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Kleine AnfrageWahlperiode 16Beantwortet

Frauen in Wissenschaft und Forschung (G-SIG: 16011992)

Initiativen und Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in Forschung und Wissenschaft, Beteiligung des Bundes und der Kultusministerkonferenz bzw. der Länder an Initiativen und Maßnahmen, Ausgestaltung der gleichstellungspolitischen Zielsetzung, Genderaspekte als Forschungsgegenstand, Instrumente der Frauenförderung, Patentanmeldungen, Forschungsausgründungen <p> </p>

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Datum

27.04.2007

Antwortdauer

16 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 16/500211. 04. 2007

Frauen in Wissenschaft und Forschung

der Abgeordneten Krista Sager, Grietje Bettin, Ekin Deligöz, Kai Gehring, Katrin Göring-Eckardt, Britta Haßelmann, Priska Hinz (Herborn), Irmingard Schewe-Gerigk und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Frauen und Männer sind mittlerweile unter den Hochschulabsolvierenden gleich stark vertreten. 105 553 Frauen, also 50,8 Prozent sämtlicher Hochschulabsolventinnen und -absolventen, beendeten 2005 ihr Studium mit einem akademischen Abschluss. Dieses hohe akademische Ausbildungsniveau korrespondiert jedoch immer noch nicht mit einer entsprechend hohen Repräsentanz von Frauen in höheren Qualifikations- und Karrierestufen in Forschung und Wissenschaft. So lag beispielsweise der Frauenanteil an den Promotionen 2005 bei 39,5 Prozent; ihr Anteil an den Habilitationen betrug im selben Jahr 23 Prozent und unter den Professuren waren Frauen mit nur noch 14,3 Prozent vertreten. Lediglich 10 Prozent der C4-Professuren waren weiblich besetzt. Je höher der akademische Grad, desto weniger Frauen finden sich demnach in der jeweiligen Qualifikationsstufe. Eine eklatante Unterrepräsentanz von Frauen besteht darüber hinaus auch in den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und den Wissenschaftsorganisationen. Der Frauenanteil am wissenschaftlichen Personal, in Führungsfunktionen sowie in Kommissionen und Gutachtergremien liegt hier im Vergleich zu entsprechenden Positionen an Hochschulen sogar noch niedriger. Und auch hier gilt: Der Anteil von Frauen sinkt mit steigendem Qualifikationsniveau kontinuierlich ab.

Seit Mitte der 1980er Jahre führten Bund und Länder zahlreiche Programme und Einzelmaßnahmen durch mit dem Ziel, der Unterrepräsentanz von Frauen in Schlüsselfunktionen der Forschung und Wissenschaft entgegenzuwirken. Der Erfolg dieser Initiativen blieb bislang jedoch weit hinter den Erwartungen zurück: Der Anteil von Frauen in Wissenschaft und Forschung in Deutschland steigt nach wie vor nur langsam und ist im internationalen Vergleich gering.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen31

1

Welche Initiativen und Maßnahmen gibt es bzw. sind geplant, um den Anteil von Frauen in sämtlichen Qualifikations- und Karrierestufen in Forschung und Wissenschaft deutlich zu steigern, Gleichstellungsziele in Forschung und Wissenschaft zu verankern und gleichstellungspolitische Instrumente zu verstetigen?

2

An welchen dieser Initiativen und Maßnahmen beteiligt sich der Bund?

3

An welchen dieser Initiativen und Maßnahmen beteiligt sich die Kultusministerkonferenz bzw. beteiligen sich die Länder?

4

Welche Maßnahmen hält die Bundesregierung darüber hinaus für geeignet, um den weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs in Forschung und Wissenschaft zu fördern?

5

Welche Programme zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind an gleichstellungspolitische Ziele gebunden?

Wie ist das Element der gleichstellungspolitischen Zielsetzung jeweils ausgestaltet?

Wie sind die Programme finanziell ausgestattet und wie ist deren Laufzeit?

Welche Maßnahmen bestehen bzw. sind geplant, um die Bedingungen für den weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs insbesondere in den Fächergruppen mit signifikant geringem Frauenanteil zu verbessern?

6

Wie können Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen in den Geisteswissenschaften, deren Frauenanteil mit steigender Qualifikationsstufe im Vergleich zu den hohen Studienanfängerquoten überproportional stark sinkt, verbessert werden?

7

Welche Maßnahmen und Initiativen führen die außerhochschulischen Wissenschafts- und Forschungsorganisationen zur Steigerung des Frauenanteils in den geförderten Forschungs- und Stipendienprogrammen sowie zur Förderung von weiblichen Karrierewegen durch?

8

Wie kann nach Auffassung der Bundesregierung das Berufsbild der Forscherin und der Wissenschaftlerin für Frauen attraktiver gemacht werden?

9

Welche Maßnahmen hält die Bundesregierung für geeignet, um strukturelle Hemmnisse für Wissenschaftlerinnen, Hochschullehrerinnen und leitenden Wissenschaftsmanagerinnen zu überwinden?

10

Wie bewertet die Bundesregierung den im Jahresbericht 2006 formulierten Vorschlag des damaligen DFG-Präsidenten (DFG: Deutsche Forschungsgemeinschaft) Ernst-Ludwig Winnacker, in der Wissenschaft eine Frauenquote einzuführen?

11

Welche Maßnahmen und Initiativen bestehen bzw. sind geplant, um den bislang unterproportionalen Anteil von Absolventinnen in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern zukünftig deutlich zu steigern und damit das Ziel des Europäischen Rates vom März 2001 in Stockholm umzusetzen, wonach bis 2010 die Absolvierendenquote dieser Fächer generell um 15 Prozent gesteigert und das Geschlechterverhältnis angeglichen werden sollen?

Wie sollen künftig mehr Studienanfängerinnen für technische und naturwissenschaftliche Studienfächer gewonnen werden auch vor dem Hintergrund, dass speziell nach 2010 aufgrund der demografischen Entwicklung eine generelle Abnahme der Hochschulabsolvierenden prognostiziert wird?

12

Welche Programme zur Forschungsförderung sind an gleichstellungspolitische Ziele geknüpft?

13

Welche Fördermaßnahmen, die aus dem mittlerweile ausgelaufenen Bund-Länder-Hochschulwissenschaftsprogramm „Chancengleichheit“ etabliert wurden, werden jetzt von den Ländern verstetigt?

14

Welche Bundesländer führen in welcher Form und mit welcher finanziellen Ausstattung nach Auslaufen des Hochschulwissenschaftsprogramms Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen in Forschung und Wissenschaft durch?

Welche Programme und Maßnahmen gibt es, welche Ziele sollen erreicht werden, wie ist die Verbindlichkeit der Zielerreichung sichergestellt, und wie erfolgt die Evaluierung?

15

In welcher Weise ist gewährleistet, dass nach Auslaufen des Bund-Länder-Kommission-Abkommens und der Rahmenvereinbarung Forschungsförderung Ende 2007 die regelmäßig durch die BLK erhoben Daten über Frauen in Führungspositionen in der Wissenschaft fortgeschrieben werden?

16

Worüber wird der neu eingeführte Evaluationsbericht zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland im Einzelnen Auskunft geben?

Welche gleichstellungspolitischen Kriterien werden erfasst, und werden sie mit den Ländern abgestimmt?

Werden die Länder bei der Datenerfassung einbezogen?

Wann wird die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, den Bericht dem Kabinett vorlegen und ist eine Befassung im Plenum beabsichtigt?

17

Wie werden verbindliche Gleichstellungskriterien in den zwei Säulen des Hochschulpakts – dem Ausbau der (Lehr)-Kapazitäten und der Förderung der Forschung durch die Programmkostenpauschale – berücksichtigt?

Wie wird die Einhaltung gleichstellungspolitischer Kriterien mit dem Ziel einer Erhöhung des Frauenanteils in Wissenschaft und Forschung in beiden Säulen sichergestellt?

Sind Sanktionsmaßnahmen bei Nichteinhaltung beabsichtigt, und wenn ja, welche?

18

Wie werden gleichstellungspolitische Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils in Wissenschaft und Forschung im Auswahlverfahren der Exzellenzinitiative berücksichtigt?

Wie wird sichergestellt, dass die gleichstellungspolitischen Ziele nach Bewilligung des Zuschlags durch die Hochschulen erreicht und weiterentwickelt werden?

Wie wird die verbindliche Einhaltung der gleichstellungspolitischen Zielsetzungen evaluiert, und wie wird das Ergebnis dieser Evaluation bei der Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative 2010 berücksichtigt?

19

Welche Initiativen und Maßnahmen bestehen, um den Anteil von Frauen in außerhochschulischen Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen am wissenschaftlichen Personal, in Kommissionen und Gutachtergremien sowie in der Führungs- und Leitungsebene zu steigern?

20

Wie wird die im Pakt für Forschung und Innovation vereinbarte Verpflichtung der Wissenschaftsorganisationen überprüft und umgesetzt, Strukturen zur verstärkten Förderung von Frauen in Wissenschaft und Forschung und zur Anhebung des Anteils von Frauen an Leitungspositionen in der Wissenschaft weiterzuentwickeln?

21

Wie beurteilt die Bundesregierung Konzepte des Gender Mainstreaming und Diversity Managements im Hinblick darauf, Chancengerechtigkeit, Gleichstellungsziele und offene Karrierewege für Frauen an Hochschulen sowie Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen zu fördern?

22

Welche Initiativen und Maßnahmen bestehen, um den Anteil deutscher Wissenschaftlerinnen und Forscherinnen in wissenschaftlichen Kommissionen und Entscheidungspanels auf europäischer Ebene zu erhöhen?

Welche Folgen resultieren nach Auffassung der Bundesregierung aus der bestehenden Unterrepräsentanz deutscher Wissenschaftlerinnen und Forscherinnen in Gremien der europäischen Ebene für die deutsche Wissenschaft in der europäischen und internationalen Kooperation?

23

Wie und mit welchen Maßnahmen wird die Integration von Genderaspekten in die Forschung gewährleistet?

24

Wie und mit welchen Maßnahmen wird die Übertragung von genderrelevanten Forschungsergebnissen in die Produktentwicklung und für Innovationen unterstützt, und wie ist der Bund daran beteiligt?

Inwiefern ist die Genderperspektive in diesem Sinne Teil der High-Tech-Strategie?

25

Wie wird dafür Sorge getragen, dass auch in der mit Bundesmitteln unterstützten Forschungs- und Projektförderung Genderaspekte als Forschungsgegenstand Eingang finden?

26

Welche Maßnahmen ergreift der Bund zur systematischen Implementierung von Forschungsergebnissen und genderbezogenen Forschungsmethoden in eigener Forschung wie z. B. im Bereich der Ressortforschung (in der Antwort bitte nach Ressorts differenzieren)?

27

Wie kann der bislang unterdurchschnittliche Anteil der durch Frauen eingereichten Patentanmeldungen deutlich gesteigert werden?

28

Wie können Wissenschaftlerinnen gezielt darin unterstützt werden, sich mit Ausgründungen aus Hochschulen bzw. Forschungseinrichtungen selbstständig zu machen?

29

Wie und wodurch kann nach Meinung der Bundesregierung eine Maßnahme wie die Forschungsprämie dazu beitragen, dass sich die Chancengerechtigkeit für Frauen in der Wissenschaft erhöht?

30

Worauf führt es die Bundesregierung zurück, dass andere europäische Ländern sehr viel bessere Ergebnisse im Bereich Chancengleichheit und Frauenanteil in Wissenschaft und Forschung aufweisen?

31

Mit welchen Strategien, Steuerungsinstrumenten, Methoden und Bestpractice-Projekten waren andere europäische Länder darin erfolgreich, den Frauenanteil in Führungs- und Entscheidungspositionen in Wissenschaft, Forschung und Wissenschaftsmanagement deutlich zu erhöhen?

Welche dieser Maßnahmen und Erfahrungen sind auf Deutschland übertragbar?

Berlin, den 11. April 2007

Renate Künast, Fritz Kuhn und Fraktion

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