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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet

Rituelle Gewalt in Kinderhändlerringen und destruktiven Kulten (G-SIG: 13013343)

Umfang der rituellen Gewalt gegen Kinder, Erkenntnisse der Bundesregierung, kinderpornographische Videos im Internet, Ermittlungen gegen rituell motivierte Straftaten, Versorgung der Opfer

Ressort

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Datum

13.07.1998

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 13/1121623. 06. 98

Rituelle Gewalt in Kinderhändlerringen und destruktiven Kulten

der Abgeordneten Renate Rennebach, Dr. Monika Ganseforth, Dr. Jürgen Meyer (Ulm), Ulla Schmidt (Aachen), Gisela Schröter, Cornelie Sonntag-Wolgast, Brigitte Adler, Gerhard Bauer, Hans-Werner Bertl, Anni Brandt-Elsweier, Tilo Braune, Dr. Michael Bürsch, Christel Deichmann, Karl Diller, Dr. Marliese Dobberthien, Freimut Duve, Ludwig Eich, Petra Ernstberger, Elke Ferner, Norbert Formanski, Dagmar Freitag, Iris Gleicke, Günter Gloser, Angelika Graf (Rosenheim), Alfred Hartenbach, Jens Heinzig, Reinhold Hemker, Monika Heubaum, Uwe Hiksch, Reinhold Hiller (Lübeck), Gerd Höfer, Jelena Hoffmann (Chemnitz), Ingrid Holzhüter, Brunhilde Irber, Marianne Klappert, Siegrun Klemmer, Walter Kolbow, Horst Kubatschka, Eckhart Kuhlwein, Detlev von Larcher, Waltraud Lehn, Robert Leidinger, Klaus Lennartz, Christa Lörcher, Erika Lotz, Dr. Christine Lucyga, Dorle Marx, Jutta Müller (Völklingen), Dr. Edith Niehuis, Albrecht Papenroth, Dr. Eckhart Pick, Karin Rehbock-Zureich, Reinhold Robbe, Marlene Rupprecht, Regina Schmidt-Zadel, Walter Schöler, Richard Schuhmann (Delitzsch), Ilse Schumann, Dr. Angelica Schwall-Düren; Horst Sielaff, Wolfgang Spanier, Antje-Marie Steen, Margitta Terborg, Jella Teuchner, Franz Thönnes, Uta Titze-Stecher, Hans-Eberhard Urbaniak, Ute Vogt (Pforzheim), Karsten D. Voigt (Frankfurt), Hans Georg Wagner, Hans Wallow, Dr. Konstanze Wegner, Wolfgang Weiermann, Matthias Weisheit, Berthold Wittich und Verena Wohlleben

Vorbemerkung

Seit Beginn der neunziger Jahre wurden in der Presse (z. B. Die Woche, 31. Januar 1997) und auf Fachtagungen (Fachtagungen der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Hamburg e. V. vom 27. März 1996 und des Ministeriums für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Saarland vom 8. September 1997) über Fälle sog. „ritueller Gewalt" berichtet.

Hierbei handelt es sich um schwere sexuelle, physische und emotionale Mißhandlung, verbunden mit dem Verwenden von Symbolen oder mit Handlungen, die den Anschein von Religiösität, Magie oder übernatürlicher Bedeutung haben.

Gewöhnlich findet rituelle Mißhandlung wiederholt über einen längeren Zeitraum statt.

Opfer ritueller Mißhandlung sind vor allem kleine Kinder und Frauen, deren Widerstand durch Hypnosetechniken, Drogen oder Alkohol gebrochen wird.

Darüber hinaus sind die Opfer von ritueller Gewalt häufig sog. Programmierungen ausgesetzt.

Hierbei handelt es sich um systematische Terrorisierung unter Anwendung äußerster Gewalt, mit dem Ziel, das Opfer gefügig zu machen, ihm Schweigegebote aufzuerlegen, mit den Tätern Kontakt zu halten oder sich auf Anforderung selbst zu töten.

Rituell motivierte Mißhandlungen sind im Bereich der organisierten Kriminalität und in okkultistischideologischen Kreisen zu beobachten.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bundesregierung:

Fragen13

1

Ist der Bundesregierung das Phänomen „rituelle Gewalt" bekannt?

Wenn ja, wie bewertet sie diese Form der extremen Gewalt?

2

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über rituelle Gewalt vor, und wie bewertet sie diese?

3

Ist der Bundesregierung bekannt, daß es in Ländern wie der Schweiz, Belgien, Großbritannien, den Niederlanden und Griechenland ebenfalls dokumentierte Fälle von ritueller Gewalt gibt?

Wenn ja, welche Folgerungen zieht sie hieraus für die Situation in Deutschland?

4

Welche Folgerungen zieht die Bundesregierung aus der Tatsache, daß es in den US-Bundesstaaten Illinois, Idaho, Texas und Louisiana spezielle Gesetze zum Straftatbestand der rituellen Mißhandlung von Kindern gibt?

5

Ist der Bundesregierung bekannt, daß es im Zusammenhang mit ritueller Gewalt grenzüberschreitende Kontakte zwischen Kinderhändler- und Pädophilenringen sowie okkultistischideologischen Kreisen gibt?

Wenn ja, welche?

6

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über Kinderhändlerringe vor, die im Auftrag von gewerblichen und okkultistisch-ideologischen Kreisen zum Zwecke der rituellen Mißhandlung Kinder aus den Ländern Osteuropas und dem ehemaligen Jugoslawien sowie Deutschland beschaffen?

Wenn ja, welche?

7

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Kinderhändlerringe, die Kinderbordelle in Deutschland eingerichtet haben, in denen Kinder ritueller Gewalt ausgesetzt sind?

8

Ist der Bundesregierung bekannt, daß kinderpornographische Videos zunehmend rituelle Gewalthandlungen zum Inhalt haben?

Wenn ja, wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklung?

9

Ist der Bundesregierung bekannt, daß über das Internet zunehmend Bildmaterial mit ritueller Gewalt gegen Kinder und Frauen vertrieben wird bzw. abzurufen ist?

Wie bewertet die Bundesregierung diese Tatsache, und was gedenkt sie zu tun?

10

Sind nach Auffassung der Bundesregierung die Ermittlungsbehörden über die Existenz ritueller Mißhandlung und die Folgen für die Opfer von ritueller Gewalt ausreichend informiert, um bei Ermittlungen rituell motivierte Straftaten als solche zu erkennen und dementsprechend zu handeln?

Ist sie bereit, dieses Problemfeld im Rahmen der Bund-Länder-Zusammenarbeit zu thematisieren?

11

Ist der Bundesregierung bekannt, daß Opfer ritueller Mißhandlungen häufig unter dissoziativen Identitätsstörungen als Folge extremer Gewalterfahrungen leiden?

Welche diesbezüglichen Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor?

12

Wie bewertet -die Bundesregierung die psychosoziale, therapeutische und medizinische Versorgung von Opfern ritueller Gewalt und von Menschen mit dissoziativen Identitätsstörungen in beraterischer, therapeutischer und medizinischer Hinsicht?

13

Wie bewertet die Bundesregierung das Angebot im Bereich der Aussteigerberatung für Opfer ritueller Mißhandlungen, die sich noch in der Gewalt der Täterkreise befinden?

Bonn, den 23. Juni 1998

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