[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
vom 4. Mai 2017 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/12251
18. Wahlperiode 05.05.2017
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Friedrich Ostendorff, Nicole Maisch,
Harald Ebner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/12007 –
Pregnant Mare Serum Gonadotropin (PMSG) – Produktion, Zulassung und Einsatz
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
PMSG (pregnant mare serum gonadotropin) ist ein Hormon, das im Blut
trächtiger Stuten vorkommt und auch in EU-Ländern in der Schweinezucht
verwendet wird.
1. Wie viele bzw. welche Tierarzneimittel mit dem Inhaltsstoff pregnant mare
serum gonadotropin (PMSG) sind nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland zugelassen?
Folgende sechs Tierarzneimittel mit dem Inhaltsstoff Pferdeserum-Gonadotropin
(Pregnant Mare Serum Gonadotropin, PMSG) sind in Deutschland zugelassen:
Intergonan 240 I.E./ml; Trockensubstanz und Lösungsmittel; Intervet
Deutschland GmbH,
Pregmagon; Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung;
IDT Biologika GmbH,
Suigonan 80 / 40 I.E./ml Lyophilisat und Lösungsmittel zur Herstellung einer
Injektionslösung für Schweine; Lyophilisat und Lösungsmittel zur Herstellung
einer Injektionslösung; Intervet Deutschland GmbH,
Gestavet HCG 200 I.E./PMSG 400 I.E.; Lyophilisat und Lösungsmittel zur
Herstellung einer Injektionslösung; Laboratorios Hipra S.A.,
Gestavet HCG 40 I.E./ml / PMSG 80 I.E./ml; Lyophilisat und Lösungsmittel zur
Herstellung einer Injektionslösung; Laboratorios Hipra S.A. und
Fertipig; Lyophilisat und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung;
CEVA TIERGESUNDHEIT GmbH.
Intergonan und Pregmagon enthalten PMSG als einzigen Wirkstoff, während
Suigonan, Gestavet (in zwei Stärken) und Fertipig PSMG in Kombination mit
Humanem Choriongonadotropin (HCG) enthalten.
2. Wo wird PMSG nach Kenntnis der Bundesregierung vorwiegend
produziert?
Wo wird das PMSG produziert, das nach Kenntnis der Bundesregierung in
den in Deutschland zugelassenen Tierarzneimitteln enthalten ist?
Nach den dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
vorliegenden Informationen wird PMSG in Europa in den Niederlanden und in
Island und in Südamerika in den Ländern Argentinien und Uruguay produziert.
Der Wirkstoff PMSG in den in Deutschland zugelassenen Tierarzneimitteln
stammt aus diesen Herkunftsländern.
3. Wie genau läuft nach Kenntnis der Bundesregierung die Gewinnung von
PMSG ab?
PMSG ist eine getrocknete Zubereitung einer Glycoproteinfraktion, die aus dem
Serum oder Plasma von trächtigen Stuten gewonnen wird. Die Qualität des
PMSG muss den Anforderungen der Monographie „Pferdeserum-Gonadotropin
für Tiere“ des Europäischen Arzneibuchs entsprechen. Pferde, die zum Zweck
der Gewinnung von Serum/Plasma als Ausgangsmaterial zur Herstellung von
PMSG gehalten werden, müssen gesund und frei von übertragbaren Krankheiten
sein.
Nach den dem BVL vorliegenden Informationen wird trächtigen Stuten Blut
entnommen. Aus dem Blut wird nach Zugabe von Gerinnungshemmern (z. B.
Natrium-Citrat) durch Zentrifugation Blutplasma hergestellt, das als
Ausgangsmaterial für die PMSG-Herstellung dient. Es folgen mehrere Fällungsschritte mit
organischen Lösungsmitteln (z. B. Ethanol, Aceton) kombiniert mit diversen
Filtrationsschritten. Je nach Hersteller sind bei der Aufreinigung des PMSG in der
Regel zusätzlich ein chromatographischer Reinigungsschritt und/oder ein
Ultrafiltrationsschritt enthalten.
Die Herstellung von PMSG hat wie bei allen wirksamen Bestandteilen in
Tierarzneimitteln unter Beachtung der einschlägigen Vorschriften der Guten
Herstellungspraxis (GMP) zu erfolgen. Es obliegt dem Betrieb, der das
Fertigarzneimittel herstellt, die Einhaltung dieser GMP-Regelungen zu überprüfen.
4. Was ist der Bundesregierung über die Produktionsbedingungen von PMSG
bekannt, und wie bewertet die Bundesregierung diese?
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hatte aus
Anlass von Presseberichten im Jahr 2015 über die Produktionsbedingungen zu
PMSG in Südamerika Kontakt mit den betreffenden Ländern aufgenommen und
das Thema der Blutentnahme zur Gewinnung von PMSG bei trächtigen Stuten
zur Sprache gebracht. Darüber hinaus hat sich das BMEL im letzten Jahr an die
Europäische Kommission gewandt und darum gebeten, konkrete Informationen
über den Umgang mit trächtigen Stuten bei der PMSG-Gewinnung durch
Inspektionen vor Ort zu erhalten und auf Verbesserungen bei Haltung und Nutzung der
Pferde hinzuwirken. Zudem steht das BMEL zum Thema PMSG mit dem
Bundesverband für Tiergesundheit (BfT), der die führenden Hersteller von
Tierarzneimitteln vertritt, in Kontakt.
Insgesamt reichen die derzeit vorliegenden Informationen allerdings für eine
abschließende Bewertung der Tiergerechtheit des Gewinnungsprozesses nicht aus.
So fehlen beispielsweise konkrete Informationen über die Menge des Blutes, die
den Stuten abgenommen wird. Die Bundesregierung steht über die deutsche
Botschaft in Buenos Aires sowie die Botschaften Uruguays und Argentiniens in
Deutschland in Kontakt mit diesen Staaten.
5. Wie bewertet die Bundesregierung die systematische Abtreibung der Fohlen
im PMSG-Produktionsprozess (
www.sueddeutsche.de/wirtschaft/
tierschutzdie-quaelerei-fuers-pferdeblut-soll-enden-1.2864121)?
Ein routinemäßiger Trächtigkeitsabbruch lässt sich dies mit dem hiesigen
Tierschutzverständnis nicht vereinbaren. Auch in ethischer Hinsicht ist eine solche
Praxis problematisch. Der Tierschutz ist Teil der gesellschaftlichen
Werteordnung in Deutschland und verfassungsrechtlich verankert. Der Schutz ungeborener
Säugetiere vor Leiden und Schmerzen gehört aus Sicht der Bundesregierung zur
Gewährleistung eines ethischen Mindestmaßes.
6. Wie werden die Stuten nach Kenntnis der Bundesregierung verwertet?
Kann die Bundesregierung ausschließen, dass diese Tiere als importiertes
Pferdefleisch in Deutschland verkauft werden?
Genaue Kenntnisse über den Verbleib der Stuten nach dem Ausscheiden aus der
Produktion von PMSG liegen der Bundesregierung nicht vor. Die Stuten können
wie alle anderen Pferde auch, unter Beachtung der fleischhygienischen
Voraussetzungen, geschlachtet und zu Lebensmitteln verarbeitet werden. Da
Pferdefleisch in Südamerika größtenteils nicht verzehrt wird, wird nach den der
Bundesregierung vorliegenden Informationen Pferdefleisch aus Südamerika
überwiegend nach Frankreich, Belgien und Japan exportiert.
7. Woher stammt nach Kenntnis der Bundesregierung das PMSG, das in den in
Deutschland zugelassenen Tierarzneimitteln verwendet wird?
Auf die Antwort zu Frage 2 wird verwiesen.
8. Wie viel PMSG wird nach Kenntnis der Bundesregierung aus einem Liter
Blut extrahiert?
Für wie viele Anwendungen bei Sauen ist diese Menge nach Kenntnis der
Bundesregierung ausreichend?
Grundsätzlich sind der Gehalt von PMSG im Blut von trächtigen Pferden sowie
die Verluste bei der Gewinnung von PMSG erheblichen Schwankungen
unterworfen. Daher sind keine exakten Angaben zu dieser Frage möglich.
9. Wie viele Tiere (Schweine) werden nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland jährlich mit PMSG-Präparaten behandelt?
Aus den dem BVL vorliegenden Pharmakovigilanzdaten kann der Umfang des
Einsatzes von Tierarzneimitteln, die PMSG enthalten, ermittelt werden.
Grundlage hierfür sind die Verkaufszahlen aus den aktuellen Periodischen
Sicherheitsberichten (PSURs) der pharmazeutischen Unternehmer, die dem BVL übermittelt
werden. Für jedes der sechs Präparate liegt ein Drei-Jahres-PSUR über den
Zeitraum 1. Februar 2013 bis 31. Januar 2016 vor. Demnach wurden in Deutschland
in diesen drei Jahren schätzungsweise 3,8 Millionen (3 798 998) Einzeldosen zur
Behandlung von Schweinen eingesetzt. Die Einzeldosis ist ausreichend für eine
Behandlung.
10. Welche Nebenwirkungen sind nach Kenntnis der Bundesregierung mit dem
Einsatz von PMSG-Präparaten verbunden?
Gemäß der Gebrauchsinformation der Tierarzneimittel sind die folgenden
unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) bekannt:
Persistierende Follikel, Ovarialzysten, Superovulationen mit erhöhten
Embryonalverlusten, vorübergehender Rückgang der Milchleistung. Nach Anwendung
von PMSG kann die Zahl der Feten, z. B. als Zwillingsträchtigkeit beim Rind,
steigen. Da die Tierarzneimittel Eiweißkörper (exogene Proteine) enthalten, sind
in sehr seltenen Fällen Unverträglichkeiten bis hin zum anaphylaktischen Schock
nicht auszuschließen.
Die Pharmakovigilanz-Datenbank des BVL enthält eine aus Deutschland
stammende Meldung über eine schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkung
nach Anwendung eines PMSG-Präparates. Nach Behandlung von drei weiblichen
Rindern erlitten zwei Tiere einen anaphylaktischen Schock. Ein Tier verstarb. Der
Kausalzusammenhang wurde in diesem Fall als wahrscheinlich eingestuft, da der
zeitliche Zusammenhang gegeben war und die Nebenwirkung bereits bekannt ist.
Zusätzlich sind dem BVL vereinzelte Meldungen zur mangelnden Wirksamkeit
beim Schwein nach Einsatz von PMSG gemeldet worden.
11. Bewertet die Bundesregierung die Steigerung der Wurfgröße
(Superovulation) und Pubertätsinduktion, zwei zusätzliche Wirkungen von PMSG, als
erwünscht?
Im Rahmen des Zulassungsverfahrens von Tierarzneimitteln wird deren Qualität,
Wirksamkeit und Unbedenklichkeit geprüft. Die Steigerung der Wurfgröße bei
Sauen ist Teil der Indikation bei einem zootechnischen Einsatz von
Tierarzneimitteln mit dem Wirkstoff PMSG. PMSG ist auch zur Pubertätsinduktion
(Brunstinduktion und -synchronisation) bei präpuberalen Jungsauen zugelassen. Hier
wird PMSG in Kombination mit HCG in erster Linie bei spät rauschenden
Jungsauen zur Induktion der Brunst (Rausche) eingesetzt.
12. Welche synthetischen Alternativen zu PMSG aus Stutenblut sind nach
Kenntnis der Bundesregierung als Tierarzneimittel verfügbar?
Insgesamt stehen für verschiedene Indikationen und Tierarten derzeit 36
Tierarzneimittel zur Verfügung, die alternativ zu PMSG-haltigen Präparaten verwendet
werden können (s. Anlage). Bei den enthaltenden Wirkstoffen handelt es sich um
Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Analoga wie Buserelin (Veterelin®,
Porceptal®), Deslorelin (Ovuplant®), Gonadorelin (Gonavet Veyx®, Oestracton®)
und Peforelin (Maprelin®); Prostaglandin-Analoga wie Dinoprost-Trometamol
(Enzaprost T®, Dinolytic®) und Luprostiol (Prosolvin®) sowie Gestagene wie
Altrenogest (Altrysin®, Regumate®, Virbagest®), Chlormadinonacetat
(Anifertil N®) und Progesteron (PRID delta®).
Bei Rindern und Schafen steht als biotechnische Indikation die Erhöhung der
Fruchtbarkeit, Vorbereitung der Superovulation (Embryotransfer) und die
Erhöhung der Anteile an Zwillingsträchtigkeiten im Vordergrund, bei Schafen
zusätzlich die Brunstsynchronisation.
Als zugelassene und verfügbare Alternativen kommt für das Rind ein GnRH-
Analogon (Buserelin, z. B. Veterelin®) in Frage, für das Schaf ist ein
Prostaglandin Analogon (Luprostiol, Prosolvin®) ein alternatives Mittel zur
Brunstinduktion. Zugelassene alternative Tierarzneimittel zur Vorbereitung der
Superovulation bei Rind und Schaf sind nicht verfügbar.
Bei Sauen steht als biotechnische Indikation die Stimulation und Synchronisation
der Brunst im Vordergrund. Als zugelassene und verfügbare Alternativen
kommen je nach Indikation folgende Wirkstoffe in Frage: GnRH Analoga wie
Buserelin (Veterelin®, Porceptal®), Gonadorelin (Gonavet Veyx®, Oestracton®) und
Peforelin (Maprelin®); Prostaglandin-Analoga wie Dinoprost-Trometamol
(Enzaprost T®) und Gestagene wie Altrenogest (Regumate®, Suifertil®).
Bei Kaninchen und Nerzen ist PMSG zur Behandlung der Anöstrie (Ausbleiben
der Brunst) zugelassen, eine zugelassene und verfügbare therapeutische
Alternative (Buserelin, Receptal®) gibt es ausschließlich für Kaninchen.
PMSG ist in vier Tierarzneimitteln (Suigonan, Fertipig, Gestavet (2)) in
Kombination mit HCG zugelassen, die zur Brunstinduktion/ Brunstsynchronisation,
Steigerung der Wurfgröße und Feststellung der Trächtigkeit bei Sauen indiziert
sind. Als zugelassene und verfügbare Alternativen gibt es je nach Indikation
GnRH Analoga, Prostaglandin Analoga und Gestagene.
13. Welches ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Vorteil von PMSG-
Produkten gegenüber synthetischer Alternativen, wie z. B. Peforelin?
Sowohl bei den PMSG-Produkten als auch bei den synthetischen oder
halbsynthetischen Alternativen handelt es sich um verkehrsfähige Tierarzneimittel, die
gemäß § 21 des Arzneimittelgesetzes (AMG) eine Zulassung erhalten haben. Für
alle Produkte konnte somit die therapeutische Wirksamkeit nachgewiesen werden
und das Nutzen-Risiko-Verhältnis wurde positiv beurteilt.
Ein vom BVL durchgeführter Vergleich der Fachinformationen der
verschiedenen veterinärmedizinischen PMSG-Präparate und Alternativpräparate
hinsichtlich der aufgeführten Warnhinweise hat das Ergebnis erbracht, dass insbesondere
Unterschiede bei der Anwendersicherheit, Zieltiersicherheit und Ökotoxizität
feststellbar sind:
PMSG wird im Gegensatz zu den alternativ einsetzbaren Gonadotropin-Releasing-
Hormon (GnRH)-Analoga, Prostaglandinen und Gestagenen nicht in relevanten
Mengen über die Haut aufgenommen. Damit entfällt für den Menschen bei der
Anwendung von PMSG am Tier das Risiko von systemischen Reaktionen im
Falle eines versehentlichen Hautkontakts des Anwenders mit dem Präparat.
Prostaglandin-Präparate weisen ein breiteres Nebenwirkungsspektrum bei den
Zieltierarten auf als PMSG. Andererseits kann es bei PMSG-haltigen Präparaten
durch den Anteil an exogenen Eiweißkörpern zu allergischen Reaktionen bis hin
zum anaphylaktischen Schock kommen. Bei synthetischen Präparaten ist die
Gefahr gering.
Präparate mit Altrenogest sind schädlich für Wasserorganismen, was bei der
Anwendung und Entsorgung von tierischen Ausscheidungen berücksichtigt werden
muss.
Die Entscheidung, welches Präparat zum Einsatz kommt, obliegt dem Tierarzt.
14. Warum werden nach Kenntnis der Bundesregierung PMSG-Präparate
eingesetzt?
PMSG ist ein in der Veterinärmedizin allgemein bekannter Wirkstoff mit
anerkannter Wirksamkeit, der überwiegend zootechnisch, aber auch therapeutisch zur
Behandlung von Fruchtbarkeitsstörungen bei Rindern, Schafen, Schweinen und
Kleintieren (Kaninchen, Nerzen) eingesetzt wird.
15. Wann werden nach Kenntnis der Bundesregierung PMSG-Präparate im
Fortpflanzungszyklus von Sauen eingesetzt?
Wie häufig pro Jahr kann dies bei einer Sau in einem intensiven
Produktionssystem der Fall sein?
PMSG-Präparate werden bei Sauen nach dem Absetzen der Ferkel zur
Brunststimulation oder zur Brunstinduktion eingesetzt. Sauen werfen zweimal im Jahr,
PMSG kann somit zwei Mal im Jahr eingesetzt werden.
16. Wie wird einem Tier nach Kenntnis der Bundesregierung ein PMSG-
Präparat verabreicht, und wer nimmt dies vor?
Bei den PMSG-haltigen Präparaten handelt es sich um Zubereitungen zur
subkutanen oder intramuskulären Injektion. Die Injektion wird vom Tierarzt selbst oder
gemäß seiner Behandlungsanweisung durchgeführt.
17. Welchen Vorteil hat nach Kenntnis der Bundesregierung ein
landwirtschaftlicher Betrieb durch den Einsatz von PMSG-Präparaten?
In der Sauenhaltung werden PMSG oder alternative Hormonpräparate bei
Tiergruppen zur Zyklussteuerung eingesetzt. Ziel ist das zeitgleiche Auftreten der
Brunst und die Synchronisierung der damit in Verbindung stehenden Vorgänge
(Eisprung, Besamung, Geburt) bei allen Tieren der Gruppe. Dies ermöglicht
neben gleichmäßigen und planbaren Betriebsabläufen eine aus Sicht des
Tierschutzes gewünschte Gruppenhaltung von Sauen, in der die Zusammensetzung der
einzelnen Gruppen stabil gehalten und damit Stress und Verletzungen durch
wiederkehrende Rangkämpfe vermieden werden können.
Darüber hinaus können ferkelerzeugende Betriebe größere Gruppen an gleich
alten Tieren zur Mast anbieten. Dies ist Grundlage für einen hohen
Hygienestandard im Betrieb (Rein/Raus-Prinzip) und kann zu einer besseren Tiergesundheit
und einem geringeren Verbrauch von Antibiotika in der Schweinemast beitragen.
In der Rinderhaltung wird PMSG hauptsächlich zur Brunstinduktion bzw. -
synchronisation bei Tieren eingesetzt, die zu Beginn der Synchronisation eine
Azyklie (Fruchtbarkeitsstörung) aufweisen. Azyklische Tiere haben ohne eine
therapeutische Intervention keine Aussicht, innerhalb der Belegsaison tragend zu
werden. Darüber hinaus wird PMSG bei Rindern zur Superovulation im
Rahmen des Embryotransfers eingesetzt.
18. Ist bei verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln nach Kenntnis der
Bundesregierung eine Indikation auf Einzeltierebene notwendig?
Wenn nein, warum nicht?
Nein. Eine auf das Einzeltier bezogene Indikation, ist bei
verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln nicht erforderlich. Nach § 2 Absatz 1 Nummer 9
Buchstabe c in Verbindung mit dem letzten Halbsatz der Verordnung über die
Verschreibungspflicht von Arzneimitteln (AMVV) ist, sofern das Arzneimittel zur
Anwendung bei Tieren verschrieben wird, die der Gewinnung von Lebensmitteln
dienen, die Indikation und die Wartezeit anzugeben sowie die Zahl und Art der
Tiere, bei denen das Arzneimittel angewendet werden soll, sowie die Identität der
Tiere. Bei der Haltung von lebensmittelliefernden Tieren kann die Behandlung
von Tiergruppen erforderlich sein; die vorgenannte Regelung trägt diesem
Sachverhalt Rechnung.
19. Ist für den Einsatz eines PMSG-Präparats nach Kenntnis der
Bundesregierung eine Indikation auf Einzeltierebene notwendig?
Falls nein, warum nicht?
Ob eine Indikation auf Ebene des Einzeltiers notwendig ist, hängt vom jeweiligen
Einsatz ab. Bei therapeutischer Indikation, z. B. Anöstrie (Ausbleiben der Brunst),
aber auch bei der Vorbereitung der Superovulation für Embryotransfer handelt es
sich in der Regel um die Behandlung einzelner Tiere. Bei der
Brunstsynchronisation werden immer Gruppen von Tieren behandelt. Auf die Antwort zu Frage 18
wird im Übrigen verwiesen.
20. Liegt nach Kenntnis der Bundesregierung bei der Anwendung eines PMSG-
Präparats in Deutschland immer eine Einzeltierindikation vor, die notwendig
ist, um Leiden und Schmerzen von dem Einzeltier fernzuhalten?
PMSG wird allein oder in Verbindung mit weiteren hormonellen Wirkstoffen
(HCG) überwiegend zootechnisch zur Brunstinduktion/-synchronisation bei
gesunden geschlechtsreifen Tieren eingesetzt. In anderen Fällen, z. B. zur
Behandlung der Anöstrie bei Rindern handelt es sich hingegen um einen therapeutischen
Einsatz. Nach § 2 Absatz 1 Nummer 1 AMG sind Arzneimittel Stoffe oder
Zubereitungen aus Stoffen, die zur Anwendung im oder am menschlichen oder
tierischen Körper bestimmt sind und als Mittel mit Eigenschaften zur Heilung oder
Linderung oder zur Verhütung menschlicher oder tierischer Krankheiten oder
krankhafter Beschwerden bestimmt sind. Darüber hinaus können Arzneimittel
auch solche Stoffe oder Zubereitungen aus Stoffen sein, die im oder am
menschlichen oder tierischen Körper angewendet oder einem Menschen oder einem Tier
verabreicht werden können, um unter anderem die physiologischen Funktionen
zu beeinflussen (§ 2 Absatz 1 Nummer 2 Buchstabe a AMG).
21. Kann die Bundesregierung ausschließen, dass PMSG bei Sauen systematisch
zur wirtschaftlichen Optimierung von Betriebsabläufen eingesetzt wird?
Auf die Antwort zu Frage 17 wird verwiesen.
22. Ist die Bundesregierung der Ansicht, dass die Verbraucherinnen und
Verbraucher in Deutschland eine Behandlung von lebensmittelproduzierenden
Tieren mit Arzneimitteln, die unter tierschutzwidrigen Umständen
produziert wurden, ablehnen?
Transparenz und Einhaltung hoher Standards einschließlich der nationalen
Tierschutzregelungen innerhalb der Wertschöpfungskette haben für die
Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland eine hohe Bedeutung. Genaue
Erkenntnisse bezüglich der Haltung der Verbraucherinnen und Verbraucher zur
Anwendung von Arzneimitteln, die unter tierschutzwidrigen Umständen produziert
wurden, liegen der Bundesregierung nicht vor.
23. Kann die Bundesregierung die Eintragung im Deutschen Arzneibuch so
verändern, dass die Verwendung von PMSG aus Stutenblut verboten wird bzw.
nur synthetisch hergestellte Mittel zur Brunststimulation erlaubt werden?
Eine Monographie für den Wirkstoff PMSG ist im Deutschen Arzneibuch (DAB)
nicht vorhanden. Die Anforderungen an den Wirkstoff PMSG werden in einer
Monographie des Europäischen Arzneibuchs (European Pharmacopoeia)
beschrieben (Monographie „Pferdeserum-Gonadotropin für Tiere“). Die Monographien
des Europäischen Arzneibuchs werden durch die Europäische
Arzneibuchkommission beschlossen, in der Deutschland entsprechend vertreten ist. Die
Monographien des Europäischen Arzneibuchs beschreiben Qualitätsstandards, die
verbindlich sind und eingehalten werden müssen. Eine Aufnahme einer
Monographie für PMSG in das Deutsche Arzneibuch ist bei gleichzeitigem Vorliegen einer
Monographie im Europäischen Arzneibuch ausgeschlossen. Eine Änderung der
bestehenden Monographie „Pferdeserum-Gonadotropin für Tiere“ kann nur über
die Europäische Arzneibuchkommission erfolgen. Eine dementsprechende
Revision der Monographie mit der Maßgabe, dass die Gewinnung von PMSG aus
Stutenblut verboten wird, erscheint aus Sicht des BVL nicht möglich, weil die
Gewinnung aus Stutenblut das Charakteristikum des Wirkstoffs PMSG ist.
Nach den dem BVL vorliegenden Informationen gibt es derzeit erste
Überlegungen, PMSG mit Hilfe gentechnischer Methoden zu gewinnen. Sollten diese
Verfahren zur Praxisreife weiterentwickelt werden, würde sich eine Gewinnung von
PMSG aus Pferdeblut erübrigen.
Anlage:
Synthetische Alternativen zu PMSG (Auszug aus einer Recherche des
Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
anhand einer AMIS-Recherche Stand 26. April 2017)
Arzneimittelname Wirkstoffname Zieltierarten
Dalmazin Cloprostenol Rind, Schwein
Genestran Cloprostenol-Natrium Rind
Cyclosynchron 75 µg/ml
Injektionslösung für Rinder, Pferde und
Schweine
Cloprostenol-Natrium Rind, Schwein, Pferd
INDUPART 75 Mikrogramm/ml Cloprostenol-Natrium Rind, Kuh, Milchkuh, Schwein,
Pferd, Stute
Veteglan 0,075 mg/ml
Injektionslösung für Kühe, Sauen und Stuten
Cloprostenol-Natrium Rind, Kuh, Milchkuh, Schwein,
Zuchtsau, Pferd, Stute
Virbagest 4 mg/ml Altrenogest Schwein
Altresyn 4 mg/ml Lösung zum
Eingeben für Schweine
Altrenogest Schwein
Regumate 4mg/ml Lösung zum
Eingeben
Altrenogest Schwein
Suifertil 4 mg/ml Lösung zum
Eingeben für Schweine
Altrenogest Schwein
Veterelin 0,004 mg/ml
Injektionslösung für Rinder, Schweine, Pferde
und Kaninchen
Buserelinacetat Rind, Kuh, Milchkuh, Schwein,
Pferd, Stute, Kaninchen
Buserelin animedica 0,004mg/ml-
Injektionslösung für Rinder, Pferde
und Kaninchen
Buserelinacetat Rind, Pferd, Kaninchen
Porceptal 4 Mikrogramm /ml
Injektionslösung für Schweine
Buserelinacetat Schwein
Anifertil N Chlormadinonacetat Rind
Synchrosyn Chlormadinonacetat Rind, Pferd
Bioestrovet 0,250 mg/ml Cloprostenol-Natrium Rind, Kuh, Milchkuh, Färse
Cyclix 250 µg/ml Injektionslösung
für Rinder (Kühe)
Cloprostenol-Natrium Rind
Alfaglandin C 0,250 mg/ml
Injektionslösung für Rinder
Cloprostenol-Natrium Rind
Estrumate Cloprostenol-Natrium Rind, Schwein
PGF Veyx 0,0875 mg/ml Cloprostenol-Natrium Rind, Schwein
PGF Veyx forte 0,250 mg/ml Cloprostenol-Natrium Rind, Schwein
Ovuplant 2,1 mg Deslorelinmonoacetat Pferd, Stute
Dinolytic Dinoprost-Trometamol Rind, Schwein, Pferd
Dinolytic forte 12,5 mg/ml Dinoprost-Trometamol Rind
Arzneimittelname Wirkstoffname Zieltierarten
Enzaprost T Dinoprost-Trometamol Rind, Kuh, Milchkuh, Färse,
Schwein, Zuchtsau
Fertagyl Gonadorelin Rind, Kuh, Milchkuh, Färse,
Kaninchen
Acegon Gonadorelinacetat Rind, Kuh, Milchkuh, Färse
Ovarelin 50 µg/ml,
Injektionslösung für Rinder
Gonadorelinacetat Rind, Kuh, Milchkuh, Färse
RELOSYL Relosyl 50
Mikrogramm/ml Injektionslösung
für Rinder
Gonadorelinacetat Rind, Kuh, Milchkuh, Färse
Gonadorelin[6-D-Phe] Veyx Gonadorelin[6-D-Phe]acetat Rind, Schwein, Pferd
Gonavet Veyx Gonadorelin[6-D-Phe]acetat Rind, Schwein, Pferd
Oestracton 52,4 µg/ml
Injektionslösung für Rinder, Pferde, Schweine
Gonadorelin[6-D-Phe]acetat Rind, Schwein, Pferd
Oestracton Gonadorelin[6-D-Phe]acetat Rind, Schwein, Pferd
Prosolvin Luprostiol Rind, Schwein, Schaf, Pferd
Maprelin Peforelin Schwein
PRID delta 1.55 g Progesteron Rind, Kuh, Milchkuh, Färse
CIDR 1,38 g 1,38 g vaginales
Wirkstofffreisetzungssystem für
Rinder
Progesteron Rind, Kuh, Milchkuh, Färse
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken,
www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim,
www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]