlagen
auf Bundestagsdrucksache 17/12755 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/127552. Wie haben sich die Zahlen erteilter bzw. abgelehnter Visa bzw. die
Ablehnungsquoten im Jahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr prozentual entwickelt
(bitte wie zu Frage 2 auf Bundestagsdrucksache 17/8823 antworten, jedoch
bei Ländern mit mehreren Auslandsvertretungen auch die jeweiligen
Gesamtsummen nennen)?
Auf die Anlage2 zu Frage 2 wird verwiesen.
3. Wie viele Ausnahmevisa wurden im Jahr 2012 an den Grenzen von der
Bundespolizei erteilt (bitte zusätzlich nach den zehn wichtigsten
Herkunftsländern und den Gründen bzw. der Rechtsgrundlage differenziert
darstellen)?
Im Jahr 2012 wurden durch die Bundespolizei und die mit der
grenzpolizeilichen Kontrolle beauftragten Behörden der Länder Bayern und Hamburg 18 811
Ausnahmevisa erteilt. Die Erteilung erfolgte gemäß Artikel 35 und 36 des
Visakodex (Schengen-Visum, Kategorie „C“) bzw. § 14 Absatz 2 des
Aufenthaltsgesetzes (nationales Visum, Kategorie „D“).
2 Von einer Drucklegung der Anlage zu Frage 2 wurde abgesehen. Diese ist als Anlage auf
Bundestagsdrucksache 17/12755 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
Kategorie C Kategorie D
Gesamt 18 751 Gesamt 60
Philippinen 7 786 Türkei 22
Ukraine 3 043 Mazedonien 10
Russische Föderation 2 346 Russische Föderation 4
Indien 1 724 Kasachstan 3
Indonesien 831 Thailand 2
Türkei 634 Aserbaidschan 2
China 600 Jordanien 2
Myanmar 303 Serbien 2
Südafrika 93 Indien 1
Sri Lanka 87 Nigeria 1
sonstige 1 304 Ghana 1
Syrien 1
Kosovo 1
Libanon 1
Afghanistan 1
Tunesien 1
Saudi-Arabien 1
Usbekistan 1
Palästinensische Gebiete 1
Mexiko 1
staatenlos 1
Drucksache 17/12755 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode4. Wie viele der im Jahr 2012 erteilten Schengenvisa waren Jahres-, 2-Jahres-,
3-Jahres-, 5-Jahresvisa bzw. insgesamt Jahres- bzw. Mehrjahresvisa (bitte
auch die Vergleichswerte des Vorjahres nennen und darstellen und
differenzieren wie zu Frage 7 auf Bundestagsdrucksache 17/8823, jedoch bei
Ländern mit mehreren Auslandsvertretungen auch die jeweiligen
Gesamtsummen nennen), und wie bewertet die Bundesregierung diese
Entwicklung vor dem Hintergrund ihrer Anweisung zur verstärkten Erteilung von
Mehrjahresvisa im Rahmen des geltenden Rechts?
Die deutschen Auslandsvertretungen erteilten im Jahr 2012 insgesamt 326 069 Visa
mit ein- bzw. mehrjähriger Gültigkeitsdauer (2011: 237 953; Steigerungsrate:
+ 37 Prozent). Darunter fielen 210 599 Jahresvisa (154 000; + 37 Prozent),
56 808 Zweijahresvisa (41 205; + 38 Prozent), 51 806 Dreijahresvisa (38 694;
+ 34 Prozent) sowie 6 856 Fünfjahresvisa (4 054; + 69 Prozent). Der Anteil der
Visa mit einer Gültigkeitsdauer zwischen einem und fünf Jahren am
Gesamtvisaaufkommen betrug 18,36 Prozent. Im Übrigen wird auf die Anlage3 zu
Frage 4 verwiesen.
Diese Zahlen belegen aus Sicht der Bundesregierung, dass die deutschen
Auslandsvertretungen die Anweisungen des Auswärtigen Amtes für die Nutzung
gesetzlicher Spielräume zur Erleichterung des Visumverfahrens und zur
Erhöhung von dessen Kundenfreundlichkeit konsequent umsetzen.
5. Welche aktuellen konkreten Anweisungen gibt es bzw. gab es im Jahr 2012
an die deutschen Auslandsvertretungen, die Möglichkeiten des Visakodex
auszuschöpfen bzw. Erleichterungen im Visumverfahren vorzunehmen,
inwieweit lassen sich entsprechende Auswirkungen in der Praxis empirisch
feststellen, bzw. inwieweit wurde überprüft, ob und wie diese
Anweisungen umgesetzt wurden (bitte ausführen)?
Die in Form des Visumhandbuchs gefassten Anweisungen des Auswärtigen
Amtes an die deutschen Auslandsvertretungen zur Durchführung des
Visumverfahrens weisen auf die gesetzlich zulässigen Erleichterungen bei der Vergabe
von Schengen-Visa hin. Das Auswärtige Amt hat zusätzlich in einem Erlass vom
26. September 2012 Weisungen erteilt, mit denen Erfahrungen im Rückblick auf
die Hauptreisesaison 2012 ausgewertet und weitere Optimierungsmöglichkeiten
aufgezeigt werden. Diesem übergeordnet war ein Erlass des Bundesministers
des Auswärtigen, Dr. Guido Westerwelle, vom 25. Juni 2012, mit dem die
Leiterinnen und Leiter der deutschen Auslandsvertretungen angewiesen wurden, im
Rahmen ihrer Organisationsbefugnis durch flexiblen Personaleinsatz eine
fristgerechte Bearbeitung von Visumanträgen sicherzustellen.
6. In welchen Ländern bzw. Auslandsvertretungen werden welche externen
Dienstleister seit wann unter welchen Bedingungen (Kosten usw.) für
welche Aufgaben (z. B. Terminvermittlung, Annahme bzw. Überprüfungen
von Visaanträgen usw.) eingesetzt, warum war dies jeweils das letzte
Mittel (vgl. Artikel 40 Absatz 3 des Visakodex), um die Visabearbeitung
bewerkstelligen zu können, welche konkreten Erfahrungen wurden dabei
gemacht, und wie haben sich die Bearbeitungszahlen und Ablehnungsquoten
in den jeweiligen Ländern bzw. Auslandsvertretungen seit dem Einsatz
externer Dienstleister konkret verändert (bitte differenziert beantworten)?
Auf die Anlage4 zu Frage 6 wird verwiesen.
3 Von einer Drucklegung der Anlage zu Frage 4 wurde abgesehen. Diese ist als Anlage auf
Bundestagsdrucksache 17/12755 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
4 Von einer Drucklegung der Anlage zu Frage 6 wurde abgesehen. Diese ist als Anlage auf
Bundestagsdrucksache 17/12755 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/12755Zur Auslegung des Artikels 40 Absatz 3 des Visakodex wird auf die
Ausführungen der Bundesregierung auf Bundestagsdrucksache 17/12476
(Vorbemerkung der Bundesregierung) verwiesen.
In den Ländern, in denen die Auslagerung von Dienstleistungen nach
Einführung des Visakodex erfolgt ist, ist sie sogenanntes „letztes Mittel“ im Sinne des
Artikels 40 des Visakodex. Auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 14
der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache
17/10479 wird verwiesen.
An den Vertretungen, an denen Dienstleistungen bereits vor Einführung des
Visakodex ausgelagert wurden, stellte dies die einzig sinnvolle Entlastung für
die Visastellen dar. Dort hat sich die Auslagerung der betreffenden
Dienstleistungen teilweise bereits über Jahre bewährt. Konnte zwischenzeitlich eine
andere Lösung gefunden werden, wie z. B. ein kostenloses Online-
Terminvergabesystem, wurde dieses eingeführt.
Die Erfahrungen mit der Auslagerung von Aufgaben an externe Dienstleister
sind positiv. Die Auslagerung erhöht die Kundenfreundlichkeit des
Visumverfahrens: Die Antragseinreichung muss nicht mehr persönlich erfolgen, sondern
kann von einem Boten oder Bevollmächtigten und teilweise sogar postalisch
erledigt werden, sofern nicht Fingerabdrücke des Antragstellers erfasst werden
müssen. Die Dienstleister haben die Vorgabe, alle Anträge innerhalb von zwei
Arbeitstagen anzunehmen. Wartezeiten auf einen Termin zur Antragsabgabe
gehören damit der Vergangenheit an. Externe Dienstleister bieten zudem
flexiblere Öffnungszeiten (teilweise auch am Samstag) und in einigen Ländern
zusätzliche Annahmezentren an Orten ohne Visastelle (in der Türkei, China,
Saudi-Arabien sowie in Kürze auch in Russland und der Ukraine).
Insbesondere in Ländern mit mehreren Annahmezentren nehmen Antragstellerinnen und
Antragsteller in deutlichem Umfang zusätzliche Kosten in Kauf, da ihnen diese
teilweise weite und kostenintensivere Anreisen zu den Visastellen der
deutschen Auslandsvertretungen ersparen. Dies erklärt die hohe Akzeptanz des
Angebots der Dienstleister durch die Antragstellerinnen und Antragsteller.
Erfahrungsgemäß steigen in der Anfangsphase der Auslagerung die
Antragszahlen leicht an. Ein Grund dafür ist, dass einige Antragsteller, deren
Hauptreiseziel nicht Deutschland ist, angesichts der kurzen Wartezeiten ihre Anträge in
der Hoffnung auf ein schnell erteiltes Schengenvisum über den externen
Dienstleister stellen („Visashopping“). Da die deutschen Visastellen für solche
Anträge nicht zuständig sind, müssen diese abgelehnt werden. Darüber
hinausgehende Veränderungen der Antragszahlen sind zweifellos auch auf die
verbesserte Kundenfreundlichkeit zurückzuführen. Allerdings gibt es zahlreiche
weitere Faktoren (u. a. Verbesserung der Wirtschaftslage im Gastland, Wegfall
alternativer Reiseziele), die sich auf die Visumantragszahlen auswirken. Eine
getrennte Erfassung der ausschließlich auslagerungsbedingten Steigerungen
der Visumantragszahlen ist daher nicht möglich.
Erfahrungsgemäß steigen auch die Ablehnungsquoten an den Vertretungen, an
denen die Antragsannahme ausgelagert worden ist, zunächst an: Wie oben
dargelegt, kommt es aufgrund der in der Regel gegenüber anderen
Schengenpartnern geringeren Wartezeiten anfangs vermehrt zu „Visashopping“. Ein weiterer
Grund für einen vorübergehenden Anstieg der Ablehnungsquoten ist die
Abgabe unvollständiger Anträge beim externen Dienstleister: Zwar werden die
Antragsteller durch den Dienstleister nachweislich darüber informiert, dass ein
unvollständiger Antrag zur Ablehnung führen kann. Bestehen Antragsteller
dennoch auf Einreichung unvollständiger Anträge, wird die Visastelle diese
Anträge in der Regel ablehnen müssen.
Drucksache 17/12755 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode7. Unter welchen genaueren Bedingungen (insbesondere zu welchen Zeiten)
können Visabeantragende in Ländern, in denen externe Dienstleister zum
Einsatz kommen, direkt und ohne Inanspruchnahme dieser Dienstleister in
den deutschen Auslandsvertretungen vorsprechen bzw. ein Visum
beantragen, und wie lange waren in diesen Fällen jeweils zuletzt die Wartezeiten
bis zur Vorsprache bzw. Beantragung (bitte nach Auslandsvertretungen
differenziert angeben)?
Die Inanspruchnahme eines externen Dienstleisters durch den Antragsteller
erfolgt freiwillig. Gemäß Artikel 17 Absatz 5 des Visakodex hat jeder
Mitgliedstaat die Möglichkeit für sämtliche Antragsteller aufrecht zu halten, Anträge
unmittelbar bei den Konsulaten einzureichen. Dies ist auch an den deutschen
Auslandsvertretungen möglich. Die Zeiten, an denen Antragsteller zur
Antragsabgabe vorsprechen, werden von den Auslandsvertretungen in eigener
Zuständigkeit und nach örtlichen Bedürfnissen und Gegebenheiten festgelegt und auf
deren Homepage bekannt gemacht. Für weitergehende Informationen wird auf
die jeweiligen Internetauftritte der Auslandsvertretungen verwiesen. Teilweise
vergibt auch der Dienstleister kostenlos Termine zur direkten Vorsprache der
Antragsteller bei der Visastelle.
Die Wartezeiten für einen Termin zur Visumbeantragung direkt in der
Visastelle betragen in der Regel nicht mehr als zwei Wochen. Darüber hinaus
vergeben die Auslandsvertretungen bei Bedarf kurzfristig Sondertermine,
insbesondere in Notfällen.
Gegenwärtig liegen die Wartezeiten für eine Terminvergabe zur Antragstellung
nur in den Visastellen in Jekaterinburg, Kairo, London, Manila, Moskau,
Shanghai und Tiflis bei über zwei Wochen.
Einige Auslandsvertretungen nehmen von den Antragstellern frankierte und
adressierte Umschläge von Kurierdiensten entgegen, in denen sie den visierten
Pass zurücksenden, um dem Antragsteller die An- und Abfahrt zur Abholung
des Passes zu ersparen.
8. Wie hat sich in den Ländern bzw. Auslandsvertretungen (bitte
differenzieren) die Zeit der durchschnittlichen Wartezeit bis zur Vorsprache bzw. der
Bearbeitung eines Visumantrages (bitte differenzieren) nach Einführung
externer Dienstleister verändert?
Bezüglich der durchschnittlichen Wartezeit für einen Termin gilt, dass die
externen Dienstleister gehalten sind, Anträge innerhalb von zwei Arbeitstagen
entgegen zu nehmen. Damit wird die Wartezeit in der Regel erheblich reduziert
und das Verfahren insgesamt deutlich verkürzt. Die durchschnittliche
Bearbeitungszeit – einschließlich Transport zwischen Annahmezentren und Visastellen –
beträgt in den auslagernden Visastellen in der Regel zwischen vier und zehn
Arbeitstagen. Werden an einigen Tagen besonders viele Anträge über den
externen Dienstleister gestellt, kann es vorkommen, dass sie nicht alle am folgenden
Tag bearbeitet werden können. Bislang liegen die Bearbeitungszeiten stets im
Rahmen der in Artikel 23 des Visakodex vorgegebenen Fristen.
9. Wieso ist auf der Internetseite des Generalkonsulats in Novosibirsk nicht
mehr die Wartezeit bis zur Vorsprache zur Visumbeantragung offen
ersichtlich – im Gegensatz zu früher, als dies bis auf den Tag genau
nachzuvollziehen war –, und wie ist dies auf Internetseiten anderer
Auslandsvertretungen bzw. allgemein geregelt?
Die Einstellung entsprechender Empfehlungen liegt im Ermessen der
Auslandsvertretungen. Auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 24 der
Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 17/10479
wird beispielhaft verwiesen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/12755Aufgrund saisonal bedingt niedriger Antragszahlen und entsprechend geringer
Wartezeiten hat das Generalkonsulat Nowosibirsk aktuell darauf verzichtet, einen
gesonderten Hinweis zu den Wartezeiten auf seiner Internetseite einzustellen.
10. Welche Veränderungen bei Visaerleichterungsabkommen gab es seit der
Beantwortung der Frage 14 auf Bundestagsdrucksache 17/8823?
Die bestehenden Visumerleichterungsabkommen zwischen der EU und
Russland, der Ukraine und Moldau wurden im vergangenen Jahr neu verhandelt.
Dabei ging es insbesondere um die Ausweitung der durch die Abkommen
privilegierten Personengruppen sowie um die Befreiung von der Visumpflicht für
Dienstpassinhaber. Das neue Visumerleichterungsabkommen zwischen der EU
und Moldau wurde am 27. Juni 2012 unterzeichnet. Das neue Abkommen mit
der Ukraine wurde am 23. Juli 2012 unterzeichnet. Die Verhandlungen mit
Russland sind derzeit noch nicht abgeschlossen.
Darüber hinaus sind auch die Verhandlungen über den Abschluss von
Visumerleichterungsabkommen zwischen der EU und Armenien, Aserbaidschan und
Kap Verde weitergeführt worden. Das Abkommen mit Kap Verde wurde am
17. Oktober 2012, das Abkommen mit Armenien am 17. Dezember 2012
unterzeichnet. Die Verhandlungen mit Aserbaidschan dauern noch an.
11. Wie lauten die statistischen Angaben über die Visaerteilung im Jahr 2012,
differenziert nach Aufenthaltszwecken und Schengen- bzw. nationalen
Visa (bitte wie zu Frage 19 auf Bundestagsdrucksache 17/8823
antworten, aber zusätzlich auch Angaben differenziert nach den 20 wichtigsten
Herkunftsländern machen)?
Auf die Anlagen 11a5, 11b15, 11b25 und 11b35 zu Frage 11 wird verwiesen.
12. Wie hoch waren im Jahr 2012 die Personalkosten, wie viele MAK
(statistisch Vollzeit arbeitende Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter) gab es, wie
viele Fälle pro MAK wurden im Visumbereich 2012 bearbeitet (bitte
neben den Gesamtzahlen auch nach Kontinenten und den zehn wichtigsten
Herkunftsländern differenziert darstellen und jeweils die prozentualen
Veränderungen gegenüber dem Vorjahr nennen; bitte wie zu Frage 20 auf
Bundestagsdrucksache 17/8823 darstellen), und wie werden
entsprechende Veränderungen begründet?
Auf die Anlage6 zu Frage 12 wird verwiesen. Diese zeigt, dass 2012 die
Visumantragszahlen weltweit insgesamt gestiegen sind, wenn auch regional in
unterschiedlichem Maße. Besonders große Zuwächse gab es im Nahen Osten und in
China. In einigen wenigen Ländern stagnierten die Antragszahlen bzw. waren
leicht rückläufig (Iran, Weißrussland). Der Personaleinsatz (MAK) und die
Personalkosten haben sich 2012 weitestgehend parallel zum Antragsaufkommen
entwickelt. Teilweise wurden angesichts der steigenden Visumantragzahlen
Entscheidungen über Personalverstärkungen getroffen, die sich erst 2013
auswirken (Russland). Insgesamt sind nach aktuellen Planungen Verstärkungen für
die Konsularbereiche der Botschaften im Umfang von 29 entsandten Beamten
(und 20 Ortskräften) allein bis Sommer 2013 vorgesehen. Die Entwicklung der
Visazahlen wird zudem weiter beobachtet und die Personalausstattung der
Visastellen laufend überprüft und erforderlichenfalls angepasst.
5 Von einer Drucklegung der Anlagen 11a, 11b1, 11b2 und 11b3 zu Frage 11 wurde abgesehen. Diese sind
als Anlagen auf Bundestagsdrucksache 17/12755 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages
abrufbar.
6 Von einer Drucklegung der Anlage zu Frage 12 wurde abgesehen. Diese ist als Anlage auf
Bundestagsdrucksache 17/12755 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
Drucksache 17/12755 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode13. Wie hoch war die Zahl von Remonstrationen und/oder Klagen gegen
ablehnende Visumbescheide im Jahr 2012 im Bereich der Kurzzeit- bzw.
Langzeitvisa (bitte so differenziert wie möglich angeben), und in
welchem Umfang wurden im Jahr 2012 nach einer Klageerhebung Visa
erteilt (berücksichtigt werden sollen auch Fälle, in denen Visa infolge eines
gerichtlichen Vergleichs oder auch nach Klagerücknahme nach
Zusicherung der Behörde zur Visumerteilung erteilt wurden)?
Die Zahl der eingelegten Remonstrationen für das Jahr 2012 beträgt 28 526.
Eine Differenzierung zwischen Langzeit- und Kurzzeitvisa wird nicht
vorgenommen.
Im Jahr 2012 wurde in 1 856 Fällen gegen ablehnende Visumbescheide Klage
erhoben. Die Zahl der auf Kurzaufenthalte (Schengenvisa) entfallenden Klagen
beträgt dabei 576. Im Jahr 2012 wurde in 520 Fällen während bzw. nach einem
Klageverfahren ein Visum erteilt. Dabei wurde das Auswärtige Amt in 42
Verfahren zur Visumserteilung verurteilt. In 52 Fällen wurde das Visum erteilt und
das Verfahren wurde von den Beteiligten für erledigt erklärt. In 426 Fällen
wurde im Vergleichswege gegen Klagerücknahme ein Visum erteilt.
Zu den Verfahren, bei denen das Visum im Vergleichsweg oder nach
Klagerücknahme erteilt wird, ist anzumerken, dass in den meisten dieser Fälle die
aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen erst im laufenden Klageverfahren
erfüllt wurden oder deren Erfüllung nachgewiesen wurde. Belastbare Aussagen
zu länderspezifischen Besonderheiten lassen sich auf der Grundlage der
vorliegenden Zahlen zu während bzw. nach Klageverfahren erteilten Visa nicht
treffen.
14. Wie hoch waren die Gebühreneinnahmen im Visumverfahren im Jahr
2012 (bitte auch nach den 20 wichtigsten Herkunftsländern differenzieren
und für jedes Land die durchschnittliche Gebühr pro bearbeitetem bzw.
erteiltem Visum nennen; bitte auch die Zahlen für die jeweils zehn
Länder mit den höchsten bzw. niedrigsten durchschnittlichen Gebühren pro
Visum nennen)?
Auf die Anlage7 zu Frage 14 wird verwiesen.
15. Wie viele gefälschte bzw. „erschlichene“ (bitte differenzieren) Visa
wurden im Jahr 2012 von bundesdeutschen Behörden entdeckt (etwa bei
Zurückschiebungen/Zurückweisungen), und welche genaueren Angaben
hierzu lassen sich machen (z. B. in welchen Ländern wurden die Visa
beantragt, von welchen Ländern wurden sie ausgestellt, welche
Personenbzw. Fallkonstellationen sind auffällig usw.)?
Die Zahlen i. S. der Fragestellung liegen für das Jahr 2012 noch nicht vor. Die
von den Ländern übermittelten Einzeldatensätze zu den einzelnen Straftaten
werden jährlich durch das Bundeskriminalamt für die Polizeiliche
Kriminalstatistik aufbereitet und anschließend von der Innenministerkonferenz gebilligt.
Mit den Ländern ist vereinbart, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik
möglichst erst nach den Pressefreigaben bzw. den Pressekonferenzen der
Innenminister der einzelnen Länder durch den Vorsitzenden der
Innenministerkonferenz und den Bundesminister des Innern in einer gemeinsamen Pressekonferenz
der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Die gemeinsame Pressekonferenz zur
Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2012 findet voraussichtlich
am 15. Mai 2013 statt.
7 Von einer Drucklegung der Anlage zu Frage 14 wurde abgesehen. Diese ist als Anlage auf
Bundestagsdrucksache 17/12755 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/1275516. Welche Erkenntnisse liegen dazu vor, wie viele Personen nach Ablauf der
Gültigkeit eines Schengenvisums nicht bzw. zu spät wieder ausgereist
sind bzw. welche sonstigen „Missbrauchsfälle“ es im Zusammenhang der
Visaerteilung bzw. -nutzung gibt (bitte so konkret wie möglich
beantworten)?
Auf die Antwort zu Frage 15 wird verwiesen.
17. Wie ist der genaue Stand der Implementierung des
Visainformationssystems (VIS) und der Visawarndatei, und welche Erfahrungen oder
Probleme gibt es diesbezüglich, auch hinsichtlich des automatischen
Datenabgleichs zwischen Visawarn- und Antiterrordatei (welche empirischen
Daten liegen diesbezüglich vor bzw. werden erfasst)?
Das Visainformationssystem (VIS) wird nach Regionen gestaffelt in Betrieb
genommen. Seit dem 11. Oktober 2011 wird es von den Auslandsvertretungen
der Mitgliedstaaten des Schengener Abkommens in der Region „Nordafrika“
(Algerien, Ägypten, Libyen, Mauretanien, Marokko, Tunesien), seit dem
10. Mai 2012 in der Region „Naher Osten“ (Israel, Jordanien, Libanon, Syrien)
und seit dem 2. Oktober 2012 in der Region „Golf“ (Afghanistan, Bahrain,
Iran, Irak, Kuwait, Oman, Katar, Saudi Arabien, Vereinigte Arabische Emirate,
Jemen) angewandt.
Die Vorbereitung der Inbetriebnahme des VIS in weiteren Regionen dauert an.
So haben die Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission vereinbart, dass
zwischen März und November 2013 zeitlich gestaffelt die Regionen „West-“,
„Zentral-“, „Ost-“ und „Südafrika“, „Südamerika“, „Ehemalige Republiken der
Sowjetunion in Zentralasien“, „Süd-Ost-Asien“ und „Palästinensische Gebiete“
folgen. Über die Reihenfolge der dann noch ausstehenden Regionen, die die
weltweite Inbetriebnahme des VIS vervollständigen, wird derzeit zwischen der
Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten beraten.
Im VIS werden seit dem 11. Oktober 2011 die Visumantragsdaten nebst Foto
und Fingerabdrücken der Antragsteller gemäß VIS-Verordnung (VO (EG)
Nr. 767/2008) für höchstens fünf Jahre gespeichert. Die Mitgliedstaaten sind
seit dem 31. Oktober 2011 verpflichtet, die Grenzübertrittskontrollen an den
Schengen-Außengrenzen unter Nutzung des VIS durchzuführen. Die Kontrolle
der Fingerabdrücke ist dabei in den ersten drei Jahren nach Inbetriebnahme
noch nicht verbindlich vorgeschrieben, wird in Deutschland jedoch bereits seit
dem 16. Dezember 2011 umgesetzt.
Die nach dem Gesetz über den Zugang von Polizei- und
Strafverfolgungsbehörden sowie Nachrichtendiensten zum Visa-Informationssystem vom 6. Mai
2009 (BGBl. I, S. 1034) berechtigten Behörden werden künftig Zugang zum
VIS für Datenabfragen zum Zweck der Verhütung, Aufdeckung und Ermittlung
terroristischer oder sonstiger schwerwiegender Straftaten auf Grundlage des
VIS-Zugangsgesetzes erhalten.
Nach Mitteilung der Europäischen Kommission arbeiten die Systeme bislang
zufriedenstellend. Im achten Fortschrittsbericht der Europäischen Kommission
vom 13. Juli 2012 an das Europäische Parlament und den Rat über die
Entwicklung des VIS im Jahr 2011 (KOM(2012)376 endgültig) wird ferner u. a. von
ersten Erfolgen bei der Verhinderung von Mehrfachanträgen („Visum-
Shopping“) im Berichtszeitraum berichtet.
Die technische Umsetzung des am 1. Dezember 2011 vom Deutschen
Bundestag verabschiedeten Gesetzes zur Errichtung einer Visawarndatei und zur
Änderung des Aufenthaltsgesetzes erfolgt zurzeit beim Bundesverwaltungsamt.
Die Visawarndatei wird erst zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Gesetzes,
d. h. zum 1. Juni 2013, in Betrieb gehen. Demzufolge liegen noch keine Erfah-
Drucksache 17/12755 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperioderungen mit der Visawarndatei vor. Entsprechendes gilt für das
Datenabgleichverfahren, bei dem künftig Daten aus dem Visumverfahren mit bestimmten Daten
aus der Antiterrordatei automatisiert abgeglichen werden. Ein automatisierter
Abgleich zwischen der Visa-Warndatei und der Antiterrordatei ist dagegen
nicht vorgesehen. Darüber hinaus wird der Erlass einer
Durchführungsverordnung zum Visa-Warndateigesetz sowie einer Allgemeinen
Verwaltungsvorschrift zum Visa-Warndateigesetz und zur Durchführungsverordnung vorbereitet.
18. In welchem Umfang und in Bezug auf welche Länder haben sich frühere
Befürchtungen der Bundesregierung, die Offenlegung der
Ablehnungsquoten im Visumverfahren in Bezug auf einzelne Länder könnte
„nachteilige Auswirkungen auf die bilateralen Beziehungen zu einzelnen
Staaten haben und zudem Versuche des Visummissbrauchs begünstigen“
(Bundestagsdrucksache 16/5546, zu Frage 1), nach Veröffentlichung
dieser Daten nicht nur durch die Europäische Kommission, sondern auch
infolge der Anfragen der Fraktion DIE LINKE. und hierauf folgender
Presseberichterstattung (z. B. DER TAGSSPIEGEL vom 19. Juli 2011:
„Türken erhalten oft kein Visum für Deutschland“) realisiert, und wenn
es keine solchen nachteiligen Auswirkungen gegeben hat, wie bewertet
die Bundesregierung im Nachhinein das diesbezüglich aus Sicht der
Fragesteller restriktive Auskunftsverhalten gegenüber parlamentarischen
Anfragen in der Vergangenheit (Nachfrage zu Frage 28 in der Antwort
auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 17/8823)?
Auf die Antwort zu Frage 28 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE.
auf Bundestagsdrucksache 17/8823 wird verwiesen. Es ist davon auszugehen,
dass es soweit erkennbar nicht zu negativen Reaktionen einzelner Länder
gekommen ist, gerade weil die Veröffentlichung der Ablehnungsquoten restriktiv
gehandhabt wird. Vor diesem Hintergrund werden die in der Antwort der
Bundesregierung zu Frage 1 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf
Bundestagsdrucksache 16/5546 ausgeführten Punkte aufrechterhalten.
19. Wie lang sind derzeit die Wartezeiten für privat bzw. geschäftlich
Reisende (bitte differenzieren) für einen Termin zur Visumantragstellung in
den verschiedenen deutschen Auslandsvertretungen in den 20 wichtigsten
visumpflichtigen Ländern weltweit (bitte nicht wie zu Frage 1 auf
Bundestagsdrucksache 17/10479 antworten, sondern wie auf
Bundestagsdrucksache 17/12476 in einer differenzierten Tabelle mit den Angaben der
realen Wartezeiten und Umfang der Visabearbeitung in diesen
Auslandsvertretungen)?
Auf die Tabelle8 zu Frage 19 wird verwiesen.
20. In welchen Ländern bzw. Auslandsvertretungen wurde im Jahr 2012 für
welche Zeiträume gegen die 2-Wochen-Frist nach Artikel 9 Absatz 2
Satz 2 des Visakodex verstoßen (bitte auch nach privat und geschäftlich
Reisenden differenzieren), was wurde diesbezüglich unternommen und
welche Ergebnisse wurden erzielt?
Das Auswärtige Amt führt keine nach Tagen aufgeschlüsselte Statistik über die
einzelnen Wartezeiten an seinen 180 Visastellen. Daher lässt sich nicht
errechnen, in welchen Zeiträumen 2012 die Regelvorgabe des Artikels 9 Absatz 2
Satz 2 des Visakodex überschritten worden ist. Auf die Antworten zu den
Fragen 2 und 38 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestags-
8 Von einer Drucklegung der Tabelle zu Frage 19 wurde abgesehen. Diese ist als Anlage auf
Bundestagsdrucksache 17/12755 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/12755drucksache 17/10022, die Antworten zu den Fragen 1, 2 und 6 der Kleinen
Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 17/10479 sowie auf
die Vorbemerkung der Bundesregierung und die Antwort zu Frage 6 auf
Bundestagsdrucksache 17/12476 wird verwiesen. Von den dort aufgeführten
Auslandsvertretungen mit Wartezeiten über zwei Wochen wurden an einigen die
Wartezeiten durch Auslagerung der Visumantragsannahme an externe
Dienstleister dauerhaft auf maximal zwei Arbeitstage begrenzt. Dies gilt insbesondere
für Russland, China und die Türkei. An den Auslandsvertretungen in Indien
und der Ukraine steht die Auslagerung 2013 bevor. Die Visastelle in Kairo wird
2013 u. a. personell verstärkt. In der Visastelle in Teheran werden 2013
umfangreiche Baumaßnahmen vorgenommen, um die Annahmekapazitäten zu
erhöhen. Auch an der Visastelle in Edinburgh stehen bauliche Maßnahmen an. An
der Visastelle der Botschaft Pristina wurden die Annahmekapazitäten massiv
erweitert und die Terminanzahl für Besuchsvisaantragsteller erhöht. Die
Verbesserungen bei der Terminvergabe tragen zu einem Anstieg der
Visumantragszahlen bei.
21. In welcher Weise ist die Europäische Kommission seit dem Jahr 2011
gegenüber der Bundesregierung wegen der langen Wartezeiten im
Visumverfahren (vgl. Artikel 9 Absatz 2 Satz 2 Visakodex) tätig geworden, und
wie hat die Bundesregierung jeweils hierauf reagiert?
Die Europäische Kommission hat mit Schreiben der Generaldirektion Inneres
vom 13. Dezember 2012 der Bundesregierung mitgeteilt, dass sie zurzeit die
Maßnahmen prüfe, die deutsche Behörden ergriffen haben, um der in Artikel 9
Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft (ABl.
L 243 vom 15. September 2009, S. 1) festgelegten Pflicht nachzukommen,
Drittstaatsangehörigen in der Regel binnen zwei Wochen nach der Beantragung
einen Termin für die Einreichung eines Visumantrags zu gewähren.
In diesem sogenannten Pilotverfahren hat die Bundesregierung mit Schreiben
vom 21. Februar 2013 geantwortet. Dabei hat sie unter anderem darauf
hingewiesen, dass sie zur Verminderung von Wartezeiten personalwirtschaftliche,
rechtliche sowie organisatorische Maßnahmen einsetzt.
22. In welchen Ländern bzw. Auslandsvertretungen erhielten im Jahr 2012
geschäftlich Reisende früher einen Vorsprachetermin als privat Reisende,
bzw. wo und mit welcher Begründung gab es überhaupt getrennte
Terminsysteme für diese unterschiedlichen Gruppen?
Eine jahresübergreifende Erfassung der Wartezeiten an allen Visastellen für alle
Antragstellerkategorien erfolgt nicht. Für eine aktuelle Bestandsaufnahme an
den Visastellen in den 20 wichtigsten Herkunftsländern wird auf die Tabelle9 zu
Frage 19 verwiesen.
Im Übrigen wird auf die Antworten zu den Fragen 9 und 12 der Kleinen
Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 17/10022 sowie zu
Frage 20 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf
Bundestagsdrucksache 17/10479 und zu Frage 20 auf Bundestagsdrucksache 17/12476 verwiesen.
9 Von einer Drucklegung der Tabelle zu Frage 19 wurde abgesehen. Diese ist als Anlage auf
Bundestagsdrucksache 17/12755 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
Drucksache 17/12755 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode23. Mit welcher Begründung hält die Bundesregierung das Handbuch zum
Visakodex für rechtlich nicht verbindlich, sondern betrachtet die
Vorgaben des Handbuchs lediglich als Empfehlungen (vgl.
Bundestagsdrucksache 17/12476), obwohl
a) es in Erwägungsgrund 22 des Visakodex heißt, dass die
Mitgliedstaaten den Weisungen zur einheitlichen Anwendung des Visakodex (und
somit auch aus dem Handbuch) entnehmen können, wie sie bei der
Bearbeitung der Visumanträge verfahren „müssen“,
b) aus dem Erwägungsgrund 2 des Beschlusses der Europäischen
Kommission vom 19. März 2010 über ein Visa-Handbuch eindeutig
hervorgeht, dass dieses Handbuch eine Weisung nach Artikel 51 des
Visakodex darstellt, die bei der Anwendung des Kodex nach dessen
Erwägungsgrund 22 beachtet werden muss,
c) sowohl aus Artikel 3 als auch Artikel 2 Nummer 1 zweiter Anstrich
des Beschlusses der Europäischen Kommission vom 19. März 2010
über ein Visa-Handbuch der verbindliche Charakter des Handbuchs
hervorgehen,
d) und was bedeutet all dies in Hinblick darauf, dass nach Punkt 3.2.2.
des Handbuchs die Kapazitäten der Konsulate der Mitgliedstaaten für
die Bearbeitung von Visumanträgen so anzupassen sind, dass die
höchstens zweiwöchige Wartefrist auch in Stoßzeiten eingehalten
werden kann (bitte ausführlich begründen)?
Artikel 9 Absatz 2 Satz 2 des Visakodex schreibt vor, dass ein Termin in der
Regel innerhalb von zwei Wochen nach seiner Beantragung stattzufinden hat.
Auch die Europäische Kommission weist in dem in Antwort zu Frage 21
genannten Schreiben darauf hin, dass diese Frist nicht absolut, sondern als
Regelwartezeit zu verstehen ist. Daraus folgt, dass eine ausnahmsweise
Überschreitung dieser Wartezeit auch aus Sicht der Kommission nicht gegen den
Visakodex verstößt. Das Visakodexhandbuch kann nichts Weitergehendes vorsehen,
da es keine neuen rechtlichen Verpflichtungen für die Mitgliedstaaten einführt
(vgl. Vorwort zum Visakodexhandbuch), sondern diesbezügliche
Empfehlungen enthält.Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
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Anlage zu Frage 14 Stand: 28.02.2013
Gebühreneinnahmen im Visumverfahren * im Jahr 2012
a) Gesamteinnahmen 2012
Jahr 2012
Gebühreneinnahmen 92.610.161 €
b) Visagebührenaufkommen nach wichtigsten Herkunftsländern (2012)
absteigend sortiert nach Visafallzahlen Herkunftsland; Rang 1-20
Land Einnahmen
Russland 12.766.797 €
China 14.934.523 €
Türkei 9.732.463 €
Indien 6.545.168 €
Ukraine 2.343.628 €
Vereinigte Arabische
Emirate 4.002.536 €
Weißrussland 2.691.305 €
Iran 2.682.548 €
Saudi Arabien 2.318.651 €
Thailand 2.286.368 €
Kasachstan 2.220.568 €
Südafrika 1.666.561 €
Kuwait 1.519.979 €
Katar 1.486.273 €
Ägypten 1.189.650 €
Großbritannien 1.104.682 €
Kosovo 616.025 €
Indonesien 1.061.742 €
Pakistan 418.956 €
Georgien 507.847 €
* Die Standardgebühr für ein sog. Schengen-Visum beträgt 60 € (Artikel 16 Absatz 1 Visakodex).
Anlage zu Frage 19
Wartezeiten an den deutschen Auslandsvertretungen
in den 20 wichtigsten Herkunftsländern Anfang März 2013
Dienstort Wartezeiten für privat
Reisende
Wartezeiten für
geschäftlich
Reisende
bearbeitete
Visumanträge im
Jahr 2012
1. Russland 432.900
Moskau max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 276.278
Nowosibirsk 1 Woche 1 Woche 50.837
Jekaterinburg max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 45.579
Kaliningrad 10 Arbeitstage 10 Arbeitstage 27.854
St. Petersburg max. 2-3 Arbeitstage max. 2-3 Arbeitstage 32.352
2. China 267.244
Peking max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 111.251
Shanghai max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 103.098
Kanton max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 43.042
Chengdu max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 9.853
3. Türkei 196.434
Ankara max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 61.614
Istanbul max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 104.319
Izmir max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 30.501
4. Indien 122.383
New Delhi 6 Arbeitstage 3 Arbeitstage 31.382
Mumbai keine keine 42.503
Bangalore 1 Arbeitstag 1 Arbeitstag 25.155
Chennai 3 Arbeitstage 3 Arbeitstage 16.125
Kalkutta 2-5 Arbeitstage 2-5 Arbeitstage 7.218
5. Ukraine 121.232
Kiew 1 Arbeitstag 2-5 Arbeitstage 121.232
6. Vereinigte Arabische
Emirate
84.000
Abu Dhabi max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 28.263
Dubai 10 Tage 10 Tage 55.737
7. Weißrussland 70.418
Minsk 1 Arbeitstag, max. 6 1 Arbeitstag, max. 6 70.418
8. Iran 51.516
Teheran 1 bis 5 Kalendertage 1 bis 5 Kalendertage 51.516
9. Saudi-Arabien 51.102
Riad max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 47.843
Djidda max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 3.259
10. Thailand 44.232
Bangkok 1 Arbeitstag 1 Arbeitstag 44.232
11. Kasachstan 42.689
Astana keine max. 3 Arbeitstage 21.639
Almaty keine keine 21.050
12. Südafrika 36.840
Pretoria 1 Arbeitstag 1 Arbeitstag 25.688
Anlage zu Frage 19
Kapstadt 1 Arbeitstag 1 Arbeitstag 11.152
13. Kuwait 31.099
Kuwait max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 31.099
14. Katar 28.700
Doha max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 28.700
15. Ägypten 28.454
Kairo 4 Wochen 4 Wochen 28.454
16. Großbritannien 28.283
London max. 2 Arbeitstage max. 2 Arbeitstage 25.503
Edinburgh 3 Wochen 3 Wochen 2.780
17. Kosovo 26.238
Pristina 7 Wochen 1 Woche 26.238
18. Indonesien 22.999
Jakarta 1-3 Arbeitstage 5 Arbeitstage 22.999
19. Pakistan 21.152
Islamabad 6 Wochen 6 Wochen 10.829
Karachi 4 Wochen 4 Wochen 10.323
20. Georgien 20.443
Tiflis 2 Arbeitstage 2 Arbeitstage 20.443
Summe in diesen 20 Ländern 1.728.358]