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Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Frauenkarrieren in der Bundeswehr

Berufserwartungen als Soldatin, differenzierte und vergleichende Zahlenangaben zum persönlichen Hintergrund der Bewerbungen (Durchschnittsalter, regionale Herkunft, Familienstand, Bildungsabschluss), Ausbildungsinteresse und Verwendungsinteresse und ihre Erfüllung, Verpflichtungszeiten und Beendigungsgründe, Zahlenangaben und Hinderungsgründe zur Übernahmen als Berufssoldatinnen, Soldatinnen im Auslandseinsatz, Angebote des Berufsförderdienstes<br /> (insgesamt 31 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium der Verteidigung

Datum

25.07.2016

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/898322.06.2016

Frauenkarrieren in der Bundeswehr

der Abgeordneten Doris Wagner, Agnieszka Brugger, Dr. Tobias Lindner, Ulle Schauws, Annalena Baerbock, Marieluise Beck (Bremen), Dr. Franziska Brantner, Uwe Kekeritz, Tom Koenigs, Omid Nouripour, Cem Özdemir, Claudia Roth (Augsburg), Manuel Sarrazin, Dr. Frithjof Schmidt, Jürgen Trittin, Katja Dörner, Kai Gehring, Tabea Rößner, Elisabeth Scharfenberg und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Die Bundesministerin der Verteidigung, Dr. Ursula von der Leyen, hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Soldatinnen in der Bundeswehr durch gezielte Maßnahmen, etwa zur besseren Vereinbarkeit von Dienst und Familie oder zur beruflichen Förderung von Frauen, deutlich zu erhöhen. Nicht ohne weiteres erkennbar ist dabei, auf welcher Grundlage diese Maßnahmen entwickelt worden sind: Zwar gibt die Bundesregierung im Vierten Erfahrungsbericht zum Soldatinnen- und Soldatengleichstellungsgesetz einen Überblick darüber, wie stark Frauen in den einzelnen Bereichen der Streitkräfte der Bundeswehr mittlerweile vertreten sind. Nach wie vor fehlt aber eine gründliche Analyse, welche Frauen sich tatsächlich entscheiden, Soldatin zu werden. Zu wenig bekannt ist bisher auch darüber, welchen Weg die „typische Soldatin“ in der Bundeswehr einschlägt und aus welchen Gründen Soldatinnen an bestimmten Stufen der Karriereleiter hängen bleiben. Nur auf Grundlage eines solchen umfassenden Bildes ist es jedoch möglich, geeignete Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in der Bundeswehr insgesamt und in Führungspositionen insbesondere zu entwickeln und durchzusetzen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen31

1

Verfügt die Bundesregierung über aktuelle Erkenntnisse darüber, aus welchen Motiven und mit welchen Erwartungen sich Frauen für den Beruf der Soldatin entscheiden, und falls ja, bestehen hierbei Unterschiede zu den Motiven und Erwartungen von Männern?

2

Wie viele Frauen haben sich im Jahr 2015 um eine Einstellung in den Streitkräften der Bundeswehr beworben, und welchen prozentualen Anteil hatten die Bewerberinnen damit am Gesamtaufkommen der Bewerbungen (bitte nach Laufbahngruppe und Organisationsbereich differenzieren)?

3

Wie hoch lag der Prozentsatz derjenigen Frauen, die im Jahr 2015 tatsächlich eingeplant wurden, am Gesamtaufkommen der Bewerberinnen (bitte nach Laufbahngruppe und Organisationsbereich differenzieren)?

4

Wie hoch lag dieser Prozentsatz jeweils bei den männlichen Bewerbern (bitte nach Laufbahngruppe und Organisationsbereich differenzieren)?

5

Welche konkreten Gründe führen nach Einschätzung der Bundesregierung am häufigsten dazu, dass Bewerberinnen den Eignungstest im Bewerbungsverfahren nicht bestehen?

6

Wie verteilten sich die Bewerberinnen um eine Einstellung in den Streitkräften der Bundeswehr im Jahr 2015 auf die 16 Bundesländer?

7

Wie verteilten sich die tatsächlich eingeplanten Frauen im Jahr 2015 auf die 16 Bundesländer?

8

Welches Durchschnittsalter wiesen die Bewerberinnen um eine Einstellung in den Streitkräften der Bundeswehr im Jahr 2015 auf, und welches die Bewerber (bitte nach Laufbahnen aufschlüsseln)?

9

Wie viel Prozent der Bewerberinnen um eine Einstellung in den Streitkräften waren zum Zeitpunkt der Bewerbung verheiratet, und wie viel Prozent waren es bei den Bewerbern?

10

Wie viel Prozent der Bewerberinnen hatten mindestens ein Kind?

11

Wie viel Prozent der Bewerber und wie viel Prozent der Bewerberinnen verfügten jeweils über

a) keinen Schulabschluss,

b) einen Hauptschul- oder Realschulabschluss,

c) Abitur oder Fachabitur,

d) einen Bachelorabschluss,

e) einen Masterabschluss,

f) eine abgeschlossene Berufsausbildung?

12

Welche von der Bundeswehr angebotenen Berufsausbildungen stießen bei den Bewerberinnen, die über einen Haupt- oder Realschulabschluss verfügten, auf das größte Interesse?

13

Welche militärischen Verwendungen stießen bei den Bewerberinnen im Jahr 2015 auf das größte Interesse (bitte nach Organisationsbereichen ausweisen):

a) bei denjenigen Frauen, die sich für die Offizierslaufbahn bewarben,

b) bei denjenigen Frauen, die die Unteroffizierslaufbahn einschlagen wollten,

c) bei denjenigen Frauen, die sich für die Mannschaftslaufbahn bewarben?

14

In wie vielen Fällen konnte der konkrete Verwendungswunsch erfüllt werden (bitte in Prozent nach Laufbahnen ausweisen)?

15

Welches waren die häufigsten Gründe, weshalb konkreten Verwendungswünschen der Bewerberinnen nicht entsprochen werden konnte?

16

Wie hoch war die Zahl derjenigen Frauen, die eine von Seiten der Bundeswehr angebotene Einplanung abgelehnt und ihre Bewerbung zurückgezogen haben, nachdem ihr konkreter Verwendungswunsch bzw. ihre Wunsch-Ausbildung nicht erfüllt werden konnte?

17

Für welche Dienstzeit haben sich die Soldatinnen auf Zeit, die von 2012 bis 2015 eingeplant wurden, durchschnittlich verpflichtet, und wie lang ist die entsprechende durchschnittliche Verpflichtungszeit bei den Männern?

18

Wie viele Soldatinnen auf Zeit in den Laufbahnen der Mannschaften, Unteroffiziere oder Offiziere, die zwischen den Jahren 2012 und 2015 eingeplant wurden, haben die Bundeswehr während der ersten sechs Monate wieder verlassen, und wie viele waren es bei den Soldaten?

19

Welche waren dabei die am häufigsten genannten Gründe (bitte nach Männern und Frauen differenzieren)?

20

Wie viel Prozent der Soldatinnen auf Zeit in den Laufbahnen der Offiziere und Feldwebel haben in den Jahren 2011, 2012, 2013 und 2015 einen Antrag auf Übernahme in das Dienstverhältnis einer Berufssoldatin gestellt (Bewerberquote, bitte nach Uniformträgerbereichen differenzieren)?

21

Wie viel Prozent dieser Bewerberinnen wurden im Jahr 2015 zu einer Auswahlkonferenz eingeladen?

22

Wie hoch lag die entsprechende Bewerberquote bei den männlichen antragsberechtigten Soldaten auf Zeit in den Laufbahnen der Offiziere und Feldwebel, und wie hoch war hier der Prozentsatz derjenigen, die im Jahr 2015 zur Auswahlkonferenz eingeladen wurden?

23

Wie hoch war im Jahr 2015 jeweils der Anteil der tatsächlich als Berufssoldatin oder Berufssoldat übernommenen Bewerberinnen und Bewerber (Übernahmequote, bitte nach Uniformträgerbereich und Laufbahn differenzieren)?

24

Worauf ist nach Ansicht der Bundesregierung die Tatsache zurückzuführen, dass die Übernahmequote bei den Bewerberinnen für die Übernahme in das Dienstverhältnis eines Berufsoffiziers ausgerechnet im Bereich der Sanität seit dem Jahr 2012 eklatant niedriger liegt als bei den männlichen Bewerbern (vgl. Vierter Erfahrungsbericht der Bundesregierung zum Soldatinnen- und Soldatengleichstellungsgesetz, S. 58 f.)?

25

Welcher Art sind die Testaufgaben, denen sich die Bewerberinnen und Bewerber um die Übernahme in das Dienstverhältnis einer Berufssoldatin oder eines Berufssoldaten bei den Auswahlkonferenzen stellen müssen?

26

In welchem dieser Testbereiche zeigen diejenigen Soldatinnen, die sich um die Übernahme in das Dienstverhältnis einer Berufssoldatin bewerben, am häufigsten derart gravierende Schwächen, dass ihre Bewerbung abgelehnt wird, und um welche Schwächen handelt es sich dabei zumeist?

27

Wie viel Prozent der Bewerberinnen um eine Übernahme in das Dienstverhältnis einer Berufssoldatin hatten in den Jahren 2012, 2013, 2014 und 2015 zum Zeitpunkt der Antragstellung mindestens ein Kind?

28

Welche Gründe sind nach Ansicht der Bundesregierung ausschlaggebend dafür, dass der Anteil von Soldatinnen in Auslandseinsätzen in der Regel deutlich unter dem Anteil der Soldatinnen in der Bundeswehr insgesamt liegt (vgl.: Gerhard Kümmel: Soldatinnen als Vorgesetzte, www.ethikundmilitaer.de, 15. Juni 2016)?

29

Welche Angebote des Berufsförderdienstes stoßen bei den Soldatinnen auf Zeit auf das größte Interesse?

30

Wie viel Prozent der Soldatinnen, die im Jahr 2013 ein Angebot des Berufsförderdienstes in Anspruch genommen haben, waren ein Jahr nach Beendigung der Förderung arbeitslos gemeldet?

31

Besteht nach Ansicht der Bundesregierung Anlass, das Gesetz zur Gleichstellung von Soldatinnen und Soldaten zu verändern, und falls ja, inwiefern?

Berlin, den 22. Juni 2016

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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