[Deutscher Bundestag Drucksache 18/2355
18. Wahlperiode 15.08.2014Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Niema Movassat, Heike Hänsel,
Jan van Aken, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/2229 –
Grüne Zentren als Strategie zur nachhaltigen Hungerbekämpfung und ländlichen
Entwicklung
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung,
Dr. Gerd Müller, hat in den letzten Monaten mehrmals angekündigt,
gemeinsam mit der deutschen Agrarwirtschaft in den kommenden Jahren zehn Grüne
Zentren für nachhaltige landwirtschaftliche Wertschöpfung aufzubauen.
Dieses Vorhaben ist sowohl ein Kernpunkt der neuen afrikapolitischen Initiative
des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) als auch der BMZ-Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“. Der
Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd
Müller, formulierte in einer Bundestagsrede vom 21. März 2014 den Anspruch
„im Rahmen dieser Leuchtturmprojekte … [zu] zeigen, wie sich in Afrika eine
nachhaltige Landwirtschaft entwickeln lässt“.
Bisher sind nur wenige Details über die geplanten Grünen Zentren an die
Öffentlichkeit gedrungen. In öffentlichen Stellungnahmen und halb-öffentlichen
Diskussionspapieren werden zwei Hauptziele formuliert, die das BMZ mit der
Etablierung dieser Zentren offiziell verbindet: Hunger- und
Armutsbekämpfung (vgl. „Afrika kann sich selbst ernähren“, Die neue Afrika-Politik des
BMZ, S. 8) einerseits, die „Begleitung des Strukturwandels“ im ländlichen
Raum (Antwort der Bundesregierung auf die Schriftlichen Fragen 119 und 120
auf Bundestagsdrucksache 18/1378) sowie die „Entwicklung eines modernen
Berufsbildes in der Landwirtschaft“ (E+Z 6/2014, Impulse für den
Strukturwandel) andererseits. Als zentrale Zielgruppe der Grünen Zentren identifiziert
das BMZ „kleinbäuerliche Betriebe, die entweder bereits für den Markt
produzieren oder an einer Marktintegration interessiert sind“ (Antwort auf die
Schriftlichen Fragen 119 und 120 auf Bundestagsdrucksache 18/1378).
Die geplanten Grünen Zentren sollen eine Kombination aus
Forschungseinrichtung, Demonstrationsbetrieb, Landwirtschaftsschule und Zentrale für
dezentrale Aus-, Weiterbildungs- und Beratungsangebote darstellen
(Diskussionsentwurf des BMZ vom 15. April 2014). Dabei geht das BMZ davon aus,
dass „die Modernisierung und Professionalisierung der bäuerlichen
Landwirtschaft […] die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln auf dem Land [steigert]“ Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung vom 13. August 2014 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/2355 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode(E+Z 6/2014) und dass „die Erhöhung der nationalen Eigenversorgung mit
Nahrungsmitteln […] die Abhängigkeit von schwankenden Weltmarktpreisen
[reduziert]“ (Diskussionsentwurf). Zudem sollen die Grünen Zentren die
„Marktintegration“ bäuerlicher Betriebe fördern und zur Schaffung einer
„Exportbasis“ der heimischen Landwirtschaft beitragen (ebenda).
Die genauen Standorte und Kooperationspartner der Grünen Zentren stehen
bisher – mit der Ausnahme Malis – noch nicht fest. Die Auswahl soll in enger
Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft in Deutschland und den Kooperationsländern erfolgen, das BMZ möchte
„partizipativ entwickelte Partnerstrategien“ (Antwort auf die Schriftlichen
Fragen 119 und 120 auf Bundestagsdrucksache 18/1378). In diesem Frühjahr
haben Gespräche mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und
der deutschen Privatwirtschaft stattgefunden, um die Pläne für die Grünen
Zentren zu konkretisieren. Bei diesen Gesprächen nannte das BMZ folgende
mögliche „Fokusländer für Innovationszentren“: Äthiopien, Mauretanien, Mali,
Tunesien, Ghana, Togo, Benin, Malawi, SADC (Südafrikanische
Entwicklungsgemeinschaft) und Indien (vgl. Powerpoint-Präsentation – PPP – „Aufbau
zehn grüner Innovationszentren zur Förderung agrarischer
Wertschöpfungsketten“, Folie 12, 9. April 2014). Die Privatwirtschaft hat Interesse an
Kooperationen mit Äthiopien, Kenia, Ghana und Tunesien bekundet und darüber hinaus
die Aufnahme der Elfenbeinküste, Mosambiks und Tansanias in die Länderliste
angeregt (Ergebnisvermerk des Treffens mit der Privatwirtschaft am 9. April
2014, S. 2). Auffallend ist, dass die Länder mit den höchsten
Welthungerindices (siehe Welthungerhilfeindex 2013) in diesen Listen weitgehend fehlen.
Ausnahmen bilden Äthiopien, Indien und Tansania. In Malawi und Indien
haben nach Information der Fragesteller im Mai/Juni 2014 bereits
Vorabsondierungen für die mögliche Etablierung solcher Zentren stattgefunden.
Das BMZ nennt vier Aktionsfelder für eine Kooperation mit der
Privatwirtschaft im Rahmen der Grünen Zentren (vgl. PPP, Folie 15): Ausbildung,
Innovative Geschäftsmodelle, Finanzierungsmöglichkeiten und Verbesserung der
Produktionsprozesse. Als Positivbeispiele für solche Kooperationen verweist
die Bundesregierung wiederholt auf die German Food Partnership (GFP) (vgl.
PPP, Folie 16 bis 21). Allerdings kritisieren NGOs an der GFP, dass die
Bundesregierung dabei „unter dem Deckmantel der Hunger- und
Armutsbekämpfung einseitig die Wirtschaftsinteressen von Agrarkonzernen“ bediene
(OXFAM 2014, Gefährliche Partnerschaften, S. 13). Ähnliche Befürchtungen
äußern NGOs bereits auch gegenüber den Grünen Zentren (vgl. VENRO http://
venro.org/index.php?id=1608).
Die Eingliederung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in
Wertschöpfungsketten, an denen auch große Agrarunternehmen beteiligt sind – eine Strategie,
die das BMZ sowohl bei der GFP als auch bei den Grünen Zentren verfolgt –
hält beispielsweise das Forum Umwelt und Entwicklung aus mehreren
Gründen für keine erfolgsversprechende Entwicklungsstrategie: a) die Mehrheit der
Kleinproduzentinnen und -Produzenten bleibe aus diesen
Wertschöpfungsketten ausgeschlossen, b) für den Rest bedeute die meist damit einhergehende
Vertragslandwirtschaft einen Kontrollverlust, und c) der Schaffung von
(formellen) Arbeitsplätzen durch den Aufbau solcher Wertschöpfungsketten stehe die
Zerstörung einer erheblichen Zahl von (informellen) Arbeitsplätzen gegenüber
(,Business Case‘ Hungerbekämpfung, 2013, S. 3). Daher plädiert ein von UK
Aid und dem International Institute for Environment und Development (IIED)
herausgegebener Expertenbericht dafür „[to] meet[ing] small-scale farmers in
their markets“ (Titel der Studie, 2013). Anstatt neue, meist höchst exklusiv
wirkende Strukturen im Nahrungsmittelsektor aufzubauen, müsse die
Entwicklungszusammenarbeit bereits bestehende, meist informelle Netzwerke
zwischen Produzenten, Händlern, Verarbeitern und Konsumenten aufwerten und
stärken.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/23551. Woher kam der Anstoß, Grüne Zentren als Instrument der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit (EZ) zu etablieren?
Die Entscheidung zum Ausbau von Grünen Innovationszentren zur Steigerung
agrarischer Wertschöpfung fußt auf der Erkenntnis, dass Innovation im Laufe
der letzten Jahrzehnte weltweit zur treibenden Kraft einer umweltverträglichen
Produktionssteigerung in der Landwirtschaft geworden ist. Längst ist es nicht
mehr der wachsende Einsatz etwa von Fläche, Wasser und Dünger, sondern das
Wissen um deren effizienten und effektiven Einsatz.
2. Schließt die Initiative der Grünen Zentren an positive Erfahrungen der
deutschen EZ mit bereits bestehenden Aus- und Weiterbildungszentren im
Landwirtschaftssektor an?
Wenn ja, an welche?
Die Initiative sieht vor, die kleinbäuerlichen Betriebe und die nationale Agrar-
und Ernährungswirtschaft über bestehende Strukturen zu fördern, d. h. auch
über bestehende Aus- und Weiterbildungszentren. Die Auswahl geeigneter
Institutionen oder Netzwerke erfolgt im Zuge der größtenteils noch
durchzuführenden Prüfungen in den Ländern.
3. Wie soll die Wirkungskette aussehen, zu denen die Grünen Zentren einen
Beitrag leisten sollen?
Wie genau sollen dadurch vorhandene Wirkungsketten bisheriger
Landwirtschaftsprojekte verbessert und ergänzt werden, und warum?
Was ist in den vorherigen Projekten nicht gut gelaufen, um eine
Überarbeitung der bisherigen Wirkungsketten notwendig erscheinen zu lassen?
Die Förderung der Ernährungssicherung auf lokaler und nationaler Ebene und
der ländlichen Entwicklung ist das Hauptziel des Vorhabens. Die Wirkungen,
die durch die Förderung von Innovationsprozessen entlang ausgewählter
Wertschöpfungsketten und durch die bessere Zusammenarbeit mit Dienstleistern der
beruflichen Bildung und Beratung entstehen, tragen zur Entwicklung der
ländlichen Regionen bei. Das Vorhaben baut auf den bisher erreichten Wirkungen der
bestehenden bilateralen und regionalen Vorhaben in den Partnerländern auf.
Erprobte Ansätze der Förderung und Optimierung von landwirtschaftlichen
Wertschöpfungsketten, zur besseren Zusammenarbeit zwischen Anbietern von
Dienstleistungen und kleinbäuerlichen Betrieben sowie Unternehmen der
nationalen Agrar- und Ernährungswirtschaft werden aufgegriffen, um deren
Breitenwirksamkeit zu erhöhen.
4. Ist die Initiative für das Modell der Grünen Zentren in Zusammenarbeit mit
den NGOs, die insbesondere im landwirtschaftlichen Sektor der
Entwicklungszusammenarbeit langjährige Erfahrungen gemacht haben, entstanden?
Wenn ja, mit welchen, und wie und in welchen Schritten verlief der
gemeinsame Vorbereitungsprozess?
Die Konzeption der Grünen Zentren wird seit Beginn der Initiative auch mit
entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen, die Erfahrungen in den
Bereichen ländlicher Entwicklung, Landwirtschaftsförderung und
Ernährungssicherung aufweisen, sowie Institutionen der deutschen und internationalen
Entwicklungsforschung diskutiert und gemeinsam konkretisiert. Das Angebot zur
Zusammenarbeit richtet sich an alle entsprechenden
Nichtregierungsorganisationen, die im „Arbeitskreis Welternährung“ mitwirken.
Drucksache 18/2355 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode5. Haben Regierungen aus Entwicklungsländern solch eine Initiative der
Bundesregierung vorgeschlagen bzw. gefordert?
Wenn ja, welche?
Die Afrikanische Union hat in ihrem Agrarentwicklungsprogramm CAADP
(Comprehensive African Agriculture Development Programme)
Agrarforschung und Agrarinnovationsförderung als einen von vier
Handlungsschwerpunkten benannt und die Geberländer zur Unterstützung aufgerufen.
6. Ist die Initiative für das Modell der Grünen Zentren in Zusammenarbeit mit
den NGOs, die Erfahrung im Bereich ländliche Entwicklung aufweisen,
entstanden?
Wenn ja, mit welchen, und wie verlief der gemeinsame
Vorbereitungsprozess?
Auf die Antwort zu Frage 4 wird verwiesen.
7. Nach welchen Kriterien wählt die Bundesregierung die Staaten aus, in
denen Grüne Zentren etabliert werden sollen?
Entscheidende Auswahlkriterien sind eine entsprechende Bedarfslage im Land
und Interessenlage bei der dortigen Regierung, Anschlussfähigkeit an
bestehende Aus- und Weiterbildungszentren sowie Anbindungsfähigkeit an bereits
laufende Programme der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
8. Werden zehn Grüne Zentren in Afrika entwickelt, wie es die Afrika-
Strategie des BMZ vorgibt, oder sollen weltweit zehn Grüne Zentren gegründet
werden, wie dies in anderen Dokumenten des BMZ steht?
Eindeutiger regionaler Schwerpunkt der Initiative zum Aufbau der Grünen
Zentren ist Afrika. Der Aufbau weiterer Grüner Zentren außerhalb Afrikas ist nicht
ausgeschlossen, sofern hierfür ein besonderer entwicklungspolitischer Nutzen
erkennbar ist und die genannten Auswahlkriterien (siehe Antwort zu Frage 7)
erfüllt sind. Derzeit wird die Möglichkeit eines solchen Aufbaus in Indien geprüft.
9. Warum fehlen in der Länderliste für die Grünen Zentren des BMZ mit
Ausnahme Äthiopiens (afrikanische) Länder, die besonders hohe
Hungerindices aufweisen?
Von den afrikanischen Ländern, die die Bundesregierung in die engere Wahl für
den Aufbau Grüner Zentren gezogen hat, haben gemäß Welthungerindex 2013
Äthiopien, Burkina Faso und Sambia einen „sehr ernsten“ Schweregrad des
Hungers, die Länder Benin, Malawi, Nigeria, Mali, Kamerun, Kenia und Togo
einen „ernsten“ Schweregrad des Hungers. In diesen Ländern wird die
Innovationsförderung einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherung leisten.
Darüber hinaus ist der Aufbau der Grünen Zentren nur einer von insgesamt sechs
Handlungsschwerpunkten der Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“.
Komplementär zur Hungerbekämpfung durch Förderung von agrarischer Innovation
werden in den Handlungsfeldern „Ernährungssicherung“ und
„Resilienzsteigerung“ sehr gezielt Maßnahmen zur Bekämpfung von Unter- und
Mangelernährung in Ländern mit hohen Hungerindices ergriffen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/235510. Gehen der Planung der Grünen Zentren Strukturerhebungen in den
jeweiligen Staaten voraus, in denen eine Analyse der herrschenden Situation
und der vorhandenen Potentiale der heimischen Landwirtschaft
vorgenommen wird?
Wenn ja, wie schauen diese Erhebungen aus, und welche Ergebnisse
liegen dazu vor?
In Kooperation mit den Partnerländern wurden Länderkurzkonzepte erarbeitet,
die eine Grundlage für die Projektprüfungen bilden. Die Konzepte bauen auf den
Strategien und Konzepten der Partnerregierungen für ihren Landwirtschafts-,
Ernährungs- und Bildungssektor für den ländlichen Raum auf. Die
Kurzkonzepte wurden der deutschen Zivilgesellschaft am 25. Juli 2014 zur Verfügung
gestellt.
11. Sieht das BMZ bestehende informelle Strukturen in der Produktion und
dem Vertrieb von Nahrungsmitteln als Entwicklungshemmnis an?
Wenn ja, warum?
Nein, informelle Märkte haben eine wichtige Funktion zur Versorgung der
lokalen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln.
12. Werden diese informellen Strukturen bei der Planung der Grünen Zentren
berücksichtigt?
Wenn ja, wie?
Es werden im Zuge der Prüfungen sowohl informelle als auch formelle Märkte
adressiert. Wichtige Auswahlkriterien sind das Partnerinteresse und vor allem
das Potential, die Lebensbedingungen in ländlichen Gebieten zu verbessern.
13. Liegen dem BMZ Zahlen vor, wie viel Prozent der Bäuerinnen und Bauern
in den anvisierten Projektländern lediglich für den Eigenbedarf
produzieren?
Auskunft geben hier die nationalen Statistiken der Partnerregierungen.
14. Sieht das BMZ die beiden Ziele der Grünen Zentren – Hunger- und
Armutsbekämpfung sowie Strukturwandel bzw. Modernisierung – als sich
ergänzend an oder sieht sie auch mögliche Zielkonflikte?
Die weitaus überwiegende Zahl der armen und hungernden Menschen auf der
Welt leben im ländlichen Raum. Modernisierung der Landwirtschaft und
Strukturwandel im ländlichen Raum sind für viele Länder eine zentrale
Voraussetzung für eine dauerhafte Hunger- und Armutsbekämpfung.
15. Was versteht das BMZ unter dem Strukturwandel im ländlichen Raum, der
durch die Grünen Zentren begleitet werden soll?
Was sind zentrale Aspekte dieses Strukturwandels?
Wesentliches Merkmal dieses Strukturwandels ist die Produktivitätssteigerung
durch Modernisierung, Professionalisierung und Marktorientierung einer
bäuerlichen Landwirtschaft bei gleichzeitigem Schutz und nachhaltiger Nutzung der
natürlichen Ressourcen (vor allem Boden, Wasser und Artenvielfalt).
Drucksache 18/2355 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode16. Wie versteht das BMZ seine Rolle in Bezug auf diesen Strukturwandel?
Will das BMZ einen ohnehin unumgänglichen Wandel unterstützen oder
einen solchen Wandel mit anstoßen?
In einigen Ländern wird es eher darauf ankommen, einen solchen Wandel erst
mit anzustoßen. In anderen Ländern bestehen die Chancen für die deutsche
Entwicklungszusammenarbeit vor allem darin, einen bereits eingesetzten Wandel
zielgerichtet zu unterstützen.
17. Wie wird sich nach Meinung des BMZ dieser Strukturwandel auf die
Landwirtschaft als Beschäftigungssektor auswirken?
Viele Länder, vor allem in Afrika, haben enorme Potenziale zur Steigerung der
landwirtschaftlichen Produktion jedes einzelnen bäuerlichen Betriebes. Ziel ist
es, dass der Strukturwandel nicht allein den Kernsektor der landwirtschaftlichen
Produktion erfasst, sondern zum Aufbau einer umfassenden Agrar- und
Ernährungswirtschaft und darüber hinaus zur Diversifizierung und Belebung der
gesamten Wirtschaft des ländlichen Raumes führt. Eine beabsichtige schrittweise
Verlagerung der Beschäftigung aus dem landwirtschaftlichen Kernsektor heraus
hin zu vor- und nachgelagerten Bereichen in der agrarischen
Wertschöpfungskette (z. B. Verarbeitung und Handel) sowie außerhalb der Agrar- und
Ernährungswirtschaft (z. B. Handwerk und Dienstleistungen) wäre vielerorts ein
großer Entwicklungsfortschritt und wichtige Voraussetzung für einen dauerhaften
Sieg über Armut und Hunger.
18. Was versteht das BMZ unter der Entwicklung eines modernen
Berufsbildes in der Landwirtschaft?
Was sind die zentralen Unterschiede zu bestehenden Berufsbildern in der
Landwirtschaft in den jeweiligen Staaten?
In vielen Ländern erfährt die unmittelbare Produktion von Nahrungsmitteln und
sonstigen Agrargütern keine oder nur sehr geringe gesellschaftliche
Wertschätzung. „Landwirt“ ist häufig kein wirklicher qualifizierter Beruf, sondern eine
aus purem Überlebenszwang und großer Not heraus ausgeübte Tätigkeit. Das
Bildungs- und Ausbildungsniveau in der Landwirtschaft ist in der Regel sehr
gering. Die deutsche Entwicklungspolitik verfolgt das Ziel, dass die in der
Landwirtschaft tätigen Menschen qualifiziert sind, wirklich „professionell“ zu
arbeiten: Sie sollen über Wissen, Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen, die sie in die
Lage versetzen, mit einem möglichst geringen Ressourceneinsatz eine
möglichst große Menge marktfähiger Agrarprodukte als Grundlage einer gesunden,
ausgewogenen Ernährung der Bevölkerung in Stadt und Land herzustellen.
19. Geht es bei den Grünen Zentren in erster Linie um die Generierung von
neuem Wissen, oder steht die Wissensvermittlung im Zentrum?
Die Vermittlung von grundsätzlich bereits verfügbarem Wissen steht im
Mittelpunkt. Gleichzeitig erfordert aber der Agrarsektor, beispielsweise im Bereich
der Pflanzenzüchtung, ständig auch die Erzeugung von neuem Wissen, um den
lokal unterschiedlichen Herausforderungen und dem ständigen Wandel
natürlicher Gegebenheiten gerecht zu werden. Daher werden die Grünen Zentren in
der Regel auch Agrarforschungskomponenten beinhalten. Gerade die
Verbindung von Forschung, Lehre, Ausbildung und Beratung verspricht eine hohe
entwicklungspolitische Wirkung und stellt einen zentralen Aspekt der Konzeption
der Grünen Zentren dar.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/235520. Welchen Stellenwert spielt die Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit in den
Grünen Zentren?
Welche Maßnahmen sind dafür vorgesehen?
Der Faktor Bodenfruchtbarkeit spielt für eine Steigerung der
Flächenproduktivität eine wachsende Rolle. Bodenfruchtbarkeit ist in vielen Teilen der Welt
vor allem wegen unsachgemäßer Bodenbearbeitung und Bodennutzung bedroht.
Die Grünen Zentren werden Methoden vermitteln, die die landwirtschaftlichen
Betriebe in die Lage versetzen, in Abhängigkeit von der jeweiligen lokalen
Situation Maßnahmen zum Erhalt, zur Verbesserung oder zur Wiederherstellung
von Bodenfruchtbarkeit zu ergreifen.
21. Welche Rolle spielt lokales bzw. traditionelles Wissen in den Grünen
Zentren?
Das lokale bäuerliche Wissen und die angewandte bäuerliche Praxis sind
Ausgangspunkt für situations- und standortgerechte Integration von Innovationen in
das bäuerliche Betriebssystem.
22. Geht die Bundesregierung davon aus, dass die Erhöhung der nationalen
Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln genügt, um die Abhängigkeit von
schwankenden Weltmarktpreisen zu reduzieren?
Wenn nein, welche weiteren Maßnahmen sind nach Meinung der
Bundesregierung notwendig, um die Abhängigkeit von Weltmarktpreisen zu
reduzieren?
Die Erhöhung der nationalen und regionalen Eigenversorgung mit
Nahrungsmitteln ist ein zentraler Faktor und eine wichtige Voraussetzung, Abhängigkeit
von schwankenden Weltmarktpreisen zu reduzieren. Dabei geht es nicht nur um
Erhöhung der jährlich durchschnittlichen Eigenversorgung aus der eigenen
nationalen Produktion, sondern angesichts von Wetterrisiken auch um
Stabilisierung der Eigenversorgung auf hohem Niveau durch verbesserte
Ertragssicherheit. Weitere Maßnahmen sind notwendig, um die Abhängigkeit von
schwankenden Weltmarktpreisen zu verringern, insbesondere strategische
Lagerhaltung auf angemessenem Niveau und Informationssysteme für
Risikomanagement. Dies gilt besonders für Länder und Regionen, die marktfern sind
und wegen mangelnder Infrastruktur hohe Transportkosten haben. Darüber
hinaus würde eine Verringerung bestehender innerafrikanischer Handelshemmnisse
die positive Wirkung vermehrter regionaler Eigenversorgung stärken.
23. Welche Kriterien zieht die Bundesregierung für die Auswahl der
Projektpartner der Grünen Zentren heran?
Zu den potenziellen Projektpartnern zählen Regierungsstellen sowie nationale
und internationale Forschungsinstitutionen, Zivilgesellschaft und
Privatwirtschaft. Wichtigste Kriterien für die Auswahl von Projektpartnern sind deren
Bereitschaft und Fähigkeit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten eigene Ressourcen
einzubringen, Eigenverantwortung zu übernehmen und an der Erreichung eines
entwicklungspolitischen Ziels mitzuwirken.
Drucksache 18/2355 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode24. Welche Partner aus der Privatwirtschaft haben bisher Interesse daran
bekundet, sich an den Grünen Zentren zu beteiligen?
Im Mittelpunkt der Beteiligung der Privatwirtschaft steht die Einbeziehung des
Privatsektors der einzelnen Länder. Die langjährige Zusammenarbeit mit der
deutschen Wirtschaft hat aber gezeigt, dass auch diese wichtige Beiträge zur
Erreichung entwicklungspolitischer Ziele leisten kann. Verschiedene
Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft, insbesondere solche, die in der
German Food Partnership mitwirken (
www.germanfoodpartnership.de), haben
Interesse an einer Beteiligung am Aufbau der Grünen Zentren bekundet.
Entsprechende Vorschläge werden im Rahmen der Gutachtermissionen in den Ländern
geprüft und mit Partnerinstitutionen ergebnisoffen diskutiert.
25. Gibt es bereits konkrete Zusagen von Unternehmen, sich an der Initiative
der Grünen Zentren zu beteiligen?
Wenn ja, welche, und wie?
Nein, es gibt keine konkreten Zusagen von Unternehmen, sich zu beteiligen.
26. Wie passen die Vorstellungen der Privatwirtschaft, die nach der von ihnen
vorgeschlagenen Länderliste die Zusammenarbeit mit Staaten
favorisieren, die einen starken Exportsektor aufweisen, mit dem Ziel der
Hungerbekämpfung zusammen?
Hungerbekämpfung und Exportorientierung stellen grundsätzlich keinen
Widerspruch dar. Viele Länder mit wachsendem grenzüberschreitendem Handel und
einer stärkeren Integration in regionale Wirtschaft und Weltwirtschaft können
auch Erfolge in der Hungerbekämpfung vorweisen. Die Länder, die derzeit in
der engeren Wahl für den Aufbau der Grüner Zentren sind, weisen sowohl
überdurchschnittliche Ernährungsunsicherheit als auch eine äußerst schwache
Exportorientierung auf. Auch wenn die Stärkung der nationalen Eigenversorgung
mit Nahrungsmitteln im Mittelpunkt der Grünen Zentren steht, werden auch
Potenziale zur Exportorientierung genutzt werden.
27. Verfolgen die Grünen Zentren den Anspruch, einen Beitrag zur
Herstellung von Ernährungssouveränität der entsprechenden Staaten zu leisten,
so wie es die Aussage „Afrika kann sich selbst ernähren“ suggeriert?
Wenn ja, inwiefern?
Die deutsche Entwicklungspolitik schreibt seinen Partnern keinen bestimmten
Entwicklungsweg vor, sondern bietet den Ländern Unterstützung an, ihre
jeweils eigenen Entwicklungsziele unter weitgehender Mobilisierung eigener
Ressourcen in eigener Verantwortung zu verfolgen und zu verwirklichen.
28. Wie soll die Partizipation der Zivilgesellschaft und von Kleinbäuerinnen
und Kleinbauern in den Projektländern bei der Planung der Grünen
Zentren sichergestellt werden?
Deutsche Organisationen der Zivilgesellschaft sind bereits intensiv am Dialog
beteiligt. Über ihre dezentralen Strukturen und Partnerorganisationen haben
auch diese die Möglichkeit, sich direkt an der Umsetzung der Maßnahmen zu
beteiligen. Vorschläge der deutschen Zivilgesellschaft werden in
Gutachtermissionen geprüft und mit den Partnerinstitutionen ergebnisoffen diskutiert.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/235529. Wie will man Kleinbäuerinnen und Kleinbauern erreichen, wenn diese oft
in informellen Strukturen arbeiten bzw. organisiert sind?
Ausgangspunkt der Unterstützungsleistungen sind die standortgegebenen
Strukturen der kleinbäuerlichen Betriebe. Aufgrund fehlender Infrastruktur und
Marktanbindung sind kleinbäuerliche Betriebe oft in ihrer Entscheidungswahl
beim Einkauf von Saatgut und Dünger, bei der Finanzierung sowie beim Verkauf
ihrer Waren eingeschränkt. Das Vorhaben versucht, die Entscheidungs- und
Wahloptionen der kleinbäuerlichen Betriebe zu erhöhen. Dabei werden, wo
vorhanden, informelle Strukturen genutzt und, wo möglich und sinnvoll,
schrittweise formalisiert.
30. Sind im Rahmen der Grünen Zentren auch Angebote an Pastoralistinnen
und Pastoralisten vorgesehen?
Wenn ja, welche?
Pro Land sollen gemeinsam mit den beteiligten Akteuren in den Ländern drei
Wertschöpfungsketten ausgewählt werden, davon mindestens eine für
Grundnahrungsmittel. Prinzipiell sollen hierbei die Angebote der Innovationszentren
allen Bewohnern des ländlichen Raumes offenstehen.
31. Wie schlägt sich die angestrebte stärkere Förderung von Frauen in der
Landwirtschaft in der Planung der Zentren nieder?
Die besondere Rolle der Frauen in der Landwirtschaft der Länder, die für Grüne
Zentren vorgesehen sind, ist bekannt und wird entsprechend berücksichtigt. Im
Zuge der Projektprüfungen werden in jedem Land spezielle „Genderanalysen“
durchgeführt mit dem Ziel, Vorschläge für die stärkere Förderung von Frauen zu
erarbeiten. Die Erfolgsindikatoren und die Wirkungskontrolle für die Grünen
Zentren werden entsprechend ausgerichtet.
32. Wie verliefen die für Juni 2014 anberaumten Sondierungen zur Planung
Grüner Zentren in Malawi und Indien?
Mit welchen Regierungsstellen, Organisationen oder Verbänden hat man
sich jeweils getroffen?
Welche Vereinbarungen hinsichtlich weiterer Sondierungen wurden ggf.
getroffen?
Mit Regierungsstellen in Malawi wurden zwei existierende Colleges als
Ausgangspunkte für den Aufbau eines Grünen Zentrums gewählt: das Natural
Resources College (LUANAR-NRC) und das Mwimba College. Mit ihnen wurden
mögliche Fördermaßnahmen im Rahmen des theoretischen Unterrichts
(fachliche Überarbeitung der Lehrpläne und Erweiterung um Themen wie
unternehmerisches und marktorientiertes Denken, angepasste Mechanisierung,
Bauernorganisationsentwicklung, wertschöpfungskettenspezifisches Fachwissen sowie
methodische und fachliche Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften), im
Rahmen des praktischen Unterrichts auf dem landwirtschaftlichen Betrieb des
Colleges sowie die Einführung einer neuen Smallholder Technical Unit (STU)
diskutiert. Bis Ende September 2014 sollen vertiefte Prüfungen erfolgen.
Mit Regierungsstellen in Indien wurden folgende Institutionen als
Ausgangspunkte für den Aufbau eines Grünen Zentrums gewählt: National Bank for
Agriculture and Rural Development; Agriculture Produce Market Committees;
Horticulture Producers Cooperative Marketing and Processing Society; Depart-
Drucksache 18/2355 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodement of Agriculture and Department of Horticulture in Karnataka, Chief
Secretary of the State Government Karnataka; Bangalore Chamber of Industry and
Commerce; Infrastructure Development Department Karnataka; Karnataka
Cashew Manufactures Association; The Cashew Export Promotion Council of
India. Vertiefte Prüfungen mit dem Ziel der Festlegung konkreter
Arbeitsvorschläge bis Ende September 2014 stehen an.
33. Welche weiteren Sondierungsreisen sind bereits absolviert worden (bitte
Details zu den Reisen wie Gesprächspartner vor Ort, Ergebnis der
Sondierung angeben), bzw. welche sollen in den kommenden Monaten absolviert
werden?
Insgesamt sind 13 Länder für eine Prüfung des Aufbaus Grüner Zentren
vorgesehen. Hierzu sind konkrete Prüfmissionen vorgesehen. In Malawi fand die
Prüfmission bereits statt (siehe Antwort zu Frage 32). In Indien wurde der
bevorstehenden Prüfung eine Sondierungsmission vorgeschaltet (siehe ebenfalls
Antwort zu Frage 32).
34. Welche Pläne existieren für die versprochene wissenschaftliche Beratung
und Begleitforschung der Grünen Zentren?
Erste Pläne werden derzeit entwickelt und in Kürze vorgestellt.
a) Wer soll die Evaluierung durchführen?
Erste Pläne werden derzeit entwickelt und in Kürze vorgestellt.
b) Was sind die Kriterien der Evaluation?
Erste Pläne werden derzeit entwickelt und in Kürze vorgestellt.
Land Sondierungsmissionen Prüfmissionen
Äthiopien – Mitte September 2014
Benin – Mitte September 2014
Burkina Faso – Termin steht noch nicht fest
Ghana – Mitte August 2014
Kamerun – Termin steht noch nicht fest
Kenia – Ende September 2014
Malawi – Juni 2014
Mali – Mitte September 2014
Nigeria – voraussichtlich Ende September 2014
Sambia – voraussichtlich Ende September 2014
Togo – Termin steht noch nicht fest
Tunesien – Ende August 2014
Indien Juni 2014 August 2014
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 11 – Drucksache 18/235535. Warum hat sich das BMZ bei der Planung eines Grünen Zentrums in Mali
entschlossen, dieses in Kooperation mit dem Institut IPR/IFRA (Institut
Polytechnique Rural de Formation et de Recherche Appliqueé)
aufzubauen (Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 120 auf
Bundestagsdrucksache 18/1378)?
Mit dem Institut IPR/IFRA bestehen bereits Erfahrungen in der
Zusammenarbeit. Seit August 2012 arbeitet das Landwirtschaftsprogramm „Unterstützung
des nationalen Programms für nachhaltige Kleinbewässerungslandwirtschaft“
(PASSIP) im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit mit IPR/IFRA
zusammen. Im Rahmen des „Grünen Zentrums“ soll diese bestehende Kooperation
weiter ausgebaut werden.
36. Welche konkreten Projekte und Projektpläne hat das BMZ bereits mit Mali
im Rahmen des Grünen Zentrums abgeschlossen?
Bei den letzten deutsch-malischen Regierungsverhandlungen am 21. und
22. Mai 2014 in Bamako hat das BMZ der malischen Seite zusätzliche Mittel in
Höhe von 1,5 Mio. Euro zum Aufbau eines „Grünen Innovationszentrums“ am
IPR/IFRA im Rahmen des Landwirtschaftsprogramms „Unterstützung des
nationalen Programms für nachhaltige Kleinbewässerungslandwirtschaft“ (PASSIP)
zugesagt. Ziel ist es, die angewandte Forschung und die Ausbildung im Bereich
Landwirtschaft dadurch zu stärken.
37. Wie sehen die weiteren konkreten Schritte für das Grüne Zentrum in Mali
aus?
Als nächster Schritt ist die Entsendung einer interdisziplinären Prüfmission im
September 2014 vorgesehen.
38. Gibt es eine konkrete Projektbeschreibung des Grünen Zentrums in Mali?
Wie sieht diese aus (bitte beifügen)?
Die genaue Ausgestaltung der im Rahmen des „Grünen Zentrums“
vorgesehenen Maßnahmen steht erst nach der Prüfmission fest.
39. Für welchen Zeitraum ist die Unterstützung des Grünen Zentrums in Mali
durch die Bundesregierung angedacht?
Die bei den Regierungsverhandlungen erfolgte Mittelzusage soll der Umsetzung
einer ersten Komponente des Vorhabens „Grünes Zentrum“ mit einer zwei- bis
dreijährigen Laufzeit dienen. Es ist aber geplant, das Vorhaben auch über das
Jahr 2015 hinaus fortzusetzen.
40. Wie soll die Finanzierung des Grünen Zentrums in Mali konkret
aussehen?
Welche finanziellen Planungen hat das BMZ für den Zeitraum 2014 bis
2016 (bitte Angaben für jedes Jahr aufgeschlüsselt nach konkreten
Projekten angeben)?
Die erste Komponente des Vorhabens „Grünes Zentrum“ wird mit 1,5 Mio. Euro
aus den Zusagen der Regierungsverhandlungen 2014 finanziert. Die
Prüfmission im September 2014 soll den darüber hinausgehenden Finanzbedarf ermit-
Drucksache 18/2355 – 12 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodeteln. Diese Mittel sollen dann aus dem Haushaltstitel „Eine Welt ohne Hunger“
noch im Jahr 2014 und/oder im Jahr 2015 zur Verfügung gestellt werden.
41. Gibt es beim Aufbau des Grünen Zentrums in Mali weitere Partner vor Ort
oder nach Kenntnis der Bundesregierung eine Zusammenarbeit mit
deutschen NGOs (außer dem IPR/IFRA bzw. gemeinsam mit dem IPR/IFRA),
und wenn ja, welche?
Ein Ziel des Vorhabens ist es, die akademische und breitenwirksame Ausbildung
in Mali zu verstärken. Dabei werden vier bis fünf weitere malische
Fortbildungszentren einbezogen. Darüber hinaus findet eine enge Abstimmung mit
WASCAL (West African Science Service Center on Climate Change and
Adapted Land Use) statt, einer internationalen und interdisziplinären
Forschungsinitiative, die ebenfalls mit IPR/IFRA im Bereich Klimawandel zusammenarbeitet.
Die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit deutschen NRO wird derzeit
geprüft.
42. Inwieweit sind in die weiteren Planungen für das Grüne Zentrum in Mali
auch lokale und nationale landwirtschaftliche Entscheidungsträger
eingebunden (u. a. Bauernorganisationen, Landwirtschaftsministerium)?
Das Ministerium für ländliche Entwicklung ist der politische Träger des
Vorhabens „Grünes Zentrum“. In die weiteren Planungen für das Grüne Zentrum
sollen auch andere involvierte Institutionen und Organisationen eingebunden
werden, wie z. B. das Ministerium für Wissenschaft und Bildung mit den
Direktionen für höhere und berufliche Ausbildung, dekonzentrierte staatliche Dienste
des Ministeriums für ländliche Entwicklung, Gebietskörperschaften, die
Landwirtschaftskammern (national und regionale) und andere zivilgesellschaftliche
und private Partner.
43. Ist das Grüne Zentrum in Mali als Pilotprojekt gedacht?
Das Grüne Zentrum in Mali ist das erste von zehn Innovationszentren weltweit.
44. Wie genau soll die vom Bundesminister für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, formulierte Vernetzung der
„bestehenden Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen in Mali“ (www.
bmz.de/de/presse/reden/minister_mueller/2014/Mai/20140530_beitrag_e_
und_z.html) konkret aussehen?
Welche Rolle wird darin das Institut IPR/IFRA in Katibougou konkret
spielen?
Die Zusammenarbeit relevanter malischer Aus- und Fortbildungszentren soll
durch die Verbesserung der akademischen Vernetzung und des fachlichen
Austauschs im Land und in der Region optimiert werden. Das IPR/IFRA verfügt
über sehr breite Expertise, die es im Rahmen wissenschaftlicher Plattformen
anderen Aus- und Fortbildungszentren zur Verfügung stellen kann.Dem IPF/IFRA
kommt damit eine zentrale Rolle im zu gründenden Netzwerk zu.
45. Welche Projekte des Grünen Zentrums in Mali sind im Rahmen des
erklärten Ziels des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung, Dr. Gerd Müller, die „Erträge der kleinbäuerlichen Betriebe
nachhaltig zu steigern und die gesamte Wertschöpfung in der Region – vom
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 13 – Drucksache 18/2355Acker bis zum Teller“ (
www.bmz.de/de/presse/reden/minister_mueller/
2014/Mai/20140530_beitrag_e_und_z.html) zu erhöhen, bezogen auf den
explizit genannten Bereich Bewässerung konkret geplant (bitte auflisten,
inklusive Projektbeschreibung(en))?
Dies bezieht sich insbesondere auf das vom BMZ durchgeführte und von der
Europäischen Union und Kanada kofinanzierte Kleinbewässerungsprogramm.
Durch die Einbettung des Grünen Zentrums in dieses große Investitions- und
Beratungsprogramm wird ein wichtiger Beitrag zur Befriedigung des hohen
Bedarfs an Forschung und Ausbildung in Mali geleistet.
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ISSN 0722-8333]