[Deutscher Bundestag Drucksache 18/5491
18. Wahlperiode 08.07.2015Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Karin Binder, Caren Lay,
Heidrun Bluhm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/5082 –
Salmonellenausbruch bei einem bayerischen Eierproduzenten
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Im Sommer 2014 erkrankten in Deutschland, Österreich, Großbritannien und
Frankreich hunderte Menschen fast zeitgleich an der Salmonellose desselben
Typs Salmonella enteritidis PT14b. Nach einem Medienbericht der
„Süddeutschen Zeitung“ vom 21. Mai 2015 mit dem Titel „Verdorben“ ging die
gefährliche Bakterieninfektion offenbar auf belastete Eier eines einzigen
Legehennen-Bestandes in Bayern zurück, der zu einem der größten Eierproduzenten in
Deutschland gehört. Die Behörden der anderen betroffenen Staaten jedenfalls
zeigten nach sorgfältigen Untersuchungen deutlich auf, dass der Ursprung des
Salmonellenausbruchs mit ernstzunehmender Wahrscheinlichkeit in der
bayerischen Legehennen-Haltung liegt.
Im betroffenen Betrieb selbst, der die Legehennen in Kleingruppenkäfigen
hält, verendeten zum Höhepunkt des Ausbruchs täglich mehrere hundert
Hühner. Gegenüber den besorgten Mitarbeitern wurde die hohe Sterberate der Tiere
von der Betriebsführung offenbar mit der Sommerhitze begründet. Amtliche
Kontrolleure wiesen in dem Betrieb nach dem Medienbericht bereits deutlich
vor dem Ausbruch bei zwei Untersuchungen Salmonellen auf Eiern nach,
ergriffen aber keine Maßnahmen, um eine Ausbreitung der Erreger wirksam zu
bekämpfen. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und
Lebensmittelsicherheit sei bei ausreichender Küchenhygiene keine
Gesundheitsgefahr zu erwarten. Auch während sich die Salmonelleninfektionen
ausbreiteten, wurden in dem Betrieb Nachweise des Typs PT14b erbracht, eine
Verbraucherwarnung blieb jedoch aus.
Bereits in der Vergangenheit stand die Wirksamkeit der
Lebensmittelüberwachung in der Kritik. Beklagt wurden insbesondere nach Lebensmittelskandalen
die unzureichende Zusammenarbeit der Behörden der Bundesländer und des
Bundes, ein unzureichender Informationsaustausch sowie
Koordinationsmängel in Krisensituationen. Zudem könnten die Überwachungsbehörden ihrer
Überwachungspflicht aufgrund von Personal- und Ausstattungsmängeln nicht
immer nachkommen (siehe Gutachten des Präsidenten des
Bundesrechnungshofs als Bundesbeauftragter für Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung
„Organisation des gesundheitlichen Verbraucherschutzes – Schwerpunkt
Lebensmittel“ von Oktober 2011). Das System der Lebensmittelsicherheit in Deutschland
fußt auf dem Recht der Europäischen Union (EU), das im Wesentlichen mit Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
vom 6. Juli 2015 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/5491 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodedem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) in nationales Recht
umgesetzt wurde. Obwohl in Deutschland die Bundesländer ganz überwiegend
die Lebensmittelüberwachung durchführen, ist der Bund für die Umsetzung
und Einhaltung der EU-Vorgaben einschließlich der damit
zusammenhängenden Berichtspflichten zuständig. Zudem muss er laufend die Wirksamkeit
durch Kontrollverfahren überprüfen und koordiniert die Zusammenarbeit mit
den Ländern. Der staatenübergreifende Salmonellenausbruch wirft erneut die
Frage auf, inwieweit die derzeitige Organisation der Lebensmittelüberwachung
hinreichend geeignet ist, die Gesundheit der Bevölkerung und die Einhaltung
EU-rechtlicher Lebensmittelvorschriften in geeigneter Weise sicherzustellen.
1. In wie vielen Fällen wurde nach Kenntnis der Bundesregierung seit Januar
2014 in welchen Bundesländern der Salmonellentyp Salmonella enteritidis
PT14b durch amtliche oder betriebliche Kontrollen nachgewiesen bzw.
gemeldet, und in wie vielen Fällen haben nichtamtliche Labore Nachweise
dieses Typs an die Behörden gemeldet?
Artikel 9 Absatz 1 der Richtlinie 2003/99/EG sieht vor, dass jährlich im Bericht
über Entwicklungstendenzen und Quellen von Zoonosen, Zoonoseerregern und
Antibiotikaresistenzen auch die Daten zur Bewertung der nationalen
Bekämpfungsprogramme gemäß der Verordnung (EG) Nr. 2160/2003 veröffentlicht
werden. Für diese Berichterstattung zu den nationalen
Bekämpfungsprogrammen werden seit dem Jahr 2011 die Anzahl und Ergebnisse der durchgeführten
Untersuchungen entsprechend der vorgegebenen Kategorien aufgeschlüsselt
und zusammen mit der Berichterstattung zu den kofinanzierten nationalen
Programmen gemäß der Entscheidung 2008/940/EG, die die
Standardberichtsanforderungen festlegt, von den Ländern an das Bundesministerium für Ernährung
und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
übermittelt.
Für das Berichtsjahr 2014 liegen folgende Ergebnisse zu Untersuchungen bei
Legehennen im Rahmen der Bekämpfungsprogramme vor:
Insgesamt wurden Untersuchungen gemäß der Verordnung (EG) Nr. 517/2011
zu 5 256 Herden an das BfR berichtet (Tabelle 1). Bei 23 (0,4 Prozent) der
Legehennenherden wurden Salmonella (S.) Enteritidis in der Legephase
nachgewiesen. Dieser positive Nachweis erfolgte bei neun Herden im Rahmen der
Beprobung auf Betreiben des Lebensmittelunternehmers und in 19 Herden im
Rahmen der amtlichen Überwachung. Positive Befunde im Rahmen von
Verdachts- und Verfolgungsuntersuchungen wurden nicht mitgeteilt.
Weitergehende Informationen, insbesondere ob es sich hierbei um den
Phagentyp 14b gehandelt hat, liegen dem BfR und der Bundesregierung nicht vor.
Tabelle 1: Untersuchung von Legehennen (Gallus gallus) nach der
Verordnung (EG) Nr. 517/2011 im Jahr 2014
Herden S. Enteritidis
Untersucht positiv %
Beprobung (gesamt) 5 256 23 0,4
Hiervon: Beprobung auf Betreiben des Unternehmers 5 139 9 0,2
Hiervon: Beprobung im Rahmen der amtl. Überwachung
hiervon: Routinebeprobung im Rahmen der amtl. Überwachung
hiervon: Verdachts- und Verfolgsuntersuchung im Rahmen der
amtlichen Überwachung
2 424
2 415
9
19
19
0
0,8
0,8
0,0
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/5491Bei der Untersuchung von Legehennen während der Aufzucht gemäß der
Verordnung (EG) Nr. 2160/2003 wurde bei einer der insgesamt 1 160 untersuchten
Herden ein Nachweis von S. Enteritidis berichtet. Dieser Nachweis erfolgte im
Rahmen von amtlichen Untersuchungen.
Tabelle 2 zeigt die Ergebnisse getrennt für die einzelnen Bundesländer auf.
Positive Nachweise von S. Enteritidis wurden aus Baden-Württemberg, Bayern,
Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und
Sachsen-Anhalt berichtet. Hierbei wurden die positiven Nachweise in drei
Ländern (Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt) nur bei Untersuchungen
im Rahmen der amtlichen Überwachung berichtet.
Tabelle 2: Untersuchung von Legehennen (Gallus gallus) gemäß der
Verordnung (EG) Nr. 517/2011 in 2014. Nur Nachweise von S. Enteritidis
sind positiv gewertet
Erkenntnisse, inwieweit die Untersuchungen auf Veranlassung des
Lebensmittelunternehmers in amtlichen Laboren oder nicht amtlichen Laboren
durchgeführt wurden und durch welche Einrichtung die Meldung an die zuständige
Behörde in den Ländern erfolgte, liegen dem BfR und der Bundesregierung
nicht vor.
In Bayern wurden, ergänzend zu dem Zoonosen-Monitoring, freiwillige
Untersuchungen von Konsumeiern auf Salmonella spp. durchgeführt. Dabei wurde
ein Isolat an das NRL Salmonella zur Serotypisierung eingesendet, welches als
S. Enteritidis bestätigt wurde.
Für die Zoonosen-Erhebung werden jährlich die Ergebnisse der Untersuchungen
in den Ländern vom BfR erfragt und in einem Bericht zusammengefasst. Bei
insgesamt acht (0,18 Prozent) von 4 522 Konsumeiern, die als Planproben
untersucht wurden, wurden Salmonellen nachgewiesen, in drei Fällen handelte es
sich um S. Enteritidis. Diese positiven Befunde von S. Enteritidis wurden aus
Bayern und Nordrhein-Westfalen berichtet. Bei 16 (2,65 Prozent) von 603 Kon-
Beprobung gesamt
auf Betreiben des
Unternehmers
Amtliche Überwachung
Land Unters. positiv % pos. Unters. positiv % pos. Unters. positiv % pos.
BB 221 0 0,0 220 0 0,0 65 0 0,0
BW 914 2 0,2 914 1 0,1 494 2 0,4
BY 744 4 0,5 744 0 0,0 289 4 1,4
HE 178 0 0,0 178 0 0,0 51 0 0,0
MV 277 0 0,0 277 0 0,0 76 0 0,0
NI 807 3 0,4 807 2 0,2 631 1 0,2
NW 758 2 0,3 722 0 0,0 447 2 0,4
RP 225 6 2,7 225 4 1,8 94 6 6,4
SH 243 0 0,0 163 0 0,0 80 0 0,0
SL 50 2 4,0 50 1 2,0 15 1 6,7
SN 480 2 0,4 480 1 0,2 56 1 1,8
ST 197 2 1,0 197 0 0,0 64 2 3,1
TH 162 0 0,0 162 0 0,0 62 0 0,0
Gesamt 5 256 23 0,4 5 139 9 0,2 2 424 19 0,8
Drucksache 18/5491 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodesumeiern, die als Anlassproben entnommen wurden, wurde ein positiver
Salmonellennachweis geführt. In zwölf Fällen handelte es sich um den Nachweis von
S. Enteritidis. Die Mehrzahl dieser Befunde wurde aus Bayern berichtet. Die
Nachweise erfolgten durch Untersuchung der Schalenoberfläche und/oder des
Eidotters von Eiern aus Käfighaltung. Zudem wurden positive Befunde aus
Thüringen berichtet. Hier gelang jeweils der Nachweis auf der Schale und im
Eidotter oder Eiklar. Weitergehende Angaben zum Phagentyp oder zu einem
Zusammenhang mit einem Erkrankungsgeschehen wurden dem BfR nicht übermittelt.
2. Wie viele dieser Nachweise wurden nach Kenntnis der Bundesregierung bei
Routinekontrollen bzw. bei anlassbezogenen Kontrollen erbracht, und wie
und von wem wurden die jeweiligen Nachweise hinsichtlich eines
gesundheitlichen Risikos für den Menschen mit welcher Konsequenz bewertet?
Bezüglich der Nachweise wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
Untersuchungsergebnisse im Rahmen der Bekämpfungsprogramme werden jeweils
von der zuständigen Behörde vor Ort bewertet. Diese zuständige Behörde
ergreift ggf. Maßnahmen, die in der Hühnersalmonellen-Verordnung vorgesehen
sind.
3. Wie viele Menschen sind nach Kenntnis der Bundesregierung seit Januar
2014 bis zum aktuellsten Stand an Salmonellose des Typs PT14b erkrankt
(bitte nach EU-Mitgliedstaaten und innerhalb Deutschlands nach
Bundesländern aufschlüsseln)?
Angaben zur Zahl der an S. Enteritidis PT14b erkrankten Personen für
Deutschland und die Mitgliedstaaten der Europäischen Union liegen der
Bundesregierung nicht vor.
Im deutschen und europäischem Meldewesen werden routinemäßig keine
Angaben zu den unterschiedlichen Lysotypen bzw. Phagentypen wie „PT 14b“
erfasst.
In Deutschland führt das Nationale Referenzzentrum für Salmonellen und
andere Enteritiserreger am Robert Koch-Institut (NRZ) als einziges Labor eine
Feintypisierung von S. Enteritidis-Isolaten durch. Das NRZ für Salmonellen
und andere Enteritiserreger hat im Jahr 2014 Einsendungen von insgesamt 179
humanen Isolaten dieses Lysotyps (von 922 insgesamt typisierten S. Enteritidis)
und im Jahr 2015 bis zum 10. Juni 2015 18 Fälle (von 85 insgesamt typisierten
S. Enteritidis) registriert.
4. Welche Behörden waren oder sind nach Kenntnis der Bundesregierung für
die lebensmittelgesundheitliche, gesundheitliche und tierseuchenrechtliche
Überwachung des im Medienbericht benannten Legehennen-Betriebs und
die von ihm geführten einzelnen Betriebsteile zuständig?
Für die Überwachung zuständig sind in Bayern die Kreisverwaltungsbehörden.
Dies sind
– für den Betrieb in Aiterhofen: Landratsamt Straubing-Bogen,
– für den Betrieb in Wallersdorf: Landratsamt Dingolfing-Landau,
– für den Betrieb in Aholming: Landratsamt Deggendorf,
– für den Betrieb in Mamming: Landratsamt Dingolfing-Landau.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/54915. Welcher Salmonellentyp wurde nach Kenntnis der Bundesregierung bei den
beiden Untersuchungen der bayerischen Kontrollbehörden in dem Betrieb
vor dem Ausbruch nachgewiesen, und wann wurden welche Stellen des
Bundes darüber informiert?
Am 18. Februar 2014 und 11. April 2014 wurde bei der Fa. Bayern Ei in
Wallersdorf/Bayern jeweils im Rahmen einer amtlichen Kontrolle auf der Schale
von Eiern S. Enteritidis nachgewiesen. Zuvor wurde am 3. Dezember 2013 bei
Proben im Bestand (so genannte Socken-/Kotproben) im Betrieb S. Indiana
nachgewiesen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit (BVL) erlangte Kenntnis von diesen Ermittlungsergebnissen (Befunde) am
14. August 2014 über die Angaben in einem Schaubild zu einer Folgemeldung
des Schnellwarnsystems RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed),
erstellt vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
(LGL). Diese Informationen wurden am gleichen Tag an das BMEL
weitergegeben. Nach Notifizierung durch die zuständige Stelle der Europäischen
Kommission wurde die Meldung vom BVL zusätzlich noch dem Friedrich-Loeffler-
Institut (FLI), dem Robert Koch-Institut (RKI), dem BfR, dem Sanitätsamt der
Bundeswehr, sowie dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
(BAFA) im Rahmen des so genannten Downstream-Verfahrens in aufbereiteter
Form zugeleitet.
6. Wann wurde das Nationale Referenzzentrum für Salmonellen und andere
bakterielle Enteritiserreger in das Geschehen einbezogen, und welchen
Konsequenzen erfolgten daraus?
Das NRZ hatte im Rahmen der Surveillance erste Fälle des Lysotyps PT14b aus
Bayern am 22. Juli 2014 vorliegen. Infolge der Anfrage des Referenzlabors aus
Frankreich am 1. August 2014 auf der Epidemiologischen
Informationsplattform des European Center for Disease Control (ECDC) EPIS, deren Mitglied
das NRZ als Referenzlabor für Deutschland ist, war das NRZ von diesem
Zeitpunkt an in die nationalen und internationalen Ermittlungen eingebunden.
Die Zusammenarbeit mit den Veterinärbehörden (BfR, European Food Safety
Agency, Landesveterinärämter) wurde eingeleitet, als erste Isolate aus Eiern im
NRZ am 14. August 2014 vorlagen (Einsender LGL Oberschleißheim). Über die
telefonische infektionsepidemiologische Bund-Länder-Lagekonferenz wurde
vereinbart, Proben von S. Enteritidis-Fällen aus den Laboren der
mikrobiologischen Primärdiagnostik zu akquirieren und zur weiteren Untersuchung an das
NRZ zu senden. Im Anschluss an die Typisierung im NRZ wurden für weitere
molekulare Feindifferenzierungen Kontakte mit den beteiligten internationalen
Referenzlaboratorien aufgenommen (Österreich, Großbritannien, Frankreich,
Luxemburg).
7. Welcher Einschleppungsweg wurde nach Kenntnis der Bundesregierung für
den aufgefundenen Salmonellentyp wann und von wem ermittelt, und
welche Konsequenzen erfolgten daraus?
Die Eintragsquelle für den Erreger in die Bestände der Fa. Bayern Ei konnte
nicht abschließend bestimmt werden. Alle eingestallten Junghennen wurden vor
der Einstallung nach den Vorgaben der Verordnung zum Schutz gegen
bestimmte Salmonelleninfektionen beim Haushuhn und bei Puten (Geflügel-
Salmonellen-Verordnung – GflSalmoV) mit negativem Ergebnis auf
Salmonellen der Kategorie 1 (S. Enteritidis und S. Typhimurium) untersucht und gegen
S. Enteritidis geimpft (§ 19 GflSalmoV). Des Weiteren erwiesen sich sämtliche
amtlichen Futtermitteluntersuchungen als Salmonella-negativ.
Drucksache 18/5491 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode 8. Welche Maßnahmen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in dem
betroffenen Betrieb zur wirksamen Bekämpfung des Erregers ergriffen,
wann wurden diese Maßnahmen erlassen und umgesetzt, und wie und
durch wen wurde die tatsächliche Umsetzung und die Wirksamkeit der
Maßnahmen überwacht?
Siehe tabellarische Übersicht in der Anlage 1.
9. Zu welchem Zeitpunkt erlangten das Robert Koch-Institut, das Bundesamt
für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das
Bundesinstitut für Risikobewertung und das Institut für Epidemiologie des
Friedrich-Loeffler-Instituts Kenntnis von dem Sachverhalt, wie und aus
welchen Anlass wurden sie in den Salmonellenvorfall einbezogen, und
welche Maßnahmen wurden von ihnen ergriffen?
Das BVL wurde über das RASFF mit den Meldungen 2014.0938 am 10. Juli
2014 und 2014.1072 am 1. August 2014, jeweils von Frankreich eingebracht,
sowie mit der Warnmeldung 2014.1063 am 31. Juli 2014, von Österreich
eingebracht, informiert. Die RASFF-Kontaktstelle im BVL hat die Informationen
am gleichen Tag an das BMEL, an die RASFF-Kontaktstellen der Bundesländer,
an das FLI, das RKI, das BfR und das Sanitätsamt der Bundeswehr sowie an das
BAFA weitergeleitet. Darüber hinaus hat das BVL regelmäßig beim LGL
anlassbezogen um Mitteilung von Details zu RASFF-relevanten
Ermittlungsergebnissen gebeten und die Anfragen aus anderen Mitgliedstaaten übersetzt
sowie an das LGL weitergeleitet. Auch hat das BVL die Antworten vom LGL in
die englische Sprache übersetzt und an die anfragenden Mitgliedstaaten
kommuniziert.
Das BfR hat im August 2014 durch das Schnellwarnsystem der EU (RASFF)
über das BVL von dem Ausbruch erfahren. Die RASFF-Meldungen wurden wie
üblich vom BVL an das BfR übermittelt und innerhalb des Hauses allen mit
dieser Thematik befassten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Kenntnis
gegeben. Auf Nachfrage des BMEL wurden die RASFF-Meldungen sowie ein
Bericht zu dem Thema von EFSA/ECDC dem Ministerium zur Verfügung
gestellt. Weitere Anfragen oder ein Ersuchen um Unterstützung bei Ausbrüchen
mit S. Enteritidis PT14b durch das BfR seitens der Länder hat es im Jahr 2014
nicht gegeben. Daher hat das BfR keine Maßnahmen ergriffen.
Das Institut für bakterielle Infektionen und Zoonosen (IBIZ) des FLI hat über
die vom Institut für Epidemiologie des FLI zur Kenntnisnahme weitergeleiteten
Informationen (E-Mail) des nationalen Schnellwarnsystems bzw. des RASFF
erstmals im August 2014 Kenntnis von dem Salmonella-Ausbruchsgeschehen
erlangt. Das FLI war in die weiteren Untersuchungen des Geschehens nicht
einbezogen.
Im Hinblick auf das RKI wird auf die Antwort zu Frage 6 verwiesen.
10. Durch welche einzelnen Maßnahmen hat die Bundesregierung den
länderübergreifenden Salmonellenausbruch koordiniert, und wann und durch
welche Institutionen wurden die Maßnahmen jeweils eingeleitet,
durchgeführt und überwacht?
Eine Koordinierung durch das BMEL war nicht geboten, da sich das Geschehen
in Deutschland auf vier Landkreise in einem Land beschränkte. Darüber hinaus
wird auf die Antwort zu Frage 9 verwiesen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/549111. Welche Verfahren und Maßnahmenpläne gibt es in der Zusammenarbeit
des Bundes mit den Ländern für den Fall eines übergreifenden
Salmonellenvorfalls, der mehrere Bundesländer oder auch Nachbarstaaten betrifft,
und wie sehen diesbezüglich die Regeln der Zusammenarbeit der
einzelnen Landes- und Bundesbehörden sowie die Zeitabläufe aus?
Im Falle von epidemiologisch bedeutsamen Erkrankungsfällen beim
Menschen, in denen ein Zusammenhang mit Lebensmitteln zu vermuten, bzw.
erwiesen ist, greift das Koordinierungsverfahren nach §§ 7 und 8 der
Allgemeinen Verwaltungsvorschrift über die Koordinierung des Infektionsschutzes in
epidemisch bedeutsamen Fällen (Verwaltungsvorschrift-IfSG-Koordinierung –
IfSGKoordinierungs-VwV). Hierbei informiert das RKI gemäß § 4 Absatz 1
Satz 4 umgehend die zuständigen Behörden der obersten Landesveterinär- und
Lebensmittelüberwachungsbehörden und das BVL.
Zusätzlich wurde für den Krisenfall im Bereich der Lebensmittel- und
Futtermittelsicherheit im Rahmen der 8. Verbraucherschutzministerkonferenz am
14. September 2012 in Hamburg eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit
zwischen dem Bund und den Ländern geschlossen. In ihr werden die Verfahren
beschrieben, die anzuwenden sind, wenn ein nicht sicheres Lebensmittel oder
Futtermittel über die Grenzen eines Landes hinaus in den Verkehr gelangt ist und
ein zwischen Bund und Ländern koordiniertes Vorgehen geboten erscheint, weil
die Situation mit den Routineverfahren nicht bewältigt werden kann.
12. Welche Erfahrungen gibt es bezüglich eines übergreifenden
Erregerausbruchs aufgrund der Auswertung der Länderübergreifenden
Krisenmanagementübung bzw. Exercise „LÜKEX 2013 Außergewöhnliche
biologische Bedrohungslagen“?
Die Auswertung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und
Katastrophenhilfe (BBK) der Krisenmanagementübung LÜKEX 2013 kommt für den
Bereich des gesundheitlichen Verbraucherschutzes zu folgenden Ergebnissen: „Die
festgelegte Aufgabenverteilung innerhalb des BMEL hat sich bewährt und sich
– für einen Krisenfall ähnlichen Umfanges wie bei der LÜKEX 13 – als sinnvoll
und in hohem Maße effizient herausgestellt. Dadurch ist eine gute Basis für die
Aufgabenverteilung zwischen dem BMEL, dem Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und dem Bundesinstitut für Risikobewertung
geschaffen.“ Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern „gestaltete sich
grundsätzlich unproblematisch und professionell“ und die „in der ‚Vereinbarung
über die Zusammenarbeit zwischen dem Bund und den Ländern in Krisenfällen
im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit‘ festgelegten
Verfahrensabläufe haben sich weitgehend bewährt“.
13. Gab es bezüglich des Salmonellenausbruchs beim Austausch von
Informationen Übermittlungsprobleme bzw. Übermittlungsdefizite zwischen
den einzelnen Behörden der Länder und des Bundes sowie zu und von den
Behörden anderer Staaten, und wie stellten sich diese aus Sicht der
Bundesregierung dar?
Im Rahmen der Bearbeitung von Anfragen von Mitgliedstaaten über das RASFF
hat die RASFF-Kontaktstelle beim BVL mehrmals um Erkenntnisse aus
weiterführenden, epidemiologischen Untersuchungen gebeten. Die zuständigen
bayerischen Behörden haben regelmäßig umfassend geantwortet. Im Hinblick
darauf, dass im Rahmen der erweiterten Ausbruchsaufklärung von den betroffenen
Mitgliedstaaten über das RASFF nicht nur aggregierte Informationen, sondern
auch Details zu einzelnen Sachverhalten nachgefragt wurden, hat das LGL sehr
häufig die betroffenen bayerischen Kreisverwaltungsbehörden mit eingebun-
Drucksache 18/5491 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodeden. Vor dem Hintergrund der dann dort vor Ort notwendigen gezielten und
raschen Ermittlungstätigkeit wurde vom LGL berechtigter Weise in diesen Fällen
darauf verwiesen, dass über die übliche Berichterstattung über Folgemeldungen
hinausgehende Detailanfragen nur beantwortet werden können, sofern konkrete
Anhaltspunkte für einen kausalen Zusammenhang der in den Mitgliedstaaten
aufgetretenen Salmonellosen mit Eiern der Fa. Bayern Ei vorliegen. Diese
Vorgehensweise entspricht der üblichen Verfahrenspraxis und wurde vom BVL
auch an die RASFF-Kontaktstellen in den Mitgliedstaaten vermittelt.
14. Welche einzelnen Informationen erreichten nach Kenntnis der
Bundesregierung zu welchem Zeitpunkt deutsche Behörden von den zuständigen
Behörden in Österreich, Frankreich und Großbritannien zu dem
Salmonellenvorfall in Bayern, und welche Zusammenhänge wurden im Einzelnen
zu dem bayerischen Eierbetrieb als mögliche Quelle des Ausbruchs
hergestellt?
Das BVL wurde am 10. Juli 2014 zum ersten Mal über zwei Ausbrüche in
Frankreich über die Meldung 2014.0938 im RASFF informiert. In dieser
Meldung wird ein erster Bezug zur Fa. Bayern Ei hergestellt. Am 17. Juli 2014
informierte die französische RASFF-Kontaktstelle über den Nachweis von
Salmonella spp. in Eiern der Fa. Bayern Ei und über die Rücknahme und
Rückruf der Fa. Lidl in Frankreich. Am 1. August 2014 übermittelte die französische
RASFF-Kontaktstelle die Ergebnisse der Serotypisierung (S. Enteritidis) und
fragte über die deutsche Kontaktstelle zum RASFF beim BVL bezüglich der
Ergebnisse gemäß des nationalen Salmonellenbekämpfungsprogrammes sowie
eines möglichen Zusammenhanges der bisher genannten Packstellen und
Betriebe nach.
Weiterhin informierte am 1. August 2014 die französische RASFF-Kontaktstelle
über einen weiteren Ausbruch mit S. Enteritidis nach dem Verzehr von
selbstgemachter Mayonnaise. Die Eier wurden über die Fa. Lidl (Frankreich) bezogen
und stammen aus dem Betrieb Aiterhofen der Fa. Bayern Ei. Es wurde ein
Zusammenhang mit der Meldung 2014.0938 vermutet. Die Fa. Lidl nahm daher
vorsorglich alle Eier mit gleichlautender Stempelnummer vom dortigen Markt.
Am 18. August 2014 berichtete die französische RASFF-Kontaktstelle, dass der
Krankheitsausbruch und Proben von der Eischale ein gemeinsames Serotyp-
Profil aufweisen (2_12_7_3_2). Das Profil stimmt mit den Isolaten aus der
Warnmeldung 2014.1072 überein. Die französische RASFF-Kontaktstelle
fragte an, ob es weitere Gemeinsamkeiten außer der Packstelle zwischen den
beiden betroffenen Herden der Warnmeldungen gibt. Auch berichtete die
französische RASFF-Kontaktstelle über zwei weitere Ausbruchsgeschehen im
Zusammenhang mit Eiern aus Bayern (23 Erkrankte). Diese Ausbrüche weisen den
gleichen S. Enteritidis Serotyp auf, wie in der Warnmeldung 2014.0938
kommuniziert. Die französischen, österreichischen und britischen RASFF-
Kontaktstellen fragten bilateral im Weiteren zu Lieferwegen und Ermittlungsergebnissen
beim BVL als nationaler RASFF-Kontaktstelle nach.
Am 31. Juli 2014 informierte die zuständige österreichische RASFF-
Kontaktstelle in Form der Schnellwarnmeldung 2014.1063 über eine zunehmende
Inzidenz von Erkrankungen mit S. Enteritidis Phagentyp (PT) 14b. Es wurde ein
Zusammenhang zwischen den RASFF-Meldungen 2014.0938, 2014.1063 und
Lieferungen der Fa. Bayern Ei vermutet. Im Rahmen weiterer Ermittlungen
erfolgte am 13. August 2014 von dort eine Anfrage an das BVL als nationale
Kontaktstelle zu Ergebnissen des so genannten Salmonellenmonitorings und zu den
amtlichen Proben. Ferner wurden weitere Vertriebswege im Detail erfragt.
Am 14. August 2014 ersuchte die RASFF-Kontaktstelle in Großbritannien mit
Hinweis auf eigene Ermittlungen zu einem Ausbruchsgeschehen beim BVL, um
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/5491weitere Informationen, insbesondere eventuellen Vertriebswegen der Fa. Bayern
Ei nach Großbritannien, im Rahmen einer bilateralen Anfrage über das RASFF.
In Großbritannien wurde ein Krankheitsgeschehen mit bis dahin 150
Betroffenen erkannt.
Eine schematische Darstellung der Informationswege zu und von den
zuständigen Behörden in Österreich, Frankreich und Großbritannien ist der Anlage 2 zu
entnehmen.
15. Wie unterstützen deutsche Behörden nach Kenntnis der Bundesregierung
die amtlichen Stellen in Österreich, Frankreich und Großbritannien, um
einen Nachweis für den Ursprung des Salmonellenausbruchs zu
bekommen, und werden ihnen gesicherte Proben aus dem bayerischen Betrieb
zur Verfügung gestellt?
Das BVL hat als zuständige nationale Kontaktstelle zum RASFF die
Ermittlungsergebnisse der Eigenkontrollen und die amtlichen Untersuchungen der
zuständigen bayerischen Behörden an die zuständigen Stellen in Österreich,
Frankreich und Großbritannien weitergeleitet. Dies erfolgte sowohl über das
RASFF im Rahmen von Folgemeldungen als auch über den bilateralen
Austausch im RASFF.
16. In welcher Weise und durch wen wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung die Beschäftigten des Betriebs über den Salmonellenausbruch des
Typs PT14b und seine gesundheitlichen Risiken informiert, und welche
Maßnahmen wurden zu ihrem Schutz ergriffen?
Bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort Ettling/Wallersdorf
wurde bereits am 25. Juli 2014 durch den Betrieb eine Entnahme von
Stuhlproben veranlasst. Bei den Untersuchungen erwies sich ein Mitarbeiter als
Salmonella spp.-positiv (symptomloser Ausscheider). Der Betreiber wurde durch
das Gesundheitsamt Dingolfing-Landau in Kenntnis gesetzt, dass der
betreffende Mitarbeiter frühestens nach Vorlage von drei negativen Stuhlproben
wiederbeschäftigt werden kann.
Die an den anderen beiden Standorten mit Legehennenhaltung ebenfalls bei
allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgeführten Stuhluntersuchungen
ergaben damals ausschließlich negative Ergebnisse.
17. Wann und in welcher Weise wurde nach Kenntnis der Bundesregierung
die Öffentlichkeit über den Salmonellenausbruch informiert, und wie
erlangten Verbraucher Kenntnis über die Betriebskennzeichnung der
salmonellenbelasteten Eier?
Für eine öffentliche Warnung vor Eiern aus dem betroffenen Betrieb hat es nach
Einschätzung der zuständigen Behörde in Bayern zu keinem Zeitpunkt die
fachlichen und rechtlichen Voraussetzungen gegeben.
18. Wie erlangte nach Kenntnis der Bundesregierung der
Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland Kenntnis von den Salmonellenbelastungen der
Eier aus dem bayerischen Betrieb, und wie wurde sichergestellt, dass die
Lebensmittelunternehmen unverzüglich die Möglichkeit zur Information
der Öffentlichkeit erhielten?
Alle belieferten Abnehmer der Eier im In- und Ausland wurden unverzüglich
über die Rücknahme informiert.
Drucksache 18/5491 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode19. Warum wurden bei einem weiteren Salmonellenausbruch, der nach
Informationen französischer Behörden auf den Betrieb in Bayern
zurückzuführen ist (Süddeutsche Zeitung vom 21. Mai 2015), nicht wie in Frankreich
auch in Deutschland alle Eier aus dem Einzelhandel genommen?
Nach den zum jeweiligen Zeitpunkt vorliegenden Erkenntnissen wurden alle aus
fachlicher Sicht erforderlichen und nach rechtlichen Bestimmungen möglichen
amtlichen Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher ergriffen.
20. Warum wurde der betroffene Legehennen-Bestand nach Kenntnis der
Bundesregierung nicht aufgrund des akuten Ausbruchs gesperrt?
Die Herde am Standort Ettling/Wallersdorf, auf die in der RASFF-Meldung
2014.0938 und den zugehörigen Folgemeldungen Bezug genommen wird, war
zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens des evtl. Ausbruchsgeschehens bereits
routinemäßig ausgestallt worden (Ausstallung zwischen 26. Juni 2014 und 22. Juli
2014). Eine Bestandssperre war deshalb in diesem Fall nicht notwendig.
Nachdem auch bei der neu eingestallten Herde in Ettling/Wallersdorf
(Einstallung 19. Juli 2014 bis 27. Juli 2014) wiederum Salmonella spp. zunächst auf
Eiern und später auch bei Bestandsproben nachgewiesen wurden, durften hier
über die gesamte Legeperiode nur Eier der Handelsklasse (HKL) B ausgeliefert
werden. Lediglich eine Charge Eier war vor Vorliegen der
Untersuchungsbefunde bereits als Eier der HKL A ausgeliefert worden; die Rücknahme dieser
Eier wurde amtlich angeordnet.
Dem in der RASFF-Meldung 2014.1072 genannten Betrieb Aiterhofen/
Niederharthausen wurde die Abgabe von Eiern der HKL A nach zwei positiven
Salmonellen-Nachweisen auf der Eischale mit Anordnung vom 2. September 2014
untersagt. Bis zur vorzeitigen Ausstallung vom 21. September 2014 bis 19.
Oktober 2014 durften aus dem Betrieb nur Eier der HKL B abgegeben werden.
21. In welcher Form und jeweils wann hat das BVL auf den
Salmonellenvorfall reagiert und mit den bayerischen Behörden Informationen
ausgetauscht (bitte Antwort begründen)?
Das BVL hat unverzüglich alle über das RASFF kommunizierten Meldungen
und Anfragen der zuständigen österreichischen, französischen und britischen
Behörden in deutscher Sprache an die RASFF-Kontaktstelle des LGL
weitergeleitet und um Rückmeldung gebeten. Die Antworten zu den bilateralen Anfragen
hat das BVL umgehend ins Englische übersetzt und an die anfragende Stelle
weitergeleitet. Darüber hinaus hat das BVL die RASFF-Folgemeldungen von
der bayerischen RASFF-Kontaktstelle nach Überprüfung so schnell wie
möglich an die RASFF-Kontaktstelle der Europäischen Kommission übermittelt,
welche die Meldungen an die Mitglieder des RASFF-Netzwerkes weitergeleitet
hat (Notifizierung). Eine schematische Darstellung der Informationswege der
zuständigen Behörden aus Österreich, Frankreich und Großbritannien ist der
Anlage 2 zu entnehmen.
22. Ist bei einer Salmonellenbelastung auf Eierschalen Händewaschen eine
ausreichende bzw. durchgängig übliche und wirksame Maßnahme in
privaten Haushalten, um eine Salmonelleninfektion zu verhindern?
Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 2160/2003 dürfen für den direkten
menschlichen Verzehr als Konsumeier nur Eier verwendet werden, die aus einer Lege-
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 11 – Drucksache 18/5491hennenherde stammen, die einem nach Artikel 5 aufgestellten nationalen
Bekämpfungsprogramm unterliegt und für die keine amtliche Sperre gilt.
Eier, die aus Herden mit unbekanntem Gesundheitsstatus stammen, bei denen
der Verdacht besteht, dass sie infiziert sind, oder die mit Salmonella-Typen
infiziert sind, für die ein Reduktionsziel festgelegt wurde (dies betrifft S.
Enteritidis), oder die als Infektionsquelle in einem spezifischen lebensmittelbedingten
Ausbruch beim Menschen ermittelt wurden, dürfen nur dann für den
menschlichen Verzehr verwendet werden, wenn sie in einer Weise behandelt werden, dass
die Tilgung aller Salmonella-Serotypen mit Belang für die öffentliche
Gesundheit gemäß den Rechtsvorschriften der Gemeinschaft für Lebensmittelhygiene
gewährleistet ist.
Diese generelle Maßnahme soll weitgehend sicherstellen, dass keine
Salmonellenbelastung auf Eierschalen vorhanden ist. Darüber hinaus können
Hygienemaßnahmen im Haushalt helfen, die gesundheitliche Unbedenklichkeit von
Eiern zu gewährleisten.
Gründliches Händewaschen vor, während und nach der Zubereitung von
Lebensmitteln ist generell eine sinnvolle Maßnahme zum Schutz vor
Lebensmittelinfektionen. Zum Schutz vor einer Salmonellose durch die Verarbeitung
und den Verzehr von Eiern sollte sie um eine Reihe von Maßnahmen ergänzt
werden. Das BfR-Merkblatt „Schutz vor Lebensmittelinfektionen im
Privathaushalt“ gibt weitere Hinweise zum hygienischen Umgang mit Lebensmitteln:
www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps_schutz_vor_
lebensmittelinfektionen_im_privathaushalt.pdf.
23. Wie viele Tiere verenden nach Kenntnis der Bundesregierung
üblicherweise in Kleingruppenhaltung, wie viele verendete Tiere dürfen
tierschutzbezogen bis zur Ausstallung geduldet werden, und in welchem
Umfang ist eine erhöhte Sterberate durch Witterungseinflüsse, wie
Sommerhitze, zulässig?
Eine amtliche Statistik über die Anzahl der verendeten Legehennen in
Kleingruppenhaltung wird nicht geführt. Konkrete, maximal zulässige
Mortalitätsraten sind tierschutzrechtlich nicht geregelt. Es obliegt den für die Überwachung
der Einhaltung tierschutzrechtlicher Regelungen zuständigen Behörden der
Länder, im Einzelfall zu bewerten, ob erhöhte Mortalitätsraten vorliegen und
inwieweit diese durch Verstöße gegen tierschutzrechtliche Vorschriften
verursacht und entsprechend zu sanktionieren sind. Die angefragten Informationen
liegen der Bundesregierung daher nicht vor.
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ISSN 0722-8333]