Schäden in der deutschen Forstwirtschaft durch Dürre und Käferbefall
der Abgeordneten Dr. Christel Happach-Kasan, Hans-Michael Goldmann, Dr. Edmund Peter Geisen, Dr. Karl Addicks, Christian Ahrendt, Daniel Bahr (Münster), Uwe Barth, Rainer Brüderle, Angelika Brunkhorst, Ernst Burgbacher, Patrick Döring, Mechthild Dyckmans, Jörg van Essen, Otto Fricke, Horst Friedrich (Bayreuth), Miriam Gruß, Joachim Günther (Plauen), Heinz-Peter Haustein, Elke Hoff, Birgit Homburger, Dr. Werner Hoyer, Hellmut Königshaus, Dr. Heinrich L. Kolb, Gudrun Kopp, Heinz Lanfermann, Harald Leibrecht, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Michael Link (Heilbronn), Horst Meierhofer, Patrick Meinhardt, Jan Mücke, Burkhardt Müller-Sönksen, Hans-Joachim Otto (Frankfurt), Cornelia Pieper, Gisela Piltz, Jörg Rohde, Marina Schuster, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Max Stadler, Dr. Rainer Stinner, Carl-Ludwig Thiele, Florian Toncar, Christoph Waitz, Dr. Volker Wissing, Martin Zeil, Dr. Guido Westerwelle und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Das Borkenkäfer-Monitoring (Stand: 22. August 2006) der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) weist derzeit für 2/3 der insgesamt 47 Amtsbereiche Bayerns die höchste Borkenkäfer-Warnstufe aus. Die Forstverwaltung Baden-Württembergs warnt aktuell besonders vor einer extremen Buchdrucker-Kalamität in 2007. Nach Einschätzung von Forstexperten in Schleswig-Holstein geht in diesem Jahr durch den Borkenkäfer eine größere Gefahr auf die Wälder aus als im Anschluss auf den Jahrhundertsommer 2003.
Durch die lange Wärmeperiode in diesem Frühherbst konnten viele Käferlarven ihre Entwicklungsphase bereits abschließen und die Überwinterungsphase in sicheren Erdquartieren antreten. Bei milden Temperaturen im kommenden Frühjahr könnten diese Jungkäfer in bislang ungeahnter Menge ausschwärmen und auch in den norddeutschen Wäldern größten Schaden anrichten.
Trockenheit und Borkenkäferbefall belasten insbesondere die heimischen Fichtenwälder, die bereits durch die Bodenversauerung infolge der Schademissionen der vergangenen Jahrzehnte geschädigt sind. Wirtschaftlich bedeutsam sind Schäden, die durch den Buchdrucker-Borkenkäfer (Ips typographus) und den Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) an Fichten hervorgerufen werden.
Das Aufstellen von Pheromonfallen in Fichtenwäldern hilft bei der frühzeitigen Erkennung eines Befalls. In Regionen mit sehr massiver Vermehrung der Borkenkäfer wird zur Verhinderung weiterer Borkenkäferschäden der Einsatz von Insektiziden erwogen.
Seit 1984 wird in Laubwäldern der Rhein-Main-Ebene eine Massenvermehrung des Maikäfers beobachtet, in Baden-Württemberg wurde über Schäden an Rebflächen und in Obstbaumplantagen berichtet. Ähnliche Entwicklungen wurden auch in den europäischen Nachbarländern beobachtet. Die beiden heimischen Maikäferarten: Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) und Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) haben einen 3- bis 5-jährigen Entwicklungszyklus.
Insbesondere der Fraß der Engerlinge an den Wurzeln von Wald- und Obstbäumen und Rebstöcken kann erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Im Abstand von 35 bis 45 Jahren werden Massenvermehrungen beobachtet. Maikäfer können bekämpft werden durch Insektizide, biologische Pflanzenschutzmaßnahmen wie dem Ausbringen von Pilzsporen von Beauveria brongniartii sowie pflanzenbauliche Maßnahmen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen18
Welche Schäden hat nach Einschätzung der Bundesregierung der Borkenkäferbefall in den Wäldern in diesem Jahr verursacht, welche Bundesländer sind besonders betroffen, und wie wird sich der Befall im kommenden Jahr nach Einschätzung der Bundesregierung entwickeln?
Wird die Bundesregierung den betroffenen privaten und kommunalen Waldbesitzern einen finanziellen Zuschuss zur maschinellen Entrindung, zum Abtransport und zur Zwischenlagerung des vom Borkenkäfer befallenen Rundholzes gewähren, um sicherzustellen, dass die weitere Verbreitung der Borkenkäfer gestoppt wird und die erforderlichen Maßnahmen nicht aus Geldmangel unterbleiben?
Wird die Bundesregierung die bisherige Praxis fortsetzen und bei flächigem Ausfall von Kulturen und Jungbeständen, deren Anlage mit Mitteln des Bundes gefördert wurde, auf die Rückzahlung der Fördermittel verzichten?
Werden die Waldbesitzer die Möglichkeit haben, für die Ausbesserung bzw. Neuanlage von durch die Trockenheit geschädigten Kulturen ein weiteres Mal Fördermittel zu beantragen?
Beabsichtigt die Bundesregierung, das Bundeswaldgesetz zu novellieren, und wenn ja, mit welcher Zielsetzung?
Wie bewertet die Bundesregierung Forderungen des Naturschutzes im Zusammenhang mit der „Guten fachlichen Praxis in der deutschen Forstwirtschaft“ in Anbetracht der Waldbrand- und Käfergefahr, den Anteil an stehendem und liegendem Totholz zu erhöhen?
Teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass eine gesetzliche Verpflichtung der privaten und kommunalen Waldbesitzer, einen bestimmten Todholzanteil im Wald zu belassen im Widerstreit steht zur Verkehrssicherungspflicht der Waldbesitzer, und wenn nein, wie stellt sich das Problem aus Sicht der Bundesregierung dar?
In welchem Umfang sind Flächen des Bundes bzw. der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) von der Borkenkäferkalamität betroffen, welcher Wertverlust ist zu befürchten, und welche Bekämpfungsmaßnahmen sind von den zuständigen Forstbetrieben eingeleitet worden?
In welcher Weise beeinflusst die Versauerung der Waldböden, verursacht durch die Schademissionen der letzten Jahrzehnte, die Vitalität der Waldbäume und ihre Widerstandskraft gegen den Befall von Schadinsekten?
Befürwortet die Bundesregierung in Regionen mit besonders starker Bodenversauerung die Durchführung von Kompensationskalkungen, und wenn nein, warum nicht?
Beabsichtigt die Bundesregierung Kompensationskalkungen zu fördern, und wenn nein, warum nicht?
In welchen Bundesländern sind in diesem Jahr die beiden heimischen Maikäferarten massenhaft aufgetreten, wie groß waren die jeweils betroffenen Flächen und in welchem Anteil waren Rebstockflächen, Obstbaumplantagen und Waldflächen betroffen?
Wie hoch ist der entstandene wirtschaftliche Schaden?
Welche Erfahrungen gibt es in Deutschland mit der Bekämpfung von Maikäfern durch Ausbringen von Präparaten des Pilzes Beauvartia brongniartii, und wie beurteilt die Bundesregierung die Erfolgschancen, mit diesen Präparaten den Maikäfer wirksam zu bekämpfen?
Wie ist die Biologie dieses Pilzes und in welcher Weise werden Nichtzielorganismen von ihm beeinflusst?
Ist es nach Einschätzung der Bundesregierung rechtlich möglich, massenhaftes Auftreten von Maikäfern zum Schutz der Wälder in Natura-2000-Flächen zu bekämpfen, und wenn ja, mit welchen Methoden?
In welcher Weise haben sich Waldflächen entwickelt, deren Wälder am Beginn der Massenvermehrung der Maikäfer Anfang der 80er Jahre durch den Fraß der Käfer zerstört wurden?
Welche chemischen Pflanzenschutzmittel stehen zur Verfügung, und wie ist deren Auswirkung auf Nichtzielorganismen zu bewerten?