[Deutscher Bundestag Drucksache 18/2080
18. Wahlperiode 07.07.2014Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Diana Golze, Christine Buchholz,
Annette Groth, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/1709 –
Erwerb von Kita-Belegrechten sowie Betrieb eigener
Kinderbetreuungseinrichtungen durch die Bundeswehr
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Bundeswehr versucht, sich durch eine verbesserte Vereinbarkeit von
Familie und Dienst als attraktive Arbeitgeberin darzustellen. In der Zentralen
Dienstvorschrift 10/1 heißt es dazu: „Die Vereinbarkeit von Familie und Dienst
verbessert die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte und die Attraktivität des
militärischen Dienstes.“ Insbesondere der Wehrbeauftragte des Deutschen
Bundestages Hellmut Königshaus und die Bundesministerin der Verteidigung Dr. Ursula
von der Leyen haben dieses Thema immer wieder stark betont. Eine
bedeutende Rolle bei der Vereinbarkeit kommt der Kinderbetreuung zu. Im Mai
dieses Jahres eröffnete die Bundesverteidigungsministerin Dr. Ursula von der
Leyen medienwirksam die erste Kinderkrippe der Bundeswehr in
Neubiberberg (siehe z. B.
www.spiegel.de/politik/deutschland/von-der-leyen-eroeffnet-
erste-kinderkrippe-der-bundeswehr-a-968988.html).
Viele Kinderbetreuungsplätze kann die Bundeswehr durch den Aufkauf von so
genannten Belegrechten in Kinderbetreuungseinrichtungen ihren Angehörigen
zur Verfügung stellen. Dabei handelt es sich um Kita-Plätze, die „[g]egen
Zahlung von Bundesfinanzhilfen an Träger von
Kinderbetreuungseinrichtungen (Kommunen sowie freie Träger wie Kirchen und Wohlfahrtsverbände) zur
Errichtung oder Erweiterung dieser Einrichtungen erworben [werden], mit der
Auflage, dass Kinder von Bw-Angehörigen – meist in einer zahlenmäßig
festgelegten Anzahl – in die Einrichtungen aufgenommen werden“ (siehe
Allgemeiner Umdruck 1/500 – Handbuch zur Vereinbarkeit von Familie und
Dienst in den Streitkräften (2010), Anlage 6/14).
Verwirrung besteht über die Anzahl der erworbenen und insgesamt
bestehenden Belegrechte der Bundeswehr auf Betreuungsplätze in
Kinderfördereinrichtungen. Auf der Seite des Kinderbetreuungsportals der Bundeswehr wird von
„fast 10 000 Belegrechten in Kindergärten in Deutschland“ gesprochen. Im
„Y – das Magazin der Bundeswehr“ ist dagegen von lediglich 231 Plätzen die
Rede (Ausgabe 05/2014). Der Wehrbeauftragte benennt in seinem
Jahresbericht von 2009 „über 9 000 bereits bestehende Belegrechte an 150
Standorten und 350 Betreuungseinrichtungen“, die aus Belegrechten der 60er- und Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom 3. Juli 2014
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/2080 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode70er-Jahre entstammen, „wieder entdeckt“ und durch die g.e.b.b. –
Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb mbH (die g.e.b.b. ist ein
Unternehmen des Bundesministeriums der Verteidigung) reaktiviert wurden.
Zudem wirft die Finanzierung dieser Belegrechte einige Fragen auf. In Erfurt
erwarb beispielsweise die Bundeswehr 2014 für zehn Jahre 20 Belegplätze bei
der am Südpark gelegenen Kita in Trägerschaft des Förderkreises JUL
gemeinnützige GmbH für 100 000 Euro (siehe z. B.
www.erfurt.de/ef/de/service/
aktuelles/am/2014/118825.html). In Westerstede sollen 2009 für 180 000 Euro
zwölf Belegplätze für eine Laufzeit von 30 Jahren bei der Kindertagesstätte an
der Jahnallee erworben worden sein. Daraus ergibt sich eine Summe von
500 Euro pro Jahr und Platz (
www.nwzonline.de/ammerland/wirtschaft/
bundeswehr-sichert-sich-belegungsrecht-fuer-neue-kita_a_1,0,
3242947558.html). Verglichen mit den tatsächlichen Kosten zur Bereitstellung
und Vorhaltung eines Betreuungsplatzes sichert sich die Bundeswehr
kostengünstig einen privilegierten Zugriff auf die meist knappen Betreuungs-
und Frühförderressourcen in den Kommunen.
Seit August 2013 haben alle Kinder vom vollendeten ersten Lebensjahr an
einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Zu wenige Kita-Plätze, lange
Wartelisten, abgesenkte Qualitätsstandards und Personalengpässe sind nach
wie vor ein Problem. Es stellt sich deshalb die Frage, ob durch den Erwerb von
Belegrechten in großem Umfang eine Privilegierung für Soldatinnen und
Soldaten zu Lasten anderer Eltern geschaffen wurde. Es stellt sich aber auch die
Frage, inwieweit eigene Kinderbetreuungseinrichtungen der Bundeswehr im
Sinne der zu betreuenden Kinder sind, da hier eine Abschottung vom
zivilgesellschaftlichen Umfeld droht.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf/Dienst in der
Bundeswehr ist der Bundesministerin der Verteidigung ein wichtiges Anliegen. Die
wesentliche Herausforderung liegt im Spannungsfeld zwischen der
Sicherstellung der militärischen Auftragserfüllung und dem legitimen Wunsch der
Bundeswehrangehörigen nach einer größtmöglichen und lebenslagenorientierten
Teilhabe am Familienleben. Mit der Anfang Juni 2014 vorgestellten Agenda
„BUNDESWEHR IN FÜHRUNG – Aktiv. Attraktiv. Anders.“ hat die
Bundesministerin der Verteidigung erste Maßnahmen auf den Weg gebracht, die die
Bundeswehrangehörigen darin unterstützen sollen, den Beruf/Dienst in der
Bundeswehr mit ihrem Privatleben besser in Balance bringen und halten zu können.
Die Bundeswehr soll als familienbewusster Arbeitgeber wahrgenommen
werden und auch unter diesem Gesichtspunkt sowohl für das vorhandene Personal
als auch für potentielle Bewerberinnen und Bewerber attraktiver werden. Die
Steigerung der Attraktivität der Bundeswehr ist dabei kein Selbstzweck, sondern
Voraussetzung für die Sicherstellung der personellen Einsatzfähigkeit der
Bundeswehr heute und für die Zukunft.
Die Bundeswehr unterstützt Familien – neben anderen internen und externen
Angeboten – auch bei einem entsprechenden Bedarf an flexibler Kinderbetreuung.
Die Möglichkeiten einer bedarfsgerechten Kinderbetreuung an den Standorten
der Bundeswehr, den die Kommunen nicht decken können, sind vielfältig. Ziel
ist, künftig eine flächendeckende Kinderbetreuung an allen Standorten der
Bundeswehr zu gewährleisten.
Der Erwerb von Belegrechten kann geeignet sein, den standortbezogenen
Bedarf an Kinderbetreuung zu decken.
Bundeswehrangehörige, deren Kinder über die Nutzung dieser Belegrechte eine
bedarfsgerechte Kinderbetreuung erfahren, haben dadurch keinerlei finanzielle
Vorteile. Sie zahlen den in der jeweiligen Kommune ortsüblichen
„Elternbeitrag“ unmittelbar, da nach dem Willen des Gesetzgebers die Zahlung von
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/2080„Elternbeiträgen“ ausschließlich den Personensorgeberechtigten obliegt.
Entsprechende Ausfälle finanziell zu kompensieren liegt nicht im Ermessen der
Bundeswehr. Hierfür würde auch eine rechtliche Grundlage fehlen, um eine
entsprechende Zahlung im Sinne der Bundeshaushaltsordnung zu begründen.
1. An welchen Standorten wurden seitens des Bundesministeriums der
Verteidigung bzw. Einrichtungen der Bundeswehr Vereinbarungen mit Trägern
von Kinderbetreuungseinrichtungen geschlossen, die zum Ziel haben,
Kindern von Bundeswehrangehörigen einen Betreuungsplatz mit Belegrechten
zu sichern (bitte detailliert nach Bundesländern, Kommunen,
Betreuungseinrichtung, vorgehaltenen und belegten Plätzen, Plätzen für Kinder unter
und über drei Jahren sowie Zeitpunkt des Erwerbes der Belegrechte, Kosten
und Laufzeit aufschlüsseln)?
Die durch die Bundeswehr erworbenen Belegrechte sind der beigefügten Anlage
zu entnehmen.
2. An welchen Standorten planen das Bundesministerium der Verteidigung
bzw. Einrichtungen der Bundeswehr, weitere Belegrechte in
Kinderbetreuungseinrichtungen anzukaufen (bitte detailliert nach Bundesländern,
Kommunen, Betreuungseinrichtung, vorgehaltenen Plätzen, Plätzen für Kinder
unter und über drei Jahren sowie Zeitpunkt des geplanten Erwerbes der
Belegrechte, Kosten und Laufzeit aufschlüsseln)?
Derzeit erstellt die Bundeswehr hierzu ein aktuelles Lagebild zur
Betreuungssituation an allen Standorten der Bundeswehr, das Ende 2014 vorliegen soll.
3. An welchen Standorten führen das Bundesministerium der Verteidigung
bzw. Einrichtungen der Bundeswehr aktuell Gespräche/Verhandlungen mit
dem Ziel, weitere Belegrechte in Kinderbetreuungseinrichtungen
anzukaufen (bitte detailliert nach Bundesländern, Kommunen,
Betreuungseinrichtung, vorgehaltenen Plätzen, Plätzen für Kinder unter und über drei Jahren
sowie Zeitpunkt des geplanten Erwerbes der Belegrechte, Kosten und
Laufzeit aufschlüsseln)?
Auf die Antwort zu Frage 2 wird verwiesen. Derzeit finden Gespräche mit den
jeweiligen Standortverantwortlichen und Kommunen in den Bundesländern
Niedersachsen (für die Standorte Wilhelmshaven und Holzminden), Schleswig-
Holstein (Eutin) und Nordrhein-Westfalen (Ahlen) statt. Über die Art der
Bedarfsdeckung der Kinderbetreuung ist bisher lediglich in Wilhelmshaven
entschieden worden.
In Wilhelmshaven sollen 40 Belegrechte (15 U3- und 25 Ü3-Plätze) erworben
werden. Diesbezüglich führt die Beauftragte für die Vereinbarkeit von Familie
und Beruf/Dienst in der Bundeswehr (Beauftragte) derzeit Gespräche mit dem
Jugendamtsleiter der Stadt Wilhelmshaven. Für Eutin, Ahlen und Holzminden
werden bedarfsgerechte Maßnahmen zurzeit mit den jeweils zuständigen
Jugendbehörden diskutiert. Sie sind noch nicht abschließend konkretisierbar.
4. Woran scheiterte der Kauf von Belegrechten in
Kinderbetreuungseinrichtungen am Bundeswehrkrankenhaus Ulm, und wer war der
ausgestiegene potentielle Vertragspartner (vgl. dazu u. a.
www.bundeswehr-
kinderbetreuung.de/kp/2014-02-14-Kita-Koblenz)?
Im Jahr 2010 planten die Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU)
den Bau einer Kindertagesstätte (KiTa). In dieser KiTa hätten sowohl die Uni-
Drucksache 18/2080 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodeversitätsklinik Ulm als auch das Bundeswehrkrankenhaus Ulm Belegplätze
erhalten sollen. Der Baubeginn war für Herbst 2011 geplant, die Inbetriebnahme
zum KiTa-Jahr 2012/2013. Im Juni 2013 entschlossen sich die RKU jedoch, auf
eine betriebseigene KiTa zu verzichten und eine Großtagespflegestelle an den
RKU einzurichten. Daher scheiterte der Erwerb von Belegrechten für die
Bundeswehr.
5. Wurden aus Mitteln des Sondervermögens für den Kita-Ausbau
Einrichtungen der Bundeswehr gefördert oder Belegrechte in
Kinderbetreuungseinrichtungen angeschafft (bitte detailliert nach Bundesländern, Standorten,
Kommunen sowie bei erworbenen Belegrechten nach vorgehaltenen und
belegten Plätzen sowie Zeitpunkt des Erwerbes der Belegrechte, Kosten
und Laufzeit aufschlüsseln)?
Aus Mitteln des Sondervermögens für den KiTa-Ausbau wurden keine
Belegrechte für die Bundeswehr erworben.
Die Neubauten der KiTas an der Universität der Bundeswehr (UniBw) München
in Neubiberg sowie am Bundeswehrkrankenhaus (BwKrhs) in Ulm wurden/
werden nicht aus Mitteln des Sondervermögens für den KiTa-Ausbau gefördert. Für
den KiTa-Neubau am Bundeswehrzentralkrankenhaus (BwZKrhs) in Koblenz
soll im Jahr 2015 gemäß Bescheid des Landesjugendamtes Rheinland-Pfalz vom
15. Mai 2014 eine Investitionskostenförderung in Höhe von 269 000 Euro
bewilligt werden.
6. Wurden Gelder aus dem Bundeshaushalt dazu verwendet, um Belegrechte
in Kinderförderungseinrichtungen zu erwerben und wenn ja, aus welchem
Einzelposten, in welchem Umfang und auf welcher Rechtsgrundlage (bitte
detailliert seit dem Jahr 2000 aufschlüsseln)?
Wie beurteilt die Bundesregierung in diesem Zusammenhang das
Kooperationsverbot mit Ländern und Kommunen im Bereich des Kita-Ausbaus?
Im Einzelplan 14 sind keine Haushaltsmittel für Kinderbetreuung bzw.
Vereinbarkeit etatisiert.
Anders verhält es sich bei der Unterstützung von bedarfsorientierten
Maßnahmen, die vom kommunalen Sicherstellungsauftrag nicht umfasst werden, also
einen Zusatzbedarf (bundeswehrspezifischer Bedarf: arbeitsplatznah, auch für
gemeindefremde Kinder, dienstzeitangepasst, abgestimmt auf die
Versetzungshäufigkeit auch innerhalb eines KiTa-Jahres) abdecken. Die Unterstützung
(finanzielles Engagement) erfolgt im Rahmen der betrieblichen
Kinderbetreuung. Sie erfolgt aus Fürsorgegründen und zur Förderung der Vereinbarkeit von
Familie und Beruf/Dienst. Damit einher geht die Steigerung der Attraktivität des
Arbeitsplatzes Bundeswehr. Die Finanzierung erfolgt aus bestehenden
Haushaltstiteln des Einzelplans 14, siehe nachfolgend. Dieses Vorgehen steht im
Einklang mit dem Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD zur 18.
Legislaturperiode. Dort ist auf Seite 97 f. vermerkt: „Wir werden noch aktiver für den
Nutzen betrieblicher Kinderbetreuungsangebote werben.“
Im Jahr 2008 wurde für die Beschäftigten des BwZKrhs Koblenz aufgrund des
dort vorhandenen großen Bedarfs als erste Maßnahme und als Einstieg der
Erwerb von 20 Plätzen für die sog. Betriebsgruppe Bundeswehr bei einem
benachbarten Kindergarten realisiert. Dabei handelte sich um die bedarfsgerechte
Erweiterung der Öffnungszeiten um jeweils eine Stunde und Reservierung der
Plätze für die Bundeswehr bei einjähriger Vertragslaufzeit. Sukzessive wurden
und werden Belegplätze an weiteren Standorten erworben. In diesem
Zusammenhang wird auf die Antwort zu den Fragen 1 und 2 verwiesen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/2080Der Erwerb von Belegrechten erfolgt nach dem vor Ort vorhandenen
bundeswehrspezifischen Bedarf sowie unter den in der Antwort zu Frage 9
dargestellten Rahmenbedingungen. Der jeweilige Erwerb erfolgt regelmäßig in enger
fachlicher Abstimmung mit dem kommunalen Jugendamt vor Ort.
Der Erwerb von Belegrechten wird aus Kapitel 14 03 Titel 539 99 finanziert.
Das Haushaltsinformationssystem HIS-BI lässt keine detaillierte
Aufschlüsselung nach Kinderbetreuungseinrichtungen zu.
Das so genannte Kooperationsverbot ist hier nicht einschlägig. Die
Kindertagesbetreuung betrifft den Bereich der öffentlichen Fürsorge im Sinne des
Artikels 74 Nummer 7 des Grundgesetzes (GG). Nach dem Grundgesetz sind
grundsätzlich für die Finanzierung von Kindertagesbetreuung die Länder gemäß
Artikel 83, 104 a Absatz 1 GG zuständig. Der Bund unterstützt Länder und
Kommunen beim Ausbau der Kindertagesbetreuung im Rahmen seiner
verfassungsrechtlichen Möglichkeiten. So fördert er Investitionen im Rahmen des
U3-Ausbaus nach Maßgabe des Artikels 104 b Absatz 1, 2 GG und beteiligt sich
an den für den U3-Ausbau anfallenden Betriebskosten über die Umverteilung
des Umsatzsteueraufkommens
7. Wurden aus Mitteln des Programmes für den Ausbau der betrieblichen
Kinderbetreuung Betreuungsplätze geschaffen bzw. Belegrechte in
Kinderbetreuungseinrichtungen für die Bundeswehr erworben (bitte detailliert
nach Bundesländern, Kommunen, Betreuungseinrichtung, geförderten
Plätzen, Plätzen für Kinder unter und über drei Jahren und Höhe der Ausgaben
aufschlüsseln)?
Aus Mitteln des Förderprogramms „Betriebliche Kinderbetreuung“ wurden für
die Bundeswehr weder Belegrechte erworben noch Betreuungsplätze
geschaffen.
Es ist Angelegenheit der jeweiligen Träger der KiTas ggf. Fördermittel zu
beantragen.
8. Aus welchem Haushaltstitel stammen die aufgewendeten Mittel für den
Erwerb von Kita-Belegrechten in Erfurt und Westerstede, auf welcher
Berechnungsgrundlage erfolgte die Kostenermittlung für den Kauf der
Belegrechte, und auf welcher Rechtsgrundlage wurden die Belegrechte
erworben?
Der Erwerb dieser Belegrechte wird aus Kapitel 14 03 Titel 539 99 finanziert.
Zur Rechtsgrundlage wird auf die Antwort zu Frage 6 verwiesen. Zu den
Grundsätzen der Kostenermittlung wird auf die Antwort zu Frage 9 verwiesen.
– Erfurt (Thüringen): 2014 = 100 000 Euro für 20 Plätze und zehn Jahre
– Westerstede (Niedersachsen): 2009 = 180 000 Euro für zwölf Plätze und
2013 144 000 Euro für acht Plätze bei einer Vertragslaufzeit bis 2039/2040
Die gewählten Beispiele (verhandelten Verträge) sind nicht vergleichbar. In den
jeweiligen Bundesländern existieren unterschiedliche Rahmenbedingungen zur
Kinderbetreuung, insbesondere zum Umfang eines Anspruchs auf
Kinderbetreuung.
9. Auf welcher Rechtsgrundlage erfolgen die Verhandlungen für den Kauf von
Belegrechten, und wird die Höhe der Kostenerstattung ausgehandelt?
Zur Rechtsgrundlage wird auf die Antwort zu Frage 6 verwiesen.
Drucksache 18/2080 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeFür den Erwerb von Belegrechten existieren keine bundesweit einheitlichen
Regelungen zu Vertragslaufzeit, Kosten etc. Die landesrechtlichen und vor allem
kommunalen Vorgaben sind sehr unterschiedlich. Auch das tatsächlich
vorhandene Angebot differiert sehr; U3-Plätze sind überwiegend knapp. Dabei ist zu
unterscheiden zwischen neu geschaffenen Plätzen (durch An- oder Umbau einer
KiTa) und Plätzen, die aus dem Bestand herausgenommen erworben werden.
Für Belegrechte fallen meist anteilige Betriebskosten an. Die
Landeskindergartengesetze und auch die Mehrzahl der kommunalen Satzungen enthalten hierzu
keine Vorgaben, allenfalls die Forderung der „Angemessenheit“. Es gibt auch
keine „Marktpreise“, so dass die durch die Bundeswehr zu tragenden Kosten
ausgehandelt werden müssen.
10. Existieren einheitliche Sätze zum Kauf von Belegrechten, und wenn ja,
wie viel darf ein Belegplatz kosten, und wenn nein, warum nicht?
Auf die Antwort zu Frage 9 wird verwiesen.
11. Welche Kosten fallen für die Soldatinnen und Soldaten für einen Kitaplatz
an, die einen entsprechenden belegrechtlich gebundenen Platz für ihr
Kind/ihre Kinder in Anspruch nehmen?
Bundeswehreltern (Personensorgeberechtigte – sowohl militärisch als auch
zivil) haben immer die ortsüblichen Elternbeiträge zu entrichten.
12. Wie viele der Belegrechte wurden durch die g.e.b.b. bis heute
„wiederbelebt“?
Wie viele der Belegrechte aus den 60er- und 70er-Jahren konnten bis heute
noch nicht „wiederbelebt‘“ werden?
Wie erfolgte die „Wiederbelebung“ der Belegrechte durch die g.e.b.b.?
Welche Mittel wurden dafür aufgewendet und werden perspektivisch für
die „Wiederbelebung“ aufgewendet?
In den 60er-/70er-Jahren wurden ca. 9 000 Belegplätze an zahlreichen
Standorten durch Zahlung von Bundesfinanzhilfen auf verwaltungsrechtlicher Basis
(heute auf vertraglicher Grundlage) erworben. Damals wuchs die Bundeswehr
auf, die Gemeinden waren nicht oder nur in geringem Umfang zur Realisierung
von Kinderbetreuungsmöglichkeit für die neuen Einwohner verpflichtet. Ein
Rechtsanspruch der Einwohner gegen die Gemeinde existierte noch nicht. Daher
unterstützte der Bund die Gemeinden mit Finanzmitteln zum Bau von
Kindergärten, Schulen, Schwimmhallen etc. und erhielt als Gegenleistung für seine
Beschäftigten Nutzungsrechte.
Diese „alten“ Belegungsrechte existieren grundsätzlich zwar noch heute, haben
aber hinsichtlich des heutigen Bedarfs praktisch keine Bedeutung mehr, da sie
zu den in den siebziger Jahren geltenden tatsächlichen und rechtlichen
Konditionen der Kinderbetreuung erworben wurden. Durch die „alten“
Belegungsrechte wurde meist nur die „Normalversorgung“ für Kinder ab drei Jahren zu
Vormittagszeiten abgedeckt. Im Laufe der Jahrzehnte sind durch
Stationierungsänderungen aufseiten der Bundeswehr und Auflösen von KiTas aufseiten der
Träger Änderungen eingetreten.
Eine im Jahr 2009 erstellte Gesamtliste aller Einrichtungen mit alten
Belegrechten wurde mit Begleitschreiben vom Parlamentarischen Staatssekretär
Kossendey zur eingeschränkten praktischen Nutzung dem Verteidigungsaus-
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/2080schuss des Deutschen Bundestages zur Verfügung gestellt. Die Liste wurde
bundeswehrintern mit Erlass BMVg PSZ III 8 vom 10. September 2009
bekanntgegeben.
Die Zuständigkeit für diese „Altbelegrechte“ lag und liegt nicht bei der g.e.b.b.
Im Zusammenhang mit einem Pilotprojekt Kinderbetreuung (2007 bis 2009)
unter Federführung von BMVg Fü S I 3 wurde das Thema „Belegrechte alt“ bzw.
die Möglichkeit zu deren Nutzung an einzelnen Standorten der Bundeswehr
wieder aufgebracht. Als Teil der standortbezogenen Kinderbetreuung wird auch
heute noch die Möglichkeit der Nutzung von Altbelegrechten aufgegriffen,
sofern dies bedarfsgerecht ist. Eine komplette „Wiederbelebung“ wurde aufgrund
der veränderten Rahmenbedingungen nicht vorgenommen.
13. Wie begründet die Bundesregierung die Privilegierung von Kindern von
Bundeswehrangehörigen mittels Belegrechten gegenüber Kindern anderer
Staatsbediensteter bzw. anderer Eltern?
Die Kinder von Bundeswehrangehörigen werden nicht privilegiert. Die
Bundeswehr unterstützt Kinderbetreuungsprojekte nur dort, wo ein
bundeswehrspezifischer Bedarf dies erfordert (besondere Schichtzeiten, Versetzungshäufigkeit –
insbesondere innerhalb eines KiTa-Jahres usw.). Auch andere Ressorts verfügen
über Belegrechte und eigene Kinderbetreuungseinrichtungen.
14. Führt nach Kenntnis der Bundesregierung die Anschaffung von
Belegrechten in bereits bestehenden Kindertagesstätten zu einer Verdrängung
anderer Kita-Kinder ohne Belegrechte z. B. von Kindertagesstätten im
Stadtgebiet in zentrumsferne Stadtteile, und wenn ja, wo?
Davon hat die Bundesregierung keine Kenntnis.
15. Betreibt die Bundeswehr eigene Kindertagesstätten, und wenn ja, sind
diese lediglich für Kinder von Bundeswehrangehörigen offen (bitte nach
Standorten, Plätzen für Kinder unter und über drei Jahren und ggf. Plätzen,
die von Nichtbundeswehrangehörigen belegt werden sowie Standort der
Betreuungseinrichtungen innerhalb oder außerhalb vom
Kasernengelände, Rechtsform und Anbindung an Jugendamtsstrukturen bezüglich
Qualität und Betriebserlaubnis aufschlüsseln)?
Inland:
Das Bundesministerium der Verteidigung ist am ersten Dienstsitz in Bonn
Träger der betrieblichen KiTa „Regenbogenhaus“. Der Betrieb der KiTa wurde dem
Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der
Bundeswehr (BAIUDBw) übertragen. Die KiTa bietet insgesamt 92 Betreuungsplätze
mit drei Gruppen zu je 20 Plätzen für den Ü3-Bereich und vier Gruppen zu je
acht Plätzen für den U3-Bereich. Die KiTa liegt außerhalb der Umzäunung der
Liegenschaft Hardthöhe und steht gemäß der Nutzungsordnung den
Beschäftigten folgender Bundesministerien nach vereinbartem Schlüssel zur Verfügung:
50 Kinder aus dem Bereich BMVg/Bundeswehr; 14 Kinder BMEL; zwölf
Kinder BMAS; acht Kinder BMWi; acht Kinder BMG. Die Betriebserlaubnis wurde
durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR) erteilt. Das Amt für Kinder,
Jugend und Familie der Stadt Bonn ist örtlich zuständig.
Bei der KiTa „Regenbogenhaus“ handelt es sich um die einzige inländische
KiTa in Trägerschaft der Bundeswehr.
Drucksache 18/2080 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeAusland:
Im Ausland befinden sich die Deutsche Schule in Cagliari/Sardinien, die
International School in Brunssum und die Internationale Schule bei SHAPE. Die
Dienstposten sind der jeweiligen BWVSt zugeordnet. Kinder von
Bundeswehrangehörigen sind zum Besuch dieser Einrichtungen berechtigt.
Die monatlichen Beiträge für die Nutzung der den Schulen angegliederten
Kinderbetreuungseinrichtungen richten sich nach dem
Tagesbetreuungskostengesetz Berlin (TKBG) in der jeweils gültigen Form. Im Rahmen bestehender
personeller und infrastruktureller Kapazitäten können auch Kinder, gegen Zahlung
eines Kindergartenbeitrages, die Kindergärten besuchen, deren Eltern nicht in
einem Beschäftigungsverhältnis mit der Bundeswehr stehen,
Im Einzelnen:
Italien: Deutsche Schule in Cagliari/Sardinien mit 25 Plätzen
Niederlande: International School in Brunssum mit 35 Plätzen
Belgien: Internationale Schule bei SHAPE, Brüssel mit 25 Plätzen.
16. Ist die Bundeswehr Trägerin aber nicht Betreiberin eigener
Kindertagesstätten, sondern lässt sie diese durch einen anderen Träger betreiben, und
wenn ja, handelt es sich dabei um Träger der Kinder- und Jugendhilfe und
sind diese Einrichtungen lediglich für Kinder von
Bundeswehrangehörigen offen (bitte nach Standorten, Plätzen für Kinder unter und über drei
Jahren und ggf. Plätzen, die von Nichtbundeswehrangehörigen belegt
werden sowie Standort der Betreuungseinrichtungen innerhalb oder
außerhalb vom Kasernengelände, Rechtsform und Anbindung an
Jugendamtsstrukturen bezüglich Qualität und Betriebserlaubnis aufschlüsseln)?
In Ausnahmefällen, dort wo ein bundeswehrspezifischer Bedarf es erfordert
(Schichtzeiten, Betreuungsstruktur in der Kommune, häufige Versetzungen des
Personals – innerhalb eines KiTa-Jahres), richtet die Bundeswehr
Kinderbetreuungseinrichtungen ein. Dies ist bisher an drei Standorten der Fall. Die
Bundeswehr stellt in diesen Fällen die Infrastruktur auf ihrem Gelände bereit. Im
Rahmen eines öffentlichen Ausschreibungsverfahrens wird der pädagogische
Betrieb der jeweiligen Einrichtung an einen externen Träger der Kinder- und
Jugendhilfe vergeben. Die Auswahl des Trägers erfolgt in enger Absprache mit
den jeweils zuständigen Jugendbehörden (u. a. Voraussetzung für die Erteilung
der Betriebserlaubnis). Bei der Auswahl werden neben preislichen Aspekten die
pädagogischen Grundsätze und das Qualitätsmanagement des Trägers
betrachtet. Die jeweiligen Träger betreiben die KiTas eigenverantwortlich. Zwischen
der Bundeswehr und den jeweiligen Trägern wird ein
Dienstleistungskonzessionsvertrag geschlossen. Die Bundeswehr entrichtet einen fixen Zuschuss als
Ausgleich für Fördergelderausfall und längere Öffnungszeiten. Die
Nebenkosten für den Betrieb der Einrichtung hat der pädagogische Träger zu
entrichten (Abrechnung über die Bundeswehr). Die Bundeswehrangehörigen
entrichten die ortsüblichen Elternbeiträge. Sollten die jeweiligen KiTas nicht durch die
Bundeswehrangehörigen (zivil und militärisch) ausgelastet sein, kann der
Träger nach einer Aufwuchsphase die freien Plätze an externe Kinder aus der
Wohnbevölkerung vergeben.
– An der UniBw München in Neubiberg wurde eine Krippe für max. 36 U3-
Kinder eingerichtet. Sie wird seit dem 1. April 2014 vom Johanniter-Unfall-
Hilfe e. V., Regionalverband Süd (Johanniter), betrieben.
– Am BwZKrhs in Koblenz wird derzeit eine KiTa für 42 Kinder eingerichtet.
Es werden zwei Gruppen mit jeweils zehn Plätzen für U3-Kinder geschaffen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/2080Darüber hinaus sollen in einer dritten altersgemischten Gruppe insgesamt
22 Kinder im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt, davon sechs
zweijährige Kinder, betreut werden. Die KiTa soll im Herbst 2014 ihren Betrieb
aufnehmen. Als Träger wurde die Dussmann Kulturkindergarten
gemeinnützige GmbH ausgewählt.
– Am BwKrhs in Ulm wird derzeit eine KiTa für 50 Kinder in vier Gruppen
eingerichtet. In drei Krippengruppen sollen jeweils zehn Plätze für U3-
Kinder geschaffen werden. In einer vierten Gruppe sollen insgesamt 20 Plätze für
Ü3-Kinder eingerichtet werden. Die Kita soll zum Kita-Jahr 2015/2016 in
Betrieb genommen werden. Zurzeit findet die Auswahl des pädagogischen
Trägers statt.
17. Betreibt die g.e.b.b. eigene Kindertagesstätten, und wenn ja, sind diese
lediglich für Kinder von Bundeswehrangehörigen bzw. Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern der g.e.b.b. offen (bitte nach Standorten, Plätzen für
Kinder unter und über drei Jahren und ggf. Plätzen, die von
Nichtbundeswehrangehörigen bzw. Nichtmitarbeiterinnen und Nichtmitarbeitern der
g.e.b.b. belegt werden, aufschlüsseln)?
Die g.e.b.b. betrieb bzw. betreibt weder für eigene Zwecke noch für Dritte
KiTas.
18. Hält die Bundesregierung es für das Wohl und die Entwicklung des Kindes
für förderlich, wenn Betreuungseinrichtungen ausschließlich bzw.
überwiegend Kinder von Bundeswehrangehörigen bzw. deren Mitarbeitern/
Mitarbeiterinnen betreuen?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse vor, dass dies nicht für das Wohl
und die Entwicklung der Kinder förderlich ist.
19. An welchen lokalen Bündnissen für Familie ist die Bundeswehr beteiligt
bzw. war die Bundeswehr beteiligt?
Welche Aufgaben nimmt die Bundeswehr in diesen lokalen Bündnissen
wahr (bitte nach Ort, Personalumfang, Aufgaben aufschlüsseln und
angeben, seit wann, bzw. wenn nicht mehr, warum nicht)?
Die Bundeswehr und ihre Beschäftigten (zivil und militärisch) sind Teil der
Gesellschaft. Es gehört zum Selbstverständnis der Bundeswehr und ihrer
Angehörigen, sich angemessen gesellschaftlich zu engagieren. Dies geschieht im
Regelfall auf Standortebene in den Kommunen.
Die Bundeswehr engagiert sich derzeit in zwanzig Lokalen Bündnissen für
Familie. Bündnisprojekte mit Bundeswehrbeteiligung liegen
schwerpunktmäßig im Bereich der Verbesserung der Transparenz bestehender Angebote, die
Familien bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf/Dienst am jeweiligen
Standort unterstützen können und der Verbesserung des Zugangs zu diesen
Angeboten.
Lokale Bündnisse für Familie, an denen die Bundeswehr beteiligt ist:
1. Ahlen, Ahlener Bündnis für Familie
2. Bad Frankenhausen, FFB – Frankenhäuser Familien Band
3. Donau-Ries (Kreis), Lokales Bündnis für Familie im Landkreis Donau-Ries
4. Grünheide/Mark, FamilienBande – Lokales Bündnis für Familie in
Grünheide/Mark
Drucksache 18/2080 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode 5. Günzburg (Kreis), Lokales Bündnis für Familie Landkreis Günzburg
6. Güstrow, Lokales Bündnis für Familie
7. Höxter, Bündnis für Familie und Generationen
8. Kaufbeuren, Lokales Bündnis für Familie in Kaufbeuren
9. Koblenz, Koblenzer Bündnis für Familie
10. Köln, Kölner Bündnis für Familien
11. Kümmersbruck, Lokales Bündnis für Familie Kümmersbruck
12. Mayen, Lokales Bündnis für Familie in der Stadt Mayen
13. Neubrandenburg, Stark durch Familie
14. Rheine, Familienbeirat
15. Schleswig-Flensburg (Kreis), Bündnis für Familie in der Region Schleswig-
Flensburg
16. Speyer, Runder Tisch zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
17. Storkow (Mark), Lokales Bündnis für Familie Storkow (Mark)
18. Uecker-Randow (Kreis), Lokales Bündnis für Familie
19. Uetersen, Lokales Bündnis für Familie Uetersen
20. Wiesbaden, Bündnis für Familie Wiesbaden
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ISSN 0722-8333]