[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung
vom 21. September 2015 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/6044
18. Wahlperiode 23.09.2015
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Eva Bulling-Schröter, Caren Lay,
Herbert Behrens, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/5836 –
Taktisches Luftwaffengeschwader 74 – ehemals Neuburger Jagdgeschwader 74
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Lärm- und Schadstoffbelastungen durch das Neuburger Jagdgeschwader 74
(JG 74) im oberbayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen rund 20
Kilometer west-südwestlich von Ingolstadt werden immer wieder in der Presse
thematisiert. Die Entfernung der Start- und Landebahnen vom Zentrum der Stadt
Neuburg an der Donau beträgt nur drei Kilometer. Auch die Kosten für das seit
dem 30. September 2013 in Taktisches Luftwaffengeschwader 74 (Takt-
LwG 74) umbenannte Geschwader der Bundeswehr, das die
Mehrzweckkampfflugzeuge vom Typ Eurofighter Typhoon erhielt, sind für die Bevölkerung von
großem Interesse.
Im Jahr 2014 wurde der Flugbetrieb des JG 74 wegen Baumaßnahmen in
Neuburg ausgesetzt. Neben dem Neubau eines Towers wurde ab dem 3. März 2014
die Start- und Landebahn generalsaniert. Die Arbeiten dauern Medienberichten
zufolge neun Monate (
www.augsburger-allgemeine.de/neuburg/Jagdgeschwa
der-uebernimmt-Flugbetrieb-auf-dem-Lechfeld-id23978591.html). Der
gesamte Flugbetrieb von JG 74 wird in diesem Zeitraum auf dem Fliegerhorst
Lechfeld im Landkreis Augsburg abgewickelt.
Das Luftgeschwader war von August bis Dezember 2014 im Rahmen von „Air
Policing Baltikum“ des NATO-Militärbündnisses zur Luftraumüberwachung
und zum Luftraumschutz der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen
im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krim-Konflikt im Einsatz, weitere
Einsätze sollen folgen.
Bei der Großübung Arctic Challenge 2015 (ACE 2015) vom 25. Mai bis 5. Juni
2015 haben die skandinavischen Länder Norwegen, Schweden und Finnland
Planung und Durchführung einer gemeinsam geführten Luftoperation unter
einem UN-Mandat geübt. Deutschland, weitere NATO-Partner und die Schweiz
nahmen als Gäste teil, darunter das JG 74.
1. Auf welchen Luftstützpunkten waren Flugzeuge des JG 74 im Jahr 2014 bis
heute stationiert und im Rahmen welcher Einsätze bzw. Missionen?
Luftfahrzeuge (Lfz) des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 (TaktLwG 74)
Neuburg a.d. Donau (ehemals Jagdgeschwader 74/JG 74) waren zwischen Januar
2014 und Juli 2015 auf folgenden Flugplätzen stationiert:
Stationierungsort Stationierungsgrund
Neuburg/Donau Alarmrotte (Quick Reaction Alert/QRA) und
Regelflugbetrieb
Lagerlechfeld QRA und Regelflugbetrieb
Decimomannu (Italien) Ausbildungsflugbetrieb
Jagel/Schleswig Ausbildungsflugbetrieb
Bodö (Norwegen) Ausbildungsflugbetrieb
Ämari (Estland) NATO Air Policing Baltikum
Laage Ausbildungsflugbetrieb
Leeuwarden (Niederlande) Ausbildungsflugbetrieb
2. Ist das JG 74 wie geplant Mitte 2015 vom Stützpunkt Lechfeld zum
Heimatflughafen Neuburg/Donau gewechselt?
Wenn nein, was sind die Gründe dafür?
Die Wiederaufnahme des Flugbetriebes QRA erfolgt voraussichtlich am 20.
Oktober 2015 mit vorlaufender Rückverlegung der Lfz aus Lechfeld. Die Gründe
der Verschiebung der Wiederaufnahme des Flugbetriebes auf diesen Termin sind:
- die Änderung auf ein zeitaufwendigeres, sichereres Rückbauverfahren der
alten Start- und Landebahn aufgrund zahlreicher nicht zu erwartender
Kampfmittelfunde (damit verbunden war ein bautechnisch notwendiger, veränderter
Aufbau der neuen Start- und Landebahn),
- die Verschiebung von Arbeiten (z.B. Kabelverlegungen, die nicht bei unter
5° C durchgeführt werden dürfen) aufgrund der sich nach o.g. Gründen
ergebenden Zeitverschiebungen im geplanten Bauablauf und
- die zusätzlich notwendige Aufstellung einer mobilen Fanganlage aufgrund
von Verzögerungen beim Einbau der stationären Fanganlage.
3. Welche konkreten Bauarbeiten sind auf dem Heimatflughafen Neuburg/
Donau durchgeführt worden bzw. werden noch durchgeführt, was ist der Grund
für die Bauarbeiten bzw. Modernisierung, wann war der Baubeginn, wann
wird mit dem Abschluss gerechnet und wie hoch sind die vorgesehenen
sowie die entstandenen Ausgaben bzw. Kosten pro Maßnahme (bitte
tabellarische Darstellung)?
Die auf dem NATO-Flugplatz Neuburg/Donau aufgrund der Einführung des
Waffensystems EUROFIGHTER sowie für die technisch erforderliche
Modernisierung des Flugplatzes notwendigen Infrastrukturprojekte sind nachfolgend
tabellarisch dargestellt.
Baumaßnahme Grund der
Maßnahme
Baubeginn
Bauende vorgesehene
Kosten
Entstandene
Ausgaben
Neubau
Simulatorgebäude
Einführung
Eurofighter
Okt 2003 Okt 2005 12.614.000,- € 11.226.834,83 €
Errichtung IT-
Leitungsnetz
Einführung
Eurofighter
Okt 2005 Dez 2012 15.310.000,- € 13.040.448,55 €
Neubau
Liegeplatzgebäude
Einführung
Eurofighter
Jun 2006 Mär 2013 11.710.000,- € 11.634.537,86 €
Neubau
Luftfahrzeug-Halle
Einführung
Eurofighter
Okt 2005 Mai 2008 21.350.000,- € 20.274.528,17 €
Sanierung/
Erweiterung QRA
Einführung
Eurofighter
Apr 2009 Nov 2010 2.631.000,- € 2.582.338,91 €
Neu-/Umbau
Werkstattgebäude
Ersatz für
baufälliges
Altgebäude
Aug 2009 Apr 2013 2.784.000,- € 2.734.893,96 €
Anpassung
Tankanlagen Ost u.
Mitte
Reduzierung auf
2
Abgabestellen/
Modernisierung der
verbleibenden
Tankanlagen
Jun 2010 Apr 2013 3.230.000,- € 3.194.688,91 €
Einrüstung
Aerodrome
Surveillance Radar –
Selective (ASR-S)
Erneuerung
Flugplatzrundsichtradargerät
Sep 2014 Okt 2016 978.000,- € bisher:
269.887,66 €
Instandsetzung
Start-/Landebahn
mit
Anflugbefeuerung
+ 1. Nachtrag
Aufbringen einer
Oberflächenschutzschicht
+ 2. Nachtrag
Kampfmittelräumung
Einführung
Eurofighter
Notwendige
Sanierung bzw.
Erneuerung der
Start-/
Landebahn und
Anflugbefeuerung
gem.
Flugbetriebsflächenbegehung im Jahr
2007
Mai 2012 Sep 2015 24.537.000,- €
3.158.000,- €
13.837.000,- €
bisher:
28.560.187,15 €
Neubau
Kontrollturm (Tower) mit
Anflugkontrollgebäude
Ersatz für den
technisch und
baulich
veralteten Tower
Aug 2015 Dez 2017 12.979.000,- € bisher:
3.848.779,59 €
Absicherung VS-
Lager
Anpassung an
den aktuellen
Sicherheitsstandart
Feb 2016 Dez 2016 400.000,- € bisher keine
Eisfreihaltung
Flugbetriebsfläche (TANGO-
Platte)
Flugsicherheit Sep 2011 Mai 2015 180.567,- € 73.586,84 €
Neubau
Funktionsgebäude
besonderer
Fahrdienst
Ersatz des
veralteten
Bestandsgebäudes wg.
Sichtbereich für
den neuen
Tower
Okt 2016 Mai 2018 6.608.000,- € bisher keine
4. Welche konkreten Maßnahmen zur Verringerung von Lärm- und
Schadstoffbelastungen wurden im Rahmen der in Frage 3 dargestellten Bauarbeiten
bzw. Modernisierungen ergriffen?
Wenn keine, warum nicht?
Die in der Antwort zu Frage 3 dargestellten Bauprojekte beinhalten keine
Maßnahmen zur unmittelbaren Verringerung von Lärm- und Schadstoffbelastungen.
Da auf Flugplätzen zur Vermeidung von Flugunfällen eine Hindernisfreiheit
gegeben sein muss, ist die Errichtung wirkungsvoller Lärmschutzwände nicht
möglich. Eine indirekte Lärmreduktion konnte jedoch durch den Neubau des
Simulatorgebäudes für das Waffensystem EUROFIGHTER erreicht werden. Die
intensive Nutzung der EUROFIGHTER-Simulatoren reduziert die Anzahl der Flug-
und Betriebsstunden.
5. Hat die Bundesregierung Kenntnis von Beschwerden von Bürgerinnen und
Bürgern zu Fluglärm- und Schadstoffbelastungen durch die Verlegung von
JG 47 nach Lechfeld?
Wenn ja, welche Maßnahmen wurden ergriffen?
Das TaktLwG 74 betreibt im Rahmen einer vorübergehenden Verlegung seit dem
3. März 2014 Flugbetrieb auf dem Militärflugplatz Lechfeld. In diesem Zeitraum
sind aus dem Umfeld des Flugplatzes (ca. 20 km Radius) 256 Beschwerden bei
der Flugbetriebs- und Informationszentrale der Bundeswehr (FLIZ) eingegangen.
Eine Differenzierung der Beschwerden nach Fluglärm- und
Schadstoffbelastungen ist nicht möglich. 147 der 256 Beschwerden wurden von einem einzigen
Petenten initiiert. Das Beschwerdeaufkommen in den 18 Monaten seit der
Verlegung ist geringer als in den 18 Monaten davor (334 Beschwerden, davon 276
durch denselben Einzelpetenten).
Zu diesen Lärmbeschwerden wurde durch die FLIZ umfangreiche mündliche und
schriftliche Korrespondenz zur Aufklärung über den Flugbetrieb im Bereich
Lechfeld geführt. Am 18. März 2014 wurde im Rahmen der Sitzung einer
Lärmschutzkommission mit Vertretern der angrenzenden Kommunen die
Beschwerdesituation am Flugplatz Lechfeld erläutert.
Baumaßnahme Grund der
Maßnahme
Baubeginn
Bauende vorgesehene
Kosten
Entstandene
Ausgaben
Anpassung
Aircrew Synthetic
Training Aids
(ASTA)
Informationstechnische
Anpassung u.
Modernisierung des
Simulatorgebäudes
Jul 2015 Nov 2015 397.000,- € bisher keine
Abriss diverser
Gebäude NATO-
Flugplatz
Abriss
baufälliger Gebäude
Jun 2015 Dez 2015 770.000,- € bisher keine
Instandsetzung
der
Sheltervorfelder
Flugbetriebsflächenbegehung
im Jahr 2013
Jun 2016 Dez 2016 393.000,- € bisher keine
Einbau
Gebäudeautomation
Modernisierung/
Erneuerung der
Gebäudeleittechnik
Mai 2015 Dez 2017 1.888.000,- € bisher keine
6. Aus welchen militärstrategischen Gründen wurde der Militärplatz
Ämari/Estland für Flugzeuge des JG 74 während seines Einsatzes im
Rahmen von „Air Policing Baltikum“ ausgewählt?
Für die Verlegung von zusätzlichen Flugzeugen im Rahmen der Verstärkung des
Air Policing Baltikum 2014 wurden die Flugplätze Šialiai/Litauen und
Ämari/Estland erkundet. Aufgrund der verfügbaren Infrastruktur wurde Ämari
ausgewählt. Militärstrategisch unterstreicht die Präsenz einer Alarmrotte in einem
weiteren baltischen Staat neben Litauen die Idee der
Rückversicherungsmaßnahmen.
7. Welche Modernisierungsmaßnahmen am ehemaligen Militärflugplatz der
Luftstreitkräfte der Sowjetunion und der Russischen Föderation Ämari
wurden vom Infrastrukturausschuss der NATO seit dem NATO-Beitritt Estlands
2004 für das „Integrated Extended Air Defence System“ (NATIENADS)
beschlossen (bitte Höhe der Gesamtkosten, Einzelkosten je Bau- und
Modernisierungsvorhaben angeben)?
Seit dem NATO-Beitritt Estlands im Jahr 2004 wurde ein Projekt zur
Implementierung einer Luftraumüberwachung am Standort Ämari durch den NATO-
Investitionsausschuss genehmigt. Die Kosten beliefen sich auf 0,903 Mio. Euro,
welche von der NATO bereitgestellt wurden.
8. Hat die Bundesregierung Kenntnis von Beschwerden von Bürgerinnen und
Bürgern zu Fluglärm- und Schadstoffbelastungen durch die Verlegung von
JG 47 nach Ämari/Estland?
Wenn ja, welche Maßnahmen wurden ergriffen?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Kenntnisse vor.
9. Wie viele Flugstunden wurden im Jahr 2014 vom JG 74 durchgeführt (bitte
Vergleichstabelle mit Werten ab dem Jahr 2009, total, Differenzierung nach
Deutschland und Auslandseinsätzen aufstellen)?
Jahr 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Flugstunden gesamt 1.604 1.053 2.187 2.487 3.204 3.083
Davon Flugstunden im
Ausland 150 22 332 307 211 589
10. Wie viele Flugbewegungen wurden im Jahr 2014 beim JG 74 registriert
(bitte Vergleichstabelle mit Werten ab dem Jahr 2009, total, Differenzierung
nach Deutschland und Auslandseinsätzen aufstellen)?
Die registrierten Flugbewegungen beinhalten Starts, Landungen und
Übungsanflüge sowie das Kreuzen der Kontrollzone aller Luftfahrzeugtypen inklusive
Sportflieger und Hubschrauber. Eine Differenzierung der Flugbewegungen im
Ausland ist nicht möglich.
11. Wie hoch war der Treibstoffverbrauch (Kerosin) beim JG 74 im Jahr 2014
(bitte Vergleichstabelle mit Werten ab dem Jahr 2009, total, Differenzierung
nach Deutschland und Auslandseinsätzen aufstellen)?
Im Jahr 2014 wurden im TaktLwG 74 Neuburg a.d. Donau 8 821 287 Liter
Flugkraftstoff an das Waffensystem EUROFIGHTER ausgegeben. Dies entspricht
ca. 7 057 Tonnen Flugkraftstoff.
Jahr 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Treibstoffverbrauch gesamt in Tonnen 6650 5275 6475 7268 10200 7057
Davon Treibstoffverbrauch im
Ausland in Tonnen 525* 77* 1162* 1075* 739* 2062*
* Durchschnittswert anhand von Flugstunden
12. Wie hoch war der CO2-Ausstoß des JG 74 im Jahr 2014 (bitte
Vergleichstabelle mit Werten ab dem Jahr 2009, total, Differenzierung nach Deutschland
und Auslandseinsätzen aufstellen)?
Bezogen auf den Treibstoffverbrauch des TaktLwG 74 Neuburg a.d. Donau in
Verbindung mit dem durchschnittlichen Umrechnungsfaktor für Kilogramm (kg)
Flugkraftstoff zu kg freigesetztem Kohlenstoffdioxid (CO2) von 3,15 wurden im
Jahr 2014 rund 22 230 Tonnen CO2 ausgestoßen.
* Durchschnittswert anhand von Flugstunden
13. Wie hoch war der Ausstoß anderer Schadstoffemissionen des JG 74 im Jahr
2014 (bitte Vergleichstabelle mit Werten ab dem Jahr 2009, total,
Differenzierung nach Deutschland und Auslandseinsätzen aufstellen)?
Durch die Verbrennung des Treibstoffs entstehen neben CO2 und Wasser weitere
Abgaskomponenten. Die spezifischen Emissionen der jeweiligen Triebwerke
sind abhängig von den Umweltbedingungen wie z. B. Temperatur, Luftdruck,
Feuchtigkeit sowie den geflogenen Flugprofilen und liegen bei einem modernen
Triebwerk wie dem EUROFIGHTER-Triebwerk EJ200 weit unter den Werten
älterer Triebwerke. Konkrete Werte zu den weiteren Abgaskomponenten sind
nicht bekannt. Aus diesem Grund können auch keine Gesamtwerte für den
Ausstoß anderer Schadstoffe des TaktLwG 74 Neuburg a. d. Donau oder Werte
bezogen auf eine Flugstunde des Waffensystems EUROFIGHTER angegeben
werden.
Jahr 2009 2010 2011 2012 2013 2014
CO2-Ausstoß gesamt in Tonnen 20.974 16.616 20.936 22.894 32.130 22.230
Davon CO2-Ausstoß im
Ausland in Tonnen* 1.654 243 3.660 3.385 2.326 6.494
14. Wie hoch waren die Gesamtkosten pro Flugstunde des Waffensystems
„Eurofighter“ im Jahr 2014 (bitte Vergleichstabelle mit Werten ab dem Jahr
2009, total, Differenzierung nach Deutschland und Auslandseinsätzen
aufstellen)?
Jahr 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Kostensatz
„Flugstunde
Eurofighter“
73.992 € 76.961 € 88.086 € 78.197 € 71.316 € 67.852 €
Der Kostensatz einer Flugstunde für das Waffensystem EUROFIGHTER
berücksichtigt im Rahmen kalkulatorischer Kosten auch die nutzungsabhängige
Abschreibung des Systems über die gesamte Nutzungsdauer. Eine Unterscheidung
des Kostensatzes nach Flugstunden im Inland und bei Auslandseinsätzen ist
verfahrenstechnisch nicht vorgesehen.
15. Wie hoch war der CO2-Ausstoß pro Flugstunde des Waffensystems
„Eurofighter“ im Jahr 2014 (bitte Vergleichstabelle mit Werten ab dem Jahr 2009
aufstellen)?
Das Waffensystem EUROFIGHTER verbraucht pro Flugstunde durchschnittlich
ca. 3,5 Tonnen Flugkraftstoff. Bei einem Umrechnungsfaktor für kg
Flugkraftstoff zu kg freigesetztem CO2 von 3,15 ergibt sich ein durchschnittlicher CO2-
Ausstoß pro Flugstunde von ca. 11 Tonnen. Eine Vergleichstabelle mit Werten
ab 2009 ist nicht angefügt, da es sich hierbei um einen fixen Durchschnittswert
handelt.
16. Wie hoch war der Ausstoß anderer Schadstoffemissionen pro Flugstunde des
Waffensystems „Eurofighter“ im Jahr 2014 (bitte Vergleichstabelle mit
Werten ab dem Jahr 2009 aufstellen)?
Auf die Antwort zu Frage 13 wird verwiesen.
17. Wie viele Maschinen des Waffensystems „Eurofighter“ waren im Jahr 2014
in Neuburg bzw. auf dem Ausweichflugplatz Lechfeld fest stationiert und
welche Verlegungen sind geplant (bitte Vergleichstabelle mit Werten ab dem
Jahr 2009 aufstellen)?
Im Jahr 2014 waren durchschnittlich 23 Lfz des Waffensystems EUROFIGHTER
beim TaktLwG 74 Neuburg a.d. Donau oder auf dem Ausweichflugplatz
Lagerlechfeld fest stationiert. Für das Jahr 2015 ist lediglich die Rückverlegung von
Lagerlechfeld nach Neuburg geplant.
Jahr 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Durchschnittlicher
Verfügungsbestand 10 8 17 21 21 23
18. Wie hoch waren im Jahr 2014 die Gesamtkosten des Neuburger
Militärflugplatzes bzw. auf dem Ausweichflugplatz Lechfeld (bitte Personal- und
Flugbetriebskosten angeben, Vergleichstabelle mit Werten ab dem Jahr 2009
aufstellen)?
Die Gesamtkosten des TaktLwG 74 in Neuburg a.d. Donau für das Jahr 2014
betragen rund 277,1 Mio. Euro.
2013 beliefen sich die Kosten auf 318,8 Mio. Euro, 2012 auf 254,9 Mio. Euro.
Die Kosten beinhalten neben den Infrastrukturkosten insbesondere auch
Personal-, Flugbetriebs- und kalkulatorische Kosten. Aufgrund einer ab dem Jahr 2012
erfolgten Umstellung des Berechnungsverfahrens ist eine Vergleichbarkeit der
Werte aus Vorjahren nicht gegeben.
19. Wie viele Soldatinnen, Soldaten und Zivilangestellte waren im Jahr 2014
beim JG 74 stationiert bzw. beschäftigt, und welche Verlegungen sind
geplant (bitte Vergleichstabelle mit Werten ab dem 2009, total,
Differenzierung nach Deutschland und Auslandseinsätzen aufstellen)?
Für das TaktLwG 74 sind die angeforderten Daten in folgender Tabelle
aufgelistet. Die Daten für Zivilpersonal wurden 2009 noch nicht erfasst. Zu
Auslandseinsätzen wird auf die Antwort zu Frage 20 verwiesen.
20. Wie viele Soldatinnen und Soldaten des JG 74 waren im Jahr 2014 an
Auslandseinsätzen beteiligt (bitte Nennung der Einsätze, Dauer und
Stationierungsort angeben, Vergleichstabelle mit Werten ab dem Jahr 2009
aufstellen)?
Es konnten nur die Zeiträume nach Aufstellung des TaktLwG 74 betrachtet
werden, da Datenerhebungen über Einsätze von Personal des JG 74 systemisch
bedingt nicht mehr nachvollziehbar sind.
Einsatzjahr 2013
Im Einsatzjahr wurden insgesamt 93 Soldaten des Verbandes in besonderen
Auslandsverwendungen eingesetzt. Schwerpunkt war der Einsatz beim Deutschen
(DEU) Einsatzkontingent ISAF Mazar-e Sharif/Termez (EinsKtgt ISAF
MeS/TMZ).
Weiterhin wurde Personal im Rahmen von MINUSMA (Dakar) und KFOR
(Prizren/Pristina) verwendet. Die durchschnittliche Verweildauer im Einsatzland
betrug 60 Tage.
Jahr 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Bezugsmonat März Mai Mai Mai Mai Mai Mai
Soldatinnen/
Soldaten 1004 1060 972 899 999 944 936
Zivil
keine
Erfassung 192 183 184 163 143 141
Einsatzjahr 2014
Im Einsatzjahr wurden insgesamt 69 Soldaten des Verbandes in besonderen
Auslandsverwendungen eingesetzt. Schwerpunkt war der Einsatz beim DEU EinsK-
tgt ISAF (MeS/TMZ).
Weiterhin wurde Personal im Rahmen von MINUSMA bzw. Humanitäre Hilfe
Westafrika (Dakar/Accra) und KFOR (Prizren/Pristina) verwendet. Die
durchschnittliche Verweildauer im Einsatzland betrug 70 Tage.
Darüber hinaus wurden 296 Soldaten im Rahmen des NATO Air Policing
Baltikum (Ämari) eingesetzt. Die Verweildauer betrug hier ca. vier bis fünf Wochen.
21. Ist es im Rahmen des NATO-Einsatzes von JG 74 im Baltikum zu
besonderen Vorkommnissen gekommen, wie am 3. November 2009 in der
Rheinischen Post berichtet (
www.rp-online.de/politik/deutschland/
deutschejetsfangen-russen-ab-aid-1.2297088), als deutsche Eurofighter des JG 74 am
15. September im äußersten Nordwesten Estlands an der Ostseeküste einen
russischen Radaraufklärer vom Typ Beriew Be-50 abgefangen haben und
zwei russische Kampfflugzeuge vom Typ Sukhoi Su-27 (Nato-Code:
Flanker) mit Überschallgeschwindigkeit auf die Eurofighter zugeflogen sind?
Im Rahmen der Durchführung der Verstärkung des NATO Air Policing Baltikum
2014 durch Teile des TaktLwG 74 ist es zu keinen Vorfällen gekommen.
22. War das JG 74 im Rahmen seines NATO-Einsatzes im Baltikum direkt oder
indirekt an der Verfolgung eines vermeintlichen U-Bootes der Streitkräfte
der Russischen Föderation durch das Nicht-NATO-Partnerland Schweden in
schwedischen Gewässern vom 17. bis 27. Oktober 2014 beteiligt oder
betroffen (
www.handelsblatt.com/politik/international/u-boot-vor-
stockholmschweden-jagt-ein-russisches-phantom/10863658.html und www.
theguardian.com/world/2014/oct/21/sweden-cold-war-submarine-
huntrussia-vessel-military), etwa durch die zeitgleiche Absicherung des
benachbarten Luftraums, Eskortierung von Flugzeugen, bei Patrouillenflügen im
genannten Zeitraum oder durch erhöhte Alarmbereitschaft?
Wenn nein, wo befanden sich die Flugzeuge von JG 74 zum genannten
Zeitraum und was war ihr Einsatzstatus?
Die im Rahmen des NATO Air Policing Baltikum von der Air Base Ämari
durchgeführten Schutzflüge bzw. Übungsschutzflüge (bewaffnet) und Übungsflüge
(unbewaffnet) des TaktLwG 74 im angegebenen Zeitraum standen nicht im
Zusammenhang mit der Verfolgung eines vermeintlichen U-Bootes.
Die Luftfahrzeuge befanden sich im angegebenen Zeitraum in dem von der
NATO geforderten Bereitschaftsstatus.
23. Fliegt das JG 74 seine Einsätze im Rahmen des NATO-Einsatzes inklusive
Übungen im Baltikum mit scharfen Waffen?
Wenn ja, bei wie vielen Einsätzen (bitte Tag des Einsatzes, Dauer,
Einsatzgebiet und Art der Bewaffnung angeben)?
Im Rahmen des NATO Air Policing Baltikum 2014 wurden 18 Schutzflüge und
57 Übungsschutzflüge bewaffnet durchgeführt. Die Bewaffnung bestand aus
wärmesuchenden Luft/Luft-Lenkflugkörpern IRIS-T und der Bordkanone. Darüber
hinaus wurden 72 unbewaffnete Übungsflüge durchgeführt. Das Einsatzgebiet
umfasste den Luftraum über den drei baltischen Staaten (Estland, Lettland und
Litauen) sowie internationalen Luftraum über der Ostsee.
Schutzflüge
Lfd. Nr. Datum
Missionsdauer
in Std.
Anzahl
Luftfahrzeuge
1. 21.09.2014 0:40 2
2. 03.10.2014 0:45 2
3. 14.10.2014 1:25 2
4. 28.10.2014 1:35 2
5. 28.10.2014 1:25 2
6. 30.10.2014 0:45 2
7. 30.10.2014 1:05 2
8. 31.10.2014 1:30 2
9. 15.11.2014 1:20 2
10. 08.12.2014 1:45 2
11. 08.12.2014 1:20 2
12. 08.12.2014 1:10 2
13. 08.12.2014 1:10 1
14. 09.12.2014 1:50 2
15. 09.12.2014 1:10 1
16. 10.12.2014 1:20 2
17. 10.12.2014 1:05 1
18. 11.12.2014 1:05 2
Übungsschutzflüge
Lfd. Nr. Datum
Missionsdauer
in Std.
Anzahl
Luftfahrzeuge
1. 01.09.2014 1:05 2
2. 02.09.2014 1:20 2
3. 02.09.2014 1:45 2
4. 04.09.2014 1:15 2
5. 15.09.2014 1:50 2
6. 15.09.2014 1:25 2
7. 16.09.2014 1:40 2
8. 16.09.2014 1:20 2
9. 17.09.2014 1:30 2
10. 17.09.2014 1:40 2
11. 18.09.2014 1:35 2
12. 18.09.2014 1:15 2
13. 19.09.2014 1:30 2
14. 19.09.2014 1:25 2
15. 29.09.2014 1:35 2
16. 29.09.2014 1:50 2
Übungsschutzflüge
Lfd. Nr. Datum
Missionsdauer
in Std.
Anzahl
Luftfahrzeuge
17. 30.09.2014 1:10 2
18. 30.09.2014 1:10 2
19. 01.10.2014 1:05 2
20. 01.10.2014 1:30 2
21. 02.10.2014 1:25 2
22. 02.10.2014 2:00 2
23. 03.10.2014 1:55 2
24. 13.10.2014 1:20 2
25. 13.10.2014 1:15 2
26. 14.10.2014 1:25 2
27. 15.10.2014 1:50 2
28. 16.10.2014 1:45 2
29. 16.10.2014 1:25 2
30. 17.10.2014 1:30 2
31. 17.10.2014 1:30 2
32. 27.10.2014 1:20 2
33. 27.10.2014 1:25 2
34. 28.10.2014 1:10 2
35. 29.10.2014 1:25 2
36. 29.10.2014 1:35 2
37. 30.10.2014 1:05 2
38. 31.10.2014 1:20 2
39. 10.11.2014 0:45 2
40. 12.11.2014 1:30 2
41. 13.11.2014 1:05 2
42. 13.11.2014 1:00 2
43. 14.11.2014 1:05 2
44. 14.11.2014 1:00 2
45. 24.11.2014 1:45 2
46. 24.11.2014 1:10 2
47. 25.11.2014 1:10 2
48. 25.11.2014 1:05 2
49. 27.11.2014 1:15 2
50. 27.11.2014 1:05 2
51. 28.11.2014 1:05 2
52. 28.11.2014 1:25 2
53. 11.12.2014 1:10 2
54. 12.12.2014 1:05 2
55. 12.12.2014 1:20 2
56. 23.12.2014 1:40 2
57. 23.12.2014 1:15 2
24. Wurde im Jahr 2014 von Flugzeugen des JG 74 scharfe Bewaffnung zu
Trainingszwecken abgefeuert?
Wenn ja, welche waren dies und wie hoch sind die daraus entstandenen
Kosten (bitte Auflistung nach Ort, Datum, Name und Ziel der Übung,
Waffengattung, Kosten)?
Auf die Antwort zu Frage 25 wird verwiesen.
25. In welchen Jahren seit 2009 haben Flugzeuge des JG 74 scharfe Bewaffnung
abgefeuert, und welche Kosten sind dabei entstanden (bitte Auflistung nach
Ort, Datum, Name und Ziel der Übung, Waffengattung, Kosten)?
Orte: Übungsgebiete (z.B. ED-D 44/46 100: Übungsgebiet Nordsee) in Euro
26. Wie viele Reparaturen wurden 2014 am Eurofighter, die als
„außergewöhnlich aufwendig und teuer“ gelten (Techniker Oberleutnant Michael Riehl,
www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/Die-Luftpolizei-vom-
Lechfeld-id33561817.html), vorgenommen (bitte Auflistung nach Ort,
Datum, Schaden- und Schadensgrund, Kosten)?
Der in der Augsburger Allgemeinen zitierte Techniker bezieht seine Aussage auf
größere Reparaturen an Bauteilen mit Verbundwerkstoffen. Solche Reparaturen
wurden im Jahr 2014 am EUROFIGHTER nicht durchgeführt.
27. Welche militärischen Auszeichnungen, besondere Gratifikationen wie
Sonderzuschläge, Sonderurlaub oder Ähnliches haben Mitglieder des JG 74 aus
welchem Anlass seit Januar 2009 erhalten?
Die Disziplinarvorgesetzten im TaktLwG 74 (ehem. JG 74) haben Förmliche
Anerkennungen (in der Regel verbunden mit Sonderurlaub) wegen vorbildlicher
Pflichterfüllung oder hervorragender Einzeltaten erteilt. Weiterhin wurden auf
Vorschlag der Disziplinarvorgesetzten Ehrenzeichen der Bundeswehr durch das
Bundesministerium der Verteidigung verliehen. Die Aktenaufbewahrungsfrist für
Vorgänge über die Beantragung von Ehrenzeichen umfasst drei Jahre. Insofern
sind lediglich Angaben zu den im Jahr 2012 und später erteilten Ehrenzeichen
möglich. Verliehen wurden diese aufgrund treuer Pflichterfüllung und
überdurchschnittlicher Leistungen.
Die Angehörigen des TaktLwG 74 erhalten bei Vorliegen der jeweiligen
gesetzlichen Voraussetzungen Stellen- und Erschwerniszulagen (z.B. die sog.
„Spießzulage“ oder die Stellenzulage für den Fliegerischen Dienst). Weiterhin wurden
im Rahmen der jeweils verfügbaren Haushaltsmittel und Vergabemöglichkeiten
Leistungsprämien bzw. -zulagen bzw. -stufen für herausragende besondere
Leistungen vergeben.
Darüber hinaus wurden Bestpreise als Zeichen der besonderen Anerkennung und
Würdigung besonderer Leistungen im allgemeinen Truppendienst vergeben.
28. Ist es in den Jahren 2009 bis 2015 im Rahmen von Aktivitäten des JG 74 zu
Toten oder Verletzungen von Flugpersonal und/oder Bodenpersonal oder
Dritter gekommen (bitte Auflistung nach Ort, Datum, Art, Schwere und
Ursache der Verletzung)?
Im Zeitraum 2009 bis 2015 kam es im Rahmen von Aktivitäten des TaktLwG 74
zu 153 Unfallanzeigen, von denen 31 Wegeunfälle sind und 4 explizit in
Verbindung zum Luftfahrzeug stehen. Die weiteren Details sind aufgrund des Umfanges
in der angehängten Tabelle am Ende dieses Antwortschreibens aufgeführt.
29. Von wie vielen „hot air incidents“, verstanden als Luftvorfälle mit hoher
Eskalationswahrscheinlichkeit zwischen Luftstreitkräften der Russischen
Föderation und Mitgliedern der NATO-Mission, hat die Bundesregierung
Kenntnis (bitte Auflistung nach Datum, Ort, Art des Ereignisses, Reaktion
der NATO-Flugzeuge)?
Eine Definition „hot air incidents“, verstanden als „Luftvorfälle mit hoher
Eskalationswahrscheinlichkeit“, ist in NATO-Dokumenten nicht vorhanden.
Sowohl das NATO Air Policing im Allgemeinen als auch das Air Policing
Baltikum als Teil des NATO Air Policing im Speziellen haben einen rein defensiven
Charakter. In den einschlägigen NATO-Vorschriften, die für alle am NATO Air
Policing teilnehmenden Nationen verbindlich sind, wird diese defensive
Ausrichtung in der Weisungslage umgesetzt. Ein deeskalierendes Verhalten – ohne das
Recht auf Selbstverteidigung einzuschränken – ist Einsatzgrundsatz.
Alle in den Jahren 2014 und 2015 im Rahmen des Air Policing Baltikum
durchgeführten Abfangeinsätze der jeweiligen Einsatzkontingente sind nach Kenntnis
der Bundesregierung entlang der gültigen Vorschriften durchgeführt worden.
Demnach ist es im Rahmen des NATO Air Policing Baltikum 2014 und 2015 zu
keinen „Luftvorfällen mit hoher Eskalationswahrscheinlichkeit“ zwischen den
Luftstreitkräften der Russischen Föderation und „Mitgliedern der NATO-
Mission“ gekommen.
30. An wie vielen dieser Ereignisse war das JG 74 direkt oder indirekt beteiligt
(bitte Auflistung nach Datum, Art des Ereignisses, Reaktion der NATO-
Flugzeuge)?
Auf die Antwort zu Frage 29 wird verwiesen.
31. Welche konkreten Kenntnisse hat die Bundesregierung über einen Beinahe-
Zusammenstoß des zivilen Fluges SAS 737 (Kopenhagen–Rom) mit
132 Passagieren im Luftraum östlich von Malmö mit einem russischen, ohne
Radartransponder fliegenden Aufklärer
(
www.europeanleadershipnetwork.org/medialibrary/2014/11/09/6375e3da/
Dangerous%20Brinkmanship.pdf), und welche Auswirkungen hat dieses
„blind air activity“-Ereignis auf das taktische Verhalten der NATO-Mission
von JG 74?
Der Bundesregierung liegen keine Kenntnisse vor, die über die in der Presse
veröffentlichten Informationen hinausgehen. Nach hiesiger Bewertung handelt es
sich bei dem dargestellten Vorfall nicht um eine bestätigte gefährliche
Annäherung. Es gibt daher keine Auswirkungen auf das taktische Verhalten der im
Bereich der Ostsee eingesetzten Luftfahrzeugführer des TaktLwG 74.
32. Welche deeskalierenden Maßnahmen zur „military-to-military
communication and transparency“ zwischen den Luftstreitkräften der Russischen
Föderation und den Mitgliedern der NATO-Mission wurden laut Kenntnis der
Bundesregierung seit dem Ukraine-Krim-Konflikt im März 2014 ergriffen?
Wenn keine, warum nicht?
Internationale Regeln und Normen werden bei jedem Einsatz der NATO befolgt.
Deeskalation besteht fortwährend und ist einer der Grundpfeiler der NATO-
Politik. Die Bundesregierung unterstützt diese Richtlinie.
Auf Initiative des Bundesministers des Auswärtigen Dr. Frank-Walter Steinmeier
beim NATO-Außenministertreffen im Dezember 2014 wurde inzwischen ein
Krisenkontaktmechanismus zwischen der NATO und Russland etabliert, um
unkontrollierten Eskalationsdynamiken vorzubeugen.
33. Wie viele Offiziere der baltischen Staaten wurden in Deutschland bis 2014
zu Jägerleitoffizieren ausgebildet, warum war diese Maßnahme nötig, an
welchen Standorten, wie hoch sind die daraus entstanden Kosten und ist die
Ausbildung abgeschlossen (bitte Auflistung nach Standorten, Anzahl der
Auszubildenden, Dauer, Kosten)?
Es wurden keine Offiziere der baltischen Staaten in Deutschland zu
Jägerleitoffizieren ausgebildet. Es wurde lediglich eine theoretische Einweisung für 16
baltische Offiziere durchgeführt.
34. Welche Angehörigen der Streitkräfte anderer Nationen wurden in
Deutschland von der deutschen Luftwaffe ausgebildet, warum war diese Maßnahme
nötig, an welchen Standorten, wie hoch sind die daraus entstanden Kosten
und ist die Ausbildung abgeschlossen (bitte Auflistung nach Standorten,
Anzahl der Auszubildenden, Dauer, Kosten)?
Ausbildung von technischem Personal
Die nachfolgende Aufstellung über Ausbildung von technischem Personal gibt
den Stand von August 2013 wieder. Nach hiesiger Kenntnis gibt es keine
Veränderung hierzu.
Nicht betrachtet sind internationale Ausbildungskooperationen mit nach
Nationen getrennten Hörsälen.
Standort
Herkunftsland
Art der
Ausbildung
Dauer Kosten der
Maßnahme
Auszubildende
Kaufbeuren
Technisches
Ausbildungszentrum
Süd
Österreich Ausbildung von
technischem
Personal EUROFIGHTER
137
Wochen
ca. 40 Mio. €
46
Appen
Unteroffizierschule
der Luftwaffe
Frankreich Ausbildung zum
Lehrfeldwebel
A400M
8
Wochen
nicht bekannt 1
Ausbildung von fliegerischem Personal
Seit dem Jahr 2007 werden österreichische (AUT) EUROFIGHTER-
Luftfahrzeugführer in Laage beim TaktLwG 73 "S" ausgebildet. Derzeit befinden sich der
23. und 24. AUT Luftfahrzeugführer in der Umschulung. Die Kostenaufstellung
beläuft sich auf ca. 2,8 Mio. Euro pro Schüler.
Ausbildung von Personal des Luftbildwesens
Im Jahr 2015 wurden bzw. werden am Ausbildungszentrum Abbildende
Aufklärung der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck Angehörige ausländischer Streitkräfte im
Luftbildwesen wie folgt ausgebildet:
Herkunftsland
Art der Ausbildung Grund Kosten der
Maßnahme
Auszubildende
Indien
Synthetic Aperture
Radar (SAR)
Bildauswertung
Internationale
Kooperation
31.151,32 €
(Bezahlung durch
Indien)
8
Österreich SAR Bildauswertung
Bilaterales
Zusammenarbeitsprogramm
(ZAP) AUT-DEU
Aufrechnung der
Kosten im Rahmen
ZAP
2
Österreich
Luftbildauswertung
Optisch / Infrarot
ZAP AUT-DEU
Aufrechnung der
Kosten im Rahmen
ZAP
22
Schweiz
Luftbildauswertung
Optisch / Infrarot
ZAP CHE-DEU
Aufrechnung der
Kosten im Rahmen
ZAP
7
Polen
Luftbildauswertung
Optisch / Infrarot
NATO Joint ISR 5.226,57 € / TN 3
Polen SAR Bildauswertung NATO Joint ISR 3180,31 € / TN 3
Niederlande SAR Bildauswertung NATO Joint ISR 3180,31 € / TN 2
Lettland SAR Bildauswertung NATO Joint ISR 3180,31 € / TN 1
Estland SAR Bildauswertung NATO Joint ISR 3180,31 € / TN 1
Türkei SAR Bildauswertung NATO Joint ISR 3180,31 € / TN 1 (geplant)
Spanien SAR Bildauswertung NATO Joint ISR 3180,31 € / TN 2 (geplant)
TN: Teilnehmer; ISR: Intelligence, Surveillance and Reconnaissance
35. Wie viele und welche Flugzeuge des JG 74 haben an der NATO-Übung
Arctic Challenge 2015 (ACE 2015) teilgenommen und wie viele Flugstunden
sind dabei angefallen, inklusive Verlegung?
Es haben 12 EUROFIGHTER des TaktLwG 74 Neuburg a. d. Donau an der
NATO-Übung Arctic Challenge teilgenommen. Dabei sind 269 Flugstunden
inklusive der Verlegung angefallen.
36. Wie viele Flugbewegungen wurden vom JG 74 bei der NATO-Übung Arctic
Challenge 2015 (ACE 2015) durchgeführt, inklusive Verlegung mit Angabe
von Start- und Landeflugplatz sowie Zwischenlandungen?
Vom TaktLwG 74 Neuburg a. d. Donau wurden während der NATO-Übung
Arctic Challenge 2015 143 Flugbewegungen durchgeführt. Startflugplatz der
Verlegung war Lagerlechfeld; Landeflugplatz war Bodö (Norwegen).
37. Wie hoch war der Treibstoffverbrauch (Kerosin) beim JG 74 bei der NATO-
Übung Arctic Challenge 2015 (ACE 2015)?
Bei der NATO-Übung Arctic Challenge wurden 131 400 Liter Flugkraftstoff
(ca. 105 Tonnen) per Luftbetankung durch DEU Luftbetankungsflugzeuge und
374 330 Liter Flugkraftstoff (ca. 300 Tonnen) Flugkraftstoff durch Host Nation
Betankung (NOR) an Luftfahrzeuge des TaktLwG 74 Neuburg a. d. Donau
abgegeben.
38. Wie hoch war der CO2-Ausstoß des JG 74 bei der NATO-Übung Arctic
Challenge 2015 (ACE 2015)?
Bezogen auf den Treibstoffverbrauch des TaktLwG 74 Neuburg a.d. Donau in
Verbindung mit dem durchschnittlichen Umrechnungsfaktor für kg Flugkraftstoff
zu kg freigesetztem CO2 von 3,15 wurden bei der Übung Arctic Challenge
1 276 Tonnen CO2 ausgestoßen.
39. Wie hoch war der Ausstoß anderer Schadstoffemissionen des JG 74 bei der
NATO-Übung Arctic Challenge 2015 (ACE 2015)?
Auf die Antwort zu Frage 13 wird verwiesen.
40. Wie hoch waren die Kosten des Waffensystems „Eurofighter“ bei der
NATO-Übung Arctic Challenge 2015 (ACE 2015) (bitte pro Flugstunde und
gesamt angeben)?
Im Rahmen der NATO-Übung „Arctic Challenge 2015" wurden 200 Flugstunden
mit dem Waffensystem EUROFIGHTER absolviert. Die Kosten je Flugstunde
betrugen 38 244 Euro ohne kalkulatorische Kosten und 67 852 Euro mit
kalkulatorischen Kosten. Daraus ergeben sich Kosten in Höhe von 7 648 800 Euro (ohne
kalkulatorische Anteile) und 13 570 400 Euro (einschließlich kalkulatorischer
Anteile).
41. Welche Auslandseinsätze bzw. NATO-Missionen mit Beteiligung vom
JG 74 sind ab August 2015 binnen der nächsten zwei Jahre geplant bzw.
angefragt?
Von September bis Dezember 2016 ist eine Beteiligung des TaktLwG 74 an der
Verstärkung des Air Policing Baltikum geplant.
Drucksache 18/6044 – 18 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Drucksache 18/6044 – 20 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Drucksache 18/6044 – 22 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Drucksache 18/6044 – 24 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Drucksache 18/6044 – 26 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Drucksache 18/6044 – 28 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
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ISSN 0722-8333]