[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 22. Oktober 2015 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/6486
18. Wahlperiode 26.10.2015
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Alexander S. Neu, Andrej Hunko,
Wolfgang Gehrcke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/6168 –
Einrichtung der Arbeitsgruppe „Russland Taskforce“ der Europäischen Union für
die „Strategische Kommunikation“ in Osteuropa
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Am 1. September 2015 hat laut Presseberichten ein von der Europäischen Union
(EU) eingesetztes Team für “Strategische Kommunikation“ zur „Abwehr
russischer Propaganda in Osteuropa“ die Arbeit aufgenommen (afp, 31. August 2015,
www.zeit.de/news/2015-08/26/deutschland-zeit-eu-startet-abwehr-
russischerdesinformation-in-osteuropa-26142002,
www.heise.de/tp/artikel/45/45767/1.html,
www.dw.com/ru/die-zeit- - ч - ь - - - /a-
18673517). Grundlagen sind Schlussfolgerungen des Europäischen Rates zu
den Außenbeziehungen vom 19. März 2015 zur Einrichtung einer solchen
Arbeitsgruppe, um „Russlands andauernden Desinformationskampagnen über den
Ukrainekonflikt etwas entgegenzustellen“, und der Auftrag an die EU-
Außenbeauftragte Federica Mogherini, bis Juni 2015 einen „Aktionsplan über
strategische Kommunikation“ vorzulegen.
Die Vertreterinnen und Vertreter der EU behaupten, es gehe nicht darum, mit
der Initiative Gegenpropaganda zu betreiben. Das intern als „Russland
Taskforce“ bezeichnete „Eastern Strategic Communications Team“ wird jedoch
„positive Narrative und Kommunikationsprodukte“ in russischer Sprache
entwickeln und damit „russischen Erzählweisen“ in Osteuropa die Sicht der EU
entgegenstellen. Dieses „Strategische Kommunikationsteam Ost“ soll z. B. im
Internet aktiv werden und auf Russisch „über Websites und soziale Netzwerke
proaktiv über Politik und Werte der EU informieren“. Es soll russische Medien
auswerten, „offensichtliche Lügen identifizieren“ und kommentierte Berichte
dazu an die Mitgliedstaaten der EU herausgeben. Auftrag der „Russland
Taskforce“ ist es aber auch, „unabhängige Medien in Russland [zu]
unterstützen“.
Ins Visier genommen haben die Bundesregierung und die EU demgegenüber
russische Sender, wie „RT“ und „Sputniknews“, die internationale Programme,
u. a. in englischer, deutscher und spanischer Sprache senden, und (so RT) z. B.
auch Redaktionen in Deutschland aufgebaut haben. Unterdessen bieten die
„Deutsche Welle“, „BBC“ oder „Euronews“ ebenfalls bereits seit langem
Programme in verschiedensten Sprachen an, darunter auch russischsprachige
redaktionelle Inhalte. Die „Deutsche Welle“ expandiert in jüngerer Zeit mit
Unterstützung des Auswärtigen Amts verstärkt Richtung Osteuropa und sendet
u. a. TV-Nachrichtenbeiträge in russischer und ukrainischer Sprache
(
www.dw.com/de/neue-tv-nachrichtensendung-auf-russisch-und-ukrainisch/a-
18641356,
www.spiegel.de/ politik/ausland/baltikum-fernsehsender-kaempfen-
gegen-russische-propaganda-a-1035009.html).
1. Was ist der Bundesregierung über das Zustandekommen des „Aktionsplans
über strategische Kommunikation“ zur „Abwehr russischer Propaganda in
Osteuropa“ bekannt?
Die Frage einer verbesserten EU-Kommunikation insbesondere mit Blick auf die
östliche Nachbarschaft und den Umgang mit russischen
Desinformationskampagnen wurde wiederholt in den verschiedenen EU-Ratsgremien angesprochen. Der
Europäische Rat erteilte am 19. März 2015 der Hohen Vertreterin den Auftrag,
bis Juni 2015 in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und EU-Institutionen
einen Aktionsplan zu strategischer Kommunikation vorzubereiten. Diesen
Aktionsplan legte die Hohe Vertreterin am 22. Juni 2015 dem Vorsitzenden des
Europäischen Rates vor.
2. Welche Studien oder sonstigen Erhebungen wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung für den „Aktionsplan über strategische Kommunikation“ zur
„Abwehr russischer Propaganda in Osteuropa“ erstellt, bzw. auf welche
vorhandenen Ausarbeitungen wird sich dabei gestützt?
Der Aktionsplan zu strategischer Kommunikation wurde vom Europäischen
Auswärtigen Dienst (EAD) erarbeitet. Die Mitgliedstaaten hatten die Gelegenheit den
Textentwurf zu kommentieren. Ob und ggfs. auf welche Studien sich der
Europäische Auswärtige Dienst bei seiner Arbeit gestützt hat, entzieht sich der
Kenntnis der Bundesregierung.
3. Welche konkreten Vorschläge werden in den Studien gemacht, und welche
Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
Auf die Antwort zu Frage 2 wird verwiesen.
4. Inwieweit und ggf. seit wann bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung
entsprechende Strukturen beim Europäischen Auswärtigen Dienst, und auf
wessen Veranlassung wurden diese eingerichtet?
Der Anstoß für ein spezielles Team für strategische Kommunikation in Richtung
der Länder der Östlichen Partnerschaft und Russland wurde bei einer
Sondersitzung des Rates für Auswärtige Beziehungen am 29. Januar 2015 gegeben. Die
EU EAST STRATCOM Task Force wurde seit Anfang April 2015 aufgebaut und
hat seit 1. September 2015 ihre volle Personalstärke erreicht und offiziell ihre
Aufgaben übernommen.
5. Worauf sollten der „Aktionsplan über strategische Kommunikation“ sowie
das hierzu eingerichtete „Kommunikationsteam“ zur „Abwehr russischer
Propaganda in Osteuropa“ aus Sicht der Bundesregierung hauptsächlich
fokussieren?
Die drei Ziele sowohl des Aktionsplans als auch der EU EAST STRATCOM
Task Force sind wirksame Kommunikation von und Werben für EU-Politiken
und –Werten in der östlichen Nachbarschaft, Stärkung des Medienumfelds
insgesamt inklusive Unterstützung für unabhängige Medien und verbessertes
öffentliches Bewusstsein von Desinformationsaktivitäten seitens Dritter und verbesserte
EU-Reaktionsfähigkeit darauf. Die Bundesregierung unterstützt diese Ziele. Die
EU EAST STRATCOM Task Force wird dafür die russischsprachigen Medien
beobachten und analysieren, um ein besseres Bild von der Wahrnehmung der EU
in der Östlichen Partnerschaft zu bekommen. Zudem wird es verschiedene
Netzwerke mit den EU-Institutionen und Mitgliedstaaten geben, um die jeweiligen
Kommunikationsaktivitäten besser zu koordinieren. Weitere Netzwerke sollen in
der Region der Östlichen Partnerschaft mit Regierungen, Medienvertretern und
Vertretern der Zivilgesellschaft aufgebaut werden.
6. In welchem Umfang soll eine solche „Strategische Kommunikation“ zur
„Abwehr russischer Propaganda in Osteuropa“ aus Sicht der
Bundesregierung auch über mögliche Schwachstellen oder kritisch über europäische
Politiken berichten?
Wie bei der Öffentlichkeitsarbeit von Regierungen, Parteien, Verbänden, etc. ist
es das natürliche Interesse der Öffentlichkeitsarbeit der Europäischen Union ihre
Positionen gegenüber der Öffentlichkeit zu vermitteln. Durch die Förderung
unabhängiger und pluralistischer Medien wird gleichzeitig ein System gefördert, in
dem kritischer Journalismus die Möglichkeit hat, Schwachstellen aufzudecken,
offen darüber zu berichten und auch die politisch Verantwortlichen mit
tatsächlichen oder vermeintlichen Schwächen ihrer Politik zu konfrontieren.
7. Zu welchen Gelegenheiten oder in welchem Umfang sollte die „Strategische
Kommunikation“ gegenüber Russland aus Sicht der Bundesregierung nicht
nur auf positives EU-Engagement ventilieren, sondern auch vermeintliche
„Desinformationen“ russischsprachiger Medien kontern oder
kommentieren?
Die Frage, ob und wie auf Meldungen russischsprachiger Medien reagiert werden
sollte, ist anhand des jeweiligen Einzelfalls zu beurteilen.
8. Auf welche Weise könnten der „Aktionsplan über strategische
Kommunikation“ zur „Abwehr russischer Propaganda in Osteuropa“ sowie die
Aktivitäten des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ aus Sicht der
Bundesregierung an weitere, laufende EU-Initiativen gekoppelt werden, etwa
Verhandlungen der Europäischen Kommission über den Abschluss eines
Abschiebeabkommens mit Belarus oder die Visaliberalisierung mit Georgien
und der Ukraine?
Die öffentliche Kommunikation über laufende EU-Aktivitäten in den Ländern der
Östlichen Partnerschaft zu unterstützen, ist eine der Aufgaben der EU EAST
STRATCOM Task Force.
9. In welcher Form wird sichergestellt, dass das „Strategische
Kommunikationsteam Ost“, seine Unterabteilungen und sonstigen Arbeitseinheiten nicht
selbst Propaganda betreiben, und welche Überprüfungsmechanismen bzw.
Benchmarks sind implementiert, um dies zu verhindern?
Die EU EAST STRATCOM Task Force ist Teil des Referats für Strategische
Kommunikation des Europäischen Auswärtigen Dienst. Veröffentlichungen
erfolgen in Verantwortung des Europäischen Auswärtigen Dienstes nach den dort
geltenden Regeln.
10. In welcher Form wird sichergestellt, dass die von dem „Strategischen
Kommunikationsteam Ost“ zu unterstützenden Medien nicht selbst Propaganda
betreiben, und welche Überprüfungsmechanismen bzw. Benchmarks sind
implementiert, um dies zu verhindern?
Die EU EAST STRATCOM Task Force hat selbst keine Projektmittel und
unterstützt daher keine Medien.
11. Über welchen Zeitraum hinweg soll das „Strategische Kommunikationsteam
Ost“ eingerichtet bleiben bzw. Aktivitäten entfalten?
Es wurde kein Enddatum für die EU EAST STRATCOM Task Force festgelegt.
12. Wann soll nach Kenntnis der Bundesregierung eine Evaluation des
Aktionsplans vorliegen?
Der Aktionsplan zu strategischer Kommunikation ist ein lebendiges Dokument,
das kontinuierlich fortgeschrieben und weiterentwickelt wird.
13. Wie ist die Aufgabenstellung des „Strategischen Kommunikationsteams
Ost“ konkret definiert?
Im Rahmen der in der Antwort zu Frage 5 genannten Ziele wird die EU EAST
STRATCOM Task Force Kommunikationskampagnen entwickeln,
Kommunikationsmaterial zu aktuellen EU-Themen entwerfen und Fehlinformationen
aufdecken und richtigstellen.
14. Über wie viele und welche Abteilungen, Unterabteilungen und sonstigen
Arbeitseinheiten verfügt das „Strategische Kommunikationsteam Ost“?
Die EU EAST STRATCOM Task Force hat insgesamt zehn Mitarbeiter, die von
den EU-Institutionen sowie von Mitgliedstaaten zur Verfügung gestellt wurden.
15. Welche konkreten Tätigkeitsbereiche sind diesen jeweils übertragen?
Die konkrete Aufgabenverteilung zwischen den Mitarbeitern ist eine
Angelegenheit der internen Organisation des Europäischen Auswärtigen Dienstes.
16. Welche Teilnehmenden am „Strategischen Kommunikationsteam Ost“
welcher Behörden welcher Mitgliedstaaten bzw. EU-Einrichtungen sind der
Bundesregierung bekannt?
Der EU EAST STRATCOM Task Force wurden Mitarbeiter aus dem
Europäischen Auswärtigen Dienst, der Europäischen Kommission, des Ratssekretariats
sowie aus Mitgliedstaaten zur Verfügung gestellt. Die Bundesregierung hat
Arbeitskontakte zu allen Mitarbeitern.
17. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden jeweils in welchen
Abteilungen, Unterabteilungen und sonstigen Arbeitseinheiten mit welchen
Aufgabenstellungen tätig (bitte sowohl dauerhaft beschäftigte und/oder
festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfassen als auch Personen, die
befristet beschäftigt sind, als Honorarkräfte oder freie Mitarbeiterinnen bzw.
Mitarbeiter im weitesten Sinne bezeichnet werden können, oder von anderen
Stellen zu Tätigkeiten bei dem oder für das „Strategische(n)
Kommunikationsteam Ost“ entsandt bzw. abgestellt wurden)?
Die interne Organisation des Europäischen Auswärtigen Dienstes liegt in dessen
Verantwortung, Hierzu nimmt die Bundesregierung nicht Stellung.
18. Wo genau ist das „Strategische Kommunikationsteam Ost“ nach Kenntnis
der Bundesregierung geografisch und organisatorisch angesiedelt?
Die EU EAST STRATCOM Task Force ist Teil des Referats für Strategische
Kommunikation des Europäischen Auswärtigen Dienstes, in der Abteilung für
allgemeine Fragen. Die EU EAST STRATCOM Task Force hat wie der
Europäische Auswärtige Dienst ihren Sitz in Brüssel, Belgien.
19. Von welchen Standorten aus agieren welche Abteilungen, Unterabteilungen
und/oder sonstigen Arbeitseinheiten des „Strategischen
Kommunikationsteams Ost“?
Auf die Antwort zu Frage 18 wird verwiesen.
20. Inwieweit wird eine Verlegung, Vergrößerung, Verkleinerung, sonstige
Veränderung des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ oder seiner Teile,
ein Wegfall von Aufgabenstellungen oder eine veränderte Übertragung von
Aufgaben geplant oder in Erwägung gezogen?
Derartige Planungen sind der Bundesregierung nicht bekannt, würden aber zudem
in die interne Organisation des Europäischen Auswärtigen Dienstes und damit in
dessen alleinige Zuständigkeit fallen.
21. Wer soll über derartige Veränderungen entscheiden?
Auf die Antwort zu Frage 20 wird verwiesen.
22. Wie hoch sind die mit der Einrichtung und den Aktivitäten des
„Strategischen Kommunikationsteam Ost“ verbundenen Kosten für das Jahr 2015,
und welche finanziellen Mittel sollen dafür in den Folgejahren zur
Verfügung stehen (bitte nach Haushaltsjahren aufschlüsseln)?
Die Personalkosten für die EU EAST STRATCOM Task Force werden von der
jeweils entsendenden Institution bzw. dem entsendenden Mitgliedstaat getragen.
Im Übrigen wird die Task Force aus dem Budget des Referats für Strategische
Kommunikation im Europäischen Auswärtigen Dienst mitfinanziert. Eine genaue
Aufschlüsselung der Kosten ist der Bundesregierung nicht möglich.
23. Für welche konkreten Tätigkeitsbereiche und welche Abteilungen,
Unterabteilungen und sonstigen Arbeitseinheiten werden für das Jahr 2015 sowie die
Folgejahre jeweils welche finanziellen Mittel veranschlagt (bitte nach
Haushaltsjahren und Einheiten aufschlüsseln)?
Auf die Antwort zu Frage 22 wird verwiesen.
24. In welchen Rubriken wurden gegebenenfalls Mittel für das „Strategische
Kommunikationsteam Ost“ einschließlich dessen Maßnahmen und
Aktivitäten bereitgestellt, und wo sollen diese künftig verortet werden (bitte Angaben
zum Jahr 2015 sowie den Folgejahren machen)?
Auf die Antwort zu Frage 22 wird verwiesen.
25. Soweit eine Finanzierung über den EU-Haushalt nicht in Betracht kommt,
auf welchem sonstigen Weg bzw. über welche sonstigen Stellen erfolgt die
Finanzierung des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ einschließlich
dessen Maßnahmen und Aktivitäten sowohl für das Jahr 2015 als auch für
die Folgejahre (bitte nach Jahren, gegebenenfalls auch nach Vorhaben
aufschlüsseln)?
Auf die Antwort zu Frage 22 wird verwiesen.
26. Welche Kommunikationsprodukte sollen durch das bzw. mithilfe des
„Strategischen Kommunikationsteams Ost“ entwickelt werden?
Die Beantwortung der Frage, welche Kommunikationsprodukte notwendig und
hilfreich sind, obliegt der EU EAST STRATCOM Task Force.
27. Welche konkreten Aktivitäten hat das „Strategische Kommunikationsteam
Ost“ (unter Berücksichtigung all seiner Abteilungen, Unterabteilungen und
sonstigen Arbeitseinheiten) bislang entfaltet (bitte u. a. Programme,
Kampagnen, Veröffentlichungen und alle weiteren Aktivitäten bzw. Projekte
angeben)?
Die EU EAST STRATCOM Task Force hat erst seit 1. September 2015 ihre
Aufgaben voll übernommen. Bislang hat sie v. a. das Monitoring russischsprachiger
Medien verbessert und sich um den Aufbau von Netzwerken, insbesondere mit
den EU-Mitgliedstaaten, bemüht.
28. In welchen Sprachen und bezogen auf welche Regionen sollen künftig
Aktivitäten des „Strategischen Kommunikationsteams Ost“ entfaltet werden
bzw. wurden bereits entfaltet?
Da sich die Tätigkeit der EU EAST STRATCOM Task Force v. a. auf die
Östliche Nachbarschaft der EU bezieht, spielen neben den offiziellen Amtssprachen
der EU auch die Sprachen der Region eine Rolle, insbesondere Russisch und
Ukrainisch.
29. Was sind die Zielländer der Aktivitäten des „Strategischen
Kommunikationsteams Ost“?
Die Zielländer sind nach Kenntnis der Bundesregierung in erster Linie die Länder
der Östlichen Partnerschaft (Ukraine, Georgien, Republik Moldau, Belarus,
Armenien, Aserbaidschan) und Russland.
30. Was sind die Zielgruppen der Aktivitäten des „Strategischen
Kommunikationsteams Ost“?
Die Zielgruppe sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Menschen in den
Ländern der Östlichen Partnerschaft und in Russland, u.a. politische
Entscheidungsträger, Medienschaffende, zivilgesellschaftlich Engagierte und
Jugendliche.
31. Auf welche Weise werden nach Kenntnis der Bundesregierung
Journalistenverbände in die Arbeit zum Aktionsplan eingebunden?
Der Aktionsplan sieht die Bildung von Netzwerken u. a. mit Journalisten und
Medienvertretern vor. Die EU EAST STRATCOM Task Force wird
entsprechende Netzwerke aufbauen. Details dazu sind der Bundesregierung nicht
bekannt.
32. Mit welchen weiteren Akteurinnen und Akteuren soll das „Strategische
Kommunikationsteam Ost“ (unter Berücksichtigung all seiner Abteilungen,
Unterabteilungen und sonstigen Arbeitseinheiten) zusammenarbeiten bzw.
hat es bereits zusammengearbeitet?
Welche Medienvertreter und Medienvertreterinnen, zivilgesellschaftlichen
Akteure und Akteurinnen, internationale Institutionen und Staatsregierungen
sind bzw. waren darunter?
Die EU EAST STRATCOM Task Force bemüht sich um den engen Austausch
mit allen relevanten Partnern: EU-Mitgliedstaaten, internationale Organisationen
wie NATO, OSZE und Europarat, Partnerländer der EU, zivilgesellschaftliche
Akteure, Journalisten und Medienvertreter.
33. Inwieweit ist eine Einbindung von Botschaften geplant oder wird in
Erwägung gezogen?
Bei Aktivitäten in den Partnerländern ist auch eine enge Abstimmung mit den
EU-Delegationen sowie den Vertretungen der EU-Mitgliedstaaten vorgesehen.
34. Inwiefern sind nach Kenntnis der Bundesregierung auch Drittstaaten in die
Umsetzung des Aktionsplans eingebunden?
Auf die Antwort zu Frage 32 wird verwiesen.
35. Inwieweit ist eine Einwirkung des „Strategischen Kommunikationsteams
Ost“ auf die örtliche Bevölkerung der Zielregionen beabsichtigt?
Eine Zielgruppe der verbesserten EU-Kommunikation in den Partnerländern ist
die örtliche Bevölkerung.
36. Was ist der Bundesregierung darüber bekannt, inwiefern im Rahmen der
Umsetzung des Aktionsplans zu „Strategischer Kommunikation“ zur
„Abwehr russischer Propaganda in Osteuropa“ auch gesetzgeberische
Maßnahmen anvisiert sind?
Der Europäische Auswärtige Dienst hat keine Gesetzgebungskompetenz.
37. In welcher Form, mit welcher zeitlichen Perspektive und im Rahmen
welcher konkreten Projekte oder Aktivitäten wird eine Kooperation mit welchen
anderen EU-Programmen oder Projekten mit Fokus auf Kommunikation,
wie beispielsweise dem „Kommunikationsprogramm OPEN
Neighbourhood“, geplant, diskutiert oder in Erwägung gezogen, welche Inhalte
haben diese Programme, und worin soll jeweils das Ziel der Verknüpfung
bestehen?
Eine enge Abstimmung und Koordination mit den diversen EU-Programmen ist
für ein einheitliches Auftreten der Europäischen Union unabdingbar. Zu Details
der jeweiligen Projekte und Programme wären die jeweiligen Verantwortlichen,
insbesondere in der Europäischen Kommission, zu befragen.
38. Inwieweit ist in Fragen der „Strategischen Kommunikation“ ein Austausch
oder eine Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, u. a. der NATO oder den
USA, geplant oder wird erörtert?
Auf die Antwort zu Frage 32 wird verwiesen.
39. Inwiefern sind ggf. die NATO oder die USA nach Kenntnis der
Bundesregierung in die Umsetzung des Aktionsplans eingebunden (bitte angeben, um
welche Abteilungen oder Stellen es sich dabei handelt, und welche eigenen
Ziele von diesen verfolgt werden)?
Der Aktionsplan zu strategischer Kommunikation sieht die Bildung von
Netzwerken mit allen relevanten Akteuren zum Austausch von Ideen und zur
Koordination von Aktivitäten vor. Dazu zählen die EU-Institutionen, EU-Delegationen in
den Partnerländern, EU-Mitgliedstaaten, Partnerländer der EU sowie regionale
und internationale Organisationen. Dies schließt auch die NATO und die USA
mit ein.
40. Inwieweit bestehen Kontakte oder Ansätze zur Kooperation mit dem
kürzlich in Riga eröffneten „Kommunikationszentrum“ der NATO (Strategic
Communications Centre of Excellence), und welche gemeinsamen
Aktivitäten sind geplant oder hat es bislang gegeben?
Auch das in Riga eröffnete und von der NATO zertifizierte Exzellenzzentrum für
Strategische Kommunikation (Center of Excellence for Strategic
Communication, CoE StratCom) zählt zu den in der Antwort zu Frage 39 erwähnten
relevanten Akteuren. Es gibt bislang keine formale Kooperation zwischen dem CoE
StratCom und dem Europäischen Auswärtigen Dienst. Es wird jedoch für
fachliche Zwecke und zum Informationsaustausch Verbindung gehalten. In diesem
Rahmen übersendet die EU EAST STRATCOM Task Force wöchentlich
Berichte über russische Informationsaktivitäten an das CoE StratCom.
41. Welche konkreten Schritte und Maßnahmen sind zur „Förderung einer
pluralistischen russisch-sprachigen Medienlandschaft“ geplant, in welcher
Höhe resultiert hieraus Finanzbedarf, und wie soll die Finanzierung
erfolgen?
Konkrete, bereits in Umsetzung befindliche Maßnahmen sind die verstärkte
Bereitstellung von EU-Informationen auch in russischer Sprache, Aus- und
Fortbildung von Journalisten und Unterstützung für unabhängige, russischsprachige
Medien. Zum Teil werden weitere Ideen und Vorschläge in der EU und den EU-
Mitgliedstaaten diskutiert. Eine Kostenaufstellung ist der Bundesregierung nicht
möglich, da die verschiedenen Maßnahmen aus verschiedenen Haushalten und
Budgetlinien sowohl des Europäischen Auswärtigen Dienstes, der Europäischen
Kommission und der Mitgliedstaaten finanziert werden.
42. Auf welche Art und Weise soll das „Strategische Kommunikationsteam Ost“
„unabhängige Medien in Russland unterstützen“ (bitte mit konkreten
Angaben zu Programminhalten, Programmen und sonstigen Aktivitäten)?
Die konkrete Unterstützung unabhängiger Medien erfolgt über verschiedene
Finanzinstrumente der Europäischen Kommission sowie durch einzelne
Mitgliedstaaten. Die EU EAST STRATCOM Task Force unterstützt hier v. a. den
gegenseitigen Informationsaustausch.
43. Inwieweit sollen hierfür seitens der EU oder EU-Mitgliedstaaten finanzielle
Mittel oder sonstige geldwerte Zuwendungen zur Verfügung gestellt
werden?
Es gibt verschiedene Budgetlinien der Europäischen Kommission als auch der
Mitgliedstaaten die für eine solche Unterstützung grundsätzlich in Frage
kommen. Über die Verwendung dieser Mittel wird nach den jeweils einschlägigen
Verfahren entschieden.
44. Anhand welcher Kriterien werden die zu „unterstützenden“ „unabhängigen
Medien in Russland“ ermittelt und ausgewählt?
Die Kriterien werden in den jeweiligen Unterstützungsprogrammen festgelegt.
45. Welche Medien und Medienunternehmen sollen in Russland unterstützt
werden (bitte unter Angabe der offiziellen Bezeichnung konkret benennen)?
Die verschiedenen Programme und Projekte sowohl auf Ebene der EU als auch
auf Ebene der Mitgliedstaaten legen jeweils Kriterien für eine mögliche
Unterstützung fest. Über die konkrete Unterstützung wird nach den je einschlägigen
Verfahren entschieden. Eine Auflistung der möglichen Unterstützungsempfänger
ist der Bundesregierung daher nicht möglich.
46. Welcher Ansatz wird mit der Expansion der „Deutschen Welle“ sowie deren
Akademie in Richtung Osteuropa verfolgt?
Der Ausbau der Programmaktivitäten der Deutschen Welle in Osteuropa hat das
Ziel, das Angebot russisch- und ukrainischsprachiger Medienprodukte aus
Deutschland für die Region zu verbreitern und dadurch zu mehr Pluralismus in
der Medienlandschaft Osteuropas beizutragen. Die DW Akademie berät und
unterstützt Medieninitiativen in der Region, um eine weitere Professionalisierung
des Journalismus, Meinungsvielfalt und eine an hohen journalistischen Standards
ausgerichtete Berichterstattung zu unterstützen.
47. In welcher Form soll bzw. wird es parallele Aktivitäten oder eine
Zusammenarbeit zwischen dem „Strategischen Kommunikationsteam Ost“ und der
„Deutschen Welle“, anderen öffentlich-rechtlichen deutschen Sendern oder
sonstigen in Deutschland ansässigen Medienunternehmen geben?
Es ist eine Aufgabe der EU EAST STRATCOM Task Force, die EU-
Mitgliedstaaten besser zu vernetzen und die unterschiedlichen Aktivitäten in den Ländern
der Östlichen Partnerschaft und in Russland besser zu koordinieren. Hierzu hat
sich das Kommunikationsteam zunächst einen Überblick über die durch die
Mitgliedstaaten geförderten Aktivitäten - in Deutschland u. a. die der Deutschen
Welle - verschafft. Ziel ist es, mögliche Synergieeffekte zu identifizieren und
damit zu stärkerer Kohärenz beizutragen.
48. Auf welchen rechtlichen Grundlagen basieren Aktivitäten des „Strategischen
Kommunikationsteams Ost“ – mit Blick auf das Medienrecht – insbesondere
in bzw. mit Auswirkungen auf Nicht-EU-Staaten?
In seinen Aktivitäten ist die EU EAST STRATCOM Task Force an europäisches
und das jeweils geltende nationale Recht gebunden.
49. Welche weiteren Schritte bzw. Initiativen zur Umsetzung des Aktionsplans
werden nach Kenntnis der Bundesregierung nach der Einrichtung des
„Strategischen Kommunikationsteams Ost“ geplant, diskutiert oder in Erwägung
gezogen?
Der Aktionsplan nennt diverse Aktivitätsfelder, u. a. Verbesserung der
Kommunikationsfähigkeit der EU, Zusammenarbeit mit Partnern, Unterstützung für
Presse- und Meinungsfreiheit, public diplomacy in den Nachbarländern der EU,
Training für Journalisten, Unterstützung für Pluralismus in russischsprachigen
Medien und Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft. All diese Themen werden
im Rahmen der EU weiter diskutiert und die Bundesregierung geht davon aus,
dass in diesen Bereichen auch Aktivitäten entfaltet werden.
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