[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 18. Januar 2016 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/7336
18. Wahlperiode 20.01.2016
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Wolfgang Gehrcke, Annette Groth,
Dr. André Hahn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/7016 –
Die deutschen Beziehungen zu Kasachstan
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Am 1. Januar 2016 wird Deutschland den Vorsitz der Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) übernehmen. In einer Zeit, die von
Auseinandersetzungen und Spaltungen im OSZE-Raum gekennzeichnet ist,
kommt der Bundesregierung die Verantwortung zu, den Vorsitz für eine neue
Entspannungspolitik und eine Annäherung zu nutzen. Dazu gehört die
Vertiefung der Beziehungen zu den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, darunter
Kasachstan. Mit Blick auf die geplante Tagung der Gemeinsamen deutsch-
kasachischen Wirtschaftskommission im Mai 2016 in Schwerin bietet es sich an,
Überlegungen über die Weiterentwicklung der Beziehungen mit Kasachstan
anzustellen.
Kasachstan gehört zu den wirtschaftlich erfolgreicheren Staaten im
postsowjetischen Raum. Ende der 1990er Jahre endete die wirtschaftliche Talfahrt, die die
ersten Jahre der Unabhängigkeit gekennzeichnet hatte. Seither wuchs das
Bruttonationaleinkommen konstant um 6 bis 9 Prozent pro Jahr – mit Ausschlägen
nach oben (2001: + 13,5 Prozent) und, während der Weltwirtschaftskrise, nach
unten (2009: + 1,2 Prozent). Kasachstan ist eines der rohstoffreichsten Länder
der Erde. Es verfügt über bedeutende Vorkommen an Erdöl, Erdgas, Steinkohle,
Uran und vielen weiteren Rohstoffen. Das Land gehört zu den zehn wichtigsten
Erdöllieferanten Deutschlands.
Kasachstan hat seine Getreideproduktion in den letzten 15 Jahren stark
ausgebaut und exportiert 4 bis 5 Millionen Tonnen Getreide im Jahr. Kasachstan ist
Anrainer der neuen Seidenstraße. Handelswege, die die Volksrepublik China
mit Europa verbinden, führen durch Kasachstan und machen das Land zu einem
gefragten Partner für Staaten und Unternehmen, die in Zentralasien investieren
wollen.
Kasachstan ist in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit eng mit den
entscheidenden Akteuren geostrategischer Veränderungen in der Welt, China,
Russland und Indien, verbunden. Der kasachische Präsident, Nursultan
Nasarbajew, gilt als Initiator für die Eurasische Union.
In Kasachstan leben noch 180 000 Menschen, die sich der deutschen Minderheit
zurechnen. Gedeihliche deutsch-kasachische Beziehungen können eine Brücke
bauen zwischen der deutschen Minderheit in Kasachstan und jenen
Kasachstan-Deutschen, die nach Deutschland ausgereist sind. Eine Möglichkeit dafür
sehen Verantwortliche darin, in Kasachstan deutschsprachige
Ausbildungsgänge, besonders im Gesundheitswesen und in der Landwirtschaft einzurichten.
Eine weitere Möglichkeit könnte darin bestehen, Kasachstan-Deutsche gezielt
für die Arbeit in Projekten der deutsch-kasachischen Zusammenarbeit
anzuwerben. Auch auf der zivilgesellschaftlichen Ebene bestehen Potenziale, die
auszubauen und für die Weiterentwicklung der Beziehungen zu nutzen wären, etwa
im Jugend- und Studierendenaustausch, in der Zusammenarbeit im Sport und
im Tourismus.
Kasachstan hat 2015 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert und
unternimmt zahlreiche Aktivitäten für deren Umsetzung, um Menschen mit
Behinderungen Chancengleichheit, Selbstbestimmung und umfassende Teilhabe am
Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. Das Parlament, die Regierung sowie
die Behindertenorganisationen Kasachstans sind sehr an den Erfahrungen aus
Deutschland auf dem Gebiet der Behindertenpolitik interessiert. Seit mehreren
Jahren gibt es diesbezüglich auch verschiedene Aktivitäten, unter anderem
einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch mit dem Allgemeinen
Behindertenverband in Deutschland e. V. Wünsche bestehen auch zum Austausch von
Erfahrungen hinsichtlich der Entwicklung des Barrierefreien Tourismus,
gegebenenfalls auch mit einem gemeinsamen Pilotprojekt mit „Tourismus für Alle
Deutschland e. V. – NatKo“ im Zusammenhang mit der EXPO 2017 in der
Hauptstadt Astana.
Zum gesellschaftlichen Dialog zwischen Deutschland und Kasachstan gehört
auch die Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Geschichte. Als Republik
der Sowjetunion hat auch Kasachstan Anteil an der Niederschlagung des
deutschen Faschismus. 1,2 Millionen Kasachinnen und Kasachen dienten während
des Zweiten Weltkriegs in der Roten Armee. Hunderttausende, die aus den
westlichen Frontgebieten der Sowjetunion evakuiert oder zwangsumgesiedelt
wurden, mussten in Kasachstan aufgenommen werden, darunter fast 1 Million
Polen und Deutsche.
Im Jahr 2010 war Kasachstan Gastgeber des Gipfeltreffens der OSZE. Das Land
kann eine aktive Rolle als Vermittler zwischen Ost und West einnehmen. Im
Zusammenhang mit der Suche nach Lösungswegen für die Ukrainekrise wird
immer häufiger die Idee einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur
erörtert. Die kasachischen Erfahrungen in Vorbereitung und Durchführung der
OSZE-Gipfelkonferenz in Astana dürften dabei von Interesse sein.
1. Welche Anstrengungen werden unternommen, um den Warenaustausch
zwischen Deutschland und Kasachstan zu fördern?
2. Welche Anstrengungen werden unternommen, um deutsche Investitionen in
Industrie, Landwirtschaft, Wissenschaft und Bildung sowie Tourismus zu
erhöhen?
Die Fragen 1 und 2 werden gemeinsam beantwortet.
Grundsätzlich sind die deutsch-kasachischen Beziehungen eng und beruhen auf
vielfältigen gemeinsamen Interessen. Kasachstan ist unser wichtigster
Handelspartner in Zentralasien und ein zentraler Ansprechpartner in der Eurasischen
Union. Die bilateralen Beziehungen bewegen sich auf einem hohen Niveau und
werden aktiv mitgestaltet von ca. 250 000 Deutschstämmigen, von denen über
zwei Drittel in Kasachstan leben.
Die Bundesregierung unterstützt die Aktivitäten deutscher Unternehmen zur
Erschließung und Sicherung ausländischer Märkte – so auch in Kasachstan – mit
ihren Instrumenten der Außenwirtschaftsförderung.
In allen hochrangigen Gesprächen nimmt das Thema Wirtschaft breiten Raum
ein. So war auch der Aspekt der Wirtschaftsförderung ein wesentliches Argument
für die Entscheidung, in Almaty (nach Verlegung der Botschaft nach Astana)
weiter ein Generalkonsulat zu betreiben. Dies betrifft im Rahmen der Export- und
Investitionsfinanzierung die Übernahme von Exportkreditversicherungen und
Bundesgarantien für deutsche Direktinvestitionen im Ausland sowie Garantien
für ungebundene Finanzkredite.
Im Rahmen des Markterschließungsprogramms des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Energie (BMWi) werden in verschiedenen Industriebereichen
deutsche Projekte auf Ebene kleiner und mittlerer Unternehmen in verschiedenen
Industriebereichen mit Kasachstan durchgeführt. Für 2016 sind derzeit eine
Geschäftsanbahnungsreise deutscher Unternehmen im Bereich Umwelttechnologie
(Wasserver- und -entsorgung) sowie eine Informationsreise kasachischer
Entscheidungsträger nach Deutschland im Bereich Analyse-, Bio- und Labortechnik
geplant.
Außerdem bietet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie deutschen
Unternehmen verschiedener Branchen durch spezielle Projektangebote
Unterstützung beim Eintritt in diesen chancenreichen, aber anspruchsvollen Markt. Die
Exportinitiativen fokussieren vor allem auf Erneuerbare Energien,
Energieeffizienz, Gesundheits- und Agrarwirtschaft.
Weiterhin bietet das Auslandsmesseprogramm des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Energie deutschen Unternehmen die Möglichkeit, sich im Rahmen
eines Gemeinschaftsmessestandes unter dem Dach „Made in Germany“ auch in
Kasachstan mit ihren Produkten und Dienstleistungen zu präsentieren. Im
Jahr 2015 wurden vier Messebeteiligungen in Kasachstan gefördert.
Seit 2004 engagiert sich die Bundesregierung auf Ebene der kleinen und mittleren
Unternehmen in beiden Ländern für die Fortbildung von Führungskräften zur
Intensivierung der Geschäftsbeziehungen. Im Rahmen des
Managerfortbildungsprogramms konnten über 500 kasachischen Führungskräften Kontakte zu
deutschen Managern vermittelt werden, hieraus resultierende Wirtschaftsgeschäfte
haben ein geschätztes jährliches Volumen in Millionenhöhe.
Deutsche und kasachische Unternehmen werden bei ihren Aktivitäten durch die
von der Bundesregierung finanziell geförderte Delegation der Deutschen
Wirtschaft für Zentralasien mit Sitz in Almaty unterstützt. Die Bundesgesellschaft
Germany Trade and Invest GmbH (GTAI) unterhält ein Büro in Almaty mit
einem Korrespondenten, der über die Wirtschaftslage in Kasachstan, aktuelle
Marktentwicklungen und Marktchancen informiert.
Die Deutsch-Kasachische Regierungsarbeitsgruppe Wirtschaft und Handel
(RAG), das wichtigste bilaterale Forum auf Regierungsebene für die
wirtschaftspolitische Zusammenarbeit, tagte zuletzt am 9. Juni 2015 in Karaganda. Neben
dem Austausch über Wirtschaftslage, Rahmenbedingungen, Investitionsklima,
bilaterale Kooperationen im Innovations-, Energie-, Agrar-, Gesundheits- und
Umweltbereich steht regelmäßig auch die Umsetzung der am 8. Februar 2012
unterzeichneten Regierungsvereinbarung über eine Partnerschaft im Rohstoff-,
Industrie- und Technologiebereich im Mittelpunkt. Nach derzeitiger Planung soll
die zehnte Sitzung der RAG im Juni 2016 in Schwerin stattfinden.
3. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Energiewirtschaft?
Als fünftgrößter Öllieferant Deutschlands ist Kasachstan ein wichtiger Partner für
eine sichere Energieversorgung.
Wegen des großen Potenzials Kasachstans in den Bereichen Energieeffizienz und
erneuerbare Energien liegt hier ein Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit,
den ein gemeinsames Memorandum vom 8. Februar 2012 unterstreicht. Im
Rahmen seiner Umsetzung wirkt etwa die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)
beratend beim Aufbau einer kasachischen Energieagentur mit, außerdem fand am
14. Juli 2015 mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Energie ein Deutsch-Kasachisches Energieforum in Astana statt.
Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt deutsch-kasachische
Unternehmenskooperationen im Energiebereich auch über die Exportinitiativen
Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Im Bereich Energieeffizienz nimmt
Kasachstan nicht zuletzt wegen seiner ausgeprägten Schwerindustrie, die etwa 70
Prozent des nationalen Stromverbrauchs ausmacht, eine zentrale Rolle in der
Maßnahmenplanung der Exportinitiative für die Region Zentralasien ein. Auch die
Außenhandelskammer (AHK) flankiert die Aktivitäten des
Bundeswirtschaftsministeriums: Im Rahmen der Exportinitiative „Erneuerbare Energien“ fand 2015
eine Geschäftsreise statt, in diesem Jahr ist eine Informationsveranstaltung zu
Wind- und Solarenergie geplant. Im Rahmen des
Managerfortbildungsprogramms besuchte eine Delegation kasachischer Entscheider aus dem
Energiesektor Deutschland.
Außerdem richtete die AHK 2015 eine Informationsveranstaltung zu den
Potenzialen des kasachischen Marktes in Deutschland aus, der eine Geschäftsreise nach
Astana folgte; für 2016 ist eine AHK-Geschäftsreise nach Almaty geplant.
Außerdem wird 2016 im Rahmen einer Informationsreise kasachischer Experten
nach Deutschland erstmals das Thema „Netzinfrastruktur“ aufgegriffen.
4. Wie verpflichtet die Bundesregierung die deutschen Unternehmen, die in
Kasachstan investieren, zur Einhaltung von arbeitsrechtlichen, sozialen und
ökologischen Mindeststandards?
Welche Erfahrungen gibt es in dieser Hinsicht in der Zusammenarbeit mit
staatlichen Stellen in Kasachstan?
Deutsche Investoren müssen die geltenden Gesetze in Kasachstan beachten. Nur
dann sind sie durch den deutsch-kasachischen Investitionsförderungs- und
-schutzvertrag geschützt. Investitionsgarantien des Bundes werden zudem nur für
Projekte übernommen, die in ihren Auswirkungen auf das Anlageland in
ökologischer und sozialer Hinsicht einschließlich menschenrechtlicher Aspekte
unbedenklich sind. Jedes Projekt wird vor der Garantieübernahme auf seine
Auswirkungen auf das Anlageland von einem Interministeriellen Ausschuss unter
Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und unter
Mitwirkung von Sachverständigen aus der Wirtschaft geprüft. Bei erheblichen
Auswirkungen ist die Einhaltung internationaler Standards wie der IFC Performance
Standards sowie der sektorenspezifischen Environmental, Health and Safety
(EHS) Guidelines der Weltbankgruppe erforderlich. Dies muss durch
unabhängige Gutachter nachgewiesen werden. Alle Antragsteller auf
Investitionsgarantien werden zudem regelmäßig auf die Beachtung der OECD-Leitsätze für
multinationale Unternehmen hingewiesen.
Nach Garantieübernahme müssen Unternehmen der Bundesregierung jährlich zur
aktuellen Situation der Investition auch im Hinblick auf Umwelt- und
Sozialaspekte berichten. Bei Bedarf (zum Beispiel Verletzung von Standards) würde
sich die Bundesregierung mit kasachischen Behörden austauschen.
5. Welche Überlegungen werden angestellt, um sich an Projekten der
Seidenstraße zu beteiligen?
Kasachstan kommt eine zentrale Brückenfunktion zwischen China und Europa
zu. Deshalb verfolgt die Bundesregierung die Entwicklung der chinesischen One-
Belt-One-Road-Initiative sehr genau. Deutschland und die EU haben in diesem
Zusammenhang Interesse an einer breit angelegten Kooperation, basierend auf
gemeinsamen Interessen, Regeln und Standards. Das Thema einer besseren
infrastrukturellen Vernetzung kann dafür ein umfassendes Leitthema sein, das in
verschiedenen Foren aufgenommen werden soll, so bspw. auf EU-Ebene mit der
neu etablierten Konnektivitäts-Plattform, aber auch im Rahmen des deutschen
OSZE-Vorsitzes 2016 als mögliches „outreach event“ in der zweiten Dimension.
Am 2. Februar 2016 plant zudem das Auswärtige Amt eine Arbeitskonferenz
unter Einbeziehung der EU-Institutionen, offizieller chinesischer Vertreter,
Wirtschafts- und Branchenvertreter sowie anderer zuständiger Ressorts, die der
Bestandsaufnahme der Umsetzung der Seidenstraßeninitiative sowie der
Information über Chancen für die deutsche Wirtschaft dienen soll.
Deutsche Unternehmen können sich an konkreten Infrastrukturprojekten im
Rahmen der chinesischen Seidenstraßen-Initiative beteiligen. Aufgabe der
Regierungen ist es, für eine leistungsfähige Infrastruktur zu sorgen sowie den rechtlichen
Rahmen für eine technische Angleichung der Systeme herzustellen. Deutschland
ist in verschiedenen internationalen Organisationen des Bahnverkehrs vertreten,
in denen an Projekten gearbeitet wird. So haben Deutschland und mehr als
30 weitere Staaten zur Schaffung eines einheitlichen Transportrechts am 26.
Februar 2013 die „Joint Declaration on the promotion of Euro-Asian rail transport
and activities towards unified railway law“ anlässlich der UNECE-
Binnenverkehrsausschusssitzung unterzeichnet.
6. Welche Zusammenarbeit gibt es zwischen Kasachstan und Deutschland in
der Raumfahrt?
Am 18. Juli 2010 unterzeichneten das Deutsche Zentrum für Luft- und
Raumfahrt e. V. (DLR) und die Nationale Raumfahrtagentur der Republik Kasachstan
eine „Vereinbarung über die Zusammenarbeit bei der Erforschung und Nutzung
des Weltraums für friedliche Zwecke“, die als Rahmen für die Gestaltung der
Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen dient. Über eine darüber
hinausgehende Zusammenarbeit liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
7. Wie nimmt die Bundesregierung die Auswirkungen der EU-Sanktionen
gegen Russland auf die Wirtschaft Kasachstans und auf seine wirtschaftlichen
Beziehungen zu Deutschland und anderen EU-Staaten wahr?
Hinsichtlich der Auswirkungen der Sanktionen der Europäischen Union gegen
die Russische Föderation wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die
Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/6715
vom 16. November 2015 verwiesen. Danach treten aus Sicht der
Bundesregierung die wirtschaftlichen Auswirkungen der EU-Sanktionen gegen die Russische
Föderation auf deren Wirtschaft hinter anderen Faktoren zurück (wie in erster
Linie der niedrige Ölpreis, der wegen mangelnder Diversifizierung der russischen
Wirtschaft nach wie vor einen entscheidenden Einfluss auf die Konjunktur hat;
hinzu kommen strukturelle Schwächen und gewachsene Kapitalabflüsse). Vor
dem Hintergrund, dass die Sanktionswirkungen von anderen Faktoren überlagert
werden, liegen keine belastbaren Zahlen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen
der EU-Sanktionen gegen die Russische Föderation hinsichtlich ihres gesamten
Umfanges für Russland vor, was auch eine Einschätzung der Auswirkungen der
EU-Sanktionen gegen Russland auf die Wirtschaft Kasachstans nicht zulässt.
Festzustellen ist jedoch, dass das Jahr 2015 für Kasachstan im Zeichen der
Wirtschaftskrise stand. Gründe sind die niedrigen Rohstoff- und Ölpreise, sinkender
Handel mit den wichtigsten Partnern China, Russland und der EU (Rückgang um
mehr als 25 Prozent) sowie die andauernden technischen Probleme beim Ölfeld
Kaschagan. Zusätzlich führte der extreme Wertverlust der Landeswährung Tenge
von etwa 70 Prozent gegenüber US-Dollar und Euro zu erheblichen
Mindereinnahmen des Staatshaushalts sowie zu Kaufkraftverlust in der Bevölkerung. Die
Abwertung des Tenge setzt sich weiter fort.
Auch der bilaterale Handel mit Deutschland ist kontinuierlich rückläufig:
2014 ging der Handelsumsatz um 8,7 Prozent auf 6,2 Mrd. Euro (2013:
6,75 Mrd. Euro) zurück. Bis Oktober 2015 ging der Umsatz im Vergleich zum
gleichen Zeitraum 2014 um 36,2 Prozent auf 3,5 Mrd. Euro zurück (zuvor
5,4 Mrd. Euro). Ursächlich für den Rückgang sind Reduzierung der deutschen
Ausfuhren um 26,1 Prozent und vor allem günstigere deutsche Einfuhren infolge
des Ölpreisverfalls.
8. Wie können gegebenenfalls solche negativen Auswirkungen eingedämmt
oder ausgeglichen werden?
Hierzu wird auf die Antworten zu den Fragen 1, 2, 3, 5 und 7 verwiesen.
9. Welche Vorstellungen hat die Bundesregierung davon, wie die von der
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel in ihrer Rede in Davos im Januar 2015
dargelegte Vision eines Wirtschaftsraums von „Wladiwostok bis Lissabon“ zu
realisieren wäre?
Aus Sicht der Bundesregierung handelt es sich bei einem Wirtschaftsraum von
„Lissabon bis Wladiwostok“ um ein langfristiges Ziel, dessen Umsetzung die
Mitwirkung der Europäischen Union, der Staaten der Östlichen Partnerschaft und
der Mitgliedstaaten der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) vorsehen muss.
Die Bundesregierung fördert den Dialog zwischen der Europäischen Union und
der EAWU und setzt sich intensiv auch unter den EU-Partnern für vermehrte
Kontakte mit der EAWU ein.
Am 22. Dezember 2015 setzte die Russische Föderation die GUS-
Freihandelsvereinbarung zwischen der Ukraine und Russland im Zusammenhang mit der
vorläufigen Anwendung des umfassenden und vertieften Freihandelsabkommens
zwischen der Europäischen Union und der Ukraine ab 1. Januar 2016 aus, was
von der Bundesregierung als Rückschlag auf dem Weg zu einem Wirtschaftsraum
von „Lissabon bis Wladiwostok“ gewertet wird.
10. Welche Überlegungen hinsichtlich einer neuen europäischen
Sicherheitsarchitektur, die vertrauensbildend wirkt, werden in Vorbereitung des
deutschen OSZE-Vorsitzes angestellt?
Die Bundesregierung will den OSZE-Vorsitz 2016 nutzen, um einen Beitrag zu
Dialog, zu erneuertem Vertrauen und damit zu langfristiger Sicherheit in Europa
zu leisten. Hierzu will Deutschland die OSZE als Eckpfeiler europäischer
Sicherheit nutzen. Zentrale Grundlage sind dabei die im Rahmen der KSZE und der
OSZE von den Teilnehmerstaaten beschlossenen Prinzipien und Verpflichtungen,
angefangen mit der KSZE-Schlussakte von Helsinki. Es gilt, diese zu stärken und
auf ihre Umsetzung in allen Teilnehmerstaaten hinzuwirken.
11. Wie sieht die Bunderegierung die Situation der Menschenrechte in
Kasachstan und deren Entwicklung in den zurückliegenden Jahren?
Die Menschenrechtslage ist weiterhin unbefriedigend, wenngleich systematische
Menschenrechtsverletzungen selten nachzuweisen sind. Die Lage der
Menschenrechte wird regelmäßig mit der kasachischen Regierung sowohl bilateral wie auch
von der Europäischen Union thematisiert. Seit 2008 gibt es einen jährlichen,
strukturierten Menschenrechtsdialog zwischen der Europäischen Union und
Kasachstan (zuletzt November 2015).
Der Bundesminister des Auswärtigen, Dr. Frank-Walter Steinmeier, sprach auf
seiner letzten Reise nach Kasachstan (9./10. November 2014) ausführlich mit
Vertretern der kasachischen Zivilgesellschaft.
Der grundsätzlichen Reformbereitschaft der Regierung steht ein abhängiges und
korruptionsanfälliges Justizwesen gegenüber. Die Aufarbeitung der gewalttätigen
Unruhen nach Streiks in Westkasachstan (Dezember 2011, 16 Tote) entsprach
nicht den rechtsstaatlichen Standards. So wurde etwa der Vorsitzende der
nichtregistrierten Oppositionspartei „Algha“, Wladimir Koslow, wegen
„Aufstachelung zu sozialem Unfrieden und Umsturzversuch“ 2012 zu siebeneinhalb Jahren
Haft verurteilt.
Versammlungsfreiheit und Pressefreiheit sind eingeschränkt (Selbstzensur und
Verbote von regierungskritischen Zeitungen und Internetseiten). Weitere
Einschränkungen erfolgten durch eine Strafrechtsnovelle und Änderungen bei der
Notstandsgesetzgebung.
Die Religionsfreiheit ist zwar für sogenannte „traditionelle“ Religionen
gewährleistet (im Wesentlichen der Islam und die großen christlichen Kirchen). Seit
2011 gibt es jedoch eine Registrierungspflicht für „nichttraditionelle“
Religionsgemeinschaften. Die Missachtung dieser Vorschriften ist mit unverhältnismäßig
hohen Haft- und Geldstrafen verbunden.
Bei der Neuregulierung für Nichtregierungsorganisationen (NROs) werden
Einschränkung der Handlungs- und Finanzierungsmöglichkeiten befürchtet sowie
verstärkte Regierungskontrollen durch eine zentrale Finanzierung von
Nichtregierungsorganisationen. Weniger als 10 Prozent der
Nichtregierungsorganisationen sind auf dem Gebiet der Bürger-, Menschen- und Minderheitsrechte aktiv.
Menschenrechtsverteidiger sind in der Ausführung ihrer Tätigkeit eingeschränkt.
Die kasachische Regierung arbeitet allerdings konstruktiv mit internationalen
Akteuren (zum Beispiel den Vereinten Nationen, der OSZE und der Europäischen
Union) zusammen. Positiv zu vermerken sind die Bemühungen beim Recht auf
körperliche Unversehrtheit und das Folterverbot.
Ein von Senat und Parlament im Februar 2015 verabschiedeter Gesetzentwurf
zum Verbot der Informationsverbreitung über „nichttraditionelle sexuelle
Orientierung“ wurde Ende Mai vom kasachischen Verfassungsrat als nicht
verfassungskonform zurückgewiesen – ein positives Signal gegen sexuelle
Diskriminierung.
12. Gibt es seitens der Bundesregierung Überlegungen, im Bildungssektor mit
Kasachstan zusammenzuarbeiten und dabei auch die deutsche Minderheit
sowie das Thema „Inklusive Bildung“ ins Blickfeld zu nehmen?
Kasachstan ist Schwerpunktland der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit der
Region Zentralasien. Die akademischen Austauschbeziehungen sind stabil und
entwickeln sich gut. Insgesamt gab es 2014 60 Hochschulkooperationen
zwischen deutschen und kasachischen Hochschulen. Die auf Grundlage eines
bilateralen Regierungsabkommens von 2008 vom Auswärtigen Amt geförderte
Deutsch-Kasachische Universität (DKU) in Almaty (ca. 600 Studierende) ist das
größte bilaterale Hochschulprojekt Deutschlands in Zentralasien.
Die Förderprogramme des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD)
in Kasachstan umfassen unter anderem Semester- und Jahresstipendien für
Studierende und Graduierte aller Fachrichtungen, Hochschulsommerkurse,
Forschungsaufenthalte für Wissenschaftler, sowie Studienreisen und
Studienpraktika. Im Jahr 2014 förderte der DAAD 741 Studierende, Graduierte oder
Forschende aus Kasachstan in Deutschland. Umgekehrt wurden 90 Deutsche bei
ihrem Hochschulaufenthalt in Kasachstan unterstützt.
Die Alexander von Humboldt Stiftung fördert die internationale Zusammenarbeit
in der Forschung und ermöglicht hochqualifizierten ausländischen
Wissenschaftlern Forschungsaufenthalte in Deutschland. Im Jahr 2014 hat die Alexander von
Humboldt Stiftung insgesamt 12 Forschungsstipendiaten aus Kasachstan
gefördert.
Im Jahr 2012 wurde an der Kasachischen Nationalen Al-Farabi-Universität in
Almaty ein Zentrum für Deutschlandstudien gegründet.
Weitere Bildungskooperationen umfassen die Unterstützung der deutschen
Minderheiten in den ehemaligen GUS-Staaten. Seit Jahren werden aus Mitteln des
Bundesministeriums des Innern Studiengebühren an Universitäten und
Stipendien finanziert für qualifizierte und engagierte Mitglieder der deutschen
Minderheit. Weiter unterhält die Organisation der deutschen Minderheit seit 2005 eine
Partnerschaft mit den Euroschulen Bitterfeld/Wolfen. Mitglieder der deutschen
Minderheit wurden in Bitterfeld/Wolfen im Bereich der sozialen Arbeit aus- oder
fortgebildet. Eine Kooperation besteht ebenfalls mit der Altenpflegeschule in
Paulinenaue.
Im Bereich der nicht-formalen außerschulischen Bildung spielt Inklusion eine
wachsende Rolle. Für den Bereich der Internationalen Jugendarbeit wird derzeit
eine Strategie zu diesem Thema erarbeitet, um allen jungen Menschen den
Zugang zu internationalen Begegnungsmaßnahmen zu eröffnen.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) fördert Kasachstan ausschließlich im Rahmen regionaler Vorhaben der
Technischen Zusammenarbeit. In diesem Kontext wird Kasachstan im
Bildungssektor schwerpunktmäßig im Berufsbildungsbereich (Lebensmitteltechnologie,
Rohstoffsektor, Berufsbildungspädagogik) unterstützt. Gemäß der Zusage der
Bundeskanzlerin gegenüber Staatspräsidenten Nasarbajev wird Kasachstan bei
der pilothaften Einführung der dualen Berufsbildung im Rohstoffsektor sowie
seiner vor- und nachgelagerten Subsektoren beraten. Diese Zusammenarbeit wird
durch eine BMZ-geförderte Berufsbildungspartnerschaft der Handwerkskammer
Trier mit ausgewählten Wirtschaftsorganisationen sowie berufsbildenden
Einrichtungen Kasachstans und durch eine Strategische Allianz mit der deutschen
Wirtschaft bei der Einführung der dualen Berufsbildung in Kasachstan verstärkt.
Die reformierten Ausbildungsgänge sollen sich verstärkt an Frauen und
marginalisierte Bevölkerungsgruppen (z. B. Menschen mit Behinderungen) richten.
Darüber hinaus werden in einem regionalen Grundbildungsprojekt kasachische
Bildungsinstitutionen bei der Verbesserung der Unterrichtsqualität beraten.
13. Gibt es seitens der Bundesregierung Überlegungen, in der Zusammenarbeit
mit Kasachstan verstärkt auf die Expertise von kasachisch-stämmigen
Deutschen zu setzen?
Die Bundesregierung unterstützt aus dem Haushalt des Bundesministeriums des
Innern Partnerschaftsmaßnahmen zwischen Organisationen der Deutschen aus
Russland und den Staaten der GUS sowie den Selbstorganisationen der deutschen
Minderheit in den Herkunftsländern. Aus Sicht der Bundesregierung bieten die
deutschen Minderheiten und die in Deutschland lebenden Aussiedler und
Spätaussiedler als bikulturelle Bindeglieder besondere Kapazitäten zum Ausbau
kultureller, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Brücken und Netzwerke sowie
zum Aufbau dauerhafter zivilgesellschaftlicher Verbindungen zwischen
Deutschland und den Herkunftsstaaten.
14. Welche politische und finanzielle Unterstützung erfährt der Eurasische Klub
in Berlin, der 2012 von Präsident Nasarbajew eröffnet worden war, durch
die Bundesregierung?
Die Bundesregierung nimmt die Veranstaltungen des Eurasischen Clubs
regelmäßig wahr und begrüßt das konstruktive politische und wissenschaftliche
Engagement Kasachstans für die deutsch-kasachischen Beziehungen und die Rolle
Zentralasiens in Deutschland.
Die Bundesregierung betreibt keine Finanzierung des Eurasischen Klubs.
15. Wie wird der Reformprozess in Kasachstan bewertet und in der
Zusammenarbeit begleitet?
Die Bundesregierung bewertet alle Reformen positiv, die zum Ziel haben,
rechtsstaatliche und marktwirtschaftliche Strukturen zu fördern und gestaltet ihre
Zusammenarbeit mit Kasachstan auch vor diesem Hintergrund. Außerdem
unterstützt die Bundesregierung Kasachstan bei seinem Übergang hin zu einer
nachhaltigeren und klimafreundlicheren Wirtschaft: Im Rahmen der internationalen
Klimaschutzinitiative (IKI) hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz,
Bau und Reaktorsicherheit Kasachstan bei der Entwicklung einer Green Economy
Strategy begleitet und unterstützt nun das zuständige kasachische
Energieministerium im Rahmen eines weiteren IKI-Projektes bei der Umsetzung der Strategie.
16. Welche Städtepartnerschaften existieren zwischen Deutschland und
Kasachstan (bitte die Städte und den Beginn der Partnerschaften nennen), und
welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, solche Partnerschaften zu
fördern?
Es bestehen nach der Bundesregierung vorliegenden Informationen zwei
Städtepartnerschaften zwischen Deutschland und Kasachstan: Aurich (Niedersachsen)
mit Almaty seit 1991 und Sehnde (Niedersachsen) mit Aktjubinsk seit 1993. Das
Auswärtige Amt ist gemeinsam mit kasachischen Stellen bemüht, die Zahl und
Qualität der Städtepartnerschaften zu erhöhen, wobei auf das Prinzip der
kommunalen Selbstverwaltung geachtet wird. Das Auswärtige Amt ermuntert die
kasachische Seite regelmäßig, auch von sich aus auf deutsche Städte und
Gemeinden zuzugehen.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) fördert grundsätzlich entwicklungspolitische Partnerschaftsprojekte
deutscher Kommunen mit ihren Partnerkommunen zu den Schwerpunkten
nachhaltige Daseinsvorsorge, gute lokale Regierungsführung, Klimaschutz und
Klimaanpassung.
17. Kann die Bundesregierung den Stand des Jugend- und
Studierendenaustausches zwischen Kasachstan und Deutschland sowie die Potenziale eines
weiteren Ausbaus der entsprechenden Instrumente darstellen?
Grundlage des außerschulischen Jugendaustausches ist eine 1995 unterzeichnete
Vereinbarung über jugendpolitische Zusammenarbeit mit Kasachstan.
Partnerministerium ist heute das Ministerium für Bildung und Wissenschaft, zum Zeitpunkt
der Unterzeichnung das Ministerium für Jugend, Tourismus und Sport.
Schwerpunkt der Zusammenarbeit ist die Durchführung von bilateralen
Jugendforen unter Federführung der Ministerien, die in den Jahren 2009, 2011 und 2014
abwechselnd in Deutschland und in Kasachstan stattfanden, zuletzt im Jahr 2014
in Bonn. Ein nächstes Jugendforum ist für das Frühjahr 2016 beabsichtigt.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 12 verwiesen.
18. Welche Aktivitäten hat die Bundesregierung seit 2009 zur Förderung des
Erfahrungsaustauschens zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
auf staatlicher und zivilgesellschaftlicher Ebene unternommen (bitte Jahr,
Aktivitäten und aufgewendete Bundesmittel nennen), und in welcher Weise
waren dabei die Behindertenorganisationen beider Staaten eingebunden?
Welche Aktivitäten sind diesbezüglich in den Jahren 2016 und 2017 geplant?
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat im Jahr 2011 einen
Internationalen Dialog EU-GUS zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland e. V. (ABiD) gefördert.
Die Veranstaltung fand vom 23. bis 24. September 2011 im Kongresszentrum der
Messe Düsseldorf statt und galt vor allem dem Erfahrungsaustausch zum Thema
„Inklusive Bildung“ (Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention (CRPD)),
„Mobilität von Menschen mit Behinderungen“ (Artikel 9 und 20 CRPD) sowie
die „internationale Zusammenarbeit" insbesondere der Behindertenverbände in
Europa (Artikel 32 CRPD). An der Konferenz haben neben den Delegationen aus
Deutschland und Kasachstan auch Delegationen aus Russland, der Ukraine und
weiteren GUS-Staaten teilgenommen. Auch Vertreterinnen und Vertreter von
Behindertenorganisationen (z. B. ABiD und European Disability Forums) waren
eingebunden.
Seit 2013 fördert die Rosa-Luxemburg-Stiftung im Auftrag des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das Regional-
Projekt "Soziale Gerechtigkeit und regionale Integration in Ländern des
postsowjetischen Raums“, mit dem unter anderem Menschen mit Behinderungen in
Kasachstan gefördert werden. Für die Unterstützung des kasachischen Partners – das
Kasachische Institut für Strategische Studien – wurden für den Zeitraum von
2013 bis 2015 Mittel in Höhe von 460 000 Euro, für den Zeitraum zwischen 2016
und 2018 ein Betrag von 360 000 Euro zur Verfügung gestellt.
19. Kann die Bundesregierung den Stand und die Entwicklungsmöglichkeiten in
der sportpolitischen Zusammenarbeit darstellen, mit besonderer
Berücksichtigung des Behindertensports?
Die Zusammenarbeit mit Kasachstan im Bereich des Sports ist gut, gleichwohl
betrachtet die Bundesregierung Kasachstan nicht als sportpolitisches
Schwerpunktland. Wegen der groß angelegten Bewerbung Kasachstans für die
Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 geht die Bundesregierung davon
aus, dass das Land in hinreichendem Maße über eigene Möglichkeiten verfügt.
Dementsprechend wurden in den letzten Jahren keine Projekte aus Mitteln der
Sportförderung in Kasachstan durchgeführt.
20. Welche Formen und Aktivitäten der Zusammenarbeit auf
tourismuspolitischem Gebiet sind der Bundesregierung bekannt und welche Aktivitäten
(seit dem Jahr 2013) wurden durch sie gefördert bzw. unterstützt?
Welche Rolle spielen dabei Fragen der Ökologie sowie des barrierefreien
Tourismus?
Am 21. Dezember 2015 wurde zwischen der Europäischen Union und der
Republik Kasachstan ein Abkommen über eine verstärkte Partnerschaft und
Zusammenarbeit im Bereich Tourismus unterzeichnet zur Förderung der Entwicklung einer
wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Tourismuswirtschaft.
In der bilateralen tourismuspolitischen Zusammenarbeit wurden unter anderem
auf Regierungsebene im Rahmen der ITB 2015 in Berlin Gespräche mit der
kasachischen Seite geführt; vor dem Hintergrund der EXPO 2017 in Astana hat
Kasachstan erhebliches Interesse an einer Steigerung des Tourismus, wobei der
barrierefreie Tourismus bislang nicht thematisiert wurde. Auch für Deutschland und
seine Politik der Energiewende ist die Weltausstellung mit dem Fokus
Erneuerbare Energien und „Green Economy“ von besonderer Bedeutung. Mit Schreiben
der Bundeskanzlerin vom 29. Oktober 2014 hat die Bundesregierung die
Einladung Kasachstans zur Teilnahme Deutschlands an der EXPO 2017 angenommen.
Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) unterstützt der Naturschutzbund Deutschland e. V. seit 2013
Kasachstan bei der Etablierung von integriertem Management für die
Naturschutzgebiete in der grenzübergreifenden Region Nord Tian Shan. Eine
Projektkomponente zielt auf die Förderung von gemeindebasiertem, ökologischem
Tourismus als alternative Einnahmequelle für die lokale Bevölkerung.
21. In welcher Form findet eine gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte,
insbesondere des Zweiten Weltkrieges, statt?
Eine institutionalisierte gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte findet nach
Kenntnis der Bundesregierung nicht statt. Die Aufarbeitung der Geschichte wird
im Wesentlichen der geschichtswissenschaftlichen Forschung beider Länder
überlassen.
22. Wie sieht die Bundesregierung die Rolle Kasachstans in der internationalen
Politik, insbesondere in Zentralasien vor dem Hintergrund der
Mitgliedschaft in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit?
Die Bundesregierung begrüßt die selbstgewählte Rolle Kasachstans als
Stabilitätsanker in Zentralasien und das Bemühen, seine „multivektorielle“
Außenpolitik in gutem Einvernehmen mit seinen Nachbarn auf möglichst viele Pfeiler zu
stellen.
Kasachstan gehört unter anderem der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) an
sowie als Gründungsmitglied auch der Shanghai Cooperation Organization
(SCO) und unterhält zugleich auch enge Beziehungen zur Europäischen Union,
was das am 21. Dezember 2015 in Astana unterzeichnete erweiterte
Partnerschafts- und Kooperationsabkommen manifestiert.
Das Bemühen, die politischen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen
Verbindungen zwischen China und Europa zum Nutzen aller zentralasiatischen Staaten
zu verbessern, prägt nicht zuletzt das deutsche Programm als OSZE-Vorsitzland.
Als Vorsitz wird die Bundesregierung die Region und insbesondere Kasachstan
angesichts seiner Brückenfunktion zwischen Europa und Asien besonders bei
dem OSZE-Schwerpunkt „Konnektivität“ berücksichtigen. Ziel ist es,
chinesische, postsowjetische bzw. europäisch geprägte Transportwege,
Energieversorgung und Standards besser aufeinander abzustimmen.
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