[Deutscher Bundestag Drucksache 18/4553
18. Wahlperiode 01.04.2015Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Julia Verlinden, Oliver
Krischer, Christian Kühn (Tübingen), weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/4255 –
Konkrete Schritte zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Am 3. Dezember 2014 hat die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan
Energieeffizienz (NAPE) im Kabinett verabschiedet. Darin hat die
Bundesregierung kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen und Instrumente
zusammengestellt, mit denen sie das Ziel ihres Energiekonzeptes erreichen will, bis zum Jahr
2020 eine Primärenergie-Einsparung von 20 Prozent gegenüber dem Jahr 2008
zu erzielen. Im Jahr 2013 waren erst 3,8 Prozent erreicht.
Jedoch listet der NAPE diese Maßnahmen und Instrumente in weiten Teilen
lediglich unverbindlich auf, ohne ihre Anwendung zeitlich oder finanziell zu
konkretisieren. Wenn die Energie-Einsparziele der Bundesregierung noch erreicht
werden sollen, müssen Maßnahmen aber sofort ergriffen werden und längst
bekannte Instrumente endlich umfassend zum Einsatz kommen.
Auch die Expertenkommission zum Monitoring-Prozess „Energie der
Zukunft“ bezweifelt in ihrer Stellungnahme zum ersten Fortschrittsbericht der
Bundesregierung für das Berichtsjahr 2013, dass der NAPE ausreicht, um die
erwartete Zielverfehlung bei der Minderung der Treibhausgasemissionen und
der Primärenergieeinsparung zu kompensieren.
Die Experten weisen vielmehr darauf hin, dass selbst die Bundesregierung
damit rechne, statt der geplanten 20 Prozent lediglich maximal 10 Prozent an
Primärenergieeinsparung bis zum Jahr 2020 zu erreichen. Dazu heißt es in der
Stellungnahme: „Die Expertenkommission kann nicht nachvollziehen, wie die
Regierung bei Festhalten am Effizienzziel ein großes Defizit feststellen kann,
dann aber Maßnahmen vorschlägt, die kaum mehr als ein Drittel des Defizits
ausgleichen können.“
Vor diesem Hintergrund sieht die Expertenkommission einen beträchtlichen
Handlungsbedarf. Sie halten sowohl die verstärkte Nutzung der erneuerbaren
Energien als auch die forcierte Verbesserung der Energieeffizienz für
notwendig, um Klimaschutz- und Effizienzziele zu erreichen. Dafür braucht es zu
allererst eine ambitionierte Umsetzung des NAPE. Zusätzliche Maßnahmen
müssen folgen.Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
30. März 2015 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/4553 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode1. Welche zusätzlichen Maßnahmen, über die im NAPE aufgelisteten hinaus,
will die Bundesregierung bis wann ergreifen, um die von der
Expertenkommission festgestellte, voraussichtliche Zielverfehlung der
Energiesparvorgaben bis zum Jahr 2020 zu verhindern?
Die von der Arbeitsgruppe (AG) Energiebilanzen neu veröffentlichten Zahlen
weisen für das Jahr 2014 einen deutlichen Rückgang der Energieverbräuche aus.
So sank der Primärenergieverbrauch von 143 80 Petajoule im Basisjahr 2008 auf
rund 13 077 Petajoule Ende 2014 (ohne Temperaturbereinigung). Dies
entspricht einer Minderung um 9 Prozent in den letzten 6 Jahren.
Die im NAPE beschlossenen Sofortmaßnahmen und weitere, dauerhaft
angelegte Arbeitsprozesse bilden einen geeigneten Rahmen zur angestrebten
Zielerreichung.
Die Bundesregierung wird im Rahmen der jährlichen Monitoringberichte die
weitere Entwicklung zugleich aufmerksam beobachten und gegebenenfalls
nachsteuern.
2. Wird die Bundesregierung die Ziele ihres Energiekonzepts im Bereich
Energieeffizienz (Senkung von Energieverbräuchen, Steigerung der
Energieproduktivität) verbindlich festschreiben, wie dies der Bundesminister für
Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel, im EU-Energieministerrat am
13. Juni 2014 für die EU gefordert hat, um hier eine Vorbildfunktion
einzunehmen?
Wenn nein, warum nicht?
Auf EU-Ebene hat sich der Europäische Rat bei seinem Beschluss vom Oktober
2014 für ein EU-Energieeffizienzziel für das Jahr 2030 im Rahmen der Zieltrias
auf ein indikatives Ziel geeinigt.
Auf nationaler Ebene ist die Bundesregierung der Auffassung, dass der Fokus
derzeit auf der Umsetzung der im NAPE angekündigten Beschlüsse liegen
sollte.
3. Plant die Bundesregierung die Festlegung von weiteren Zwischenzielen für
die Zeit bis zum Jahr 2030, und wann ist mit dem Beginn entsprechender
Planungen zu rechnen?
Die Bundesregierung verfolgt im Rahmen ihres Monitorings der Energiewende
jährlich die Entwicklung der Energieeffizienz in Deutschland, um so die
Zielerreichung sicherstellen zu können. Ergänzend verweist die Bundesregierung auf
ihre Antwort zu Frage 1.
4. Inwieweit unterstützt die Bundesregierung die Ausführungen in der
Kommunikation der Europäischen Kommission vom 25. Februar 2015 zur
Energieunion, Energieeffizienz künftig als gleichberechtigte Energieressource
zu betrachten und die Mitgliedstaaten anzuhalten, Energieeffizienz
vorrangige Berücksichtigung in ihren Politiken einzuräumen?
Die Bundesregierung begrüßt, dass die Europäische Kommission der Steigerung
der Energieeffizienz in der EU hohe Bedeutung beimisst.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/4553 5. Welche Ergebnisse liegen der Bundesregierung bisher zur im NAPE
genannten Prüfung, für die wirksame Umsetzung des NAPE ein
Energieeffizienzgesetz zu schaffen, vor?
Wird oder könnte dies eine Gleichstellung im Sinne der Kommunikation
der Europäischen Kommission zur Energieunion mit sich führen?
Der Bundesregierung wird die Rechtsgrundlagen im Bereich Energieeffizienz
u. a. auf Vereinfachungsmöglichkeiten prüfen. Dazu gehört auch die Prüfung
eines Effizienzgesetzes.
Dieser Prozess wird nicht unmittelbar mit der Energieunion verknüpft werden.
6. Wann wird die Bundesregierung welche NAPE-Maßnahmen vor dem
Hintergrund, dass viele im NAPE genannten Sofortmaßnahmen ab dem Jahr
2015 greifen sollen, genau umsetzen (mit der Bitte um Aufschlüsselung
der Umsetzungspläne der einzelnen Maßnahmen auf monatsscharfer
Basis)?
7. Bei der Umsetzung welcher Maßnahmen wird der Deutsche Bundestag
beteiligt werden, und welche Maßnahmen werden ohne Beteiligung des
Deutschen Bundestages umgesetzt (mit der Bitte um Aufschlüsselung
nach einzelnen Maßnahmen)?
8. Bei der Umsetzung welcher Maßnahmen wird der Bundesrat beteiligt
werden, und welche Maßnahmen werden ohne Beteiligung des Bundesrates
umgesetzt (mit der Bitte um Aufschlüsselung nach einzelnen
Maßnahmen)?
Die Fragen 6 bis 8 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die im Anhang beigefügte tabellarische Übersicht beschreibt den
Umsetzungsstands der im NAPE beschlossenen Maßnahmen. Die Beteiligung von
Bundestag und Bundesrat erfolgt im Zuge der jeweils anzuwendenden Verfahren.
9. Wie will die Bundesregierung langfristig die Finanzierungsbasis für
Energieeffizienzmaßnahmen sichern, vor dem Hintergrund, dass die
Maßnahmen bis zum Jahr 2020 wirken sollen, die Finanzausstattung aber jährlich
vom Deutschen Bundestag in den Haushaltsverhandlungen beschlossen
wird?
Im Rahmen des 10 Mrd. Euro Investitionsprogramm ist bereits ein Großteil der
Maßnahmen ab dem Jahr 2015 mit Verpflichtungsermächtigungen hinterlegt.
Somit stehen dem Thema Energieeffizienz und damit den NAPE-Maßnahmen in
den Jahren 2016 bis 2018 rund 1,2 Mrd. Euro zusätzlich zu den bereits
bestehenden Finanzierungsmitteln zu Verfügung. Die Absicherung der Folgejahre wird
außerhalb dieses Investitionsprogramms im Rahmen der jeweiligen förmlichen
Aufstellungsverfahren erfolgen.
10. Welche Vorkehrungen hat die Bundesregierung getroffen, um bei weiteren
NAPE-Vorhaben, die einer finanziellen Beteiligung der Bundesländer
bedürfen, ähnlichen Entwicklungen vorzubeugen, wie sie sich beim Vorhaben
Drucksache 18/4553 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodeder steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung ereignet
haben, und welche Maßnahmen betrifft dies?
Die Bundesregierung ist stets bemüht, die Bundesländer dort, wo ihre Interessen
berührt werden, frühzeitig in die Umsetzung von NAPE-Vorhaben einzubinden.
Dies betrifft u. a. das Handlungsfeld „Contracting“.
Hier sieht der NAPE als Sofortmaßnahme u. a. die Verbesserung der
Konditionen für Ausfallbürgschaften der Bürgschaftsbanken für Contracting-Vorhaben
vor. Dies soll über eine Anpassung der erlaubten Höhe der Bürgschaften, die
Bund und Länder gemeinschaftlich gegenüber den Bürgschaftsbanken
rückverbürgen, geschehen. Dafür ist die Zustimmung und Mitwirkung der Länder
erforderlich.
Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel, hat mit
Schreiben vom 13. März 2015 um Unterstützung seiner Länderkollegen beim Thema
Ausfallbürgschaften Energie-Contracting gebeten. Des Weiteren wird das
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) auf Fachebene ebenfalls auf
die Länderministerien zugehen, sobald konkrete Schritte geplant sind.
Zusätzlich zu diesem Prozess sieht der NAPE die Einrichtung eines Bund-
Länder-Gremiums zum Thema Contracting vor. Damit soll ein Forum geschaffen
werden, in dem sich Bund und Länder u. a. über Erfolge, aber u. a. auch
Hemmnisse bei der Durchführung von Contracting-Projekten bei öffentlichen
Liegenschaften austauschen können.
11. Wie reagiert die Bundesregierung auf die Kritik der Expertenkommission,
dass eine Bewertung bestehender und neuer Maßnahmen, die auch
Mitnahme- und Reboundeffekte sowie Wechselwirkungen mit anderen
Instrumenten berücksichtigt, im Monitoringprozess fehlt, und welche Schritte
will sie dagegen unternehmen?
Wechselwirkungen mit anderen Instrumenten sind seitens der von der
Bundesregierung beauftragten wissenschaftlichen Gutachter bei der Begleitung der
NAPE-Maßnahmen berücksichtigt worden.
Als Rebound-Effekt wird typischerweise der Effekt bezeichnet, dass der
Energieverbrauch nach Durchführung einer Energiesparmaßnahme z. B. infolge
eines veränderten Nutzerverhaltens nicht so stark zurückgeht, wie es eigentlich
rein rechnerisch hätte passieren können. Dieser Effekt ist bei der Bewertung von
Effizienz-Maßnahmen zu berücksichtigen.
Durch das jährliche Monitoring werden aber auch energieverbrauchssteigernde
Effekte – wie z. B. auch infolge eines etwaigen Rebound-Effekts –
berücksichtigt.
12. Wie verteilt sich die Energieeinsparung im Verkehrssektor von 110 bis
162 Petajoule auf die einzelnen Maßnahmen, die im Aktionsprogramm
Klimaschutz der Bundesregierung aufgezählt werden und auf die des
NAPE (S. 21) verweist?
In der nachfolgenden Tabelle sind die im Rahmen der Erarbeitung des
Aktionsprogramms Klimaschutz ermittelten Einsparungen der einzelnen Maßnahmen
im Verkehrssektor bis 2020 dargestellt (bezogen auf Endenergieverbrauch).
Sofern für die jeweilige Maßnahme relevant, ist dabei eine Spannbreite für die
erwarteten Effekte (Angaben in Petajoule) angegeben.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/4553Bei der Addition der Maßnahmen ergeben sich geringfügige Abweichungen zur Angabe im NAPE, dies ist
auf die Berücksichtigung von Überlagerungseffekten zurückzuführen.
13. Wird die Bundesregierung auch den Teil der Begleitforschung zum NAPE
„Ausarbeitung von Instrumenten zur Realisierung von
Endenergieeinsparungen in Deutschland auf Grundlage einer Kosten-Nutzen-Analyse.
Wissenschaftliche Unterstützung bei der Erarbeitung des Nationalen
Aktionsplans Energieeffizienz“ zu Maßnahmen im Verkehr
veröffentlichen, welcher bisher in der Veröffentlichung der Begleitforschung fehlt?
Falls ja, wann?
Wenn nein, warum nicht?
Eine Veröffentlichung ist nicht geplant. Die im Verkehrsbereich untersuchten
Maßnahmen basierten auf Vorschlägen der Gutachter und dienten nur der
Information der Bundesregierung. Sie waren jedoch anders als in den anderen
Bereichen nicht mit den zuständigen Ressorts abgestimmt, die Bundesregierung hat
sich deshalb diese Vorschläge nicht zu eigen gemacht und auch nicht im Detail
in die Beschlüsse des NAPE und Klimaschutzaktionsprogramms einbezogen.
Ausdehnung LKW-Maut (hoch) 10,0
Ausdehnung LKW-Maut (niedrig) 5,0
Staffelung der LKW-Maut nach Energieverbrauch (hoch) 33,0
Staffelung der LKW-Maut nach Energieverbrauch
(niedrig)
21,5
Förderung effiziente Nutzfahrzeuge (hoch) 21,5
Förderung effiziente Nutzfahrzeuge (niedrig) 14,3
Stärkung Schienengüterverkehr (hoch) 25,8
Stärkung Schienengüterverkehr (niedrig) 20,1
Regionale Wirtschaftskreisläufe stärken (hoch) 15,8
Regionale Wirtschaftskreisläufe stärken (niedrig) 7,2
klimafreundliche Gestaltung des Personenverkehrs (hoch) 14,6
klimafreundliche Gestaltung des Personenverkehrs
(niedrig)
10,2
Förderung Rad- und Fußverkehr (hoch) 11,6
Förderung Rad- und Fußverkehr (niedrig) 7,3
Kraftstoffsparendes Fahren (hoch) 11,6
Kraftstoffsparendes Fahren (niedrig) 5,8
Verstärkter Einsatz elektrischer Antriebe bei
Kraftfahrzeugen
10,2
Anreize zur klimafreundlichen Mobilität in der
Bundesverwaltung (hoch)
4,4
Anreize zur klimafreundlichen Mobilität in der
Bundesverwaltung (niedrig)
2,2
Steuerbegünstigung Erd- und Flüssiggas nicht bezifferbar
Klimaschutz im internationalen Seeverkehr 7,7
Drucksache 18/4553 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeEntsprechend war dieses Teilgutachten nicht entscheidungsleitend für die
Beschlüsse der Bundesregierung. Daher geht die Bundesregierung davon aus, dass
auch eine Veröffentlichung keinen informatorischen Mehrwert bietet.
14. Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung bezüglich der Haltung der
Europäischen Kommission zur Anrechenbarkeit der LKW-Maut im Sinne
der EU-Energieeffizienzrichtlinie nach aktuellem Stand sowie der
geplanten Ausweitung der LKW-Maut vor (auf Fahrzeuge ab 7,5 t zulässigem
Gesamtgewicht und 1 100 km vierstreifige Bundesstraßen sowie in einem
weiteren Schritt auf alle Bundesstraßen ab dem Jahr 2018)?
Der Bundesregierung liegt bislang keine Bewertung durch die Europäische
Kommission vor. Sie ist von der Europäischen Kommission zwischenzeitlich
um eine Klarstellung gebeten worden, zu welchem Ziel die LKW-Maut
hauptsächlich eingeführt worden sei, dass zur Berechnung der entsprechenden
Einsparungen methodische Vorgaben der Energieeffizienzrichtlinie vollständig
berücksichtigt und wie zusätzliche und potenzielle Überschneidungen mit anderen
Maßnahmen berücksichtigt worden seien.
15. Wie quantifiziert die Bundesregierung die seit dem erstmaligen Scheitern
des Vorhabens zur steuerlichen Förderung der energetischen
Gebäudesanierung im Jahr 2012 entstandenen Schäden, unter anderem in
zurückgehaltenen oder abgebrochenen Sanierungsvorhaben, nicht eingesparten
Petajoule und Volumen ausgefallener heimischer Wirtschaftsleistung?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Informationen vor.
16. Liegt der Bundesregierung eine Rückmeldung der Europäischen
Kommission bezüglich der Anerkennung der bislang gemeldeten Benachrichtigung
der Bundesregierung zur Erfüllung der Anforderungen von Artikel 4
(Gebäuderenovierung) der EU-Energieeffizienzrichtlinie vor?
Der Bundesregierung liegt kein Kommentar der Europäischen Kommission zum
Bericht gemäß Artikel 4 der Energieeffizienzrichtlinie vor.
17. Welche im NAPE genannten Maßnahmen hält die Bundesregierung für
geeignet, um die von der Expertenkommission geforderte Verdoppelung
der jährlichen durchschnittlichen Reduktion des Endenergiebedarfs im
Wärmebereich bis zum Jahr 2020 zu erreichen, und wann will sie diese in
Kraft setzen (bitte Maßnahmen und Inkrafttreten einzeln auflisten)?
Der NAPE beinhaltet eine Reihe von Maßnahmen, die auf eine Reduktion des
Endenergiebedarfs im Wärmebereich abzielen. Darüber hinaus wird die
Bundesregierung bis Herbst 2015 eine Energieeffizienzstrategie Gebäude
erarbeiten, die aufzeigen soll, wie die Ziele der Energiewende im Gebäudebereich
erreicht werden können. Die Vor-Ort-Beratung des Bundesamtes für Wirtschaft
und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wurde bereits novelliert. Seit 1. März 2015
werden dort attraktivere Zuschüsse ausgereicht. Das novellierte
Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien im Wärmebereich tritt am 1. April 2015 in
Kraft. Innerhalb des CO2-Gebäudesanierungsprogramms und den daraus
finanzierten Förderprogrammen der KfW Bankengruppe zum energieeffizienten
Bauen und Sanieren wurden zum 1. Januar 2015 die Tilgungszuschüsse erhöht.
Des Weiteren wird auf die Antwort zu Frage 6 verwiesen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/455318. Bis wann will die Bundesregierung die von ihr im NAPE angekündigte
Einführung von Niedrigstenergiegebäuden gemäß EU-Gebäuderichtlinie
umsetzen, und welche konkreten Anforderungen hinsichtlich der
Baustoffe, der Zertifizierung und des Energieverbrauchs pro Fläche wird sie
dabei an Niedrigstenergiegebäude stellen?
Nach der EU-Gebäuderichtlinie muss für neu zu errichtende Gebäude der
Niedrigstenergiegebäudestandard eingeführt werden – für Nichtwohngebäude, die
im Eigentum von Behörden stehen und von Behörden genutzt werden sollen,
bereits ab dem Jahr 2019, für alle anderen Gebäude ab dem Jahr 2021. Zu diesem
Zweck wird die Energieeinsparverordnung (EnEV) im Jahr 2016
weiterentwickelt werden. Die technisch und wirtschaftlich machbaren
Mindestanforderungen im Einzelnen werden derzeit durch ein Gutachten ermittelt.
19. Wird die Bundesregierung in ihren Vorgaben für Niedrigstenergiegebäude
auch die sogenannte graue Energie – also den Energieverbrauch, der bei
der Produktion der verwendeten Baumaterialien anfällt – berücksichtigen,
wenn ja, in welcher Form, und wenn nein, warum nicht?
Nein. Die EnEV ist technologie- und materialoffen. Anforderungen bestehen an
den Primärenergiebedarf und den Transmissionswärmeverlust von Gebäuden
bzw. an die energetische Qualität einzelner Bauteile. Betrachtungsgegenstand ist
auf der Grundlage des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) die aufzuwendende
Energie während der Nutzungs- und Betriebsphase von Gebäuden.
20. Wie will die Bundesregierung konkret den nach Auffassung der
Fragesteller gegebenen Widerspruch im NAPE auflösen, dass auf der einen Seite
Freiwilligkeit der Maßnahmen zu gewährleisten seien, sie auf der anderen
Seite aber die Weiterentwicklung der Energieeinspeiseverordnung (EnEV;
Ordnungsrecht) im Jahr 2016 in Aussicht stellt?
Ein Widerspruch besteht nicht. Die Bundesregierung setzt auf einen
ausgewogenen Instrumentenmix zur Steigerung der Energieeffizienz, bestehend aus
Information und Beratung, gezielten Fördermaßnahmen und Ordnungsrecht. Wegen
der Notwendigkeit, die EnEV weiterzuentwickeln, wird auf die Antwort zu
Frage 18 verwiesen.
21. Welche konkreten Fördermaßnahmen leitet die Bundesregierung aus ihrer
im NAPE formulierten Erkenntnis ab, dass auch quartiersbezogene
Ansätze einen Beitrag zu Energieeffizienz und Klimaschutz leisten?
Die Bundesregierung fördert mit dem KfW-Programm Energetische
Stadtsanierung quartiersbezogene Ansätze zur Steigerung der Energieeffizienz und für den
Klimaschutz. Es werden Zuschüsse für quartiersbezogene integrierte
energetische Konzepte vergeben, die über das Einzelgebäude hinausgehen und die
Energiebilanz eines gesamten Quartiers in den Blick nehmen. Weiterhin werden
Sanierungsmanager gefördert, die die Umsetzung der Maßnahmen vor Ort
begleiten.
Darüber hinaus fördert die Bundesregierung im Rahmen ihrer Energieforschung
innovative Technologien und Konzepte für energieoptimierte Quartiere. Um die
Fördermaßnahmen zu bündeln und den Ergebnistransfer zu beschleunigen, hat
die Bundesregierung das Forschungsnetzwerk Energie in Gebäuden und
Quartieren ins Leben gerufen.
Drucksache 18/4553 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode22. Mit welchen Maßnahmen will die Bundesregierung ihre Aussage im
NAPE, energetisch hochwertiger Wohnraum müsse auch für Haushalte
mit geringem Einkommen vorhanden sein, in der Realität auf dem
Wohnungsmarkt sicherstellen?
23. Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass das von ihr ins Leben
gerufene „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ die notwendige
Energieeinsparung beim Neubau und der Sanierung von Gebäuden
angemessen hoch berücksichtigt und sich an einer hohen energetischen
Qualität der Gebäude orientiert?
Die Fragen 22 und 23 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Zur Bewältigung der aktuellen wohnungspolitischen Herausforderungen hat die
Bundesregierung das „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ ins Leben
gerufen. Dort sollen die Chancen und Herausforderungen zwischen
Klimaschutz bzw. Energieeinsparung und bezahlbarem Wohnen und Bauen in einer
eigenen Arbeitsgruppe unter Leitung des Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und einer Beteiligung des für
energierelevante Fragen zuständigen BMWi behandelt werden. Die Arbeitsgruppe knüpft
an die gebäudebezogenen Maßnahmenvorschläge im Aktionsprogramm
Klimaschutz 2020 und im NAPE an. Der Abschluss der Arbeitsgruppe einschließlich
Berichterstellung ist bis Ende des Jahres 2015 vorgesehen.
24. Mit welchen konkreten Maßnahmen will die Bundesregierung die von ihr
im NAPE angekündigte Verbesserung der Durchgängigkeit und
Transparenz von Energieberatungsprogrammen sowie die Verringerung deren
gegenseitiger Konkurrenz erreichen?
Die existierenden Beratungsangebote werden derzeit in Zusammenarbeit mit
Verbänden, Wissenschaftlern und Vertretern der Verbraucher sowie den im
Bereich der Energieberatung Tätigen auf ihre Wirksamkeit, die Umsetzung von
Qualitätsanforderungen sowie die Durchgängigkeit und Vergleichbarkeit der
Zulassungsbedingungen hin geprüft. Die Gespräche werden u. a. in den
Arbeitsgruppen der Energieeffizienzplattform Gebäude geführt. Deren Ergebnisse
fließen in die Weiterentwicklung der Energieberatung ein.
25. Setzt die Bundesregierung bei der Verbesserung der Energieberatung und
Verbraucherinformation auch auf die Überarbeitung des Energieausweises
für Gebäude?
Falls ja, in welchem Zeitrahmen und mit welchen wesentlichen
Veränderungen, und falls nein, warum nicht?
Die Verwendung und die Aussagekraft von Energieausweisen wurden durch die
am 1. Mai 2014 in Kraft getretene Novelle der EnEV erst kürzlich verbessert.
Dazu gehört, dass der Energieausweis für Wohngebäude jetzt auch
Effizienzklassen ausweist. Darüber hinaus wurde die Pflicht zur Vorlage des
Energieausweises gegenüber potenziellen Käufern und Mietern gestärkt. Schließlich ist die
Pflicht zur Angabe energetischer Kennwerte in Immobilienanzeigen bei Verkauf
und Vermietung eingeführt worden.
Im Rahmen der Novelle der EnEV im Jahr 2016 sollen die Energieausweise im
Hinblick auf eine Verbesserung der Transparenz und Nachvollziehbarkeit
nochmals überprüft werden.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/455326. Bis wann soll nach Vorstellung der Bundesregierung die von ihr im NAPE
angekündigte Weiterentwicklung der Programme der KfW Bankengruppe
zum energieeffizienten Bauen und Sanieren erfolgen?
Im Bereich der KfW-Programme für Wohngebäude wurden erste Maßnahmen
im Januar 2015 umgesetzt. Die Weiterentwicklung der Förderung für
Nichtwohngebäude ist in Arbeit. Start der Förderung ist zum 1. Juli 2015 geplant.
27. Wie soll die KfW Bankengruppe aus Sicht der Bundesregierung die von ihr
vorgeschlagene stärkere Aktivierung von
Wohnungseigentümergemeinschaften im Zusammenhang mit Maßnahmen zur energetischen Sanierung
erreichen?
Die Novelle der Vor-Ort-Beratung des BAFA sieht neben der
Zuschussförderung für die Erstellung eines Energieberatungsberichts zusätzlich einen
einmaligen Zuschuss von bis zu 500 Euro für die Erläuterung des
Energieberatungsberichts in Wohnungseigentümerversammlungen oder Beiratssitzungen vor. Die
bestehenden KfW-Förderprogramme stehen allen Eigentümergruppen – auch
den Wohnungseigentümergemeinschaften – zur Verfügung.
28. Von wem und bis wann soll die von der Bundesregierung im NAPE
angekündigte Erarbeitung von Sanierungsleitfäden für Nichtwohngebäude
umgesetzt werden?
Die Leitfäden werden in Zusammenarbeit mit der betroffenen Wirtschaft
erarbeitet. Sie sollen dazu beitragen, das große Potenzial zur Einsparung von Energie
und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärmeversorgung von
Nichtwohngebäuden zu erschließen. Ein erster „Leitfaden zur Planung neuer Hallengebäude
nach Energieeinsparverordnung EnEV 2014 und Erneuerbare-Energien-
Wärmegesetz 2011“ wird von der Bundesvereinigung der Firmen im Gas- und
Wasserfach e. V. (figawa) bereits erarbeitet und voraussichtlich im Sommer 2015
fertiggestellt. Weitere Leitfäden für andere Gruppen von Nichtwohngebäuden sollen
folgen.
29. Von wem und bis wann wird die von der Bundesregierung angekündigte
Prüfung der Förderung von niedriginvestiven Maßnahmen zur
Heizungsoptimierung vorgenommen, oder gibt es dazu bereits Ergebnisse?
Wenn ja, welche sind das?
30. Mit welchen Maßnahmen oder Anreizen will die Bundesregierung
sicherstellen, dass der von ihr im NAPE aufgeführte individuelle Heizungscheck
tatsächlich von einer relevanten Zahl von Gebäudeeigentümern
durchgeführt wird, und wie sollen diese motiviert werden, im Anschluss
Optimierungsmaßnahmen an der Heizung durchzuführen?
Die Fragen 29 und 30 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der von der Wirtschaft entwickelte Heizungscheck wird derzeit
weiterentwickelt. Bestandteil der Weiterentwicklung sind auch
Modernisierungsempfehlungen. Die Durchführung von Modernisierungsmaßnahmen an der
Heizungsanlage, insbesondere auch von niedriginvestiven Maßnahmen, wird im CO2-
Gebäudesanierungsprogramm mit dem KfW-Programm „Energieeffizient
Sanieren“ gefördert. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 32 verwiesen.
Drucksache 18/4553 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode31. Will die Bundesregierung den Heizungscheck nicht in den individuellen
Sanierungsfahrplan integrieren (bitte begründen), und welche fachliche
Qualifikation ist Voraussetzung, um den Heizungscheck durchführen zu
können?
Die individuellen Sanierungsfahrpläne sollen in die
Energieberatungsprogramme integriert werden. Dort sind die fachlichen Qualifikationen bereits
definiert. Welche Voraussetzungen an die Durchführung von Heizungschecks
geknüpft werden, wird erst im Zuge der weiteren Arbeiten entschieden.
32. Wie sollen nach Vorstellung der Bundesregierung das geplante nationale
Effizienzlabel für Heizungsaltanlagen und der individuelle
Heizungscheck zusammenwirken, und wie sollen unnötige oder sogar hemmende
Redundanzen zwischen diesen beiden Instrumenten vermieden werden?
Das nationale Effizienzlabel für Heizungsaltanlagen soll über das Label dem
Hauseigentümer eine Erstinformation über den energetischen Zustand seines
Heizgerätes vermitteln. Das Label soll dabei eine Anstoßwirkung beim
Hauseigentümer auslösen, über den Austausch seines Gerätes nachzudenken. Neben
dem Label wird über eine Informationsbroschüre auf Beratungsangebote wie
den Heizungscheck hingewiesen. Das Effizienzlabel kann somit einen wichtigen
Impuls für eine anschließende Energieberatung liefern. Der Heizungscheck
leistet eine energetische Bewertung der gesamten Heizungsanlage. Damit werden
im Rahmen eines standardisierten Verfahrens die Schwachstellen einer
Heizungsanlage systematisch ermittelt und Empfehlungen zur Optimierung und
Modernisierung gegeben. Beide Instrumente bauen aufeinander auf und
ergänzen sich zielgerichtet.
33. Wie weit ist die von der Bundesregierung im NAPE als weiterführender
Schritt aufgeführte Erarbeitung der „Energieeffizienzstrategie Gebäude“
bereits fortgeschritten, und wann will die Bundesregierung diese Strategie
vorstellen?
34. Hat die Bundesregierung externe Experten mit der Erarbeitung der
„Energieeffizienzstrategie Gebäude“ beauftragt oder beabsichtigt sie, dieses zu
tun?
Die Fragen 33 und 34 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Erste Eckpunkte der Energieeffizienzstrategie Gebäude wurden am 4. Dezember
2014 als Teil des NAPE beschlossen. Auf dieser Grundlage wird in den nächsten
Monaten eine umfassende Strategie für den Gebäudebereich entwickelt. Die
Energieeffizienzstrategie Gebäude soll im November 2015 dem Bundeskabinett
zum Beschluss vorgelegt werden. Bei der Erarbeitung der Strategie wird die
Bundesregierung durch externe wissenschaftliche Gutachter unterstützt.
35. Wann will die Bundesregierung das von ihr im NAPE angekündigte
Förderprogramm für Energieberater in Kommunen auflegen, und welches
Volumen und welchen Zeitrahmen soll das Förderprogramm umfassen?
36. Aus welchen Mitteln will die Bundesregierung das Förderprogramm für
Energieberater in Kommunen finanzieren?
37. Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass die Energieberatung in
den Kommunen insbesondere den Quartiersansatz berücksichtigt und die
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 11 – Drucksache 18/4553zusätzlichen Potenziale aus der energetischen Sanierung
zusammenhängender Stadtquartiere adressiert?
Die Fragen 35 bis 37 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Mit dem NAPE hat die Bundesregierung die Einführung eines
Förderprogramms „Energieberatung für Kommunen“ beschlossen. Die Richtlinie soll bis
Ende des Jahres 2015 veröffentlicht werden.
Mit der Energieberatung soll durch Aufzeigen konkreter Maßnahmen der
Investitionsstau an kommunalen Gebäuden und Anlagen abgebaut werden. Mit der
Beratung für den Neubau von kommunalen Gebäuden werden die Kommunen
bei der Umsetzung des Niedrigstenergiegebäudestandard gemäß EU-
Gebäuderichtlinie sowie der Vorbildfunktion der öffentlichen Hand unterstützt.
Bestehende Förderprogramme für Quartiere und Stadtteile werden berücksichtigt und
mit diesem Ansatz sinnvoll ergänzt.
Die Finanzierung soll aus dem Maßnahmenpaket für „Zukunftsinvestitionen für
öffentliche Infrastruktur und Energieeffizienz“ erfolgen.
38. Was konkret unternimmt die Bundesregierung, um die von ihr im NAPE
angekündigte Verbesserung des Vollzugs der EnEV gemeinsam mit den
Ländern zu erreichen?
Zu den Maßnahmen des NAPE gehört, dass gemeinsam mit den Ländern auf
eine Verbesserung des Vollzugs der EnEV hingewirkt wird. Dazu haben das
BMWi und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit (BMUB) gemeinsam Gespräche mit den für die EnEV zuständigen
Ministerien der Länder aufgenommen.
39. Liegen der Bundesregierung bereits Erkenntnisse auf Basis der von ihr im
NAPE angekündigten Überprüfung vor, ob die Weiterentwicklung von
Vorschriften im Bereich der Abrechnungs- und Verbrauchsinformation
einen zusätzlichen Beitrag zu Energieeinsparungen leisten können?
Falls ja, welche, und falls nein, wann erwartet die Bundesregierung hierzu
erste Ergebnisse?
Die Einführung der Heizkostenverordnung hat im Mittel zu einem
Energieminderverbrauch von ca. 15 Prozent beigetragen. Es wird geprüft, inwieweit eine
Weiterentwicklung der Vorschriften im Bereich Abrechnungs- bzw.
Verbrauchsinformation bei Wärme und Warmwasser unter Einhaltung des
Wirtschaftlichkeitsgebots einen zweckmäßigen Beitrag zu – darüber noch hinausgehenden –
Energieeinsparungen leisten kann. Dazu gibt es eine Reihe von
unterschiedlichen Studien und Expertisen. Diese werden in die Prüfung einbezogen.
Drucksache 18/4553 – 12 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode40. Hat die Bundesregierung bereits damit begonnen, die von ihr im NAPE
angekündigten Maßnahmen zur Stärkung der Rolle der
gebäudeindividuellen Sanierungsfahrpläne umzusetzen?
Falls nein, warum nicht, und wann wird sie damit beginnen?
Falls ja,
a) wie weit ist die Entwicklung eines standardisierten Verfahrens dazu
bereits fortgeschritten, und wann ist mit deren Abschluss zu rechnen
b) und hat die Prüfung der Verfahren im Praxistest durch Energieberater
bereits begonnen, bzw. wann wird diese beginnen?
Erste wissenschaftliche Überlegungen zu einzelnen Elementen eines
gebäudeindividuellen Sanierungsfahrplans werden bereits in einem Forschungsvorhaben
angestellt. Diese Elemente betreffen vor allem die Themenkomplexe
Wirtschaftlichkeit von Modernisierungsmaßnahmen und energetische Bewertung
bei Wohngebäuden. Es ist beabsichtigt, hierauf aufbauend in einem
anschließenden Vorhaben standardisierte gebäudeindividuelle Sanierungsfahrpläne für
Wohngebäude und Nichtwohngebäude zu entwickeln. In diesem Zuge werden
erste Erfahrungen aus der Praxis analysiert sowie weitere Praxistests
vorgenommen.
41. Wie sollen nach Vorstellungen der Bundesregierung die individuellen
Sanierungsfahrpläne aussehen, und welche Daten, Maßnahmen und
Empfehlungen sollen sie umfassen?
Gebäudeindividuelle Sanierungsfahrpläne sollen Eigentümern helfen,
Teilsanierungen technisch und zeitlich aufeinander abzustimmen und individuell die für
den Gebäudeeigentümer technisch, wirtschaftlich und sozial beste Lösung zu
finden. Die Modernisierung soll sich dabei am Langfristziel eines nahezu
klimaneutralen Gebäudebestandes im Jahr 2050 orientieren. Im Übrigen wird auf
die Antwort zu Frage 40 verwiesen.
42. Mit welchem Instrument und mit welcher finanziellen Ausstattung will die
Bundesregierung die im NAPE angekündigte Breitenförderung der
gebäudeindividuellen Sanierungsfahrpläne umsetzen, und wann soll diese
Förderung starten (bitte ggf. Programmtitel und Mittelausstattung
nennen)?
Es ist beabsichtigt, die gebäudeindividuellen Sanierungsfahrpläne in
standardisierter Form in die bestehenden Beratungsprogramme der Bundesregierung für
Wohngebäude und Nichtwohngebäude zu integrieren. Inwiefern dazu
Modifizierungen in den jeweiligen Programmen nötig sind, kann erst nach Abschluss
der Arbeiten entschieden werden.
43. Welche Auswirkungen haben die Änderungen im parlamentarischen
Verfahren bei der Teilumsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie, Artikel 8
Absatz 4 bis 7, auf die prognostizierte Einsparung im NAPE?
Wieviel Petajoule werden nach diesen Änderungen jährlich bis zum Jahr
2020 durch diese Energieaudits eingespart?
Der Deutsche Bundestag hat an dem durch die Bundesregierung vorgelegten
Entwurf eines Gesetzes zur Teilumsetzung der Energieeffizienzrichtlinie eine
Änderung vorgenommen. Diese ermöglicht es denjenigen Unternehmen, die
sich dafür entscheiden, über die Pflicht zur Durchführung eines ersten
Energieaudits bis zum 5. Dezember 2015 hinauszugehen und stattdessen ein Energie-
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 13 – Drucksache 18/4553managementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder ein
Umweltmanagementsystem nach EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) einzuführen. Die
Zertifizierung dieses Systems ist erst bis Ende des Jahres 2016 nachzuweisen. Da
diese Änderung die Pflicht der betroffenen Unternehmen unberührt lässt, ihren
Energieverbrauch sowie Einsparpotenziale im Wege entweder eines
Energieaudits oder eines Energie- bzw. Umweltmanagementsystems zu erfassen, wird
mit keinen Auswirkungen auf die prognostizierten Einsparungen gerechnet. Die
im NAPE für diese Maßnahme genannte prognostizierte Reduktion des
Primärenergieverbrauchs in Höhe von 50,5 Petajoule bis zum Jahr 2020 bleibt insofern
durch die Änderung unberührt.
44. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung bereits ergriffen, und
welche weiteren Maßnahmen plant sie wann zur Umsetzung einer Nationalen
Top-Runner-Initiative?
Unter dem Dach der Nationalen Top-Runner-Initiative bündelt die
Bundesregierung verschiedene Maßnahmen, um die ordnungsrechtlichen Aktivitäten im
Rahmen der Öko-Design- und der Energieverbrauchskennzeichnung-Richtlinie
auf nationaler Ebene zu unterstützen und konzeptionell weiterzuentwickeln.
Ziel der Initiative ist es, die Kompetenz und Motivation für Stromeffizienz,
produktbezogene Energieeffizienz und rationelle Energienutzung bei den
entscheidenden gesellschaftlichen „Effizienzakteuren“ – Geräteherstellern, Handel und
Verbrauchern – zu stärken und energieeffiziente Produkte (Top-Runner) schnell
und nachhaltig in den Markt zu bringen. Im Rahmen der Nationalen Top-Runner-
Initiative sollen neue Ansätze zur Förderung des intelligenten und
systemorientierten Einsatzes von energieeffizienten Produkten entwickelt und integriert
werden. Ansätze hierfür sind etwa die Entwicklung einer Online-Datenbank zur
verbesserten Information von Verbrauchern und Handel, ein Forum für
Stakeholder-Dialoge mit den verschiedenen Effizienzakteuren zu aktuellen und
konzeptionellen Fragestellungen oder eine „Open Innovation Plattform“ zur
Entwicklung neuer Produktideen.
Derzeit werden die einzelnen Elemente mit den betroffenen Akteuren diskutiert
und ausgestaltet. Das Detailmanagement der Initiative wird in den nächsten
Monaten ausgeschrieben.
45. Ab wann erwartet die Bundesregierung jährlich welche Einspareffekte
durch die Nationale Top-Runner-Initiative (bitte Maßnahme, Jahr und
Einsparungseffekt auflisten)?
Im Rahmen des NAPE hat die Bundesregierung mögliche Einsparpotenziale
durch die Nationale Top-Runner-Initiative abschätzen lassen. Dabei wurden
einerseits die Einsparwirkungen für die Umsetzung der Instrumente Ökodesign-
Richtlinie (2009/125/EG) und Energieverbrauchskennzeichnungs-Richtlinie
(2010/30/EU) berechnet. Darüber hinaus wurden die Potenziale aus der
Verstärkung der Informationskampagnen für die Zielgruppen Verbraucher, Hersteller
und Handel berücksichtigt.
Resultierend aus den Analysen erwartet die Bundesregierung für die
Umsetzungsphase der Nationalen Top-Runner-Initiative als Gesamtwirkung aus
Ökodesign, EU-Label und Nationale Top-Runner-Initiative Einsparungen von
insgesamt bis zu 85 Petajoule Primärenergieverbrauch und 5,1 Mt CO2-Äquivalent
bis zum Jahr 2020. Da die Maßnahmen sich gegenseitig unterstützen und
voneinander abhängig sind, lässt sich ihre Wirkung nicht getrennt voneinander
berechnen.
Die Gesamteinsparung wird auch davon abhängig sein, wann und wie die
europäischen Richtlinien novelliert werden.
Drucksache 18/4553 – 14 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode46. Ab wann rechnet die Bundesregierung frühestens mit der Umsetzung ihrer
Reformvorschläge für die EU-Ökodesignrichtlinie und die Label-
Richtlinie?
Die Federführung für die Fortentwicklung und Revision der EU-
Energieverbrauchskennzeichnungs-Richtlinie und für die EU-Ökodesign-Richtlinie liegt
bei der Europäischen Kommission. Die Umsetzung von Reformvorschläge
hängt davon ab, wann die Europäische Kommission Entwürfe für eine
Novellierung der Richtlinien vorlegt. Eine Verabschiedung der Novelle wird frühestens
für Ende 2015 erwartet. Danach gilt es die bestehenden Produktverordnungen an
den Vorgaben der Richtlinie anzupassen.
47. Falls die Bundesregierung für ihre Zielvorstellungen für eine Reform der
Ökodesign- und Label-Richtlinie absehbar keine Mehrheiten auf EU-Ebene
findet, welche Maßnahmen will sie ergreifen, um die durch die Reform
dieser Richtlinie eingeplanten Energieeinsparungen auf einem anderen Weg
zu erzielen?
Die Vorschläge für eine Revision der EU-Energieverbrauchskennzeichnungs-
und Ökodesign-Richtlinien gehören zu den Sofortmaßnahmen des NAPE.
Darüber hinaus sieht der NAPE weiterführende Arbeitsprozesse vor, aus denen
weitere Maßnahmen hervorgehen werden, die zusätzliche Energieeinsparung
erwarten lassen.
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ISSN 0722-8333]