[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit vom 26. Mai 2016
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/8587
18. Wahlperiode 30.05.2016
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Maria Klein-Schmeink,
Beate Müller-Gemmeke, Kordula Schulz-Asche, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/8442 –
Arbeitsbedingungen und psychische Belastungen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Für die meisten Menschen ist der Job ein wichtiger und positiver Teil ihres
Lebens. Sie finden Anerkennung bei den Menschen, mit denen sie beruflich zu tun
haben. Sie stecken Energie, Können und Kreativität in ihre Aufgaben. Auch
Arbeitslosigkeit führt daher nicht selten ebenso zu schweren sozialen und
gesundheitlichen Problemen (Kroll L.E., Lampert T. (2012): Arbeitslosigkeit, prekäre
Beschäftigung und Gesundheit, Hrsg. Robert-Koch Institut Berlin, GBE
kompakt 3(1)).
Die fortschreitende Digitalisierung erlaubt uns viel einfacher und schneller
miteinander zu kommunizieren, anders und flexibler zu arbeiten und uns breiter
und selbstbestimmter zu informieren. Ein Plus in ganz vielen Lebenslagen, aber
manchmal auch eine Bürde. Die negativen Folgen dieser Beschleunigung
werden bereits zunehmend spürbar.
Psychische und physische Belastungen am Arbeitsplatz können nicht losgelöst
von der Arbeitszeit und anderen Rahmenbedingungen gesehen werden. Seit
geraumer Zeit weisen Arbeitswissenschaftlerinnen und Arbeitswissenschaftler auf
einen Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten, psychischer Belastung
und gesundheitlichen Beschwerden hin. So kommt auch der Stressreport der
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) aus dem Jahr 2012
zu dem Ergebnis, dass der Anteil von Beschäftigten, die über gesundheitliche
Beschwerden klagen, mit der Dauer der geleisteten Arbeitszeit zunimmt.
63 Prozent der Beschäftigten in Deutschland geben an, dass sie immer mehr in
der gleichen Arbeitszeit leisten müssen. Ist die Arbeitsmenge so groß, dass sie
in der Arbeitszeit nicht zu bewältigen ist, wird auf die Freizeit ausgewichen.
Ständige Erreichbarkeit und anhaltender Stress sind die Folge. So beklagen
20 Prozent der Befragten der TK-Studie (TK: Techniker Krankenkasse) zur
Stresslage der Nation, eine ständige Erreichbarkeit in Freizeit und Urlaub,
65 Prozent klagen über Belastungen aufgrund von zu hoher Arbeitsbelastung.
Eine Befragung im Rahmen des DGB-Index Gute Arbeit 2015 kommt darüber
hinaus zu dem Ergebnis, dass es 34 Prozent der Beschäftigten schwerfällt, nach
der Arbeit abzuschalten. Dies liegt auch daran, dass sie immer häufiger in der
Deutscher Bundestag Drucksache 18/8587
18. Wahlperiode 30.05.2016
Freizeit erreichbar sein müssen. Besorgniserregend ist zudem, dass 49 Prozent
der Beschäftigten mindestens zweimal im Jahr auch dann zur Arbeit gehen,
wenn sie sich richtig krank fühlen.
Auch eine, im Rahmen des iga.Reports 32 (iga: Initative Gesundheit & Arbeit)
durchgeführte, Literaturanalyse zeigt einen kausalen Zusammenhang zwischen
u. a. hoher Arbeitsintensität, geringem Handlungsspielraum, Überstunden,
Rollenstress oder Schichtarbeit und psychischer Belastung.
Die Veränderung der Arbeitsbedingungen hat Folgen: Von 2001 bis 2012 haben
sich die Fehltage der Beschäftigten, die auf psychische Erkrankungen
zurückzuführen sind, verdoppelt. Sie erhöhten sich von 33,6 Mio. auf 60 Mio. Tage
(Quelle: BMAS/BAuA: Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014). Ein
Warnsignal ist auch, dass fast jede zweite Frühverrentung im Jahr 2012
(42,1 Prozent) auf psychische Erkrankungen zurückging
(Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) – Studie zur Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit, 2013).
Gleichzeitig zeigen Befragungen, dass der Umgang mit psychischen Problemen
am Arbeitsplatz nach wie vor mit der Furcht vor einer Stigmatisierung
einhergeht. So hat sich die Zahl derer, welche ein mangelndes Verständnis seitens
ihrer Vorgesetzten für das Fehlen vom Arbeitsplatz aufgrund von psychischen
Problemen befürchten, im Zeitraum von 2004 bis 2012 von 33,5 Prozent auf
38 Prozent erhöht (DAK-Gesundheitsreport 2013).
V o r b e me r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Der Erhalt und die Förderung der psychischen Gesundheit bei der Arbeit gehören
heute zu den wichtigsten Herausforderungen im Arbeitsschutz. Durch den
Wandel der Arbeitswelt und den Einsatz neuer Technologien haben sich auch die
Anforderungen an die Beschäftigten verändert. Diese veränderten Anforderungen
können mit psychischen Belastungen, z. B. durch erhöhten Zeitdruck, permanente
Erreichbarkeit und zunehmende Unterbrechungen bei der Arbeit, verbunden sein.
Es besteht weitgehend Konsens darüber, dass psychische Belastungsfaktoren mit
dem Wandel der Arbeitswelt zunehmen. Psychische Belastungen können zu
Gesundheitsrisiken führen.
Der Schutz der Beschäftigten vor Gesundheitsgefahren durch psychische
Belastungen am Arbeitsplatz hat für die Bundesregierung große Bedeutung. Das
federführende zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstützt
wichtige nichtlegislative Maßnahmen wie z. B. das Projekt „Psychische Gesundheit in
der Arbeitswelt“ (psyGA) und leitet das Arbeitsprogramm Psyche „Schutz und
Stärkung der Gesundheit bei arbeitsbedingten psychischen Belastungen“ der
Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA). Auf legislativer Ebene
wurde im Arbeitsschutzgesetz klargestellt, dass der Gesundheitsbegriff die
physische wie die psychische Gesundheit umfasst und Gesundheitsgefährdungen
auch durch psychische Belastungen entstehen können. Hier ist jeder Arbeitgeber
in der Pflicht. Bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilungen sind psychische
Belastungen deshalb nicht anders zu behandeln als physische Belastungen. Im
Rahmen des GDA-Arbeitsprogramms Psyche „Schutz und Stärkung der
Gesundheit bei arbeitsbedingten psychischen Belastungen“ wurden hierzu
Handlungshilfen erarbeitet.
Psychische Belastungen wurden auch in mehrere Arbeitsschutzverordnungen
(Biostoff-, Betriebssicherheits- und Bildschirmarbeitsverordnung, Verordnung
zur arbeitsmedizinischen Vorsorge) als zu berücksichtigender Gefährdungsfaktor
aufgenommen.
Die Verhinderung psychischer Erkrankungen ist auch ein Ziel des Gesetzes zur
Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (Präventionsgesetz –
r cksac e 18/8587 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
PrävG) vom 17. Juli 2015. Mit dem Gesetz sollen insbesondere die
Gesundheitsförderung und Prävention in den Lebenswelten der Menschen gestärkt und das
Zusammenwirken von betrieblicher Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz
verbessert werden. Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen wurde
verpflichtet, bei der Aufgabenwahrnehmung im Bereich der Gesundheitsförderung
und Prävention auch das im Rahmen der GDA beschlossene Arbeitsschutzziel
„Schutz und Stärkung der Gesundheit bei arbeitsbedingten psychischen
Belastungen“ ebenso zu berücksichtigen wie das nationale Gesundheitsziel „Depressive
Erkrankungen: verhindern, früh erkennen, nachhaltig behandeln“. Zur
Erfolgskontrolle und zur Evaluation der mit dem Gesetz zur Stärkung der
Gesundheitsförderung und der Prävention geschaffenen maßgeblichen Regelungen enthält
§ 20d Absatz 2 Nummer 2 und Absatz 4 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch
(SGB V) die Verpflichtung der Nationalen Präventionskonferenz zur Vorlage
eines Berichts über die Entwicklung der Gesundheitsförderung und Prävention
(Präventionsbericht) erstmals zum 1. Juli 2019. Der Bericht wird insbesondere
Angaben zu den Erfahrungen mit der Anwendung auch der für die betriebliche
Gesundheitsförderung maßgeblichen Vorschriften enthalten sowie Aussagen zu
den Leistungsaufwendungen, den Zugangswegen, den erreichten Personen, der
Erreichung der gemeinsamen Ziele und der Zielgruppen, den Erfahrungen mit der
Qualitätssicherung und der Zusammenarbeit und zu möglichen
Schlussfolgerungen. Der dem Bundesministerium für Gesundheit vorzulegende Bericht wird mit
einer Stellungnahme der Bundesregierung dem Deutschen Bundestag und dem
Bundesrat zugeleitet.
1. Wie viele Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) gab es nach Kenntnis der
Bundesregierung in den Jahren 2013, 2014 und 2015
a) insgesamt,
b) aufgrund von organischen, einschließlich symptomatischer psychischer
Störungen,
c) aufgrund von psychischen Störungen und Verhaltensstörungen durch
psychotrope Substanzen,
d) aufgrund von Schizophrenie, schizotypen und wahnhaften Störungen,
e) aufgrund von unipolaren Depressionen,
f) aufgrund von anderen affektiven Störungen,
g) aufgrund von neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen,
h) aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und
Faktoren,
i) aufgrund von Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen,
j) aufgrund von sonstigen psychischen Erkrankungen,
k) aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen,
l) aufgrund von Erkrankungen des Atmungssystems,
m) aufgrund von Erkrankungen des Verdauungssystems,
n) aufgrund von Krankheiten des Nervensystems, und
o) wie haben sich diese Zahlen in den letzten 20 Jahren entwickelt
(bitte nach Alter und Geschlecht, absoluten Zahlen, AU-Tagen pro 100
Versichertenjahre (VJ) und Anteil an allen AU-Tagen aufschlüsseln)?
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 3 – Drucksache 18/8587
2. Wie viele Arbeitsunfähigkeitsfälle gab es nach Kenntnis der
Bundesregierung in den Jahren 2013, 2014 und 2015
a) Insgesamt,
b) aufgrund von organischen, einschließlich symptomatischer psychischer
Störungen,
c) aufgrund von psychischen Störungen und Verhaltensstörungen durch
psychotrope Substanzen,
d) aufgrund von Schizophrenie, schizotypen und wahnhaften Störungen,
e) aufgrund von unipolaren Depressionen,
f) aufgrund von anderen affektiven Störungen,
g) aufgrund von neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen,
h) aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und
Faktoren,
i) aufgrund von Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen,
j) aufgrund von sonstigen psychischen Erkrankungen,
k) aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen,
l) aufgrund von Erkrankungen des Atmungssystems,
m) aufgrund von Erkrankungen des Verdauungssystems,
n) aufgrund von Krankheiten des Nervensystems, und
o) wie haben sich diese Zahlen in den letzten 20 Jahren entwickelt
(bitte nach Alter, Geschlecht, absoluten Zahlen, AU-Fällen pro 100 VJ und
Anteil an allen AU-Fällen aufschlüsseln)?
3. Wie lang war nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittliche
Dauer eines AU-Falles in den Jahren 2013, 2014 und 2015
a) in Bezug auf alle Erkrankungen,
b) aufgrund von organischen, einschließlich symptomatischer psychischer
Störungen,
c) aufgrund von psychischen Störungen und Verhaltensstörungen durch
psychotrope Substanzen,
d) aufgrund von Schizophrenie, schizotypen und wahnhaften Störungen,
e) aufgrund von unipolaren Depressionen,
f) aufgrund von anderen affektiven Störungen,
g) aufgrund von neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen,
h) aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und
Faktoren,
i) aufgrund von Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen,
j) aufgrund von sonstigen psychischen Erkrankungen,
k) aufgrund von psychischen Erkrankungen insgesamt,
l) aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen,
m) aufgrund von Erkrankungen des Atmungssystems,
n) aufgrund von Erkrankungen des Verdauungssystems,
o) aufgrund von Krankheiten des Nervensystems, und
p) wie haben sich diese Zahlen in den letzten 20 Jahren entwickelt
(bitte nach Alter und Geschlecht aufschlüsseln)?
r cksac e 18/8587 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Die Fragen 1, 2, und 3 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Für die differenzierten psychischen Diagnosen und für die Fälle der
Arbeitsunfähigkeit insgesamt liegen keine Ergebnisse nach dem Alter der Erkrankten vor.
Die Ergebnisse für 2015 liegen noch nicht vor, so dass den nachfolgenden
Tabellen die Arbeitsunfähigkeitsfälle, die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage und die
durchschnittlichen Tage der Arbeitsunfähigkeitsfälle für die Jahre 2013 und 2014
entnommen werden können. Es wird darauf hingewiesen, dass dabei die Anzahl
der Arbeitsunfähigkeitsfälle und nicht die Anzahl der erkrankten Personen
aufgeführt wird.
Die in den Fragen 1 bis 3 aufgeführten Krankheitssymptome wurden auf Basis
der aktuellen Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und
verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) zugeordnet. Zudem ist darauf
hinzuweisen, dass die zugrunde liegende Geschäftsstatistik der gesetzlichen
Krankenversicherung (GKV) (KG 8) auf Teilerhebungen der Krankenkassen beruht und
auch nach entsprechenden Hochrechnungen der Krankenkassen Abweichungen
zum Gesamtergebnis der Arbeitsunfähigkeitsfälle und -tage in der GKV
festzustellen sind. Die Aussagekraft hinsichtlich des Gesamtergebnisses der
Arbeitsunfähigkeitsfälle und -tage der GKV ist auf Basis der KG 8 folglich eingeschränkt.
Auswertungen mit den entsprechenden erfragten statistischen Informationen sind
zudem erst seit wenigen Jahren möglich, so dass keine Aussagen über die
zeitliche Entwicklung der letzten 20 Jahre getroffen werden können.
Arbeitsunfähigkeitsfälle und -tage nach Diagnosen 2014
Frauen Männer Zusammen
ICD 101 Fälle Tage
Tage
je Fall Fälle Tage
Tage
je Fall Fälle Tage
Tage je
Fall
a) Alle 17.904.320 207.869.155 11,61 17.050.048 194.882.049 11,43 34.954.368 402.751.204 11,52
b) F00-F09 3.707 138.412 37,34 3.737 165.411 44,26 7.444 303.823 40,81
c) F10-F19 23.685 642.689 27,13 68.258 1.700.244 24,91 91.943 2.342.933 25,48
d) F20-F29 14.629 762.093 52,09 19.764 855.227 43,27 34.393 1.617.320 47,02
e) F30, F32 298.138 14.958.062 50,17 174.379 8.567.581 49,13 472.517 23.525.643 49,79
f)
F31, 33,
34, 38,39 79.016 5.346.908 67,67 44.815 2.774.171 61,90 123.831 8.121.078 65,58
g) F40-F48 786.321 18.886.691 24,02 408.331 9.465.538 23,18 1.194.652 28.352.229 23,73
h) F50-F59 14.205 446.598 31,44 8.388 156.288 18,63 22.593 602.887 26,68
i) F60-F69 11.555 609.214 52,72 8.360 395.959 47,36 19.915 1.005.173 50,47
j) F70-F99 11.183 240.093 21,47 9.272 216.215 23,32 20.455 456.308 22,31
Datenquelle: KG8
1 Die ICD 10-Diagnoseschlüssel entsprechen den unter den Buchstaben in der Frage aufgelisteten Diagnosen.
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 5 – Drucksache 18/8587
Arbeitsunfähigkeitsfälle und -tage nach Diagnosen 2013
Frauen Männer Zusammen
ICD 101 Fälle Tage
Tage
je Fall Fälle Tage
Tage
je Fall Fälle Tage
Tage je
Fall
a) Alle 18.677.717 213.222.759 11,42 17.928.923 200.667.959 11,19 36.606.640 413.890.718 11,31
b) F00-F09 4.440 148.687 33,49 4.745 171.505 36,14 9.185 320.192 34,86
c) F10-F19 27.296 719.171 26,35 76.706 1.791.595 23,36 104.002 2.510.766 24,14
d) F20-F29 19.738 891.518 45,17 26.998 1.016.240 37,64 46.736 1.907.758 40,82
e) F30, F32 290.477 14.221.514 48,96 170.564 8.006.309 46,94 461.041 22.227.823 48,21
f)
F31, 33,
34, 38,39 77.154 5.118.267 66,34 43.105 2.538.768 58,90 120.259 7.657.035 63,67
g) F40-F48 710.955 17.376.480 24,44 374.604 8.740.473 23,33 1.085.559 26.116.953 24,06
h) F50-F59 13.519 457.821 33,87 7.557 145.498 19,25 21.076 603.319 28,63
i) F60-F69 13.015 653.816 50,24 8.996 399.988 44,46 22.011 1.053.804 47,88
j) F70-F99 12.641 263.012 20,81 11.006 230.538 20,95 23.647 493.550 20,87
Datenquelle: KG8
1 Die ICD 10-Diagnoseschlüssel entsprechen den unter den Buchstaben in der Frage aufgelisteten Diagnosen.
r cksac e 18/8587 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
GKV
Altersgruppe Fälle Tage Tage je Fall Fälle Tage Tage je Fall Fälle Tage Tage je Fall
k) Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes
bis unter 15 1 3 3,00 1 3 3,00
15 bis unter 20 47.071 307.278 6,53 79.032 478.240 6,05 126.103 785.518 6,23
20 bis unter 25 162.457 1.477.437 9,09 253.985 2.173.081 8,56 416.442 3.650.518 8,77
25 bis unter 30 187.282 2.130.229 11,37 300.697 3.114.377 10,36 487.979 5.244.606 10,75
30 bis unter 35 186.780 2.423.653 12,98 326.139 3.820.475 11,71 512.919 6.244.128 12,17
35 bis unter 40 210.876 3.093.929 14,67 337.176 4.412.761 13,09 548.052 7.506.690 13,70
40 bis unter 45 291.974 4.886.851 16,74 404.200 6.010.790 14,87 696.174 10.897.641 15,65
45 bis unter 50 435.448 8.018.720 18,41 531.279 8.782.660 16,53 966.727 16.801.380 17,38
50 bis unter 55 492.008 10.035.978 20,40 563.397 10.431.812 18,52 1.055.405 20.467.790 19,39
55 bis unter 60 410.855 9.402.238 22,88 489.783 10.414.565 21,26 900.638 19.816.803 22,00
60 bis unter 65 216.654 6.350.445 29,31 296.858 8.352.646 28,14 513.512 14.703.091 28,63
65 bis unter 70 6.369 230.650 36,21 10.487 386.483 36,85 16.856 617.133 36,61
70 bis unter 75 298 5.159 17,31 523 8.805 16,84 821 13.964 17,01
75 bis unter 80 87 1.600 18,39 176 2.911 16,54 263 4.511 17,15
80 und älter 29 587 20,24 49 855 17,45 78 1.442 18,49
Zusammen 2.648.189 48.364.757 18,26 3.593.781 58.390.461 16,25 6.241.970 106.755.218 17,10
l) Krankheiten des Atmungssystems
bis unter 15 12 45 3,75 3 10 3,33 15 55 3,67
15 bis unter 20 230.098 951.998 4,14 295.740 1.148.106 3,88 525.838 2.100.104 3,99
20 bis unter 25 615.317 2.884.289 4,69 618.210 2.793.385 4,52 1.233.527 5.677.674 4,60
25 bis unter 30 640.065 3.379.801 5,28 578.712 3.010.711 5,20 1.218.777 6.390.512 5,24
30 bis unter 35 571.457 3.242.695 5,67 553.281 3.070.918 5,55 1.124.738 6.313.613 5,61
35 bis unter 40 503.674 2.992.879 5,94 460.823 2.725.507 5,91 964.497 5.718.386 5,93
40 bis unter 45 507.026 3.187.793 6,29 430.967 2.747.222 6,37 937.993 5.935.015 6,33
45 bis unter 50 609.740 4.125.347 6,77 463.657 3.208.435 6,92 1.073.397 7.333.782 6,83
50 bis unter 55 587.345 4.355.197 7,42 417.955 3.233.035 7,74 1.005.300 7.588.232 7,55
55 bis unter 60 466.020 3.812.100 8,18 324.241 2.886.789 8,90 790.261 6.698.889 8,48
60 bis unter 65 214.850 2.004.873 9,33 172.390 1.841.557 10,68 387.240 3.846.430 9,93
65 bis unter 70 6.004 63.067 10,50 6.148 79.293 12,90 12.152 142.360 11,71
70 bis unter 75 310 2.979 9,61 402 3.835 9,54 712 6.814 9,57
75 bis unter 80 65 532 8,18 117 1.294 11,06 182 1.826 10,03
80 und älter 19 199 10,47 60 602 10,03 79 801 10,14
Zusammen 4.952.002 31.003.794 6,26 4.322.706 26.750.699 6,19 9.274.708 57.754.493 6,23
m) Krankheiten des Verdauungssystems
bis unter 15 1 2 2,00 1 2 2,00 2 4 2,00
15 bis unter 20 91.566 367.856 4,02 112.072 413.855 3,69 203.638 781.711 3,84
20 bis unter 25 244.366 1.103.906 4,52 260.262 1.145.185 4,40 504.628 2.249.091 4,46
25 bis unter 30 210.835 1.062.888 5,04 236.066 1.201.688 5,09 446.901 2.264.576 5,07
30 bis unter 35 168.408 914.158 5,43 212.336 1.189.762 5,60 380.744 2.103.920 5,53
35 bis unter 40 154.696 864.528 5,59 182.312 1.098.028 6,02 337.008 1.962.556 5,82
40 bis unter 45 185.869 1.062.968 5,72 195.276 1.279.185 6,55 381.145 2.342.153 6,15
45 bis unter 50 261.295 1.517.034 5,81 249.910 1.721.162 6,89 511.205 3.238.196 6,33
50 bis unter 55 279.473 1.669.071 5,97 260.979 1.882.755 7,21 540.452 3.551.826 6,57
55 bis unter 60 235.954 1.427.260 6,05 221.247 1.669.972 7,55 457.201 3.097.232 6,77
60 bis unter 65 109.313 771.901 7,06 114.244 1.036.446 9,07 223.557 1.808.347 8,09
65 bis unter 70 3.031 28.136 9,28 3.855 49.818 12,92 6.886 77.954 11,32
70 bis unter 75 147 1.382 9,40 278 2.722 9,79 425 4.104 9,66
75 bis unter 80 36 376 10,44 99 943 9,53 135 1.319 9,77
80 und älter 17 140 8,24 38 398 10,47 55 538 9,78
Zusammen 1.945.007 10.791.606 5,55 2.048.975 12.691.921 6,19 3.993.982 23.483.527 5,88
n). Krankheiten des Nervensystems
bis unter 15 2 3 1,50 2 3 1,50
15 bis unter 20 22.366 76.050 3,40 19.264 65.087 3,38 41.630 141.137 3,39
20 bis unter 25 69.941 342.103 4,89 45.849 250.718 5,47 115.790 592.821 5,12
25 bis unter 30 61.051 449.211 7,36 38.545 322.469 8,37 99.596 771.680 7,75
30 bis unter 35 52.164 479.436 9,19 35.181 374.200 10,64 87.345 853.636 9,77
35 bis unter 40 48.939 527.043 10,77 32.042 400.749 12,51 80.981 927.792 11,46
40 bis unter 45 56.924 702.097 12,33 35.604 521.431 14,65 92.528 1.223.528 13,22
45 bis unter 50 78.596 1.032.940 13,14 45.753 771.474 16,86 124.349 1.804.414 14,51
50 bis unter 55 78.110 1.238.531 15,86 46.296 890.248 19,23 124.406 2.128.779 17,11
55 bis unter 60 52.274 936.291 17,91 38.114 862.817 22,64 90.388 1.799.108 19,90
60 bis unter 65 21.525 496.538 23,07 21.312 622.621 29,21 42.837 1.119.159 26,13
65 bis unter 70 609 17.851 29,31 778 25.564 32,86 1.387 43.415 31,30
70 bis unter 75 36 456 12,67 66 794 12,03 102 1.250 12,25
75 bis unter 80 21 442 21,05 49 893 18,22 70 1.335 19,07
80 und älter 7 129 18,43 20 353 17,65 27 482 17,85
Zusammen 542.563 6.299.118 11,61 358.875 5.109.421 14,24 901.438 11.408.539 12,66
Arbeitunfähigkeitsfälle und -tage nach Diagnose- und Altersgruppen 2014
Frauen Männer Zusammen
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 7 – Drucksache 18/8587
GKV
Altersgruppe Fälle Tage Tage je Fall Fälle Tage Tage je Fall Fälle Tage Tage je Fall
k) Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes
bis unter 15 2 5 2,50 1 1 1,00 3 6 2,00
15 bis unter 20 46.142 305.923 6,63 77.147 466.354 6,05 123.289 772.277 6,26
20 bis unter 25 164.221 1.486.037 9,05 251.676 2.142.465 8,51 415.897 3.628.502 8,72
25 bis unter 30 177.350 1.998.003 11,27 281.284 2.918.576 10,38 458.634 4.916.579 10,72
30 bis unter 35 178.785 2.289.812 12,81 308.550 3.606.558 11,69 487.335 5.896.370 12,10
35 bis unter 40 199.569 2.928.126 14,67 322.882 4.216.844 13,06 522.451 7.144.970 13,68
40 bis unter 45 296.355 4.929.158 16,63 413.377 6.179.571 14,95 709.732 11.108.729 15,65
45 bis unter 50 438.450 8.803.857 20,08 524.322 8.689.217 16,57 962.772 17.493.074 18,17
50 bis unter 55 463.780 9.589.877 20,68 532.150 9.856.522 18,52 995.930 19.446.399 19,53
55 bis unter 60 384.503 9.024.593 23,47 457.316 10.109.265 22,11 841.819 19.133.858 22,73
60 bis unter 65 185.350 5.421.020 29,25 268.108 7.545.699 28,14 453.458 12.966.719 28,60
65 bis unter 70 4.516 187.503 41,52 7.509 289.754 38,59 12.025 477.257 39,69
70 bis unter 75 312 5.916 18,96 502 8.718 17,37 814 14.634 17,98
75 bis unter 80 106 1.491 14,07 160 3.252 20,32 266 4.743 17,83
80 und älter 30 620 20,67 49 712 14,53 79 1.332 16,86
Zusammen 2.539.471 46.971.941 18,50 3.445.033 56.033.508 16,27 5.984.504 103.005.449 17,21
l) Krankheiten des Atmungssystems
bis unter 15 11 40 3,64 5 17 3,40 16 57 3,56
15 bis unter 20 249.145 1.061.624 4,26 324.588 1.302.195 4,01 573.733 2.363.819 4,12
20 bis unter 25 704.876 3.422.496 4,86 714.093 3.358.809 4,70 1.418.969 6.781.305 4,78
25 bis unter 30 711.477 3.894.549 5,47 654.651 3.485.874 5,32 1.366.128 7.380.423 5,40
30 bis unter 35 657.949 3.885.020 5,90 642.379 3.686.561 5,74 1.300.328 7.571.581 5,82
35 bis unter 40 584.583 3.618.174 6,19 551.849 3.394.105 6,15 1.136.432 7.012.279 6,17
40 bis unter 45 665.181 4.394.299 6,61 576.698 3.848.542 6,67 1.241.879 8.242.841 6,64
45 bis unter 50 785.878 5.576.250 7,10 617.596 4.467.154 7,23 1.403.474 10.043.404 7,16
50 bis unter 55 737.779 6.267.192 8,49 545.957 4.348.738 7,97 1.283.736 10.615.930 8,27
55 bis unter 60 572.006 4.891.864 8,55 414.693 3.724.744 8,98 986.699 8.616.608 8,73
60 bis unter 65 235.423 2.235.125 9,49 208.491 2.161.009 10,36 443.914 4.396.134 9,90
65 bis unter 70 6.197 64.416 10,39 6.215 72.396 11,65 12.412 136.812 11,02
70 bis unter 75 382 3.775 9,88 491 5.851 11,92 873 9.626 11,03
75 bis unter 80 79 810 10,25 133 1.180 8,87 212 1.990 9,39
80 und älter 25 292 11,68 41 500 12,20 66 792 12,00
Zusammen 5.910.991 39.315.926 6,65 5.257.880 33.857.675 6,44 11.168.871 73.173.601 6,55
m) Krankheiten des Verdauungssystems
bis unter 15 2 8 4,00 1 2 2,00 3 10 3,33
15 bis unter 20 93.719 375.715 4,01 114.203 419.769 3,68 207.922 795.484 3,83
20 bis unter 25 255.566 1.151.303 4,50 273.553 1.201.206 4,39 529.119 2.352.509 4,45
25 bis unter 30 206.591 1.049.369 5,08 235.299 1.201.797 5,11 441.890 2.251.166 5,09
30 bis unter 35 168.558 909.079 5,39 209.557 1.147.472 5,48 378.115 2.056.551 5,44
35 bis unter 40 151.106 849.638 5,62 180.598 1.073.780 5,95 331.704 1.923.418 5,80
40 bis unter 45 193.971 1.121.893 5,78 206.418 1.364.884 6,61 400.389 2.486.777 6,21
45 bis unter 50 262.798 1.573.066 5,99 254.520 1.778.580 6,99 517.318 3.351.646 6,48
50 bis unter 55 268.099 1.616.275 6,03 252.131 1.856.180 7,36 520.230 3.472.455 6,67
55 bis unter 60 222.615 1.393.862 6,26 209.594 1.632.592 7,79 432.209 3.026.454 7,00
60 bis unter 65 92.658 678.916 7,33 104.514 957.215 9,16 197.172 1.636.131 8,30
65 bis unter 70 2.238 22.703 10,14 2.954 37.616 12,73 5.192 60.319 11,62
70 bis unter 75 155 1.361 8,78 329 3.103 9,43 484 4.464 9,22
75 bis unter 80 24 250 10,42 94 1.284 13,66 118 1.534 13,00
80 und älter 10 46 4,60 50 406 8,12 60 452 7,53
Zusammen 1.918.110 10.743.484 5,60 2.043.815 12.675.886 6,20 3.961.925 23.419.370 5,91
n) Krankheiten des Nervensystems
bis unter 15 1 2 2,00 1 2 2,00
15 bis unter 20 20.741 71.202 3,43 17.995 61.119 3,40 38.736 132.321 3,42
20 bis unter 25 66.912 327.257 4,89 44.790 243.383 5,43 111.702 570.640 5,11
25 bis unter 30 57.331 418.105 7,29 36.746 313.125 8,52 94.077 731.230 7,77
30 bis unter 35 48.534 457.548 9,43 40.243 1.091.668 27,13 88.777 1.549.216 17,45
35 bis unter 40 46.068 513.324 11,14 31.877 393.631 12,35 77.945 906.955 11,64
40 bis unter 45 58.689 724.235 12,34 37.798 565.071 14,95 96.487 1.289.306 13,36
45 bis unter 50 77.705 1.065.734 13,72 46.407 768.078 16,55 124.112 1.833.812 14,78
50 bis unter 55 73.892 1.188.378 16,08 44.570 808.932 18,15 118.462 1.997.310 16,86
55 bis unter 60 49.459 911.426 18,43 36.755 816.207 22,21 86.214 1.727.633 20,04
60 bis unter 65 18.588 433.954 23,35 20.011 562.934 28,13 38.599 996.888 25,83
65 bis unter 70 463 13.167 28,44 597 23.666 39,64 1.060 36.833 34,75
70 bis unter 75 28 763 27,25 79 1.166 14,76 107 1.929 18,03
75 bis unter 80 18 296 16,44 38 387 10,18 56 683 12,20
80 und älter 4 24 6,00 11 93 8,45 15 117 7,80
Zusammen 518.433 6.125.415 11,82 357.917 5.649.460 15,78 876.350 11.774.875 13,44
Arbeitunfähigkeitsfälle und -tage nach Diagnose- und Altersgruppen 2013
Frauen Männer Zusammen
r cksac e 18/8587 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
4. Wie viele Langzeit-AU-Fälle (länger als sechs Wochen) gab es nach
Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren 2013, 2014 und 2015
a) Insgesamt,
b) aufgrund von organischen, einschließlich symptomatischer psychischer
Störungen,
c) aufgrund von psychischen Störungen und Verhaltensstörungen durch
psychotrope Substanzen,
d) aufgrund von Schizophrenie, schizotypen und wahnhaften Störungen,
e) aufgrund von unipolaren Depressionen,
f) aufgrund von anderen affektiven Störungen,
g) aufgrund von neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen,
h) aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und
Faktoren,
i) aufgrund von Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen,
j) aufgrund von sonstigen psychischen Erkrankungen,
k) aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen,
l) aufgrund von Erkrankungen des Atmungssystems,
m) aufgrund von Erkrankungen des Verdauungssystems,
n) aufgrund von Krankheiten des Nervensystems, und
o) wie haben sich diese Zahlen in den letzten 20 Jahren entwickelt
(bitte nach Alter, Geschlecht, absoluten Zahlen und Langzeit-AU-Fälle pro
100 VJ aufschlüsseln)?
5. Wie lang war die durchschnittliche Dauer eines Langzeit-AU-Falles nach
Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren 2013, 2014 und 2015
a) in Bezug auf alle Erkrankungen,
b) aufgrund von organischen, einschließlich symptomatischer psychischer
Störungen,
c) aufgrund von psychischen und Verhaltensstörungen durch psychotrope
Substanzen,
d) aufgrund von Schizophrenie, schizotypen und wahnhaften Störungen,
e) aufgrund von unipolaren Depressionen,
f) aufgrund von anderen affektiven Störungen,
g) aufgrund von neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen,
h) aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und
Faktoren,
i) aufgrund von Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen,
j) aufgrund von sonstigen psychischen Erkrankungen,
k) aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen,
l) aufgrund von Erkrankungen des Atmungssystems,
m) aufgrund von Erkrankungen des Verdauungssystems,
n) aufgrund von Krankheiten des Nervensystems, und
o) wie haben sich diese Zahlen in den letzten 20 Jahren entwickelt
(bitte nach Alter, Geschlecht aufschlüsseln)?
Die Fragen 4 und 5 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 9 – Drucksache 18/8587
Es gab im Jahr 2014 1 211 255 Langzeit-AU-Fälle mit einer durchschnittlichen
Dauer von 140 Tagen. Im Jahr 2013 gab es 1 213 711 Langzeit-AU-Fälle mit
einer durchschnittlichen Dauer von 138 Tagen. Eine Differenzierung der Langzeit-
AU-Fälle nach Alter, Diagnosen und Geschlecht ist nicht möglich. Die
Ergebnisse für 2015 liegen noch nicht vor.
6. Welche Erkrankungen stellen nach Kenntnis der Bundesregierung die
20 häufigsten Einzeldiagnosen nach AU-Tagen in den Jahren 2013, 2014
und 2015 dar, und wie hat sich diese Zahl in den letzten 20 Jahren entwickelt
(bitte nach Alter, Geschlecht, absoluten Zahlen und Anteil an allen AU-
Tagen aufschlüsseln)?
Die 20 häufigsten Einzeldiagnosen nach Anzahl der AU-Tage sind für die Jahre
2013 und 2014 in den nachfolgenden Tabellen aufgelistet. Die Ergebnisse für das
Jahr 2015 liegen noch nicht vor. Auf die Bemerkungen zur eingeschränkten
Aussagekraft sowie zur zeitlichen Verfügbarkeit der zugrunde liegenden
Geschäftsstatistik der GKV in Frage 1 wird verwiesen.
ICD Diagnose Tage 2014
1 M54 Rückenschmerzen 31.422.571
2 F32 Depressive Episode 23.475.426
3 J06
Akute Infektionen an mehreren oder nicht näher
bezeichneten Lokalisationen der oberen Atemwege 20.631.460
4 F43
Reaktionen auf schwere Belastungen und
Anpassungsstörungen 11.892.716
5 M51 Sonstige Bandscheibenschäden 8.889.363
6 A09
Sonstige und nicht näher bezeichnete Gastroenteritis
und Kolitis 7.959.108
7 M75 Schulterläsionen 7.832.659
8 F33 Rezidivierende depressive Störung 6.806.606
9 J20 Akute Bronchitis 6.649.444
10 M23 Binnenschädigung des Kniegelenkes 6.222.346
11 F48 Andere neurotische Störungen 6.169.560
12 J40 Bronchitis, nicht als akut oder chronisch bezeichnet 5.657.465
13 F45 Somatoforme Störungen 5.028.926
14 M77 Sonstige Enthesopathien 4.810.643
15 M17 Gonarthrose 4.711.947
16 M25
Sonstige Gelenkkrankheiten, anderenorts nicht
klassifiziert 4.596.316
17 F41 Andere Angststörungen 4.508.199
18 T14
Verletzung an einer nicht näher bezeichneten
Körperregion 4.198.159
19 K52 Sonstige nichtinfektiöse Gastroenteritis und Kolitis 4.096.665
20 B34
Viruskrankheit nicht näher bezeichneter
Lokalisation 3.996.896
Datenquelle: KG8
r cksac e 18/8587 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Diagnose Tage 2013
1 M54 Rückenschmerzen 30.743.386
2 J06
Akute Infektionen an mehreren oder nicht näher
bezeichneten Lokalisationen der oberen Atemwege 27.528.614
3 F32 Depressive Episode 22.175.258
4 F43
Reaktionen auf schwere Belastungen und
Anpassungsstörungen 10.908.893
5 J20 Akute Bronchitis 8.815.164
6 M51 Sonstige Bandscheibenschäden 8.287.193
7 A09
Sonstige und nicht näher bezeichnete
Gastroenteritis und Kolitis 7.730.061
8 M75 Schulterläsionen 7.314.367
9 J40 Bronchitis, nicht als akut oder chronisch bezeichnet 7.167.097
10 M23 Binnenschädigung des Kniegelenkes 6.861.346
11 F33 Rezidivierende depressive Störung 6.404.227
12 F48 Andere neurotische Störungen 5.561.947
13 B34
Viruskrankheit nicht näher bezeichneter
Lokalisation 5.364.190
14 F45 Somatoforme Störungen 4.778.855
15 M77 Sonstige Enthesopathien 4.525.359
16 M17 Gonarthrose 4.414.049
17 K52 Sonstige nichtinfektiöse Gastroenteritis und Kolitis 4.342.820
18 T14
Verletzung an einer nicht näher bezeichneten
Körperregion 4.281.983
19 M25
Sonstige Gelenkkrankheiten, anderenorts nicht
klassifiziert 4.157.914
20 F41 Andere Angststörungen 4.125.935
Datenquelle: KG8
7. Wie viele AU-Tage gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den
Jahren 2013, 2014 und 2015 aufgrund von Z73-Zusatzdiagnosen
(Ausgebranntsein – Burn-out, Zustand der totalen Erschöpfung –) nach der internationalen
statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandten
Gesundheitsprobleme (ICD-10) alleine oder zusammen mit anderen Diagnosen, und wie
hat sich diese Zahl in den letzten 20 Jahren entwickelt (bitte nach Alter,
Geschlecht, absoluten Zahlen und AU-Tage je 100 VJ aufschlüsseln)?
8. Wie viele AU-Fälle gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den
Jahren 2013, 2014 und 2015 aufgrund von Z73-Zusatzdiagnosen
(Ausgebranntsein – Burn-out, Zustand der totalen Erschöpfung –) nach ICD-10 alleine
oder zusammen mit anderen Diagnosen, und wie hat sich diese Zahl in den
letzten 20 Jahren entwickelt (bitte nach Alter, Geschlecht, absoluten Zahlen,
durchschnittlicher Falldauer und Anteil an allen AU-Fällen aufschlüsseln)?
Die Fragen 7 und 8 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Es liegen keine Zusatzdiagnosen vor, die Arbeitsunfähigkeitsfälle werden nach
der Hauptdiagnose erfasst.
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 11 – Drucksache 18/8587
9. Welche Branchen, Tätigkeitsfelder und Berufsgruppen waren nach Kenntnis
der Bundesregierung in den Jahren 2013, 2014 und 2015 in besonderem
Maße von AU-Tagen aufgrund von psychischen Erkrankungen oder
Verhaltensstörungen betroffen (bitte nach Alter und Geschlecht aufschlüsseln)?
Für die angegebenen Jahre liegen die AU-Daten nur nach Wirtschaftszweigen
vor. Eine Berufs- oder Tätigkeitsauswertung ist nicht möglich. Die Auswertung
nach Wirtschaftszweigen ist für die Jahre 2013 und 2014 möglich. Daten für 2015
liegen noch nicht vor. In Tabelle 1 sind für das Jahr 2014 die AU-Tage je 100
GKV-Mitgliedern mit Krankengeldanspruch aufgrund psychischer und
Verhaltensstörungen dargestellt, in Tabelle 2 für das Jahr 2013 (Sortierung wie in
Tabelle 1). In der Tabelle sind die sieben Wirtschaftszweige aufgeführt, für die
insgesamt die AU-Tage dieser Diagnosegruppe für das Jahr 2014 über dem
Durchschnitt aller Wirtschaftszweige (letzte Zeile) liegen, wie erbeten aufgeschlüsselt
nach Alter und Geschlecht. Die durchschnittliche Zahl der
Arbeitsunfähigkeitstage liegt bei 261 AU-Tagen je 100 GKV-Mitgliedern mit Krankengeldanspruch.
Für 2013 zeigt sich ein ähnliches Bild. Eine Ausnahme bildet der
Wirtschaftszweig „Herstellung von elektrischen Ausrüstungen“, der 2013 leicht unter dem
Durchschnitt liegt.
Tabelle 1: Arbeitsunfähigkeitstage infolge von psychischen und
Verhaltensstörungen nach Wirtschaftszweigen – Tage je 100 GKV-Mitglieder mit
Krankengeldanspruch1) in ausgewählten Branchen – SuGA 2014
Nr. Wirtschaftszweige2)
Diagnosegruppe
Psychische und Verhaltensstörungen
Gesamt Bis unter 45 Jahre 45 Jahre und älter
Gesamt Männer Frauen Gesamt Männer Frauen Gesamt Männer Frauen
84
Öffentliche
Verwaltung,
Verteidigung und
Sozialversicherung
467 355 538 331 234 378 567 423 679
86-88 Gesundheits- und So-zialwesen 422 366 432 304 270 309 588 502 605
10-12 Nahrung und Genussmittel 283 213 356 212 151 276 365 286 448
16-18 Holz, Papier, Druck 274 246 361 189 171 246 352 316 461
69-75
Freiberufliche,
wissenschaftliche und
technische
Dienstleistungen
269 197 329 207 144 259 397 299 488
27
Herstellung von
elektrischen
Ausrüstungen
266 204 410 178 144 274 352 269 517
19-22 Chemie 265 228 358 190 166 250 342 291 465
01 - 99 Durchschnitt 261 197 348 192 142 259 356 271 468
1) Pflicht- und freiwillig Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung mit Krankengeldanspruch, ohne Rentner und
mitversicherte Familienangehörige
2) Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ08); Quelle SuGA 2014, eigene Berechnungen der BAuA;
keine Gesamt-GKV-Daten
r cksac e 18/8587 – 12 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Tabelle 2: Arbeitsunfähigkeitstage infolge von psychischen und
Verhaltensstörungen nach Wirtschaftszweigen – Tage je 100 GKV-Mitglieder mit
Krankengeldanspruch1) – SuGA 2013 in ausgewählten Branchen
Nr. Wirtschaftszweige2)
Diagnosegruppe
Psychische und Verhaltensstörungen
Gesamt Bis unter 45 Jahre 45 Jahre und älter
Gesamt Männer Frauen Gesamt Männer Frauen Gesamt Männer Frauen
84
Öffentliche
Verwaltung,
Verteidigung und
Sozialversicherung
425 331 490 308 231 348 513 391 613
86-88 Gesundheits- und So-zialwesen 387 336 399 279 248 284 544 467 562
10-12 Nahrung und Genussmittel 266 203 326 204 147 264 340 277 405
16-18 Holz, Papier, Druck 254 230 328 173 156 223 331 301 427
69-75
Freiberufliche,
wissenschaftliche und
technische
Dienstleistungen
241 168 302 185 126 234 359 254 458
27
Herstellung von
elektrischen
Ausrüstungen
234 180 359 161 131 248 308 238 452
19-22 Chemie 243 211 324 185 165 234 306 260 420
01 - 99 Durchschnitt 240 183 316 178 131 239 328 255 427
1) Pflicht- und freiwillig Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung mit Krankengeldanspruch, ohne Rentner und
mitversicherte Familienangehörige
2) Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ08); Quelle SuGA 2013, eigene Berechnungen der BAuA;
sortiert nach Tab. 1; keine Gesamt-GKV-Daten
10. Welche der besonders von AU-Tagen betroffenen Branchen,
Tätigkeitsfelder und Berufsgruppen zeichnen sich nach Kenntnis der Bundesregierung
besonders dadurch aus, dass eine selbstbestimmte Wahrnehmung der
Organisation von Zeit und Ort der Ausführung der Tätigkeit durch die
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nur schwer bis gar nicht möglich ist?
Anhand der Daten der Erwerbstätigenbefragung 2012 des Bundesinstituts für
Berufsbildung (BIBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
(BAuA) können Aussagen zur zeitlichen Selbstbestimmung der Ausführung der
Tätigkeit im Sinne des Einflusses auf die Arbeitszeit und -menge sowie des
Einflusses auf die eigenen Pausen gemacht werden. Auch das Gelingen der zeitlichen
Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gibt Hinweise auf den Einfluss auf die
Arbeitszeitgestaltung. Es liegen keine Daten vor, die Aussagen zur örtlichen
Selbstbestimmung der Ausführung der Tätigkeit ermöglichen. In Tabelle 3 sind
für die nach Frage 9 besonders betroffenen Branchen die Häufigkeitsangaben zu
verschiedenen arbeitszeitbezogenen Merkmalen dargestellt.
Aufgrund der vorliegenden Daten ergeben sich keine eindeutigen Hinweise
darauf, dass in Branchen mit über dem Durchschnitt liegenden AU-Tagen aufgrund
psychischer und Verhaltensstörungen weniger Selbstbestimmtheit der
Beschäftigten in Bezug auf ihre Arbeitszeitgestaltung herrscht. So ist z. B. bei den
Wissensarbeitern trotz hoher zeitlicher Selbstbestimmung eine überdurchschnittliche
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 13 – Drucksache 18/8587
Anzahl von AU-Tagen je 100 GKV-Mitgliedern mit Krankengeldanspruch
aufgrund von psychischen und Verhaltensstörungen zu verzeichnen (vgl. Antwort zu
Frage 9).
Tabelle 3: Einfluss auf Arbeitszeitgestaltung und Work-Life-Balance für
Wirtschaftszweige mit überdurchschnittlicher Arbeitsunfähigkeit infolge von
psychischen und Verhaltensstörungen (in Prozent)
Wirtschaftszweige1) mit
überdurchschnittlichen AU-Tagen
aufgrund Psychische und
Verhaltensstörungen
Häufig eigene
Arbeit selbst planen
und einteilen
können
Häufig Einfluss
auf die
Arbeitsmenge haben
Häufig selbst
entscheiden, wann
Pause gemacht wird
Häufig gelingt es
bei der
Arbeitszeitplanung, auf
familiäre und private
Interessen Rücksicht zu
nehmen
Öffentliche Verwaltung,
Verteidigung und
Sozialversicherung
m 75,5 35,9 71,1 66,6
w 84,8 22,8 71,7 68,1
Ges 80,1 29,4 71,4 67,3
Gesundheits- und
Sozialwesen
m 75,0 45,1 55,5 57,4
w 68,5 35,0 44,4 56,8
Ges 70,1 37,5 47,1 56,9
Nahrung und
Genussmittel
m 56,1 29,2 63,6 51,9
w 50,3 24,0 43,1 56,8
Ges 53,0 26,4 52,6 54,5
Holz, Papier, Druck
m 57,7 39,5 55,6 52,7
w 63,6 16,0 54,5 64,3
Ges 59,1 34,0 55,4 55,5
Freiberufliche,
wissenschaftliche und
Technische Dienstleistungen
m 89,0 48,4 86,2 61,4
w 86,0 43,8 77,5 65,8
Ges 87,4 45,9 81,5 63,6
Herstellung von elektrischen
Ausrüstungen
m 64,6 32,5 54,5 57,5
w 71,0 35,4 59,4 73,9
Ges 66,1 33,1 55,6 61,2
Chemie
m 67,6 34,5 64,6 55,1
w 73,4 36,7 72,3 65,3
Ges 69,4 35,2 67,0 58,3
Gesamt (alle WZ)
m 67,9 37,3 60,6 56,2
w 71,1 32,3 54,6 60,8
Ges 69,3 35,1 57,9 58,2
1) Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ08).
Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012, eigene Berechnungen der BAuA; sortiert nach Tab. 1.
11. Welche der besonders von AU-Tagen betroffenen Branchen,
Tätigkeitsfelder und Berufsgruppen ist nach Kenntnis der Bundesregierung besonders
dadurch gekennzeichnet, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
regelmäßig Überstunden ansammeln oder Arbeit in die Freizeit verlagern?
Anhand der Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012 können
Aussagen zur durchschnittlichen Überstundenanzahl, nicht aber zur Regelmäßigkeit
von Überstunden oder zum Arbeiten von zu Hause aus gemacht werden. Zur
Berechnung der Überstundenanzahl wird die Differenz aus tatsächlicher und
vereinbarter Wochenarbeitszeit gebildet. Überstunden sind damit also definiert als die
r cksac e 18/8587 – 14 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Stunden, die eine Person über die vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit
hinaus arbeitet. Durchschnittlich werden etwa 7 Überstunden wöchentlich über alle
Branchen hinweg geleistet (Tabelle 4). Da sich die Überstunden nicht
gleichmäßig auf die Beschäftigten verteilen, ist in Tabelle 4 zusätzlich der Anteil derer, die
mehr als 2 Überstunden pro Woche angeben, ausgewiesen.
Tabelle 4: Überstunden für Wirtschaftszweige mit überdurchschnittlicher
Arbeitsunfähigkeit infolge von psychischen und Verhaltensstörungen
Wirtschaftszweige1) mit
überdurchschnittlichen AU-Tagen
infolge von psychischen und
Verhaltensstörungen
durchschnittliche
Anzahl an Überstunden
Anteil Erwerbstätiger
mit mehr als 2
Überstunden pro Woche
Öffentliche Verwaltung,
Verteidigung und
Sozialversicherung
m 6,5 33,0 %
w 5,0 28,4 %
Ges 5,8 30,7 %
Gesundheits- und
Sozialwesen
m 8,3 36,4 %
w 6,4 31,9 %
Ges 6,9 32,8 %
Nahrung und
Genussmittel
m 8,0 53,0 %
w 5,7 39,2 %
Ges 6,9 45,4 %
Holz, Papier, Druck
m 7,4 48,7 %
w 7,1 29,6 %
Ges 7,4 44,1 %
Freiberufliche,
wissenschaftliche und
technische Dienstleistungen
m 8,0 53,4 %
w 5,3 29,1 %
Ges 6,7 39,0 %
Herstellung von
elektrischen
Ausrüstungen
m 6,3 43,2 %
w 4,4 33,5 %
Ges 5,9 41,0 %
Chemie
m 5,8 37,8 %
w 5,4 37,9 %
Ges 5,7 37,8 %
Gesamt (alle WZ)
m 7,4 47,0 %
w 6,6 34,0 %
Ges 7,0 41,0 %
1) Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ08).
Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012, eigene Berechnungen der BAuA; sortiert nach Tab. 1.
12. Welche Rolle spielt nach Erkenntnissen der Bundesregierung die
wöchentliche Arbeitszeit bei der Entstehung von psychischen Erkrankungen?
Nach Auskunft der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sind
lange Arbeitszeiten mit einem erhöhten Risiko für psychische und körperliche
Erkrankungen verbunden.
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 15 – Drucksache 18/8587
13. Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen der Lage der
Arbeitszeit (insbesondere Nacht-, Wochenend-, Schichtarbeit), ihrer
Verdichtung und der Zunahme von psychischen Erkrankungen?
Die vorliegenden Studien zeigen nach Auskunft der Bundesanstalt für
Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit, dass Arbeit zu unüblichen Zeiten (wie etwa Nacht-,
Wochenend- oder Schichtarbeit) mit negativen Folgen für die Sicherheit, das
Wohlbefinden, die Gesundheit und das Gleichgewicht zwischen Berufs- und
Privatleben verbunden sind. Studien zu Abend- und Nachtschichtarbeit deuten
zudem auf ein erhöhtes Risiko für körperliche und psychische Erkrankungen hin.
Auch Abendarbeit stellt einen Risikofaktor für Beeinträchtigungsfreiheit und die
Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben dar.
Der Stressreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA
2012) zeigt die häufigsten psychischen Belastungen aus Arbeitsinhalt und -
organisation: verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig betreuen, starker Termin- und
Leistungsdruck, Arbeitsunterbrechungen sowie sehr schnell arbeiten müssen.
Diese Anforderungen können als Arbeitsverdichtung interpretiert werden.
Zusammenhänge von hohen quantitativen Anforderungen und gesundheitlichen
Beschwerden werden in zahlreichen Studien mit Längs- und Querschnittdesign
sowie anderen Studientypen dargestellt.
14. Welche Auswirkungen hat die zunehmende Entgrenzung der Arbeitszeit
(ständige Erreichbarkeit, mobiles Arbeiten) nach Einschätzung der
Bundesregierung auf die psychische Gesundheit von Beschäftigten, und inwiefern
sieht die Bundesregierung hier Handlungsbedarf?
Es gibt nach Auskunft der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Befunde, dass die ständige Erreichbarkeit und Arbeit außerhalb der regulären
Arbeitszeit mit Stresserleben, gesundheitlichen Beschwerden, einer reduzierten
Fähigkeit, von der Arbeit abzuschalten und einer verstärkten Beeinträchtigung des
Privatlebens durch die Arbeit verbunden ist.
Die Arbeitsorganisation sollte so gestaltet werden, dass die Vereinbarkeit von
Beruf und Privatleben als Ressource genutzt werden kann. Dazu zählen
insbesondere betriebliche Vereinbarungen, wie sie bspw. gegenwärtig im Rahmen des
INQA-Projektes MASTER erprobt werden (
www.erreichbarkeit.eu). Insgesamt
ist die Thematik auch Gegenstand des Dialogprozesses Arbeiten 4.0 des
Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Verbände, Institutionen und Unternehmen
sind eingeladen, sich am Diskurs zu beteiligen.
15. Welche weiteren Faktoren können nach Erkenntnissen der Bundesregierung
zur Entstehung von arbeitsbedingten psychischen Erkrankungen beitragen?
Zu einem Risikofaktor für die Entstehung psychischer Erkrankungen kann die
berufliche Tätigkeit dadurch werden, dass nicht ausreichende interne und/oder
externe Ressourcen zur Bewältigung der Aufgaben zur Verfügung stehen. Interne
Ressourcen zur Bewältigung beruflicher Anforderungen bilden zum einen die
individuelle berufliche Qualifikation und Leistungsfähigkeit und zum anderen die
psychische Konstitution in Verbindung mit sozialen Kompetenzen, wie z. B.
Kommunikationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen oder Durchsetzungsfähigkeit.
Externe Ressourcen können sowohl sozialer, materieller als auch
organisatorischer Natur sein. Ein sozial unterstützendes Verhalten von Vorgesetzen und
Kollegen ist hier ebenso von Bedeutung wie eine ergonomische Gestaltung der
Arbeitsumgebung, eine adäquate Strukturierung von Arbeitsaufgaben und
Arbeitsr cksac e 18/8587 – 16 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
zeit, ein angemessenes Verhältnis von Verantwortung und
Entscheidungsspielräumen, ein transparentes und angemessenes System von Leistungskontrolle und
Belohnung sowie die mittel- und langfristige Planbarkeit beruflicher Laufbahnen.
Ein erhöhtes Risiko der Entstehung einer psychischen Erkrankung ergibt sich vor
diesem Hintergrund, wenn die Anforderungen die Leistungsvoraussetzungen
übersteigen bzw. wenn Beschäftigte eine Diskrepanz zwischen den beruflichen
Anforderungen und den für die Bewältigung dieser Anforderungen notwendigen
Ressourcen wahrnehmen (BMAS, Ausschuss für Arbeitsmedizin: Psychische
Gesundheit im Betrieb. Arbeitsmedizinische Empfehlung, 2016, S. 16 f.).
16. Wie viele Personen sind in den Jahren 2013, 2014 und 2015 wegen
verminderter Erwerbsfähigkeit aufgrund von psychischen Erkrankungen vorzeitig
in die gesetzliche Rente eingetreten, und wie haben sich diese Zahlen in den
letzten 20 Jahren entwickelt (bitte nach Alter, Geschlecht, absoluten Zahlen
und Anteil an allen Renteneintritten aufschlüsseln)?
Die aktuellen Zahlen für den Rentenzugang 2015 liegen voraussichtlich im Juni
bzw. Juli 2016 vor. Die in der Vorbemerkung der Fragesteller zitierte Zahl von
Frühverrentungen aufgrund psychischer Erkrankungen im Jahr 2012 von 42,1
Prozent beruht auf der Abgrenzung nach ICD-10 F00-F99 „psychische Störungen
insgesamt“, d. h. einschließlich Sucht. In den zur Beantwortung der Frage
erstellten/herangezogenen Ergebnistabellen wurde die gleiche Abgrenzung verwendet.
Zur Beantwortung wird auf die Tabellen in der Publikation „Rentenversicherung
in Zeitreihen“ verwiesen, abrufbar unter
www.deutscherentenversicherung.de/
Allgemein/de/Inhalt/6_Wir_ueber_uns/03_fakten_und_zahlen/03_statistiken/02_
statistikpublikationen/03_rv_in_zeitreihen.pdf?__blob=publicationFile&v=17.
Darin sind folgende Ergebnistabellen enthalten:
Rentenzugänge in den letzten 20 Jahren, 1995–2014, wegen verminderter
Erwerbsfähigkeit nach ausgewählten Diagnosehauptgruppen mit Fallzahlen zu
den Rentenzugängen wegen verminderter Erwerbsfähigkeit wegen der
Diagnosehauptgruppe „Psychische Störungen“, mit einem Überblick über alle
Diagnosen sowie dem Anteilswert (jeweils differenziert nach Geschlecht) auf
S. 104.
Rentenzugänge in den Jahren 2005–2014 dem nach dem SGB VI wegen
verminderter Erwerbsfähigkeit, differenziert nach Altersgruppen und
Durchschnittsalter für Männer und Frauen auf S. 95.
Rentenzugänge in den Jahren 2005–2014 nach dem SGB VI wegen
verminderter Erwerbsfähigkeit, differenziert nach Altersgruppen und
Durchschnittsalter für Männer auf S. 96.
Rentenzugänge in den Jahren 2005–2014 nach SGB VI wegen verminderter
Erwerbsfähigkeit, differenziert nach Altersgruppen und Durchschnittsalter für
Frauen auf S. 97.
17. Wie viele Bezieherinnen und Bezieher von Erwerbsminderungsrente gab es
in den Jahren 2013, 2014 und 2015 wegen verminderter Erwerbsfähigkeit
aufgrund von psychischen Erkrankungen, und wie haben sich diese Zahlen
in den letzten 20 Jahren entwickelt (bitte nach Alter und Geschlecht
aufschlüsseln)?
Zu Frage 17 liegen der Bundesregierung keine Daten vor, da im Statistikdatensatz
zum Rentenbestand die Berentungsdiagnose nicht als Merkmal enthalten ist.
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 17 – Drucksache 18/8587
18. Welche Zahlen liegen der Bundesregierung zur Anzahl durchgeführter
Rehabilitationsmaßnahmen infolge von psychischen Erkrankungen in den
Jahren 2013, 2014 und 2015 vor, und wie haben sich diese Zahlen in den letzten
20 Jahren entwickelt (bitte nach Alter, Geschlecht, ambulant, teilstationär
und stationär aufschlüsseln)?
Hinsichtlich der durch die GKV geleisteten Rehabilitationsmaßnahmen liegen
nur für das Jahr 2014 Zahlen nach Diagnosen vor, da die KG-5-Statistik
(gesetzliche Krankenversicherung: Leistungsfälle und -tage von ambulanten und
stationären Kuren, Müttervorsorge- und Müttergenesungskuren, Krankengeld bei
Kuren) erst ab 2014 erweitert wurde. Es handelt sich um stationäre
Rehabilitationsleistungen. Es waren im Jahr 2014 763 Maßnahmen (siehe Tabelle). Die
Ergebnisse für 2015 liegen noch nicht vor.
Rehabilitationsfälle bei psychischen Erkrankungen 2014
Alter Anzahl der Fälle
bis 15 Jahre 6
über 15 bis 20 Jahre 45
über 20 bis 65 Jahre 541
über 65 Jahre 171
Insgesamt 763
Datenquelle: KG5
Im Hinblick auf die Rehabilitationsmaßnahmen, die von
Rentenversicherungsträgern geleistet wurden, wird auf die Tabellen in der Anlage verwiesen (s. S. 29 ff.,
alle Zahlen wurden bereits publiziert, vgl. Quellenangaben):
Arbeitsblatt 1 der Anlage:
Lange Zeitreihe (letzte 20 Jahre: 1995 bis 2014) mit den Angaben zu
abgeschlossenen Leistungen zur medizinischen Rehabilitation mit der 1. Diagnose
psychische Störungen, differenziert nach stationären bzw. ambulant und teilstationären
Leistungen sowie nach Geschlecht. Eine zusätzliche Differenzierung wurde
vorgenommen: psychische Erkrankungen ohne Suchterkrankungen und psychische
Erkrankungen mit Suchterkrankungen. Die Behandlung der Suchterkrankungen
erfolgt nach einem eigenen Konzept und Antragsverfahren und die Diagnosen aus
diesem Bereich werden in den Statistiken der Rentenversicherung gesondert
ausgewiesen.
Arbeitsblatt 2 der Anlage:
Zeitreihen von 2005 bis 2014, Angaben für Männer, differenziert nach
Diagnosegruppen (Psychische Erkrankungen mit/ohne Suchterkrankung, Drogen,
Alkohol) und Altersgruppen sowie nach stationären bzw. ambulanten und
teilstationären Leistungen.
Arbeitsblatt 3 der Anlage:
Zeitreihen von 2005 bis 2014, Angaben für Frauen, differenziert nach
Diagnosegruppen (Psychische Erkrankungen mit/ohne Suchterkrankung, Drogen,
Alkohol) und Altersgruppen sowie nach stationären bzw. ambulanten und
teilstationären Leistungen.
r cksac e 18/8587 – 18 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
19. Wie viele der Personen, welche in den Jahren 2013, 2014 und 2015 eine
Rehabilitationsmaßnahme aufgrund einer psychischen Erkrankung in Anspruch
genommen haben, konnten nach dem Kenntnisstand der Bundesregierung
nach der Rehabilitationsmaßnahme wieder ihre Erwerbstätigkeit aufnehmen
(bitte nach Alter und Geschlecht aufschlüsseln)?
Für die Antwort wird auf die nachfolgenden vier Graphiken zum
„Sozialmedizinischen Verlauf“ bei psychischen Erkrankungen (ohne Sucht) verwiesen:
Auswertung von 2013 (Reha-Ende in 2011)
Quelle: Statistiken der Deutsche Rentenversicherung, Grafiken selbst erstellt
Auswertung 2014 (Reha-Ende in 2012).
Quelle: Statistiken der Deutsche Rentenversicherung, Grafiken selbst erstellt
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 19 – Drucksache 18/8587
Aufgrund des DRV-internen Datenmeldeverfahrens können für das Jahr 2015
(Reha-Ende in 2013) noch keine Angaben gemacht werden.
Zur Interpretation des „Sozialmedizinischen Verlaufes“ (SMV) wird darauf
hingewiesen, dass keine direkte Befragung von Rehabilitanden bezüglich der
Wiederaufnahme ihrer Erwerbstätigkeit nach abgeschlossener Rehabilitation vorliegt.
Aus den Datensätzen der Deutschen Rentenversicherung ist ausschließlich die
Betrachtung der Wiederaufnahme einer (nicht einer spezifischen im Sinne von
„ihrer“) Erwerbstätigkeit möglich. Als Indikator für die Erwerbsfähigkeit der
Rehabilitanden wird der sozialmedizinische Verlauf im Anschluss an eine
Rehabilitationsleistung anhand der monatlich eingegangenen Beiträge zur
Rentenversicherung nachgezeichnet. Er gibt Auskunft darüber, wie viele Rehabilitanden in
einem bestimmten Zeitraum – zumeist zwei Jahre nach Rehabilitation – im
Erwerbsleben verbleiben konnten und wie viele aus dem Erwerbsleben
ausgeschieden sind.
Bei den im Erwerbsleben Verbliebenen (d. h. Beitragszahlern) wird zusätzlich
danach unterschieden, ob in dem betrachteten Zeitraum für jeden Monat Beiträge
zur Rentenversicherung gezahlt wurden („lückenlose Beiträge“) oder für
zumindest einen Monat keine Beiträge auf das Konto bei der Rentenversicherung
eingingen („lückenhafte Beiträge“). Die Unsicherheit für die Interpretation dieser
Betrachtung liegt u. a. darin, dass Beitragszahlungen aus versicherungspflichtiger
Beschäftigung, längerfristiger Arbeitsunfähigkeit (Krankengeld/Übergangsgeld)
oder Arbeitslosigkeit stammen können.
Bei den aus dem Erwerbsleben ausgeschiedenen Rehabilitanden unterscheidet
man Teilgruppen: Versicherte, die wegen geminderter Erwerbsfähigkeit oder aus
Altersgründen berentet werden, sowie solche, die aus dem Erwerbsleben heraus
versterben. In den sozialmedizinischen Verlauf geht also nicht die
Gesamtsterblichkeit ein, da bei dieser Auswertung in erster Linie das Rentengeschehen
interessiert. Grundlage für die Analysen ist die Reha-Statistik-Datenbasis (RSD), die
das Rehabilitations- und Berentungsgeschehen im Zeitverlauf wiedergibt.
Das Ergebnis des sozialmedizinischen Verlaufes ist ein Indikator für den Erfolg
der medizinischen Rehabilitation, wenn man bedenkt, dass vor der Rehabilitation
eine erheblich gefährdete oder sogar bereits geminderte Erwerbsfähigkeit vorlag.
20. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, in welchem
zeitlichen Umfang diese Personen ihre Erwerbstätigkeit im Anschluss an die
Rehabilitationsmaßnahme wieder aufgenommen haben (bitte nach Alter,
Geschlecht, ambulant, teilstationär und stationär aufschlüsseln)?
Die Frage kann nicht beantwortet werden, da im Statistikdatensatz der
Rentenversicherung keine Angaben zum zeitlichen Umfang gespeichert werden, sondern
nur der lückenlose, lückenhafte oder fehlende Eingang von
Sozialversicherungsbeiträgen bzw. der Status als Rentner (Alters- oder Erwerbsminderungsrente)
enthalten ist (siehe Antwort zu Frage 19).
21. Wie hoch waren laut Kenntnis der Bundesregierung die
volkswirtschaftlichen Ausfälle, welche durch AU-Tage aufgrund von psychischen
Erkrankungen in den Jahren 2013, 2014 und 2015 hervorgerufen wurden, und wie
haben sich diese Zahlen in den letzten 20 Jahren entwickelt?
Die hier dargestellten Kostenschätzungen entstammen dem Bericht der
Bundesregierung zum Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, in dem
jährlich Schätzungen der volkswirtschaftlichen Kosten vorgenommen werden. Die
r cksac e 18/8587 – 20 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
ersten Daten nach denselben Kriterien liegen für das Jahr 1999 vor, die letzten für
2014 (vgl. Tabelle 5).
Tabelle 5: geschätzte Produktionsausfallkosten und Ausfall an
Bruttowertschöpfung für AU-Tage aufgrund der Diagnosegruppe „Psychische und
Verhaltensstörungen“ in den angegebenen Jahren (nicht inflationsbereinigt)
Jahr
Arbeitsunfähigkeitstage Produktionsausfallkosten Ausfall an Bruttowertschöpfung
Millionen
Tage
Anteil an allen
Diagnosegruppen in %
in Milliarden € vom Bruttonational-einkommen in % in Milliarden €
vom
Bruttonationaleinkommen in %
1999* 25,7 5,4 2,2 0,1 3,5 0,2
2004 46,3 10,5 4,2 0,2 7,4 0,3
2009 52,4 11,4 4,9 0,2 8,5 0,4
2013 79,0 13,9 8,2 0,3 14,3 0,5
2014 79,3 14,6 8,3 0,3 13,1 0,5
Quelle: Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 1999, 2004, 2009, 2013, 2014
* Beträge in DM wurden in Euro umgerechnet
22. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur medizinisch nicht
indizierten Einnahme von leistungssteigernden Substanzen am Arbeitsplatz in
Deutschland vor,
a) in Bezug auf die Einnahme verschreibungspflichtiger psychoaktiver
Substanzen (v. a. Psychostimulanzien, Antidementiva) zur Verbesserung der
psychischen Leistungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit im Beruf
(sog. Neuroenhancer), und
b) in Bezug auf die Einnahme von psychoaktiven Substanzen (v. a.
Antidepressiva oder beta-Rezeptorenblocker) zur Verbesserung des psychischen
Wohlbefindens (z. B. Stimmungsaufhellung, Dämpfung von Anspannung
und Nervosität, Angstminderung, Antriebssteigerung) im Beruf?
Daten speziell für die Anwendung im Rahmen der Erwerbstätigkeit in
Deutschland liegen derzeit im Rahmen des DAK-Gesundheitsreports 2015 vor. Danach
haben 3,3 Prozent der Befragten schon einmal mit dem Ziel der
Leistungssteigerung verschreibungspflichtige Medikamente ohne medizinische Indikation
genommen oder tun das aktuell.
Nach dem DAK-Gesundheitsreport 2015 nutzten 4,7 Prozent pharmakologisches
Neuroenhancement mindestens einmal im Laufe ihres Lebens zur Verbesserung
der Stimmung oder zum Abbau von Ängsten und Nervosität.
Die DAK kommt in ihrem Report zu dem Schluss, dass pharmakologisches
Neuroenhancement weiterhin kein verbreitetes Phänomen ist.
Daneben hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2012 bis
2013 ein Forschungsprojekt zum Thema „Einfluss psychischer Belastungen am
Arbeitsplatz auf das Neuroenhancement – empirische Untersuchungen an
Erwerbstätigen“ durchgeführt. Die Ergebnisse wurden 2015 publiziert. Ziel war es,
festzustellen, wie häufig Neuroenhancement in der deutschen
Erwerbsbevölkerung auftritt und ob es durch Arbeitsbedingungen beeinflusst wird. Eine
repräsentative Stichprobe von über 4 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
aus vier Berufsgruppen, für die hohe Arbeitsanforderungen vermutet werden
können (Ärzte, Publizisten, IT-Programmierer und Werbefachleute), wurde dazu
interviewt. Etwa 1,3 Prozent der Befragten nahmen in einem Zeitraum von vier
Wochen mindestens einmal Präparate zum Neuroenhancement ein und 2,8
Prozent der Befragten in einem Zeitraum von einem Jahr. Auf die gesamte Lebenszeit
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 21 – Drucksache 18/8587
bezogen nehmen 8,3 Prozent der Befragten mindestens einmal Präparate ein. Ein
Vergleich dieser Daten mit Angaben aus anderen Studien gestaltet sich nach
Angaben der BAuA schwierig. Die umfangreiche Literaturanalyse der vorhandenen
Studien zum Neuroenhancement zeigt große Unterschiede hinsichtlich der
Prävalenzraten, da die Untersuchungen häufig auf verschiedenen Erhebungs- und
Messmethoden basieren und unterschiedliche Zielgruppen, Stichproben und
Stichprobengrößen einbeziehen.
In den qualitativen Tiefeninterviews wurde deutlich, dass die Medikamente nicht
regelmäßig, sondern punktuell bei hohen Arbeitsbelastungen eingenommen
wurden. Der Leistungserhalt, nicht aber die Leistungssteigerung war die wesentliche
Motivation für das Neuroenhancement.
23. Inwieweit haben sich nach Angaben der Bundesregierung die
Rahmenbedingungen für die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) seit dem
Inkrafttreten des Präventionsgesetzes 2015 verbessert?
Mit dem Präventionsgesetz vom 17. Juli 2015 wurden die Rahmenbedingungen
für die Unterstützung von Unternehmen bei der betrieblichen
Gesundheitsförderung verbessert.
Seit dem Jahr 2016 können mehr Betriebe als bisher mit Leistungen der
Krankenkassen zur Gesundheitsförderung unterstützt werden, da die Krankenkassen
verpflichtet wurden, ihre Aufwendungen für Leistungen zur Gesundheitsförderung
deutlich zu erhöhen. Seit dem 1. Januar 2016 müssen die Krankenkassen
mindestens 2 Euro jährlich für jeden ihrer Versicherten für Leistungen zur betrieblichen
Gesundheitsförderung aufwenden (§ 20 Absatz 6 Satz 2 SGB V). Ausgehend von
dem durchschnittlichen Ausgabewert der Krankenkassen für Leistungen zur
betrieblichen Gesundheitsförderung des Jahres 2015, der nach den vorläufigen
Finanzergebnissen der Krankenkassen im Jahr 2015 rund 1,07 Euro je Versicherten
betrug, werden die Aufwendungen der Krankenkassen für diese Leistungen ab
dem Jahr 2016 nahezu verdoppelt. Zudem wurden alle Krankenkassen
verpflichtet, in ihren Satzungen Boni als Anreize für Unternehmen und ihre Beschäftigten
vorzusehen, wenn der Arbeitgeber Maßnahmen zur betrieblichen
Gesundheitsförderung durchführt. Um den Zugang zu den Leistungen der Krankenkassen zu
erleichtern, sind die Krankenkassen ebenfalls seit dem 1. Januar 2016
verpflichtet, den Unternehmen unter Nutzung bestehender Strukturen und unter
Beteiligung örtlicher Unternehmensorganisationen in gemeinsamen regionalen
Koordinierungsstellen Beratung und Unterstützung anzubieten (§ 20b Absatz 3 SGB V).
Dies umfasst insbesondere die Information über die Leistungen zur betrieblichen
Gesundheitsförderung sowie die Klärung der Krankenkasse, die im Einzelfall
Leistungen im Betrieb initiiert.
Die mit § 20b SGB V neu gefasste Legaldefinition der Leistungen zur
betrieblichen Gesundheitsförderung unterstützt die Qualität der Leistungen der
Krankenkassen, indem § 20b Absatz 1 Satz 1 SGB V festlegt, dass die Leistungen
insbesondere dem Aufbau und der Stärkung gesundheitsförderlicher Strukturen
dienen. Isolierte Einzelmaßnahmen, und insbesondere solche, die nicht an die
spezifische gesundheitliche Situation im Betrieb ausgerichtet sind, können
grundsätzlich nicht unterstützt werden. § 20b SGB V definiert die betriebliche
Gesundheitsförderung vielmehr als einen ganzheitlichen, systematischen Prozess, in dem
auf der Grundlage einer Beurteilung der gesundheitlichen Situation der
Beschäftigten, einschließlich der Risiken und Potenziale, unter Beteiligung der
Versicherten und der Verantwortlichen für den Betrieb sowie der Betriebsärztinnen und
r cksac e 18/8587 – 22 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Betriebsärzte und der Fachkräfte für Arbeitssicherheit Vorschläge zur
Verbesserung der gesundheitlichen Situation sowie zur Stärkung der gesundheitlichen
Ressourcen und Fähigkeiten ermittelt werden. Die darauf aufbauenden
Unterstützungsleistungen der Krankenkassen sind nach dem mit dem Präventionsgesetz
neu gefassten § 20c Absatz 1 Satz 1 SGB V in Abstimmung mit den Trägern der
gesetzlichen Unfallversicherung auf spezifische arbeitsbedingte
Gesundheitsgefahren auszurichten. Zur Verbesserung der Qualität von Leistungen zur
individuellen, verhaltensbezogenen Prävention der Krankenkassen, die im Rahmen der
betrieblichen Gesundheitsförderung erbracht werden, wurde zudem mit § 20b
Absatz 1 Satz 3 SGB V sichergestellt, dass auch diese nur dann erbracht werden
können, wenn deren Qualität in einem vom Spitzenverband Bund der
Krankenkassen nach § 20 Absatz 2 Satz 2 SGB V festgelegten Verfahren zertifiziert
wurde. Die damit einhergehende, nach § 20 Absatz 2 Satz 3 SGB V vorgesehene
zentrale Veröffentlichung der zertifizierten Leistungen wird den Zugang der
Unternehmen auch zu derartigen Leistungen erleichtern. Darüber hinaus vereinfacht
die mit der Zertifizierung von Leistungen zur betrieblichen Gesundheitsförderung
festgestellte Qualität, Zweckbindung und Zielgerichtetheit die Anwendung des
§ 3 Nummer 34 des Einkommensteuergesetzes (EStG), der die Steuerfreistellung
von entsprechenden Leistungen des Arbeitgebers regelt.
Die verbindlich vorgesehene Beteiligung der Betriebsärztinnen und Betriebsärzte
sowie der Fachkräfte für Arbeitssicherheit an der Entwicklung und Umsetzung
von Leistungen zur Gesundheitsförderung im Betrieb wird dazu beitragen, die
betriebsspezifische gesundheitliche Situation besser erfassen und die darauf
aufbauenden Maßnahmen und Leistungen an den arbeitsbedingten
Gesundheitsgefahren ausrichten zu können. Da sich Betriebe auch als Zugangswege zur
Erreichung von Versicherten für Leistungen zum Schutz vor übertragbaren
Erkrankungen eignen, wurde mit der durch das Präventionsgesetz geänderten Fassung
des § 132e Absatz 1 Satz 1 und 2 SGB V zudem festgelegt, dass die
Krankenkassen oder ihre Verbände mit Betriebsärztinnen und Betriebsärzten sowie
Fachärztinnen und Fachärzten für Arbeitsmedizin und Ärztinnen und Ärzten mit der
Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin“, die nicht an der vertragsärztlichen
Versorgung teilnehmen, Vereinbarungen über die Versorgung mit allgemeinen
Schutzimpfungen schließen. Darüber hinaus wurden die Krankenkassen und ihre
Verbände nach § 132f SGB V ermächtigt, in Ergänzung zur vertragsärztlichen
Versorgung mit Betriebsärztinnen und Betriebsärzten Verträge über die
Durchführung von Gesundheitsuntersuchungen nach § 25 Absatz 1 SGB V zu schließen,
soweit diese in Ergänzung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge erbracht werden.
Schließlich wurden mit dem Präventionsgesetz die Rahmenbedingungen für eine
verbindliche Form der Zusammenarbeit insbesondere der beteiligten
Sozialversicherungsträger und der Koordination deren Leistungen geschaffen. So hat die mit
dem Präventionsgesetz geschaffene Nationale Präventionskonferenz als
Arbeitsgemeinschaft der Spitzenorganisationen der Träger der gesetzlichen
Krankenversicherung, der sozialen Pflegeversicherung, der gesetzlichen Unfallversicherung
und der Träger der gesetzlichen Rentenversicherung unter Beteiligung von
Vertreterinnen und Vertretern des Bundes und der Länder, der kommunalen
Spitzenverbände, der Bundesagentur für Arbeit, der Sozialpartner, der
Interessenvertretungen der Patientinnen und Patienten sowie der Bundesvereinigung Prävention
und Gesundheitsförderung am 19. Februar 2016 erstmals bundeseinheitliche,
trägerübergreifende Bundesrahmenempfehlungen zur Gesundheitsförderung in
Lebenswelten und Betrieben verabschiedet und gemeinsam das Ziel „Gesund leben
und arbeiten“ definiert. Die Bundesrahmenempfehlungen schaffen Transparenz
über die Kompetenzen und Zuständigkeiten der einzelnen Sozialversicherungs-
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 23 – Drucksache 18/8587
träger und bieten Hinweise zur Umsetzung, zu Instrumenten und zu
Möglichkeiten des Zugangs. Hervorzuheben ist die erstmalige Beschreibung eines
trägerübergreifenden Aufgabenverständnisses auch in der Prävention und
Gesundheitsförderung im Arbeitsleben, das die Aspekte Gesundheit, Sicherheit und Teilhabe
umfasst. Die Krankenkassen sowie die Träger der gesetzlichen
Unfallversicherung und die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung haben sich darauf
verständigt, die Betriebe dabei zu unterstützen, den gesetzlichen Arbeitsschutz, das
betriebliche Eingliederungsmanagement und die betriebliche
Gesundheitsförderung innerbetrieblich systematisch zu institutionalisieren und miteinander zu
verzahnen.
24. Inwieweit sind nach dem Kenntnisstand der Bundesregierung seit dem
Inkrafttreten des Präventionsgesetzes Maßnahmen der betrieblichen
Gesundheitsförderung – vor allem auch mit dem Fokus auf die psychische
Gesundheit am Arbeitsplatz – in Klein- und Mittelunternehmen auf den Weg
gebracht worden?
25. Inwieweit sind nach dem Kenntnisstand der Bundesregierung seit dem
Inkrafttreten des Präventionsgesetzes Maßnahmen der betrieblichen
Gesundheitsförderung – vor allem auch mit dem Fokus auf die psychische
Gesundheit von Frauen am Arbeitsplatz – in Klein- und Mittelunternehmen auf den
Weg gebracht worden?
Die Fragen 24 und 25 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Detaillierte Angaben über die mit Leistungen der Krankenkassen zur
betrieblichen Gesundheitsförderung seit dem Inkrafttreten des Präventionsgesetzes
erreichten Unternehmen liegen nicht vor. Der vom GKV-Spitzenverband
gemeinsam mit dem Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der
Krankenkassen jährlich auf freiwilliger Basis erscheinende Präventionsbericht für das
Berichtsjahr 2015 liegt ebenfalls noch nicht vor.
26. Inwiefern sind nach Kenntnis der Bundesregierung spezialisierte
Präventionsprogramme für das Gesundheitswesen sowie die öffentliche Verwaltung
als in zurückliegenden Jahren als besonders von AU-Tagen betroffen
identifizierte Branchen (s. z. B. AU-Daten der DAK-Gesundheit 2012) auf den
Weg gebracht worden?
Viele Aktivitäten zu Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung sind
schon vor dem Inkrafttreten des Präventionsgesetzes initiiert worden. Im Rahmen
des Projektes „Modellprogramm zur Bekämpfung arbeitsbedingter
Erkrankungen“ hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) seit 1993
Präventionsprojekte in besonders belasteten Branchen und Berufen gefördert. Im
Gesundheitswesen gab es Projekte zu den Themen „Pflege/Altenpflege“ und
„Demografischer Wandel in der Pflege“ (
www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/
Modellprogramm/Schwerpunktthemen.html). Im Rahmen der „Initiative Neue
Qualität der Arbeit“ hat sich die „Offensive Gesund Pflegen“ etabliert, die seit
ca. zehn Jahren den Transfer des vorhandenen Wissens über
gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen in der Pflege in die Einrichtungen vor Ort mit dem
Ziel, die Gesundheit der Pflegekräfte zu erhalten und zu fördern, transferiert
(
www.inqa.de/DE/Mitmachen-Die-Initiative/Unser-Netzwerk/Partnernetzwerke/
Netzwerke/Offensive-Gesund-Pflegen.html).
r cksac e 18/8587 – 24 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Das Projekt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ entwickelt derzeit im
Rahmen der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ Lösungen für Klein- und
Mittelbetriebe im Handwerk, im Gastgewerbe und in der Pflege.
Die von Krankenkassen unterstützte betriebliche Gesundheitsförderung hat sich
in den einzelnen Branchen in unterschiedlichem Maße etabliert. Mögliche
Gründe hierfür sind unterschiedliche strukturelle Bedingungen, Ressourcen und
individuelle Bedarfe der gesundheitsförderlichen Maßnahmen in Betrieben. Laut
dem Präventionsbericht 2015 (Berichtsjahr 2014) des GKV-Spitzenverbandes
und des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen
fördern die Krankenkassen mit 36 Prozent am häufigsten Maßnahmen im
verarbeitenden Gewerbe, darauf folgen das Gesundheits- und Sozialwesen mit 18
Prozent, das Dienstleistungsgewerbe mit 15 Prozent und die öffentliche Verwaltung
mit 10 Prozent. Dieses Verhältnis ist seit mehreren Jahren konstant.
Für den Bereich der Bundesverwaltung wird seit 1996 jährlich der
Gesundheitsförderungsbericht der Bundesregierung herausgegeben, in dem die AU-Tage
systematisch ausgewertet werden. In diesen Berichten werden die relevanten
Publikationen, u. a. auch von AOK, DAK und TK, hinsichtlich ihrer Relevanz für die
Bundesverwaltung ausgewertet. Um zielgerichteter die Gesundheit fördern zu
können, wurde mit der „Gemeinsamen Initiative zur Förderung des
Gesundheitsmanagements in der Bundesverwaltung“ vom 10. Dezember 2009 über diese
monopolare Auswertung hinausgegangen und in der Arbeitsgruppe des
Demografiedialogs „Der öffentliche Dienst als attraktiver und moderner Arbeitgeber“ im Mai
2014 „Eckpunkte für ein betriebliches Gesundheitsmanagement“ konsentiert. Ein
wichtiger Schritt im Gesundheitsmanagement ist eine umfassende
Situationsanalyse in den Dienststellen. Über die begrenzte Aussagekraft einer AU-Auswertung
hinaus werden so besondere Belastungen erkennbar und können geeignete
Maßnahmen abgeleitet werden.
27. Inwieweit haben sich durch das Präventionsgesetz nach Auffassung der
Bundesregierung die Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung mit
den Maßnahmen des Arbeitsschutzes besser verzahnt, und anhand welcher
Kriterien macht die Bundesregierung eine eventuelle Verbesserung fest?
Das Präventionsgesetz legt einen Schwerpunkt auf die Verzahnung von
betrieblicher Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz. Ein erster wichtiger Schritt sind
die unter Einbeziehung auch der für den Arbeitsschutz zuständigen obersten
Landesbehörden von der Nationalen Präventionskonferenz am 19. Februar 2016
erstmals vereinbarten bundeseinheitlichen, trägerübergreifenden
Rahmenempfehlungen zu Gesundheitsförderung und Prävention (vgl. auch die Antwort zu
Frage 23). Die dort getroffenen Festlegungen zu dem gemeinsamen Ziel „Gesund
leben und arbeiten“ sind im Laufe des Jahres durch die
Landesrahmenvereinbarungen nach § 20f SGB V umzusetzen. Hervorzuheben ist insbesondere das in
den Bundesrahmenempfehlungen vereinbarte Ziel, den gesetzlichen
Arbeitsschutz, das betriebliche Eingliederungsmanagement und die betriebliche
Gesundheitsförderung innerbetrieblich systematisch zu institutionalisieren und
miteinander zu verzahnen. Die im Weiteren von der Nationalen Präventionskonferenz
vereinbarten Regelungen über wechselseitige Information, Abstimmung und
Zusammenarbeit fördert die Verzahnung der Präventionsleistungen der Krankenkassen
mit den Leistungen der Träger der gesetzlichen Renten- und der
Unfallversicherung sowie der Akteure des Arbeitsschutzes. So sind etwa von den
Krankenkassen bei der Erbringung von Leistungen zur betrieblichen Gesundheitsförderung
die Ergebnisse vorliegender Gefährdungsbeurteilungen nach dem Arbeitsschutz-
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 25 – Drucksache 18/8587
gesetz und der DGUV-Vorschrift 1 (Grundsätze der Prävention) zu
berücksichtigen. Die Krankenkassen wurden mit dem durch das Präventionsgesetz
eingefügten § 20b Absatz 2 SGB V verpflichtet, in Abstimmung mit den Trägern der
gesetzlichen Unfallversicherung sowie mit den für den Arbeitsschutz zuständigen
Landesbehörden auf spezifisch arbeitsbedingte Gesundheitsrisiken ausgerichtete
Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu erbringen. Darüber
hinaus müssen die Krankenkassen nach § 20c SGB V die Unfallversicherungsträger
über die Erkenntnisse, die sie über die Zusammenhänge zwischen Erkrankungen
und Arbeitsbedingungen gewonnen haben, informieren. Einer engeren
Verzahnung von betrieblicher Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz dient außerdem
§ 20 Absatz 2 und 3 SGB V, wonach der Spitzenverband Bund der
Krankenkassen bei der Entwicklung einheitlicher Handlungsfelder und Kriterien für die
Leistungen der Krankenkassen zur primären Prävention und Gesundheitsförderung
auch arbeitsmedizinischen Sachverstand einbeziehen und die von der Nationalen
Arbeitsschutzkonferenz im Rahmen der gemeinsamen deutschen
Arbeitsschutzstrategie entwickelten Arbeitsschutzziele berücksichtigen soll.
28. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung in den letzten zehn Jahren
ergriffen, um auf Seite der Arbeitgeber ein Bewusstsein für den Einfluss der
Arbeitsbedingungen auf die psychische Gesundheit von Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmern zu schaffen und sie dazu anzuhalten, Risikofaktoren
(vgl. Frage 10 bis 14) möglichst zu vermeiden?
Gemeinsam mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und
dem Deutschen Gewerkschaftsbund hat das BMAS 2013 eine „Gemeinsame
Erklärung zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt“ veröffentlicht. Inhalt ist
ein gemeinsames Grundverständnis von Arbeitsgestaltung und Prävention von
Gesundheitsrisiken durch psychische Belastungen sowie der Verbesserung der
Wiedereingliederung psychisch Erkrankter.
Der Erhalt der psychischen Gesundheit bei der Arbeit als ein zentrales
Arbeitsschutzthema ist Schwerpunkt in der Gemeinsamen Deutschen
Arbeitsschutzstrategie (GDA). Die Träger der GDA, Bund, Länder und Unfallversicherungsträger,
arbeiten hier eng mit den Sozialpartnern zum Ziel „Schutz und Stärkung der
Gesundheit bei arbeitsbedingten psychischen Belastungen“ zusammen. Aus dieser
Verantwortung heraus besteht ein starkes Interesse daran, den Betrieben, wie
auch den betrieblichen- und überbetrieblichen Arbeitsschutzakteuren,
Handlungswissen für den Umgang mit psychischen Belastungen und für die Gestaltung
menschengerechter Arbeitsbedingungen zur Verfügung zu stellen. Beide
Sozialpartner haben es übernommen, ihre jeweiligen Adressatengruppen, Arbeitgeber
und Management durch Arbeitgeberverbände und Betriebsräte und Beschäftigte
durch die Gewerkschaften, für die notwendigen Gestaltungs- und
Innovationsprozesse zu gewinnen und entsprechende Informationen zu erarbeiten. Sie leisten
damit einen wesentlichen Beitrag für die erfolgreiche und wirksame Umsetzung
der Programminhalte in den Betrieben. Das Arbeitsprogramm informiert,
sensibilisiert und motiviert Betriebe und Beschäftige. Um Gesundheitsstörungen und
psychische Erkrankungen im Betrieb zu vermeiden, unterstützt das
Arbeitsprogramm Psyche die Unternehmen bei der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen.
Hierzu werden flächendeckende Angebote wie z. B. die „Empfehlungen zur
Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen“ und Instrumente
entwickelt, die Betrieben und Beschäftigten ein frühzeitiges Erkennen von
psychischen Risikofaktoren leichter machen sollen. Betriebliche und
überbetriebliche Akteure im Arbeits-und Gesundheitsschutz werden zu diesem Thema
qualifiziert.
r cksac e 18/8587 – 26 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Mit dem Projekt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ (psyGA) der
„Initiative Neue Qualität der Arbeit“ wird das bereits vorhandene Wissen zum Thema
„psychische Gesundheit“ für die verschiedenen Bereiche der Arbeitswelt
aufbereitet und mit Hilfe erfahrener Kooperationspartner bekannt gemacht. Im Projekt
werden u. a. Maßnahmen und Materialien entwickelt, um Entscheidungsträger
und wichtige Multiplikatoren für das Thema zu sensibilisieren. Ziel ist es,
Führungskräfte und Mitarbeitende von Unternehmen ebenso wie
Sicherheitsfachkräfte und Betriebsratsvertreter aktuell zu informieren, zielgerichtet in die
Thematik einzuführen und Handlungshinweise zu geben. Den Nutzern sollen
Bewusstsein und Sensibilität für das Problem „psychosoziale Gesundheit“
nahegebracht und praxisnahe Lösungen für das individuelle Handeln vermittelt werden.
Auf der psyGA-Website wird dazu Unterstützung in Form von konkreten
Lösungsansätzen mit Hilfe nachahmenswerter Praxisbeispiele angeboten.
Der Ausschuss für Arbeitsmedizin (AfAMed) beim BMAS hat 2011 erstmals eine
arbeitsmedizinische Empfehlung „Psychische Gesundheit im Betrieb“ erarbeitet,
die das BMAS veröffentlicht hat. Dieses gemeinsame Konzept der Sozialpartner,
Länder, Unfallversicherungsträger, der Bundesärztekammer und hochrangiger
Praktiker und Wissenschaftler der Arbeitsmedizin richtet sich an Arbeitgeber und
Betriebsärzte und beschreibt, welchen Beitrag Betriebsärzte zum Erhalt und zur
Wiederherstellung der psychischen Gesundheit der Beschäftigten leisten können.
Gängige wissenschaftliche Hypothesen und Modelle vermitteln Lösungsoptionen
für die Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen.
29. Sieht die Bundesregierung im Hinblick auf die Vermeidung der o. g.
Risikofaktoren (Frage 10 bis 14) gesetzgeberischen Handlungsbedarf, und falls ja,
welchen?
Falls nein, wieso nicht?
Die Bundesregierung misst dem Schutz der Beschäftigten vor Gefahren durch
psychische Belastungen am Arbeitsplatz eine wichtige Bedeutung zu. Im
Arbeitsschutzgesetz wurde bereits klargestellt, dass der Gesundheitsbegriff auch die
psychische Gesundheit umfasst und Gesundheitsgefährdungen auch durch
psychische Belastungen entstehen können. Psychische Belastungen wurden bereits in
mehreren Arbeitsschutzverordnungen als ein zu berücksichtigender
Gefährdungsfaktor aufgenommen. Im Koalitionsvertrag 2013 ist ferner festgelegt, dass
eine wissenschaftliche Standortbestimmung erfolgt, die gleichzeitig eine
fundierte Übersicht über psychische Belastungsfaktoren in der Arbeitswelt gibt und
Handlungsoptionen für notwendige Regelungen aufzeigt. Im Lichte weiterer
Erkenntnisse werden insoweit auch verbindliche Regelungen in Form einer
eigenständigen Verordnung nicht ausgeschlossen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz
und Arbeitsmedizin (BAuA) führt im Auftrag des BMAS diese wissenschaftliche
Standortbestimmung durch und arbeitet hierzu den aktuellen Wissensstand
systematisch auf, um im Dialog mit Wissenschaft, Sozialpartnern und Ländern zu
konkreten Handlungsempfehlungen zu kommen.
30. Hält die Bundesregierung es für sinnvoll, Psychotherapeuten nach § 25
Absatz 1 Satz 1 und 3 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch weiter von
Gesundheitsuntersuchungen und Empfehlungen von Präventionsangeboten
auszuschließen, und falls ja, wie begründet sie dies?
Die Gesundheitsuntersuchung nach § 25 SGB V soll neben Maßnahmen zur
Früherkennung von Krankheiten auch die Erfassung und Bewertung des individuellen
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 27 – Drucksache 18/8587
gesundheitlichen Risikoprofils einschließen. Die konkrete inhaltliche und
strukturelle Ausgestaltung erfolgt durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA),
der bei Vorliegen entsprechender wissenschaftlicher Erkenntnisse auch den
Einbezug von Maßnahmen zur Erfassung psychischer Risiken beschließen kann.
Da es sich bei der Gesundheitsuntersuchung nach § 25 SGB V um eine
fachbereichsübergreifende Querschnittsuntersuchung handelt, ist sie auf die
primärärztliche Tätigkeit ausgerichtet und wird in der Regel vom Hausarzt als erstem
Ansprechpartner und Lotsen durchgeführt. Bei Vorliegen entsprechender Befunde
oder Risiken kann dieser eine fachspezifische ärztliche oder
psychotherapeutische Diagnostik und Behandlung veranlassen.
Ungeachtet dessen hat jeder Versicherte bereits heute das Recht, einen
Psychotherapeuten zur Diagnostik und Behandlung bei psychischen Beschwerden
unmittelbar und unabhängig von der Gesundheitsuntersuchung nach § 25 SGB V
aufzusuchen.
r cksac e 18/8587 – 28 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
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Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken,
www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim,
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ISSN 0722-8333]