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Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Erkenntnisse zum möglichen Netzwerk aus türkischem Geheimdienst, UETD, Osmanen Germania und Turkey Nomads

Verbindungen von Mitgliedern des &quot;Osmanen Germania BC&quot; zur DITIB, Untertauchen gesuchter Rockermitglieder in der Türkei, diesbzgl. deutsche Fahndungs- und Auslieferungsersuchen seit 2014, Kontakte von Funktionären der &quot;Union Türkisch-Europäischer Demokraten&quot; (UETD) zur türkischen Regierung sowie zu den &quot;Osmanen Germania BC&quot;, Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hessen, politische Ausrichtung der &quot;Turkey Nomads&quot;, diesbzgl. Kontakte zu diversen politischen Institutionen bzw. Interessenverbänden, Einfluss und Aktivitäten der Rockergruppierungen in europäischen Staaten<br /> (insgesamt 15 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

03.08.2017

Antwortdauer

22 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/1313412.07.2017

Erkenntnisse zum möglichen Netzwerk aus türkischem Geheimdienst, UETD, Osmanen Germania und Turkey Nomads

der Abgeordneten Sevim Dağdelen, Annette Groth, Heike Hänsel, Andrej Hunko, Ulla Jelpke, Niema Movassat, Harald Petzold (Havelland) und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Anfang April 2017 hatte die Zeitung „Stuttgarter Nachrichten“ über ein Netzwerk berichtet, das der türkische Nachrichtendienst MIT, die Union der europäisch-türkischen Demokraten (UETD), Islamisten, die rechtsextremistischen „Grauen Wölfe“ sowie die rockerähnliche Gruppierung „Osmanen Germania“ im Südwesten Deutschlands aufgebaut haben (www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.dieuetd-im-suedwesten-das-netz.89dd4ced-bd1d-4d1a-adf2-b99323665e52.html).

Auf eine entsprechende Mündliche Frage antwortete die Bundesregierung allerdings, dass ihr „über die Presseberichterstattung hinausgehenden Informationen zu einem angeblichen Netzwerk im Sinne der Fragestellung“ nicht vorlägen und bislang „lediglich Hinweise auf einzelne Verbindungen zwischen den genannten Organisationen erlangt werden“ konnten. Weiter heißt es: „Einzelpersonen können der türkisch-rechtsextremen Ülkücü-Bewegung zugeordnet werden, andere wiederum unterhalten lediglich Kennverhältnisse. Zudem sind der Bundesregierung einzelne Verbindungen zwischen der UETD und dem ‚Osmanen Germania BC‘ bekannt. So waren Mitglieder des ‚Osmanen Germania BC‘ bereits als Sicherheitspersonal für UETD-Veranstaltungen tätig. Einzelne Führungspersonen des ‚Osmanen Germania BC‘ unterhalten zudem Kontakte zu UETD-Funktionären“ (Plenarprotokoll 18/236, Antwort auf die Mündliche Frage 14 der Abgeordneten Sevim Dağdelen). Damit bestätigte die Bundesregierung bereits vorliegende Informationen aus der Antwort auf die Kleine Anfrage „Der türkische Präsident Erdoğan, Osmanli Ocaklari und die Rockerclubs Osmanen Germania und Turkos MC“ (Bundestagsdrucksache 18/12452). Die UETD ist eine Lobbyorganisation der türkischen Regierungspartei AKP in Westeuropa (www.tagesspiegel.de/themen/agenda/einfluss-der-tuerkei-erdogans-lobby-in-deutschland/13695612.html).

Nach wie vor will die Bundesregierung aber nichts von personellen und bzw. oder organisatorischen Verbindungen der Osmanen Germania zur Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V. (DITIB) und zum türkischen Geheimdienst MIT wissen (Plenarprotokoll 18/236, Antwort auf die Mündliche Frage 14 der Abgeordneten Sevim Dağdelen). Dabei liegen der Bundesregierung Anhaltspunkte dafür vor, dass der türkische Nachrichtendienst MIT seine Aufklärungsarbeit in Deutschland im Zuge des Putschversuchs ausgeweitet und intensiviert hat“ (Bundestagsdrucksache 18/10739). Gegnerinnen und Gegner der türkischen Regierungspartei AKP und des türkischen Präsidenten Erdoğan in Deutschland sollen bekämpft und für den nationalistisch- islamistischen Kurs in der Türkei geworben werden (www.welt.de/politik/deutschland/article148771570/Eine-tuerkische-Pegida-mittenin-Deutschland.html).

Nach Aussagen von Ermittlern sind die „Osmanen Germania“ türkisch-nationalistisch ausgerichtet und unterhalten enge Kontakte zur AKP-Regierung von Recep Tayyip Erdoğan und auch zum Geheimdienst MIT. Die Verflechtungen der Osmanen Germania sind nach Auffassung der Fragesteller bislang relativ undurchsichtig. Mehmet Bagci, neben dem Ex-Hells Angel Selcuk „Can“ Sahin Gründer der „Osmanen Germania“, soll im vergangenen November in Ankara einen der wichtigsten Berater Recep Tayyip Erdoğans, Hakki Ilnur Cevik, getroffen und ihm ein Leibchen mit dem Logo der Osmanen übergestreift haben. Dabei soll er auch versprochen haben, gegen die „Feinde der Türkei und Terroristen zu kämpfen – egal, wo sie sich befinden“ (www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.die-uetd-im-suedwesten-das-netz-page1.89dd4ced-bd1d-4d1a-adf2-b99323665e52.html). Einige Fachleute sprechen von „Erdoğans Schlägertruppe in Deutschland“ (www.nw.de/nachrichten/nachrichten/nachrichten/21743430_Osmanen-Germania-Erdogans-Rockertruppe-in-Deutschland.html). Auch gibt es Berichte, wonach sich die Osmanen Germania auch mit Waffen wie zum Beispiel tschechischen Maschinenpistolen vom Typ Scorpion ausrüsten. Der Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom warnt, die Osmanen würden mit der „geplanten Ausrüstung mit Kriegswaffen zu einer Art Sturmabteilung der UETD“ (www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.die-uetd-im-suedwesten-das-netz-page1.89dd4ced-bd1d-4d1a-adf2-b99323665e52.html). Doch über Waffenlieferungen, deren Empfänger außer den Osmanen Germania auch die Rockergruppe „Hells Angels“ gewesen sein sollen, liegen der Bundesregierung keine über die Presseberichterstattung hinausgehenden Erkenntnisse vor (Plenarprotokoll 18/236, Antwort auf die Mündliche Frage 14 der Abgeordneten Sevim Dağdelen). Erst auf die Nachfrage, ob deutsche Sicherheitsbehörden für die rockerähnliche Gruppierung Osmanen Germania bestimmte Waffentransporte aus dem Ausland abgefangen haben, antwortete die Bundesregierung, dass diese Frage im Zusammenhang mit einem laufenden Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Darmstadt steht, und sie sich nicht zu laufenden Ermittlungsverfahren äußert (Antwort auf die Schriftliche Frage 11 der Abgeordneten Sevim Dağdelen auf Bundestagsdrucksache 18/12877).

Enge Verbindungen der „Osmanen Germania“ bestehen zu den „Nomads Turkey“ aus Gießen, die wiederum aus den „Hells Angels Gießen“ hervorgegangen sind (www.ksta.de/nrw/osmanen-germania-rocker-krieg-nrw-sote-23541192). Dabei deckten sich die Informationen der Zeitung, wonach Necati Coskun Arabaci die „Turkey Nomads“ aus dem türkischen Izmir leitet (www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.tuerkisches-netzwerk-kriminelle-rocker-tauchen-in-der-tuerkei-unter.a56578f1-539f-4d53-8220-8e1f58a02147.html). Der im Jahr 1972 in Köln geborene Necati „Neco“ Arabaci, der im Jahr 2004 zu neun Jahren Haft verurteilt wurde, nachdem er unter anderem wegen Rädelsführerschaft einer kriminellen Vereinigung, schweren Menschenhandels, Körperverletzung, räuberischer Erpressung und Zuhälterei angeklagt und im Jahr 2007 nach Verbüßung von zwei Dritteln der Haftstrafe in die Türkei abgeschoben wurde, gilt als Schnittstelle zu den Osmanen Germania (Bundestagsdrucksache 18/12452).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen15

1

Was war an der Aussage des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), es habe Erkenntnisse über Verbindungen der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V. (DITIB) zur rockerähnlichen Gruppierung Osmanen Germania, missverständlich und hätte differenzierter erfolgen müssen (Plenarprotokoll 18/239, Antwort auf die Mündliche Frage 44 der Abgeordneten Sevim Dağdelen)?

2

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung (auch nachrichtendienstliche) im Gegensatz zum BfV über personelle oder organisatorische Verbindungen von Mitgliedern des Osmanen Germania BC zur DITIB vor?

3

Wie viele und welche Mitglieder von welchen Rockergruppierungen, die in Deutschland gesucht werden, haben sich in die Türkei abgesetzt (Bundestagsdrucksache 18/12452, Antwort zu Frage 19)?

4

Wie viele offizielle Fahndungs- und Auslieferungsersuchen (bitte jeweils getrennt angeben) bezüglich Mitgliedern von Rockergruppierungen, die in Deutschland gesucht werden und sich in die Türkei abgesetzt haben, ergingen in den vergangenen drei Jahren von deutscher Seite an türkische Behörden, und in wie vielen und welchen Fällen wurde den Auslieferungsersuchen stattgegeben?

5

Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse (auch nachrichtendienstliche), dass der Mannheimer UETD-Vorsitzende Yilmaz Ilkay Arin sowie sein Familienclan engste Verbindungen zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sowie den „Osmanen Germania“ unterhalten (www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.tuerkisches-netzwerk-kriminelle-rocker-tauchen-in-der-tuerkei-unter.a56578f1-539f-4d53-8220-8e1f58a02147.html)?

6

Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse (auch nachrichtendienstliche), dass der Mannheimer UETD-Vorsitzende Yilmaz Ilkay Arin ein Treffen zwischen einem der engsten Erdoğan-Berater, Hakki Ilnur Cevik, und dem Deutschland-Chef der „Germanen Osmania“, Mehmet Bagci, organisierte (www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.tuerkisches-netzwerk-kriminellerocker-tauchen-in-der-tuerkei-unter.a56578f1-539f-4d53-8220-8e1f58a02147.html)?

7

Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse (auch nachrichtendienstliche), dass der türkische AKP-Abgeordnete und UETD-Funktionär Metin Külünk enge Verbindungen sowohl zu dem Mannheimer UETD-Vorsitzendem Yilmaz Ilkay Arin als auch zum früheren Chef der „Osmanen Germania“, Mehmet Bagci, unterhält (www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.dieuetd-im-suedwesten-das-netz-page1.89dd4ced-bd1d-4d1a-adf2-b99323665e52.html sowie Übersicht der beigefügten Printausgabe der Stuttgarter Nachricht vom 9. April 2017)?

8

Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse (auch nachrichtendienstliche), dass der türkische AKP-Abgeordnete und UETD-Funktionär Metin Külünk bis zum April 2017 regelmäßig in die Bundesrepublik Deutschland einreiste und sich während seiner Besuche auch mit Angehörigen der „Osmanen Germania“ traf (www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.die-uetd-imsuedwesten-das-netz-page1.89dd4ced-bd1d-4d1a-adf2-b99323665e52.html sowie Übersicht der beigefügten Printausgabe der Stuttgarter Nachricht vom 9. April 2017)?

9

Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse, ob es im März 2017 eine Durchsuchung der Sicherheits-Agentur-Geillinger (SAG) gegeben hat, bei der Speichermedien durch das LKA Hessen beschlagnahmt worden sein sollen, und – soweit sie über Kenntnisse verfügt – kann sie etwas zu den daraus gewonnen Informationen sagen?

10

Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse, ob und inwieweit die durch das LKA Hessen und die Staatsanwaltschaft Darmstadt geführten Ermittlungsverfahren gegen Mitglieder der UETD sowie der „Osmanen Germania“ fortgesetzt werden?

11

Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse (auch nachrichtendienstliche) über Aktivitäten und Einfluss der „Osmanen Germania“ in anderen europäischen Ländern wie in Österreich, der Schweiz etc.?

12

Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse (auch nachrichtendienstliche), ob personelle und bzw. oder organisatorische Verbindungen der Osmanen Germania

a) zu den „Turkey Nomads“,

b) zu den „United Tribuns“,

c) zum Abou-Chaker-Clan und

d) zu den „Guerilla Nation Vaynakh“ bestehen?

13

Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse (auch nachrichtendienstliche), ob personelle und bzw. oder organisatorische Verbindungen der „Turkey Nomads“

a) zur Union Europäisch Türkische Demokraten (UETD),

b) zur Adalet ve Kalkınma Partisi (AKP),

c) zum türkischen Geheimdienst MIT,

d) zur Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. (DITIB),

e) Allianz Demokratischer Deutscher (ADD) und

f) Turan e. V. bestehen?

14

Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse (auch nachrichtendienstliche) über den Einfluss und die Aktivitäten der „Turkey Nomads“ in

a) Dänemark,

b) Luxemburg,

c) Zypern,

d) Bosnien-Herzegowina und

e) im Kosovo?

15

Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse (auch nachrichtendienstliche), dass die „Turkey Nomads“ bzw. Mitglieder der „Turkey Nomads“ die Migrationslage ausgenutzt haben bzw. ausnutzen, um beispielsweise durch Schleusungen finanzielle Vorteile zu erhalten (https://2010sdafrika.wordpress.com/2017/03/05/das-lukrative-geschaeft-mit-dem-leid/)?

Berlin, den 12. Juli 2017

Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

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