[Deutscher Bundestag Drucksache 18/1211
18. Wahlperiode 16.04.2014Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Beate Walter-Rosenheimer,
Dr. Valerie Wilms, Kai Gehring, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/890 –
Von der Dekade zum Weltaktionsprogramm: Bildung für nachhaltige Entwicklung
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In diesem Jahr geht die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“
(BNE) zu Ende. Im Rahmen der Dekade haben sich die Staaten der Vereinten
Nationen verpflichtet, die Bildung für nachhaltige Entwicklung zu stärken und
voranzubringen. In einem interfraktionellen Antrag vom 27. März 2012
(Bundestagsdrucksache 17/9186) forderte der Deutsche Bundestag die
Bundesregierung zu verschiedenen Maßnahmen der Förderung, Vertiefung und
Verstetigung auf. Nun, beinahe zwei Jahre später, gilt es zu hinterfragen, ob und
inwiefern den verschiedenen Forderungen nachgegangen wurde. Im Jahr 2013 hat die
Bundesregierung überdies den Bericht zur Bildung für eine nachhaltige
Entwicklung für die 17. Legislaturperiode herausgegeben (Bundestagsdrucksache
17/14325). Diesbezüglich ergeben sich einige Fragen zur (Weiter-)Verfolgung
von angekündigten Vorhaben. Damit einher gehen auch Fragen zum weiteren
Engagement der Bundesregierung mit Bezug zur BNE, da im Jahr 2014 die UN-
Dekade ein Ende findet und im Herbst 2014 das Weltaktionsprogramm
ausgerufen werden soll. Da viele Fördermaßnahmen der Bundesregierung in diesem
Jahr auslaufen, ist es von Interesse, welche Bedeutung der BNE vonseiten der
Bundesregierung auch in Zukunft beigemessen wird und welche
Folgeperspektiven sie nach Beendigung der UN-Dekade sieht.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Für die Politik der Bundesregierung ist das Leitprinzip der Nachhaltigkeit, das
auf Basis der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt wird, von großer
Bedeutung. Die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) trägt dazu bei,
innovative und nachhaltige Lösungen für die damit verbundenen
Herausforderungen zu finden. Ziel der im Rahmen des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung
der Vereinten Nationen 2002 in Johannesburg ausgerufenen UN-Dekade
Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005 bis 2014) ist es, die Grundzüge der Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom
11. April 2014 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/1211 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodenachhaltigen Entwicklung in den Bildungssystemen der Mitgliedstaaten zu
verankern.
Die Schirmherrschaft der Dekade in Deutschland liegt beim Bundespräsidenten.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) betreut das Thema
BNE innerhalb der Bundesregierung federführend und unterstützt die
Umsetzung in Deutschland auch finanziell, das Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) leistet einen Beitrag zur Umsetzung
der Dekade in Partnerländern. Die BNE als Querschnittsthema wird von allen
Ressorts gefördert, wie aus der Darstellung der Aktivitäten im Bericht der
Bundesregierung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (Bundestagsdrucksache
17/14325) zu erkennen ist. Auf der Grundlage eines einstimmigen Beschlusses
des Bundestages vom 1. Juli 2004 (Bundestagsdrucksache 15/3472) hat die
Bundesregierung die Deutsche UNESCO-Kommission (DUK) mit der
organisatorischen Ausgestaltung der UN-Dekade beauftragt. Am 29./30. September
2014 wird das BMBF die Konferenz „UN-Dekade mit Wirkung – 10 Jahre
Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland – Nationale Konferenz zum
Abschluss der UN-Dekade“ in Bonn ausrichten, um die Erfolge der UN-Dekade
zu würdigen, Bilanz zu ziehen und Perspektiven für das für die Jahre 2015 bis
2019 geplante Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung
(WAP, UNESCO 37 C/57) zu entwickeln.
1. Welche konkreten Schritte hat die Bundesregierung in die Wege geleitet,
um den Bundestagsbeschluss vom 26. April 2012 (Bundestagsdrucksache
17/9186 vom 27. März 2012) umzusetzen, bzw. welche Beschlüsse wird die
Bundesregierung umsetzen (bitte jeweils getrennte Antworten zu den
einzelnen Punkten unter Nummer II des Beschlusses geben)?
Die bisherigen Erfolge und geplanten Aktivitäten der Bundesregierung zur
Umsetzung des Bundestagsbeschlusses vom 27. März 2012 (Bundestagsdrucksache
17/9186) werden im Folgenden wie erbeten in der Reihenfolge der Punkte im
dortigen Abschnitt II beantwortet:
1. Einsatz der Bundesregierung für Folgeaktivitäten der UN-Dekade
Die Bundesregierung hat sich aktiv für den hohen Stellenwert der BNE auf
UN-Ebene eingesetzt.
Der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung hat sich am 21.
Januar 2013 in einer Themensitzung zu BNE unter Teilnahme von externen
Experten für die Durchführung eines Weltaktionsprogramms zu BNE durch
die Vereinten Nationen nach Abschluss der Dekade ausgesprochen und
angekündigt, Deutschland wolle sich aktiv an der inhaltlichen Konkretisierung
des Programms beteiligen. Zudem wurde als zielführend anerkannt, das
Weltaktionsprogramm in Deutschland mit neuen Maßnahmen auszugestalten
und auch im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit umzusetzen.
Bei der UNESCO-Generalkonferenz im November 2013 hat sich die
Bundesregierung für die Unterstützung der wichtigen Arbeit der UNESCO im
Bereich BNE ausgesprochen und sich erfolgreich für die Fortführung der UN-
Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung im Rahmen eines
Weltaktionsprogramms und hier besonders für die Aufnahme der Prioritäten „Local
communities“ und „Educators“ eingesetzt (UNESCO 37 C/57).
2. BNE in der Entwicklungszusammenarbeit
Das BMZ fördert vielfältige Maßnahmen zu BNE im Rahmen der
internationalen Entwicklungszusammenarbeit bzw. der entwicklungspolitischen
Bildung in Deutschland im schulischen Bereich. Diese Programme zielen auf
die Stärkung von BNE im Rahmen internationaler Begegnung bzw. Netz-
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/1211werkbildung; sie beziehen zum Teil Deutschland als Zielland ein. Zur
Panafrikanischen Universität wird auf die Antwort zu Frage 18 hingewiesen.
3. Nachhaltige Verankerung der BNE und Fortführung der bisherigen Arbeit zur
Umsetzung der UN-Dekade
Wie im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD zur 18.
Legislaturperiode beschrieben, soll die BNE in allen Bildungsbereichen stärker
verankert werden (vgl. Koalitionsvertrag 18. Legislaturperiode, S. 118). Die
Bundesregierung beabsichtigt, das bisherige Engagement mit im Zuge der
UN-Dekade erprobten und bewährten sowie weiterentwickelten
Instrumenten und Strukturen fortzuführen.
4. BNE und MINT-Förderung
Im Rahmen der MINT-Förderung unterstützt die Bundesregierung
bundesweite Schüler- und Jugendwettbewerbe, um Kindern und Jugendlichen die
Möglichkeit zu geben, ihre Talente und Fähigkeiten zu entfalten und sich auf
hohem Niveau mit einem Lerngegenstand auseinanderzusetzen. Bei der
Ausgestaltung der Wettbewerbe werden regelmäßig auch Aspekte der
Nachhaltigkeit integriert. Die große Bedeutung nachhaltigen Denkens und Handelns
wird beispielsweise beim Bundesumweltwettbewerb besonders betont. Er
verbindet naturwissenschaftliche mit gesellschaftlichen Themen und regt zur
Umsetzung eigener Projekte an. Ein weiteres Beispiel für die BNE-typische
Verknüpfung von naturwissenschaftlichen Themen und Fragen der
Nachhaltigkeit ist die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“.
5. und 6. Nachhaltigkeit des Bildungssystems und Integration so genannter
Bildungsferner und BNE
Bildung, die nachhaltig wirkt, ist ein Grundprinzip der Bildungspolitik der
Bundesregierung. Ein gutes, übergreifend wirkendes Beispiel ist die Allianz
für Bildung zur Unterstützung und Förderung bildungsbenachteiligter Kinder
und Jugendlicher. Diese in den Jahren 2011 bis 2013 bestehende Allianz
verstand sich als Instrument der bundesweiten Vernetzung, das die beteiligten
Stiftungen, Organisationen und Initiativen dabei unterstützt, ihre Expertise zu
bündeln, Beispiele guter Praxis bekannt zu machen und für einen
Bewusstseinswandel in der Gesellschaft zu werben. Sie wies verschiedene
Aktionsfelder auf und beinhaltete auch Lerngegenstände und Lernziele der BNE,
beispielsweise in dem Aktionsfeld 3 „Forschen und experimentieren“ sowie dem
Aktionsfeld 6 „Verantwortungsgemeinschaften vor Ort stärken“ durch
themenbezogene Handlungsorientierung und der Vermittlung von
Gestaltungskompetenz.
7. Private Institutionen und Unternehmen und BNE
Die Einbindung privater Institutionen und Unternehmen zur weiteren
Verbreitung der BNE hat sich als effektiv erwiesen, um den Transfer von
Nachhaltigkeitsfachwissen und Managementkompetenzen zu vernetzen. 114 der
ausgezeichneten Dekadeprojekte sind Teil und Gestalter der lokalen Agenda
21. 61 Schülerfirmen wurden als Dekadeprojekte ausgezeichnet. Diese
Aktivitäten tragen im Sinne der BNE zur Gestaltung der Lebenswirklichkeit vor
Ort bei. Auf kommunaler Ebene wird auch die Zusammenarbeit mit
Unternehmen vorangetrieben.
8. Zum Thema Kommunen und nachhaltige Bildungslandschaften wird auf die
Antwort zu Frage 20 verwiesen.
9. Zum Thema Förderung des bürgerschaftlichen Engagements durch BNE
wird auf die Antwort zu Frage 23 verwiesen.
Drucksache 18/1211 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode2. Welche konkreten Ziele und Maßnahmen für internationale Kooperationen,
Austausch, gemeinsame internationale Aktivitäten in allen
Bildungsbereichen gibt es bereits vonseiten der Bundesregierung, und will die
Bundesregierung dies zukünftig stärken und ausbauen?
Wenn ja, welche konkreten Maßnahmen sind dazu zukünftig geplant?
Über Ziele und Maßnahmen der Bundesregierung mit internationalem Bezug im
Bildungsbereich wird regelmäßig in vielfältigen Formen berichtet, etwa in dem
jährlichen Bericht der Bundesregierung zur Auswärtigen Kultur- und
Bildungspolitik, oder in Veröffentlichungen der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu allen Bildungsbereichen von
frühkindlicher Bildung über Berufsbildung und Hochschule bis zu Lebenslangem
Lernen oder auch in den entsprechenden Abschnitten der nationalen Berichte,
etwa im Berufsbildungsbericht 2013, Kapitel 4 „Stand und Perspektiven der
beruflichen Bildung in der internationalen Zusammenarbeit“.
Zur Stärkung der internationalen Kooperation im Bereich Nachhaltigkeit baut
das BMBF konsequent den EU-weiten und internationalen Dialog zu Bildung
und Forschung für Nachhaltigkeit aus. Die BNE wird in Zukunft eine größere
Rolle in der internationalen Bildungskooperation spielen, weil diese in der Post-
2015-Debatte der UN, im Rahmen derer die Bildungs- und Entwicklungsziele
für den Zeitraum nach dem Jahr 2015 diskutiert werden, derzeit als eines der
wenigen qualitativen Bildungsziele der Sustainable development goals (SDGs)
diskutiert wird. Die Umsetzung dieser Aufwertung wird im Einzelnen
anzugehen sein, wenn die Ziele verabschiedet sind.
Schon jetzt steht BNE im Zentrum verschiedener internationaler
Bildungsinitiativen, die zu unterschiedlichen Themen ins Leben gerufen wurden:
● So steht die Zielsetzung der Nachhaltigkeit im Kern des derzeit initiierten
UNESCO – „Global Network of Learning Cities“ (GNLC); das BMBF steht
derzeit mit dem UNESCO Institute for Lifelong Learning (UIL) in Kontakt,
um den Beitrag der deutschen Erfahrungen und Ergebnisse des Programms
„Lernen vor Ort“ mit der Initiative zu verknüpfen.
● Das UNESCO-Zentrum für Berufsbildung – UNESCO International Centre
for Technical and Vocational Education and Training (UNEVOC) in Bonn
stellt den Ansatz des „greening TVET“ (Berufsbildung für grünes
Wachstum) in den Mittelpunkt der inhaltlichen Neuausrichtung. Die BMBF-
Förderung von UNESCO-UNEVOC wird fachlich wie administrativ durch das
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) durchgeführt.
● Nachwuchswissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler im Bereich der
Nachhaltigkeitsforschung fördert das BMBF gezielt in verschiedenen
international angelegten Initiativen. Ziel ist, die wissenschaftliche Ausbildung in
der Nachhaltigkeit zu unterstützen, zur internationalen Vernetzung der
Nachhaltigkeitswissenschaft beizutragen und exzellente junge Wissenschaftler für
die Kooperation mit und in Deutschland zu gewinnen.
Das „Green Talents – International Forum for High Potentials in Sustainable
Development“ zeichnet jedes Jahr Nachwuchswissenschaftler aus dem
Bereich der Nachhaltigkeitsforschung aus. Bislang wurden 105 Preisträger aus
über 30 Ländern gefördert, wobei der Wettbewerb auf stetig wachsendes
internationales Interesse stieß. Das BMBF-finanzierte IPSWaT-Programm
(International Postgraduate Studies in Water Technologies) unterstützt
hervorragende Nachwuchswissenschaftler aus dem In- und Ausland, die ein
international ausgerichtetes Aufbaustudium im Wasserfach (Master oder PhD)
in englischer Sprache an deutschen Universitäten absolvieren.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/1211● Für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und die
entwicklungspolitische Bildung ist die BNE ein integraler Bestandteil. Sie ist zudem ein
wichtiges Merkmal von Bildungsqualität. Beispielhaft zu nennen sind hier die
Programme ENSA (Entwicklungspolitisches Schulaustauschprogramm),
durchgeführt von Engagement Global gGmbH und „Bildung für Nachhaltige
Entwicklung, Indien, Mexiko, Südafrika, Deutschland“, durchgeführt von
der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
in Kooperation mit Engagement Global. In diesem Programm entwickeln
und implementieren Expertinnen und Experten aus Ministerien, Hochschulen
und Nichtregierungsorganisationen in einem Netzwerk BNE-Programme.
Junge Nachwuchsführungskräfte qualifizieren sich für die Entwicklung von
BNE-Innovationen und implementieren diese in ihren Organisationen.
● Als konkrete Maßnahme zur internationalen Vernetzung der weltweiten
BNE-Akteure hat das BMBF im Jahr 2009 die Weltkonferenz zur Halbzeit
der UN-Dekade in Bonn veranstaltet. Im Jahr 2007 organisierte das BMBF
zusammen mit dem Land Berlin und der DUK im Rahmen der deutschen EU-
Ratspräsidentschaft die Konferenz „Bildung für nachhaltige Entwicklung –
Der Beitrag Europas“.
3. Wird die Bundesregierung, wie von der Deutschen UNESCO-Kommission
e. V. (UNESCO = Organisation der Vereinten Nationen für Bildung,
Wissenschaft und Kultur) gefordert, eine Beauftragte bzw. einen Beauftragten für
die BNE formell benennen?
Wenn ja, in welchem Rahmen und bis wann?
Wenn nein, weshalb nicht?
Die Länder haben bereits jetzt Fachreferentinnen, -referenten und Beauftragte
für „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (und Umweltbildung) eingesetzt, die
für die interne und externe Kommunikation des Themenbereichs verantwortlich
sind und als Ansprechpartnerinnen bzw. -Ansprechpartner im Rahmen der
Nachhaltigkeitsstrategie des Landes fungieren (vgl. Bericht der Bundesregierung
zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, Bundestagsdrucksache 17/14325,
S. 37 bis 81). Auf Bundesebene ist die Einrichtung eines solchen Amtes nicht
geplant, da diese Funktion bereits sehr effektiv und bewährt erfüllt wird.
4. Wird die Bundesregierung der BNE einen höheren Stellenwert als bislang
im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie einräumen?
Die BNE hat bereits derzeit einen sehr hohen Stellenwert. Auf die in der Antwort
zu Frage 1 genannte Sitzung des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige
Entwicklung wird verwiesen. Darüber hinaus ist BNE ein aktueller
Arbeitsschwerpunkt des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE), der die Bundesregierung
bei der Weiterentwicklung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie berät.
5. Inwiefern wird die Bundesregierung es unterstützen und sich auf den
entsprechenden Ebenen dafür einsetzen, dass der Entwicklungsstand der BNE
regelmäßig in internationalen Bildungsberichten wie im „Nationalen
Bildungsbericht“, erfasst wird?
Über den Entwicklungsstand der BNE wird bereits jetzt detailliert und
differenziert Bericht erstattet: Gemäß Beschluss des Deutschen Bundestages vom
29. Juni 2000 (Bundestagsdrucksache 14/3319) legt die Bundesregierung
einmal pro Legislaturperiode einen Bericht zur Bildung für nachhaltige
Entwicklung vor. Der vierte Bericht (Bundestagsdrucksache 17/14325) wurde am 3. Juli
Drucksache 18/1211 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode2013 veröffentlicht und bietet eine detaillierte Darstellung über die Verankerung
von BNE als Querschnittsthema in den einzelnen Bundesressorts sowie die
Anstrengungen der Länder im Bereich BNE. Ende 2012 hat die
Kultusministerkonferenz den Bericht „Zur Situation und zu Perspektiven der Bildung für
nachhaltige Entwicklung“ herausgegeben.
Über die BNE im internationalen und speziell im UN-Kontext informiert der
UNESCO-Report „UNESCO: Shaping the Education of Tomorrow. 2012.
Report on the UN Decade of Education for Sustainable Development“ aus dem
Jahr 2012. Aktuell in Planung ist der UN-Abschlussbericht der UN-Dekade
„Learning for a Sustainable World – A Decade of Change: 2014. Final Report
on the UN-Decade of Education for Sustainable Development“. Diese Berichte
erfassen auch die Entwicklung der BNE in Deutschland im internationalen
Vergleich.
6. Wie steht die Bundesregierung dem Vorschlag der Deutschen UNESCO-
Kommission e. V. aus dem Papier „Zukunftsstrategie BNE 2015+“
gegenüber, dass zu jeder Legislaturperiode ein indikatorenbasierter Bericht zu
erstellen sei, aus dem die Entwicklungen im Hochschulbereich bezüglich
der Berücksichtigung von Elementen der Nachhaltigkeit deutlich werden?
Wie steht die Bundesregierung einer Übertragung dieser Anregung auch auf
andere Bildungsbereiche gegenüber?
Im Rahmen des Agendaprozesses „Nachhaltigkeit in der Wissenschaft (SISI)“
unterstützt das BMBF Hochschulen, außeruniversitäre
Forschungseinrichtungen und studentische Initiativen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit in ihren
Einrichtungen. Ziel ist die Vernetzung der Akteure, die enge Verzahnung von
Forschung, Lehre und Administration bei Nachhaltigkeitsfragen, die
Umsetzung von Transdisziplinarität in der Nachhaltigkeitsforschung und der
nachhaltige Bau und Betrieb von Forschungseinrichtungen. Wissenschaftliche Bildung
ist ein Aspekt dieses Prozesses. Dabei sollen insbesondere auch Kriterien für
Nachhaltigkeit in der Wissenschaft in Anlehnung an den Standard der Global
Reporting Initiative (GRI) entwickelt werden. Darüber hinaus soll die
Forschung zur Ermittlung von Indikatoren für die BNE in allen Bildungsbereichen
in Zukunft weiter gefördert werden.
Darüber hinaus liegt die Zuständigkeit für den Hochschulbereich bei den
Ländern. Die Länder sind für die Konzeption und Umsetzung geeigneter
hochschulpolitischer Maßnahmen, die die Nachhaltigkeit stärken, und für Berichte über
Entwicklungen in diesem Bereich verantwortlich.
7. Welche konkreten Anstrengungen wird die Bundesregierung unternehmen,
um die in der UN-Kinderrechtskonvention verankerte Teilhabe von Kindern
und Jugendlichen mit Hilfe der BNE in den formalen
Bildungseinrichtungen zu verbessern?
8. Wie steht die Bundesregierung der Feststellung aus dem Papier
„Zukunftsstrategie BNE 2015+“ gegenüber, dass die UN-Kinderrechtskonvention in
der formellen Bildung nicht durchgängig verankert sei?
Die Fragen 7 und 8 werden gemeinsam beantwortet.
Das Recht auf Bildung als Teil der UN-Kinderrechtskonvention umfasst neben
dem Erwerb von Grundqualifikationen auch Kompetenzen zur Verwirklichung
von individuellen Handlungschancen und zur Übernahme gesellschaftlicher
Verantwortung. Die BNE vermittelt neben dem Fachwissen für ein
verantwortungsbewusstes Handeln die Gestaltungskompetenz zur Anwendung dieses
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/1211Wissens. Für die Berücksichtigung der UN-Kinderrechtskonvention in den
Lehr- und Bildungsplänen sind die Länder zuständig.
9. Inwiefern wird die Bundesregierung sich für eine dauerhafte Etatisierung
einsetzen, auch und vor allem mit Bezug auf außerschulische
Einrichtungen?
Der Bundeshaushalt wird jeweils für das kommende Haushaltsjahr aufgestellt.
10. Wie will sich die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern für eine
systematische Implementierung der BNE in den verschiedenen
Bildungseinrichtungen, auch im Elementarbereich, einsetzen?
Teilt sie die Kritik im nationalen Fortschrittsbericht, dass die
vorschulische Bildung aufgrund fehlender Untersuchungsstandards kaum erfasst
wird, und wie will sie diesem Forschungsdefizit begegnen?
Zur stärkeren Verankerung von BNE in allen Bildungsbereichen soll die
bewährte Zusammenarbeit mit den Ländern fortgeführt werden (siehe Antwort zu
Frage 19). Die Forschung zur Ermittlung von Indikatoren für die BNE in allen
Bildungsbereichen und damit auch der vorschulischen Bildung soll in Zukunft
weiter gefördert werden.
Über seine Förderprogramme zur entwicklungspolitischen Bildung fördert das
BMZ auch Träger, die im Elementarbereich tätig sind. Diese Förderung wird als
Bestandteil einer ganzheitlichen BNE-Strategie verstanden.
11. Welche Forschungsbedarfe sieht die Bundesregierung mit Blick auf die
BNE, und inwiefern möchte sie die Forschung in diesem Bereich stärken?
Die vom BMBF in Auftrag gegebene Bestandsaufnahme „Forschungspotentiale
im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung“ aus dem Jahr 2013 stellt
fest: Die Forschung zur BNE zeichnet sich inhaltlich wie strukturell noch durch
ein zu hohes Maß an Zersplitterung in nebeneinander existierende Einzelteile
aus unterschiedlichen Disziplinen aus (Bormann/Gräsel/Schütte:
Forschungspotentiale im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung. 2013). In
Zukunft sollen die Untersuchung von übergreifenden Metafragestellungen sowie die
projektübergreifende Begleitforschung im Kontext des Weltaktionsprogramms
und die Forschung zur Evaluation der eingesetzten Projektformate und
Instrumente, zum Beispiel in interdisziplinären Forschungsverbünden, fortgeführt
werden. Die Forschung zur BNE soll stärker als bisher an relevante Diskurse im
Bildungsbereich und insbesondere an die bildungswissenschaftliche Forschung
angebunden werden. Hervorzuheben sind die Entwicklung von Verfahren und
Prozessen zur Indikatorenermittlung, die Validierung der Leistungsfähigkeit von
BNE sowie Qualitätsstandards und Zertifizierungsinstrumente für den Bereich
BNE. Auf diese Weise soll die Umsetzung der Forschungsergebnisse in die
Praxis sowie die nationale wie internationale Sichtbarkeit der deutschen Forschung
zur BNE gefördert werden.
Drucksache 18/1211 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode12. Inwiefern wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung nach
Ende der UN-Dekade die Förderung bewährter Gremien, wie etwa des
Nationalkomitees, der Arbeitsgruppen oder des Runden Tischs, fortführen?
Welche konkreten Anschlussprojekte plant die Bundesregierung daneben
außerdem?
Als federführendes Ressort bei der Umsetzung der UN-Dekade Bildung für
nachhaltige Entwicklung bewertet das BMBF die Einrichtung von Gremien zur
nationalen Koordination und Selbstorganisation der Akteure der BNE als sehr
positiv und plant eine weiterentwickelte Fortführung. Die entstandenen
Netzwerke, Partnerschaften und Instrumente haben sich als sinnvoll und effizient
erwiesen. Auf diesen guten Strukturen wird nach dem Ende der UN-Dekade beim
Übergang in das Weltaktionsprogramm aufzusetzen sein. Naturgemäß werden in
diesem Kontext bewährte Strukturen sowie Ziele weiterentwickelt und
geschärft.
13. Was konkret hat nach Kenntnisstand der Bundesregierung die Prüfung der
Bundesakademie für öffentliche Verwaltung ergeben, die laut einem
Auftrag des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung vom
21. Januar 2013 prüfen sollte, ob nachhaltige Entwicklung als
Querschnittsthema in deren Weiterbildungsangeboten berücksichtigt wird?
Die Bundesregierung sieht auch in diesem Kontext die Vorbildwirkung des
Bundes. In den Fortbildungsangeboten der Bundesakademie für öffentliche
Verwaltung (BAköV) wird das Querschnittsthema nachhaltige Entwicklung bereits in
vielfältiger Weise berücksichtigt. Die Werte und Prinzipien nachhaltiger
Entwicklung haben Eingang in alle einschlägigen Seminarkonzeptionen gefunden.
Insbesondere sind hier die Fortbildungsmaßnahmen zu den Themen
– Gesetzesfolgenabschätzung, Bürokratiekosten, Erfüllungsaufwand;
– Öffentliches Auftragswesen, Vergaberecht;
– Haushalts- und Zuwendungsrecht und
– Betriebswirtschaftliche Grundlagen des Verwaltungshandelns
zu nennen. Zu Nachhaltigkeitsaspekten im Rahmen des öffentlichen
Auftragswesens gibt es seit einigen Jahren ein eigenes Seminar. Ökonomische,
entwicklungspolitische und ökologische Fragen werden auch im Lernbereich EU-
Kompetenzen und internationale Kompetenzen vermittelt.
14. Inwiefern fördert die Bundesregierung eine Verstetigung des
Modellversuchsförderschwerpunkts „Berufliche Bildung für nachhaltige
Entwicklung“, bzw. welche entsprechenden Förderschwerpunkte plant die
Bundesregierung im Rahmen der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Kontext
der BNE?
Die Verstetigung der Projekte des Modellversuchsförderschwerpunktes
„Berufliche Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in der zweiten Hälfte der UN-
Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung“ war bereits durch Förderung in
Verbundstruktur und große Betriebs- bzw. Praxisnähe vorhabenimmanent auf
dauerhafte Implementierung der Ergebnisse angelegt. Die aktuell vorliegenden
Berichte zeigen, dass diese Verstetigung erreicht wurde. Für das
Weltaktionsprogramm plant das BMBF, die evaluierten Ergebnisse in weitere Strukturen,
Bereiche, Branchen oder Berufe zu transferieren.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/121115. Auf welchen Feldern und auf welchen Wegen erfolgt die BNE-
Zusammenarbeit verschiedener Bundesministerien im Zuge der Nationalen
Nachhaltigkeitsstrategie?
Die Zusammenarbeit erfolgte insbesondere im Rahmen des
Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung sowie in der vorbereitenden Ressort-
Arbeitsgruppe für nachhaltige Entwicklung auf Ebene der zuständigen
Unterabteilungsleiter; zudem wurde BNE auch im Rahmen des Fortschrittsberichts
2012 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie behandelt (Bundestagsdrucksache
17/11670). In den zentralen Gremien der UN-Dekade, dem von der DUK 2004
einberufenen Nationalkomitee sowie dem Runden Tisch sind die Ressorts
BMBF, BMZ und Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit (BMUB) vertreten.
16. Welche Anstrengungen unternimmt die Bundesregierung zur
Implementierung der BNE und des Nachhaltigkeitsgedankens im Sinne der Agenda 21
in der landwirtschaftlichen Aus- und Fortbildung?
Die BNE ist auch für den Agrarbereich von besonderer Bedeutung. Im Rahmen
der kontinuierlichen Modernisierung und Anpassung von Regelungen des
Bundes zur landwirtschaftlichen Aus- und Fortbildung wird besonderer Wert darauf
gelegt, dass neben den Umweltaspekten auch die weitergehenden
Nachhaltigkeitsaspekte in diese Regelungen integriert werden. Die Ausbildungsberufe des
Agrarbereichs schreiben bereits seit Jahren in ihrem Berufsbild konkrete, im
Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens erforderliche
Qualifikationsanforderungen verbindlich fest. Im Rahmen des Bundesprogrammes Ökologischer
Landbau unterstützt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
(BMEL) die Vermittlung von Inhalten zur ökologischen Landwirtschaft u. a.
durch die Entwicklung von Lehrmaterialien für Lehrer, Berufsschullehrer und
Lehrkräfte an Fachschulen.
Die mit Förderung des BMEL durchgeführten Wettbewerbe für Auszubildende
in landwirtschaftlichen Berufen wurden in den vergangenen Jahren
kontinuierlich unter dem Aspekt eines verantwortungsbewussten und nachhaltigen
Wirtschaftens weiterentwickelt. Als ein wesentlicher Effekt dieser Wettbewerbe hat
sich auch das nachweisbar hohe gesellschaftliche Engagement erfolgreicher
Wettbewerbsteilnehmer in ihrem späteren beruflichen Leben herausgestellt.
Die zahlreichen Träger im Bereich der agrarischen Weiterbildung bieten
vielfältige Maßnahmen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung des ländlichen
Raums an und führen Projekte durch. Zur Umsetzung und Verbreitung von
Handlungsstrategien, die sich auf den Nachhaltigkeitsgedanken stützen, wurden
vom BMEL die Modellvorhaben „Umstellungs- und
Betriebsentwicklungsbegleitung für Betriebe des ökologischen Landbaus (Coaching in der
Landwirtschaft)“, „Generationswechsel in der Landwirtschaft – Zukunftsorientierte
Qualifizierung von Führungskräften für landwirtschaftliche Unternehmen
unterschiedlicher Rechtsformen“ im Bereich der Bildung genutzt.
17. Wie möchte die Bundesregierung die internationale Kooperation im
Bereich der BNE stärken?
Es wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
Drucksache 18/1211 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode18. Inwiefern hat die Bundesregierung dazu beigetragen, die BNE in der
Entwicklungszusammenarbeit zu vertiefen, und wie konkret hat sie die
Panafrikanische Universität darin unterstützt?
Arbeitet die Bundesregierung zu diesem Aspekt mit dem Deutschen
Akademischen Austauschdienst zusammen, und wenn ja, wie?
Die Bundesregierung misst dem Thema Bildung in der
Entwicklungszusammenarbeit eine hohe Bedeutung zu. Deshalb hat das BMZ die
entwicklungspolitischen Bildungszusagen an Afrika in den vergangenen Jahren mehr als
verdoppelt. Die Panafrikanische Universität (PAU) bildet ein ressortübergreifendes
(BMZ, BMBF, Auswärtiges Amt (AA)), so genanntes Leuchtturmvorhaben
zwischen Deutschland und der Afrikanischen Union (AU). Ziel dieser Einrichtung
ist die kontinentale Stärkung der Hochschulbildung und Forschung in Afrika.
Darüber hinaus sollen nachhaltige transnationale Netzwerkstrukturen etabliert
werden, um den Anschluss an Bildungs- und Forschungsstandards anderer
Kontinente zu erreichen. Die PAU wird an bereits bestehenden Hochschulen in
Afrika mit fünf Standorten (Hubs) eingerichtet. Unter Federführung des BMZ hat
Deutschland die Rolle des „lead thematic partner“ für den PAU-Hub in Algerien
mit den Themenbereichen Energie, Wasser und Umwelt einschließlich
Klimawandel (Standort Universität Tlemcen) übernommen.
Seit dem Jahr 2010 wurden 29 Mio. Euro für die Technische und Finanzielle
Zusammenarbeit an die AU zugesagt. Während das BMZ mit den
Durchführungsorganisationen der Deutschen Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und dem Deutschen Akademische Austauschdienst (DAAD)
vor allem den Aufbau der Masterstudiengänge und die allgemeinen
Managementstrukturen am PAU-Hub unterstützt, wird das BMBF den PAU-Hub bei der
Ausgestaltung der Forschungsdimension unterstützen. Eine enge
Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten an Hochschulen sowie mit außeruniversitären
Forschungseinrichtungen ist vorgesehen.
Der DAAD ist in die konzeptionelle und operative Projektumsetzung (u. a. im
Bereich internationale Hochschulvernetzung, Entwicklung Lehrinhalte) eng
eingebunden und wird dazu in Höhe von 3 Mio. Euro aus den o. a. Mitteln
unterstützt.
19. Inwiefern hat die Bundesregierung den Grundgedanken der BNE seit
Beginn der UN-Dekade dazu genutzt, das Bildungssystem und die
Bildungseinrichtungen in Deutschland gemeinsam mit den Bundesländern
nachhaltiger auszurichten?
Die Bundesregierung arbeitet auf verschiedenen Ebenen gut und langjährig mit
den Ländern mit dem Ziel der nachhaltigen Ausrichtung des Bildungssystems
zusammen.
In den zentralen Gremien der UN-Dekade Runder Tisch und Nationalkomitee
sind die Länder mit der Kultusministerkonferenz (KMK) und der
Umweltministerkonferenz vertreten.
Von August 1999 bis Juli 2004 und von August 2004 bis Juli 2008 hat das
BMBF bis zum Inkrafttreten der Föderalismusreform gemeinsam mit fast allen
Ländern mit insgesamt gut 9 Mio. Euro zwei Programme der Bund-Länder-
Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK-
Programme), „21“ und „Transfer 21“ gefördert.
Konkret unterstützt das BMZ gemeinsam mit den Ländern die systematische
Implementierung von BNE in Schulen über das KMK-BMZ-Projekt zur
Erstellung des „Orientierungsrahmens Globale Entwicklung im Rahmen einer BNE“,
das von Engagement Global umgesetzt wird. In diesem Vorhaben werden Emp-
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 11 – Drucksache 18/1211fehlungen zur Lehrplanarbeit der Länder in allen Unterrichtsfächern erstellt und
beispielhafte Umsetzungsprojekte mit den Ländern gefördert.
An der genannten Sitzung des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige
Entwicklung (siehe Antwort zu Frage 1) nahm die damalige Vizepräsidentin der
Kultusministerkonferenz und Kultusministerin des Freistaats Sachsen
Staatsministerin Brunhild Kurt teil. Zuletzt war BNE ein Schwerpunkt des Bund-
Länder-Erfahrungsaustausches zu nachhaltiger Entwicklung auf Fachebene im
September 2013 in Erfurt. Der Bericht der Bundesregierung zur Bildung für eine
nachhaltige Entwicklung bietet auch einen Überblick über die Aktivitäten der
Länder.
20. Welche konkreten Projekte für Kommunen hat die Bundesregierung
gefördert?
Welche konkreten Förderprojekte plant die Bundesregierung dauerhaft zur
Stärkung von Kommunen durch lokale und regionale Aktivitäten zur
BNE?
Im Entwurf des Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung
stehen die Kommunen („Local communities“, UNESCO 37 C/57) als eine von
fünf Prioritäten im Fokus. Die Bundesregierung unterstützt diese Hervorhebung
ausdrücklich. Schon während der UN-Dekade wurde eine Vielzahl von
kommunalen Projekten gefördert:
Im Rahmen der UN-Dekade zeichnete die Deutsche UNESCO-Kommission in
den Jahren 2005 bis 2014 21 Städte als Dekade-Kommunen mit besonderem
Engagement auf dem Gebiet BNE aus und würdigte damit besonders engagierte
kommunale Konzepte auf dem Gebiet der BNE.
Im Zuge der UN-Dekade-Gremien Runder Tisch und Nationalkomitee hat sich
die Arbeitsgemeinschaft „Kommunen“ etabliert.
Auf Anregung des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung
wurde im Jahr 2012 vom BMBF ein Wettbewerb in Kooperation mit dem Rat
für Nachhaltige Entwicklung (vgl. auch Antwort zu Frage 4) zur Förderung von
lokalen Bildungs- und Kompetenznetzwerken für Nachhaltigkeit mit dem Ziel
des Aufbaus lokaler Netzwerke zur Förderung der BNE in lokalen Projekten
eingerichtet und ein Betrag von rund 1 Mio. Euro bereitgestellt. 31 Projekte wurden
mit bis zu 35 000 Euro gefördert. Eine Weiterentwicklung und Fortführung des
Wettbewerbs wird derzeit geprüft.
Auch in der 1. Förderphase (2009 bis 2012) des Programms „Lernen vor Ort“
hat das BMBF 40 Kommunen in verschiedenen thematischen Ausrichtungen
des kommunalen Bildungsmanagements gefördert, darunter das Thema
Nachhaltigkeit.
Zudem hat das BMBF im Jahr 2012 im Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt
Erde“ die Initiative ZukunftsWerkStadt gestartet mit dem Kernelement
Zusammenarbeit von Wissenschaft, Bürgerinnen und Bürgern und Kommunen im
Themenfeld nachhaltiger Stadtentwicklung. Mit diesem Dialog zwischen
Wissenschaft und Bürgerinnen und Bürgern trägt die ZukunftsWerkStadt auch zur
Bildung in der Nachhaltigkeit bei. Das Wissenschaftsjahr 2015 wird sich der
„Zukunftsstadt widmen“, d. h. der nachhaltigen Gestaltung unserer Städte. Im
Wissenschaftsjahr sollen Bürgerinnen und Bürger mit Wissenschaft
zusammengebracht werden. Durch vielfältige Formate (Forscherbörse, Forschungsschiff
MS Wissenschaft, Schulkinowochen) sollen besonders auch Schülerinnen und
Schüler an die Thematik herangeführt und aktiv beteiligt werden. Studierende
werden als junge Wissenschaftler angesprochen und sollen in die
Forschungsprojekte zur Gestaltung der Stadt vor Ort eingebunden werden.
Drucksache 18/1211 – 12 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeSeit dem Jahr 2013 unterstützt das BMZ internationale Partnerschaften von
Kommunen u. a. über das Programm ASA-Kommunal (ASA: Arbeits- und
Studien-Aufenthalte), ein Kooperationsvorhaben zwischen dem ASA-Programm
und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW), beide
durchgeführt von Engagement Global. Junge Berufstätige und Studierende haben mit
diesem Programm die Möglichkeit, nach einer intensiven Vorbereitung drei
Monate zu einem kommunalen Nachhaltigkeitsthema in einer Kommune im Süden
mitzuarbeiten. Das ASA-Programm öffnet so seinen Teilnehmenden den Blick
auf die Praxis der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit.
Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), das BMUB und das BMEL
sowie die zuständigen Bundesoberbehörden kooperieren im Rahmen des
gemeinsamen Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit (APUG). Ziel ist es,
Gesundheitsrisiken aus der Umwelt möglichst frühzeitig entgegenzuwirken, die
Öffentlichkeit über Zusammenhänge zu informieren und eigenverantwortliches,
gesundheits- und umweltgerechtes Handeln des Einzelnen zu fördern. Durch die
Integration umwelt-, gesundheits- und verbraucherschutzbezogener Aspekte bei
den Informationsangeboten wird zur BNE beigetragen. Die Geschäftsstelle des
APUG befindet sich im Umweltbundesamt. Das APUG-Projekt wurde im
genannten Zeitraum der letzten fünf Jahre mit einer Gesamtsumme von 74 000
Euro durch das BMG zusätzlich gefördert.
21. Wie viele Bundesmittel setzte die Bundesregierung in den letzten fünf
Jahren jeweils für die Förderung der BNE ein?
Unter welchen Haushaltsposten wurden diese Ausgaben jeweils verbucht
(bitte einzelne Haushaltstitel nennen), und welchen künftigen
Mittelbedarf sieht die Bundesregierung für die Förderung der BNE?
Über die Vielzahl der Förderungen der einzelnen Ressorts informiert der Bericht
der Bundesregierung zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
(Bundestagsdrucksache 17/14325).
Als federführendes Ressort bei der Umsetzung der UN-Dekade Bildung für
nachhaltige Entwicklung hat das BMBF unter dem Kapitel 30 02 Titel 685 41
folgende Mittel eingesetzt:
2009 1 747 000 Euro,
2010 1 664 000 Euro,
2011 1 751 000 Euro,
2012 1 594 000 Euro,
2013 1 740 000 Euro.
Als Querschnittsthema ist BNE oft in Maßnahmen enthalten, ohne dass dies
einer konkreten Erläuterungsziffer zugeordnet werden kann. Explizit ist dies zum
Beispiel beim BMZ der Fall: Im Bereich des Einzelplans 23 hat ein Großteil der
durch Kapitel 23 02 Titel 684 71 („Förderung der entwicklungspolitischen
Bildung“) geförderten Programme und Maßnahmen einen hohen Bezug zu BNE.
Dieser Titel hatte in den vergangenen fünf Jahren (2009 bis 2013) insgesamt ein
Mittelvolumen von etwas über 70 Mio. Euro. Derzeit ist ein leichter weiterer
Aufwuchs des Titels für dieses Jahr und eventuell darüber hinaus geplant.
Die künftige Mittelausstattung ist im Rahmen des
Haushaltsaufstellungsverfahrens festzulegen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 13 – Drucksache 18/121122. Welche weiteren Vorhaben zur Förderung von Weiter-/Fortbildungen im
Bereich der BNE via Multiplikatorenprogramme (z. B. ÜBER LEBENS-
KUNST bzw. ÜBER LEBENSKUNST.Schule“ oder nachhaltige
Schülerfirmen) plant die Bundesregierung, und welche Programme wird die
Bundesregierung verstetigen?
Das Weltaktionsprogramm zur Fortführung der UN-Dekade nennt als eine der
fünf Prioritäten die Förderung von Multiplikatoren (Educators). Wie im Bericht
der Bundesregierung zur BNE (Bundestagsdrucksache /14325, S. 4) dargelegt,
„ist die Aus- und Weiterbildung von Ausbildern, Lehrern und anderen
Multiplikatoren“ ein wichtiges Handlungsfeld im Kontext der Förderung von BNE. Die
Fort- und Weiterbildung der Multiplikatoren der BNE u. a. im Zuge der Treffen
des Bottom-up-Gremiums „Runder Tisch“, bei denen inhaltliche Vernetzung
und fachliche Fortbildung erfolgte, sowie durch das BNE-Portal, das aktuell
Informationen zur BNE in Deutschland und international zusammenstellt, hat sich
bewährt und soll weitergeführt werden. Die Mittel des BMZ zur Förderung der
entwicklungspolitischen Bildung – Förderprogramm Entwicklungspolitische
Bildung (FEB) und das Aktionsgruppenprogramm Förderung für kleine
Projekte der entwicklungspolitischen Informations- und Bildungsarbeit (AGP) –
werden zu einem Teil von den Zuwendungsempfängern zur Weiter- und
Fortbildung eingesetzt.
23. Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung zur Förderung des
sozialen Engagements und der Freiwilligenarbeit im Bereich der BNE?
Die BNE zielt auf die Vermittlung von Gestaltungskompetenz, um durch eine
Haltungsänderung auch eine Handlungsänderung zu erlangen. Konkret zu
Nachhaltigkeitsthemen arbeiten die über 1900 Projekte, die als UN-Dekade-
Projekte ausgezeichnet wurden und die sehr viele Menschen für das Ehrenamt
mobilisieren.
Die Bundesregierung fördert soziales Engagement und Freiwilligenarbeit unter
anderem durch das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser sowie durch
Patenschafts- und Mentoringprojekte.
Im Bundesfreiwilligendienst sowie in den Jugendfreiwilligendiensten
Freiwilliges Soziales Jahr und Freiwilliges Ökologisches Jahr kann der
Freiwilligendienst auch im Bereich BNE geleistet werden. Der entwicklungspolitische
Freiwilligendienst weltwärts des BMZ stellt ein zentrales Instrument dar,
entwicklungspolitisches Engagement und „Globales Lernen“ unter jungen Erwachsenen
zu fördern. Wie die im Jahr 2011 durchgeführte Evaluierung des weltwärts-
Programms erwies, stellen die zurückgekehrten weltwärts-Freiwilligen einen
wichtigen Pool von hochmotivierten Engagierten sowie Multiplikatorinnen und
Multiplikatoren insbesondere auch für Globales Lernen und innerhalb dessen
für den Bereich der BNE für entwicklungspolitische Organisationen dar.
Service-Learning, das „Lernen durch Engagement“, ist ein Baustein beim
Ausbau der BNE. Diese Lehr- und Lernform, die Engagement mit fachlichem
Lernen verknüpft, ermöglicht ein praxisorientiertes Lernen, das Schülerinnen und
Schüler für die Lösung gesellschaftlicher Probleme aktiviert. Deshalb fördert
die Bundesregierung eine bundesweite Qualifizierung von Schulbegleiterinnen
und Schulbegleitern von 2012 bis 2014, die Schulen bei der Umsetzung von
Lernen durch Engagement beraten und unterstützen sowie im Rahmen dessen seit
2012 (bis 2015) ein Projekt zur Systematisierung und vertiefenden Erprobung
von engagementfördernden und -unterstützenden Ansätzen an Hochschulen mit
dem Ziel, Engagementförderung in die Hochschullehre zu integrieren.
Drucksache 18/1211 – 14 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode24. Inwieweit plant die Bundesregierung, in nachgeordneten Institutionen
eine stärkere Implementierung der BNE mit Bezug auf die hauseigenen
Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu fördern?
Die Fort- und Weiterbildungsaktivitäten des nachgeordneten Bereichs werden
aufgrund der Sachnähe und der damit besseren Kenntnisse über die
diesbezügliche Erforderlichkeit eigenverantwortlich von den Geschäftsbereichsbehörden
wahrgenommen. Dies gilt auch für das Thema BNE. Die Verankerung von BNE
ist bereits in einer Vielzahl von nachgeordneten Behörden auf gutem Wege: So
wird die Implementierung von BNE innerhalb des Fort- und
Weiterbildungsprogramms innerhalb der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
geprüft.
Das BIBB ist erfolgreich für das Europäische Umweltmanagementsystem
EMAS zertifiziert worden und erstellt jährliche Umwelterklärungen. Im
Rahmen dieser Maßnahmen werden auch die Aktivitäten des BIBB im Bereich der
BNE kommuniziert und die Beschäftigten sensibilisiert. Im
Fortbildungsprogramm werden nach Bedarf Informationsveranstaltungen zu EMAS angeboten.
Außerdem ist in der Führungskräftewerkstatt das Thema „Querschnittsthemen
im BIBB“ verankert, dieses beinhaltet als einen Baustein wiederum EMAS.
Zu den Veranstaltungen der BAköV, an der auch Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter des nachgeordneten Bereichs teilnehmen, wird auf die Antwort zu Frage 13
verwiesen.
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ISSN 0722-8333]