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Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Aquakulturen - Menschenrechte und Umweltschutz

Negative ökologische Effekte der Fischmehlproduktion, Bestimmungen betr. Zurückweisung der Einfuhr aus Drittländern, Fischkonsum aus ökologischer Aquakultur, jährlicher Fischmehl- und Fischverbrauch zur Fütterung in der EU und Deutschland, Importmenge aus Drittländern, weltweiter Verbrauch an Fischöl und &ndash;mehl, Produktionsförderung nachhaltiger, regionaler Futtermittel, Verwendung von gefangenem Fisch, Fischschlachtabfällen, Insekten und pflanzlichen Produkten als Eiweißkomponente, Einhaltung internationaler Standards, wirtschaftliche Kosten durch Parasitenbefall in Aquakulturfarmen<br /> (insgesamt 12 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

15.06.2017

Antwortdauer

29 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/1244017.05.2017

Aquakulturen – Menschenrechte und Umweltschutz

der Abgeordneten Bärbel Höhn, Friedrich Ostendorff, Peter Meiwald, Harald Ebner, Nicole Maisch, Steffi Lemke und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Aquakultur ist der global am schnellsten wachsende tierische Nahrungsmittelsektor und bedient mittlerweile einen Anteil von über 50 Prozent des weltweiten Fischkonsums (vgl. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, Gutachten Menschheitserbe Meer). In Zuchtbecken, Netzgehegen oder Meereskäfigen finden sich Süßwasserfische wie Karpfen, Forelle ebenso wie Meeresfische, z. B. Lachs oder Dorade. Aquakultur war ursprünglich vorangetrieben worden, um die Bestände der Meere zu entlasten und den Fischfang zurückzufahren.

In Bundesländern wie Niedersachsen wurden in den letzten zehn Jahren Zuwachsraten im zweistelligen Bereich verzeichnet (vgl. www.ifb-potsdam.de/ de-de/veröffentlichungen/downloads.aspx). In Europa hat der Garnelen- Markt großes Wachstumspotential, wird bescheinigt (www.swp.de/ulm/ nachrichten/wirtschaft/nachfrage-nach-shrimps-aus-deutschland-steigt-14718 602.html). Insbesondere international steht die rasante Entwicklung der Aquakultur, ebenso wie die der Fischmehlproduktion, stellvertretend für katastrophale Arbeitsbedingungen, eine enorme Verschmutzung der Umwelt, Meere und Oberflächengewässern mit Fischkot, Antibiotika und Futterresten, sowie für Tiergesundheitsprobleme mit Parasitenbefall (vgl. www.zdf.de/ politik/frontal-21/fisch-aus- der-massenzucht-100.html, www.theguardian.com/environment/2017/apr/01/ isfarming-salmon-bad-for-the-environment).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen12

1

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über negative ökologische Effekte der Fischmehlproduktion, wie den Eintrag von Abwässern aus Fischmehlfabriken in die Meere innerhalb und außerhalb der Europäischen Union (EU)?

2

Welche Handhabe hat die Bundesregierung, nichtnachhaltig produziertes Fischmehl aus Drittländern zu identifizieren und zurückzuweisen?

3

Wie hoch ist in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung der Konsum von Fischen aus ökologischer Aquakultur?

4

Wie viel Fischmehl und wie viele hierfür erforderliche Tonnen Fisch werden nach Kenntnis der Bundesregierung jährlich zur Fütterung der Tiere in Aquakulturen in der EU und in Deutschland benötigt, und wie viel wird aus Drittländern eingeführt (bitte nach exportierenden Drittländern und Importmenge aufschlüsseln)?

5

Wie viel Prozent des weltweit produzierten Fischöls oder Fischmehls werden nach Kenntnis der Bundesregierung zur Fütterung der in Aquakulturen gehaltenen Fische eingesetzt?

6

Was unternimmt die Bundesregierung, um die Produktion nachhaltiger, regionaler Futtermittel mit geringen Fischmehlanteilen zu fördern?

7

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung in der Regel der Anteil von gefangenem Fisch (bitte nach Wildfang und Aquakultur aufschlüsseln) und Fischschlachtabfällen im Fischmehl, und in welcher Weise setzt sich die Bundesregierung für eine verstärkte Verwendung von Schlachtabfällen bei der Fischmehlproduktion ein?

8

Welches Potential sieht die Bundesregierung in der Verwendung von Insekten, wie beispielsweise Fliegenmaden (vgl. http://blog.zeit.de/gruene geschaefte/2013/11/12/die-alternative-zum-fischmehl-wahn/), als tierische Eiweißkomponente in Fischfutter?

9

Wird die Bundesregierung eine rechtliche Grundlage zur Verfütterung von Insektenmaden schaffen und sich entsprechend auf EU-Ebene für eine Verordnung einsetzen, und wenn nein, warum nicht?

10

Welches Potential sieht die Bundesregierung in der Verwendung von pflanzlichen Produkten, wie beispielsweise Soja, als pflanzliche Eiweißkomponente in Fischfutter?

11

Wie wird gewährleistet, dass Minimumstandards, wie die Anforderungen des Ramsar-Abkommens zum Schutz von Feuchtgebieten und der International Labor Organization (ILO) bei Fischimporten eingehalten werden, und zieht die Bundesregierung bei Nichteinhaltung internationaler Standards die Einschränkung von Importen in Betracht?

12

Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die wirtschaftlichen Kosten durch Parasitenbefall in deutschen Aquakulturfarmen?

Berlin, den 16. Mai 2017

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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