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Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Konversion von Uranhexafluorid zu Uranoxid aus der Urananreicherungsanlage Gronau der Firma URENCO in Frankreich und Großbritannien

Lagermenge an Uranhexafluorid (UF6) im Freilager der Urananreicherungsanlage Gronau, Entsorgungs- und Sicherheitsaspekte, Verzögerung des Transports abgereicherten UF6 zur Dekonversion nach Frankreich, Transportmengen 2014/2015, Inbetriebnahme der Urankonversionsanlage in Capenhurst, Umwandlungskapazität, Rücktransport des umgewandelten Urans oder dortige Lagerung, Lagerkapazität, Kosten der Dekonversion in Frankreich bzw. in Großbritannien, Planungsstand bzgl. des neuen Uranlagers in Gronau<br /> (insgesamt 12 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Datum

18.08.2014

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/225330.07.2014

Konversion von Uranhexafluorid zu Uranoxid aus der Urananreicherungsanlage Gronau der Firma URENCO in Frankreich und Großbritannien

der Abgeordneten Hubertus Zdebel, Herbert Behrens, Ralph Lenkert, Eva Bulling-Schröter und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

In der Urananreicherungsanlage der URENCO in Gronau fällt in großen Mengen abgereichertes Uranhexafluorid (UF6) an. Dieses radioaktive und toxische Material lagert in Gronau unter freiem Himmel. Aufgrund der damit verbundenen Risiken soll das UF6 möglichst zügig in die erheblich stabilere Form des Uranoxids (U3O8) umgewandelt werden. Diese so genannte Dekonversion erfolgt bislang in einer Anlage der AREVA im französischen Pierrelatte. Doch aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Transporte und Lagerung von Uranhexafluorid und Uranoxid im Zusammenhang mit der Urananreicherung in Gronau“ (Bundestagsdrucksache 18/1726) wird klar, dass das anfallende abgereicherte UF6 aus Gronau nur zögerlich zur Umwandlung dorthin transportiert wird.

Am Standort steigen die Mengen von abgereichertem UF6, das unter freiem Himmel gelagert wird, immer mehr an. Zuletzt teilte die Bundesregierung im Juni 2014 mit, dass derzeit rund 12 500 Tonnen abgereichertes Uran in Gronau unter freiem Himmel lagern (Bundestagsdrucksache 18/1726). Ende des Jahres 2012 lagerten lediglich 6 700 Tonnen abgereichertes UF6 in Gronau (Bundestagsdrucksache 17/12943).

Eine Einlagerung dieses riskanten Materials in das neue Atommülllager, das in den nächsten Monaten ohne jede zeitliche Befristung in Betrieb gehen soll, ist rechtlich nicht zulässig.

Das abgereicherte Uran aus der URENCO-Urananreicherungsanlage in Gronau galt bislang offiziell als Wertstoff, weil der Betreiber eine künftige Verwertung erklärt hat. Einen konkreten Verwertungsnachweis musste URENCO dafür bislang nicht erbringen (Bundestagsdrucksache 18/1726).

Im britischen Capenhurst errichtet URENCO eine Anlage zur Dekonversion von UF6 zu U3O8, die nach der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Umgang mit abgereichertem Uran der URENCO und der Urananreicherungsanlage in Gronau“ (Bundestagsdrucksache 17/12943) im Jahr 2015 in Betrieb gehen soll. Anzunehmen ist, dass die URENCO künftig die Dekonversion der in Gronau anfallenden Mengen von abgereichertem UF6 in Capenhurst durchführen wird.

Drucksache 18/2253 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode

Wir fragen die Bundesregierung:

  • Wie bewertet die Bundesregierung unter Entsorgungs- und Sicherheitsaspekten die stetig wachsende Menge an Uranhexafluorid in dem Freilager an der Urananreicherungsanlage Gronau?
  • Wie viel Uranhexafluorid wird im Freilager an der Urananreicherungsanlage Gronau aktuell gelagert?
  • Aus welchen Gründen unterbleibt bzw. verzögert sich derzeit der Abtransport der in Gronau anfallenden Mengen von abgereichertem UF6 zur Dekonversion nach Frankreich?
  • Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass eine längere Lagerung von abgereichertem Uran in der Form von UF6 mit höheren Risiken verbunden ist, als die umgehende Umwandlung von UF6 zu U3O8 und anschließende Lagerung?
  • Ist es nach Kenntnis der Bundesregierung zutreffend, dass die Kosten für eine Dekonversion in Frankreich für die URENCO höher liegen, als die zu erwartenden Kosten für eine Dekonversion in der Anlage in Capenhurst, und dass die URENCO daher auf eine umgehende Dekonversion in Frankreich derzeit verzichtet?
  • Welche Mengen von abgereichertem Uran in Form von UF6 sollen von Gronau in den Jahren 2014 und 2015 noch zur Dekonversion nach Frankreich transportiert werden?
  • Wann geht nach Informationen der Bundesregierung die neue Urankonversionsanlage der URENCO in Capenhurst in Betrieb, und über welche Umwandlungskapazität wird die Anlage bei Volllast verfügen?
  • Ab wann werden nach Kenntnis der Bundesregierung die ersten Lieferungen von abgereichertem UF6 aus Gronau nach Capenhurst erfolgen?
  • Wann sollen nach Kenntnis der Bundesregierung die ersten Mengen von abgereichertem UF6 aus Gronau in Capenhurst zu U3O8 umgewandelt werden?
  • Ist vorgesehen, dass nach der Konversion des abgereicherten UF6 aus Gronau zu U3O8 in Capenhurst ein Rücktransport dieser umgewandelten Mengen zum Standort Gronau erfolgen wird? Wenn nein, trifft es nach Kenntnis der Bundesregierung zu, dass das zu U3O8 umgewandelte Uran als Wertstoff dauerhaft am Standort Capenhurst gelagert wird?
  • Wie groß ist die Lagerkapazität für U3O8 in dem neuen Lager am Standort Capenhurst nach Kenntnis der Bundesregierung, und wann ist die Inbetriebnahme geplant?
  • Wann genau soll das neue Uranlager in Gronau nach derzeitigem Planungsstand offiziell in Betrieb gehen?

Fragen12

1

Wie bewertet die Bundesregierung unter Entsorgungs- und Sicherheitsaspekten die stetig wachsende Menge an Uranhexafluorid in dem Freilager an der Urananreicherungsanlage Gronau?

2

Wie viel Uranhexafluorid wird im Freilager an der Urananreicherungsanlage Gronau aktuell gelagert?

3

Aus welchen Gründen unterbleibt bzw. verzögert sich derzeit der Abtransport der in Gronau anfallenden Mengen von abgereichertem UF6 zur Dekonversion nach Frankreich?

4

Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass eine längere Lagerung von abgereichertem Uran in der Form von UF6 mit höheren Risiken verbunden ist, als die umgehende Umwandlung von UF6 zu U3O8 und anschließende Lagerung?

5

Ist es nach Kenntnis der Bundesregierung zutreffend, dass die Kosten für eine Dekonversion in Frankreich für die URENCO höher liegen, als die zu erwartenden Kosten für eine Dekonversion in der Anlage in Capenhurst, und dass die URENCO daher auf eine umgehende Dekonversion in Frankreich derzeit verzichtet?

6

Welche Mengen von abgereichertem Uran in Form von UF6 sollen von Gronau in den Jahren 2014 und 2015 noch zur Dekonversion nach Frankreich transportiert werden?

7

Wann geht nach Informationen der Bundesregierung die neue Urankonversionsanlage der URENCO in Capenhurst in Betrieb, und über welche Umwandlungskapazität wird die Anlage bei Volllast verfügen?

8

Ab wann werden nach Kenntnis der Bundesregierung die ersten Lieferungen von abgereichertem UF6 aus Gronau nach Capenhurst erfolgen?

9

Wann sollen nach Kenntnis der Bundesregierung die ersten Mengen von abgereichertem UF6 aus Gronau in Capenhurst zu U3O8 umgewandelt werden?

10

Ist vorgesehen, dass nach der Konversion des abgereicherten UF6 aus Gronau zu U3O8 in Capenhurst ein Rücktransport dieser umgewandelten Mengen zum Standort Gronau erfolgen wird?

Wenn nein, trifft es nach Kenntnis der Bundesregierung zu, dass das zu U3O8 umgewandelte Uran als Wertstoff dauerhaft am Standort Capenhurst gelagert wird?

11

Wie groß ist die Lagerkapazität für U3O8 in dem neuen Lager am Standort Capenhurst nach Kenntnis der Bundesregierung, und wann ist die Inbetriebnahme geplant?

12

Wann genau soll das neue Uranlager in Gronau nach derzeitigem Planungsstand offiziell in Betrieb gehen?

Berlin, den 30. Juli 2014

Dr. Gregor Gysi und Fraktion

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