[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom
22. Juli 2016 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/9263
18. Wahlperiode 25.07.2016
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Doris Wagner, Agnieszka Brugger,
Dr. Tobias Lindner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/8983 –
Frauenkarrieren in der Bundeswehr
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Bundesministerin der Verteidigung, Dr. Ursula von der Leyen, hat sich zum
Ziel gesetzt, die Zahl der Soldatinnen in der Bundeswehr durch gezielte
Maßnahmen, etwa zur besseren Vereinbarkeit von Dienst und Familie oder zur
beruflichen Förderung von Frauen, deutlich zu erhöhen. Nicht ohne weiteres
erkennbar ist dabei, auf welcher Grundlage diese Maßnahmen entwickelt worden
sind: Zwar gibt die Bundesregierung im Vierten Erfahrungsbericht zum
Soldatinnen- und Soldatengleichstellungsgesetz einen Überblick darüber, wie stark
Frauen in den einzelnen Bereichen der Streitkräfte der Bundeswehr mittlerweile
vertreten sind. Nach wie vor fehlt aber eine gründliche Analyse, welche Frauen
sich tatsächlich entscheiden, Soldatin zu werden. Zu wenig bekannt ist bisher
auch darüber, welchen Weg die „typische Soldatin“ in der Bundeswehr
einschlägt und aus welchen Gründen Soldatinnen an bestimmten Stufen der
Karriereleiter hängen bleiben. Nur auf Grundlage eines solchen umfassenden Bildes
ist es jedoch möglich, geeignete Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in
der Bundeswehr insgesamt und in Führungspositionen insbesondere zu
entwickeln und durchzusetzen.
1. Verfügt die Bundesregierung über aktuelle Erkenntnisse darüber, aus
welchen Motiven und mit welchen Erwartungen sich Frauen für den Beruf der
Soldatin entscheiden, und falls ja, bestehen hierbei Unterschiede zu den
Motiven und Erwartungen von Männern?
Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse darüber, wie Jugendliche für eine
berufliche Perspektive bei der Bundeswehr interessiert und zu einer Bewerbung
motiviert werden können, sind entscheidende Voraussetzungen für eine optimale
Gestaltung der Nachwuchswerbung. Sie dienen der Sicherstellung der zukünftigen
Personalgewinnung der Bundeswehr in quantitativer und qualitativer Hinsicht für
alle Laufbahngruppen.
Im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung werden regelmäßig
bundesweite, repräsentative Jugendbefragungen zum Thema „Berufswahl
Jugendlicher und Nachwuchswerbung der Bundeswehr“ in Form einer Jugendstudie
durchgeführt. Im Zeitraum Oktober 2014 bis November 2015 wurde die für die
Bundeswehr relevante Primärzielgruppe (17 bis 35 Jahre) im Rahmen einer
„Trendforschung zur Optimierung und Sicherstellung der externen
Personalbedarfsdeckung der Bundeswehr“ u. a. zu den Themenfeldern „Bedeutung von
Werten und Einstellungen im Rahmen der Berufs- und Arbeitgeberwahl“ sowie
„Wahrnehmung und Bewertung der Bundeswehr als Arbeitgeber“ befragt. Die
Befragung erfolgte durch die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der
Bundeswehr Hamburg. Bezugnehmend auf letztere Studie lassen sich
zusammenfassend und in vergleichender Betrachtung folgende Ergebnisse konstatieren:
a) Berufsbezogene Werte bei der Arbeitgeberwahl nach Geschlecht
Bedürfnisse nach Geschlecht
Top Weiblich Männlich
1 Langfristige
Arbeitsplatzsicherung
Langfristige Arbeitsplatzsicherung
2 Gleichstellung von Mann und
Frau (Top 24 bei Männern)
Gute Bezahlung
3 Gute Bezahlung Nette Kolleginnen/Kollegen
4 Gute Vereinbarkeit von Familie
und Beruf
Gute Vereinbarkeit von Familie
und Beruf
5 Nette Kollegen/Kolleginnen Herausfordernde und interessante
Tätigkeiten (Top 9 bei Frauen)
b) Bedeutendste Attribute mit der höchsten Assoziation mit dem Arbeitgeber
Bundeswehr nach Geschlecht
Attribute nach Geschlecht
Top Weiblich Männlich
1 Prestige: Verantwortung
Abenteuer: Fitness/Sport
(Top 10 bei Frauen)
2 Sicherheit: Kameradschaft Sicherheit: Kameradschaft
3 Abenteuer: Herausforderung Abenteuer: Herausforderung
4 Abenteuer: Mut
(Top 9 bei Männern)
Prestige: Verantwortung
5 Abenteuer: Stärke
(Top 11 bei Männern)
Fürs Leben lernen: eigene Grenzen
überwinden (Top 8 bei Frauen)
2. Wie viele Frauen haben sich im Jahr 2015 um eine Einstellung in den
Streitkräften der Bundeswehr beworben und welchen prozentualen Anteil hatten
die Bewerberinnen damit am Gesamtaufkommen der Bewerbungen (bitte
nach Laufbahngruppe und Organisationsbereich differenzieren)?
Eine Aufgliederung nach Organisationsbereichen ist hinsichtlich des
Bewerbungsverfahrens nicht möglich, da sich die Bewerberinnen/Bewerber für eine
Laufbahn bewerben. Eine Schlüsselung der Bewerbungen nach
Organisationsbereichen ist im Personalwirtschaftssystem der Bundeswehr (PersWiSysBw)
deshalb nicht hinterlegt. Die Auswertung des Bewerbungsaufkommens 2015
(Bewerbungseingang: 1. Januar bis 31. Dezember 2015) bezieht sich auf die
jeweiligen Laufbahnwünsche und stellt sich wie folgt dar:
Bewerbungen
SaZ davon Offz davon Uffz m.P. davon Uffz o.P. davon Msch FWDL
Gesamt Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen Gesamt Männer Frauen
2015 40.501 33.550 6.951 8.568 2.867 14.993 2.736 3.786 785 6.203 563 16.287 13.960 2.327
83% 17% 75% 25% 85% 15% 83% 17% 92% 8% 86% 14%
Abk.: SaZ (Soldatin/Soldat auf Zeit); Offz (Offiziere); Uffz m.P. (Unteroffiziere mit Portepee/Feldwebel),
Uffz o.P. (Unteroffiziere ohne Portepee), Msch (Mannschaften); FWDL (Freiwillig Wehrdienst Leistende)
3. Wie hoch lag der Prozentsatz derjenigen Frauen, die im Jahr 2015 tatsächlich
eingeplant wurden, am Gesamtaufkommen der Bewerberinnen (bitte nach
Laufbahngruppe und Organisationsbereich differenzieren)?
Das PersWiSysBw lässt kein sogenanntes Bewerbertracking zu. Alle
Informationen aus dem Bewerbungsbogen werden nur bei einer Einplanung von
Bewerberinnen/Bewerbern auf einen Dienstposten in PersWiSysBw übernommen. Ein
Überblick über die geschlechterspezifische Verteilung der Einplanungen für das
Jahr 2015 ist nachfolgender Tabelle zu entnehmen.
Laufbahn OrgBereich männlich in % weiblich in % Gesamt
Mannschaften FWDL Heer 3755 92,8% 292 7,2% 4047
Luftwaffe 812 88,9% 101 11,1% 913
Marine 1112 87,2% 163 12,8% 1275
SKB 1983 85,5% 335 14,5% 2318
ZSanD 627 58,7% 442 41,3% 1069
Mannschaften FWDL gesamt 8289 86,1% 1333 13,9% 9622
Mannschaften SaZ Heer 3268 94,7% 182 5,3% 3450
Luftwaffe 301 89,9% 34 10,1% 335
Marine 399 94,3% 24 5,7% 423
SKB 726 88,1% 98 11,9% 824
ZSanD 104 60,1% 69 39,9% 173
Mannschaften SaZ gesamt 4798 92,2% 407 7,8% 5205
Unteroffiziere Heer 580 88,4% 76 11,6% 656
Luftwaffe 467 92,8% 36 7,2% 503
Marine 498 92,1% 43 7,9% 541
SKB 569 88,5% 74 11,5% 643
ZSanD 111 40,2% 165 59,8% 276
Unteroffiziere gesamt 2225 85,0% 394 15,0% 2619
Feldwebel Heer 792 93,4% 56 6,6% 848
Luftwaffe 545 88,9% 68 11,1% 613
Marine 254 90,4% 27 9,6% 281
SKB 600 87,1% 89 12,9% 689
ZSanD 186 56,2% 145 43,8% 331
Feldwebel gesamt 2377 86,1% 385 13,9% 2762
Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter
Frauen in % Männer in % Gesamt
Heer 153 16,2% 789 83,8% 942
Luftwaffe 67 17,3% 320 82,7% 387
Marine 30 13,2% 197 86,8% 227
Gesamt Truppendienst 250 16,1% 1306 83,9% 1556
Sanitätsdienst 145 50,0% 145 50,0% 290
Gesamt 395 21,4% 1.451 78,6% 1.846
Abk.: SaZ (Soldatin/Soldat auf Zeit); FWDL (Freiwillig Wehrdienst Leistende)
4. Wie hoch lag dieser Prozentsatz jeweils bei den männlichen Bewerbern (bitte
nach Laufbahngruppe und Organisationsbereich differenzieren)?
Hierzu wird auf die Antwort zu Frage 3 verwiesen.
5. Welche konkreten Gründe führen nach Einschätzung der Bundesregierung
am häufigsten dazu, dass Bewerberinnen den Eignungstest im
Bewerbungsverfahren nicht bestehen?
Auswertbare geschlechterspezifische Zahlen liegen diesbezüglich nicht vor.
Exemplarische Gründe sind hinsichtlich Frauen und Männern gleichermaßen die
grundsätzlich fehlenden körperlichen/gesundheitlichen Voraussetzungen sowie
die Nichterreichung der geforderten Minimalwerte in kognitiver Hinsicht. Die
Auswahl der Bewerberinnen/Bewerber erfolgt nach Maßgabe von Artikel 33 des
Grundgesetzes nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung.
6. Wie verteilten sich die Bewerberinnen um eine Einstellung in den
Streitkräften der Bundeswehr im Jahr 2015 auf die 16 Bundesländer?
Die erbetenen Angaben sind für das Jahr 2015 der nachstehenden Aufstellung zu
entnehmen. Ausgewertet wurde das Bewerbungsaufkommen Feldwebel/
Unteroffiziere/Mannschaften in 2015 sowie die gewünschten Einplanungstermine 2015
der Offizieranwärterinnen.
Baden-Württemberg 712
Bayern 1181
Berlin 344
Brandenburg 380
Bremen 87
Hamburg 172
Hessen 580
Mecklenburg-Vorpommern 428
Niedersachsen 1328
Nordrhein-Westfalen 1733
Rheinland-Pfalz 534
Saarland 149
Sachsen 376
Sachsen-Anhalt 410
Schleswig-Holstein 584
Thüringen 273
nicht auswertbar 7
Gesamtergebnis 9278
7. Wie verteilten sich die tatsächlich eingeplanten Frauen im Jahr 2015 auf die
16 Bundesländer?
Die erbetenen Angaben sind für das Jahr 2015 der nachstehenden Aufstellung zu
entnehmen:
Baden-Württemberg 255
Bayern 375
Berlin 92
Brandenburg 132
Bremen 16
Hamburg 45
Hessen 189
Mecklenburg-Vorpommern 117
Niedersachsen 391
Nordrhein-Westfalen 559
Rheinland-Pfalz 178
Saarland 49
Sachsen 116
Sachsen-Anhalt 117
Schleswig-Holstein 188
Thüringen 83
nicht auswertbar 12
Gesamtergebnis 2914
8. Welches Durchschnittsalter wiesen die Bewerberinnen um eine Einstellung
in den Streitkräften der Bundeswehr im Jahr 2015 auf, und welches die
Bewerber (bitte nach Laufbahnen aufschlüsseln)?
Das Durchschnittsalter beider Bewerbergruppen ist identisch. In den Laufbahnen
der Unteroffiziere mit und ohne Portepee/Mannschaften betrug das
Durchschnittsalter 21 Jahre, in der Laufbahn der Offiziere 22 Jahre.
9. Wie viel Prozent der Bewerberinnen um eine Einstellung in den Streitkräften
waren zum Zeitpunkt der Bewerbung verheiratet, und wie viel Prozent waren
es bei den Bewerbern?
Da die Abfrage des Familienstandes nicht Bestandteil des Bewerbungsbogens ist,
liegen der Bundesregierung hierzu keine Erkenntnisse vor.
10. Wie viel Prozent der Bewerberinnen hatten mindestens ein Kind?
Diese Daten sind nicht Bestandteil des Bewerbungsbogens und daher liegen der
Bundesregierung hierzu keine Erkenntnisse vor.
11. Wie viel Prozent der Bewerber und wieviel Prozent der Bewerberinnen
verfügten jeweils über
a) keinen Schulabschluss,
b) einen Hauptschul- oder Realschulabschluss,
c) Abitur oder Fachabitur,
d) einen Bachelorabschluss,
e) einen Masterabschluss,
f) eine abgeschlossene Berufsausbildung?
Von allen Bewerbern (SaZ und FWDL) für die militärischen Laufbahnen im Jahr
2015 verfügten
a) 2 Prozent über keinen Schulabschluss,
b) 20 Prozent über einen Hauptschulabschluss,
c) 36 Prozent über die Mittlere Reife,
d) 41 Prozent über Abitur oder Fachabitur,
e) 1 Prozent über ein Studium.
39 Prozent aller Bewerber verfügten unabhängig vom Schulabschluss über eine
abgeschlossene Berufsausbildung.
Von allen Bewerberinnen (SaZ und FWDL) für die militärischen Laufbahnen im
Jahr 2015 verfügten
a) 2 Prozent über keinen Schulabschluss,
b) 14 Prozent über einen Hauptschulabschluss,
c) 36 Prozent über die Mittlere Reife,
d) 47 Prozent über Abitur oder Fachabitur,
e) 1 Prozent über ein Studium.
33 Prozent aller Bewerberinnen verfügten unabhängig vom Schulabschluss über
eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Eine weitere Differenzierung zwischen „Bachelorabschluss“ und
„Masterabschluss“ ist systembedingt nicht möglich und daher nicht auswertbar.
12. Welche von der Bundeswehr angebotenen Berufsausbildungen stießen bei
den Bewerberinnen, die über einen Haupt- oder Realschulabschluss
verfügten, auf das größte Interesse?
Die Auswertung beinhaltet die fünf am häufigsten angestrebten Ausbildungen im
Rahmen der Zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung (ZAW) der Bewerberinnen
mit Hauptschulabschluss oder Mittlerer Reife im Jahr 2015.
Ausbildungswunsch Hauptschule Mittlere Reife Gesamt
Notfallsanitäter/in 50 425 475
Gesundheits- und
Krankenpfleger/in 33 230 263
Bürokaufmann/frau 64 158 222
Arzthelfer/in 61 48 109
Arztfachhelfer/in 17 31 48
13. Welche militärischen Verwendungen stießen bei den Bewerberinnen im Jahr
2015 auf das größte Interesse (bitte nach Organisationsbereichen ausweisen):
a) bei denjenigen Frauen, die sich für die Offizierslaufbahn bewarben,
Eine Differenzierung nach Organisationsbereichen ist nicht möglich.
Entsprechend wurde nach Teilstreitkräften unterschieden. Im Sanitätsdienst liegt der
Anteil der weiblichen Bewerber bei 50 Prozent.
Bewerbungen Frauen Heer
Tätigkeit/Verwendungswunsch
prozentualer Anteil der
Gesamtbewerbungen von Frauen für die
Laufbahn der Offiziere beim Heer
Heer allgemein 47%
Feldjäger 15%
Truppe für Operative Information 9%
Bewerbungen Frauen Luftwaffe
Tätigkeit/Verwendungswunsch
prozentualer Anteil der
Gesamtbewerbungen von Frauen für die
Laufbahn der Offiziere bei der Luftwaffe
Fliegerischer Dienst 36%
Luftwaffe allgemein 22%
Führungsdienst 18%
Bewerbungen Frauen Marine
Tätigkeit/Verwendungswunsch
prozentualer Anteil der
Gesamtbewerbungen von Frauen für die
Laufbahn der Offiziere bei der Marine
Marine allgemein 96%
Fliegerischer Dienst 4%
b) bei denjenigen Frauen, die die Unteroffizierslaufbahn einschlagen
wollten,
Eine Differenzierung nach Organisationsbereichen ist nicht möglich.
Entsprechend wurde nach Teilstreitkräften unterschieden. Im Sanitätsdienst liegt der
Anteil der weiblichen Bewerber bei 51 Prozent.
Bewerbungen Frauen Heer
Tätigkeit/Verwendungswunsch
prozentualer Anteil der
Gesamtbewerbungen von Frauen für die
Laufbahn der Offiziere beim Heer
Stabsdienst/Versorgungsdienst 53%
Truppendienst/Kampftruppe/
Sicherung 23%
ABC-Abwehr 3%
Bewerbungen Frauen Luftwaffe
Tätigkeit/Verwendungswunsch
prozentualer Anteil der
Gesamtbewerbungen von Frauen für die
Laufbahn der Offiziere beim Heer
Stabsdienst/Versorgungsdienst 61%
Luftfahrzeugtechnik 8%
Flugabfertigung 4%
Bewerbungen Frauen Marine
Tätigkeit/Verwendungswunsch
prozentualer Anteil der
Gesamtbewerbungen von Frauen für die
Laufbahn der Offiziere beim Heer
Stabsdienst/Versorgungsdienst 39%
Marineführungs-/
Operationsdienst 26%
Elektronik/Elektrotechnik 9%
c) bei denjenigen Frauen, die sich für die Mannschaftslaufbahn bewarben?
Eine Differenzierung nach Organisationsbereichen ist nicht möglich.
Entsprechend wurde nach Teilstreitkräften unterschieden. Im Sanitätsdienst liegt der
Anteil der weiblichen Bewerber bei 43 Prozent.
Bewerbungen Frauen Heer
Tätigkeit/Verwendungswunsch
prozentualer Anteil der
Gesamtbewerbungen von Frauen für die
Laufbahn der Offiziere beim Heer
Stabsdienst/Versorgungsdienst 47%
Truppendienst/Kampftruppe/
Sicherung 37%
Kraftfahrer 6%
Bewerbungen Frauen Luftwaffe
Tätigkeit/Verwendungswunsch
prozentualer Anteil der
Gesamtbewerbungen von Frauen für die
Laufbahn der Offiziere beim Heer
Stabsdienst/Versorgungsdienst 77%
Flugabwehrraketendienst 6%
Elektronik/Elektrotechnik 3%
Bewerbungen Frauen Marine
Tätigkeit/Verwendungswunsch
prozentualer Anteil der
Gesamtbewerbungen von Frauen für die
Laufbahn der Offiziere beim Heer
Dienst an Deck 44%
Stabsdienst/Versorgungsdienst 27%
Marineführungs-/Operationsdienst 13%
14. In wie vielen Fällen konnte der konkrete Verwendungswunsch erfüllt
werden (bitte in Prozent nach Laufbahnen ausweisen)?
Hierzu werden keine Informationen in PersWiSysBw vorgehalten.
15. Welches waren die häufigsten Gründe, weshalb konkreten
Verwendungswünschen der Bewerberinnen nicht entsprochen werden konnte?
Hierzu wird auf die Antwort zu Frage 14 verwiesen.
16. Wie hoch war die Zahl derjenigen Frauen, die eine von Seiten der
Bundeswehr angebotene Einplanung abgelehnt und ihre Bewerbung zurückgezogen
haben, nachdem ihr konkreter Verwendungswunsch bzw. ihre Wunsch-
Ausbildung nicht erfüllt werden konnte?
Hierzu wird auf die Antwort zu Frage 14 verwiesen.
17. Für welche Dienstzeit haben sich die Soldatinnen auf Zeit, die von 2012 bis
2015 eingeplant wurden, durchschnittlich verpflichtet, und wie lang ist die
entsprechende durchschnittliche Verpflichtungszeit bei den Männern?
Die erbetenen Angaben sind den nachstehenden Aufstellungen zu entnehmen
(Angaben mit durchschnittlicher Verpflichtungszeit in Jahren):
Soldaten auf Zeit Offiziere Soldatinnen auf Zeit Offiziere
2012 14,15 14,03
2013 13,92 14,01
2014 13,74 13,93
2015 13,72 13,48
Soldaten auf Zeit Unteroffiziere
Soldatinnen auf Zeit
Unteroffiziere
2012 12,05 11,93
2013 12,09 11,80
2014 12,03 11,77
2015 12,06 11,44
Soldaten auf Zeit Mannschaften
Soldatinnen auf Zeit
Mannschaften
2012 8,64 8,58
2013 7,29 7,18
2014 7,13 6,90
2015 6,91 6,56
18. Wie viele Soldatinnen auf Zeit in den Laufbahnen der Mannschaften,
Unteroffiziere oder Offiziere, die zwischen den Jahren 2012 und 2015 eingeplant
wurden, haben die Bundeswehr während der ersten sechs Monate wieder
verlassen, und wie viele waren es bei den Soldaten?
Die erbetenen Angaben sind der nachstehenden Aufstellung zu entnehmen:
Ausschöpfung
Eingeplant für das jeweilige
Jahr
Dienstantritt im jeweiligen
Jahr
Widerrufen/Entlassen
Austritte innerhalb der 6
Monatsfrist
Gesamt davon Frauen Gesamt
davon
Frauen Gesamt
davon
Frauen
2012
Offz 1.798 291 n.v. n.v. 194 45
Uffz 4.190 666 4.071 643 719 131
Msch 5.549 579 5.413 570 896 111
Gesamt 11.537 1.536 1.809 287
2013
Offz 1.947 336 n.v. n.v. 267 56
Uffz 3.915 674 3.767 642 623 131
Msch 5.658 519 5.508 505 908 86
Gesamt 11.520 1.529 1.798 273
2014
Offz 1.899 365 1.867 361 304 66
Uffz 4.713 701 4.617 689 715 133
Msch 5.761 494 5.633 485 1.004 97
Gesamt 12.373 1.560 12.117 1.535 2.023 296
2015
Offz 1.846 395 1.828 394 198 47
Uffz 5.381 780 5.218 754 726 121
Msch 5.205 406 5.027 391 1.104 92
Gesamt 12.432 1.581 12.073 1.539 2.028 260
Abk.: Offz (Offiziere); Uffz (Unteroffiziere), Msch (Mannschaften), n.v. (nicht vorhanden)
19. Welche waren dabei die am häufigsten genannten Gründe (bitte nach
Männern und Frauen differenzieren)?
Die erbetenen Angaben sind den nachstehenden Aufstellungen zu entnehmen. Sie
spiegeln die im PersWiSysBw verfügbaren Datensätze wider. Die individuellen
Gründe, die beispielsweise einer Verweigerung der Annahme der
Ernennungsurkunde zugrunde liegen, werden nicht nachgehalten.
Offiziere männlich weiblich
Verweigerung Annahme Ernennungsurkunde 57% 50%
Ausscheiden auf eigenen Antrag ohne
Übergangsgebührnisse 20% 15%
wichtige persönliche Gründe 10% 15%
Verweigerung Eid/Gelöbnis 5% 3%
fehlende körperliche Eignung 2% 9%
Unteroffiziere männlich weiblich
Entlassung auf eigenen Antrag im Rahmen
der Eignungsübung (§ 87 Abs. 1 S. 4 SG) 45% 44%
Verweigerung Annahme Ernennungsurkunde 26% 15%
wichtige persönliche Gründe 7% 18%
Dienstzeitende im Rahmen der
Eignungsübung
(§ 87 Abs. 1 S.1 Soldatengesetz (SG))
7% 5%
Ausscheiden auf eigenen Antrag ohne
Übergangsgebührnisse 4% 8%
Entlassen vor Ablauf Eignungsübung (§ 87
Abs. 1 S. 2 SG) 4% 3%
fehlende körperliche Eignung 3% 5%
Mannschaften männlich weiblich
Verweigerung Annahme Ernennungsurkunde 32% 28%
wichtige persönliche Gründe 23% 34%
Ausscheiden auf eigenen Antrag ohne
Übergangsgebührnisse 18% 23%
Verweigerung Eid/Gelöbnis 8% 6%
fehlende körperliche Eignung 8% 4%
mangelnde Eignung 3% 3%
Dienstvergehen 2% 0%
20. Wie viel Prozent der Soldatinnen auf Zeit in den Laufbahnen der Offiziere
und Feldwebel haben in den Jahren 2011, 2012, 2013 und 2015 einen Antrag
auf Übernahme in das Dienstverhältnis einer Berufssoldatin gestellt
(Bewerberquote, bitte nach Uniformträgerbereichen differenzieren)?
Die erbetenen Angaben sind für das Jahr 2015 der nachstehenden Aufstellung zu
entnehmen:
Soldatinnen UTB Heer UTB Luftwaffe UTB Marine
Offiziere 14% 17% 15%
Feldwebel 21% 20% 22%
Abk.: UTB (Uniformträgerbereich)
Vor dem Hintergrund der Fragestellung wäre für die Jahre 2011 bis 2013 eine
individuelle Datenerhebung erforderlich.
Der hohe Aufwand einer händischen Aktenprüfung ist vor dem Hintergrund
verfügbarer Personalressourcen nicht zu realisieren und würde zudem, da die
Personaldaten ausgeschiedener Soldatinnen und Soldaten im PersWiSysBw aus
Datenschutzgründen nicht vorgehalten werden, keine vollständige und damit
aussagekräftige und belastbare Statistik ergeben.
Im Weiteren wird auf den „Vierten Erfahrungsbericht der Bundesregierung zum
Soldatinnen- und Soldatengleichstellungsgesetz“ (Bundestagsdrucksache 18/7410
vom 27. Januar 2016) verwiesen.
21. Wie viel Prozent dieser Bewerberinnen wurden im Jahr 2015 zu einer
Auswahlkonferenz eingeladen?
In die Auswahl werden alle Soldatinnen/Soldaten auf Zeit einbezogen, die die
Teilnahmevoraussetzungen erfüllen und einen Antrag gestellt haben oder von
ihren beurteilenden oder Stellung nehmenden Vorgesetzten vorgeschlagen wurden
und diesem Vorschlag auch zugestimmt haben.
Teilnahmeberechtigt sind alle SaZ bei Vorliegen von zwei planmäßigen
Beurteilungen als Feldwebel bzw. als Offizier. Die Auswahlentscheidung erfolgt im
Rahmen einer Konferenz. Hierbei wird der Bedarf der Bundeswehr an
Berufssoldatinnen/Berufssoldaten durch Bestenauslese nach Eignung, Befähigung und
Leistung sichergestellt. Ein gesondertes Testverfahren für Bewerberinnen/Bewerber
besteht mithin nicht. Die Antragstellerinnen bzw. Antragsteller nehmen an der
Konferenz nicht teil.
22. Wie hoch lag die entsprechende Bewerberquote bei den männlichen
antragsberechtigten Soldaten auf Zeit in den Laufbahnen der Offiziere und
Feldwebel, und wie hoch war hier der Prozentsatz derjenigen, die im Jahr 2015 zur
Auswahlkonferenz eingeladen wurden?
Die Angaben zur Bewerberquote bei den männlichen antragsberechtigten
Soldaten auf Zeit sind für das Jahr 2015 der nachstehenden Aufstellung zu entnehmen:
Soldaten UTB Heer UTB Luftwaffe UTB Marine
Offiziere 24% 20% 16%
Feldwebel 20% 22% 20%
Bezüglich einer Auswertung für die Jahre 2011 bis 2013 wird auf die Antwort zu
Frage 20 verwiesen. Hinsichtlich der Frage nach dem Prozentsatz derjenigen, die
2015 zur Auswahlkonferenz eingeladen wurden, wird auf die Antwort zu
Frage 21 verwiesen.
23. Wie hoch war im Jahr 2015 jeweils der Anteil der tatsächlich als
Berufssoldatin oder Berufssoldat übernommenen Bewerberinnen und Bewerber
(Übernahmequote, bitte nach Uniformträgerbereich und Laufbahn
differenzieren)?
Die nachfolgende Aufstellung beinhaltet den Anteil der zur Berufssoldatin oder
zum Berufssoldaten Übernommenen, gemessen an der Anzahl der jeweiligen
Antragstellerinnen bzw. Antragsteller:
UTB Heer UTB Luftwaffe UTB Marine
Soldaten Soldatinnen Soldaten Soldatinnen Soldaten Soldatinnen
Offiziere 49% 44% 33% 34% 56% 31%
Feldwebel 20% 21% 21% 22% 20% 21%
24. Worauf ist nach Ansicht der Bundesregierung die Tatsache zurückzuführen,
dass die Übernahmequote bei den Bewerberinnen für die Übernahme in das
Dienstverhältnis eines Berufsoffiziers ausgerechnet im Bereich der Sanität
seit den Jahr 2012 eklatant niedriger liegt als bei den männlichen Bewerbern
(vgl. Vierter Erfahrungsbericht der Bundesregierung zum Soldatinnen- und
Soldatengleichstellungsgesetz, S. 58 f.)?
Die Konferenzen für die Übernahme in das Dienstverhältnis einer
Berufssoldatin/eines Berufssoldaten richten sich an den Kriterien Eignung, Befähigung und
Leistung aus. Sind Frauen in einzelnen Bereichen unterrepräsentiert, werden sie
bei gleicher Qualifikation bevorzugt berücksichtigt. Etwas anderes gilt
ausnahmsweise nur dann, wenn in der Person eines Mitbewerbers liegende Gründe
überwiegen.
Für das Auswahljahr 2015 ergibt sich bei einer geschlechterparitätischen
Antragsstellung von je 53 Soldatinnen und Soldaten eine Übernahmequote von 63
Prozent Männern und 56 Prozent Frauen. Die Gründe hierfür werden derzeit im
Rahmen von Studien untersucht.
25. Welcher Art sind die Testaufgaben, denen sich die Bewerberinnen und
Bewerber um die Übernahme in das Dienstverhältnis einer Berufssoldatin oder
eines Berufssoldaten bei den Auswahlkonferenzen stellen müssen?
Die Auswahlentscheidung zur Umwandlung eines Dienstverhältnisses in das
einer Berufssoldatin/eines Berufssoldaten basiert nicht auf dem Ergebnis von
Testaufgaben. Sie ist das Resultat einer vergleichenden Betrachtung nach Eignung,
Befähigung und Leistung im Rahmen einer Auswahlkonferenz. Wesentliche
Erkenntnisquelle sind die Beurteilungen. Im Weiteren wird auf die Beantwortung
zu Frage 21 verwiesen.
26. In welchem dieser Testbereiche zeigen diejenigen Soldatinnen, die sich um
die Übernahme in das Dienstverhältnis einer Berufssoldatin bewerben, am
häufigsten derart gravierende Schwächen, dass ihre Bewerbung abgelehnt
wird, und um welche Schwächen handelt es sich dabei zumeist?
Hierzu wird auf die Antwort zu den Fragen 21 und 25 verwiesen.
27. Wie viel Prozent der Bewerberinnen um eine Übernahme in das
Dienstverhältnis einer Berufssoldatin hatten in den Jahren 2012, 2013, 2014 und 2015
zum Zeitpunkt der Antragstellung mindestens ein Kind?
Entsprechende Daten werden nicht erhoben. Daher liegen der Bundesregierung
hierzu keine Erkenntnisse vor.
28. Welche Gründe sind nach Ansicht der Bundesregierung ausschlaggebend
dafür, dass der Anteil von Soldatinnen in Auslandseinsätzen in der Regel
deutlich unter dem Anteil der Soldatinnen in der Bundeswehr insgesamt liegt
(vgl.: Gerhard Kümmel: Soldatinnen als Vorgesetzte,
www.ethikundmilitaer.
de, 15. Juni 2016)?
Der Anteil von Frauen an der Gesamtpersonalstärke der deutschen
Einsatzkontingente lag 2016 durchschnittlich bei 8,1 Prozent und damit unter dem Anteil der
Frauen in der Bundeswehr gesamt (im Jahr 2016 bei durchschnittlich 10,95
Prozent). Während der Anteil von Frauen in der Bundeswehr stetig steigt, unterliegt
dieser in den jeweiligen Einsatzkontingenten Schwankungen. Hinsichtlich der
Gründe, welche hierfür ausschlaggebend sind, liegen keine belastbaren
Erkenntnisse vor.
29. Welche Angebote des Berufsförderdienstes stoßen bei den Soldatinnen auf
Zeit auf das größte Interesse?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor. Eine statistische
Unterscheidung zwischen Soldatinnen und Soldaten erfolgt nicht, da dieses für die
Arbeit des Berufsförderungsdienstes unerheblich ist. Die Förderung und
Eingliederung der Förderungsberechtigten steht nach der individuellen Eignung und
Neigung im Vordergrund.
30. Wie viel Prozent der Soldatinnen, die im Jahr 2013 ein Angebot des
Berufsförderdienstes in Anspruch genommen haben, waren ein Jahr nach
Beendigung der Förderung arbeitslos gemeldet?
Im Berichtsjahr 2014 lag die langfristige Eingliederungsquote aller
Förderungsberechtigten – wie bereits seit vielen Jahren beständig – deutlich über 90 Prozent.
Eine statistische Differenzierung zwischen Soldatinnen auf Zeit und Soldaten auf
Zeit erfolgt nicht.
31. Besteht nach Ansicht der Bundesregierung Anlass, das Gesetz zur
Gleichstellung von Soldatinnen und Soldaten zu verändern, und falls ja, inwiefern?
Aus Sicht der Bundesregierung besteht kein aktueller Handlungsbedarf für eine
Änderung des Soldatinnen- und Soldatengleichstellungsgesetzes.
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken,
www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim,
www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]