[Deutscher Bundestag Drucksache 18/4759
18. Wahlperiode 28.04.2015Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan van Aken, Christine Buchholz,
Wolfgang Gehrcke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/4551 –
Rüstungsexporte nach Griechenland
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Griechenland war in den letzten Jahrzehnten einer der wichtigsten Kunden der
deutschen Rüstungsindustrie (vgl. ZEIT ONLINE vom 7. Januar 2012,
SPIEGEL ONLINE vom 20. Oktober 2010). Die gemessen an seiner
Wirtschaftsleistung höchsten Rüstungsausgaben in der Europäischen Union müssen
nach Auffassung der Fragesteller als einer der Gründe für die heute enorme
Verschuldung des Landes aufgeführt werden. Immer wieder wurden in den
vergangenen Jahren Informationen über korrupte Praktiken rund um die
griechischen Beschaffungsprogramme bekannt. Auch die Namen deutscher
Rüstungskonzerne tauchten in diesem Zusammenhang auf (vgl. ZEIT ONLINE vom
28. Dezember 2013). Aufgrund der sich immer weiter verschärfenden
wirtschaftlichen Rezession in Griechenland drängt sich die Frage auf, wie die
Bundesregierung die Anschaffung deutscher Militärtechnologie und deutscher
Militärgüter vor, aber vor allem auch nach Bekanntwerden der Krise in
Griechenland mit Blick auf die technologische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
des Landes rechtfertigt, die es im Rahmen der Gemeinsamen Außen- und
Sicherheitspolitik der Europäischen Union zu beachten gilt (vgl. Gemeinsamer
Standpunkt 2008/944/GASP des Rates).
1. Ist die Bundesregierung der Ansicht, dass die massiven Rüstungsimporte
Griechenlands im vergangenen Jahrzehnt zur Überschuldung des Landes
beigetragen haben, und falls nein, warum nicht?
Der Bundesregierung liegen zu den Rüstungsimporten Griechenlands aus
anderen Staaten keine statistischen Angaben vor.
Das Statistische Amt der Europäischen Union, Eurostat, liefert Daten zu den
Verteidigungsausgaben der Mitgliedstaaten, so auch zu Griechenland. Diese
Daten sind jedoch nicht nach einzelnen Kategorien, wie beispielsweise den
Rüstungsimporten aufgegliedert. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
24. April 2015 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/4759 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeLaut Eurostat entwickelten sich die die griechischen Verteidigungsausgaben in
den Jahren 2003 bis 2012 wie folgt:
Mit rund 8 Mrd. Euro erreichten die griechischen Verteidigungsausgaben im
Jahr 2009 (entspricht 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – BIP) einen
Spitzenwert.
Im Rahmen der Umsetzung des wirtschaftlichen Anpassungsprogramms
wurden die griechischen Verteidigungsausgaben – wie alle anderen
Ausgabenkategorien – erheblich gekürzt. Seit dem Jahr 2010 sind die Ausgaben daher stark
rückläufig. Sie lagen im Jahr 2012 bei rund 4,6 Mrd. Euro (entspricht 2,4
Prozent des BIP). Daten ab dem Jahr 2013 liegen noch nicht vor.
2. Den Export welcher Kriegswaffen an Griechenland hat die
Bundesregierung seit dem 1. Januar 2014 genehmigt (bitte nach Monaten aufschlüsseln
und unter Angabe des jeweiligem Wertes und Stückzahl und genauer
Bezeichnung der Kriegswaffe, d. h. beispielsweise „Leopard 2A4“ anstatt
„KWL-Nummer 24“, die genaue Bezeichnung bitte auch bei den folgenden
Antworten angeben)?
Seit dem 1. Januar 2014 wurden folgende Genehmigungen erteilt:
● Dezember 2014 für zwei Abfeuereinrichtungen RAM
(Lenkflugkörperabwehrsystem zum Einbau auf Marineschiffen),
● März 2015 für 4 544 Patronen 120 mm Panzermunition.
Angaben zum Wert können nicht gemacht werden, da diese Angaben für eine
Antragstellung nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz entsprechend der Zweiten
Durchführungsverordnung zum Kriegswaffenkontrollgesetz nicht erforderlich
sind.
3. Welche dieser Genehmigungen wurden seitens der Hersteller ausgenutzt,
und welche noch nicht?
Für beide Genehmigungen liegen bislang keine Ausnutzungsmeldungen vor.
4. Den Export welcher sonstiger Rüstungsgüter an Griechenland hat die
Bundesregierung seit dem 1. Januar 2014 genehmigt (bitte nach Monaten und
unter Angabe des jeweiligen Wertes und der Stückzahl aufschlüsseln)?
Seit dem 1. Januar 2014 wurden folgende Genehmigungen für den Export von
sonstigen Rüstungsgütern nach Griechenland erteilt (Eine Angabe der Stückzahl
kann nicht vorgenommen werden, da eine Vielzahl unterschiedlichster Güter
erfasst ist.):
UNIT/TIME 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
Million Euro 6 001,0 5 966,0 5 718,0 5 312,0 5 962,0 7 045,0 7 982,0 5 305,0 4 933,0 4 608,0
Percentage of
GDP
3,5 3,2 3,0 2,5 2,7 3,0 3,5 2,4 2,4 2,4
Monat/Jahr Güter Wert in Euro
01/2014 Teile für Torpedos, Flugkörper, Seeminen und Flugabwehrsysteme 1 670
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 2 608 534
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/475902/2014 Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
100 000
Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
454 263
Teile für U-Boote 5 636
Bildverstärkerröhren 10 089
Bildverstärkerröhren 28 200
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 73 413
03/2014 Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
3 418
Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
4 779 594
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 32 401
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 2 000
04/2014 Technologie für militärische Ausrüstung 50 000
Teile für Haubitzenmunition, Granatmaschinenwaffenmunition und
Granatpistolenmunition
10 800
Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
8 482
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 209 552
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 370 680
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 28 769
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 6 053
Teile für Herstellungsausrüstung für militärische Ausrüstung 6 762
05/2014 Teile für Torpedos, Flugkörper, Seeminen und Flugabwehrsysteme 5 020
Teile für Torpedos, Flugkörper, Seeminen und Flugabwehrsysteme 308 559
Teile für Feuerleiteinrichtungen und Zielentfernungsmesssysteme 2 835
Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
952 430
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 13 098
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 108 706
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 1 174 764
06/2014 Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
660 255
Monat/Jahr Güter Wert in Euro
Drucksache 18/4759 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 13 360
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 500 000
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 20 441
Tarnnetze und Tarnfarben 980
07/2014 Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
304 560
Teile für U-Boote 6 640
Teile für Hubschrauber 152 900
Teile für elektronische Ausrüstung und Kommunikationsausrüstung 1 007
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 69 268
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 4 270
Tarnnetze und Tarnfarben 60 000
08/2014 Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
77 084
Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
616
Teile für U-Boote 5 814
Bodengeräte 2 300
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 20 374
09/2014 Technologie für militärische Ausrüstung 5 000
Teile für Torpedos, Flugkörper, Seeminen und Flugabwehrsysteme 6 730
Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
1 366
10/2014 Teile für Haubitzenmunition, Granatmaschinenwaffenmunition und
Granatpistolenmunition
179 920
Teile für Feuerleiteinrichtungen und Zielentfernungsmesssysteme 361
Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
204 500
Teile für elektronische Ausrüstung und Kommunikationsausrüstung 3 630
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 17 635
Teile für Herstellungsausrüstung für militärische Ausrüstung 726
11/2014 Technologie für militärische Ausrüstung 1 000
Monat/Jahr Güter Wert in Euro
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/4759 Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
3 364
Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
1 007
Bildverstärkerröhren 18 350
12/2014 Teile für Torpedos, Flugkörper, Seeminen und Flugabwehrsysteme 7 020
Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
4 500
Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geländefahrzeuge und
Landfahrzeuge
646
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 1 501
Tarnnetze und Tarnfarben 1 295
2014 Summe 13 714 148
Monat / Jahr Güter Wert in Euro
01/2015 Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge 26 403
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 59 271
02/2015 Technologie für militärische Ausrüstung 1
Teile für Torpedos 35 264
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 1 229
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 39 067
Herstellungsausrüstung für militärische Ausrüstung 800
03/2015 Teile für Waffenzielgeräte 70 960
Teile für Waffenzielgeräte und Halterungen 32 263
Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge 1 006
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 9 610
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 20 040
Teile für Triebwerke 12 000
Bodengeräte 5 250
elektronische Mess- und Prüfausrüstung 1 200
Schmiedestücke, Gussstücke und unfertige Erzeugnisse 8 796
2015 Summe 323 160
Monat/Jahr Güter Wert in Euro
Drucksache 18/4759 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode5. Wie hoch war der Gesamtwert der tatsächlichen Ausfuhren von
Kriegswaffen nach Griechenland im Jahr 2014, und wie hoch war der jeweilige Wert
der tatsächlichen Ausfuhren von Kriegswaffen nach Griechenland in den
Monaten Januar, Februar und März 2015?
Im Jahr 2014 sowie im Januar und Februar 2015 hat es keine Ausfuhren von
Kriegswaffen nach Griechenland gegeben. Für März 2015 liegen noch keine
Werte vor.
6. Wie hoch war der Gesamtwert der tatsächlichen Ausfuhren von sonstigen
Rüstungsgütern nach Griechenland im Jahr 2014, und wie hoch war der
jeweilige Wert der tatsächlichen Ausfuhren von sonstigen Rüstungsgütern
nach Griechenland in den Monaten Januar, Februar und März 2015?
Zurzeit wird geprüft, ob ein Gesamtwert der tatsächlichen Ausfuhren von
sonstigen Rüstungsgütern ermittelt werden kann.
7. Für welche Rüstungsexporte nach Griechenland hat die Bundesregierung
seit dem Jahr 2000 Hermes-Bürgschaften gewährt (bitte nach Jahr und unter
Angabe der Deckungssumme, des Gegenstandes und der Stückzahl
aufschlüsseln)?
In den Jahren 2001 und 2003 wurden jeweils Deckungen für 20 Radarsysteme
und zehn Infrarotsensoren übernommen; im Jahr 2001 im Wert von 18 Mio.
Euro und im Jahr 2003 in Höhe von 23,5 Mio. Euro.
8. Befinden sich Hermes-Bürgschaften für den Export von Rüstungsgütern
nach Griechenland gegenwärtig im Genehmigungsverfahren (bitte unter
Angabe der Deckungssumme, des Gegenstandes und der Stückzahl)?
Es liegen keine weiteren Anträge auf Übernahme von Exportkreditgarantien vor.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g z u d e n F r a g e n 9 b i s 12
s o w i e 15
Die Strafverfolgung liegt grundsätzlich in der Zuständigkeit der
Strafverfolgungsbehörden der Länder. Dies gilt auch für Straftaten der Bestechung
ausländischer Amtsträger. Die Länder informieren das Bundesministerium der Justiz
und für Verbraucherschutz seit dem Jahr 2004 jährlich über die von ihnen
eingeleiteten Ermittlungsverfahren in Auslandsbestechungsfällen. Aufgrund dieser
Informationen berichtet die Bundesregierung in anonymisierter Form der OECD
Working Group on Bribery in International Business Transactions (OECD –
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) über die
praktische Umsetzung des OECD-Übereinkommens vom 17. Dezember 1997 über
die Bekämpfung der Bestechung ausländischer Amtsträger im internationalen
Geschäftsverkehr. Die Berichte der Länder enthalten grundsätzlich nur
anonymisierte Angaben über die Beteiligten sowie allgemein gehaltene Informationen
über den Verfahrensgegenstand. Eine systematische Zuordnung der Verfahren
zu einzelnen Branchen, beteiligten Unternehmen und ausländischen Staaten ist
daher nicht möglich.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/4759 9. Welche staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Deutschland gegen
welche deutschen Rüstungskonzerne (inklusive ausländischer
Tochterunternehmen) im Zusammenhang mit Rüstungslieferungen sind der
Bundesregierung seit dem Jahr 2000 bekannt geworden (bitte unter jeweiliger
Angabe des Jahres in dem die Ermittlungen aufgenommen wurden, des
mutmaßlichen Zeitpunktes der Straftat und des Straftatbestandes)?
Der Bundesregierung ist bekannt, dass durch die Staatsanwaltschaften München I
und Bremen Ermittlungsverfahren gegen deutsche Rüstungsunternehmen
wegen Bestechungsvorwürfen geführt werden.
Darüber hinaus hat der Zollfahndungsdienst im Auftrag von
Staatsanwaltschaften in den vergangenen zehn Jahren insgesamt sechs Ermittlungsverfahren im
Zusammenhang mit Lieferungen von Rüstungsgütern nach Griechenland wegen
des Verdachts von Verstößen gegen § 34 Absatz 1 des Außenwirtschaftsgesetzes
a. F. (ungenehmigte Verbringung) geführt.
Die Sachleitungsbefugnis und die Informationshoheit für die jeweiligen
Verfahren obliegen den zuständigen Staatsanwaltschaften.
Aufgrund datenschutzrechtlicher Löschung von Daten können seitens der
Zollverwaltung keine Aussagen zu etwaigen Ermittlungsverfahren in dem Zeitraum
der Jahre 2000 bis 2004 getroffen werden.
10. Welche dieser Ermittlungen haben nach Kenntnis der Bundesregierung zu
einer Anklage geführt, welche davon endeten mit einem Vergleich und
welche mit einem Urteil?
Der Bundesregierung sind folgende Verfahrensausgänge bekannt:
● ein Verfahren – Erlass eines Bußgeldbescheides,
● zwei Verfahren – Einstellung,
● zwei Verfahren – Zahlung einer Geldauflage,
● ein Verfahren – Strafbefehl mit einer Geldstrafe.
11. Welche Ermittlungen in Griechenland gegen welche deutschen
Rüstungskonzerne (inklusive ausländischer Tochterunternehmen) im
Zusammenhang mit Rüstungslieferungen sind der Bundesregierung seit dem Jahr
2000 bekannt geworden (bitte unter jeweiliger Angabe des Jahres in dem
die Ermittlungen aufgenommen wurden, des mutmaßlichen Zeitpunktes
der Straftat und des Straftatbestandes)?
Der Bundesregierung ist bekannt, dass Griechenland im Zusammenhang mit
Bestechungsvorwürfen bei Rüstungsgeschäften drei Rechtshilfeersuchen gestellt
und zwei Europäische Haftbefehle mit dem Ziel der Auslieferung von
Deutschland nach Griechenland übersandt hat. Über die Bewilligung von Rechtshilfe-
und Auslieferungsersuchen von Mitgliedstaaten der Europäischen Union
entscheiden die zuständigen Landesjustizbehörden. Eine Zuständigkeit der
Bundesregierung besteht nicht.
12. Welche dieser Ermittlungen haben nach Kenntnis der Bundesregierung zu
einer Anklage geführt, welche davon endeten mit einem Vergleich und
welche mit einem Urteil?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.
Drucksache 18/4759 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode13. Welche staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen aktive oder
ehemalige Amtsträger der Bundesrepublik Deutschland im Zusammenhang mit
Rüstungslieferungen nach Griechenland sind der Bundesregierung seit
dem Jahr 2000 bekannt geworden (bitte unter jeweiliger Angabe des
Jahres in dem die Ermittlungen aufgenommen wurden, des mutmaßlichen
Zeitpunktes der Straftat und des Straftatbestandes)?
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung zu Frage 9 wird Bezug genommen.
Die darin genannten Berichte der Länder betreffen Ermittlungsverfahren wegen
des Vorwurfs der Bestechung ausländischer Amtsträger.
14. Welche dieser Ermittlungen haben nach Kenntnis der Bundesregierung zu
einer Anklage geführt, welche davon endeten mit einem Vergleich, welche
mit einem Urteil?
Es wird auf die Antwort zu Frage 13 verwiesen. Darüber hinaus liegen der
Bundesregierung hierzu keine Erkenntnisse vor.
15. Welche staatsanwaltlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit
deutschen Rüstungslieferungen nach Griechenland in einem Drittland sind der
Bundesregierung seit dem Jahr 2000 bekannt geworden (bitte unter
jeweiliger Angabe des Jahres in dem die Ermittlungen aufgenommen wurden,
des mutmaßlichen Zeitpunktes der Straftat und des Straftatbestandes und
des Drittlandes)?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.
16. Bei welchen dieser Fälle (Fragen 9, 11, 13 und 15) hat die
Bundesregierung die Ermittlungen in welcher Form unterstützt?
Über die Bewilligung von Rechtshilfe- und Auslieferungsersuchen von
Mitgliedstaaten der Europäischen Union entscheiden die zuständigen
Landesjustizbehörden. Weitere Erkenntnisse liegen der Bundesregierung nicht vor.
17. Hatte die Bundesregierung seit dem Jahr 2000 Kenntnisse über korrupte
Praktiken im griechischen Beschaffungsapparat, falls ja, seit wann genau,
und wie ist sie an diese Kenntnisse gelangt?
Der Bundesregierung liegen keine über die Presseberichterstattung oder
öffentlich zugängliche Umfragen und Studien von Einrichtungen wie z. B.
Transparency International hinausgehenden Informationen vor.
18. Hat die Bundesregierung von der griechischen Initiative Kenntnis
genommen, von Rüstungskonzernen, die im Zusammenhang mit
Rüstungsexporten nach Griechenland Bestechungsgelder gezahlt haben sollen, eine
finanzielle Kompensation zu erhalten (u. a. Reuters: „Griechenland geht
gegen deutsche Rüstungsschmieden vor“, 23. März 2015)?
Eine offizielle Unterrichtung der Bundesregierung über eine solche Initiative
durch die griechische Regierung ist nicht erfolgt. Entsprechende
Pressemeldungen zu diesem Thema sind der Bundesregierung bekannt.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/475919. Ist die griechische Regierung in den vergangenen Jahren bei der
Bundesregierung mit dieser oder einer ähnlichen Initiative vorstellig geworden
und falls ja, wann und wie hat die Bundesregierung auf diese Initiative
reagiert?
Es wird auf die Antwort zu Frage 18 verwiesen.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g z u d e n F r a g e n 2 0 b i s 2 2
Die Bundesregierung steht grundsätzlich u. a. mit Unternehmen, Institutionen,
Bürgerinitiativen, Vereinen, Gewerkschaften und Verbänden sowie
ausländischen Interessenvertretungen im ständigen Austausch.
Eine umfassende Dokumentation (z. B. Erfassung sämtlicher Veranstaltungen,
Reisen, Sitzungen und Termine nebst Teilnehmern) wurde und wird seitens der
Bundesregierung nicht geführt.
20. Auf welchen Reisen welcher Mitglieder der Bundesregierung nach
Griechenland seit dem Jahr 2008 reisten Vertreter deutscher
Rüstungsunternehmen mit (bitte unter Angabe des Datums der Reise, des Namens
des Unternehmens sowie des Namens des Vertreters)?
In den Jahren 2008, 2013, 2014 bis einschließlich März 2015 wurden nach
Griechenland keine Reisen von Mitgliedern des Bundeskabinetts unter
Begleitung von Vertretern deutscher Rüstungsunternehmen unternommen.
Für den Zeitraum der Jahre 2009 bis 2012 wird auf die Antwort der
Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf
Bundestagsdrucksache 17/9854 vom 31. Mai 2012, in der die Auslandsreisen von
Mitgliedern des Bundeskabinetts unter Begleitung von Vertretern der deutschen
Wirtschaft abgedeckt wurden, insbesondere zum Begriff „Rüstungsunternehmen“ in
den Vorbemerkungen der Bundesregierung, verwiesen.
21. In welchen Gesprächen zwischen Vertretern der Bundesregierung und
Vertretern der griechischen Regierung seit dem Jahr 2008 war der Export
von Rüstungsgütern aus Deutschland nach Griechenland Thema (bitte
unter Angabe der Namen der Gesprächsteilnehmer, der Institution bzw.
Organisation, des Datums und des Exportvorhabens)?
In seinem Urteil vom 21. Oktober 2014 (2 BvE 5/11) hat das
Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass die Bundesregierung verpflichtet ist, den
Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf entsprechende Anfragen hin
mitzuteilen, dass eine Genehmigung für ein bestimmtes, das heißt hinsichtlich des
Rüstungsguts, des Auftragsvolumens und des Empfängerlandes konkretisiertes
Kriegswaffenexportgeschäft genehmigt hat, oder dass eine Genehmigung für ein
wie in der Anfrage beschriebenes Geschäft nicht erteilt worden ist. Zu darüber
hinausgehenden Angaben ist die Bundesregierung verfassungsrechtlich nicht
verpflichtet. Insbesondere zählen Vorgänge und Beratungen aus dem Vorfeld
getroffener Rüstungsexportentscheidungen zum Kernbereich exekutiver
Eigenverantwortung, deren Offenbarung zudem Verwerfungen mit anderen Staaten
hervorrufen könnte und von der Bundesregierung daher auch aus
Staatswohlgründen abgelehnt werden kann (vgl. BVerfG a. a. O., Rn. 168 ff.).
Zu Art und Umfang erteilter Rüstungsexportgenehmigungen im erfragten
Zeitraum wird im Übrigen auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine
Anfrage der Fraktion DIE LINKE. zu Rüstungsexportentscheidungen des
Bundessicherheitsrates auf die Bundestagsdrucksache 18/4194 verwiesen.
Drucksache 18/4759 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode22. In welchen Gesprächen zwischen Vertretern der Bundesregierung und
Vertretern der griechischen Regierung seit dem Jahr 2008 war das Thema
Korruption im Zusammenhang mit dem Export von Rüstungsgütern aus
Deutschland nach Griechenland Gegenstand, und welche Position hat der
Vertreter der Bundesregierung dabei jeweils eingenommen (bitte unter
Angabe der Namen der Gesprächsteilnehmer, der Institution bzw.
Organisation und des Datums)?
Es wird auf die Antwort zu Frage 21 verwiesen.
23. Ist die Bundesregierung bereit, die griechische Regierung bei der
Modifizierung von bestehenden Verträgen zum Kauf von deutschen Waffen
hinsichtlich einer Reduzierung des Kaufpreises und/oder des Stückpreises
und/oder der Verlängerung des Liefer- und Zahlungszeitraumes zu
unterstützen, und falls nein, sieht die Bundesregierung in der unveränderten
Fortführung dieser Verpflichtungen nicht eine weitere Belastung des
griechischen Staatshaushaltes, die die Bedienung der griechischen Schulden
erschwert?
Derzeit bestehen keine Verträge zwischen der Bundesrepublik Deutschland und
Griechenland über den Verkauf von Rüstungsgütern aus Beständen der
Bundeswehr.
Gespräche über eine Modifizierung von bestehenden Verträgen zwischen
deutschen Unternehmen und Griechenland sind der Bundesregierung nicht bekannt.
Es handelt sich um Vertragsverhältnisse, die nicht die Zuständigkeit der
Bundesregierung berühren.
24. Ist die Bundesregierung bereit, dem Deutschen Bundestag volle Einsicht
in das Schreiben des griechischen Ministerpräsidenten Konstantinos
Simitis an den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder vom 9. März
2000 zu gewähren, und falls nein, warum nicht?
Das parlamentarische Frage- und Informationsrecht vermittelt keinen Anspruch
auf Einsichtnahme in Unterlagen oder auf deren Übermittlung.
25. Ist die Bundesregierung bereit, dem Deutschen Bundestag volle Einsicht
in das Schreiben vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder an den
griechischen Ministerpräsidenten Konstantinos Simitis vom 13. April
2000 zu gewähren, und falls nein, warum nicht?
Es wird auf die Antwort zu Frage 24 verwiesen.
26. Wann wurden diese beiden Schreiben (Fragen 24 und 25) in welche
Geheimhaltungsstufe eingestuft, und wer hat diese Einstufung angeordnet?
Die in den Fragen 24 und 25 erwähnten Schreiben sind nicht eingestuft.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]