[Deutscher Bundestag Drucksache 18/2234
18. Wahlperiode 30.07.2014Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Christine Buchholz,
Sevim Dağdelen, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/2113 –
Rechtsextreme Vorfälle in der Bundeswehr und die Reaktion der Militärführung
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Die Bundeswehr beschäftigt rechtsextremistische Soldatinnen und Soldaten
nach ihrer Erkennung in der Regel bis zum regulären Dienstende weiter. Nur
eine Minderheit der erkannten Rechtsextremisten wird vorzeitig entlassen. Das
hat die Bundesregierung voriges Jahr in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage
der Fraktion DIE LINKE. mitgeteilt (Bundestagsdrucksache 17/14670).
Demnach sind im Zeitraum von 2010 bis 2012 76 Soldatinnen bzw. Soldaten als
Rechtsextremisten erkannt worden. Nur 18 davon wurden vorzeitig aus dem
Dienstverhältnis entlassen.
Das Soldatengesetz (SG) kennt nur eingeschränkte Möglichkeiten einer
vorzeitigen Entlassung wegen einer festgestellten Ungeeignetheit. Der § 55 SG
ermöglicht dies bei Soldatinnen und Soldaten nur innerhalb der ersten vier Jahre
nach Dienstantritt. Bei Berufssoldatinnen und Berufssoldaten gibt es eine solche
Regelung überhaupt nicht (§ 46 SG).
Sollte dies bedeuten, dass Soldatinnen und Soldaten auf Zeit sowie
Berufssoldatinnen und Berufssoldaten auch dann, wenn sie als Rechtsextremisten erkannt
worden sind, bis zum Ende ihrer regulären Dienstzeit weiter beschäftigt werden
müssen – unter Umständen mehrere Jahrzehnte –, wäre dies aus Sicht der
Fragestellerinnen und Fragesteller nicht hinnehmbar. Es wäre aus ihrer Sicht
unverantwortlich, Neonazis als militärische Vorgesetze einzusetzen oder ihnen
Zugang zu Waffen zu ermöglichen. In diesem Fall läge offenbar
gesetzgeberischer Handlungsbedarf vor.
Aus der vorgenannten Antwort der Bundesregierung geht nicht hervor, in
welchen der von ihr angeführten 76 Fälle jeweils welche Maßnahmen einschließlich
verwendungseinschränkender Maßnahmen getroffen wurden. Es muss aus Sicht
der Fragestellerinnen und Fragesteller sichergestellt sein, dass die Bundeswehr
alle ihr zur Verfügung stehenden Maßnahmen ausschöpft, um gegen Neonazis in
ihren Reihen vorzugehen, und diese Möglichkeiten ggf. durch gesetzgeberische
Maßnahmen erweitert werden. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom 28. Juli 2014
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/2234 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode1. Wie viele rechtsextremistische Verdachtsfälle hat der Militärische
Abschirmdienst (MAD) im Jahr 2013 (neu) bearbeitet?
Im Jahr 2013 hat der MAD 309 rechtsextremistische Verdachtsfälle neu
aufgenommen.
2. Wie viele dieser Verdachtsfälle haben sich bestätigt?
Im Jahr 2013 wurden drei Verdachtsfälle mit dem Ergebnis „erkannter
Extremist“ abgeschlossen.
3. Um welche Arten rechtsextremer Betätigung handelte es sich hierbei
jeweils (bitte vollständig auflisten, jeweils erbetene Angaben: Dienstgrad,
Beschäftigung als Freiwillig Wehrdienst Leistender, Soldat auf Zeit,
Berufssoldat, ziviler Mitarbeiter; bei Soldaten auf Zeit bitte auch die
Dienstzeit angeben, die bis zur Erkennung als Rechtsextremist bereits geleistet
wurde)?
Diesen Vorgängen lagen die Mitgliedschaft in bzw. die Aktivität für
rechtsextremistische Parteien oder Personenzusammenschlüsse zugrunde; beteiligt waren
– ein freiwillig Wehrdienstleistender, Dienstgrad Matrose, entlassen im
November 2013,
– ein freiwillig Wehrdienstleistender, Dienstgrad Hauptgefreiter, entlassen im
Februar 2013,
– ein Soldat auf Zeit, Dienstgrad Stabsunteroffizier, Diensteintritt im Juli 2008,
nach Verdachtsmomenten im Oktober 2012 Einstufung als Extremist im Mai
2013 und entlassen im Oktober 2013.
4. Wie viele der erkannten Rechtsextremisten (bitte jeweils den Angaben nach
Frage 3 zuordnen) wurden vorzeitig entlassen?
Alle drei im Jahr 2013 erkannten Rechtsextremisten wurden vorzeitig aus der
Bundeswehr entlassen.
5. Welche weiteren Maßnahmen hat die Bundeswehr gegen die erkannten
Rechtsextremisten durchgeführt (bitte auch disziplinarrechtliche
Maßnahmen und Verwendungseinschränkungen angeben und jeweils den Angaben
nach Frage 3 zuordnen)?
Entfällt, da alle drei als Rechtsextremisten bewertete Personen entlassen
wurden.
6. Wie viele der erkannten Rechtsextremisten (bitte jeweils den Angaben nach
Frage 3 zuordnen) leisten gegenwärtig noch Dienst und in welcher Funktion
(Dienstgrad, Truppengattung)?
Auf die Antwort zu Frage 4 wird verwiesen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/22347. Wie viele besondere Vorkommnisse mit Verdacht auf rechtsextreme
Betätigung wurden dem Wehrbeauftragten im Jahr 2013 gemeldet, was genau
war Inhalt dieser Meldungen (bitte analog zur Antwort auf Frage 15 auf
Bundestagsdrucksache 17/14670 aufschlüsseln und bei Zeitsoldaten
angeben, wie viele Jahre sie bereits im Dienst waren), und welche Maßnahmen
hat die Bundeswehr jeweils gegen die betreffenden Soldatinnen und
Soldaten ergriffen?
Im Jahr 2013 wurden dem Wehrbeauftragten 58 besondere Vorkommnisse
mitgeteilt. Die „Beschreibung des Sachverhalts“ in der beigefügten Tabelle gibt die
Erstmeldung zum Vorfall wieder.
Die Vorfälle wurden disziplinar gewürdigt sowie – bei Vorliegen der
Voraussetzungen – an die Staatsanwaltschaft zur Strafverfolgung abgegeben.
8. Wie gestaltet sich die Zuordnung zur Art der extremistischen Betätigung,
zum Dienstgrad, zur Beschäftigung als Freiwillig Wehrdienst Leistender,
zum Soldat auf Zeit (unter Angabe der bis zur Erkennung als
Rechtsextremist geleisteten Dienstzeit), Berufssoldat (jeweils mit Dienstgrad), zivile
Mitarbeiter zu den zwischen den Jahren 2010 und 2012 erkannten 76
Rechtsextremisten?
Welche Maßnahmen hat die Bundeswehr jeweils gegen diese 76 Personen
durchgeführt (einschließlich disziplinarrechtlicher Maßnahmen und
Verwendungseinschränkungen)?
Auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 3 der Kleinen Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. vom 9. August 2013 (Bundestagsdrucksache 17/14670) wird
verwiesen. In dieser Antwort wurde mitgeteilt, dass eine Person noch Dienst
leistet. Sie ist Stabsgefreiter im Rechtsstatus Soldat auf Zeit, Diensteintritt
Oktober 2008. Der Soldat wurde im November 2012 als Rechtsextremist bewertet.
Nach Disziplinar- und Strafverfahren wurde die Dienstzeit verkürzt, der Soldat
unterliegt Verwendungseinschränkungen und einer strengen Dienstaufsicht. Das
jetzige Dienstzeitende ist im September 2014.
9. Welche Maßnahmen hat die Bundeswehr gegen jene 67
Bundeswehrsoldaten, die im Bericht des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages
(vgl. Anlage zur Antwort der Bundesregierung zu Frage 15 auf
Bundestagsdrucksache 17/14670) 2012 als Verdachtsfälle rechtsextremistischer
„besonderer Vorkommnisse“ gemeldet worden sind, ergriffen (bitte jeweils die
laufende Nummer angeben und bei Zeitsoldaten angeben, wie viele Jahre
sie bereits im Dienst waren)?
Bei den in der Anlage zu der Antwort zu Frage 15 auf Bundestagsdrucksache
17/14670 aufgelisteten Fällen handelte es sich nicht um 67 einzelne Soldaten,
sondern um 67 Meldungen; daran waren teilweise mehrere Soldaten beteiligt,
teilweise konnte kein Täter ermittelt werden. In jedem Einzelfall werden die
gesetzlichen und personalrechtlichen Maßnahmen geprüft und angewandt, wenn
zureichende tatsächliche Anhaltspunkte gegen Einzelpersonen vorliegen. Im
Übrigen wird zur statistischen Erhebung auf die Antwort zu Frage 3 auf
Bundestagsdrucksache 17/14670 verwiesen.
Drucksache 18/2234 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode10. Gehört zu den disziplinarrechtlichen Möglichkeiten bzw. zu den
möglichen Verwendungseinschränkungen auch das Verbot, als Ausbilder
eingesetzt zu werden, und wenn ja, inwiefern wurden jene Soldatinnen und
Soldaten, die in der Vergangenheit als Rechtsextremisten erkannt bzw. denen
besondere Vorkommnisse wegen rechtsextremer Betätigung zugeordnet
wurden, dennoch weiterhin als Ausbilder beschäftigt?
Die Wehrdisziplinarordnung (WDO) regelt die Disziplinarmaßnahmen
abschließend. Ein Verbot, als Ausbilder eingesetzt zu werden, gehört nicht dazu.
Eines ausdrücklichen gesetzlichen Verbots bedarf es nicht. Die Vorgesetzten
entscheiden über den Einsatz als Ausbilder.
11. Inwiefern sieht die Bundesregierung Bedarf für eine Erweiterung der
disziplinarrechtlichen Möglichkeiten sowie der
Verwendungseinschränkungen für rechtsextreme Soldaten?
Ein Bedarf für eine Erweiterung der disziplinarrechtlichen Möglichkeiten wird
nicht gesehen. Auf die weitergehenden Ausführungen in der Antwort zu Frage 12
wird verwiesen.
12. Welche Möglichkeiten gibt es für die Bundeswehr, Soldatinnen und
Soldaten auf Zeit, deren Dienstzeit schon länger als vier Jahre beträgt, sowie
Berufssoldatinnen und Berufssoldaten wegen rechtsextremistischer
Betätigung vorzeitig zu entlassen (bitte möglichst ausführlich unter Nennung
der jeweiligen Rechtsgrundlage aufführen)?
Bei Soldatinnen und Soldaten auf Zeit ab dem fünften Dienstjahr sowie bei
Berufssoldatinnen und Berufssoldaten ist eine Entlassung regelmäßig nur im
gerichtlichen Disziplinarverfahren möglich. Dabei handelt es sich um die
gerichtliche Disziplinarmaßnahme „Entfernung aus dem Dienstverhältnis“, die in § 58
in Verbindung mit § 63 WDO geregelt ist. Die Maßnahme wird durch die
Wehrdienstgerichte, die wie alle Gerichte in der Urteilsfindung unabhängig sind,
ausgesprochen. Die zu verhängende Maßnahme bestimmt sich nach der Eigenart
und Schwere des Dienstvergehens und seinen Auswirkungen, dem Maß der
Schuld sowie der Persönlichkeit, der bisherigen Führung und den
Beweggründen der Soldatin oder des Soldaten (§ 38 Absatz 1 WDO). Die
Wehrdienstgerichte können deshalb auch weniger schwer wiegende gerichtliche
Disziplinarmaßnahmen wie Kürzung der Dienstbezüge, Beförderungsverbot, Herabsetzung
in der Besoldungsgruppe oder Dienstgradherabsetzung verhängen.
Wenn sich das beobachtete Verhalten als schwerwiegender schuldhafter Verstoß
gegen die politische Treuepflicht nach § 8 des Soldatengesetzes (SG) erweist,
wird stets die Einleitung eines gerichtlichen Disziplinarverfahrens gemäß § 93
Absatz 1 WDO geprüft.
Ohne gerichtliches Disziplinarverfahren können nach Ablauf von vier
Dienstjahren entlassen werden:
– Soldatinnen und Soldaten auf Zeit, wenn sie sich als Laufbahnanwärterinnen
und Laufbahnwärter für ihre jeweilige Laufbahn nicht eignen (§ 55 Absatz 4
Satz 2 SG). Das Einhalten der politischen Treuepflicht gilt als ein
Eignungsmerkmal.
– Leutnante bis zum Ende ihres dritten Dienstjahres als Offizier, spätestens vor
dem Ende des zehnten Jahres der Gesamtdienstzeit in der Bundeswehr,
wegen mangelnder Eignung als Berufsoffizier (§ 46 Absatz 8 SG).
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/2234Verwirklicht das extremistisch motivierte Fehlverhalten der Soldatin oder des
Soldaten zugleich den Tatbestand einer Straftat nach dem Strafgesetzbuch
(StGB) ergeben sich weitere Möglichkeiten zur Beendigung des
Dienstverhältnisses. Führt die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr
wegen einer vorsätzlich begangener Tat oder wegen Straftaten nach den
Vorschriften über Friedensverrat, Hochverrat, Gefährdung des demokratischen
Rechtsstaates oder Landesverrat und Gefährdung der äußeren Sicherheit (§§ 80
bis 100a StGB), so ist die Rechtsfolge kraft Gesetzes der Verlust der
Rechtsstellung als Berufssoldatin oder als Berufssoldat (§ 48 Satz 1 Nummer 3 SG). Die
gleiche Folge (Beendigung des Dienstverhältnisses) tritt bei einer Soldatin oder
einem Soldaten auf Zeit ein (§ 54 Absatz 2 Nummer 2 SG). Zugleich steht eine
solche Verurteilung einer (erneuten) Berufung in das Dienstverhältnis einer
Soldatin auf Zeit oder eines Soldaten auf Zeit, einer Berufssoldatin oder eines
Berufssoldaten entgegen (§ 38 Absatz 1 Nummer 1 SG).
13. Wie beurteilt die Bundesregierung diese Möglichkeiten zur vorzeitigen
Entlassung rechtsextremistischer Soldatinnen und Soldaten, und
inwiefern sieht sie gesetzgeberischen Handlungsbedarf, um die Möglichkeiten
zur vorzeitigen Entlassung von Soldatinnen und Soldaten zu erweitern?
Welche Maßnahmen will sie hierzu ggf. ergreifen und bis wann?
Die Bundesregierung hält die bestehenden gesetzlichen
Entlassungsmöglichkeiten für ausreichend.
14. Hat die Bundeswehr inzwischen das in der Antwort zu Frage 12 auf
Bundestagsdrucksache 17/14670 angekündigte Konzept zur Erfassung und
Bewertung der Inneren und Sozialen Lage in der Bundeswehr erstellt, und
wenn ja, was sind seine Grundzüge, und inwiefern ist es der Bundeswehr
jetzt möglich, nachzuvollziehen, wie viele der dem Wehrbeauftragten
gemeldeten Vorkommnisse sich bestätigen?
Wenn nein, warum nicht, und bis wann rechnet die Bundesregierung mit
der Fertigstellung?
Das Konzept zur Erfassung und Bewertung der Inneren und Sozialen Lage in der
Bundeswehr ist in Bearbeitung. Mit einem Abschluss wird im Laufe des Jahres
2014 gerechnet. Dieses Konzept soll Erkenntnisse aus Meldeverfahren und
Berichtspflichten zur Bewertung der Inneren und Sozialen Lage zusammentragen.
In diesem Zusammenhang werden auch die rechtlichen und tatsächlichen
Möglichkeiten geprüft, um die vom Disziplinarvorgesetzten und die von der
Personalführung in diesen Fällen getroffenen Maßnahmen sowie einen Abschluss
des Strafverfahrens nachvollziehen zu können.
15. Welche weiteren Maßnahmen will die Bundesregierung in
Zusammenhang mit der Bekämpfung von Rechtsextremisten in der Bundeswehr
ergreifen?
Die Bundesregierung ist nachdrücklich bestrebt, Extremisten aller politischen
oder weltanschaulichen Richtungen aus der Bundeswehr fernzuhalten, nicht nur
Rechtsextremisten. Deshalb kommt u. a. dem Einstellungsverfahren von
Bewerberinnen und Bewerbern eine besondere Bedeutung zu. Die Personenauswahl
erfolgt mit entsprechender Sorgfalt. Beamtinnen und Beamte, Soldatinnen und
Soldaten müssen die freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht nur
anerkennen, sondern durch ihr gesamtes Verhalten in und außer Dienst für deren
Erhaltung eintreten. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Bundeswehr
Drucksache 18/2234 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodesind verpflichtet, sich durch ihr gesamtes Verhalten zur freiheitlich-
demokratischen Grundordnung zu bekennen (siehe dazu Rundschreiben BMI – D I 3 – 210
152/7 vom 4. Februar 1993).
Bereits vor Einstellung in die Bundeswehr ist deshalb im Rahmen der Prüfung
der Verfassungstreue von den Bewerberinnen und Bewerbern eine Erklärung zur
Treuepflicht zum Grundgesetz als Teil des Bewerbungsbogens (bei Bewerbern
für den soldatischen Dienst) bzw. Personalbogens (bei Bewerbern für zivile
Tätigkeiten) zu unterzeichnen.
Die ergänzenden Maßnahmen zur Vorbeugung und die Maßnahmen zur
Bekämpfung werden in einer auf Grundlage der bisher gültigen Einzelerlasse und
Weisungen neu erstellten Zentralen Dienstvorschrift mit dem Titel
„Extremismus – Vorbeugung und Bekämpfung in der Bundeswehr“ umfassend aufgeführt.
Die Herausgabe wird noch in diesem Jahr erfolgen.
Diese Zentrale Dienstvorschrift soll alle Vorgesetzten der Bundeswehr noch
intensiver mit dem Thema Extremismus vertraut machen, um ihrer Verantwortung
gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Zusammenhang mit
Erscheinungsformen des Extremismus gerecht zu werden. Zugleich sollen
Vorgesetzte noch besser in die Lage versetzt werden, extremistische Bestrebungen und
Verhaltensweisen frühzeitig zu erkennen und konsequent dagegen vorzugehen.
Die Vorschrift regelt Verantwortlichkeiten und gibt notwendige Handreichungen
und Informationen, um Vorgesetzte zu befähigen, ihre Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen wirksam aufzuklären und durch Aus-, Fort- und Weiterbildung das
rechtstaatliche Bewusstsein bundeswehrweit weiter zu festigen und
Erscheinungsformen des Extremismus zu unterbinden. Darüber hinaus richten sich die
beschriebenen Inhalte dieser Vorschrift auch an alle Beschäftigten der
Bundeswehr.
16. Wie erklärt es die Bundesregierung, dass die Quote der vorzeitig
entlassenen Soldatinnen und Soldaten, die vom MAD als islamistische
Extremisten erkannt worden sind, mit sechs von neun wesentlich höher ist als die
Quote der vorzeitig entlassenen Rechtsextremisten (18 von 75)?
Eine Entlassung ist nach den gesetzlichen Voraussetzungen der Bestimmungen
des Soldatengesetzes und der Wehrdisziplinarordnung vorzunehmen und
verlangt gerichtsfeste Beweise. Welche Beweise in welcher Qualität vorliegen, ist
eine Tatsachenfrage, die in jedem Einzelfall unterschiedlich ist.
17. Wie viele Soldatinnen und Soldaten wurden im Jahr 2013 wegen
islamistischer Betätigung erkannt bzw. dem Wehrbeauftragten gemeldet, und
welche Maßnahmen hat die Bundeswehr jeweils gegen diese ergriffen
(bitte vollständig aufführen)?
Der MAD schloss im Bereich des Islamismus im Jahr 2013 sieben
Verdachtsfälle mit dem Ergebnis „erkannter Extremist“ ab:
– zwei Soldaten auf Zeit aus der Laufbahngruppe der Unteroffiziere
(Dienstgrad: Stabsunteroffizier),
– zwei Soldaten auf Zeit aus der Laufbahngruppe der Mannschaften
(Dienstgrad: Stabsgefreiter und Hauptgefreiter),
– drei freiwillig Wehrdienstleistende aus der Laufbahngruppe der
Mannschaften (Dienstgrad: Obergefreiter und Hauptgefreiter).
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/2234Von den sieben Islamisten wurden vier vorzeitig entlassen und einer schied auf
eigenen Wunsch vorzeitig aus. Bei den übrigen beiden erfolgte die Einstufung
zum Extremisten zum Dienstzeitende.
18. Wie viele Soldatinnen und Soldaten wurden im Jahr 2013 als Extremisten
in anderen politischen Phänomenbereichen erkannt bzw. dem
Wehrbeauftragten gemeldet, und welche Maßnahmen hat die Bundeswehr jeweils
gegen diese ergriffen (bitte Art der Betätigung angeben und vollständig
aufführen)?
Der MAD hat im Bereich des Ausländerextremismus im Jahr 2013 einen
Verdachtsfall mit dem Ergebnis „erkannter Extremist“ abgeschlossen. Der Soldat
war Obergefreiter mit dem Status freiwillig Wehrdienstleistender und zeigte eine
Nähe zu einer ausländerextremistischen Organisation. Die Einstufung zum
Extremisten erfolgte zum Dienstzeitende.
Im Bereich des Linksextremismus wurden im Jahr 2013 keine Fälle mit dem
Ergebnis „erkannter Extremist“ abgeschlossen.
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ISSN 0722-8333]