[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
3. August 2017 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/13277
18. Wahlperiode 04.08.2017
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sevim Dağdelen, Annette Groth,
Heike Hänsel, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/13074 –
Rheinmetall und andere Rüstungsunternehmen in der Türkei und den Golfstaaten
und die Internationalisierung des Rüstungsgeschäfts
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der saudische Vize-Wirtschaftsminister el Tarajri wies in einem „Spiegel“-
Interview darauf hin, dass Saudi-Arabien bald keine Waffen mehr aus
Deutschland brauche: „Wir versuchen, hier eine eigene Rüstungsindustrie aufzubauen,
natürlich mit dem Know-how ausländischer Firmen. Daran kann sich jeder
beteiligen, auch Deutschland, aber wir werden niemanden zwingen“ (
www.spiegel.
de/politik/ausland/angela-merkel-in-saudi-arabien-interview-mit-saudischem-
vize-wirtschaftsminister-a-1145485.html). Die Bundeskanzlerin Dr. Angela
Merkel sagte mit Verweis auf das während ihres Besuchs in Saudi-Arabien am
30. April 2017 geschlossene Abkommen der Verteidigungsministerien für die
Ausbildung saudischer Militärkräfte in Deutschland: „Wir können nicht überall
auf der Welt deutsche Soldaten haben, aber wir können sehr wohl unser
Knowhow weitergeben.“ Deutschland unterstütze, dass Länder zunehmend selber
„den Kampf auch durchführen können.“
Deutschland beteiligt sich bereits an diesem Know-how-Transfer. Abgesehen
von der G36-Fabrik errichtete Saudi Arabien erst 2016 gemeinsam mit dem
südafrikanischen Unternehmen Rheinmetall Denel Munition (Pty) Ltd, welches
zu 51 Prozent dem Düsseldorfer Konzern Rheinmetall AG gehört, eine
Munitionsfabrik im Wert von 240 Mio. US-Dollar. Dort können seither täglich bis zu
300 Artilleriegranaten oder 600 Mörsergranaten hergestellt werden – ohne in
die deutsche Rüstungsexportstatistik einzufließen (
www.welt.de/wirtschaft/
article164153317/Ueber-Umwege-kommt-Saudi-Arabien-weiter-an-deutsche-
Waffen.html). Seit Jahren weitet die Rheinmetall AG ihre Geschäfte
international aus. Die Rheinmetall AG hat sich durch Tochter- und
Gemeinschaftsunternehmen, die im Ausland fertigen, umfassende Möglichkeiten geschaffen,
Exportbeschränkungen zu umgehen. Ist die Lieferung aus Deutschland
rechtlich nicht möglich, wird z. B. aus Italien oder Österreich geliefert. Geht auch
das nicht, weicht man auf Fabriken in Südafrika aus, wo es deutlich leichter
ist, an Genehmigungen zu kommen. Diese als „Internationalisierung“
bezeichnete Strategie des Konzerns ist derzeit wirtschaftlich erfolgreich, aber politisch
und ethisch mehr als fragwürdig (
https://urgewald.org/presse/rheinmetall-
munitionsexporte-ohne-grenzen).
Beteiligt sind neben der deutschen Muttergesellschaft auch Tochterfirmen und
Beteiligungen in Südafrika (Rheinmetall Denel Munition (Pty) Ltd – RDM)
oder Italien (RWM Italia S.p.A.). RDM half bereits beim Aufbau von
Munitionsfabriken in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Saudi-Arabien.
Saudische Sicherheitskräfte verfügen zudem über Granaten vom Typ HE-DP92.
Dieser Typ wird von RWM Arges GmbH hergestellt, einer österreichischen
Tochter von Rheinmetall. Ganz gleich, wo die Gewinne anfallen, sie fließen in die
Kassen des Konzerns zurück (
www.zeit.de/2016/45/rheinmetall-
ruestungskonzerninternationalisierung-export-kontrollen).
Die Rheinmetall Defence Türkei (RDT), eine 100-prozentige Tochter, dient als
Repräsentanz des Unternehmens in der Türkei. Als Tochter, mit einem Anteil
von 90 Prozent, betreibt der Gesamtkonzern laut Geschäftsbericht dort bereits
das Unternehmen Rheinmetall Savunma Sanayi Anonim Şirketi in Ankara.
Zudem ist man mit 40 Prozent an Rheinmetall BMC Savunma Sanayi Ve Ticaret
A.S. (RBSS) beteiligt. BMC gehört zu den beiden Unternehmen, mit denen
Rheinmetall in das Panzergeschäft einsteigen will. Die andere Firma, Etika
Strategi, ist in Malaysia ansässig (
www.stern.de/wirtschaft/news/stern-exklusiv--
rheinmetall-beteiligt-sich-an-panzerproduktion-in-tuerkei-7357932.html).
Eigentümer von BMC ist der Geschäftsmann Ethem Sancak, ein enger Freund des
türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan (
www.stern.de/wirtschaft/news/
rheinmetall-baut-panzer-in-der-tuerkei---der-absolute-wahnsinn--7367184.html).
Durch diese Internationalisierung ist Saudi-Arabien auch ein großer Nutzer des
Eurofighter-Kampfjets, an dem wiederum deutsche Firmen maßgeblich
beteiligt sind. Die Bestellung über 72 Jets wurde über die britische Regierung
abgewickelt, ein Regierung-zu-Regierung-Geschäft. Diese Eurofighter werden auch
in Großbritannien zusammengebaut, mit Lieferungen aus Deutschland und dem
Endkunden Saudi-Arabien. Im Jahr 2015 entfiel ein Großteil des Saudi-
Arabien-Exportwertes auf die Lieferung von Fahrgestellen für unbewaffnete
Transportfahrzeuge nach Frankreich – die anschließend mit französischer
Ausfuhrgenehmigung nach Saudi-Arabien ausgeführt werden (
www.welt.de/print/die_
welt/wirtschaft/article164160683/Lieferung-auf-Umwegen.html).
Ziel der Internationalisierung ist nicht zuletzt, statt nur mit auch ohne
Genehmigung der Bundesregierung zu profitieren sowie eine Diskussion über Exporte
in kontroverse Staaten zu umgehen (
www.zeit.de/politik/ausland/2017-04/
rheinmetall-tuerkei-ruestung-panzer-fabrik-exporte/seite-2). So bleibt die
Waffenproduktion ein lukratives Geschäft und die Bundesregierung muss nicht
zwischen „Moral“ und „Wirtschaftsinteressen“ schwanken (
www.deutschlandfunk.
de/kaum-gebremst-deutsche-waffen-fuer-nahost.862.de.html?dram:article_id=
381431).
1. In welchem Wert wurden Kriegswaffen jeweils in die Türkei in den Jahren
2015, 2016 und 2017 (bis zum 30. April 2017) tatsächlich ausgeführt (bitte
nach Jahr und Ausfuhrlistennummer und unter Angabe der genaueren
Bezeichnung der Waffen und dem jeweiligen Gesamtwert je
Ausfuhrlistennummer aufschlüsseln)?
Der Wert von tatsächlichen Ausfuhren von Kriegswaffen wird durch das
Statistische Bundesamt erhoben. Die Daten sind Grundlage der jährlichen
Berichterstattung im Rüstungsexportbericht. Dazu verwertet das Statistische Bundesamt
Meldungen von Unternehmen, die Kriegswaffen exportieren. Einer Veröffentlichung
detaillierter Angaben stehen die Grundrechte der betroffenen Unternehmen,
insbesondere ihre schutzwürdigen Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse entgegen, da
eine weitere Aufschlüsselung Rückschlüsse auf die von den ausführenden
Unternehmen getroffenen Liefervereinbarungen und deren Erfüllung zuließe. In
einzelnen Fällen könnten zudem aus der Kombination von öffentlichen Angaben zu
Stückzahlen mit den Angaben zum Wert Rückschlüsse auf den Einzelpreis
bestimmter Güter geschlossen werden. Dies würde nach dem Urteil des
Bundesverfassungsgerichts vom 21. Oktober 2014 – 2 BvE 5/11 – in unverhältnismäßiger
Weise in die Berufsfreiheit des Unternehmens eingreifen (vgl. Randnummern
185, 192 und 219 des Urteils).
Die auf den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes ermittelten Gesamtwerte
der tatsächlichen Ausfuhren von Kriegswaffen in den angefragten Jahren lauten
wie folgt:
2015
Land Wert in Tausend €
Türkei 26.478
2016
Land Wert in Tausend €
Türkei 48.950
2017 (bis 30.04.2017)
Land Wert in Tausend €
Türkei 5.636
2. In welchem Wert wurden sonstige Rüstungsgüter in die Türkei in den Jahren
2015, 2016 und 2017 (bis zum 30. April 2017) tatsächlich ausgeführt (bitte
nach Jahr und Ausfuhrlistennummer und unter Angabe der genaueren
Bezeichnung der Waffen und dem jeweiligen Gesamtwert je
Ausfuhrlistennummer aufschlüsseln)?
Für sonstige Rüstungsgüter liegen der Bundesregierung Daten zu tatsächlichen
Ausfuhren (Exporten) nicht vor.
3. Für den Export welcher Rüstungsgüter hat der Bundessicherheitsrat und der
Vorbereitende Ausschuss in den Jahren 2012 bis 2017 abschließende
Genehmigungsentscheidungen bezogen auf
a) die Türkei,
b) Saudi-Arabien,
c) die Vereinigten Arabischen Emirate,
d) Katar und
e) Bahrein
getroffen (bitte entsprechend der Jahre unter Angabe der Art des
Exportgutes, der Anzahl, der Antragsteller und des Gesamtvolumens in Euro
auflisten)?
Die Bundesregierung folgt dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom
21. Oktober 2014 – 2 BvE 5/11 – und unterrichtet über Art und Anzahl der
genehmigten Güter, Endempfängerland, die beteiligten deutschen Unternehmen
und das Gesamtvolumen. Die Bundesregierung sieht gemäß dem Urteil von
weitergehenden Ausführungen ab. Dies betrifft u. a. Angaben zum Auftragsvolumen,
wenn diese in Kombination mit Angaben zu Stückzahlen Rückschlüsse auf
Einzelpreise zuließen.
Die Bundesregierung hat den Deutschen Bundestag bereits über alle
abschließenden Genehmigungsentscheidungen seit 2002, denen eine Befassung des
Bundessicherheitsrats vorausgegangen ist, unterrichtet. Auf die Antwort der
Bundesregierung zu den Fragen 2, 4, 6, 10 und 15 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE
LINKE. vom 27. Februar 2015 (Bundestagsdrucksache 18/4194) sowie die
Unterrichtungen gemäß § 8 Absatz 1 der Geschäftsordnung des
Bundessicherheitsrats wird Bezug genommen.
Die einzelnen Genehmigungsentscheidungen für die Jahre von 2012 bis 2017 sind
der als Anlage beigefügten tabellarischen Aufstellung zu entnehmen.
4. Für den Export welcher Rüstungsgüter hat der Bundessicherheitsrat und der
Vorbereitende Ausschuss in den Jahren 2012 bis 2017 Genehmigungen
bezogen auf
a) die Türkei,
b) Saudi-Arabien,
c) die Vereinigten Arabischen Emirate,
d) Katar und
e) Bahrein
abgelehnt (bitte entsprechend der Jahre unter Angabe der Art des
Exportgutes, der Anzahl, der Antragsteller und des Gesamtvolumens in Euro
auflisten)?
Über ablehnende Entscheidungen des Bundessicherheitsrats erteilt die
Bundesregierung unter Bezugnahme auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts
vom 21. Oktober 2014 – 2 BvE 5/11 – juris Rn 177– keine Auskunft.
Bezüglich des Umfangs der Informationspflichten wird auf die Antwort zu
Frage 3 wird verwiesen.
5. Kann die Bundesregierung ausschließen, dass bei den unterhalb der
Leitungsebene aufgabenbedingten regelmäßigen dienstlichen Kontakten von
Vertretern des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu Vertretern
von Rheinmetall, die strategischen Pläne Rheinmetalls sowohl zu der
Rüstungskooperation mit MKEK bezüglich von Munition und BMC bezüglich
von Panzern in der Türkei zur Sprache gekommen sind
(Bundestagsdrucksache 18/12307, Antwort zu Frage 25)?
Unterhalb der Leitungsebene gibt es aufgabenbedingt regelmäßige dienstliche
Kontakte von Vertretern des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu
Vertretern von Rheinmetall. Eine umfassende Übersicht über all diese Kontakte
einschließlich aller dabei besprochenen Themen existiert nicht. Insoweit kann die
Bundesregierung nicht ausschließen, dass bei entsprechenden Kontakten das
Thema Gründung des Joint Ventures zur Sprache gekommen ist. Im Nachgang
der öffentlichen Berichterstattung in 2017 bestätigte das Unternehmen auf
unterhalb der Leitungsebene erfolgte Nachfrage die Presseberichte über die Gründung
des Joint Ventures.
6. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung, dass BMC an der
Ausschreibung für die Produktion des türkischen Panzers Altay teilnehmen will bzw.
teilnimmt bzw. eine Interessensbekundung abgegeben hat (
www.dailysabah.
com/defense/2017/06/17/commission-founded-for-altay-tank-tender-process)?
Der Bundesregierung sind Pressemeldungen bekannt, denen zufolge mindestens
sechs Unternehmen ihr Interesse an einer Teilnahme an der neuen Ausschreibung
für die Produktion des Panzers Altay bekundet haben, zu denen auch BMC zählen
soll. Darüber hinausgehende Informationen zur Fragestellung liegen der
Bundesregierung nicht vor.
7. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung, dass für BMC einer der
Hauptgründe für die Kooperation mit Rheinmetall in der RBSS darin besteht, seine
Position als Produzent für Landsysteme durch das Know-how und einen
Know-how-Transfer von Rheinmetall zu stärken (
http://eurasianews.de/blog/
rheinmetall-nutzt-tuerkischen-ruestungskonzern-fuer-mega-geschaeft-
mitkatar/)?
Die türkische Rüstungsindustrie arbeitet anhand konkreter Kooperationsprojekte
mit zahlreichen Unternehmen aus verschiedenen Staaten zusammen. Nach
Kenntnis der Bundesregierung zeigt die türkische Rüstungsindustrie dabei
grundsätzlich besonderes Interesse an Vorhaben und Partnern, die zu einer Stärkung
der Fähigkeiten der türkischen Rüstungsindustrie beitragen können. Zu den
konkreten Erwägungsgründen für einzelne unternehmerische Vorhaben liegen der
Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
8. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung, dass Rheinmetall wichtige
Erfahrungen und Technologien für die gemeinsamen Fertigungs- und
Entwicklungsprogramme zur Verfügung stellen wird (
http://eurasianews.de/blog/
rheinmetall-nutzt-tuerkischen-ruestungskonzern-fuer-mega-geschaeft-
mitkatar/)?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine über öffentlich zugängliche
Informationen hinausgehenden Erkenntnisse vor.
9. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zum Stand der Gründung einer
Joint Venture Gesellschaft von Rheinmetall mit dem türkischen
Rüstungsunternehmen MKEK in der Türkei, deren Aufgabe die gemeinsame
Entwicklung neuer zukunftsweisender Produkte auf dem Gebiet von Waffensystemen
und Munition sein soll (
www.zeit.de/politik/ausland/2017-04/
rheinmetalltuerkei-ruestung-panzer-fabrik-exporte)?
Der Bundesregierung liegen zum gegenwärtigen Stand der Gründung einer Joint
Venture Gesellschaft von Rheinmetall mit dem türkischen Rüstungsunternehmen
MKEK in der Türkei keine Erkenntnisse vor.
10. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung, dass das staatseigene
Unternehmen MKEK für den türkischen Kampfpanzer Altay die 120 Millimeter
Glattrohrkanone zuliefern soll, die beim Leopard von Rheinmetall geliefert
wird (
https://www.welt.de/wirtschaft/article157484615/Rheinmetall-moechte-
fuer-Erdogan-Panzer-bauen.html)?
Nach Kenntnis der Bundesregierung hat das türkische Unternehmen MKEK eine
120 mm Glattrohrkanone für die vom türkischen Unternehmen Otokar
hergestellten Prototypen des Panzers Altay gefertigt. Presseberichten zufolge hat Otokar
am 9. Juni 2017 erklärt, dass die türkische Regierung das Angebot von Otokar für
die Altay-Serienproduktion abgelehnt habe. Darüber hinaus wird auf die Antwort
zu Frage 6 verwiesen.
11. Inwieweit ist der Bundesregierung bekannt, dass die südafrikanische
Rheinmetall Denel Munition (RDM), an der Rheinmetall 51 Prozent hält, beim
Aufbau einer Munitionsfabrik in Saudi-Arabien half (derstandard.at/
2000033813817/Suedafrika-und-Saudi-Arabien-bauen-Munitionsfabrik)?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine über öffentlich zugängliche
Informationen hinausgehende Erkenntnisse vor.
12. Hat die Bundesregierung Kenntnisse (auch nachrichtendienstliche), ob die
Produktion in der Munitionsfabrik in Saudi-Arabien läuft, und wenn ja, hat
die Bundesregierung Kenntnisse (auch nachrichtendienstliche), in welcher
Stückzahl Artilleriegeschosse mit welchem Kaliber sowie Bomben in den
Jahren 2016 oder 2017 dort hergestellt wurden (bitte entsprechend der Jahre
angeben)?
13. Kann die Bundesregierung bestätigen, dass in der 240 Mio. US-Dollar
teuren Munitionsfabrik in Saudi-Arabien, pro Tag 300 Artilleriegranaten und
bzw. oder 600 Mörsergranaten produziert werden (
www.welt.de/wirtschaft/
article164153317/Ueber-Umwege-kommt-Saudi-Arabien-weiter-an-deutsche-
Waffen.html)?
14. Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, dass in der
Munitionsfabrik in Saudi-Arabien 60, 81 und 120 mm Mörsermunition, 105 und 155 mm
Artilleriemunition und Flugzeugbomben mit einem Gewicht von 500 bis
2 000 Pfund produziert werden soll (
www.defenceweb.co.za/index.php?option=
com_content&view=article&id=42950:saudi-arabia-opens-munitions-
factorybuilt-by-rheinmetall-denel-munition&catid=7:Industry&Itemid=116)?
Die Fragen 12 bis 14 werden zusammen beantwortet.
Der Bundesregierung liegen zu den jeweils angefragten Sachverhalten keine über
öffentlich zugängliche Informationen hinausgehenden Erkenntnisse vor.
15. Trifft es nach Kenntnis der Bundesregierung zu, dass Rheinmetall Defence
den Großteil des Geschäfts in den NATO-Staaten und Rheinmetall Denel
Munition vor allem – neben Südafrika – in Asien, im Mittleren Osten und in
Südamerika abwickelt (
https://netzfrauen.org/2017/05/06/saudiarabia/)?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine über öffentlich zugängliche
Informationen hinausgehenden Erkenntnisse vor.
16. Inwieweit teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragesteller, dass
sie durch die Genehmigung der Lieferung von 41 644 sogenannten
Artilleriemultifunktionszündern an Frankreich zum Einbau in Artillerie, die
für Saudi-Arabien bestimmt ist, mit in Verantwortung für die Toten im
Jemen zu nehmen ist, wo die Munition seitens der von Saudi-Arabien
geführten Militärkoalition eingesetzt wird (
www.spiegel.de/politik/deutschland/
ruestungsexporte-bundesregierung-genehmigt-artilleriezuender-fuer-saudi-
arabien-a-1123858.html)?
17. Kann die Bundesregierung ausschließen, dass die an die Vereinigten
Arabischen Emirate (VAE) genehmigte Lieferung von mehr als 200 000 Zündern
von Rheinmetall für so genannte Infanteriepatronen im Kaliber 40 mm
(vermutlich vorgesehen für Granaten, die mit einem Zusatzgerät von Gewehren
verschossen werden) nicht im Jemen seitens der VAE im Zuge der von
Saudi-Arabien seit März 2015 angeführten Militäroperation zum Einsatz
kommen (
http://augengeradeaus.net/2017/04/bundesregierung-genehmigt-
ruestungsexport-in-die-vereinigten-arabischen-emirate/)?
Die Fragen 16 und 17 werden zusammen beantwortet.
Die Bundesregierung verfolgt eine restriktive Rüstungsexportpolitik.
Entscheidungen werden jeweils im Einzelfall getroffen. Dabei werden alle Aspekte des
jeweiligen Falls berücksichtigt, gewichtet und abgewogen. Grundlage sind die
„Politischen Grundsätze der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen
und sonstigen Rüstungsgütern“ aus dem Jahr 2000, der „Gemeinsame Standpunkt
des Rates der Europäischen Union vom 8. Dezember 2008 betreffend
gemeinsame Regeln für die Kontrolle der Ausfuhr von Militärtechnologie und
Militärgütern“ und der Vertrag über den Waffenhandel. Kenntnisse über die
Verwendung der genannten Rüstungsgüter liegen der Bundesregierung nicht vor. Es
finden die üblichen Endverbleibsregelungen Anwendung.
18. Die Lieferung von welchen Teilen und Komponenten für ein mobiles
Gefechtsübungszentrum der Rheinmetall AG an die VAE im Wert von
8,4 Mio. Euro sind vom Bundessicherheitsrat konkret genehmigt worden
(
http://augengeradeaus.net/2016/11/ein-gefechtsuebungszentrum-fuer-die-
emirate-zumindest-zum-teil/)?
Es wird auf die Antwort zu Frage 3 und auf die der Antwort beigefügte Anlage
verwiesen.
19. Sind Lieferungen von Teilen und Komponenten für ein mobiles
Gefechtsübungszentrum der Rheinmetall AG an die VAE vom
Bundessicherheitsrat nicht genehmigt worden, und wenn ja, um welche Teile und
Komponenten ging es konkret?
Es wird auf die Antwort zu Frage 4 verwiesen.
20. Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse (auch
nachrichtendienstliche), dass im Rahmen des im September 2013 von der Türkei und Saudi-
Arabien ratifizierten Abkommens zur intensiveren
verteidigungsindustriellen Kooperation ein Rüstungsvertrag mit Saudi-Arabien vor dem Abschluss
steht, der der größte Exportvertrag für die türkische Industrie sein wird
(
www.defensenews.com/articles/turkey-in-final-phase-of-secretive-
saudiexport-deal)?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine über öffentlich zugängliche
Informationen hinausgehenden Erkenntnisse vor.
21. Inwieweit sieht die Bundesregierung, dass im Transfer von moderner
Rüstungsproduktionstechnologie und entsprechendem Know-how, in Form z. B.
von Joint Ventures, Lizenzen zur Produktion und gemeinschaftlichen
Entwicklungen, nicht nur die Gefahr des Aufrüstens nationaler
Rüstungsindustrien besteht, sondern dieser Transfer auch zu Lasten einer effektiven
Rüstungskontrolle geht?
Die Bundesregierung verfolgt eine restriktive Rüstungsexportpolitik. Jeder
Einzelfall wird intensiv geprüft. Unternehmen müssen Exporte von Rüstungsgütern
genehmigen lassen. Die bestehenden Genehmigungspflichten für den
grenzüberschreitenden Güterverkehr gelten grundsätzlich sowohl für Waren als auch für
Technologie und Software. Konkrete Ausfuhren von in der Ausfuhrliste erfasster
Technologie oder Herstellungsausrüstung, die im Zusammenhang mit
Kooperationen ausgeführt würden, wären genehmigungspflichtig.
Anlage zu Frage 3
Bahrain
Der Bundessicherheitsrat hat im angefragten Zeitraum keine abschließenden
Genehmigungsentscheidungen über Rüstungsexporte nach Bahrain getroffen.
Katar
Monat/Jahr der
Entscheidung
Rüstungsgut Exportierendes
Unternehmen
Gesamtvolumen
in EURO
05/2012 Maschinenpistolen, Munition für
Maschinenpistolen
Heckler & Koch GmbH 6.777
03/2013 Radpanzer, Maschinengewehre, Teile
für Maschinengewehre,
Granatmaschinenwaffen
Krauss-Maffei
Wegmann GmbH & Co. KG
5 Mio.
10/2014 gepanzerte Radfahrzeuge Dingo und
gepanzerte Radfahrzeuge Fennek
Krauss-Maffei
Wegmann GmbH & Co. KG
158,6 Millionen
06/2015 Mehrfache vorübergehende Ausfuhr:
Kampfpanzer LEOPARD 2
Bergepanzer WISENT 2
Gepanzertes Fahrzeug DINGO 2
Gepanzertes Fahrzeug FENNEK
Maschinengewehre Kal. 7,62 und 12,7 mm
Panzerhaubitze 2000
Krauss-Maffei Wegman
GmbH & Co. KG
Keine Angabe,
da
vorübergehende Ausfuhr
Saudi-Arabien
Monat/Jahr der
Entscheidung
Rüstungsgut Exportierendes Unternehmen Gesamtvolumen
in EURO
02/2012 Teile für Munition RUAG Ammotec GmbH 4.019
02/2012 diverse Zünder JUNGHANS Microtec GmbH 1.726.930
02/2012 diverse Aluminium Profile Alcoa Holding GmbH 217.252
02/2012 Aluminium Profile Alcoa Holding GmbH 176.660
02/2012 chemische Stoffe Island Polymer Industries GmbH 6.528
02/2012 Teile für Artilleriegeschosse Asphericon GmbH 471.346
03/2012 Munition für Maschinenpistolen RUAG Ammotec GmbH 789.880
10/2012 Maschinenpistolen Schmeisser GmbH 50.000
11/2012 Navigationssysteme für
Fahrzeuge
Honeywell Regelsysteme GmbH Ca. 1,6 Millionen
11/2012 Teile für Panzerturm Rothe Erde GmbH Ca. 1,4 Millionen
11/2012 Teile für Panzerfahrzeuge MOOG GmbH Ca. 1,4 Millionen
11/2012 Teile für gepanzerte Fahrzeuge,
diverse Teile für Geschützturm
Wittenstein motion control
GmbH
Ca. 1,8 Millionen
11/2012 Teile für Feuerleitanlagen Sci Servo Components GmbH 41.530
11/2012 Gelenkwellen Eugen Klein GmbH 3.744
11/2012 Drahtrollenlager Rothe Erde GmbH 423.870
11/2012 Drahtrollenlager Rothe Erde GmbH 70.475
11/2012 Teile für gepanzerte Fahrzeuge GuS Präzision in Kunststoff,
Glas
und Optik GmbH
253.394
11/2012 Teile für gepanzerte Fahrzeuge GuS Präzision in Kunststoff,
Glas und Optik GmbH
2.308
11/2012 Teile für gepanzerte Fahrzeuge Eugen Klein GmbH 11.970
11/2012 Teile für Rohrwaffenrichtgeräte MOOG GmbH 328.290
11/2012 Teile für Radpanzer Eugen Klein GmbH 2.808
11/2012 Teile für gepanzerte Fahrzeuge Honeywell Regelsysteme GmbH 204.930
11/2012 Teile für Geschützturm Wittenstein motion control
GmbH
17.940
11/2012 Kameramodule Kappa Optronics GmbH 591.360
11/2012 Gelenkwellen Eugen Klein GmbH 49.672
11/2012 Teile für Radpanzer ZF Lenksysteme GmbH 12.803
11/2012 Gehäusehälften Wutal Aluminium Guss GmbH 90.527
11/2012 Dichtungen für Lage Rothe Erde GmbH 588
11/2012 Leuchten Herkules-Fahrzeuglogistik
GmbH
109.448
11/2012 Teile für Radpanzer Luhn & Pulvermacher –
Dittmann & Neuhaus GmbH
42.120
Monat/Jahr der
Entscheidung
Rüstungsgut Exportierendes Unternehmen Gesamtvolumen
in EURO
11/2012 Teile für Fahrzeuge J. Eberspächer GmbH 139.656
11/2012 Teile für Radpanzer SCHÖNEWEISS & Co. GmbH 3.315
11/2012 Drahtrollenlager Rothe Erde GmbH 33.800
11/2012 Teile für gepanzerte Fahrzeuge,
Teile für Waffen
Wittenstein motion control
GmbH
250.805
11/2012 Leuchten Herkules-Fahrzeuglogistik
GmbH
3.029
11/2012 Teile für Radpanzer ZF Lenksysteme GmbH 1.680
11/2012 Navigationssystem für
Fahrzeuge
Honeywell Regelsysteme GmbH 47.608
06/2014 Infrarot-
Nachtsichtvorsatzgeräte
Zielfernrohre für Gewehre
Cassidian – Airbus Defence and
Space GmbH und Schmidt &
Bender GmbH & Co. KG
1,1 Millionen
10/2014 Pionierpanzer WISENT II FFG Flensburger Fahrzeugbau
GmbH
Keine Angabe, da
vorübergehende
Ausfuhr
10/2014 Wirkmittelwurf-anlagen Kaliber
40mm und 76mm zum
Fahrzeugschutz
fernbedienbare leichte
Waffenstationen mit Waffenrüstsatz u.
jeweiligen
Waffennachbildungen (zum Aufbau auf leichte
und schwere gepanzerte
Fahrzeuge)
Krauss-Maffei Wegmann GmbH
& Co. KG
2,9 Millionen
10/2014 Prototypenmuster für
Elektrooptisches Aufklärungs- und
Beobachtungssystem
Rheinmetall Defence Electronics
GmbH
Ca. 16,8 Millionen
01/2015 Zieldarstellungsgeräte für
Infanteriewaffen inkl. Zubehör
Theissen Training Systems
GmbH
5 Millionen
01/2015 Schießsimulationssysteme
GLADIO inkl. Zubehör
D. Sigma Systems GmbH *
01/2015 Verlängerung einer bereits 2012
erteilten, aber nicht
ausgeschöpften Genehmigung über
Radare, optronische
Ausrüstung, Software und Technologie
zur Verwendung für ein
Grenzsicherungssystem
Airbus Defence and Space
GmbH
1,05 Milliarden
06/2015 Patrouillenboote 44m Fr. Fassmer GmbH *
02/2016 Zivile Hubschrauber mit
militärischen Einbauten
Airbus Helicopter Deutschland
GmbH
*
Monat/Jahr der
Entscheidung
Rüstungsgut Exportierendes Unternehmen Gesamtvolumen
in EURO
06/2016 Patrouillenboot, 40m Fr. Lürssen Werft GmbH *
11/2016 Artilleriemultifunktionszünder
(über Frankreich)
Junghans Microtec GmbH *
01/2017 Patrouillenboote, 40m Fr. Lürssen Werft GmbH *
03/2017 Patrouillenboote, 40m Fr. Lürssen Werft GmbH *
03/2017 Vorübergehende, wiederholte
Ausfuhr: Radarsystem SPEXER
Airbus Defence and Space
Electronics and Border Security
GmbH
*
06/2017 Lastkraftwagen (ungepanzerte
Schwerlast-
Sattelzugmaschinen) sowie Ersatzteile,
Gewährleistung und
Reparaturanleitungen
Rheinmetall MAN Military
Vehicles GmbH
*
06/2017 Militärische Werkzeuge und
Ausrüstung
Fritz Werner Industrie-
Ausrüstungen GmbH
ca. 8,9 Millionen
06/2017 Patrouillenboote, 40 m Fr. Lürssen Werft GmbH *
Türkei
Der Bundessicherheitsrat hat im angefragten Zeitraum keine abschließenden
Genehmigungsentscheidungen über Rüstungsexporte in die Türkei getroffen.
Vereinigte Arabische Emirate
Monat/Jahr der
Entscheidung
Rüstungsgut Exportierendes Unternehmen Gesamtvolumen
in EURO
02/2012 Maschinenpistolen Heckler & Koch GmbH 287.400
10/2012 Gewehre mit KWL-Nummer Heckler & Koch GmbH 16.750
03/2013 Teile für Gewehre mit KWL-
Nummer
Merkel Jagd- und Sportwaffen
GmbH
6.930
10/2014 Pionierpanzer WISENT II FFG Flensburger Fahrzeugbau
GmbH
*
10/2014 Mörsergranatzünder JUNGHANS Microtec GmbH *
10/2014 Maschinenpistolen Heckler & Koch GmbH *
10/2014 Patronen für
Maschinenpistolen Kal. 4,6mm x 30
RUAG Ammotec GmbH *
10/2014 Munition für Granatwaffen
Kal. 40mm
Rheinmetall Waffe Munition
GmbH
*
06/2015 Vorübergehende Ausfuhr:
Gepanzertes Kettenfahrzeug
Flensburger Fahrzeugbau
GmbH
Keine Angabe, da
vorübergehende
Ausfuhr
06/2015 Zünder für Infanteriemunition
40mm
Junghans Microtec GmbH *
10/2015 Vollautomatische Gewehre
Maschinenpistolen
Patronen
Heckler & Koch GmbH 508.719
02/2016 Vollautomatische Gewehre
Gehäuseoberteile für
vollautomatische Gewehre
Maschinenpistolen
Patronen für Granatwaffen
Heckler & Koch GmbH
Rheinmetall Waffe Munition
GmbH
1.546.138
06/2016 Mehrfache vorübergehende
Ausfuhr zur Erprobung:
Torpedos ohne Gefechtskopf
vollständig oder als Einzelteile
(Rumpftorpedos,
Zielsuchköpfe)
(Verlängerung)
Atlas Elektronik GmbH *
Monat/Jahr der
Entscheidung
Rüstungsgut Exportierendes Unternehmen Gesamtvolumen
in EURO
06/2016 Vorübergehende Ausfuhr zur
Erprobung: Gepanzertes
Fahrzeug PMMC als
Mannschaftstransporter
(Folgeantrag zu abgelaufener
Genehmigung)
Flensburger Fahrzeugbau
GmbH
*
11/2016 Teile und Komponenten für
mobiles
Gefechtsübungszentrum
Rheinmetall Defence
Electronics GmbH
8,4 Millionen
03/2017 Teile und Komponenten für
die Erweiterung eines
Gefechtsübungszentrums
Rheinmetall Defence
Electronics GmbH
34, 7 Millionen
03/2017 Zünder für 40mm
Infanteriepatronen
Junghans Microtec GmbH *
03/2017 Reaktivpanzerungen in Form
von Modulen
Dynamit Nobel Defence GmbH 125,84 Millionen
* Die Bundesregierung sieht von Angaben zum Auftragsvolumen dann ab, wenn diese in Kombination mit Angaben zu Stückzahlen
Rückschlüsse auf den Einzelpreis bestimmter Rüstungsgüter zuließen. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 21.
Oktober 2014 (2 BvE 5/11) würden Angaben, die so konkret sind, dass aus ihnen auf vertrauliche Informationen, etwa auf den Einzelpreis
eines bestimmten Rüstungsguts, geschlossen werden kann, in unverhältnismäßiger Weise in die Berufsfreiheit der Unternehmen
eingreifen (vgl. Rn. 185, 192 und 219 des Urteils).
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ISSN 0722-8333]