[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 18. Juli 2016 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/9246
18. Wahlperiode 20.07.2016
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Niema Movassat, Heike Hänsel,
Wolfgang Gehrcke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/9025 –
Europäische Grenzsicherung jenseits des Mittelmeers
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Ein halbes Jahr nach dem Valletta-Gipfel fand am 21. Juni und 22. Juni 2016
ein Valletta-Zwischenbilanztreffen statt. Eine Woche später wurde beim EU-
Gipfel ein Communiqué der Europäischen Kommission zur zukünftigen
Planung ihrer Migrationsagenda diskutiert (COM(2016) 385 final). Zudem fand
Ende Juni 2016 ein Treffen des Lenkungsrats des Regionalvorhabens „Better
Migration Management“ statt – eines der bekanntesten und umstrittensten
Projekte des EU-Treuhandfonds (EUTF), der im Zuge des Valletta-Gipfels ins
Leben gerufen wurde.
Aus diesem Anlass wollen sich die Fragesteller einen Überblick darüber
verschaffen, was im Rahmen der europäischen Grenzsicherung jenseits des
Mittelmeers aktuell finanziert und geplant wird. Von besonderem Interesse sind dabei
Projekte unter deutscher Beteiligung, die im Rahmen des sogenannten
Migrationsmanagements durchgeführt werden. Diese umfassen auch zwei Zentren in
Agadez in Niger, die mittlerweile ihre Arbeit aufgenommen haben; das
„Multifunktionszentrum“ der International Organization for Migration (IOM) in
Agadez (
www.iom.int/news/iom-niger-opens-migrant-information-office-agadez)
sowie eine Außenstelle der Mission EUCAP Sahel Niger (
http://eucap-sahelniger.
faceniger.com/comit%C3%A9-de-pilotage/217-eucap-sahel-niger-%C2%AB-
bien-rod%C3%A9e-%C2%BB.html). Bereits seit dem Jahr 2009 führt die
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) zudem im
Rahmen des „Polizeiprogramms Afrika“ zahlreiche Maßnahmen zum Ausbau
zwischenstaatlicher Grenzen und zur Ausrüstung und Ausbildung von (Grenz-)
Polizei und Sicherheitskräften durch, zu denen es in der Vergangenheit bereits
kritische Nachfragen gab (Bundestagsdrucksache 18/5895).
1. Welche Akteure waren nach Kenntnis der Bundesregierung am Valletta-
Zwischenbilanztreffen vom 21. Juni und 22. Juni 2016 beteiligt?
Am Valletta-Zwischenbilanztreffen haben Vertreter der europäischen und
afrikanischen Mitgliedstaaten der Steuerungskomitees des Khartum- und
Rabatprozesses auf Expertenebene teilgenommen, außerdem waren EU-Institutionen
vertreten (Europäischer Auswärtiger Dienst, Europäische Kommission,
Ratssekretariat) und internationale Organisationen (Flüchtlingshilfswerk der Vereinten
Nationen – UNHCR –, Internationale Organisation für Migration – IOM – und
International Centre for Migration Policy Development – ICMPD).
2. Was waren nach Kenntnis der Bundesregierung die Agenda und die
Ergebnisse des Treffens?
Ziel des Treffens war eine Bestandsaufnahme der Umsetzung der Beschlüsse des
Valletta-Gipfels in den fünf Schwerpunktbereichen des Aktionsplans.
Es wurden Empfehlungen für die weiteren Schritte bei der Umsetzung der
Beschlüsse bis zum nächsten hochrangigen Treffen im Frühjahr 2017 („Roadmap“)
formuliert.
3. Wie wurden von den Teilnehmern des Treffens der EUTF und dessen bisher
anvisierte Projekte sowie der Aspekt der Rückführung diskutiert?
Die Diskussion orientierte sich an den fünf Schwerpunktbereichen des Valletta-
Aktionsplans, zu denen auch Rückführung gehört. Der Europäische Trust Fund
(EUTF) und die bisher anvisierten Projekte waren durchgängiges Thema, vor
allem im Rahmen der Erörterung des Schwerpunktbereichs „positive Aspekte von
Migration für Entwicklung und Bekämpfung der Fluchtursachen“.
4. Welche Akteure waren nach Kenntnis der Bundesregierung am Treffen des
Lenkungsrats des Regionalvorhabens „Better Migration Management“ vom
30. Juni 2016 in Brüssel beteiligt?
An der Sitzung am 30. Juni 2016 haben Vertreter der Europäischen Kommission,
des Europäischen Auswärtigen Dienstes, der Bundesregierung sowie der
Regierungen Italiens, Frankreichs und Großbritanniens teilgenommen. Von Seiten der
Umsetzungspartner haben Vertreter des British Council, von Civipol, von
Expertise France, der IOM, dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und
Verbrechensbekämpfung (UNODC) und der Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit (GIZ) GmbH teilgenommen.
5. Was waren nach Kenntnis der Bundesregierung die Ergebnisse des Treffens
(welche konkreten Maßnahmen wurden beschlossen, Zeitplan)?
Auf der Sitzung wurde die Wirkungsmatrix für das Vorhaben „Better Migration
Management“ beschlossen, die die Ziele und Wirkungshypothesen des
Vorhabens darlegt (z. B. Einrichtung von mindestens zwei „Safe Houses“ für den
Schutz von Opfern von Menschenschmuggel, acht Trainingsmaßnahmen zu den
Rechten von Migranten für Mitarbeiter relevanter Behörden in der Region). Die
Wirkungsmatrix wurde bei einem Arbeitstreffen des Khartum-Prozesses am
8. Juli 2016 in Rom den afrikanischen Partnern vorgestellt. Die konkreten
Länderpakete mit den Maßnahmen für die einzelnen Partnerländer im Rahmen des
Vorhabens werden in den kommenden Wochen in Abstimmung mit den
Regierungen der Partnerländer festgelegt und vom Steuerungskomitee des Vorhabens
im schriftlichen Verfahren beschlossen.
6. Welche Sondierungsmissionen wurden im Rahmen des Regionalvorhabens
„Better Migration Management“ nach Kenntnis der Bundesregierung bisher
durchgeführt, und was sind die Ergebnisse dieser Missionen (z. B. welches
Material soll welchen Projektländern zur Verfügung gestellt werden)?
Zur Vorbereitung des Vorhabens „Better Migration Management“ haben die
Umsetzungspartner im Zeitraum Mai/Juni 2016 Erkundungsmissionen nach
Äthiopien, Dschibuti, Eritrea, Kenia, Somalia und Sudan durchgeführt. Die Ergebnisse
der Missionen, auf deren Grundlage die Wirkungsmatrix erstellt wurde, wurden
am 30. Juni 2016 in Brüssel besprochen, diesbezüglich wird auf die Antworten
zu den Fragen 4 und 5 verwiesen.
7. Warum beteiligt sich Deutschland mit 6 Mio. Euro Eigenmittel am Projekt
„Better Migration Management“?
Das Vorhaben „Better Migration Management“ fokussiert am Horn von Afrika
auf eine Region, die mit 2,4 Millionen Flüchtlingen weltweit am stärksten von
Flucht- und Wanderungsbewegungen betroffen ist. Schwache Staatlichkeit in der
Region und in der Folge unzulängliche Kapazitäten für angemessenen Schutz und
Versorgung von Flüchtlingen und Migranten begünstigen Menschenschmuggel,
Willkür und existenzielle Not, weshalb die Bundesregierung sich engagiert, die
Situation der Flüchtlinge am Horn von Afrika auch durch dieses Projekt zu
verbessern.
8. Wer hat die GIZ als Koordinatorin des Projekts „Better Migration
Management“ vorgeschlagen, bzw. woher kam die Initiative, die GIZ mit dessen
Leitung zu beauftragen?
Die GIZ hat sich aufgrund einer entsprechenden Anfrage an die Bundesregierung
durch die Europäische Kommission auf das Vorhaben beworben.
9. Was waren die Ergebnisse des Treffens zu den Themen Rückkehr,
Rückführung und Reintegration vom 30. Mai bis 1. Juni 2016 in Brüssel im Rahmen
des Rabat-Prozesses (siehe
www.iom.int/sites/default/files/our_work/ICP/
RCP/ 2016/Calendar-of-RCP-Meetings-in-2016.pdf)?
Die Bundesregierung hat an dem Expertentreffen nicht teilgenommen und hat
hierzu keine Erkenntnisse.
10. Was waren die Ergebnisse des Treffens zu Menschenschmuggel vom
24. Mai bis 25. Mai 2016 in Khartum im Rahmen des Khartum-Prozesses
(siehe
www.iom.int/sites/default/files/our_work/ICP/RCP/2016/Calendar-of-
RCP-Meetings-in-2016.pdf)?
Das Treffen erbrachte eine Reihe von Empfehlungen zur operativen
Zusammenarbeit in den Bereichen Informationsaustausch und Zusammenarbeit von
Ermittlungsbehörden, Grenzmanagement, Strafverfolgung und Gesetzgebung. So soll
zum Beispiel der Informationsaustausch unter anderem durch die Nutzung von
Plattformen verstärkt und die Einrichtung eines regionalen Zentrums zum
Austausch von Ermittlungen geprüft werden. Die Zusammenarbeit an
Grenzübergängen zwischen den am Prozess beteiligten Ländern soll effektiver gestaltet und
Fähigkeiten im Bereich Grenzmanagement gestärkt werden. Darüber hinaus soll
darauf hingewirkt werden, dass einschlägige internationale Übereinkommen
ratifiziert und an die sich stets ändernde Vorgehensweise der Schmuggler angepasste
Gesetze zur Bekämpfung von Menschenschmuggel verabschiedet werden.
Die Bekämpfung von Menschenschmuggel wird auch bei weiteren Treffen des
Khartum-Prozesses mit den Schwerpunkten Kriminalitätsbekämpfung und
Schutz gefährdeter Personengruppen thematisiert werden.
11. Inwiefern decken sich die Vorschläge der Europäischen Kommission zu den
Prioritätsländern vom 7. Juni 2016 (COM(2016) 385 final, S. 8) mit den
Vorstellungen der Bundesregierung?
12. Welche anderen oder zusätzlichen Prioritätsländer sollte es aus Sicht der
Bundesregierung geben (bitte mit Begründung der anderen/zusätzlichen
Prioritätensetzung für die jeweiligen Länder)?
Die Fragen 11 und 12 werden gemeinsam beantwortet.
Die Europäische Kommission hat in ihrer Mitteilung zum „neuen
Partnerschaftsrahmen“ mit Drittländern zunächst neun Herkunfts-, Transit- und
Aufnahmestaaten (Jordanien, Libanon, Tunesien, Nigeria, Senegal, Mali, Niger, Äthiopien,
Libyen) für einen „Migrationspakt“ zur Migrationssteuerung und
Fluchtursachenbekämpfung vorgeschlagen. Weitere fünf Länder (Afghanistan, Iran, Marokko,
Algerien, Ägypten) schlägt die Europäische Kommission längerfristig für eine
vertiefte Zusammenarbeit vor.
Die Bundesregierung begrüßt, dass der Fokus durch die Europäische Kommission
somit auf besonders relevante Herkunfts-, Transit- und Erstaufnahmeländer
gelegt wurde. Bei der Betrachtung möglicher Migrationspartnerschaften ist
grundsätzlich eine regionale Ausgewogenheit ein Anliegen der Bundesregierung. Die
genaue Länderauswahl und auch der Inhalt der Operationalisierung sind derzeit
noch Gegenstand von Gesprächen sowohl innerhalb der Bundesregierung als
auch in den europäischen Gremien sowie in einzelnen Mitgliedstaaten.
13. Welche Maßnahmen führt die Europäische Union nach Kenntnis der
Bundesregierung im Rahmen von EUCAP Sahel Niger konkret durch (bitte um
Aufschlüsselung, für welche Maßnahmen die zugesagten Budgetmittel seit
dem Jahr 2012 konkret verwendet wurden und welche Organisationen mit
der Durchführung der Maßnahmen beauftragt wurden)?
EUCAP Sahel Niger ist eine zivile Mission im Rahmen der Gemeinsamen
Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) der EU. Die Mission leistet Trainings-
und Beratungsmaßnahmen für nigrische Sicherheitskräfte (Polizei, Gendarmerie,
Nationalgarde) um ihre Kapazitäten zur Grenzsicherung, Bekämpfung von
Terrorismus und organisierter Kriminalität sowie zur Verhinderung von
Menschenhandel und illegaler Migration zu stärken. Die Trainingsmaßnahmen werden in
der Regel von der Mission selbst durchgeführt und nicht an
Durchführungsorganisationen weitergegeben.
14. Welche Arbeit wird in der Außenstelle der Mission EUCAP Sahel Niger in
Agadez nach Kenntnis der Bundesregierung genau vorgenommen (bitte nach
Leistungen aufschlüsseln)?
Nach welchen Kriterien wird wann gemessen, ob die Arbeit ein Erfolg ist?
Ende April 2016 hat die Außenstelle der Mission in Agadez ihre Arbeit
aufgenommen. Für eine Aufgabenbeschreibung von EUCAP Sahel Niger wird auf die
Antwort zu Frage 13 verwiesen. Zusätzlich zu den dort beschriebenen Aufgaben
soll die Mission in Agadez Informationen und Daten zu Migrationsströmen
sammeln. Zum Ende eines jeweiligen Mandatszeitraums wird die Arbeit der Mission
im Rahmen einer strategischen Überprüfung durch die EU-Mitgliedstaaten
evaluiert, um möglicherweise notwendige Anpassungen an Mandat und
Aufgabenspektrum vorzunehmen.
15. Inwiefern ist Deutschland bzw. die GIZ an EUCAP Sahel Niger seit dem
Jahr 2012 beteiligt gewesen?
Die Bundesregierung hat sich seit Tätigkeitsaufnahme der Mission mit Personal
an der Mission EUCAP Sahel Niger beteiligt. Derzeit sind vier über das Zentrum
für internationale Friedenseinsätze (ZIF) sekundierte Experten bei EUCAP Sahel
Niger tätig. EUCAP Sahel Niger tauscht sich eng mit anderen internationalen
Akteuren vor Ort aus, was auch die Abstimmung mit der GIZ umfasst.
16. Welche Arbeit führt das Multifunktionszentrum der IOM in Agadez nach
Kenntnis der Bundesregierung genau durch (bitte nach Leistungen
aufschlüsseln)?
Nach welchen Kriterien wird gemessen, ob die Arbeit ein Erfolg ist?
Das Empfangs- und Betreuungszentrum der IOM (Centre d’acceuil et de transit
des migrants), beherbergt, betreut und berät Migranten im Rahmen des Mandats
der IOM.
Das Zentrum wird überwiegend von aus Libyen und dem Maghreb
zurückkehrenden, häufig traumatisierten Migranten genutzt, die in ihre Herkunftsländer
zurückkehren wollen. Die Aufnahme in dem 1 000 Plätze umfassenden Zentrum ist
freiwillig, Migranten können es jederzeit verlassen.
Neben Unterkunft, Essen und Wasser, Hygieneartikeln und anderen
Gegenständen des persönlichen Gebrauchs erhalten Migranten auch medizinische und
psychische Betreuung. Ein Schwerpunkt der Betreuung durch die IOM ist Hilfe bei
der Wiedereingliederung einschließlich der Vermittlung von handwerklichen
Kenntnissen für Existenzneugründung. Zur Vorbereitung der Rückkehr der
Migranten arbeitet die IOM auch mit den Konsulaten der Herkunftsländer sowie der
nigrischen Regierung zusammen. Die Reisekosten der rückkehrenden Migranten
werden durch die IOM bezahlt.
Spezielle Betreuung inklusive individueller Reintegrationshilfe wird gefährdeten
Migranten wie etwa unbegleiteten, minderjährigen Migranten oder Opfern von
Menschenhandel angeboten.
Die Arbeit des Empfangs- und Betreuungszentrums wird kontinuierlich durch die
IOM evaluiert.
17. Wie viel Geld erhält die IOM für ihren Migrant Resource and Response
Mechanism (MRRM) und das Multifunktionszentrum in Agadez nach
Kenntnis der Bundesregierung von der Europäischen Union?
Nach Kenntnis der Bundesregierung beteiligt sich die EU aktuell an der
Finanzierung des „Migrant Resource und Response Mechanism“ (MRRM) von IOM
mit Mitteln im Umfang von 1,7 Mio. Euro (bis November 2016). Eine weitere
Unterstützung des Zentrums aus Mitteln des EU Trust Fonds in Höhe von 7 Mio.
Euro ist in der zweiten Programmphase angelegt.
18. Inwiefern arbeiten die beiden Zentren/Stellen nach Kenntnis der
Bundesregierung in Agadez zusammen, bzw. worin besteht ihr Austausch?
Das Betreuungs- und Transitzentrum ist integraler Bestandteil des „Migrant
Resource und Response Mechanism“ (MRRM) von IOM. Der MRRM umfasst ein
breites Dienstleistungsangebot für Migranten, darunter Informationsvermittlung,
Obdach, direkte Unterstützung, freiwillige, unterstützte Rückkehr und
Reintegration.
19. Welche weiteren Lager für Migranten in Niger gibt es nach Kenntnis der
Bundesregierung?
Der Bundesregierung sind keine „Lager“ für Migranten im Niger bekannt. Es gibt
mehrere Betreuungs- und Transitzentren der IOM. Dazu gehören neben dem
Zentrum in Agadez drei weitere Einrichtungen in Niamey, Arlit und Dirkou.
20. Welchen Charakter haben die IOM- und EUCAP-Lager?
Inwiefern sind sie nach Kenntnis der Bundesregierung offen (d. h. Migranten
können selbständig hinein und hinaus), oder inwiefern handelt es sich um
Internierungs- bzw. Haftlager?
Die EU-Mission EUCAP Sahel Niger unterhält weder Lager noch sonstige
Einrichtungen für Migranten. Für eine Aufgabenbeschreibung von EUCAP Sahel
Niger wird auf die Antwort zu Frage 13 verwiesen. Im ��brigen wird auf die
Antworten zu den Fragen 16 und 19 verwiesen.
21. Welche Kenntnis hat die Bundesregierung von Abschiebungen von
Migranten von Niger in die Herkunftsstaaten?
Über Abschiebungen aus Niger liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse
vor.
Inwiefern ist auch die zwangsweise Rückführung von Migranten aus Niger
Teil der von Deutschland bzw. der Europäischen Union finanzierten
Projekte?
Die von der EU und der Bundesregierung finanzierten Projekte umfassen
keinerlei Maßnahmen der zwangsweisen Rückführung.
22. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über das
Treuhandfondsprojekt „Entwicklung und lokale Governance für eine bessere
Steuerung der Migrationsströme (Niger, 25 Mio. Euro)“ (siehe COM(2016) 385
final ANNEX 3) vor (was soll mit dem Geld genau finanziert werden, wer
leitet das Projekt, welche Organisationen sind daran beteiligt)?
Zur Beantwortung der Frage wird auf das öffentlich im Internet vorhandene
Action Fiche für das Vorhaben verwiesen:
http://ec.europa.eu/europeaid/sites/
devco/files/af-eutf-niger-development-and-local-governance-for-a-better-migration-
flow-management_2016_fr_.pdf. Das Vorhaben wird von der Bundesregierung
mit 3,5 Mio. Euro kofinanziert.
23. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über das
Treuhandfondsprojekt „Eindämmung irregulärer Migration in Nord- und
Zentraläthiopien (20 Mio. Euro)“ (COM(2016) 385 final ANNEX 3) vor (was soll mit
dem Geld genau finanziert werden, wer leitet das Projekt, welche
Organisationen sind daran beteiligt)?
Zur Beantwortung der Frage wird auf das im Internet einsehbare Action Fiche für
das Vorhaben verwiesen:
http://ec.europa.eu/europeaid/sites/devco/files/t05-
eutf-hoa-et-02_-_since.pdf.
24. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über das
Treuhandfondsprojekt „Stärkung der Reaktionsbereitschaft Somalias auf die
Steuerung und Integration von gemischten Migrationsströmen (50 Mio. Euro)“
(siehe COM(2016) 385 final ANNEX 3) vor (was soll mit dem Geld genau
finanziert werden, wer leitet das Projekt, welche Organisationen sind daran
beteiligt)?
Zur Beantwortung der Frage wird auf das im Internet einsehbare Action Fiche für
das Vorhaben verwiesen:
http://ec.europa.eu/europeaid/sites/devco/files/t05-
eutf-hoa-so-03-re-integ_en.pdf.
25. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über das
Treuhandfondsprojekt „Rapid Action Groups – Monitoring and Intervention in the
Sahel (GAR-SI SAHEL) (41,6 Mio. Euro)“ (
http://europa.eu/rapid/press-
release_MEMO-16-2168_en.htm) vor (was soll mit dem Geld genau
finanziert werden, wer leitet das Projekt, welche Organisationen sind daran
beteiligt)?
Zur Beantwortung der Frage wird auf das im Internet einsehbare Action Fiche für
das Vorhaben verwiesen:
http://ec.europa.eu/europeaid/sites/devco/files/t05-
eutf-sah-reg-2016_fr.pdf.
26. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über das
Treuhandfondsprojekt „Addressing Mixed Migration Flows in Eastern Africa (6 Mio. Euro, DCI
GPGC) (Sudan)“ (siehe
www.proasyl.de/news/deals-mit-despoten-wie-
europaseine-werte-opfert-um-fluchtbewegungen-zu-verringern/) vor (was soll mit
dem Geld genau finanziert werden, wer leitet das Projekt, welche Organisationen
sind daran beteiligt)?
Das genannte Projekt ist kein Vorhaben des EU-Nothilfe-Treuhandfonds für
Afrika (EUTF). Das Vorhaben wird nach Kenntnis der Bundesregierung aus dem
thematischen Programm „Global Public Goods & Challenges (GPGC)“
(Instrument für Entwicklungszusammenarbeit) finanziert. Weitere Informationen sind
abrufbar unter
https://ec.europa.eu/europeaid/file/49074/download_en?token=
vRWW2e98.
27. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über das
Treuhandfondsprojekt „Support for justice and security in Niger to fight organised
crime, smuggling and human trafficking (30 Mio. Euro)“ (
http://europa.eu/
rapid/press-release_MEMO-16-2168_en.htm) vor (was soll mit dem Geld
genau finanziert werden, wer leitet das Projekt, welche Organisationen sind
daran beteiligt)?
Zur Beantwortung der Frage wird auf das öffentlich im Internet vorhandene
Action Fiche für das Vorhaben verwiesen:
http://ec.europa.eu/europeaid/sites/
devco/files/t05-eutf-sah-ne-2016_fr.pdf.
28. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über das Vorhaben der
Europäischen Union vor, Kooperations-Plattformen zum
Menschenschmuggel einzurichten, und welche Orte sind nach Kenntnis der Bundesregierung
als „Schlüsselorte“ (key locations) dafür vorgesehen (COM(2016) 385 final,
S. 8)?
29. Mit welchen afrikanischen Ländern sind Kooperationen zu einer
Umsiedlung (resettlement) von Vertriebenen vorgesehen (COM(2016) 385 final,
S. 8 und 9) beschrieben, und nach welchen Kriterien soll eine Umsiedlung
durchgeführt werden?
Die Fragen 28 und 29 werden gemeinsam beantwortet.
Die Mitteilung der Europäischen Kommission KOM (2016) 385 wurde bisher
nicht vom Europäischen Rat indossiert. In den Schlussfolgerungen des
Europäischen Rates vom 28./29. Juni 2016 wurden Leitlinien zu dieser Mitteilung
angenommen. Diese enthalten jedoch keine Aussagen zu den in den Fragen 28 und 29
genannten Punkten. Weitergehende Informationen liegen der Bundesregierung
nicht vor.
30. Welche Projekte werden seit dem Jahr 2014 im Rahmen der Sonderinitiative
„Fluchtursachen bekämpfen, Flüchtlinge reintegrieren“ des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
durchgeführt bzw. sind aktuell in Planung?
Anlage 1 listet die 2014 und 2015 beauftragten Vorhaben der Sonderinitiative
„Fluchtursachen bekämpfen, Flüchtlinge reintegrieren“ auf. Für die Planung von
Vorhaben für das Jahr 2016 wird auf die dem Haushaltsausschuss nach der
Bereinigungssitzung im November 2015 zur Verfügung gestellte Liste vom 18.
Januar 2016 verwiesen.
31. Welchen Vorteil bringt es nach Einschätzung der Bundesregierung mit sich,
Maßnahmen, die auf Fluchtursachenbekämpfung und Reintegration von
Flüchtlingen abzielen, in einer Sonderinitiative zu bündeln, wie es bei der
Initiative „Fluchtursachen bekämpfen, Flüchtlinge reintegrieren“ der Fall
ist?
Die drei Sonderprogramme „Fluchtursachen bekämpfen, Flüchtlinge
reintegrieren“, „EINEWELT ohne Hunger“ und „Nordafrika und Naher Osten“ wurden
2014 initiiert, um akuten, teils chronischen globalen Krisen mit kurzfristigen
Maßnahmen effizient zu begegnen und gleichzeitig politische Prioritäten des
Koalitionsvertrags haushalterisch abzubilden.
Vorteile der Sonderinitiativen sind ihre kurzen Planungs- und Umsetzungszyklen,
die einen schnellen und effektiven Mitteleinsatz ermöglichen. Daneben besteht
die Option, die Instrumente des BMZ integriert und flexibel entlang ihrer
jeweiligen Vorteile einzusetzen. So werden Vorhaben im Rahmen der Sonderinitiative
„Fluchtursachen bekämpfen, Flüchtlinge reintegrieren“ sowohl durch die
staatlichen Durchführungsorganisationen KfW und GIZ als auch durch nichtstaatliche
Organisationen und durch VN-Organisationen umgesetzt.
32. Welche Abteilungen und Referate des BMZ sind an der Planung und
Durchführung der Sonderinitiative beteiligt?
Die Koordination im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung liegt in Abteilung 3, Referat 321. Bei der Planung und
Durchführung sind insbesondere die betroffenen Referate der Abteilung 2 sowie
diejenigen Referate beteiligt, die für die Organisationen zuständig sind, die die
Projekte der Sonderinitiative umsetzen.
33. Welche strategische Rolle kommt der GIZ im Rahmen der Sonderinitiative
„Fluchtursachen bekämpfen, Flüchtlinge reintegrieren“ zu?
Die GIZ ist eine der Organisationen, die Vorhaben der Sonderinitiative umsetzen.
34. An welchen Projekten der Sonderinitiative ist die GIZ konkret beteiligt (bitte
Projekte samt Finanzvolumen und Projektbeschreibung auflisten)?
Es wird auf die in der Antwort zu Frage 30 genannte Liste verwiesen, der zu
entnehmen ist, welche Vorhaben von der GIZ umgesetzt werden beziehungsweise
umgesetzt werden sollen.
35. Was wurde nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen des
„Polizeiprogramms Afrika“ der GIZ an welche staatlichen (und eventuell
nichtstaatlichen) Stellen geliefert (bitte gelieferte Sach- und Dienstleistungen nach
Ländern, Material, finanziellem Umfang und Herstellern konkret
aufschlüsseln)?
Das Polizeiprogramm Afrika setzt in den Ländern Mauretanien, Niger und
Tschad seit 2012 Maßnahmen im Bereich Grenzsicherheit um. Die Konzeption
dieser Maßnahmen fand im Rahmen der EU Sahelstrategie statt. Die
Unterstützungsleistungen zielen darauf ab, dass Grenzpolizisten an dezentralen Standorten
(dörflichen und kleinstädtischen Grenzposten) die relevanten Prozeduren bei der
Ein- und Ausreise von Personen kennen und verfahrenssicher anwenden. Das
Programm unterstützt so die legale Ein- und Ausreise unter Berücksichtigung der
Menschenrechte. Seit 2015 setzte das Polizeivorhaben auch in Nigeria kleinere
Unterstützungsleistungen im Bereich Immigration und Grenzmanagement um.
In Mauretanien wurde neben der Unterstützung im Bereich Grenzsicherheit auch
die Koordination des Aus- und Fortbildungsbereichs der Polizei sowie die
Stärkung der kriminaltechnischen Polizeieinheit gefördert.
Neben Grenzsicherheit betraf die Unterstützung des Polizeiprogramms in Niger
auch Personalmanagement sowie der Spurensicherung und Identitätsermittlung
als weitere Bereiche von Polizeiarbeit.
Im Tschad konzentrierte sich das Polizeiprogramm auf die Erhöhung der
Mobilität und Einsatzfähigkeit der Polizei sowie die Aus- und Fortbildungskapazitäten
in der Kriminaltechnik.
Alle gelieferten Materialien sind eingebettet in die entsprechenden Beratungs-
und Trainingsleistungen, oftmals vertraglich mit diesen gekoppelt, so im Falle
von Solarpanelen, zur Stromversorgung für eine dezentrale Grenzstation, die in
der Leistung der lokalen Baufirma enthalten ist und dann von dieser lokal besorgt
wurden.
Folgende Sach- und Dienstleistungen wurden zur Verfügung gestellt:
In Mauretanien (Empfänger ist die Direction Générale de la Sûreté Nationale –
DGSN):
Bau von drei Grenzstationen (210 000 Euro)
Ausstattung von neun Polizeistationen mit essentiellem Basismobiliar
(Büromöbel, Basis IT Equipment, Solarkollektoren, letzteres 6000 Euro)
Lieferung von neun Pass- und Fingerabdruckscannern
Fortbildung von 102 Grenzpolizisten
Einrichtung eines Trainerpools von sechs Trainern im Bereich
Grenzsicherheit, Entwicklung einer nationalen Trainingsstrategie (Schwerpunkt
Grenzsicherheit).
Die Materialien dienen zur Grundausstattung für die neu gebauten und mit
Personal belegten Polizeistationen und zur täglichen Arbeitsverrichtung der
Grenzbeamten. Außerdem wurde die Polizei mit Material zur Spurensicherung am
Tatort ausgestattet. Durch das Vorhaben wurden Materialien zur Verfügung gestellt
und der Einsatz von Polizisten im Rahmen von SOPs (Standard Operating
Procedures) zu Fortbildung und Einsatzzwecken ermöglicht.
In Niger (Empfänger ist die Police Nationale du Niger – PNN) wurden
Maßnahmen in Ko-finanzierung mit der EU (Instrument for Stability, IfS) und dem
Auswärtigen Amt durchgeführt. Hier wurden
neun Polizeistationen an der Grenze Niger-Nigeria gebaut und mit
Basismobiliar ausgestattet (1,35 Mio. Euro),
neun Fahrzeuge geliefert (Pick-ups zu insgesamt 270 000 Euro), sowie zwölf
Motorräder (zu je 10 000 Euro),
ein Ausbildungsmodul „Grenzsicherheit“ (Kontrollvorgänge, Verhalten bei
kritischen Situationen, Dokumentation in Form eines kontinuierlichen
Registrierens von Personenbewegungen über die Grenze, etwa durch Führen eines
manuellen Registers, das täglich vom Vorgesetzten gegengezeichnet wird)
entwickelt und 67 Polizisten in seiner Anwendung ausgebildet.
Für die Verwaltung der Polizei (Personal- und Grenzschutzabteilung) wurden
zwei Rollregalanlagen beschafft.
Das kriminaltechnische Labor der Polizei wurde mit Laborgeräten und
kriminaltechnischem Material ausgestattet und die Personalabteilung erhielt einen
Server, um das Personaldatenmanagement auf ein IT-gestütztes System
umzustellen.
Im Tschad (Empfänger ist die Police Nationale Tschadienne – PNT) wurde
ein Grenzposten an der Grenze zu Kamerun gebaut.
Ausstattung und Trainingsleistungen sind in der jetzigen neuen Phase geplant.
Die Kriminalpolizei wurde mit kriminaltechnischem Material für Tatortarbeit
ausgestattet.
In Nigeria (Empfänger ist der Nigeria Immigration Service – NIS) wurden zwei
Fahrzeuge beschafft und übergeben (Pick-ups insgesamt 40 000 Euro).
Ergänzend wird auf die Antwort zu Frage 39 verwiesen.
36. War bzw. ist die GIZ nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen des
„Polizeiprogramms Afrika“ oder anderer Projekte am Bau von
Internierungslagern etc. beteiligt (gewesen)?
Im Rahmen des Polizeiprogramms Afrika werden und wurden keine
„Internierungslager“ gebaut.
37. Wurden die Maßnahmen des „Polizeiprogramms Afrika“ der GIZ nach
Kenntnis der Bundesregierung wie vorgesehen im Jahr 2015 abgeschlossen?
Alle für den Zeitraum 2013 bis 2015 geplanten Maßnahmen wurden – mit
Ausnahme des Baus einer Autowerkstatt im Tschad – planmäßig umgesetzt.
38. Ist eine Fortführung von Maßnahmen zur Unterstützung von (Grenz-)Polizei
oder Sicherheitskräften in afrikanischen Ländern durch die GIZ vorgesehen,
in Planung oder bereits in Umsetzung (z. B. im Rahmen des Regionalen
Aktionsplans für die Sahelzone 2015-2020, Ratsdokument 7823/15)?
Das Polizeiprogramm Afrika der GIZ wurde für eine dritte Phase (2016 bis 2018)
mit dem Auf- und Ausbau von Polizeistrukturen in den Ländern Mauretanien,
Côte d’Ivoire, Niger, Demokratische Republik Kongo, Kamerun, Nigeria und
Süd-Sudan beauftragt. Auch die Unterstützung der AU und der
Regionalorganisation EASF und ECOWAS beim Aufbau einer zivilen Friedenstruppe wurde für
eine weitere Phase beauftragt.
39. Welche deutschen Unternehmen haben im Rahmen des „Polizeiprogramms
Afrika“ bzw. werden im Rahmen der aus dem EU-Treuhandfonds
finanzierten Projekte Material und Technik nach Afrika liefern?*
Im Rahmen des Polizeiprogramms werden für alle Beschaffungen mit einem
Wert über 20 000 Euro öffentliche, zum Teil europaweite Ausschreibungen
durchgeführt. Feste Lieferbindungen bestehen nicht. Im Rahmen der aus dem
EUTF finanzierten Projekte wurden bisher keine Lieferungen vorgenommen.
Informationen darüber, welche deutschen Unternehmen im Rahmen der
genannten Vorhaben Material liefern, können aus Gründen des Datenschutzes nicht
öffentlich gemacht werden. Die entsprechenden Angaben sind in der Anlage 2 zu
dieser Antwort enthalten, die gemäß der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift des
Bundesministeriums des Innern zum materiellen und organisatorischen Schutz
von Verschlusssachen (VS-Anweisung – VSA) als „VS-Nur für den
Dienstgebrauch“ eingestuft und als separater Anhang verschickt wird.
* Das Auswärtige Amt hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Die Antwort ist im Parlamentssekretariat des
Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen werden.
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ISSN 0722-8333]