Einrichtung der Arbeitsgruppe „Russland Taskforce“ der Europäischen Union für die „Strategische Kommunikation“ in Osteuropa
der Abgeordneten Dr. Alexander S. Neu, Andrej Hunko, Wolfgang Gehrcke, Inge Höger, Niema Movassat und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Am 1. September 2015 hat laut Presseberichten ein von der Europäischen Union (EU) eingesetztes Team für “Strategische Kommunikation“ zur „Abwehr russischer Propaganda in Osteuropa“ die Arbeit aufgenommen (afp, 31. August 2015, www.zeit.de/news/2015-08/26/deutschland-zeit-eu-startet-abwehr-russischerdesinformation-in-osteuropa-26142002, www.heise.de/tp/artikel/45/45767/1.html, www.dw.com/ru/die-zeit- - ч - ь - - - /a-18673517). Grundlagen sind Schlussfolgerungen des Europäischen Rates zu den Außenbeziehungen vom 19. März 2015 zur Einrichtung einer solchen Arbeitsgruppe, um „Russlands andauernden Desinformationskampagnen über den Ukrainekonflikt etwas entgegenzustellen“, und der Auftrag an die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, bis Juni 2015 einen „Aktionsplan über strategische Kommunikation“ vorzulegen.
Die Vertreterinnen und Vertreter der EU behaupten, es gehe nicht darum, mit der Initiative Gegenpropaganda zu betreiben. Das intern als „Russland Taskforce“ bezeichnete „Eastern Strategic Communications Team“ wird jedoch „positive Narrative und Kommunikationsprodukte“ in russischer Sprache entwickeln und damit „russischen Erzählweisen“ in Osteuropa die Sicht der EU entgegenstellen.
Dieses „Strategische Kommunikationsteam Ost“ soll z. B. im Internet aktiv werden und auf Russisch „über Websites und soziale Netzwerke proaktiv über Politik und Werte der EU informieren“. Es soll russische Medien auswerten, „offensichtliche Lügen identifizieren“ und kommentierte Berichte dazu an die Mitgliedstaaten der EU herausgeben. Auftrag der „Russland Taskforce“ ist es aber auch, „unabhängige Medien in Russland [zu] unterstützen“.
Ins Visier genommen haben die Bundesregierung und die EU demgegenüber russische Sender, wie „RT“ und „Sputniknews“, die internationale Programme, u. a. in englischer, deutscher und spanischer Sprache senden, und (so RT) z. B. auch Redaktionen in Deutschland aufgebaut haben. Unterdessen bieten die „Deutsche Welle“, „BBC“ oder „Euronews“ ebenfalls bereits seit langem Programme in verschiedensten Sprachen an, darunter auch russischsprachige redaktionelle Inhalte. Die „Deutsche Welle“ expandiert in jüngerer Zeit mit Unterstützung des Auswärtigen Amts verstärkt Richtung Osteuropa und sendet u. a. TV-Nachrichtenbeiträge in russischer und ukrainischer Sprache (www.dw.com/de/neue-tv-nachrichtensendung-auf-russisch-und-ukrainisch/a-18641356, www.spiegel.de/politik/ausland/baltikum-fernsehsender-kaempfen-gegen-russische-propaganda-a-1035009.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen49
Was ist der Bundesregierung über das Zustandekommen des „Aktionsplans über strategische Kommunikation“ zur „Abwehr russischer Propaganda in Osteuropa“ bekannt?
Welche Studien oder sonstigen Erhebungen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung für den „Aktionsplan über strategische Kommunikation“ zur „Abwehr russischer Propaganda in Osteuropa“ erstellt, bzw. auf welche vorhandenen Ausarbeitungen wird sich dabei gestützt?
Welche konkreten Vorschläge werden in den Studien gemacht, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
Inwieweit und ggf. seit wann bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung entsprechende Strukturen beim Europäischen Auswärtigen Dienst, und auf wessen Veranlassung wurden diese eingerichtet?
Worauf sollten der „Aktionsplan über strategische Kommunikation“ sowie das hierzu eingerichtete „Kommunikationsteam“ zur „Abwehr russischer Propaganda in Osteuropa“ aus Sicht der Bundesregierung hauptsächlich fokussieren?
In welchem Umfang soll eine solche „Strategische Kommunikation“ zur „Abwehr russischer Propaganda in Osteuropa“ aus Sicht der Bundesregierung auch über mögliche Schwachstellen oder kritisch über europäische Politiken berichten?
Zu welchen Gelegenheiten oder in welchem Umfang sollte die „Strategische Kommunikation“ gegenüber Russland aus Sicht der Bundesregierung nicht nur auf positives EU-Engagement ventilieren, sondern auch vermeintliche „Desinformationen“ russischsprachiger Medien kontern oder kommentieren?
Auf welche Weise könnten der „Aktionsplan über strategische Kommunikation“ zur „Abwehr russischer Propaganda in Osteuropa“ sowie die Aktivitäten des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ aus Sicht der Bundesregierung an weitere, laufende EU-Initiativen gekoppelt werden, etwa Verhandlungen der Europäischen Kommission über den Abschluss eines Abschiebeabkommens mit Belarus oder die Visaliberalisierung mit Georgien und der Ukraine?
In welcher Form wird sichergestellt, dass das „Strategische Kommunikationsteam Ost“, seine Unterabteilungen und sonstigen Arbeitseinheiten nicht selbst Propaganda betreiben, und welche Überprüfungsmechanismen bzw. Benchmarks sind implementiert, um dies zu verhindern?
In welcher Form wird sichergestellt, dass die von dem „Strategischen Kommunikationsteam Ost“ zu unterstützenden Medien nicht selbst Propaganda betreiben, und welche Überprüfungsmechanismen bzw. Benchmarks sind implementiert, um dies zu verhindern?
Über welchen Zeitraum hinweg soll das „Strategische Kommunikationsteam Ost“ eingerichtet bleiben bzw. Aktivitäten entfalten?
Wann soll nach Kenntnis der Bundesregierung eine Evaluation des Aktionsplans vorliegen?
Wie ist die Aufgabenstellung des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ konkret definiert?
Über wie viele und welche Abteilungen, Unterabteilungen und sonstigen Arbeitseinheiten verfügt das „Strategische Kommunikationsteam Ost“?
Welche konkreten Tätigkeitsbereiche sind diesen jeweils übertragen?
Welche Teilnehmenden am „Strategischen Kommunikationsteam Ost“ welcher Behörden welcher Mitgliedstaaten bzw. EU-Einrichtungen sind der Bundesregierung bekannt?
Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden jeweils in welchen Abteilungen, Unterabteilungen und sonstigen Arbeitseinheiten mit welchen Aufgabenstellungen tätig (bitte sowohl dauerhaft beschäftigte und/oder festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfassen als auch Personen, die befristet beschäftigt sind, als Honorarkräfte oder freie Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter im weitesten Sinne bezeichnet werden können, oder von anderen Stellen zu Tätigkeiten bei dem oder für das „Strategische(n) Kommunikationsteam Ost“ entsandt bzw. abgestellt wurden)?
Wo genau ist das „Strategische Kommunikationsteam Ost“ nach Kenntnis der Bundesregierung geografisch und organisatorisch angesiedelt?
Von welchen Standorten aus agieren welche Abteilungen, Unterabteilungen und/oder sonstigen Arbeitseinheiten des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“?
Inwieweit wird eine Verlegung, Vergrößerung, Verkleinerung, sonstige Veränderung des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ oder seiner Teile, ein Wegfall von Aufgabenstellungen oder eine veränderte Übertragung von Aufgaben geplant oder in Erwägung gezogen?
Wer soll über derartige Veränderungen entscheiden?
Wie hoch sind die mit der Einrichtung und den Aktivitäten des „Strategischen Kommunikationsteam Ost“ verbundenen Kosten für das Jahr 2015, und welche finanziellen Mittel sollen dafür in den Folgejahren zur Verfügung stehen (bitte nach Haushaltsjahren aufschlüsseln)?
Für welche konkreten Tätigkeitsbereiche und welche Abteilungen, Unterabteilungen und sonstigen Arbeitseinheiten werden für das Jahr 2015 sowie die Folgejahre jeweils welche finanziellen Mittel veranschlagt (bitte nach Haushaltsjahren und Einheiten aufschlüsseln)?
In welchen Rubriken wurden gegebenenfalls Mittel für das „Strategische Kommunikationsteam Ost“ einschließlich dessen Maßnahmen und Aktivitäten bereitgestellt, und wo sollen diese künftig verortet werden (bitte Angaben zum Jahr 2015 sowie den Folgejahren machen)?
Soweit eine Finanzierung über den EU-Haushalt nicht in Betracht kommt, auf welchem sonstigen Weg bzw. über welche sonstigen Stellen erfolgt die Finanzierung des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ einschließlich dessen Maßnahmen und Aktivitäten sowohl für das Jahr 2015 als auch für die Folgejahre (bitte nach Jahren, gegebenenfalls auch nach Vorhaben aufschlüsseln)?
Welche Kommunikationsprodukte sollen durch das bzw. mithilfe des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ entwickelt werden?
Welche konkreten Aktivitäten hat das „Strategische Kommunikationsteam Ost“ (unter Berücksichtigung all seiner Abteilungen, Unterabteilungen und sonstigen Arbeitseinheiten) bislang entfaltet (bitte u. a. Programme, Kampagnen, Veröffentlichungen und alle weiteren Aktivitäten bzw. Projekte angeben)?
In welchen Sprachen und bezogen auf welche Regionen sollen künftig Aktivitäten des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ entfaltet werden bzw. wurden bereits entfaltet?
Was sind die Zielländer der Aktivitäten des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“?
Was sind die Zielgruppen der Aktivitäten des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“?
Auf welche Weise werden nach Kenntnis der Bundesregierung Journalistenverbände in die Arbeit zum Aktionsplan eingebunden?
Mit welchen weiteren Akteurinnen und Akteuren soll das „Strategische Kommunikationsteam Ost“ (unter Berücksichtigung all seiner Abteilungen, Unterabteilungen und sonstigen Arbeitseinheiten) zusammenarbeiten bzw. hat es bereits zusammengearbeitet? Welche Medienvertreter und Medienvertreterinnen, zivilgesellschaftlichen Akteure und Akteurinnen, internationale Institutionen und Staatsregierungen sind bzw. waren darunter?
Inwieweit ist eine Einbindung von Botschaften geplant oder wird in Erwägung gezogen?
Inwiefern sind nach Kenntnis der Bundesregierung auch Drittstaaten in die Umsetzung des Aktionsplans eingebunden?
Inwieweit ist eine Einwirkung des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ auf die örtliche Bevölkerung der Zielregionen beabsichtigt?
Was ist der Bundesregierung darüber bekannt, inwiefern im Rahmen der Umsetzung des Aktionsplans zu „Strategischer Kommunikation“ zur „Abwehr russischer Propaganda in Osteuropa“ auch gesetzgeberische Maßnahmen anvisiert sind?
In welcher Form, mit welcher zeitlichen Perspektive und im Rahmen welcher konkreten Projekte oder Aktivitäten wird eine Kooperation mit welchen anderen EU-Programmen oder Projekten mit Fokus auf Kommunikation, wie beispielsweise dem „Kommunikationsprogramm OPEN Neighbourhood“, geplant, diskutiert oder in Erwägung gezogen, welche Inhalte haben diese Programme, und worin soll jeweils das Ziel der Verknüpfung bestehen?
Inwieweit ist in Fragen der „Strategischen Kommunikation“ ein Austausch oder eine Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, u. a. der NATO oder den USA, geplant oder wird erörtert?
Inwiefern sind ggf. die NATO oder die USA nach Kenntnis der Bundesregierung in die Umsetzung des Aktionsplans eingebunden (bitte angeben, um welche Abteilungen oder Stellen es sich dabei handelt, und welche eigenen Ziele von diesen verfolgt werden)?
Inwieweit bestehen Kontakte oder Ansätze zur Kooperation mit dem kürzlich in Riga eröffneten „Kommunikationszentrum“ der NATO (Strategic Communications Centre of Excellence), und welche gemeinsamen Aktivitäten sind geplant oder hat es bislang gegeben?
Welche konkreten Schritte und Maßnahmen sind zur „Förderung einer pluralistischen russisch-sprachigen Medienlandschaft“ geplant, in welcher Höhe resultiert hieraus Finanzbedarf, und wie soll die Finanzierung erfolgen?
Auf welche Art und Weise soll das „Strategische Kommunikationsteam Ost“ „unabhängige Medien in Russland unterstützen“ (bitte mit konkreten Angaben zu Programminhalten, Programmen und sonstigen Aktivitäten)?
Inwieweit sollen hierfür seitens der EU oder EU-Mitgliedstaaten finanzielle Mittel oder sonstige geldwerte Zuwendungen zur Verfügung gestellt werden?
Anhand welcher Kriterien werden die zu „unterstützenden“ „unabhängigen Medien in Russland“ ermittelt und ausgewählt?
Welche Medien und Medienunternehmen sollen in Russland unterstützt werden (bitte unter Angabe der offiziellen Bezeichnung konkret benennen)?
Welcher Ansatz wird mit der Expansion der „Deutschen Welle“ sowie deren Akademie in Richtung Osteuropa verfolgt?
In welcher Form soll bzw. wird es parallele Aktivitäten oder eine Zusammenarbeit zwischen dem „Strategischen Kommunikationsteam Ost“ und der „Deutschen Welle“, anderen öffentlich-rechtlichen deutschen Sendern oder sonstigen in Deutschland ansässigen Medienunternehmen geben?
Auf welchen rechtlichen Grundlagen basieren Aktivitäten des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ – mit Blick auf das Medienrecht – insbesondere in bzw. mit Auswirkungen auf Nicht-EU-Staaten?
Welche weiteren Schritte bzw. Initiativen zur Umsetzung des Aktionsplans werden nach Kenntnis der Bundesregierung nach der Einrichtung des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ geplant, diskutiert oder in Erwägung gezogen?