[Deutscher Bundestag Drucksache 17/14603
17. Wahlperiode 22. 08. 2013 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Heidrun Dittrich, Wolfgang
Gehrcke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/14513 –
Kontakte deutscher Rechtsextremisten nach Osteuropa und Beteiligung an
dortigen nationalistischen Aufmärschen
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Deutsche Rechtsextremisten unterhalten Beziehungen zu rechtsextremen
Gruppierungen in einer Reihe osteuropäischer Länder und beteiligen sich dort
an nationalistischen Aufmärschen. Dabei werden häufig Nazi-Kollaborateure
sowie einheimische Waffen-SS-Einheiten legitimiert bzw. gar als „Verteidiger
des Vaterlandes“ glorifiziert.
Teilweise begegnen die Regierungen dieser Länder den Aufmärschen mit
Verständnis. Das gilt auch für EU-Staaten: So forderte etwa der lettische
Präsident Andris Berzins, man solle sich vor den einheimischen SS-Söldnern
verbeugen, weil diese „für ihr Vaterland“ gekämpft hätten (
http://en.rian.ru/
world/20120228/171590510.html). Mitglieder der Regierungspartei „Alles für
Lettland“ beteiligten sich an der SS-Demonstration in Riga (16. März 2013)
sowie an Übergriffen auf protestierende Antifaschisten (
www.youtube.com/
watch?v=coJvki9a7EQ und
http://cilvektiesibas.org.lv/en/monitoring/4324/
monitoring-news-2013-3-21-4324/).
Positive Bezugnahmen von Regierungsangehörigen auf rechtsextreme
Märsche sowie eine auf die Rehabilitierung früherer faschistischer Politiker bzw.
Kollaborateure zielende Geschichtspolitik sind auch aus anderen
osteuropäischen Ländern, insbesondere aus Litauen, Estland, Ungarn und Rumänien
bekannt; exemplarisch genannt sei die im vergangenen Jahr mit militärischen
Ehren durchgeführte Überführung des „Präsidenten“ der litauischen
„Provisorischen Regierung“, Juozas Ambrazevicius Brazaitis in eine Kathedrale in
Kaunas; zu den Handlungen dieser Regierung hatte eine Anordnung gehört,
Juden in Ghettos anzusiedeln (
www.bbc.co.uk/news/world-europe-18101716).
Deutsche Rechtsextremisten haben sich nach von der Bundesregierung
bestätigten Erkenntnissen der Fragesteller an zahlreichen Aufmärschen in
Osteuropa beteiligt (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage
der Abgeordneten Ulla Jelpke vom 8. Mai 2013). Bekannt ist zudem, dass die
NPD Kontakte zur rechtsextremen „Allukrainischen Vereinigung Swoboda“
unterhält, die im Oktober vorigen Jahres erstmals in Fraktionsstärke ins Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 20. August 2013
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/14603 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeoberste Parlament der Ukraine (Werchowna Rada) gewählt worden ist. Im
Frühjahr dieses Jahres entsandte Swoboda eine Delegation, an der u. a. Rada-
Mitglied Mychajlo Holowko teilnahm, zur sächsischen NPD-Fraktion.
Mychajlo Holowko hat, der NPD zufolge, Grüße des Swoboda-Parteichefs
Oleg Tjagnibok überbracht und sich zuversichtlich gezeigt, dass die
Kooperation zwischen Swoboda und der NPD ausgebaut werden könne. Nach
Angaben auf der NPD-Homepage hat zudem der von Swoboda gestellte
Bürgermeister von Ternopil dem NPD-Blatt „Deutsche Stimme“ ein Interview
gewährt.
Die Bundesregierung hatte in ihrer Antwort auf eine Mündliche Frage der
Abgeordneten Ulla Jelpke vom 20. Februar 2013 ausgeführt, sie habe weder
Erkenntnisse über rechtsextremistische Tendenzen der Fraktion und Partei
Swoboda, noch zu deren Kontakten zu Rechtsextremisten in Deutschland oder der
EU (Plenarprotokoll 17/221).
Diese Antwort verblüfft, weil schon einfachste Internetrecherchen ergeben,
dass Swoboda Beobachterstatus bei der Europäischen Nationalistischen
Bewegung hat und schon seit langem intensive Kontakte etwa zu den
faschistischen Parteien bzw. Bewegungen Jobbik, Front National, Fiamme Tricolore
und Moviemento Social Republicano unterhält. Zudem zeigen sich
insbesondere jüdische Organisationen besorgt über antisemitische Äußerungen von
Swoboda-Mitgliedern. So soll der Swoboda-Führer von Charkiw nach den
Wahlen einen Marsch organisiert haben, dessen Teilnehmer bei erhobenem
rechten Arm ein Lied sangen, das dazu aufruft, Juden umzubringen (http://
eajc.org/page34/news35328.html).
1. Welche konkreten Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die
Teilnahme deutscher Rechtsextremisten an nationalistischen Aufmärschen in
Osteuropa in den Jahren 2010 bis 2013?
a) An welchen Aufmärschen haben sich deutsche Rechtsextremisten
beteiligt (bitte Datum, Ort, jeweiligen Veranstalter und Thema/Motto des
Aufmarsches nennen)?
b) Wie viele deutsche Rechtsextremisten waren dabei jeweils vertreten?
c) Sofern benennbar, aus welchen Vereinigungen/Kameradschaften/
Parteien usw. stammen diese deutschen Teilnehmer jeweils?
Die Fragen 1a bis 1c werden aufgrund ihres inhaltlichen Zusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Deutsche Rechtsextremisten reisten in dem genannten Zeitraum vereinzelt zu
rechtsextremistischen Aufmärschen nach Osteuropa. Im Einzelnen handelt es
sich um folgende Demonstrationen, an denen deutsche Rechtsextremisten
beteiligt waren (nach Ländern aufgeschlüsselt).
• Litauen
In Vilnius findet jährlich im März der sogenannte Unabhängigkeitsmarsch
der litauischen rechtsextremistischen Szene anlässlich der Unabhängigkeit
Litauens (11. März 1990) statt. An dieser Veranstaltung nehmen vereinzelt
auch Rechtsextremisten aus Deutschland teil.
Im März 2011 reiste eine Gruppe deutscher Rechtsextremisten nach Litauen,
um an der dortigen Veranstaltung teilzunehmen. Die deutschen Aktivisten
sind dem Umfeld der neonazistischen Szene Sachsens zuzurechnen.
• Lettland
Seit der Unabhängigkeit Lettlands im Jahr 1991 begeht die lettische
rechtsextremistische Szene alljährlich im März den so genannten Rigamarsch als
zentrale Gedenkveranstaltung. Hierbei handelt es sich um einen
traditionellen Aufmarsch der SS-Veteranen anlässlich des Gründungstages der letti-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/14603schen Legion der Waffen-SS. Der Aufmarsch wird von der
Veteranenorganisation „Daugavas Vanagi“ der so genannten Legionäre des Zweiten
Weltkriegs organisiert.
Zu der Gedenkveranstaltung in Riga reisen seit mehreren Jahren in geringer
Zahl auch deutsche Staatsbürger an.
• Ungarn
Zu dem jährlich im Februar stattfindenden „Tag der Ehre“ – anlässlich der
„Schlacht um Budapest“ am 11. Februar 1945 – sind in den vergangen
Jahren deutsche Rechtsextremisten, die überwiegend dem neonazistischen
Spektrum zuzurechnen sind, angereist.
• Bulgarien
Am jährlich stattfindenden „Lukov Marsch“ in Sofia haben in den
vergangen Jahren vereinzelt Personen aus dem neonazistischen deutschen
Spektrum teilgenommen. Beim „Lukov Marsch“ handelt es sich um den
traditionellen Trauerfackelzug zu Ehren von General Hristo Lukov, der vom
„Bulgarischen Nationalbund“ (BNS) veranstaltet wird.
d) Zu welchen jeweiligen osteuropäischen Organisationen haben deutsche
Rechtsextremisten besonders intensive Kontakte?
Seit April 2009 besteht eine Vereinbarung zwischen deutschen und
tschechischen Kameradschaftsgruppen im Rahmen eines informellen Arbeitstreffens
zwischen Aktivisten des „Freien Netzes Chemnitz“ und den „Kameraden aus
Böhmen/Mähren“ – dem so genannten Deutsch-Böhmischen-Freundeskreis
(DBF) – zwecks Festigung und Ausbau der Beziehungen.
Die NPD unterhält Kontakte zu rechtsextremistischen Organisationen in
Osteuropa. Für die Pflege dieser Kontakte zu ausländischen Partnerorganisationen ist
innerhalb der Struktur des NPD-Bundesvorstandes ein eigenes Referat
zuständig. Die Zusammenarbeit der NPD mit ihren osteuropäischen Partnern
beschränkt sich in der Regel auf bloßen Informations- und Materialaustausch.
Eine intensivere Zusammenarbeit – wie sie zwischen der NPD und
bulgarischen bzw. tschechischen Rechtsextremisten besteht – beruht hauptsächlich auf
einzelnen persönlichen Kontakten der beteiligten Protagonisten und beinhaltet
beispielsweise wechselseitige Einladungen zu Parteitagen, Kongressen,
Demonstrationen oder ähnlichen Veranstaltungen.
Bulgarien
Seit dem Besuch des Anführers der bulgarischen rechtsextremistischen
Organisation „Bulgarischer Nationalbund“ (BNS) sowie einiger Parteimitglieder im
Oktober 2010 in der NPD-Zentrale in Berlin fanden wechselseitige Besuche in
Bulgarien und Deutschland statt.
2. Welche konkreten Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die
Teilnahme osteuropäischer nationalistischer Kräfte an Veranstaltungen
deutscher Rechtsextremisten seit 2010 (bitte nach dem Schema der Frage 1
beantworten)?
Am jährlich stattfindenden Trauermarsch der „Junge Landsmannschaft
Ostdeutschland e. V.“ (JLO) in Dresden haben in den vergangen Jahren vereinzelt
osteuropäische Rechtsextremisten teilgenommen.
Darüber hinaus haben in den vergangenen Jahren einzelne osteuropäische
Rechtsextremisten am jährlich stattfindenden „Antikriegstag“ der
neonazistischen Szene in Dortmund teilgenommen.
Drucksache 17/14603 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeAußerdem konnte die Teilnahme von osteuropäischen Rechtsextremisten an
folgenden Veranstaltungen in Deutschland festgestellt werden (nach
Herkunftsländern aufgeschlüsselt):
• Ungarn
4. Mai 2013 Eichsfeldtag der NPD in Leinefelde/Thüringen
• Ukraine
29. Mai 2013 Besuch einer parlamentarischen Delegation der
ukrainischen Partei „Swoboda“ unter Leitung des
Parlamentsabgeordneten Michail Holowko bei der NPD-
Landtagsfraktion in Sachsen.
3. Welche weiteren Kontakte gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung
zwischen deutschen Rechtsextremisten und nationalistischen Kräften in
Osteuropa (bitte möglichst jeweilige Organisation und, ggf. auch
exemplarisch, Art der Kontakte benennen)?
Seit 2010 fanden in Osteuropa nachstehende Konzerte unter Beteiligung
deutscher rechtsextremistischer Bands statt:
• Ukraine:
Oktober 2010 Charkow
Teilnahme der deutschen Band „Heiliger Krieg“
24. März 2012 Kiew
Teilnahme der deutschen Bands „Die Lunikoff
Verschwörung“ und „Spreegeschwader“.
• Russland:
16.–18. Oktober Moskau
2011 Anwesend waren Mitglieder der deutschen Bands
„Sachsonia“ und „Path of Resistance“.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 1d verwiesen.
4. Mit welcher Intensität und Methode (etwa: Presseauswertung, Kontakte zu
Nichtregierungsorganisationen oder Geheimdienstaustausch) verfolgen die
deutschen Auslandsvertretungen (ultra)nationalistische und antisemitische
Entwicklungen in den jeweiligen Ländern?
Die deutschen Auslandsvertretungen beobachten aufmerksam die Entwicklung
der innenpolitischen Lage in den jeweiligen Empfangsstaaten. Hierzu zählen
auch Entwicklungen in den Bereichen Rechtsextremismus und Antisemitismus.
Die Vertretungen stehen hierzu insbesondere mit den relevanten Behörden des
Empfangsstaats in Kontakt. Zu diesen zählen neben den Innenbehörden auch
Institutionen zum Schutz der Menschenrechte, wie beispielsweise der
Nationale Anti-Diskriminierungsrat in Rumänien. Darüber hinaus werten die
Angehörigen der Vertretungen überregionale Medien und relevante
Einzelveröffentlichungen aus und stehen in einem engen Austausch mit
Nichtregierungsorganisationen, Vertretern der Zivilgesellschaft und Fachzentren vor Ort.
Hierzu zählen beispielsweise das Informations- und Analysezentrum zu
Nationalismus und Rassismus „Sowa“ in der Russischen Föderation oder das Elie
Wiesel Institut. Die Auslandsvertretungen pflegen darüber hinaus regelmäßig
Kontakte mit Vertretern vor Ort aktiver jüdischer Organisationen, wie etwa
B’nai Brith, und weiterer von Rechtsradikalismus betroffener Gruppen. Ferner
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/14603führen Angehörige der Auslandsvertretungen Gespräche mit anderen
Botschaften sowie Vertretungen internationaler Organisationen vor Ort.
5. Welche Entwicklungen und Organisationen sind aus Sicht der
Bundesregierung hierbei besonders hervorzuheben (bitte detailliert für jedes Land
darlegen)?
In den in der Vorbemerkung der Fragesteller genannten Staaten ist keine
einheitliche Entwicklung in den Bereichen Rechtsextremismus und
Antisemitismus festzustellen.
• Russland
In Russland sind rechtsextreme Gruppierungen und von ihnen ausgehende
Gewalt vor allem gegen Einwanderer aus Zentralasien und dem Nordkaukasus
sowie gegen politisch linke Organisationen und sexuelle Minderheiten
gerichtet. Foren für rechtsextremes und antisemitisches Gedankengut sind u. a.
die jährlichen „Russischen Märsche“ in Moskau. Offener Rassismus tritt
auch wiederholt im Rahmen von Fußball- oder Eishockeyspielen unter
bestimmten Fangruppierungen auf. Innerhalb der in der Staatsduma
vertretenen Parteien äußern Angehörige der „Liberal-Demokratischen Partei
Russlands“ Positionen, die von den Medien dem rechtsextremen Spektrum
zugerechnet werden.
• Ukraine
In der Ukraine bekennt sich die Partei „Swoboda“ zu Zielen wie
beispielsweise der Wiedereinführung der Todesstrafe, die den gemeinsamen
Grundwerten der Europäischen Union widersprechen. Die Partei hat
Beobachterstatus in der „Allianz der Europäischen nationalen Bewegung“, einer 2009
gegründeten Vereinigung europäischer nationalistischer bzw. rechtsextremer
Parteien. Darüber hinaus unterhält „Swoboda“ Repräsentanzen/Zentren in
vielen europäischen Ländern, u. a. Portugal, Tschechien, Österreich, Italien,
Frankreich und Großbritannien. Nachdem ihr Wirkungskreis zuvor auf
Regionen der westlichen Ukraine beschränkt war, hat „Swoboda“ bei den
Parlamentswahlen im Oktober 2012 10,44 Prozent der Stimmen erhalten und ist
damit als Fraktion in das ukrainische Parlament einzogen. Im Parlament
wird sie von den Vorsitzenden der anderen Oppositionsfraktionen
„Batkiwschtschina“ und „UDAR“ eng in die Zusammenarbeit der
Oppositionsfraktionen zur Einbringung eigener Gesetzesinitiativen und zur Umsetzung
der von der Europäischen Union eingeforderten Reformvorhaben
einbezogen. Im neu gewählten ukrainischen Parlament hat sich die „Swoboda“-
Fraktion regelmäßig für den ausschließlichen Gebrauch der ukrainischen
Sprache im Parlament ausgesprochen.
• Belarus
Im belarussischen Parlament ist keine Partei vertreten, die offen
rechtsextreme Positionen zeigt. Unter den nicht im Parlament vertretenen
oppositionellen politischen Parteien sind die nichtregistrierte „Belarussische
National-Bolschewistische Partei“ und die aus ihr hervorgegangenen
„Autonomen National-Bolschewiken“ zu nennen. Beide Gruppierungen führen
gelegentlich Kundgebungen durch, bei denen fremdenfeindliche Positionen
vertreten werden. Die von ihnen ausgehende Gewalt richtet sich gegen
sexuelle Minderheiten und politisch Andersdenkende. Daneben vertritt die
ebenfalls nichtregistrierte „Belarussische Freiheitspartei“ offen
fremdenfeindliche Positionen. Keine dieser Gruppierungen verfügt über umfangreiche
sichtbare Unterstützung im Land.
Drucksache 17/14603 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode• Ungarn
In Ungarn ist die „Jobbik“-Partei mit 43 von 386 Mandaten im Parlament
vertreten. Abgeordnete der Partei haben wiederholt die Gremien des
Parlaments für antisemitische Äußerungen genutzt. Darüber hinaus richten sich
die Positionen der „Jobbik“-Partei und ihnen nahe stehender Organisationen
gegen die Minderheit der Roma. Die nach dem Verbot der sog. Ungarischen
Garde im Jahr 2009 gegründete Nachfolgeorganisation „Neue Ungarische
Garde“ nutzt insbesondere Aufmärsche in Dörfern und Stadtteilen mit
signifikanter Roma-Minderheit als Forum.
• Lettland
In der Republik Lettland existiert die Veteranenorganisation „Daugavas
Vanagi“ der so genannten Legionäre des Zweiten Weltkriegs, die auf Seiten
Nazi-Deutschlands gekämpft haben. Die Veteranenorganisation organisiert
u. a. eine Gedenkveranstaltung jährlich am 16. März. Im Zentrum der
Veranstaltungen im Umfeld des 16. März stand bisher der Kampf gegen die
Sowjetunion. Eine Propagierung von NS-Ideologie oder eine SS-
Traditionspflege wurden am 16. März 2013 nicht beobachtet. Die lettische Regierung
distanziert sich regelmäßig von diesen Veranstaltungen.
• Estland und Litauen
In der Republik Estland und in der Republik Litauen sind keine
rechtsextremen Parteien im Parlament vertreten.
• Rumänien
In Rumänien ist die Partei „Großrumänien“, die rechtsextreme sowie
antisemitische Positionen äußerte, seit 2004 nicht mehr im Parlament vertreten.
Auch die ähnlich ausgerichtete Partei „Neue Generation“ ist nicht im
Parlament vertreten, bleibt aber wie die Partei „Großrumänien“ auf kommunaler
Ebene aktiv. Unter den weiteren politischen Gruppierungen ist die so
genannte Neue Rechte die sichtbarste Organisation. Diese Bewegung
organisiert gelegentlich Kundgebungen, die sich gegen religiöse, nationale und
sexuelle Minderheiten richten. Weniger sichtbar ist die Partei „Alles für das
Land“, die ebenfalls Kundgebungen zum gleichen Themenkreis organisiert.
Darüber hinaus kommt es regelmäßig zu abfälligen Äußerungen von
Mitgliedern des rumänischen Parlaments über die Minderheit der Roma und die
ungarische Minderheit.
• Bulgarien
In der Republik Bulgarien zog bei den vergangenen Parlamentswahlen die
Partei „Ataka“ mit 7,3 Prozent der Stimmen ins Parlament ein und erhielt
23 von 240 Sitzen. Darüber hinaus versuchten die Parteien „Nationale Front
zur Rettung Bulgariens“ und die „Interne Mazedonische
Revolutionsorganisation – Bulgarische Nationale Bewegung“, sich bei den Wahlen mit
rechtsextremen Positionen zu profilieren. Öffentlich sichtbarer Rassismus tritt
auch im Umfeld so genannter Ultras bulgarischer Fußballvereine auf. Darüber
hinaus organisiert die „Bulgarische Nationale Union“ jährlich den so
genannten Lukov-Marsch, der sich gegen politisch Andersdenkende richtet.
6. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung mittlerweile über
rechtsextreme Tendenzen der Partei und Fraktion Swoboda seit dem Wahltag?
Die Partei „Swoboda“ ist eine rechtspopulistische und nationalistische Partei,
die zum Teil rechtsextreme Positionen vertritt. Als Oppositionspartei im neu
gewählten ukrainischen Parlament lässt sie derzeit in der Parlamentsarbeit
keine offensichtlichen rechtsextremen Tendenzen erkennen. Im Vorfeld der
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/14603Parlamentswahlen 2012 überarbeitete die Partei „Swoboda“ ihr Wahlprogramm
und entfernte rechtsextreme Statements.
Am 28. April 2013 organisierte die Partei „Swoboda“ unter Teilnahme eines
Abgeordneten in Lwiw (Lemberg) eine Kundgebung anlässlich des 70.
Jahrestages der Gründung der SS-Division „Galizien“.
7. Welche Kritik, Sorge u. Ä. wird nach Kenntnis der Bundesregierung von
demokratischen Organisationen, Medien bzw. Wissenschaftlern in der
Ukraine hinsichtlich rechtsextremer Tendenzen von Swoboda formuliert
(bitte möglichst detailliert ausführen), und welche Schlussfolgerungen
zieht sie hieraus?
Ukrainische Nichtregierungsorganisationen und Vertreter jüdischer
Organisationen bringen auch gegenüber der deutschen Botschaft in Kiew Sorge über
Äußerungen von Angehörigen der Partei „Swoboda“ zum Ausdruck, die die
gemeinsamen Grundwerte der Europäischen Union missachten. Die ukrainische
Presse hat zuletzt im Dezember 2012 über antisemitische Äußerungen eines
Abgeordneten der Partei „Swoboda“ berichtet. Andere Oppositionsfraktionen
im ukrainischen Parlament setzen Zielen der Partei „Swoboda“ – ungeachtet
einer regelmäßigen engen Zusammenarbeit zwischen den
Fraktionsvorsitzenden der drei großen Oppositionsfraktionen – eigene politische Zielsetzungen
entgegen. Die Bundesregierung wird die politische Lage in der Ukraine auch
weiterhin eng verfolgen.
8. Treffen Informationen der Fragesteller zu, dass sich der deutsche
Botschafter in der Ukraine mit Vertretern von Swoboda getroffen hat, und wenn ja,
a) wann hat das Treffen stattgefunden,
b) wer war von Seiten der Botschaft sowie von Swoboda dabei vertreten,
c) was war Anlass, Ziel und Inhalt des Gesprächs,
d) inwiefern hat der deutsche Botschafter darauf hingewiesen, dass
Äußerungen von Swoboda-Parteichef Oleg Tjagnibok (etwa dergestalt, die
Ukraine werde von einer „Moskau-jüdischen Mafia“ beherrscht oder
Aufrufe zum „Kampf gegen Moskowiter, Deutsche, Juden und andere
Schädlinge“, vgl.
http://en.wikipedia.org/wiki/Oleh_Tyahnybok#cite_
note-moska-11) oder das Streben nach engen Kontakten zur NPD von
der Bundesrepublik Deutschland strikt abgelehnt werden, und wie hat
Swoboda hierauf reagiert,
e) welche Schlussfolgerungen für die weiteren Beziehungen zwischen der
deutschen Botschaft und Swoboda zieht die Bundesregierung aus dem
Gespräch?
Die Fragen 8a bis 8e werden aufgrund ihres inhaltlichen Zusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Die deutsche Botschaft in Kiew ist wie alle deutschen Auslandsvertretungen
mit der Beobachtung der innenpolitischen Entwicklungen betraut. Bei der
Wahrnehmung dieser Aufgabe führt die deutsche Botschaft in Kiew auch
Gespräche mit Vertretern von Parlamentsfraktionen einschließlich der drei großen
Oppositionsfraktionen. Auch die EU-Delegation in Kiew lädt regelmäßig die
drei Fraktionsvorsitzenden der Opposition zu Gesprächen mit den Botschaftern
der EU-Mitgliedstaaten über die Beziehungen der Ukraine zur Europäischen
Union ein. Am 29. April 2013 traf der deutsche Botschafter in Kiew den
Fraktionsvorsitzenden der Oppositionspartei „Swoboda“, Oleh Tjyanybok.
Anlässlich dieses Gespräches wurde auch die Verantwortung thematisiert, die den im
ukrainischen Parlament vertretenen Fraktionen für die Achtung der Menschen-
Drucksache 17/14603 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodewürde, die Einhaltung der Menschenrechte und das Eintreten gegen
Antisemitismus zukommt. Der deutsche Botschafter unterstrich dabei, dass
antisemitische Äußerungen aus deutscher Sicht inakzeptabel seien. Die Bundesregierung
wird weiterhin politische Gespräche auch mit Vertretern von
Parlamentsfraktionen führen und dabei für die gemeinsamen Grundwerte der Europäischen
Union eintreten.
9. Unterhalten ausländische Botschafter in Deutschland nach Kenntnis der
Bundesregierung Kontakte zur NPD, und wenn ja, welche Botschaften
sind dies, und welcher Art sind die Kontakte, und welche
Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse über Kontakte ausländischer
Botschafter zur NPD vor.
10. Hat die Bundesregierung Kenntnis, ob im „Nazi“-Blatt „Deutsche
Stimme“ tatsächlich ein Interview mit dem Ternopiler Bürgermeister
Sergej Nadal erschienen ist, und wenn ja, was waren seine wesentlichen
Aussagen?
In der Mai-Ausgabe 2013 der „Deutschen Stimme“ erschien ein Interview des
NPD-Bundesgeschäftsführers Jens Pühse mit dem Mitglied der
rechtsextremistischen Partei „Swoboda“ und Bürgermeister von Ternopil/Ukraine, Sergej
Nadal. Die Fragen behandelten neben den jüngsten Wahlerfolgen der Partei
„Swoboda“ und der aktuellen politischen Lage in der Ukraine insbesondere
geschichtliche Fragen zur Zeit des Nationalsozialismus sowie zur internationalen
Zusammenarbeit mit anderen „rechten“ europäischen Parteien.
11. Welche weiteren, über die Angaben der NPD hinausgehenden
Informationen kann die Bundesregierung zum Besuch der Swoboda-Delegation
bei der NPD Sachsen machen?
Der Bundesregierung liegen keine über die Berichterstattung der NPD im
Internet hinausgehenden Informationen über den Besuch der ukrainischen
Rechtspartei „Swoboda“ bei der sächsischen NPD-Landtagsfraktion im Mai 2013 vor.
12. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob es in der Vergangenheit
mit Bundesmitteln geförderte Veranstaltungen (etwa deutscher Stiftungen
usw.) gab, an denen Swoboda-Vertreter teilgenommen haben (bitte ggf.
Details und Kosten nennen)?
Im Rahmen des Länderprojekts Ukraine unterstützt die vom
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte
Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) den ukrainischen Transformationsprozess
durch die Förderung und Entwicklung von Demokratie und Rechtstaatlichkeit.
In diesem Kontext organisiert die KAS immer wieder Konferenzen und
Seminare, an welchen auch Abgeordnete des ukrainischen Parlaments teilnehmen.
Grundsätzlich kooperiert die KAS nicht mit der Partei „Swoboda“, aufgrund
ihrer Rolle als Partei des ukrainischen Parlaments kann eine Teilnahme von
Abgeordneten der Partei „Swoboda“ jedoch nicht grundsätzlich an allen
Maßnahmen der KAS ausgeschlossen werden.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/14603In der Vergangenheit gab es drei Veranstaltungen/Maßnahmen, an denen
Vertreter von Swoboda teilgenommen haben:
• Fachkonferenz „Die Lehre der Parlamentswahlen 2012 für die
Präsidentschaftswahlen 2015“, 18. Januar 2013, Kiew, in Kooperation mit dem
Wählerkomitee der Ukraine
Im Rahmen dieser Kooperationsveranstaltung war es nicht vorgesehen,
einen Vertreter von Swoboda einzuladen. Da die Konferenz jedoch allen
Interessierten offenstand, konnte die Teilnahme eines Swoboda-Vertreters
nicht ausgeschlossen werden. Es handelte sich um den
Parlamentsabgeordneten Ihor Miroschnytschenko. Dieser wurde vom Moderator der
Diskussion – Oleksandr Tschernenko, Vorsitzender des Kooperationspartners
Wählerkomitee der Ukraine – spontan eingeladen, an der Diskussion mit zwei
anderen Parlamentsabgeordneten der Opposition teilzunehmen. Da dies eine
spontane Entscheidung war, steht der Name Ihor Miroschnytschenko nicht
im Programm der Veranstaltung.
• Seminarreihe „Höhere Schule der Politik“ Jahrgang 2013, in Kooperation mit
dem Zentrum für Politische Studien und Analyse
An dieser Seminarreihe, die sich bewusst an junge Nachwuchspolitiker und
politisch engagierte Studenten richtet, nahm in diesem Jahr mit Viktoria
Murytsch eine Vertreterin der Partei „Swoboda“ teil. Sie meldete sich
allerdings nicht als Mitglied der Partei „Swoboda“ für diese Seminarreihe an,
sondern als Mitglied der Nichtregierungsorganisation „RMMO Novyj Svit“
(Neue Welt), für die sie ebenfalls aktiv ist. Die Gesamtkosten für Viktoria
Murytsch beliefen sich auf ca. 190 Euro.
• Expertengespräch „Parlamentswahl 2012“, 24. Februar 2012, in Kooperation
mit dem National Democratic Institute (NDI) und dem International
Republican Institute (IRI)
Im Februar 2012 fand ein Expertengespräch in Kooperation mit dem NDI
und IRI statt, zu dem die Parteivorsitzenden aller Oppositionsparteien
eingeladen wurden, noch bevor sich die Vereinigte Opposition herausgebildet
hatte, um gemeinsam über die Zukunft der ukrainischen Opposition
sprechen zu können. Aus diesem Grunde einigten sich die Leiter der
Auslandsbüros der KAS, des NDI und des IRI darauf, auch den Parteivorsitzenden
der Partei „Swoboda“, Oleh Tjahnybok, einzuladen, um alle
Oppositionsparteien zu einem Gespräch versammeln zu können. Hierfür fielen für Oleh
Tjahnybok Verpflegungskosten von ca. 45 Euro an.
Des Weiteren hat die Deutsche Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit (GIZ) GmbH für die zuständigen Ausschüsse des ukrainischen
Parlaments, in welchen auch Abgeordnete der Partei „Swoboda“ vertreten sind,
Studienreisen nach Deutschland im Rahmen des vom BMZ aus
Bundesmitteln geförderten Projektes „Aufbau von Verwaltungskapazitäten im Bereich
öffentliche Finanzen“ organisiert, an denen folgende Swoboda-Abgeordnete
teilnahmen:
• Studienreise nach Berlin vom 24. bis 27. April 2013 mit insgesamt acht
Abgeordneten:
Juri Mychaltschyschyn, Mitglied des Haushaltsausschusses, Vorsitzender
des Unterausschusses für die Bewertung der Gesetzentwürfe auf ihren
Einfluss auf die Haushaltswerte und Entsprechung Haushaltsrecht. Die
Reisekosten beliefen sich auf ca. 1 400 Euro pro Teilnehmer.
Drucksache 17/14603 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode• Studienreise nach Berlin vom 12. bis 15. Juni 2013 mit insgesamt zehn
Abgeordneten:
Mychailo Blawatski, Mitglied des Ausschusses für Steuer- und Zollpolitik,
Vorsitzender des Unterausschusses zu Fragen der Verbesserung des
Steuerrechts und der Aufsicht über die Steuerbehörden. Die Kosten beliefen sich
auf ca. 1 200 Euro pro Teilnehmer.
13. Inwiefern gibt es im Rahmen des Gemeinsamen Abwehrzentrums gegen
Rechtsextremismus (GAR) einen regelmäßigen Informationsaustausch
über die internationalen Kontakte deutscher Rechtsextremisten, und
inwiefern sieht die Bundesregierung noch Defizite bei der Erhebung
solcher Informationen und dem Austausch darüber?
Im Rahmen des GAR werden unter dem ständigen Tagesordnungspunkt
„Ausland“ Kontakte deutscher Rechtsextremisten ins Ausland anlassbezogen
erörtert.
Defizite bei der Erhebung und dem Austausch solcher Informationen bestehen
aus Sicht der Bundesregierung nicht.
14. Ist nach Kenntnis der Bundesregierung im EU-Rahmen gegenüber
Litauen vor Beginn seiner EU-Präsidentschaft das Problem der
Rehabilitierung von NS-Kollaborateuren (Vertreter der „Provisorischen Regierung“,
Aktivisten der rechtsextremem Miliz LAF, Beteiligung litauischer
Polizisten am Holocaust usw.) thematisiert worden, bzw. hat die
Bundesregierung dies von sich aus thematisiert, und wenn ja, mit welcher
Resonanz der litauischen Regierung, und welche Schlussfolgerungen zieht die
Bundesregierung daraus?
Im Mittelpunkt der Gespräche mit Litauen in Vorbereitung auf die dortige EU-
Ratspräsidentschaft stand eine Vielzahl aktueller, politischer Themen. Dem
Thema Holocaust wird in Litauen von Politik und Öffentlichkeit beachtliche
Aufmerksamkeit geschenkt. Diese Debatte wird von der deutschen Botschaft
vor Ort aktiv begleitet.
15. War die deutsche Botschaft in Vilnius zur Teilnahme an der Beisetzung
von Juozas Ambrazevicius Brazaitis in Kaunas eingeladen, und wenn ja,
ist sie dieser gefolgt, oder hat sie abgelehnt (bitte ggf. begründen)?
Die deutsche Botschaft wurde nicht zur Teilnahme an der Beisetzung von
Juozas Abrazevicius Brazaitis eingeladen.
16. Wie haben der deutsche Botschafter und nach Kenntnis der
Bundesregierung die Botschafter anderer Staaten gegenüber der litauischen Regierung
auf die positive Würdigung von Juozas Ambrazevicius Brazaitis durch
dieselbe reagiert?
Die Beisetzung hat kaum öffentlichen Niederschlag gefunden. Der Vorgang ist
von den in Litauen akkreditierten Botschaftern nicht öffentlich aufgegriffen
worden.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/1460317. Welche Maßnahmen unternehmen die deutschen Auslandsvertretungen in
Osteuropa, um demokratische Kräfte in den jeweiligen Ländern im
Kampf gegen nationalistische Tendenzen zu unterstützen?
Die deutschen Auslandsvertretungen in den genannten Staaten stehen in
regelmäßigem Austausch mit einer Vielzahl von Personen und Organisationen, die
sich mit Problemen des Rechtsextremismus und des Antisemitismus befassen.
Sie unterstützen deren Einsatz im Rahmen der Förderung der Stärkung
demokratischer Prinzipien, der Einhaltung von Menschenrechten sowie des
zwischengesellschaftlichen Dialogs. In Gesprächen mit Behörden und
parlamentarischen Organen setzen sich die deutschen Auslandsvertretungen für die
Achtung der Menschenrechte einschließlich des Schutzes von Minderheiten
ein. Im Rahmen ihrer Pressearbeit vermitteln die Vertretungen Wissen über die
Aufarbeitung der Vergangenheit in Deutschland. Darüber hinaus begleiten sie
eine Reihe von Stipendienprogrammen und Reisen, die zur Vermittlung und
Stärkung der Achtung der gemeinsamen Grundwerte der Europäischen Union
beitragen.
In Russland bereitet beispielsweise das Generalkonsulat Jekaterinburg eine
gemeinsame Veranstaltung mit der Nichtregierungsorganisation „Memorial“ zur
Einhaltung der Europäischen Menschenrechtskonvention für Oktober 2013 vor.
In der Ukraine tritt die deutsche Botschaft in Kiew u. a. als Partner von
Veranstaltungen auf, die der Völkerverständigung einschließlich der Einhaltung von
Minderheitenrechten dienen. In der Republik Belarus pflegen Angehörige der
Botschaft einen engen Austausch zur jüdischen Gemeinde und zu
Nichtregierungsorganisationen, die für den Schutz von Minderheitenrechten eintreten. Im
Oktober 2013 unterstützt die deutsche Botschaft in Minsk die Durchführung
einer Journalistenreise über das Thema des freiwilligen zivilgesellschaftlichen
Engagements. Die deutsche Botschaft in Budapest fördert 2013 z. B. einen
Workshop für Journalisten, der den Themenkomplex Rechtsextremismus
behandelt. Darüber hinaus wird aus Mitteln des Auswärtigen Amts eine
Ausstellung im Historischen Museum Budapest zum Thema „Russen, Juden,
Deutsche“ unterstützt, bei deren Eröffnungsveranstaltung eine Podiumsdiskussion
zum jüdischen Leben in Deutschland und Ungarn durchgeführt wurde. In
Lettland setzt sich die deutsche Botschaft insbesondere im Bereich der
Versöhnungsarbeit und der Aufarbeitung der Geschichte ein, u. a. durch Förderung
eines Seminars der jüdischen Gemeinde für lettische Meinungsbildner über die
Geschichte des Holocaust in Lettland. Im November 2013 unterstützt die
Botschaft eine Lesung zum Thema „Demokratie verteidigen“ der „Lahr von Leitis
Akademie“. In Rumänien nimmt die deutsche Botschaft an einer
internationalen Arbeitsgruppe zur Integration der Minderheit der Roma teil und hat ein
Projekt einer Nichtregierungsorganisation mit dieser Zielsetzung unterstützt. In
Bulgarien unterstützt die deutsche Botschaft in Sofia beispielsweise regelmäßig
die Durchführung einer Kundgebung gegen die Diskriminierung von sexuellen
Minderheiten.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 18 verwiesen.
18. Welche Veranstaltungen mit Bezug zur Geschichte des Zweiten
Weltkrieges und des Holocausts werden in diesem Jahr noch von den deutschen
Auslandsvertretungen in Osteuropa durchgeführt oder unterstützt (bitte
vollständig anführen)?
Die deutschen Auslandsvertretungen in Osteuropa nehmen regelmäßig an einer
Vielzahl von Gedenkveranstaltungen und Seminaren mit Bezug zum Holocaust
sowie zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs teil. Dabei unterstützen sie
einzelne Veranstaltungen durch finanzielle Förderung. Im Folgenden werden nur
Veranstaltungen aufgeführt, die von den deutschen Auslandsvertretungen maß-
Drucksache 17/14603 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodegeblich durchgeführt oder unterstützt werden und deren Planung bereits
abgeschlossen ist.
• Russland
– Unterstützung von Veranstaltungen zum 75. Jahrestag des Pogroms
gegen die Juden in Deutschland am 9. November 1938 (Moskau,
Kaliningrad).
– Teilnahme an Gedenkveranstaltung des Museums für Antifaschismus
(Moskau).
– Volkstrauertag (alle Auslandsvertretungen in Russland) im Dezember.
– Unterstützung der Deutsch-Polnisch-Russischen und Deutsch-Russischen
Historikerkommission u. a. zur Aufarbeitung der Geschichte (Moskau).
– Förderung eines Forschungsprojekts der Organisation „Yahad in unum“
zu Massengräbern und Erschießungsstätten in Osteuropa (u. a. in
Russland).
• Ukraine
– Förderung einer Studienreise junger ukrainischer Historiker zum „Haus
der Wannsee-Konferenz“ in Berlin in der zweiten Augusthälfte 2013
unter der Leitung des „Ukrainian Center for Holocaust Studies“.
– Finanzielle Unterstützung für ein Projekt des „Museums für jüdische
Geschichte und Kultur der Bukowina“ in Czernowitz unter dem Titel
„Holocaust im Geschichtsunterricht“.
• Belarus
– Unterstützung einer Veranstaltung am 27. September 2013 zum Thema
„Europäische Erfahrungen der Aussöhnung“ im Rahmen der Würdigung
des 50. Jahrestags des Elysée-Vertrags.
– Unterstützung der Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs und des
Holocausts im Rahmen von Gesprächskreisen und Bildungsprogrammen der
„Geschichtswerkstatt“ der aus Bundesmitteln geförderten
„Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte Minsk“.
• Ungarn
Teilnahme am Holocaust-Gedenkausschuss zur Vorbereitung und
Koordinierung von Gedenkveranstaltungen im Jahr 2014.
• Estland
Nachbereitung der Dialogveranstaltung „Erinnerung – das Fundament für
die Zukunft“ mit Beteiligung von Bundespräsident Joachim Gauck und
Präsident Toomas Hendrik Ilves im Museum der Okkupation am 9. Juli 2013,
bei der eine verstärkte Zusammenarbeit der Bundesstiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur mit dem Estnischen Institut für das Historische
Gedächtnis erklärt wurde.
• Lettland
– Projektförderung des jüdischen Museums zur Erforschung der
Deportation deutscher, österreichischer und tschechischer Juden nach Riga mit
dem Ziel einer Erweiterung der Dauerausstellung zu diesem Thema.
– Weitere Begleitung der von der Botschaft finanziell unterstützten
Seminare der jüdischen Gemeinde und des jüdischen Museums zu Holocaust-
Erziehung in Städten der lettischen Provinz.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/14603• Litauen
Veranstaltung eines Konzerts in der Deutschen Botschaft mit Klezmer-
Musik zum Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 2013.
19. Hat es in der Vergangenheit Anfragen osteuropäischer Sicherheitskräfte
nach Übermittlung personengebundener Daten im Zusammenhang mit
nationalistischen Aufmärschen gegeben, und wenn ja, wie sind diese
Anfragen seit 2010 beschieden worden (bitte ggf. ausführen, über wie viele
Personen aus welchem politischen Phänomenbereich an welches Land
Daten übermittelt worden sind)?
Solche Anfragen werden regelmäßig im Rahmen des internationalen
Informationsaustausches gestellt, sofern bei den ausländischen Behörden
Anhaltspunkte für eine Thematisierung oder mögliche Beteiligung deutscher
Staatsangehöriger an den entsprechenden Veranstaltungen vorliegen.
Das Bundeskriminalamt kann personenbezogene Daten nach Einzelfallprüfung
und Vorliegen der Voraussetzungen der §§ 14 oder 14a BKAG an die Polizei-
und Justizbehörden sowie an sonstige für die Verhütung oder Verfolgung von
Straftaten zuständigen öffentlichen Stellen anderer Staaten übermitteln. Eine
statistische Erfassung über Anzahl und Ergebnis zu den entsprechenden
Anfragen erfolgt nicht.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) darf personenbezogene Daten
nach Einzelfallprüfung und Vorliegen der Voraussetzungen des § 19 Absatz 3
des Bundesverfassungsschutzgesetzes (BVerfSchG) an ausländische öffentliche
Stellen übermitteln. Im Zusammenhang mit den in der Antwort der
Bundesregierung zu den Fragen 1a bis 1c aufgeführten nationalistischen Aufmärschen
wurde das BfV in zwei Fällen um die Übermittlung personenbezogener Daten
durch ausländische öffentliche Stellen ersucht. In beiden Fällen wurde positiv
beschieden.
Wegen der internationalen Kooperation wird im Übrigen auf die Antwort der
Bundesregierung zu Frage 13 verwiesen.
20. Inwiefern wird hinsichtlich anderer europäischer Staaten die Problematik
nationalistischer Aufmärsche, deren teilweise Unterstützung durch
Behörden oder Regierungspolitiker, der Rehabilitierung von
Kollaborateuren usw. von der Bundesregierung in bilateralen Gesprächen mit den
jeweiligen Regierungen sowie auf EU-Ebene angesprochen?
Welche Position nehmen dabei nach Kenntnis der Bundesregierung
andere EU-Staaten, insbesondere jene, die im Zweiten Weltkrieg für die
Befreiung vom Faschismus gekämpft haben, ein?
Die Bundesregierung steht mit anderen europäischen Regierungen bilateral und
auf EU-Ebene zu allen wichtigen Themen in regelmäßigem Kontakt. Dazu
gehören auch die Bereiche Rechtsextremismus und Antisemitismus. Die
Bundesregierung tritt dabei – auch innerhalb der Europäischen Union – für die
Achtung der Menschenwürde, für die Einhaltung von Menschenrechten und gegen
Antisemitismus ein. Regierungen anderer Mitgliedstaaten der Europäischen
Union teilen regelmäßig die Sorge der Bundesregierung, wenn es zu
Missachtungen der gemeinsamen Grundwerte der Europäischen Union kommt.
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ISSN 0722-8333]