[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
vom 19. Oktober 2016 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/10105
18. Wahlperiode 21.10.2016
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Friedrich Ostendorff, Nicole Maisch,
Harald Ebner, Matthias Gastel und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/9906 –
Ankündigungen des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft
Christian Schmidt zum Tierschutz bei Nutztieren und Stand der Umsetzung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die deutsche Landwirtschaft trifft auf hohe gesellschaftliche Erwartungen, die
stetig wachsen. Die Art und Weise, wie Landwirtschaft und hier insbesondere
die Tierhaltung betrieben wird, rücken immer mehr ins Blickfeld der
Bevölkerung.
CDU, CSU und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag versprochen, „die
kritische Diskussion zur Tierhaltung in der Gesellschaft“ aufzunehmen. Des
Weiteren wurden von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt bereits
zahlreiche Ankündigungen zu mehr Tierschutz in der Landwirtschaft gemacht.
1. Welche konkreten Verbesserungen bei den Haltungsbedingungen von
Nutztieren kamen im Laufe dieser Legislaturperiode durch welche konkreten
rechtlichen Anpassungen des Bundesministeriums für Ernährung und
Landwirtschaft (BMEL) zustande?
2. Welchen Tieren wird es, wie vom Bundeslandwirtschaftsminister Christian
Schmidt beim Start seiner Initiative für mehr Tierwohl verkündet, am Ende
dieser Legislaturperiode „besser gehen“ (Pressemitteilung Nr. 213 des
BMEL vom 17. September 2014)?
Die Fragen 1 und 2 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Mit dem am 5. August 2014 in Kraft getretenen Gesetz zur Änderung des
Rindfleischetikettierungsgesetzes, des Legehennenbetriebsregistergesetzes und des
Tierschutzgesetzes konnte durch eine veränderte Regelung der
Kennnummernvergabe für Legehennen haltende Betriebe die nationale Überwachung der
Legehennenhaltung verbessert werden. So ermöglichen die Regelungen den
Kontrollbehörden, Rückschlüsse auf die tatsächliche Anzahl der gehaltenen Legehennen
bzw. auf eine etwaige Überbelegung in den Ställen zu ziehen.
Mit der am 11. August 2014 in Kraft getretenen Fünften Verordnung zur
Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wurden erstmals detaillierte
Anforderungen an die Haltung von Kaninchen zu Erwerbszwecken festgelegt. Die
Regelungen sehen strenge Anforderungen an die Haltung, Betreuung und Pflege
von Zucht- und Mastkaninchen vor. Die Verordnung gibt unter anderem einen
Sachkundenachweis für Kaninchenhalter im Umgang mit Kaninchen vor. Die
Vorgaben der Verordnung orientieren sich dabei insbesondere am
Sozialverhalten und Bewegungsmuster der Tiere sowie an ihrem Bedürfnis, zu Nagen und zu
Scharren.
Am 22. April 2016 ist die Sechste Verordnung zur Änderung der Tierschutz-
Nutztierhaltungsverordnung in Kraft getreten. Mit dieser Verordnung wurde das
Aus der Kleingruppenhaltung von Legehennen mit einer Auslauffrist bis Ende
des Jahres 2025 besiegelt. Nur für besondere Härtefälle ist im Einzelfall eine
Verlängerung der Frist um bis zu maximal drei Jahre (bis Ende des Jahres 2028)
möglich. Durch diese Regelung wurde der Tierschutz bei der Legehennenhaltung
einen deutlichen Schritt vorangebracht. Spätestens mit Ende der genannten
Übergangsfristen werden Legehennen in Deutschland nur noch in Boden-, Freiland-
und ökologischer Haltung gehalten werden.
Durch die im Jahr 2014 durch Bundesminister Christian Schmidt gestartete
öffentlichkeitswirksame Initiative „Eine Frage der Haltung“ hat sich – vom
Erzeuger zum Konsumenten – die „Haltung“ zu vielen kritischen Themen der
Nutztierhaltung hin zu mehr Bewusstsein im Tierschutz verändert. Mit der Erarbeitung
eines staatlichen Tierwohllabels wurde begonnen. Dieses Label soll Standards der
Tierhaltung, die über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen, für die
Verbraucherinnen und Verbraucher kenntlich machen.
Der Bundesminister Christian Schmidt hat im Juli 2015 mit dem Verband
Deutscher Putenerzeuger, dem Bundesverband Deutsches Ei und dem Zentralverband
der Deutschen Geflügelwirtschaft die „Vereinbarung zur Verbesserung des
Tierwohls, insbesondere zum Verzicht auf das Schnabelkürzen in der Haltung von
Legehennen und Mastputen“ abgeschlossen. Die Vereinbarung beinhaltet den
Verzicht auf das Schnabelkürzen bei Legehennenküken in den Brütereien ab
August 2016 sowie den Verzicht auf das Einstallen von kupierten Legehennen ab
Januar 2017. Dies bedeutet, dass spätestens ab Sommer 2018 nur noch Eier von
Legehennen mit unkupierten Schnäbeln im Handel angeboten werden. Es ist
festzustellen, dass schon jetzt im Handel immer mehr Eier von unkupierten
Legehennen angeboten werden und der Einzelhandel weist auch zunehmend auf diese Eier
hin.
3. In welcher legislativen Phase befinden sich die vom
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt angekündigten einheitlichen Prüf- und
Zulassungsverfahren für serienmäßig hergestellte Stalleinrichtungen, und wann
kann damit gerechnet werden, dass diese den legislativen Zyklus
durchlaufen haben?
Wann können voraussichtlich die ersten Haltungssysteme entsprechend
geprüft werden?
Wie viele Tiere (geordnet nach Tiergruppen) und Betriebe werden in dieser
Legislaturperiode von dem Prüf- und Zulassungsverfahren profitieren?
Der Entwurf der Verordnung über die obligatorische Prüfung und Zulassung
serienmäßig hergestellter Stalleinrichtungen zum Halten von Hennen hat die
Ressort- sowie die Verbände- und Länderbeteiligung durchlaufen. Die
Tierschutzkommission ist am 20. Oktober 2015 erstmalig mit dem Verordnungsentwurf
befasst worden. Der Kompetenzkreis Tierschutz beim Bundesministerium für
Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat am 11. November 2015 zum
Verordnungsentwurf Stellung genommen. Derzeit wird der Entwurf im Lichte der
eingegangenen Stellungnahmen überarbeitet. Der Bundesrat könnte nach Abschluss
des EU-Notifizierungsverfahrens, voraussichtlich vor der Sommerpause des
Deutschen Bundestages im Jahr 2017, mit dem Verordnungsentwurf befasst
werden.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung vom 9. November 2015
zu Frage 5 der Kleinen Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf
Bundestagsdrucksache 18/6619 verwiesen.
4. Wie ist der aktuelle Bearbeitungsstand der vom
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt für das dritte Quartal 2015 angekündigten
freiwilligen Vereinbarung mit der Wirtschaft zum schmerzfreien Enthornen von
Rindern, und welchen Zeithorizont sieht diese Vereinbarung vor?
Auf dem Weg zu einer freiwilligen Vereinbarung im Bereich der Rinderhaltung
fanden seit April 2014 mehrere Gespräche und Abstimmungsrunden mit den
Verbänden der Rinder- und Kälberhalter und -züchter statt. Zuletzt konnte der
Vereinbarungsentwurf weitestgehend mit den betroffenen Verbänden abgestimmt
werden.
5. Wird das BMEL dem Beschluss der Agrarministerkonferenz (AMK) vom
20. März 2015 folgen, in dem sich die Länder dafür aussprechen, dass bei
der Enthornung von Kälbern nach § 5 des Tierschutzgesetzes zur
Ausschöpfung aller Möglichkeiten der Reduzierung von Schmerzen oder Leiden
neben der Gabe von Schmerzmitteln auch die Gabe von Sedativa als
verpflichtend anzusehen ist?
Gemäß der Ausnahmeregelung nach § 5 Absatz 3 Nummer 2 des
Tierschutzgesetzes ist für das Enthornen oder das Verhindern des Hornwachstums bei unter
sechs Wochen alten Rindern eine Betäubung nicht erforderlich. Nach § 5
Absatz 1 Satz 6 des Tierschutzgesetzes sind hierbei alle Möglichkeiten
auszuschöpfen, um die Schmerzen oder Leiden der Tiere zu vermindern. Die Überwachung
der Einhaltung der tierschutzrechtlichen Vorschriften einschließlich deren
Anwendung und Auslegung ist gemäß § 15 Absatz 1 des Tierschutzgesetzes
Aufgabe der zuständigen Behörden der Bundesländer. Diese haben sich in dem
genannten AMK-Beschluss dahingehend positioniert, dass nach § 5 des
Tierschutzgesetzes zur Ausschöpfung aller Möglichkeiten der Reduzierung von Schmerzen
oder Leiden neben der Gabe von Schmerzmitteln auch die Gabe von Sedativa als
verpflichtend anzusehen ist. Aus Sicht der Bundesregierung stellt die Anwendung
von Schmerz- und Beruhigungsmitteln beim Veröden der Hornanlagen von
Kälbern eine Möglichkeit zur Belastungsreduzierung der Tiere dar, die auch unter
Verhältnismäßigkeitsaspekten zumutbar ist. Die Bundesregierung geht davon
aus, dass die Länder im Vollzug entsprechend dem AMK-Beschluss agieren.
6. Wie weit ist die vom Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt für
Ende 2015 angekündigte Entwicklung und standardisierte Bewertung von
Tierschutzindikatoren gediehen, welche Indikatoren wurden identifiziert,
und auf welcher wissenschaftlichen Grundlage beruhen diese (bitte
geeignete Indikatoren geordnet nach Tiergruppen angeben)?
Wenn keine Indikatoren vorliegen, warum nicht?
Die Initiative des BMEL „Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr
Tierwohl“ wird in zehn Eckpunkten beschrieben. Unter Eckpunkt sieben „Forschung
für mehr Tierwohl stärken“ sollen die Grundlagen und Rahmenbedingungen für
den Tierschutz durch verschiedene Maßnahmen verbessert werden, unter
anderem durch die Entwicklung und standardisierte Bewertung von
Tierschutzindikatoren.
Das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V. (KTBL)
hat im Jahr 2015 die mit Förderung des BMEL herausgegebene KTBL-Schrift
507 „Tierschutzindikatoren Vorschläge für die betriebliche Eigenkontrolle“
veröffentlicht. Zur Erarbeitung der Schrift hat die KTBL-Arbeitsgruppe „Indikatoren
zur Bewertung der Tiergerechtheit in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung“
zwei Fachgespräche ausgerichtet mit dem Ziel, Indikatoren zusammenzustellen,
mit denen für wichtige Produktionsrichtungen eine routinemäßige betriebliche
Eigenkontrolle der Tiergerechtheit vorgenommen werden kann. Die Schrift stellt
die Empfehlungen von etwa 50 Experten aus Deutschland und Österreich
zusammen. Betrachtet werden die Bereiche Milch- und Mastrinder, Aufzuchtkälber,
Sauen, Ferkel, Mastschweine, Masthühner, Mastputen und Legehennen. Die
Empfehlungen berücksichtigen auch Indikatorensysteme, die in der
Vergangenheit zur Bewertung der Tiergerechtheit zu unterschiedlichen Einsatzzwecken
entwickelt wurden, unter anderem das Welfare Quality® Protocol. Darauf aufbauend
wurden anschauliche Methodenanleitungen1 für die betriebliche Eigenkontrolle
ausgearbeitet. Diese sollen einen fundierten Vorschlag liefern, wie eine
Überprüfung der Tiergerechtheit der Haltung – zum Zweck der innerbetrieblichen
Schwachstellenanalyse und Managementoptimierung – nach aktuellem
wissenschaftlichem Stand durchgeführt werden kann.
Folgende Indikatoren wurden als geeignet identifiziert:
Milchrinder: Nutzungsdauer, Gehalt somatischer Zellen /
Mastitisbehandlungsinzidenz, Körperkondition, Fett-Eiweiß-Quotient der Milch, Lahmheit,
Integumentveränderungen, Tierverluste, Schwergeburtenrate,
Wasserversorgung, Kotverschmutzung der Tiere, Klauenzustand, Liegeplatznutzung,
Aufstehverhalten, Ausweichdistanz.
Mastrind: Integumentveränderungen inklusive Schwanzspitzennekrose,
Körperkondition, Lahmheit, Nasenausfluss, Tierverluste, Wasserversorgung,
Sauberkeit der Tiere, Zustand der Klauen, Flächenangebot, Zungenrollen/-
schlagen.
1 Brinkmann, J.; Ivemeyer, S.; Pelzer, A.; Winckler, C.; Zapf, R. 2016: Tierschutzindikatoren: Leitfaden für die Praxis – Rind. Vorschläge
für die Produktionsrichtungen Milchkuh, Aufzuchtkalb, Mastrind. ISBN 978-3-945088-26-5, Best.-Nr. 12616 digitale Version Best.-
Nr. P_12616, KTBL e. V.
Schrader, L.; Czycholl, I.; Krieter, J.; Leeb C.; Zapf, R.; Ziron, M. 2016: Tierschutzindikatoren: Leitfaden für die Praxis – Schwein.
Vorschläge für die Produktionsrichtungen Sauen, Saugferkel, Aufzuchtferkel und Mastschweine. ISBN 978-3-945088-27-2, Best.-Nr.
12617 bzw digitale Version Bestell.-Nr. P_12617, KTBL e. V.
Knierim, U.; Andersson, R.; Keppler, C.; Petermann, S.; Rauch, E.; Spindler, B.; Zapf, R. 2016: Tierschutzindikatoren: Leitfaden für die
Praxis – Geflügel. Vorschläge für die Produktionsrichtungen ISBN 978-3-945088-28-9, Best.-Nr. 12618 bzw. digitale Version
Bestell.-Nr. P_12618, KTBL e. V.
Aufzuchtkalb (bis 6 Monate): Tierverluste, Behandlungsinzidenzen,
Kümmerer, Körperkondition, Sauberkeit der Tiere, Komplikationen nach Enthornung,
gegenseitiges Besaugen, Einstreumanagement.
Sauen: Kotverschmutzung der Tiere, Schlachtbefunde, Anzeichen von
Ektoparasiten, Therapiehäufigkeit Antibiotika, Umrauscherquote, Abortrate,
Schwellungen an den Beinen, Schulterläsionen, Verletzungen an Zitzen und
Gesäuge, Lahmheit, Klauenveränderungen, Nestbaumaterial,
Körperkondition, Wasserversorgung, Hautverletzungen, Stereotypien, Wurfzahl,
Tierverluste.
Saugferkel: Kümmerer, Tierverluste, Hautverletzungen am Kopf,
Hautverletzungen an den Karpalgelenken.
Aufzuchtferkel und Mastschweine: Schwanzlänge, Kotverschmutzung der
Tiere, Therapiehäufigkeit Antibiotika, Schlachtbefunde, Anzeichen für
Ektoparasiten, Hautverletzungen, Ohrverletzungen, Schwanzverletzungen,
Lahmheit, Wasserversorgung, tägliche Zunahme, Kümmerer, Tierverluste.
Masthuhn: Lahmheit, Fersenhöckerveränderungen, Fußballenveränderungen,
Brusthautveränderungen, Verwürfe und Ursachen, Arzneimitteleinsatz, tiefe
Dermatitis, Gewichtsentwicklung und Uniformität, Wasserverbrauch,
Tierverluste, Verletzte und tot angelieferte Tiere.
Mastpute: Vollständigkeit Gefieder, Hautverletzungen, Lahmheit,
Fußballenveränderungen, Brusthautveränderungen, Verwürfe und Ursachen,
Arzneimitteleinsatz, Gewichtsentwicklung und Uniformität, Wasserverbrauch, Ausmaß
und Qualität des Schnabelkürzens, Tierverluste, Verletzte und tot angelieferte
Tiere.
Jung- und Legehennen: Vollständigkeit Gefieder, Hautverletzungen,
Fußballenveränderungen, Verwürfe und Ursachen, Arzneimitteleinsatz, äußere
Eiqualität, Brüche und Deformation des Brustbeins, Sollgewichtserfüllung,
Uniformität, Anteil zu leichter Tiere, Verlauf der Legeleistung, Gewicht bei
Schlachtung, Wasserverbrauch, Tierverluste, Verletzte und tot angelieferte
Tiere.
Daneben fördert das BMEL im Rahmen einer Bekanntmachung 17 Projekte mit
insgesamt rund 11,5 Mio. Euro, in denen die Tiergerechtheit und das
Wohlbefinden der Tiere in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung unter Einsatz geeigneter
Indikatoren bewertet werden. In den Projekten werden unterschiedliche Ansätze
zur Untersuchung und Bewertung von Tiergerechtheit und Wohlbefinden sowie
der Einsatz verschiedener Indikatoren untersucht.
7. In welchem rechtlichen Rahmen sollen die Tierschutzindikatoren verankert
werden, und inwiefern fließen die bereits von dem Kuratorium für Technik
und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V. (KTBL) entwickelten
Tierschutzindikatoren (KTBL-Schrift 507: „Tierschutzindikatoren – Vorschläge für
die betriebliche Eigenkontrolle“) in konkrete legislative Entwürfe mit ein?
Durch das Dritte Gesetz zur Änderung des Tierschutzgesetzes vom 4. Juli 2013
wurde in § 11 Absatz 8 eine Anforderung ergänzt, nach der alle Personen, die
Nutztiere zu Erwerbszwecken halten durch betriebliche Eigenkontrollen
sicherzustellen haben, dass die Anforderungen des § 2 des Tierschutzgesetzes
eingehalten werden. Sie haben dazu insbesondere geeignete Tierschutzindikatoren zu
erheben und zu bewerten. Die KTBL-Schrift 507 wurde gerade vor dem
Hintergrund dieser neuen rechtlichen Verpflichtung entwickelt. Einer darüber
hinausgehenden rechtlichen Verankerung bedarf es nicht. Die KTBL-Schrift 507
unterstützt Landwirte in der Umsetzung der tierschutzbezogenen betrieblichen
Eigenkontrollverpflichtung, indem sie eine Möglichkeit der Umsetzung beschreibt.
8. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass die infolge der Änderung des
Tierschutzgesetzes (§ 11 Absatz 8) verpflichteten Nutztierhalterinnen und
Nutztierhalter betriebliche Eigenkontrollen durchführen und tierbezogene
Indikatoren zur Bewertung der Tiergerechtheit erheben, und inwieweit nutzt
die Bundesregierung die gewonnenen Erkenntnissen und Daten aus den
betrieblichen Eigenkontrollen für ein nationales Tierwohl-Monitoring?
Für die Überwachung der Einhaltung der tierschutzrechtlichen Anforderungen,
einschließlich der sich aus § 11 Absatz 8 des Tierschutzgesetzes ergebenden
Verpflichtungen, sind die Behörden der Länder zuständig.
Die Ergebnisse der betrieblichen Eigenkontrollen gemäß § 11 Absatz 8 des
Tierschutzgesetzes werden weder gesammelt noch ausgewertet und liegen der
Bundesregierung auch nicht vor. Sie dienen ausschließlich dem jeweiligen Landwirt
zum Zweck der betrieblichen Eigenkontrolle, ob die Anforderungen des § 2 des
Tierschutzgesetzes eingehalten sind.
9. Welche konkreten Änderungsvorschläge und Finanzierungsmöglichkeiten
stellt die Bundesregierung bezüglich des in der Vereinbarung mit der
Geflügelwirtschaft vom 9. Juli 2015 formulierten Ziels „die Züchtung, die
Haltungseinrichtungen und Haltungsmanagement den Bedürfnissen der Tiere so
weit anzupassen, dass eine Haltung von Geflügel mit ungekürzten
Schnabelspitzen möglich ist, ohne dass es dabei zu vermehrten Verletzungen und
Ausfällen kommt“ bereit?
Welcher Zeitpunkt ist für die Umsetzung dieses Ziels anvisiert, und wer
überprüft die Zielerreichung (bitte involvierte Institutionen, Verbände etc.
nennen)?
Am 9. Juli 2015 haben Bundesminister Schmidt und Vertreter der
Geflügelbranche eine Vereinbarung zur Verbesserung des Tierwohls, insbesondere zum
Verzicht auf das Schnabelkürzen in der Haltung von Legehennen und Mastputen
unterzeichnet. Mit dieser Vereinbarung hat sich die Geflügelwirtschaft verpflichtet,
seit dem 1. August 2016 keine Schnäbel bei Legehennenküken mehr zu kürzen
und ab dem 1. Januar 2017 regelmäßig auf die Einstallung von schnabelgekürzten
Junghennen in Deutschland zu verzichten. Es handelt sich um von der Branche
gesteckte Ziele, die grundsätzlich eigenverantwortlich seitens der betroffenen
Wirtschaftsbeteiligten verfolgt und umgesetzt werden müssen.
Das Kürzen der Schnabelspitze von Legehennenküken bedarf gemäß § 6 Absatz 1
Satz 1 in Verbindung mit Absatz 3 Satz 1 Nummer 1 des Tierschutzgesetzes der
Erlaubnis durch die zuständige Behörde. Die Erlaubnis ist zu befristen und darf
nur erteilt werden, wenn glaubhaft dargelegt wird, dass der Eingriff im Hinblick
auf die vorgesehene Nutzung zum Schutz der Tiere unerlässlich ist. Die
Ministerinnen, Minister und Senatoren der Agrarressorts der Länder haben unter TOP 28
der Agrarministerkonferenz am 2. Oktober 2015 die Vereinbarung des Bundes
mit der Geflügelwirtschaft im Hinblick auf den Ausstieg aus dem Schnabelkürzen
bei Legehennen aktiv unterstützt. Die Bundesregierung geht daher davon aus,
dass die für den Vollzug des Tierschutzrechts einschließlich der Erteilung von
Ausnahmegenehmigungen zuständigen Behörden entsprechend agieren.
In den Bereichen Forschung und Beratung wurde eine verstärkte Zusammenarbeit
zwischen der Branche und dem BMEL vereinbart. Zur Sicherstellung eines
schnellen Transfers von Forschungsergebnissen in die Praxis stehen im Rahmen
des bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
eingerichteten Förderinstruments „Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz“
Beratungsinitiativen und Netzwerke von Demonstrationsbetrieben zur Verfügung. So
wurden mit 0,5 Mio. Euro zwei Beratungsinitiativen, die sich mit dem Thema
Haltung von unkupierten Legehennen beschäftigten, gefördert. Die
Beratungsinitiative zur Vermeidung von Kannibalismus und Federpicken der
Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat Wege aufgezeigt, auf das Schnabelkürzen zu
verzichten. Im Lichte der Erfahrungen der Projektbetriebe wurde als Beratungsgrundlage
für die breite Praxis ein Managementleitfaden für eine tierschutzgerechte
Junghennen- und Legehennenhaltung mit ungekürzten Schnäbeln entwickelt
(
www.mud-tierschutz.de/524).
Die zweite Beratungsinitiative fördert die Etablierung eines Managementtools
(MTool) bei Legehennen. Das Beratungswerkzeug ermöglicht die tierorientierte
Beurteilung des Managementerfolges und eine Systematisierung der komplexen
betrieblichen Zusammenhänge (
www.mud-tierschutz.de/523).
Des Weiteren sind im Mai 2015 zwei Netzwerke von Demonstrationsbetrieben
gestartet. Die Netzwerke befassen sich mit der Verbesserung der
Haltungsumgebung von Legehennen in der Aufzuchtphase und der Legeperiode mit dem Ziel,
Hennen mit ungekürzten Schnäbeln flächendeckend aufzustallen. An den beiden
Netzwerken sind jeweils fünf Demonstrationsbetriebe beteiligt, die mit bis zu
100 000 Euro und zusätzlich bis zu 40 Prozent an Investitionskosten gefördert
werden können. Erweitert wurde das Themenspektrum seit Oktober 2016 durch
das Netzwerk „Minimierung des Federpickens bei Mastputen“ an dem ebenfalls
fünf landwirtschaftliche Betriebe teilnehmen.
Darüber hinaus erarbeitet die Geflügelwirtschaft derzeit mit den
Forschungseinrichtungen des BMEL bundeseinheitliche Leitlinien für die Aufzucht und Haltung
nicht schnabelgekürzter Legehennen.
Im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur „Verbesserung der Agrarstruktur und
des Küstenschutzes“ können unter anderem Investitionen für Stallneubauten oder
-modernisierungen für Geflügel über das Agrarinvestitionsförderungsprogramm
(AFP) mit einem Zuschuss von bis zu 40 Prozent gefördert werden, wenn dabei
besondere Anforderungen in einem der Bereiche Verbraucher-, Umwelt- oder
Klimaschutz sowie zusätzlich im Bereich Tierschutz die Anforderungen des
Teils B „Premiumförderung“ des AFP-Förderungsgrundsatzes erfüllt werden.
Beispielweise sind dabei ein erhöhter Platzbedarf sowie Vorrichtungen zur
Beschäftigung vorgeschrieben.
10. Welche konkreten Fortschritte wurden im Tierschutz nach Kenntnis der
Bundesregierung auf EU-Ebene erzielt, seit im Dezember 2014
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt zusammen mit den zuständigen
Ministern und Ministerinnen aus Dänemark und den Niederlanden eine „Joint
Declaration on Animal Welfare“ unterschrieben hat?
Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Dänemark und den Niederlanden, der
zwischenzeitlich auch Schweden beigetreten ist, wurden verschiedene Initiativen an
die Europäische Kommission herangetragen und im Agrarrat beraten. Diese
betreffen den Tierschutz beim Transport und in der Schweinehaltung sowie zuletzt
die Forderung nach Einrichtung einer Tierschutzinformationsplattform, die
insbesondere der Förderung einer einheitlichen Umsetzung der EU-
Tierschutzvorschriften in den Mitgliedstaaten, dem Austausch von Best-Practice-Beispielen
und von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie dem
Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten sowie zwischen Mitgliedstaaten und der
Europäischen Kommission und mit Stakeholdern dienen soll. Die Anregung wurde
von Stakeholdern und Mitgliedstaaten begrüßt, die Europäische Kommission hat
angekündigt, dass sie die Umsetzung prüfen wird.
Daneben haben Deutschland, die Niederlande, Dänemark und Schweden der
Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ein Mandat zur
Erarbeitung einer wissenschaftlichen Stellungnahme zur Problematik des Schlachtens
hochträchtiger Tiere erteilt. Diese Stellungnahme wird derzeit erarbeitet und wird
voraussichtlich im Sommer 2017 vorliegen.
11. Welche Gutachten wurden im Bereich der Tierhaltung seit Beginn dieser
Legislaturperiode vom BMEL in Auftrag gegeben (bitte Name der
Forschungseinrichtung, Titel der Studie, Kosten und Abschlussdatum angeben)?
In welcher Weise hat die Bundesregierung die gewonnenen Erkenntnisse
umgesetzt (bspw. in Form von Gesetzesänderungen, abgeschlossenen
Vereinbarungen o. Ä.)?
Die Frage wird so verstanden, dass Forschungsvorhaben gemeint sind, deren
Förderung durch das BMEL in der laufenden Legislaturperiode begonnen hat
und die einen Bezug zum Tierschutz bei der Nutzierhaltung aufweisen. Für
diese Vorhaben sind die erfragten Informationen in der als Anlage beigefügten
Tabelle aufgelistet.2 Dabei ist grundsätzlich zu beachten, dass je nach Vorhaben
Tierschutz-, Tiergesundheits-, Nachhaltigkeits- oder Fragen der öffentlichen
Gesundheit im Vordergrund stehen, wobei diese sich häufig überlagern.
Vorhaben, bei denen der Tierschutz im Vordergrund steht, fördert das BMEL in
der Regel als Innovationen oder Modell- und Demonstrationsvorhaben.
Forschungsvorhaben zielen nicht primär darauf ab, die erzielten Erkenntnisse
unmittelbar in Form von Gesetzesänderungen o. Ä. zu verwerten. Bei den
Innovationsvorhaben handelt es sich um Ansätze mit dem Potential, Erkenntnisse für eine
tiergerechtere Haltung, einen tiergerechteren Transport oder eine tiergerechtere
Schlachtung zu liefern. Das BMEL stellt sicher, dass die Erkenntnisse einer
Verwertung zugeführt werden, die wissenschaftlicher oder unternehmerischer Art
sein kann. Über Veröffentlichungen finden die Vorhaben Eingang in den
gesellschaftlichen Diskurs zur Zukunft der Nutztierhaltung. Ziel ist es, dass neue
Erkenntnisse zum Tierschutz Eingang in die landwirtschaftliche Praxis finden.
Modell- und Demonstrationsvorhaben bauen auf vorhandenen Innovationen oder
neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen auf und haben deren Umsetzung und
Verbreitung in der Praxis zum Ziel. Hierfür finden eine unabhängige individuelle
Betriebsberatung und eine Bildung von Netzwerken aus Beispielbetrieben statt.
Zusätzlich zu den in der Antwort zu Frage 9 genannten Modell- und
Demonstrationsvorhaben zur Hennenhaltung sind hier insbesondere auch laufende Vorhaben
zum Verzicht auf das Kupieren von Schwänzen bei Mastschweinen und die
Gruppenhaltung ferkelführender Sauen zu nennen. Im letzten Fall verlaufen
Innovation und Modell- und Demonstrationsvorhaben parallel, wobei eine direkte
Verknüpfung der Vorhaben stattfindet.
2 Von einer Drucklegung der Anlage wurde abgesehen.
Diese ist auf Bundestagsdrucksache 18/10105 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
12. Gibt der Zwischenbericht des Projektes SiGN (Untersuchungen zum Anteil
von Trächtigkeiten bei geschlachteten Tieren und zu den Ursachen für die
Abgabe trächtiger Schlachttiere unter Berücksichtigung der verschiedenen
Tier- und Nutzungsarten) Hinweise auf eine Verringerung der trächtig
geschlachteten Tiere, woraus abgeleitet werden könnte, dass der Appell des
BMEL (Pressemitteilung Nr. 120 vom 23. Mai 2014) Wirkung zeigt?
Die dem BMEL bisher bekannt gewordenen Zwischenergebnisse des
Forschungsprojektes lassen keine Rückschlüsse über die Häufigkeit der Schlachtung
von trächtigen Tieren im Zeitverlauf zu.
13. Wird vor dem Hintergrund der Äußerungen des
Bundeslandwirtschaftsministers Christian Schmidt in der Fernsehsendung „REPORT MAINZ“
(Juli 2015) zu einem Gesetzentwurf, der „so schnell wie möglich“ erarbeitet
wird, um die Schlachtung trächtiger Tiere zu verbieten, bis zum Ende dieser
Legislaturperiode eine Gesetzesvorlage erarbeitet?
Die Bundesregierung hat im August 2016 einen entsprechenden Gesetzentwurf
unter dem Verfahren der Richtlinie (EU) 2015/1535 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 9. September 2015 über ein Informationsverfahren auf dem
Gebiet der technischen Vorschriften und der Vorschriften für die Dienste der
Informationsgesellschaft bei der Europäischen Kommission notifiziert
(Notifizierungsnummer 2016/452/D).
14. Sind der Bundesregierung die faktischen Verschlechterungen der Situation
der Tiertransporte in Deutschland bekannt (
www.noz.de/deutschland-welt/
wirtschaft/artikel/772137/drastisch-mehr-verstoesse-bei-tiertransporten#
gallery&0&0&772137;
www.sz-online.de/sachsen/gravierende-verstoesse-
bei-tiertransporten-3480843.html;
www.kreiszeitung-wochenblatt.de/winsen/
blaulicht/viele-verstoesse-bei-lkw-kontrollen-im-landkreis-geahndet-d74256.
html), und nimmt die Bundesregierung diesen Umstand zum Anlass, die
Aussage zu revidieren, wonach keine nationalen Regelungen bei
Tiertransporten vorgesehen sind (Bundestagsdrucksache 18/6619)?
Seitens der für die Anwendung der tierschutzrechtlichen Bestimmungen
zuständigen Bundesländer sind dem BMEL keine Informationen zur Kenntnis gelangt,
die auf eine Verschlechterung des Schutzes von Tieren beim Transport in
Deutschland schließen lassen. Sofern, wie im ersten der in der Frage angeführten
Presseartikel, das Argument einer angeblichen Zunahme der Häufigkeit von
Verstößen gegen die Transportbestimmungen auf einem Vergleich der jährlichen
Berichte gemäß Verordnung (EG) Nr. 1/2005 basiert, ist dazu Folgendes zu sagen:
Bei der Analyse der Jahresberichte ist der zu Grunde liegende
Durchführungsbeschluss der Kommission vom 18. April 2013 (2013/188/EU) zu beachten (http://
eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32013D0188). Für das
Jahr 2014 erfolgte die Berichterstattung erstmals im darin vorgegebenen Format.
Für den aktuellen Folgebericht für das Jahr 2015 wurde die Methodik der
Datenerhebung im Dialog mit den zuständigen Stellen bei der Kommission und den
Bundesländern optimiert. Die Berichtsdaten aus den Jahren 2014 und 2015 in ein
sinnvolles Verhältnis zu setzen ist vor diesem Hintergrund nicht möglich. Die
zitierten Steigerungszahlen von 312 bzw. 230 Prozent sind daher ohne
Aussagewert. Das BMEL und insbesondere die nationale Kontaktstelle am Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) arbeiten gemeinsam mit
der Arbeitsgruppe Tierschutz der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz
(LAV) daran, die Dokumentation und Berichterstattung der Transportkontrollen
durch die zuständigen Behörden der Länder zu vereinheitlichen, um Kontrollen,
Verstöße und Maßnahmen ins Verhältnis setzen und eine jahresübergreifende
Betrachtung ermöglichen zu können.
15. Wie lange dauerten nach Kenntnis der Bundesregierung
Lebendrindertransporte aus Deutschland in die Türkei in diesem Sommer, und ist die
Forderung eines Verbots von Lebendexporten in EU-Drittländer Bestandteil der
Forderungen der Bundesregierung an die Europäische Kommission, wonach
die Vorschriften der EU-Tierschutztransportverordnung im Hinblick auf den
Tierschutz zu verbessern seien (Bundestagsdrucksache 18/6619)?
Der Bundesregierung liegen zur Dauer von Rindertransporten aus Deutschland in
die Türkei keine gesicherten Erkenntnisse vor. Das in Frage stehende Verbot zählt
nicht zu den Forderungen von den Niederlanden, Dänemark und Deutschland an
die Europäische Kommission, im Hinblick auf eine Überarbeitung der
Verordnung (EG) Nr. 1/2005. Eine solche Forderung erscheint vor dem Hintergrund,
dass Lebendtierexporte in Drittländer nicht zwangsläufig mit langen Transporten
über acht Stunden verbunden sind, auch nicht zielführend.
16. Wie lange waren nach Kenntnis der Bundesregierung in diesem Sommer die
Abfertigungszeiten an der EU-Außengrenze zur Türkei bei
Lebendtransporten von Rindern, und welche Tierschutzprobleme sind dadurch entstanden?
Ist die Forderung einer maximalen Transportdauer von acht Stunden bei
Lebendtransporten Bestandteil der Forderungen der Bundesregierung an die
Europäische Kommission, wonach die Vorschriften der EU-
Tierschutztransportverordnung im Hinblick auf den Tierschutz zu verbessern seien
(Bundestagsdrucksache 18/6619)?
Die Europäische Kommission hat in einem Schreiben an die Leiter der
Veterinärdienste der Mitgliedstaaten vom 28. Juni 2016 mitgeteilt, dass die Kontrollen an
der türkisch-bulgarischen Grenze in der Regel mehrere Stunden beanspruchen.
Beim Treffen der nationalen Kontaktstellen zum Tierschutz beim Transport
gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1/2005 vom 13. bis 15. September 2016 hat
Ungarn Ergebnisse einer Auswertung von Navigationsdaten vorgestellt. Danach
betrug die durchschnittliche Zeit zum Passieren der bulgarisch-türkischen Grenze
ab Erreichen der bulgarischen Kontrollstelle bis zum Abschluss der
Grenzkontrollen auf türkischer Seite 6,5 bis 10 Stunden. Im Zusammenhang mit
Transporten entlang dieser Route haben die Bundesregierung Berichte über
Tierschutzprobleme erreicht, die durch lange Beförderungsdauern, entsprechend verlängerte
Zeitabstände für Füttern, Tränken und Ruhen sowie hohe Temperaturen in
Transportmitteln verursacht wurden. Der Vorschlag, die Transportdauer im Falle von
Schlachttieren auf acht Stunden zu begrenzen, ist Bestandteil der Aufforderung
an die Europäische Kommission (
www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/
Tierwohl/GemeinsameErklaerungTransportverordnung.pdf?__blob=publication
File).
17. Hält die Bundesregierung am Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration
zum 1. Januar 2019 fest, und welche konkreten Anstrengungen hat die
Bundesregierung unternommen, um dieses Verbot einerseits auf EU-Ebene
umzusetzen, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, und andererseits, um
Landwirte bei der Anwendung alternativer Verfahren, wie der Jungebermast
oder Immunokastration, zu unterstützen?
Die betäubungslose Ferkelkastration ist in Deutschland gemäß Tierschutzgesetz
ab dem Jahr 2019 verboten. Die Bundesregierung hat keine Pläne, an dieser
geltenden Gesetzeslage etwas zu ändern. Mit der Durchführung des Eingriffs unter
Narkose, der Immunokastration und der Ebermast stehen Alternativen zur
Verfügung, die die Belastung der Tiere reduzieren und auch die Praktikabilität und den
Verbraucherschutz berücksichtigen. Ein vernünftiger Grund, Ferkeln durch den
Verzicht auf eine Betäubung bei der chirurgischen Ferkelkastration Schmerzen
zuzufügen, besteht daher nicht mehr.
Auf europäischer Ebene steht die Bundesregierung insbesondere mit den
Niederlanden, Dänemark und Schweden im engen Kontakt. Im April 2015 wurde in
einem gemeinsamen Positionspapier die Forderung an die Europäische
Kommission gerichtet, das EU-Recht so anzupassen, dass die Ferkelkastration zukünftig
nur noch unter Betäubung durchgeführt werden darf. Darüber hinaus setzt sich
die Bundesregierung dafür ein, dass die Arbeiten auf EU-Ebene, mit denen die
Umsetzung der Brüsseler Erklärung zur Ferkelkastration begleitet wird,
konsequent fortgesetzt werden.
Aus Sicht der Bundesregierung dürften für die betroffenen Landwirte jetzt, in den
letzten Schritten der Umstellung auf alternative Verfahren und Methoden zur
betäubungslosen Ferkelkastration, Abstimmungsprozesse mit den jeweiligen
Vertragspartnern im Vordergrund liegen. Die Umsetzung der konkreten Methoden
stellt die jeweiligen Betriebe vor unterschiedliche Herausforderungen. Sollten
hierbei weitere Fragestellungen auftreten, wird die Bundesregierung
Hilfestellung leisten.
Im Übrigen wird auf die Antworten der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Strategie zur erfolgreichen
Beendigung der Ferkelkastration“ vom 16. März 2016 auf Bundestagsdrucksache
18/7891 sowie auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. „Ausstieg aus
der betäubungslosen Ferkelkastration“ vom 2. September 2016 auf
Bundestagsdrucksache 18/9515 verwiesen.
18. Wann macht die Bundesregierung von der Ermächtigung gemäß § 56a des
Arzneimittelgesetzes (AMG) Gebrauch, um den Einsatz von als höchst
prioritär klassifizierten Antibiotika der Humanmedizin vorzubehalten und den
Einsatz von Reserveantibiotika restriktiver zu gestalten, wie der
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt es am Rand der EU-
Agrarministerkonferenz zu seinem Ziel erklärt hat (BMEL-Pressemitteilung Nr. 21 vom
10. Februar 2016)?
19. Wann legt das BMEL eine Liste mit den antibakteriell wirksamen
Wirkstoffen vor, die als Reserveantibiotika bezeichnet werden und Gegenstand von
Anwendungsbeschränkungen sein sollen, wie es die Länder in dem
Beschluss der AMK vom 20. März 2015 erbeten haben?
20. Hat die Bundesregierung die Absicht, in dieser Legislaturperiode die
Verordnung über tierärztliche Hausapotheken zu ändern, um den Einsatz von
besonders wichtigen antibiotischen Wirkstoffen in der Tierhaltung strikter zu
reglementieren, und in welcher legislativen Phase befindet sich dieses
Vorhaben?
Die Fragen 18 bis 20 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Das BMEL arbeitet an einem Entwurf für eine Änderung der Verordnung über
tierärztliche Hausapotheken, der u. a. Regelungen zum restriktiveren Umgang mit
besonders wichtigen antibiotischen Wirkstoffen in der Tiermedizin vorsieht. Der
Entwurf wird bald in der finalen Fassung vorliegen. Damit wird von den
Ermächtigungen des § 56a des Arzneimittelgesetzes Gebrauch gemacht werden.
Gleichzeitig wird auch dem Beschluss der Agrarminister der Länder vom 20. März 2015
mit der Forderung nach einer Differenzierung antibiotischer Tierarzneimittel im
Hinblick auf ihre Bedeutung in der Humanmedizin sowie der Forderung nach
Regelungen zur zulassungskonformen Anwendung dieser Stoffe und zur
Antibiogrammpflicht entsprochen.
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ISSN 0722-8333]