Im Bereich der Mikroelektronik ist es in jüngster Vergangenheit gelungen, durch die europäischen Elektronik-Initiativen wie JESSI und MEDEA Deutschland und Europa auf ausgewählten, insbesondere für das System-Know-how wichtigen Gebieten in eine weltweite Führungsposition zu bringen und dort zu halten. In Deutschland hat sich im letzten Jahrzehnt die Situation der Elektronik vorteilhaft geändert. Durch gemeinsame Anstrengungen von Industrie, Forschung und öffentlicher Hand ist der Standort Deutschland zu einem weltweit anerkannten Partner und Treiber der Entwicklung von Halbleiter-Technologien, des Chip- und System-Know-how geworden, was an folgenden Beispielen sichtbar wird:
- Führende Position Deutschlands bei der Entwicklung und dem Einsatz von 300-mm-Wafern
- führende Anbieter beim Bau neuer Fabriken und Reinräume
- führend auf dem Gebiet System-on-chip für spezielle Bereiche (Automotive, Kommunikation, Chipcard)
- Spitzenposition bei der Einführung neuer Lithographie-Verfahren
- mitführend auf dem Gebiet der Leistungselektronik
- führende Halbleitermaterialhersteller sowohl im Si- als auch im GaAs-Bereich, gutes Potenzial in der Materialforschung für die Halbleitertechnik
- starke mittelständische Geräteindustrie
- einer der größten Mikroelektronikstandorte Europas in Dresden
- wichtiger Standort für ausländische Investoren (z. B. FCM in Freiberg, AMD in Dresden, Melexis in Erfurt, Atmel in Heilbronn, Vishay in Itzehoe, Motorola in München, Philips in Böblingen und Hamburg)
- engagierte Halbleiter- und Equipment-Hersteller, die in MEDEA+ und PIDEA, aber auch international in SEMATECH eingebunden sind
- international wettbewerbsfähige Forschung im Bereich der Magnetoelektronik.
Die Informationsgesellschaft mit ihrem wachsenden Bedarf an effizienter Identifikation, Verarbeitung und Speicherung von Informationen bewirkt eine rapide Zunahme der Zahl der Unternehmen, die Software- und Multimediaprodukte erstellen und anbieten. Der Bereich der Softwareentwicklung in Deutschland zeichnet sich durch eine hohe Dynamik in einem ausgesprochen breiten Feld von Unternehmen aus, die Softwareprodukte vermarkten oder die Softwareentwicklungen für ihre eigenen Anwendungen durchführen. Insgesamt gibt es etwa 10 500 Unternehmen in der Software entwickelnden Primärbranche und rund 8 700 Unternehmen in den wichtigsten Sekundärbranchen Maschinenbau, Elektrotechnik, Fahrzeugbau, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen.
Neben dieser schnell wachsenden Software-Primärbranche tritt die Bedeutung der Softwareentwicklung aber auch in allen Software-Sekundärbranchen immer deutlicher in den Vordergrund, wo eine wachsende Durchdringung aller Prozesse (z. B. Beschaffung), Produkte (z. B. Kraftfahrzeuge) und Dienstleistungen (z. B. Telekommunikation, Finanzdienstleistungen) mit Software verzeichnet werden kann. In nahezu allen Branchen ist die Kompetenz zur Erstellung von Software zur entscheidenden Kernkompetenz für die Wettbewerbsfähigkeit geworden.
Die Chancen Deutschlands als führender Produktionsstandort für Software in den Primär- und Sekundärbranchen sind gut. Während bei Systemsoftwareprodukten (z. B. Betriebssystemen) die Marktführerschaft inzwischen überwiegend im außereuropäischen Ausland (vor allem USA) liegt, hat Deutschland im Bereich der Anwendungssoftware eine günstige Ausgangsposition. Hier kann eine traditionell hohe Anwendungskompetenz und Ingenieurtradition in den Sekundärbranchen wie Maschinenbau oder Elektrotechnik und eine führende Produktionskompetenz zur Erstellung qualitativ hochwertiger, kundenangepasster Softwarespeziallösungen mit deutschem Systemdenken kombiniert werden.
Auch in der Forschung spielt Deutschland in einzelnen Bereichen eine durchaus führende Rolle und dies gilt auch für die praktische Umsetzung. Beispiele für nachhaltige Erfolge der bisherigen Forschungsförderung von Softwaresystemen sind:
- In der Anwendung des „Höchstleistungsrechnens“ in der Wirtschaft, speziell im Bereich der technischen Simulation und Prozesssimulation, steht Deutschland trotz fehlender eigener Rechnerentwicklung nach den USA weltweit mit an vorderster Stelle.
- Im Bereich „Intelligenter Systeme“ wurden mit Hilfe der Förderung in den letzten Jahren innovative Arbeitsplätze durch neu entwickelte Systeme der Handschrifterkennung/Dokumentverarbeitung und autonomer Roboter in erheblichem Umfang erhalten und neu geschaffen.
- Weltweit beachtete Erfolge wurden im Bereich der „Sprachverarbeitung“ mit dem inzwischen abgeschlossenen Leitprojekt Verbmobil erzielt. Allein aus diesem Projekt wurden 20 Spin-off-Produkte abgeleitet, es gab 7 Firmenausgründungen, 245 neue High-Tech-Arbeitsplätze wurden geschaffen und insgesamt 900 hochqualifizierte Fachkräfte wurden für die Wirtschaft und die Forschung ausgebildet. Verbmobil hat im Jahr 2001 den Zukunftspreis des Bundespräsidenten erhalten.
- Mit den im Jahr 1999 gestarteten 6 Leitprojekten zum Themenfeld „Mensch-Technik-Interaktion“ soll die Interaktion des Menschen mit dem Computer und mit anderen IT-Systemen von der Maus und der Menütechnik zur direkten multimodalen Interaktion mittels natürlich gesprochener Sprache, Mimik, Gestik, Haptik und Visualisierung erreicht werden. Damit wird sowohl wissenschaftliches Neuland betreten als auch ein großes – ggf. marktentscheidendes – Potenzial für Produkte der IT-Industrie und weiterer Industriezweige erschlossen. Die bisherigen Resultate: 36 Patentanmeldungen, 3 Start-up-Ausgründungen, die Entwicklung von 3 Spin-off-Produkten und 250 wissenschaftliche Veröffentlichungen.
- Das „Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI)“, mit Standorten in Saarbrücken und Kaiserslautern, welches mit einer Projekt-Anschub-Finanzierung des Bundes aufgebaut wurde und seitdem mit Projektmitteln unterstützt wird, hatte bisher 16 Firmenausgründungen auf dem hoch innovativen Gebiet der Wissensverarbeitung vorzuweisen und über 590 zusätzliche High-Tech-Arbeitsplätze sind aus dem DFKI heraus in Unternehmen, die mit dem DFKI zusammenarbeiten, geschaffen worden.
Es gibt zahlreiche Forschungsinstitutionen von internationalem Niveau sowohl im öffentlichen Bereich (z. B. einschlägige Informatikfachbereiche an Universitäten und außeruniversitäre Institute der Fraunhofer Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung – FhG – und der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften – MPG –) als auch im privatrechtlichen Bereich. Ebenso gibt es eine weltweit führende Umsetzungskompetenz in Form von Firmen der Primärbranche (z. B. Softwarehäuser) und Sekundärbranchen (z. B. Maschinenbauindustrie, Kraftfahrzeugindustrie, Telekommunikationsindustrie, Banken und Versicherungen). Auf dieser Basis kann eine umfassende Kompetenz in Deutschland auf- und ausgebaut werden.