[Deutscher Bundestag Drucksache 17/14633
17. Wahlperiode 26. 08. 2013
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend vom 23. August 2013 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Diana Golze, Matthias W. Birkwald,
Dr. Martina Bunge, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/14535 –
Arbeitsbedingungen von Erzieherinnen und Erziehern
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Angesichts des nunmehr geltenden Rechtsanspruchs auf einen
Kinderbetreuungsplatz und angesichts des weiter notwendigen Kitaausbaus stellen sich
Fragen zur Qualität der Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern. Sowohl
Beschäftigungsformen, Arbeitszeitmodelle, Entlohnungsbedingungen als auch
Belastungsarten stellen dabei relevante Faktoren dar.
Sofern keine unmittelbaren Daten für Erzieherinnen und Erzieher vorliegen,
bitte auf entsprechende relevante Berufsgruppen der Berufsklassifikation oder
auf entsprechende Bereiche aus der Wirtschaftsklassifikation zurückgreifen.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die vorliegende Kleine Anfrage hinterfragt die Arbeitsbedingungen von
Erzieherinnen und Erziehern in Kindertageseinrichtungen. Hierzu ist anzumerken,
dass unter tätigen Erzieherinnen und Erziehern diejenigen Personen verstanden
werden, die eine abgeschlossene Fachschul- bzw. Fachakademieausbildung
erfolgreich absolviert und die Anerkennung als „Staatlich anerkannte
Erzieherin/Staatlich anerkannter Erzieher“ erworben haben.
Erzieherinnen und Erzieher arbeiten in den drei im Achten Buch
Sozialgesetzbuch (SGB VIII) geregelten zentralen Arbeitsfeldern der Kinder- und
Jugendhilfe: Kindertageseinrichtungen, Kinder- und Jugendarbeit sowie Hilfen zur
Erziehung.
Zu den tätigen Erzieherinnen und Erziehern in Kindertageseinrichtungen liegen
in der Kinder- und Jugendhilfestatistik jährliche Erhebungen ab März 2006 vor
(vorher nur alle vier Jahre bis 31. Dezember 2002). Für die anderen beiden
Arbeitsfelder werden die Daten nur alle vier Jahre erhoben, zuletzt für den 31.
Dezember 2010.
Gemäß den Vorbemerkungen der Fraktion DIE LINKE. bezieht sich die
Beantwortung der Anfrage auf Erzieherinnen und Erzieher in
Kindertageseinrichtungen und muss dabei den Umstand berücksichtigen, dass die amtliche Statistik
sowohl zwischen den vorstehend genannten drei Arbeitsfeldern als auch zu den
unterschiedlichen Qualifikationen im Bereich der Kindertagesbetreuung nicht
unterscheidet. Zu einigen Fragen sind daher hinreichend präzise Antworten
nicht möglich.
1. Wie viele Erzieherinnen und Erzieher sind nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit in Deutschland tätig (bitte nach Geschlecht, Alter und
Bundesland differenzieren)?
Wie haben sich diese Zahlen im Zeitraum von 2002 bis 2012 entwickelt?
Am 1. März 2012 waren in Deutschland 323 635 Erzieherinnen in
Kindertageseinrichtungen beschäftigt. Das Durchschnittsalter betrug 41,9 Jahre. 313 854
waren Erzieherinnen und 9 781 Erzieher. Am 31. Dezember 2002 waren in
Deutschland 242 417 Erzieherinnen und Erzieher in Kindertageseinrichtungen
beschäftigt. Das Durchschnittsalter betrug 39,2 Jahre. 238 307 waren
Erzieherinnen und 4 110 Erzieher.
Nachfolgend sind die Aufschlüsselungen der einzelnen Länder aufgeführt.
Quelle: Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und öffentlich geförderter Kindertagespflege am 1. März 2012,
Wiesbaden November 2012; Berechnungen der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik.
Tabelle 1: Erzieherinnen und Erzieher in Kindertageseinrichtungen am 1. März 2012 nach Alter und
Geschlecht in den Ländern
Land Insgesamt
Durchschnittsalter
Männer Frauen %-Anteil
Frauen
Baden-Württemberg 45 776 40,0 1 060 44 716 97,7
Bayern 34 079 40,6 766 33 313 97,8
Berlin 17 506 42,8 998 16 508 94,3
Brandenburg 14 019 45,4 481 13 538 96,6
Bremen 2 537 41,7 152 2 385 94,0
Hamburg 6 548 41,3 586 5 962 91,1
Hessen 27 463 41,1 1 040 26 423 96,2
Mecklenburg-Vorpommern 8 790 45,9 185 8 605 97,9
Niedersachsen 27 480 40,9 889 26 591 96,8
Nordrhein-Westfalen 62 972 40,8 1 664 61 308 97,4
Rheinland-Pfalz 18 675 40,9 451 18 224 97,6
Saarland 3 366 40,3 83 3 283 97,5
Sachsen 22 207 45,5 603 21 604 97,3
Sachsen-Anhalt 12 783 46,8 207 12 576 98,4
Schleswig-Holstein 8 788 42,1 420 8 368 95,2
Thüringen 10 646 45,3 196 10 450 98,2
Quelle: Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen am 31. Dezember 2002, Wiesbaden 2003; Berechnungen der
Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik.
2. Wie viele Erzieherinnen und Erzieher haben nach Kenntnis der
Bundesregierung einen befristeten Arbeitsvertrag (bitte in absoluten und relativen Zahlen
für den Zeitraum von 2002 bis 2012 darstellen und bitte nach Geschlecht,
Alter und Bundesland differenzieren)?
3. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der befristeten
Arbeitsverträge bei den Neueinstellungen von Erzieherinnen und Erziehern
im Zeitraum von 2002 bis 2012 (bitte nach Geschlecht, Alter und
Bundesland differenzieren)?
Wie hoch war im gleichen Zeitraum jeweils die Übernahmequote?
Die Fragen 2 und 3 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Befristete Arbeitsverhältnisse von Erzieherinnen und Erziehern werden nicht
systematisch erfasst. Die Ergebnisse einer Sonderauswertung des Mikrozensus 2008
über „Die berufliche, familiäre und ökonomische Situation von Erzieherinnen und
Erziehern und Kinderpflegerinnen“, die sich auf frühpädagogische Fachkräfte in
der Kindertagesbetreuung bezieht, hatte damals bei 15 Prozent der
Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen befristete Beschäftigungsverhältnisse belegt, von
denen die Jüngeren unter 25 Jahren besonders stark betroffen waren. In einer
2012 mit deutlich geringerer Stichprobe erfolgten Fachkräftebefragung des
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für den vierten
Zwischenbericht zur Evaluation des Kinderförderungsgesetzes (KiföG-Bericht)
hatten 13 Prozent angegeben, in einem befristeten Arbeitsverhältnis zu stehen.
Tabelle 2: Erzieherinnen und Erzieher in Kindertageseinrichtungen am 31. Dezember 2002 nach Alter und
Geschlecht in den Ländern
Land Insgesamt
Durchschnittsalter
Männer Frauen %-Anteil
Frauen
Baden-Württemberg 31 474 36,3 394 31 080 98,7
Bayern 21 563 37,6 241 21 322 98,9
Berlin 15 938 41,2 564 15 374 96,5
Brandenburg 11 573 44,9 30 11 543 99,7
Bremen 1 824 39,4 74 1 750 95,9
Hamburg 4 538 39,7 315 4 223 93,1
Hessen 19 106 37,8 520 18 586 97,3
Mecklenburg-Vorpommern 6 689 44,6 25 6 664 99,6
Niedersachsen 19 736 37,3 339 19 397 98,3
Nordrhein-Westfalen 48 262 36,7 945 47 317 98,0
Rheinland-Pfalz 13 563 37,5 250 13 313 98,2
Saarland 2 628 36,6 39 2 589 98,5
Sachsen 17 081 44,9 44 17 037 99,7
Sachsen-Anhalt 12 913 44,5 61 12 852 99,5
Schleswig-Holstein 6 419 38,3 231 6 188 96,4
Thüringen 9 110 44,9 38 9 072 99,6
4. Wie viele Leiharbeitskräfte werden nach Kenntnis der Bundesregierung im
Bereich der Erzieherinnen und Erzieher bzw. in Einrichtungen zur
Kindertagesbetreuung eingesetzt (bitte nach Geschlecht, Alter und Bundesland
differenzieren)?
Wie hat sich diese Zahl im Zeitraum von 2002 bis 2012 entwickelt?
Zur Beantwortung der Frage liegen der Bundesregierung vor dem Hintergrund
der in der Vorbemerkung getätigten Klarstellungen zur Berufsgruppe der
Erzieherinnen und Erzieher und das Arbeitsfeld Kindertageseinrichtung keine
hinreichenden Erkenntnisse vor.
In der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit, in der grundsätzlich
Angaben zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Wirtschaftszweig
der Arbeitnehmerüberlassung (auch differenziert nach Berufen) vorliegen, sind
Auswertungen nur für den Berufsbereich 864 „Kindergärtner/innen,
Kinderpfleger/innen“ möglich. Hierunter werden jedoch nicht nur Erzieherinnen und
Erzieher sowie Beschäftigte im Arbeitsfeld der Kindertagesbetreuung (siehe
Vorbemerkung der Bundesregierung) erfasst. Ein tiefer gegliederter Ausweis
von Berufen und des Arbeitsfeldes ist nicht möglich.
5. Wie viele Erzieherinnen und Erzieher befinden sich nach Kenntnis der
Bundesregierung in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis, wie viele
haben eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitarbeit und wie viele eine
Vollzeitarbeit (bitte nach Geschlecht, Alter und Bundesland differenzieren)?
Wie haben sich diese Zahlen im Zeitraum von 2002 bis 2012 entwickelt?
Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse in der Kindertagesbetreuung werden
nicht explizit in der Kinder- und Jugendhilfestatistik ausgewiesen. Der Beruf der
Erzieherin/des Erziehers ist gerade in Kindertageseinrichtungen ein klassischer
Teilzeitberuf. Im Jahr 2002 betrug der Anteil der Vollzeittätigen an allen
beschäftigen Erzieherinnen und Erziehern in Kindertageseinrichtungen 44,7
Prozent. Zehn Jahre später betrug der Anteil 40,2 Prozent.
Die Anteile der vollzeitbeschäftigten Erzieherinnen und Erzieher ist in den
nachfolgenden Tabellen pro Land aufgeführt. Eine Untergliederung dieser
Auswertung nach Erzieherinnen und Erzieher ist mit den Standardtabellen nicht
möglich.
Tabelle 3: Erzieherinnen und Erzieher in der Kindertagesbetreuung am 1. März
2012 (Kita) und 31. Dezember 2010 nach Wochenarbeitszeit und Ländern
Kindertageseinrichtungen
Zusammen 38,5
Wochenstunden und
mehr (Vollzeit)
%-Anteil
Schleswig-Holstein 8 788 2 376 27,0
Hamburg 6 548 2 454 37,5
Niedersachsen 27 480 6 408 23,3
Bremen 2 537 657 25,9
Nordrhein-Westfalen 62 972 36 135 57,4
Hessen 27 463 10 451 38,1
Rheinland-Pfalz 18 675 8 773 47,0
Baden-Württemberg 45 776 22 125 48,3
Quelle: Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und öffentlich
geförderter Kindertagespflege am 1. März 2012, Wiesbaden November 2012; Statistisches Bundesamt: Tätige
Personen in der Kinder- und Jugendhilfe (ohne Kita) 2010, Wiesbaden 2011; Berechnungen der
Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik.
Quelle: Statistisches Bundesamt: Tätige Personen in der Kinder- und Jugendhilfe, Wiesbaden 2003;
Berechnungen der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik.
6. Wie viele Erzieherinnen und Erzieher beziehen aufstockende Hartz-IV-
Leistungen (bitte nach Geschlecht, Alter und Bundesland differenzieren)?
Wie haben sich diese Zahlen seit der Einführung von Hartz IV entwickelt?
Bayern 34 079 14 145 41,5
Saarland 3 366 1 639 48,7
Berlin 17 506 9 461 54,0
Brandenburg 14 019 2 833 20,2
Mecklenburg-Vorpommern 8 790 2 254 25,6
Sachsen 22 207 4 588 20,7
Sachsen-Anhalt 12 783 1 852 14,5
Thüringen 10 646 3 922 36,8
Tabelle 4: Erzieherinnen und Erzieher in der Kinder- und Jugendhilfe am
31. Dezember 2002 nach Wochenarbeitszeit und Ländern
Kindertageseinrichtungen
Zusammen 38,5
Wochenstunden und
mehr (Vollzeit)
%-Anteil
Schleswig-Holstein 6 419 1 830 28,5
Hamburg 4 538 1 794 39,5
Niedersachsen 19 736 4 741 24,0
Bremen 1 824 499 27,4
Nordrhein-Westfalen 48 262 31 076 64,4
Hessen 19 106 7 665 40,1
Rheinland-Pfalz 13 563 7 066 52,1
Baden-Württemberg 31 474 19 211 61,0
Bayern 21 563 12 772 59,2
Saarland 2 628 1 400 53,3
Berlin 15 938 9 496 59,6
Brandenburg 11 573 1 964 17,0
Mecklenburg-Vorpommern 6 689 1 360 20,3
Sachsen 17 081 2 419 14,2
Sachsen-Anhalt 12 913 3 034 23,5
Thüringen 9 110 2 053 22,5
Zur Beantwortung der Frage liegen der Bundesregierung keine hinreichenden
Erkenntnisse vor.
Die Grundsicherungsstatistik sowie die Beschäftigtenstatistik lassen keine
spezifizierten Aussagen für die eingangs erwähnte Berufsgruppe Erzieherinnen und
Erzieher und das Arbeitsfeld Kindertagesbetreuung zu. Auf die Beantwortung
von Frage 4 wird insofern verwiesen.
7. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittliche
Arbeitszeit von Erzieherinnen und Erziehern (bitte nach Geschlecht, Alter
und Bundesland differenzieren)?
Die durchschnittliche Arbeitszeit der Erzieherinnen und Erzieher wird weder für
das Arbeitsfeld der Kindertageseinrichtungen noch für die anderen Arbeitsfelder
in den verfügbaren Standardtabellen der Kinder- und Jugendhilfestatistik
ausgewiesen.
8. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung das durchschnittliche
Bruttomonatsentgelt von Erzieherinnen und Erziehern, und wie hoch ist
dieses Entgelt im Vergleich dazu in der Gesamtwirtschaft?
Wie haben sich diese Zahlen im Zeitraum von 2002 bis 2012 entwickelt?
9. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der
Niedriglohnbeschäftigten bei Erzieherinnen und Erziehern, und wie hoch ist der
Anteil im Vergleich dazu in der Gesamtwirtschaft?
Wie haben sich diese Zahlen im Zeitraum von 2002 bis 2012 entwickelt?
Die Fragen 8 und 9 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Zur Beantwortung der Frage liegen der Bundesregierung keine hinreichenden
Erkenntnisse vor. Die Daten aus der Verdienststrukturerhebung erfassen unter
der Berufsgruppe Kindergärtnerinnen/Kinderpflegerinnen das Einkommen von
Erzieherinnen und Erziehern im Arbeitsfeld der Kindertagesbetreuung nicht
spezifisch.
10. Welche Tarifgefüge finden nach Kenntnis der Bundesregierung in der Regel
Anwendung bei kommunalen, freien und caritativen Trägern von
Kinderbetreuungseinrichtungen?
Wie viele Erzieherinnen und Erzieher erhalten Tariflohn nach den
einzelnen Tarifgefügen (absolut und relativ)?
Wie hoch ist die Ecklohngruppe für Erzieherinnen und Erzieher in den
jeweiligen Tarifgefügen nach fünf Jahren Berufserfahrung?
Die Tarifgefüge innerhalb der Kommunalen, Caritativen und weiteren freien
Träger sind außerordentlich vielfältig und lassen sich nicht klar und
überschaubar darstellen. In kommunalen Einrichtungen (rund ein Drittel aller bundesweit
rund 52 000 Einrichtungen) wird in der Regel nach dem TVÖD-Kommunen für
Sozial- und Erziehungsdienste vergütet. Bei den Verbänden der Freien
Wohlfahrtspflege gibt es dagegen eine große Vielzahl unterschiedlicher Tarifverträge.
Teils bestehen bundesweite Rahmentarifverträge, jedoch vereinbaren die
Landesverbände sowie zahlreiche, unter dem Dach der einzelnen
Wohlfahrtsverbände organisierte bundesweite Träger eigene, teils gleichfalls landesspezifische
Tarifverträge, welche sich untereinander erheblich unterscheiden können. Daher
kann die Frage nach den Ecklohngruppen in den jeweiligen Tarifen nicht
beantworten werden. Gleichfalls liegen der Bundesregierung zur Frage der Anzahl
Tariflohn erhaltender Erzieherinnen und Erzieher keine Daten vor. Nach dem
TVÖD sind Erzieherinnen im normalen Gruppendienst in der Entgeltgruppe S 6
mit einem Einstiegsbruttoeinkommen von 2 221,21 Euro eingruppiert. Nach
fünf Jahren erreichen sie ein Bruttoeinkommen von 2 613,20 Euro.
11. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über durchgeführte
Berufswechsel von Erzieherinnen und Erziehern vor (wenn möglich im
Vergleich zu anderen Berufsgruppen darstellen)?
Zur Beantwortung der Frage liegen der Bundesregierung keine hinreichenden
Erkenntnisse vor. Auf die Beantwortung von Frage 4 wird insofern verwiesen.
Die Sonderauswertung des Mikrozensus 2008 über „Die berufliche, familiäre
und ökonomische Situation von Erzieherinnen und Erziehern und
Kinderpflegerinnen“, die sich auf frühpädagogische Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung
bezieht, konstatiert bei den Befragten Personen mit frühpädagogischer
Ausbildung einen Anteil von 35 Prozent in anderen Berufen Beschäftigter. Rund 2
Prozent waren nie erwerbstätig. Für die Auswertung des Mikrozensus 2012, der
grundsätzlich auch Angaben zu Erwerbstätigen enthält, die angeben in den
letzten zwölf Monaten vor der Befragung ihren ausgeübten Beruf gewechselt zu
haben, liegt eine vergleichbare spezifische Sonderauswertung nicht vor.
12. Wie hoch ist das durchschnittliche Rentenzugangsalter von Erzieherinnen
und Erziehern (bitte nach Geschlecht und Bundesland differenzieren)?
Wie hat sich das durchschnittliche Rentenzugangsalter im Zeitraum von
2002 bis 2012 entwickelt?
13. Wie lange verbleiben Erzieherinnen und Erzieher differenziert nach
Alterskohorten nach Kenntnis der Bundesregierung im Erwerbsleben (bitte ab
dem 45. Lebensjahr in Fünfjahresschritten und ab dem 60. Lebensjahr in
einzelnen Jahren darstellen)?
14. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der
Erzieherinnen und Erzieher, die bis zum regulären Renteneintritt im Beruf
verbleiben (bitte nach Geschlecht und Bundesland differenzieren)?
15. Wie viele Erzieherinnen und Erzieher treten jährlich seit 2002 in eine
Erwerbsminderungsrente bzw. in eine Erwerbsunfähigkeitsrente ein (bitte
nach Geschlecht und Bundesland differenzieren)?
Die Fragen 12 bis 15 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die angefragten Angaben zu Rentenzugängen der Berufsgruppe Erzieherinnen
und Erzieher differenziert nach Geschlecht und Bundesländern liegen in den
Statistiken der Deutschen Rentenversicherung nicht vor. Das dort enthaltene
Merkmal „Beruf“ stellt nur eine Momentaufnahme des in den Versicherungskonten der
Rentnerinnen und Rentner zeitlich letzten gespeicherten Eintrages dar und gibt
andere früher oder sogar hauptsächlich ausgeübte Berufe nicht wieder.
16. Wie viele Arbeitsunfähigkeitstage haben Erzieherinnen und Erzieher nach
Kenntnis der Bundesregierung durchschnittlich pro Jahr, und wie hoch ist
diese Zahl im Vergleich dazu in der Gesamtwirtschaft?
Wie haben sich diese Zahlen im Zeitraum von 2002 bis 2012 entwickelt?
17. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die den
Arbeitsunfähigkeitstagen zugrunde liegenden Diagnosegruppen?
Die Fragen 16 und 17 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
In den Arbeitsunfähigkeitsdaten der Krankenkassenverbände liegen nutzbare
Daten für die Berufsgruppe „Erzieher/Erzieherinnen“ im Arbeitsfeld der
Kindertagesbetreuung nicht vor. Die Datengruppe „Sozial- und Erziehungsberufe“
sind für die Beantwortung der Frage zu unspezifisch.
18. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über spezifische
Belastungsformen, denen Erzieherinnen und Erzieher durch ihre Arbeit
ausgesetzt sind?
Zur Beantwortung der Frage liegen der Bundesregierung keine exakten Daten
vor. Die Auswertungen der Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung
zur Berufsgruppe „Erzieherinnen und Erzieher“ (Schlüsselnummer 863 der
Klassifikation der Berufe 1992, Statistisches Bundesamt) enthalten nicht allein
die in die in den Vorbemerkungen gekennzeichnete Personengruppe im
Arbeitsfeld der Kindertagesbetreuung. Auf die Beantwortung von Frage 4 wird insofern
verwiesen.
19. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung im Zeitraum von 2002
bis 2012 die Zahl der Arbeitsunfälle von Erzieherinnen und Erziehern
entwickelt (bitte nach Geschlecht und Bundesland differenzieren)?
Eine entsprechende Auswertung ist für die Gesamtdaten der Deutsche
Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) erst ab 2005 möglich. Die Zahlen für 2012
liegen noch nicht vor. Die Zahlen beruhen auf einer Hochrechnung. Dazu wird
der DGUV eine Stichprobe von annähernd 7 Prozent der meldepflichtigen
Arbeitsunfälle von den Unfallversicherungsträgern übersandt.
Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass es sich hier nur um die absoluten
Unfallzahlen handelt.
* Da es sich hierbei um eine hochgerechnete Stichprobenstatistik handelt, können Hochrechnungsunsicherheiten und Rundungsfehler auftreten.
Quelle: Referat „Statistik – Arbeitsunfälle, Prävention“, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV).
Tabelle 7: Meldepflichtige Arbeitsunfälle bei Kindergärtnern/Erziehern (ISCO = 5131) – nach Geschlecht
Meldepflichtige Unfälle * Insgesamt
Geschlecht
männlich weiblich keine Angabe
Berichtsjahr Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl %
2005 342 7,6 4 134 92,4 0 0,0 4 476 100,0
2006 367 9,2 3 602 90,0 31 0,8 4 000 100,0
2007 727 10,3 6 303 89,5 15 0,2 7 045 100,0
2008 855 10,5 7 281 89,5 0 0,0 8 135 100,0
2009 715 8,6 7 613 91,4 0 0,0 8 328 100,0
2010 898 9,3 8 753 90,6 15 0,2 9 665 100,0
2011 1 232 13,8 7 727 86,2 0 0,0 8 959 100,0
* Da es sich hierbei um eine hochgerechnete Stichprobenstatistik handelt, können Hochrechnungsunsicherheiten und Rundungsfehler auftreten.
Quelle: Referat „Statistik – Arbeitsunfälle, Prävention“, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV).
20. Für wie viele Kinder ist eine Erzieherin/ein Erzieher nach Kenntnis der
Bundesregierung durchschnittlich zuständig (bitte in Betreuung für Kinder
unter drei Jahren und für Kinder ab drei Jahren und älter sowie nach
Bundesländern aufteilen)?
Die Frage nach der Zuständigkeit einer Erzieherin für eine bestimmte Anzahl
von Kindern lässt sich nicht exakt beantworten. Errechnet werden jährlich durch
das Statistischen Bundesamt und die Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und
Jugendhilfestatistik die Personalschlüssel für verschiedene Gruppenformen. Der
Personalschlüssel wird nicht für die Gruppe der Erzieherinnen und Erzieher
ausgewiesen, sondern nur für das gesamte pädagogische Personal, das mittelbar und
unmittelbar für die Kinder in einer Gruppe eingesetzt wird. Nachfolgend die
zuletzt verfügbaren Ergebnisse für den Stichtag 1. März 2012.
Tabelle 8: Meldepflichtige Arbeitsunfälle bei Kindergärtnern/Erziehern (ISCO = 5131) – nach Bundesländern
Meldepflichtige Unfälle *
Berichtsjahr
Bundesland 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Schleswig-Holstein 29 63 60 191 269 356 305
Hamburg 97 110 269 352 221 228 217
Niedersachsen 351 461 623 645 668 986 845
Bremen 96 56 32 52 60 93 126
Nordrhein-Westfalen 483 655 1 800 2 198 2 361 2 153 1 824
Hessen 60 42 464 545 417 626 686
Rheinland-Pfalz 376 208 279 424 220 627 433
Baden-Württemberg 570 578 745 730 994 928 934
Bayern 375 358 851 760 916 969 909
Saarland 64 89 98 118 85 116 94
Berlin 523 402 407 656 574 950 856
Brandenburg 525 210 300 230 232 346 316
Mecklenburg-Vorpommern 145 33 229 182 196 261 187
Sachsen 310 379 417 467 571 408 667
Sachsen-Anhalt 399 242 277 383 396 497 379
Thüringen 72 116 179 188 148 120 181
Ausland 0 0 15 0 0 0 0
Unbekannt 0 0 0 14 0 0 0
Insgesamt 4 476 4 000 7 045 8 135 8 328 9 665 8 959
* Ohne Berlin, da hier Gruppenzugehörigkeit der Kinder nicht erfasst wird.
Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe – Kinder und Tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich
geförderter Kindertagespflege; 2012; eigene Berechnungen.
21. Mit welchen Qualifikationen bzw. Ausbildungsabschlüssen sind
Erzieherinnen und Erzieher nach Kenntnis der Bundesregierung tätig (bitte nach
Abschluss bzw. Qualifikation, absolut und relativ aufschlüsseln)?
Wie haben sich diese Zahlen im Zeitraum von 2002 bis 2012 entwickelt?
22. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von
Erzieherinnen und Erziehern mit einer Aus- oder Fortbildung für inklusive
Pädagogik oder Förderpädagogik entsprechend der UN-
Behindertenrechtskonvention?
Wie haben sich diese Zahlen im Zeitraum von 2002 bis 2012 entwickelt?
Die Fragen 21 und 22 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung zur Antwort auf die Kleine
Anfrage wird hierzu verwiesen. Die Qualifikation der Erzieherin/des Erziehers ist
Tabelle 9: Gruppen- und einrichtungsbezogener Personalressourceneinsatz (Deutschland, 2012)
Gruppe mit Kindern im Alter von …
unter 3 Jahren 3 Jahre bis Schuleintritt 2 Jahre bis Schuleintritt
Bundesland *
Personaleinsatz
ohne
Leitung
Personaleinsatz
mit
Leitung
Personaleinsatz
ohne
Leitung
Personaleinsatz
mit
Leitung
Personaleinsatz
ohne
Leitung
Personaleinsatz
mit
Leitung
Brandenburg 6,6 6,2 11,6 10,9 11,0 10,4
Baden-Württemberg 3,5 3,3 8,6 8,1 8,4 7,9
Bayern 4,0 3,9 9,0 8,8 8,8 8,6
Bremen 3,2 3,1 8,1 7,3 7,6 7,0
Hessen 4,1 3,8 10,0 9,1 9,3 8,5
Hamburg 5,7 5,2 9,4 8,2 9,7 8,5
Mecklenburg-Vorpommern 6,1 5,7 14,7 13,6 15,0 13,8
Niedersachsen 4,2 4,0 8,8 8,1 8,5 7,8
Nordrhein-Westfalen 3,7 3,4 9,8 8,8 8,3 7,6
Rheinland-Pfalz 4,0 3,8 9,7 9,0 8,7 8,1
Schleswig-Holstein 4,0 3,7 9,1 8,2 9,0 8,2
Saarland 3,6 3,4 10,0 9,2 9,6 8,6
Sachsen 6,6 6,1 13,7 12,3 12,7 11,5
Sachsen-Anhalt 6,9 6,5 12,5 11,7 11,6 11,0
Thüringen 5,3 5,0 11,4 10,5 10,5 9,8
Ostdeutschland 6,4 6,0 12,8 11,8 11,8 11,0
Westdeutschland 3,9 3,7 9,2 8,6 8,6 7,9
Gesamtdeutschland 4,8 4,5 9,8 9,1 8,8 8,1
durch Rahmenvereinbarungen der Kultusministerkonferenz bundeseinheitlich
geregelt. Daher gibt es nur im Detail Unterschiede in der Qualifikation dieser
Berufsgruppe.
Die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern beinhaltet keine spezifische
Ausrichtung für inklusive Pädagogik. Über die Zahl von Erzieherinnen und
Erziehern, die Fortbildungen zur Thema „Inklusion in der Kindertagesbetreuung“
wahrgenommen haben, liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
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ISSN 0722-8333]