[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
4. August 2017 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/13304
18. Wahlperiode 08.08.2017
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Bärbel Höhn, Dr. Julia Verlinden,
Dieter Janecek, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/13077 –
Energieverbrauch durch Digitalisierung – Effizienz statt Rebound-Effekt
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Internet ist aus unserem Alltag, unserem Wirtschaften und unseren sozialen
Beziehungen nicht mehr wegzudenken. Innerhalb von nur zwei Jahrzehnten ist
es aus der Nische zu einer Grundlage moderner Gesellschaften geworden. Viele
Aspekte der ökologischen Modernisierung basieren darauf, dass Prozesse besser
vernetzt und Ressourcen gespart werden. Die Chancen der Digitalisierung zur
Abmilderung der Klimakrise werden aktuell viel diskutiert. Dem digitalen
Wandel muss es gelingen, auch zu einem ökologischen Wandel zu werden, denn mit
technologischer und sozialer Innovation kann heute eine lebenswerte Welt für
morgen gesichert werden. So können vernetzte IT-Anwendungen wie
intelligente Energie- oder Verkehrssteuerung einen großen ökologischen Beitrag
leisten. Allein in Deutschland könnten so bis zu 190 Millionen Tonnen CO2
eingespart werden; weltweit wird das Potenzial auf 9 Milliarden Tonnen CO2
geschätzt (Studie SMART 2020 der Global e-sustainability Initiative: http://
gesi.org/SMARTer2020). Allerdings gehen die rasant zunehmende Nutzung
digitaler Angebote und die Vernetzung vieler Geräte auch mit einem steigenden
Energieverbrauch einher. Laut einer Greenpeace-Studie (
www.greenpeace.de/
sites/
www.greenpeace.de/files/publications/clicking-clean-20151905.pdf)
verbraucht das Internet so viel Energie, dass es – wäre es ein Land – der
sechstgrößte Energieverbraucher weltweit wäre. Aktuell sind 2,5 Milliarden
Menschen online – und es werden schnell mehr. Die Zunahme vernetzter Geräte
(„Internet of Things“) ist ebenfalls rasend.
Deshalb ist es wichtig, der Energieeffizienz gerade im Bereich Digitalisierung
mehr Aufmerksamkeit zu schenken. So kann beispielsweise der
Stromverbrauch von Rechenzentren durch eine moderne Kühlung um 40 Prozent gesenkt
werden.
Ein moderner Computer „braucht heute pro Minute beinahe so viel Strom wie
die ersten ‚Homecomputer‘ vor gut 30 Jahren, die tausend Mal langsamer
waren“, stellt das ETHZ fest (
www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/
ethnews/news/2015/03/wieviel-strom-braucht-das-internet.html). Die steigende
Leistung frisst die rasanten Effizienzgewinne also wieder auf. Hinzu kommen
das Wachstum der Geräteanzahl und ein verändertes Nutzungsverhalten.
Akteure der Branche können dabei die Energiewende sogar beschleunigen,
wenn sie aktiv ihre Infrastrukturen auf die Nutzung erneuerbarer Energien
umstellen. In den USA haben dies drei der größten Internetkonzerne bereits im Jahr
2010 getan. Aus Deutschland sind keine derartigen so weit fortgeschrittenen
Maßnahmen bekannt, obwohl zugleich die Bedingungen im Zuge der
Energiewende durchaus vorliegen. Eine progressive Politik im Sinne erneuerbarer
Energien und Energieeffizienz könnte somit auch zum internationalen
Standortfaktor für die Digitalwirtschaft werden – und in einer immer digitalisierteren Welt
einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
1. Wie schnell steigt nach Kenntnis der Bundesregierung die
Nutzungsintensität (Rechenleistung pro Kopf) deutscher Internetuserinnen und Internetuser,
und wie schnell steigt die Energieeffizienz im Vergleich dazu?
Die Nutzungsintensität hat sich in den vergangenen drei Jahren wie folgt
entwickelt: Entsprechend dem Digital-Index der Initiative D21, der jährlich ein
aktuelles Lagebild zum Digitalisierungsgrad der Gesellschaft gibt, nutzten die
Befragten das Internet täglich im Durchschnitt wie folgt: 2014: 2 h 21 min, 2015: 2 h 49
min und 2016: 2 h 42 min (inklusive Offliner und jeweils Summe aus privater
und beruflicher Nutzung).
Bei der Energieeffizienz zeigt sich folgendes differenziertes Bild: Nach einer
Studie aus dem Jahr 2015 konnte aufgrund des technologischen Fortschritts und
der Erfolge bei den europäischen Standards ein Rückgang des durch
Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bedingten Stromverbrauchs um
rund 15 Prozent gegenüber dem Jahr 2010 festgestellt werden. Der jährliche
Energiebedarf der IKT in Deutschland ist im Zeitraum von 2010 bis 2015 von 56
TWh auf knapp 48 TWh gesunken. Perspektivisch wird sich – nach der Studie –
dieser abnehmende Trend bis zum Jahr 2020 noch fortsetzen, bis 2025 wird dann
ein leichter Anstieg von 45 TWh auf 46 TWh in 2025 erwartet.
Maßgeblich für den Rückgang des Stromverbrauchs ist der sinkende
Energiebedarf der IKT in Haushalten und an Arbeitsplätzen. Wesentliche Treiber sind die
technische Optimierung von IKT-Endgeräten wie Fernsehern, Monitoren und
Computern sowie eine intensivere Nutzung energiesparenderer mobiler Produkte
wie Smartphones, Tablets und Notebooks.
Demgegenüber zeichnet sich gemäß der Studie in den Bereichen der
Telekommunikation und Rechenzentren ein gegenläufiger Trend ab: Trotz der
Ausschöpfung erheblicher Verbesserungspotentiale wird der IKT der bedingte
Energiebedarf von Telekommunikationsnetzen und Rechenzentren von 2015 bis 2025 leicht
zunehmen und von 18 TWh im Jahr 2015 auf 25 TWh im Jahr 2025 ansteigen.
Diese negative Entwicklung ist primär auf eine intensivere Internetnutzung
zurückzuführen, beispielsweise auf den zunehmenden Datenverbrauch in
Haushalten, der insbesondere zu Spitzenzeiten am Abend technisch abgesichert werden
muss. In diesem Zusammenhang steht auch der Ausbau der ressourcenintensiven
Breitband-Flächenabdeckung ländlicher Gebiete.
„Entwicklung des IKT-bedingten Strombedarfs in Deutschland“, Studie des Fraunhofer IZM und Borderstep Instituts im Auftrag des
BMWi, 2015.
2. Stimmt die Bundesregierung der Aussage zu, dass es sich hier um einen
„Rebound-Effekt“ handelt, und wenn ja, welche Rückschlüsse zieht sie
daraus für ihre eigenen Energieeffizienzziele, und wenn nein, warum nicht?
Der beschriebene Effekt könnte insbesondere mit Blick auf Telekommunikation
und Rechenzentren als Rebound bezeichnet werden. Rebound-Effekte zeichnen
sich durch spezifisch sinkende Energieverbräuche bei zugleich steigender
Leistungsfähigkeit und damit einhergehenden stagnierenden oder steigenden
absoluten Energieverbräuchen aus. Dies ist eine der wesentlichen Herausforderungen,
welche das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) insbesondere
im Grünbuch Energieeffizienz darstellt. Das BMWi hat im Grünbuch
Energieeffizienz unterschiedliche Handlungsoptionen vorgeschlagen und breit konsultiert.
Dabei ist die Frage, ob und in welchem Umfang Rebound-Effekte in welchen
Bereichen und Handlungsfeldern auftreten, für die Instrumentierung von
Relevanz, nicht jedoch für die Effizienzziele.
3. Wie viel Strom verbraucht nach Kenntnis der Bundesregierung die
Internetnutzung (Rechenzentren, Netzwerke, Geräte und Produktherstellung) in
Deutschland (bitte absolut und relativ zum Gesamtbedarf für die Jahre 2000
bis 2017 angeben), und wie hoch ist hierbei der CO2-Ausstoß?
Gemäß einer vom BMWi beauftragten Berechnung ist – wie in Antwort zu
Frage 1 dargestellt – der elektrische Energiebedarf der IKT in Deutschland im
Zeitraum von 2010 bis 2015 von etwa 56,0 TWh auf 47,8 TWh um gut 15 Prozent
gesunken. Der Energiebedarf wird mittelfristig bis 2020 noch weiter leicht
abnehmen und dann von 45,2 TWh auf 46,2 TWh in 2025 wieder etwas zunehmen.
Gemessen am deutschen Gesamtenergiebedarf an Strom von rund 576 TWh im
Jahr 2014 beträgt der Anteil des aktuellen IKT-bedingten Energiebedarfs etwa
acht Prozent. Im Jahr 2016 betrug der Gesamtenergiebedarf deutscher
Rechenzentren 12,4 Milliarden kWh/a (Quelle:
www.borderstep.de/wp-content/uploads/
2017/03/Borderstep_Rechenzentren_2016.pdf S. 1). Aktuell nehmen deutsche
Rechenzentren im internationalen Vergleich eine Spitzenposition bei der
Energieeffizienz ein
(Quelle:
www.borderstep.de/wp-content/uploads/2017/03/Borderstep_
Rechenzentren_2016.pdf S. 2). Zum CO2-Ausstoß liegen der Bundesregierung
keine Erkenntnisse vor.
4. Wie groß ist nach Kenntnis der Bundesregierung der CO2-Fußabdruck der
Internetnutzung in Deutschland?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
5. Welcher Anteil des Energieverbrauchs der Internetnutzung in Deutschland
geht nach Kenntnis der Bundesregierung auf Streamingangebote zurück?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
6. Welcher Anteil des Energieverbrauchs der Internetnutzung in Deutschland
fällt nach Kenntnis der Bundesregierung auf Clouddienste zurück?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
7. Inwieweit kommt der Bund seiner besonderen Verantwortung bei der
Beschaffung energieeffizienter und umweltfreundlicher Endgeräte nach?
Die Bundesverwaltung kommt ihrer besonderen Verantwortung auf vielfältige
Art nach. Sie hat sich das strategische Ziel Umweltverträglichkeit und
Nachhaltigkeit gesetzt und in der aktuellen IT-Strategie der Bundesverwaltung dort
(insbesondere in Nummer 3.8) festgeschrieben.
Im Übrigen werden im Rahmen der „IT-Konsolidierung Bund“ durch die
Bündelung von Rechenzentren-IT bei wenigen IT-Dienstleistern
(Betriebskonsolidierung) auch Synergieeffekte unter anderem im Stromverbrauch, bei der
Energiedichte (kW/m²), CPU-Auslastung und Virtualisierung erwartet. Dies geschieht
beispielsweise dadurch, dass bei der Fortschreibung der Architekturrichtlinien
Nachhaltigkeit und Effizienz als Ziele formuliert wurden. Ende 2023 soll die
Anzahl der Rechenzentren und Serverräume der unmittelbaren Bundesverwaltung
erheblich reduziert worden sein.
8. Welche Unternehmen der Digitalwirtschaft in Deutschland haben nach
Kenntnis der Bundesregierung die höchsten Energieverbräuche und den
größten CO2-Fußabdruck (bitte Top 10 auflisten)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
9. Wie setzt sich der Strommix dieser Unternehmen nach Kenntnis der
Bundesregierung zusammen?
Über die Stromlieferverträge einzelner Unternehmen und die sich daraus
ergebende Zusammensetzung des jeweiligen Strommixes liegen der Bundesregierung
keine Informationen vor.
10. Plant die Bundesregierung, darauf hinzuwirken, dass auch in Deutschland
mehr Unternehmen des digitalen Sektors ihren eigenen Strombedarf durch
reinen Ökostrom decken?
Wenn ja, wie genau?
Wenn nein, warum nicht?
Der liberalisierte Strommarkt ermöglicht Verbraucherinnen und Verbrauchern
eine freie Anbieterwahl und Wahlmöglichkeiten zwischen unterschiedlichen
Angeboten. Die Bundesregierung plant hier keine Einschränkungen für den digitalen
Sektor. Auch die Digitalwirtschaft beteiligt sich jedoch über die EEG-Umlage an
der Finanzierung erneuerbarer Energien und der Energiewende. Ob darüber
hinaus Ökostrom bezogen wird, liegt im Ermessen der Unternehmen.
11. Welche Erkenntnisse hat das Forschungsprogramm „IT2Green“ der
Bundesregierung gebracht, und welche Maßnahmen mit welchem Umfang sind
daraus erwachsen?
Mit dem Technologieprogramm „IT2Green“ förderte das BMWi im Zeitraum von
Anfang 2011 bis Ende 2014 insgesamt zehn Verbundprojekte in den
Themenclustern „Telekommunikationsnetze“, „Rechenzentren und Clouds“ sowie
„Monitoring und Management“ mit dem Ziel, Modelllösungen für hoch energieeffiziente
Systeme der IKT zu entwickeln.
In den Verbundprojekten wurden ganzheitliche Systemansätze entwickelt und
erprobt, welche im Kern folgende übergeordnete Themenstellungen beinhalteten:
dynamische Zu- und Abschaltung von IKT-Elementen, Interferenzreduktion
und lastadaptiver Betrieb in Telekommunikation und Rechenzentren,
ganzheitliche energieorientierte Steuerung von IT-Ressourcen und Nutzung
von Standortvorteilen durch automatisierte Lastverschiebung von
Anwendungen in und zwischen verschiedenen Rechenzentren zum Zweck der
Energieeinsparung sowie
intelligente Anwesenheitserkennung und Steuerung von IT-Geräten, Licht und
Heizung im Büroumfeld.
Im Ergebnis konnten im Technologiecluster „Telekommunikationsnetze“ mit
Einsparungen in Teilbereichen von über 50 Prozent gegenüber konventionellen
Lösungen die höchsten Einsparungen erzielt werden. Ein Grund hierfür liegt
darin, dass das Thema Energieeffizienz bislang in diesem Bereich einen geringeren
Stellenwert hatte. Im Technologiecluster „Rechenzentren und Cloud“ konnten
Energie- und Ressourceneinsparungen von bis zu 40 Prozent erreicht werden. Die
IT2Green-Projekte vermittelten dabei einen guten Eindruck, wie anspruchsvoll es
ist, eine energieoptimale und performante Gestaltung des Rechenzentrums zu
finden und durch eine übergreifende Steuerung dynamisch zu halten. Mit dem
Technologiecluster „Monitoring und Management“ wurden eine intelligente,
anwesenheitsorientierte Zu- und Abschaltung von IKT-Endgeräten, Licht und Heizung
in Büroumgebungen untersucht. Da die Hersteller von IKT-Endgeräten in den
letzten Jahren bereits viele technische Maßnahmen zur Steigerung der
Energieeffizienz implementiert hatten, fielen die Energieeinsparungen in diesem Bereich
jedoch weniger deutlich aus.
Die Ergebnisse des Technologieprogramms wurden in den Jahren 2012 bis 2014
auf Messen (CeBIT), Kongressen sowie Ausstellungen präsentiert und in
Workshops mit externen Expertinnen und Experten diskutiert. Sie wurden auch von
Film und Fernsehen (SWR) aufgegriffen und ausgestrahlt. Insgesamt konnten aus
dem Technologieprogramm 28 Patente und über 200 Dossiers, Leitfäden und
wissenschaftliche Beiträge einschließlich Bücher und Dissertationen generiert
werden.
12. Plant die Bundesregierung weitere Maßnahmen, um den Energieverbrauch
der Internetnutzung, v. a. der Rechenzentren, zu verringern?
Im Rahmen der im Juni 2016 gestarteten „Wettbewerblichen Ausschreibungen
für Stromeffizienz: STromEffizienzPotentiale nutzen – STEP up!“ fördert die
Bundesregierung – grundsätzlich technologie- und sektoroffen investive
Maßnahmen zur Verbesserung der Stromeffizienz in Unternehmen. Um gezielt
Effizienzmaßnahmen in Rechenzentren anzureizen, hatte die themenspezifische
sogenannte „geschlossene Ausschreibung“ in der 3. Runde von STEP up!
(Einreichungsfenster für Projektanträge: März bis Mai 2017) die „Umsetzung von
Effizienzmaßnahmen in Rechenzentren“ zum Thema. In der „offenen
Ausschreibung“ (technologie- und sektoroffen) können Effizienzmaßnahmen in
Rechenzentren in jeder Ausschreibungsrunde zur Förderung eingereicht werden.
13. Wie viel Energie verbrauchen die Rechner in den Bundesministerien, den
untergeordneten Behörden, dem Bundeskanzleramt und im Deutschen
Bundestag nach Kenntnis der Bundesregierung pro Jahr (bitte in kWh absolut
und anteilig am Gesamtenergiebedarf angeben)?
Die Green-IT-Initiative des Bundes sorgt bereits seit mehreren Jahren für eine
Reduktion des Energieverbrauchs in den IT-Bereichen der Bundesverwaltung.
Federführend für die Green-IT-Initiative ist das Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. In der Konferenz der IT-Beauftragten
am 7. Juni 2017 wurde für die Fortsetzung der Green-IT-Initiative votiert.
Zu den Verbrauchsanfragen liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
14. Welche Ratschläge gibt die Bundesregierung Unternehmen, der öffentlichen
Verwaltung und den Bürgerinnen und Bürgern, um den Energiebedarf der
Internetnutzung zu reduzieren?
Das BMWi informiert Unternehmen, öffentliche Verwaltungen sowie
Bürgerinnen und Bürger mit einer Vielzahl von Beratungsangeboten, insbesondere im
Rahmen der Nationalen Top-Runner-Initiative, der Kampagne „Deutschland
macht’s effizient“ und durch die Verbraucherzentralen.
Energieeinsparmöglichkeiten bei der Internetnutzung liegen etwa im Einschalten der
Stromsparfunktionen in Laptops und PCs, in der Verwendung von stromsparenden Tablet-
Computern oder Mobiltelefonen, der Beschaffung energiesparender Geräte, dem
Ausschalten bei Nichtbenutzung sowie der Nutzung von schaltbaren Steckerleisten,
um Stand-by-Verluste zu minimieren.
15. Warum wurde das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit nicht in die Planung und Umsetzung der Digitalen Agenda
eingebunden, um so Nachhaltigkeitsziele in die Digitalisierungsstrategie der
Bundesregierung zu implementieren?
An der Erarbeitung der Digitalen Agenda 2014 bis 2017 war seinerzeit jedes
Ressort der Bundesregierung beteiligt, so auch das Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, das wesentliche Beiträge zu
Handlungsfeld 2 „Digitale Wirtschaft und digitales Arbeiten“ eingebracht hat und in
Planung und Umsetzung eingebunden war. Die Digitale Agenda ist die
Digitalisierungsstrategie der gesamten Bundesregierung und eine lebende Strategie, die
flexibel auch neue Themen aufgreifen kann. Dem Legislaturbericht Digitale Agenda
2014 bis 2017 (Bundestagsdrucksache 18/12130) können die
Umsetzungsmaßnahmen der Ressorts entnommen werden.
16. Unterstützt die Bundesregierung Programme und Forschung für
energieeffiziente Programmierung?
Die Bundesregierung unterstützt die Forschung für energieeffiziente
Programmierung in folgenden Programmen:
- Mit dem branchen- und technologieoffenen Zentralen Innovationsprogramm
Mittelstand (ZIM) des BMWi kann auch energieeffiziente Programmierung
gefördert werden, sofern es sich um innovative Forschungs- und
Entwicklungsprojekte von mittelständischen Unternehmen mit realen Marktchancen
handelt.
- Im Energieforschungsprogramm des BMWi werden Forschungsfragen zur
Energieeffizienz technologieoffen unterstützt. Dies kann im Einzelfall auch
den Aspekt der Programmierung einschließen, soweit der Projektschwerpunkt
Energieforschung bleibt.
- Im Rahmen von Bekanntmachungen des Bundesministeriums für Bildung und
Forschung (BMBF) auf dem Gebiet der „HPC-Software für skalierbare
Parallelrechner“ werden seit 2007 Projekte zum energieeffizienten Computing
durchgeführt. Im Förderschwerpunkt werden spezielle Programmiermethoden
weiterentwickelt, die eine Effizienzsteigerung moderner Rechnerstrukturen
ermöglichen. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem energieeffiziente Methoden.
Für Erläuterungen zu aktuell zehn laufenden Verbundprojekten wird auf die
Antwort zu Frage 18 verwiesen.
17. Stehen die Förderprogramme des Bundes zur Energieeffizienzberatung auch
offen für Beratungsleistungen zu Fragen digitaler Firmenhardware und von
Digitalisierungsprozessen?
Wenn ja, wie viele solcher Beratungsleistungen wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in den zurückliegenden zehn Jahren nachgefragt (bitte
einzeln für die Jahre 2006 bis 2016 aufschlüsseln)?
Die Energieberatungsprogramme des Bundes für Unternehmen erfassen den
Energieverbrauch in allen relevanten Verbrauchsbereichen. Hierzu gehören auch
die Bereiche Firmenhardware und Digitalisierungsprozesse. Auf der Basis einer
gründlichen Analyse unterbreitet der Energieberater in seinem Beratungsbericht
dann entsprechende Einsparvorschläge. Eine Auswertung der Beratungsberichte
nach einzelnen Themen erfolgt nicht.
18. Welche Forschungsprojekte begleitet die Bundesregierung bzw. fördert sie
mit Bezug zu Rechenzentren und Servereinheiten und deren
Energieverbräuchen?
Im Energieforschungsprogramm des BMWi werden seit 1. Januar 2014 die
Verbundprojekte „EnOB:Verbundvorhaben: Eneff: DCC-COP100. Data Center
Cooling ohne maschinelle Kältetechnik mit einer Effizienz von COP = 100“ (FKZ:
03ET1334A–B, Start 10/2015) und „TEMPRO: Ganzheitliches
Energiemanagement in professionellen Rechenzentren“ (FKZ: 03ET1418A–H, Start 11/2016)
unterstützt.
Das BMWi wird zudem ein vom Umweltbundesamt geplantes
Forschungsvorhaben zum Thema Energieeffizienz in Rechenzentren begleiten. Darin soll ein
Kennzahlensystem zur energetischen, ökologischen und ökonomischen
Bewertung von Rechenzentren weiterentwickelt und in der Praxis erprobt werden.
Basierend auf den Ergebnissen der praktischen Anwendung soll ein aktueller Best-
Practice-Leitfaden für Effizienzmaßnahmen erstellt werden, um dadurch weitere
Marktakteure zur Umsetzung von Effizienzmaßnahmen in Rechenzentren
anzureizen. Der Beginn des Vorhabens ist für das vierte Quartal 2017 geplant.
Hervorzuheben aus dem Forschungsbereich des BMBF ist das Projekt SIMOPEK
(FKZ: 01IH13007, Laufzeit 1. Juli 2013 bis 30. Juni 2016). Es wurde der
Energiekreislauf eines Höchstleistungsrechners im Detail untersucht und optimiert.
Hauptinnovation war die Entwicklung einer Warmwasserkühlung für diesen
Rechner im Vorfeld. Dadurch kann die Abwärme direkt zum Heizen von
Gebäuden genutzt werden. Hinzu kam bei SIMOPEK die Verwendung der Abwärme
zum Betrieb einer Kältemaschine (Zeolithkältemaschine mit
Adsorptionskühlung) zum Kühlen weiterer Geräte. Eine konsequente Nutzung dieser Ergebnisse
wird in Zukunft den Energieverbrauch von Rechenzentren drastisch senken.
Zukünftige Rechenzentren werden aus vielen unterschiedlichen Komponenten
bestehen. Solche heterogenen Systeme stellen die Programmierer vor neue
Herausforderungen. Ein wichtiger Punkt ist die energieeffiziente Nutzung solcher
Systeme durch spezielle Programmiermethoden. In der Bekanntmachung
„Grundlagenorientierte Forschung für HPC-Software im Hoch- und
Höchstleistungsrechnen“ vom 13. November 2015 wurden diese Fragen adressiert. Seit
Anfang des Jahres laufen dazu zehn Verbundprojekte:
- Im Projekt Chameleon (FKZ: 01IH16004, Laufzeit 1. April 2017 bis 31. März
2020, Fördermittel 0,9 Mio. Euro) werden die Leistungsparameter des Systems
durch die Anforderung der Simulation selbst gesteuert.
- Beim Projekt SeASiTe (FKZ: 01IH16012, Laufzeit 1. Januar 2017 bis 31.
Dezember 2019, Fördermittel 1,5 Mio. Euro) wird der umgekehrte Ansatz verfolgt.
Hier wird die Simulation so gesteuert, dass der Energieverbrauch minimal ist.
- In den letzten Jahren wurden immer mehr Grafikkarten auch für komplexe
Berechnungen benutzt. Aus Sicht des Stromverbrauchs besteht auch hier
Optimierungsbedarf. Hier setzt das Projekt Mekong (FKZ: 01IH16007, Laufzeit
1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2019, Fördersumme 0,6 Mio. Euro) an und
optimiert den Energieverbrauch dieser Geräte in Abhängigkeit von der
Aufgabenstellung.
- Eine Steigerung der Energieeffizienz erfordert auch neue Hardwarekonzepte.
Feldprogrammierbare Gate Arrays (FPGA) sind integrierte Schaltkreise, in
welche logische Schaltungen flexibel geladen werden können. Somit entsteht
eine flexible Systemarchitektur. Im Kern lassen sich mit FPGAs herkömmliche
Prozessoren konfigurieren und nachbilden – allerdings sind FPGAs dabei heute
weniger komplex und langsamer als vorproduzierte Hardware. Der
Strombedarf solcher FPGAs beträgt aber nur etwa ein Fünftel des Stromverbrauchs von
üblichen Prozessoren. Aktuell befindet sich ein Projektvorschlag in
Bewilligung, die Potentiale solcher FPGAs für komplexe Rechnungen auszunutzen
und damit dem energieeffizienten Höchstleistungsrechnen neue Wege zu
eröffnen. Der Projektstart ist noch im Jahr 2017 geplant, die Fördersumme wird
bei ca. 2 Mio. Euro liegen.
- Im Verbundprojekt EM-RAM (KMU-innovativ, Laufzeit 07/2017 bis 02/2020,
Fördermittel 0,7 Mio. Euro, FKZ: 01IS17016A.D) geht es um
Energieeffizientes Mapping für reaktive und adaptive Anwendungen auf
Multiprozessorarchitekturen. Ziel des Projektes ist eine integrierte Entwicklungsumgebung für
neuartige, dynamische Multiprozessorarchitekturen. Diese
Entwicklungsumgebung wird neben der reinen Leistungsfähigkeit vor allem auch den
Stromverbrauch der finalen Software berücksichtigen.
- Für das wachsende Gebiet des Maschinellen Lernens zeichnet sich auch das
Problem der Energieeffizienz ab. Für das sogenannte Deep Learning werden
Grafikprozessoren verwendet, die einen ähnlichen Stromverbrauch wie
normale Mikroprozessoren haben. Bei steigender Komplexität der Daten und
Problemstellungen muss auch hier ähnlich wie beim Hochleistungsrechnen auf
Systeme mit mehreren Grafikprozessoren zurückgegriffen werden. Die
Herausforderung einer energieeffizienten Programmierung derlei Systeme wird im
Projekt HP-DLF angegangen. Der Projektstart ist noch im Jahr 2017 geplant
und die Fördersumme beträgt etwa 2 Mio. Euro.
19. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu Servern mit
Flüssigkühlung vor, und wie beurteilt sie diese mit Blick auf
Energieeffizienzpotenziale?
Sind dabei Erkenntnisse zur Wärmenutzung berücksichtigt, und wenn ja, mit
welchen Ergebnissen?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
20. Gibt es innerhalb der Bundesverwaltung Rechenzentren und
Servereinheiten, die mit Flüssigkühlung betrieben werden?
Wenn ja, wird die Abwärme, die bei der Kühlung entsteht, genutzt, und wenn
ja, wie?
In der Bundesverwaltung gibt es in Einzelfällen bereits eine Flüssigkühlung bei
Servereinheiten. Nicht immer kann die Abwärme dabei genutzt werden, da
Abhängigkeiten der Liegenschaftstechnik beachtet werden müssen. Ansonsten wird
die Abwärme in den Wintermonaten den Heizungssystemen zugeführt.
21. Welche Potenziale sieht die Bundesregierung bei unternehmenseigenen
Rechenzentren und Servereinheiten auch im mittelständischen Bereich, um
Energieverbräuche zu senken?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in diesem Bereich Innovationen,
deren Skalierbarkeit zur Marktreife noch untersucht werden muss?
Und wenn ja, unterstützt sie dies mit eigenen Fördermitteln?
Für die Errichtung und Sanierung von Gebäuden für Rechenzentren stehen
Kommunen sowie gewerblichen und kommunalen Unternehmen bundesverbilligte
KfW-Darlehen zur Verfügung, oft in Verbindung mit Tilgungszuschüssen bis zu
17,5 Prozent je nach Effizienzstandard. Die Förderprogramme sind im CO2-
Gebäudesanierungsprogramm (CO2-GSP) aufgelegt. Förderfähig sind
energieeffiziente Neubauten und Komplettsanierungen zum so genannten KfW-Effizienzhaus,
aber auch verschiedene Sanierungs-Einzelmaßnahmen, z. B. zur Lüftung und
Klimatisierung von Räumen oder effizienten Beleuchtung. Die Maßnahmen
unterliegen technischen Mindestanforderungen, die die ordnungsrechtlichen
Mindestanforderungen der Energieeinsparverordnung unterschreiten. Nicht mit dem
Gebäude fest verbundene Anlagentechnik, z. B. Server (auch mit darin integrierter
Kühlung), sind im CO2-GSP nicht förderfähig. Die Förderprogramme für
Nichtwohngebäude wurden 2015 neu aufgelegt und sind seitdem sehr gut nachgefragt.
22. Gibt es Förderprogramme der Bundesregierung (außerhalb der
Effizienzberatung), die die Nutzung energieeffizienter Hardware auch im Sinne von
Servern und Rechenzentren anreizen, und wenn ja, welche sind das, und wie
stellt sich der Mittelabfluss dar?
Hinsichtlich Forschung und Entwicklung sowie der Errichtung und Sanierung
von Gebäuden für Rechenzentren wird auf die Antwort zu den Fragen 18 und 21
verwiesen.
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken,
www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim,
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