Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
Drucksache 13/7187
13. Wahlperiode
12. 03. 97
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Albert Schmidt (Hitzhofen), Gila Altmann
(Aurich), Egbert Nitsch (Rendsburg), weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
— Drucksache 13/6951 —
Verkehr zwischen Tschechien und Deutschland
Seit der Wende 1989 sind Tschechien und Deutschland näher
zusammengerückt. Unter anderem ist dies am steigenden Wirtschafts- und
Tourismusverkehr zu erkennen. Im Hinblick auf die Entwicklung
Tschechiens und dessen angestrebter EU-Mitgliedschaft wird die
Verflechtung beider Volkswirtschaften weiter zunehmen. Eine der Folgen
sind größer werdende Verkehrsströme zwischen beiden Ländern, die es
ökologisch und ökonomisch sinnvoll abzuwickeln gilt. Besonders für die
Entwicklung der Grenzregionen ist dies von größter Wichtigkeit, sollen
diese Gebiete doch von ihrer heutigen wi rtschaftlichen
Bedeutungslosigkeit befreit werden. Dieses Ziel erfordert eine langfristige
strategische Planung.
Vorbemerkung
Die vorliegenden Fragen sind verknüpft mit denen der Kleinen
Anfrage von März 1996 (Drucksache 13/4206). Diese wurden mit
Schreiben vom 4. April 1996 (Drucksache 13/4324) beantwortet.
An den jeweiligen Stellen wird hierauf verwiesen.
1. Wie hat sich der Personen- und Gütergrenzverkehr seit 1989
verändert, und wie sehen die Prognosen für das Jahr 2010 im Hinblick auf
die zahlenmäßige Tntwicklung des Personen- und
Güterverkehrs und
die Entwicklung der Verkehrsmittelwahl im Personen- und
Güterverkehr sowie
— Quelle und Ziel der Verkehrsströme
aus?
Werden diese Zahlen gegebenenfalls regelmäßig veröffentlicht, und
- wenn ja- wo?
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr vom 10. März
1997 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich - in kleinerer Schrifttype - den. Fragetext.
Nach den Ergebnissen der amtlichen Verkehrsstatistik stellen sich
die Güter- und Personenverkehre*) mit Quelle/Ziel in
Deutschland bzw. Tschechien (bis 1993 Tschecheslowakei) wie folgt dar:
Güterverkehr (Aufkommen in 1000 t):
Jahr Straße Eisenbahn Binnenschiffahrt Insgesamt
Versand 394 926 499 1 819
1990 Empfang 1 978 4 251 569 6 798
Zusammen 2 372 5 177 1 068 8 617
Versand 943 2 249 525 3 717
1991 Empfang 5 483 6 669 523 12 675
Zusammen 6 426 8 918 1 048 16 392
Versand 1 686 2 482 350 4 518
1992 Empfang 8 973 8 766 614 18 353
Zusammen 10 659 11 248 964 22 871
Versand 1 849 1 844 314 4 007
1993 Empfang 8 127 7 018 .564 15 709
Zusammen 9 976 8 862 878 19 716
Versand i 997 1 416 297 3 710
1994 Empfang 8 604 7 793 961 17 358
Zusammen 10 601 9 209 1 258 21 068
Versand 2 593 1 952 400 4 945
1995 Empfang 8 244 8 171 1 553 17 968
Zusammen 10 837 10 123 1 953 22 913
Nachrichtlich: Das Luftfrachtaufkommen (einschließlich Post) belief sich 1995 auf unter 4 300 Tonnen.
Quelle: Veröffentlichungen des Kraftfahrt-Bundesamtes und des Statistischen Bundesamtes.
*) Amtliche Zahlen liegen nur für den Luffverkehr vor.
Personenverkehr:
Jahr Personen (Anzahl)
Einsteiger2 ) Aussteiger2 ) Insgesamt2 )
1990 1 ) 3 ) 85 886 86 301 172 187
1991 3 ) 116 606 110 582 227 188
19923 ) 160 719 154 367 315 086
1993 169 904 162 169 332 073
1994 189 383 184 553 373 936
1995 198 212 195 522 393 734
Quelle: Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes.
1) Bis einschließlich 1990 früheres Bundesgebiet, ab 1991 Deutschland.
2) Auf deutschen Flughäfen.
3) Nur Prag.
Die Angaben zur Verkehrsstatistik sind den regelmäßigen
Veröffentlichungen des Kraftfahrt-Bundesamtes sowie des
Statistischen Bundesamtes zu entnehmen. Aktuelle Prognosen zum
bilateralen Verkehr zwischen Deutschland und Tschechien mit
Prognosehorizont 2010 liegen der Bundesregierung nicht vor.
2. Welche Grenzübergänge werden dabei genutzt?
Zum Straßenverkehr mit Tschechien werden folgende
Grenzübergänge benutzt:
Schoenberg
Oberwiesenthal
Reitzenhain
Zinnwald
Bahratal
Bad Schandau
Schmilka
Neugersdorf
Seifhennersdorf
Waidhaus
Baernau
Maehring
Waldsassen
Schirnding Land
Waldmuenchen
Furth i. W. Schaf
Selb
Bayrisch-Eisens
Eschlkam
Philippsreut
Haidmuehle
Das Gesamtaufkommen ein- bzw. durchgefahrener
Kraftfahrzeuge an der deutsch/tschechischen Grenze gliederte sich 1996
wie folgt auf:
Krafträder 83 123
Personenkraftwagen 18 420 754
Omnibusse 96 687
Lastkraftwagen 1 004 420
Kraftfahrzeuge insgesamt 19 604 984
3. Wird versucht, den Grenzverkehr vermehrt von der Straße auf die
Schiene zu verlagern, und wenn ja, mit welchen Strategien?
Welche Rolle spielen dabei der Kombinierte Ladungsverkehr bzw.
die Rollende Landstraße, z. B. die schon vor längerer Zeit ange
-
dachte Linie Rokyzany-Regensburg?
Die Bundesrepublik Deutschland ist an der Einrichtung weiterer
Relationen im unbegleiteten Kombinierten Verkehr (Container,
Wechselbehälter, Sattelanhänger) mit der CSFR stark interessie rt ,
da diese Verkehre einerseits große Marktchancen haben und
andererseits zu einer wesentlichen Verringerung der
Straßenbelastung im Verkehr zwischen beiden Ländern beitragen können.
Demgegenüber haben die bisherigen Erfahrungen gezeigt, daß
Verbindungen der Rollenden Landstraße (begleiteter
Kombinierter Verkehr) zwischen beiden Staaten nicht wirtschaftlich zu
betreiben sind. Die Rollende Landstraße wird nur am Markt
akzeptiert, wenn die Transportpreise durch Subventionen (z. B. durch
den Freistaat Sachsen für Dresden — Lobositz) gestützt werden
und dadurch für den Nutzer attraktiv sind. Die Rollende
Landstraße zwischen Rokyzany — Regensburg wurde bisher nicht in
Betrieb genommen, weil die Frage der
Transportpreissubventionierung zwischen den beteiligten Ländern nicht geklärt werden
konnte.
Eine wichtige Maßnahme zur Normalisierung der
Verkehrsbeziehungen im Eisenbahnbereich zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Tschechischen Republik stellt die Schaffung
der notwendigen bilateralen rechtlichen Grundlagen dar.
Insbesondere spielen diese Grundlagen für eine Verlagerung des
Verkehrs von der Straße auf die Schiene eine entscheidende Rolle.
In diesem Zusammenhang ist der im Mai 1995 unterzeichnete
Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der
Tschechischen Republik über Erleichterungen der Grenzabfertigung im
Eisenbahn-, Straßen- und Schiffsverkehr zu erwähnen, der es u. a.
erlaubt, im Eisenbahnverkehr die Grenzkontrollen während der
Fahrt des Zuges vorzunehmen.
Einen weiteren wichtigen Schritt zur Stärkung des
Eisenbahnverkehrs wird ein bereits paraphierter Vertragsentwurf zwischen
beiden Ländern über den Eisenbahnverkehr über die
gemeinsame Staatsgrenze und über den erleichterten
Eisenbahndurchgangsverkehr bilden. Ziel dieses Vertrages ist es, weitere
wesentliche Erleichterungen im grenzüberschreitenden
Eisenbahnverkehr zu schaffen; die Unterzeichnung des Vertrages ist für
Sommer d. J. vorgesehen.
Im übrigen wird auf die Antwort zur Frage 9 in Drucksache
13/4324 verwiesen.
4. Wo und mit welchem Erfolg werden diese Transportarten im
grenzüberschreitenden Verkehr eingesetzt (Auslastung,
Wirtschaftlichkeit)?
Die Beurteilung der Auslastung der Verkehrsmittel und die Wi rt
-schaftlichkeit der Verkehre gehört zu den originären
unternehmerischen Aufgaben der Verkehrsbetriebe. Das gleiche gilt für die
Beurteilung von Auslastung und Wirtschaftlichkeit der
Eisenbahninfrastruktur durch die Eisenbahninfrastrukturunternehmen.
Die Bundesregierung nimmt vor dem Hintergrund des Beschlusses
des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und
Geschäftsordnung vom 27. Juni 1996 zur Auslegung der §§ 105 und 108 der
Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages keine Stellung.
5. Welche Position bezieht die Bundesregierung zu diesen
Verkehrsarten?
Siehe Antwort zu Frage 4.
6. Gibt es Planungen zur weiteren Entwicklung des Kombinierten
Ladungsverkehrs bzw. der Rollenden Landstraße?
Wenn nein, warum nicht?
Im unbegleiteten Kombinierten Verkehr bestehen gegenwärtig
werktägliche Verbindungen zwischen Bremen/Hamburg und
Melnik/Prag (Seehafenhinterlandverkehr) sowie ebenso häufige
Verbindungen zwischen neun tschechischen und neun deutschen
Kombibahnhöfen. In Abhängigkeit vom Verkehrsaufkommen
können die bestehenden Verbindungen im Kombinierten Verkehr
verdichtet bzw. neue Verbindungen in Bet rieb genommen werden.
Im übrigen wird auf die Antwort zu Frage 9 in Drucksache 13/4324
verwiesen.
7. Welche anderen Konzepte gibt es bzw. werden verfolgt, um den
Transport von Personen und Gütern zwischen Deutschland und
Tschechien zu optimieren?
Am 1. März 1995 wurde ein gemeinsamer Container-Liniendienst
der CSPL und der Deutschen Binnenreederei unter der
Bezeichnung Labe/Elbe Container Linie aufgenommen. Seitdem
verkehren wöchentlich Containerschiffe auf der Elbe zwischen
tschechischen und deutschen Häfen (Magdeburg, Hamburg).
8. Gibt es Verkehrsvermeidungskonzepte?
Die erhebliche Zunahme des grenzüberschreitenden Güter- und
Personenverkehrs mit den Ländern Osteuropas ist im
wesentlichen das Ergebnis der mit der politischen Entwicklung
eingetretenen Freizügigkeit sowie der wachsenden Verflechtung der
Volkswirtschaften.
Vor diesem Hintergrund ist es aus der Sicht der Bundesregierung
geboten, die Rahmenbedingungen für ein leistungsfähiges und
effizientes Gesamtverkehrssystem weiterzuentwickeln, welches
die einzelnen Verkehrsträger gemäß ihrer arteigenen Vorteile und
unter Ausschöpfung der vorhandenen Synergiepotentiale optimal
einbindet.
9. Wieviel Leer-Lkw fahren über die Grenze?
Laut Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes passierten 1995 1,96
Millionen Lkw die deutsch/tschechische Grenze. Der
Leerfahrtenanteil betrug rd. 30 %.
10. Welche Güter werden mit welcher Verkehrsart (Straßen- bzw.
Schienenverkehr) transportiert?
Im Jahr 1995 wurden nach den Ergebnissen der amtlichen
Verkehrsstatistik die nachstehend genannten Güterarten befördert
(in 1000 t):
Güterabteilung Eisenbahn
insgesamt
Straße
Insgesamt
Land-, forstwirtschaftliche und verwandte
Erzeugnisse 252,8 1024,8
Andere Nahrungs- und Futtermittel 56,4 826,5
Feste mineralische Brennstoffe 3 290,1 267,4
Erdöl, Mineralölerzeugnisse, Gase 432,0 184,2
Erze und Metallabfälle 82,7 49,1
Eisen, Stahl und NE-Metalle
(einschließlich Halbzeug) 790,2 888,6
Steine und Erden (einschließlich Baustoffe) 1 351,2 3 670,4
Düngemittel 227,0 276,3
Chemische Erzeugnisse 489,7 834,1
Fahrzeuge, Maschinen, sonstige Halb-
und Fertigwaren, bes. Transportgüter 1 942,2 2 804,5
Insgesamt 8 914,4 10 836,7
(incl. rd.
71 000 t
Leergut)
Quelle: Veröffentlichungen des Kraftfahrt-Bundesamtes, Statistisches Bundesamt.
11. Wie sieht hier die zukünftige Entwicklung aus?
Aktuelle Prognosen zu güterartspezifischen Entwicklungen
liegen der Bundesregierung nicht vor.
12. Sind neue Grenzübergänge Straße/Schiene geplant, bzw. werden
welche erweitert?
Welche Kosten werden dabei verursacht?
Das am 18. November 1996 gezeichnete und am 28. Februar 1997
in Kraft getretene deutsch-tschechische Regierungsabkommen
über Grenzübergänge an der gemeinsamen Staatsgrenze enthält
in seiner Anlage 2 die Übergänge, die in absehbarer Zeit geöffnet
werden sollen. Es sind dies:
Neugersdorf — Rumburk/Rumburg
Ebersbach — Jiríkov/Georgswalde
Sohland — Rozany/Rosenhain
Altenberg — Cínovec/Zinnwald
Deutscheinsiedel — Mniśek/Böhmischeinsiedel
Oberwiesenthal — Loucnâ/Böhmisch Wiesenthal
Waidhaus-Autobahn — Rozvadov/Roßhaupt
Grundsätzliches Einvernehmen besteht weiterhin darüber, daß im
Zuge der Autobahn Dresden — Prag (in Breitenau — Krâsn ŷ Les/
Schönwald) sowie im Raum Zittau-Hrâdek n. N./Grottau an der
Neiße ein Übergang zu errichten sein wird.
Für den Eisenbahnverkehr sind keine weiteren Grenzübergänge
geplant.
Die erwarteten Kosten für die Erweiterung, den Um- und Neubau
der Grenzübergangsanlagen auf deutschem Hoheitsgebiet
ergeben sich aus nachstehender Aufstellung:
TDM
Gemeinschaftszollamt Sohland—Rozany/Rosenhain,
Umbau und Instandsetzung 5 000
Gemeinschaftszollamt Sebnitz-
Dolní Poustevna/Niedereinsiedel,
Umbau und Instandsetzung 6 000
Grenzzollamt — Schmilka —Hrensko/Herrnskretschen,
Umbau und Instandsetzung 5 900
Grenzabfertigungsanlage Altenberg— Cínovec/Zinnwald,
Neubau 62 967
Grenzabfertigungsanlage Schönberg —
Vojtanov/Voitersreuth, Umbau und Erweiterung 55 496
Zollamt Schirnding-Landstraße —
Pomezí nad Ohrí/Mühlbach, Erweiterung 22 618
Gemeinschaftszollanlage Waldsassen-
Svatŷ Kríz/Heiligenkreuz, Neubau 10 295
Grenzübergang Mähring—Broumov/Promenhof,
Errichtung neuer Grenzabfertigungsanlagen 15 000
Gemeinschaftszollanlage Bärnau —
Pavluv Studenec/Paulusbrunn, Neubau 3 500
Gemeinschaftszollanlage Waldmünchen-
Lísková/Haselbach, Neubau 2 500
Zollamt Furth i. W.—Schafberg—Folmava/Vollmau,
Um- und Ausbau 31 460
Im Zuge der Autobahn Dresden—Prag ist voraussichtlich die
Errichtung einer deutsch-tschechischen Gemeinschaftszollanlage
auf deutschem Hoheitsgebiet erforderlich. Die Kosten für eine
solche Anlage belaufen sich auf ca. 90 Mio. DM.
Die Kosten für Straßenbaumaßnahmen lassen sich den jeweiligen
Grenzübergängen nur dann sinnvoll zuordnen, wenn im Zuge der
Errichtung des Grenzübergangs neue Straßenabschnitte oder
Brücken gebaut werden müssen.
Hinsichtlich der Bundesfernstraßen sind dies nach derzeitigem
Planungsstand:
Mio. DM
B 178 neu, Grenzübergang Zittau-Süd—Hrádek n. N./Grottau
an der Neiße; Abschnitt von B 99 bis Grenze 110
A 17, Grenzübergang Breitenau—Krásn ŷ Les/Schönwald;
Autobahnabschnitt AS Breitenau/Börnersdorf—Grenze 80
B 170, Grenzübergang Altenberg— Cínovec/Zinnwald;
Ortsumgehung Zinnwald 20
B 174, Grenzübergang Reitzenhain—Hora Sv. Sebastiána/
Sebastiansberg; Ortsumgehung Reitzenhain
(Planung liegt noch nicht vor) p. m.
B 92, Grenzübergang Schönberg—Vojtanov/Noitersreuth;
deutscher Anteil an der Grenzbrücke und Verbindungsstraße 5
A 6, Grenzübergang Waidhaus-Autóbahn—Rozvadov/
Roßhaupt; Ortsumgehung Waidhaus mit deutschem Anteil
an der Grenzbrücke 51
Der Grenzübergang Neugersdorf—Rumburk/Rumburg erfordert
den Neubau der Ortsumgehung Neugersdorf im Zuge der
sächsischen Staatsstraße S 148. Die Kosten hierfür belaufen sich auf ca.
32 Mio. DM.
Im Rahmen des Ausbaus der Eisenbahnstrecken Berlin-Prag und
Nürnberg—Prag ist vorgesehen, beide Strecken für die
Neigetechnik auszurüsten und ergänzend zu nationalen Maßnahmen
die Strecke Marktredwitz — Schirnding —Eger zu elektrifizieren.
Kosten können hierbei den entsprechenden Grenzübergängen
nicht sinnvoll zugeschieden werden. Im übrigen wird auf die
Antworten zu den Fragen 3 und 8 in Drucksache 13/4324 verwiesen.
13. Welche Umweltauswirkungen (Lärm, Abgase, Verschlechterung
der Lebensqualität) entstehen durch den Grenzverkehr?
Der wirtschaftliche Aufschwung der ehemaligen Ostblockländer
nach der Grenzöffnung hat (bedingt durch den erforderlichen
Warenaustausch) auch eine Zunahme des Grenzverkehrs mit sich
gebracht.
Es ist das Ziel der Bundesregierung, die damit verbundene
Belastung dadurch zu minimieren, daß möglichst emissionsarme
Fahrzeuge nach dem Stand der Technik eingesetzt werden und
ein möglichst großer Anteil des Verkehrs auf die Bahn und die
Wasserstraße verlegt wird. Diesem Ziel dient auch die im
November 1997 in Wien geplante Regionalkonferenz „Verkehr und
Umwelt" der ECE.
Diskriminierende Maßnahmen zur Begrenzung des
Grenzverkehrs zu Lasten ausländischer Transporteure lehnt die
Bundesregierung ab.
14. Was wird getan, um die Umweltauswirkungen zu beseitigen bzw. zu
minimieren?
Im Rahmen der Vereinbarung bilateraler
Genehmigungskontingente für den Straßengüterverkehr ist es dem Bundesministerium
für Verkehr gelungen, mit einer ganzen Reihe mittel- und
osteueropäischer Staaten zu erreichen, daß ihre Unternehmer
zunehmend moderne Lastkraftwagen mit hohem Umwelt- und
Sicherheitsstandard einsetzen müssen. Für das Jahr 1996 wurde
erreicht, den Anteil an sog. „grünen" Genehmigungen um 30 v. H.
zu erhöhen. Nach Polen ist Tschechien damit der Staat mit dem
zweigrößten „grünen" Genehmigungskontingent. Die
Umweltauswirkungen beim Verkehr zwischen Tschechien und
Deutschland werden demnach bereits jetzt in erheblicher Weise minimiert.
15. Wie viele und welche Grenzübergänge, die nur für Fußgänger,
Radfahrer und Skifahrer geöffnet sind, also speziell „sanften"
touristischen Verkehren dienen, gibt es an der deutsch-tschechischen
Grenze, und sollen diese Übergänge auch für den Auto- und Lkw-
Verkehr geöffnet werden?
Wenn ja, um welche Grenzübergänge handelt es sich, bzw. wann
soll diese Öffnung jeweils erfolgen?
Auf der Grundlage des deutsch-tschechischen Abkommens über
den Kleinen Grenzverkehr auf Wanderwegen und in
Touristenzonen sowie über den Grenzübertritt in besonderen Fällen vom
2. Dezember 1994 wurden bislang 44 grenzüberschreitende
Wanderwege an der gemeinsamen Staatsgrenze eingerichtet. Davon
wurden zwei—Neurehefeld—Modava/Moldau sowie Bad Elster —
Doubrava/Grün mit Wirkung vom 1. August 1996 zu regulären
Grenzübergängen erweitert.
Grenzüberschreitende Wanderwege werden zum Zwecke des
Freizeitsports für Fuß-, Rad-, Ski-, Reit- und Bootswanderer sowie
für Pferdekutschen- und Krankenfahrstuhlfahrer errichtet.
Grenzüberschreitende Wanderwege im Freistaat Sachsen:
Ebmath—Hranice/Roßbach
Bad Elster (Bärenloh) — Hranice/Roßbach
Bad Brambach—Plesná/Fleisen
Wernitzgrün — Luby/Schönbach
Klingenthal/Aschb erg — Bublava/ Schwaderbach
Oberwiesenthal—Loucná/Böhmisch Wiesenthal
Jöhstadt — Cer ŷ - Potok/Pleyl
Olbernau—Brandov/Brandau
Deutschkatharinenberg—Hora Sv. Kateriny/Katharinaberg
Deutschgeorgenthal/Cesk ŷ Jiretin/Georgensdorf
Holzhau — Moldava/Moldau
Fürstenau — Foj tovice / Voits dorf
Rosenthal—Jilove/Sneznik/Schneeberg
Schöna—Hrensko/Hernskretschen
Hinterhermsdorf—Zadni Doubice/Hinterdaubitz
Hinterhermsdorf —Mikuldsovice/Nixdorf
Sebnitz — Mikulâsovice/Tanecnice/Nixdorf
Steinigtwolmsdorf —Lobendava/Sevemi/Hilgersdorf
Sohland—Slukonov/Rozany/Schluckenau/Rosenhain
Ebersbach—Jirikov/Georgswalde
Waltersdorf—Dolni Svetlà/Lichtenwalde
Jonsdorf —Krompach/Krombach
Oybin (Hain) —Krompach/Krombach
Lückendorf —Petrovice/Petersdorf
Hartau—Hràdek nad Nisou/Grottau
Der grenzüberschreitende Wanderweg Ebmath — Hranice/
Roßbach soll zu einem regulären Grenzübergang erweitert werden,
eine Nutzung für den Reiseverkehr mit Pkw und Bus sowie Lkw
bis 1,5 t zulässiges Gesamtgewicht ist vorgesehen. Ein Termin für
die Nutzungserweiterung steht noch nicht fest.
Zum 1. März 1997 werden zwei weitere grenzüberschreitende
Wanderwege eröffnet: Wiltenthal Jeleni/Hirschenstand und
Elbradwig Schöna—Dolni Zleb/Niedergrund.
Grenzüberschreitende Wanderwege Freistaat Bayern:
Hammermühle—Liba (Dubina)/Liebenstein (Eichelberg)
Hatzenreuth—Start Hroznatov/Altkinsberg
Neualbenreuth — Mŷtina/Altalbenreuth
Kreuzstein—Krizov ŷ Kamen
Waldheim—Predni Zahájl/Vorder-Waldheim
Friedrichshäng — Ples /Plöß
Stadlern—Rybnik/Waier
Dreiwappen—Triznaky
Hochstraße — Ovci vrch/Schafberg
Hofberg — Fleky/ Vorder-Flecken
Großer Osser/Ostr ŷ
Bayer. Eisenstein—Zelezná Ruda/Markt Eisenstein
Ferdinandsthal — Debmik/Deffernik
Finsterau — Bucina/Buchwald
Bischofsreut, Marchhäuser—'Cebeské 'Zleby/Böhmisch Röhren
Dreisessel—Tristolicnik—Nové Ùdoli/Neuthal
Es ist beabsichtigt, den grenzüberschreitenden Wanderweg
Neualbenreuth—Mŷtina/Artalbenreuth zu einem regulären
Grenzübergang zu erweitern und für Krafträder, Pkw und Omnibusse
freizugeben. Ein Termin für die angestrebte Nutzungserweiterung
steht noch nicht fest.
Am 1. März 1997 wird ein weiterer grenzüberschreitender
Wanderweg— Scheuereck— Prásily/Stubenbach in Betrieb genommen.
16. Welche Überlegungen, gegebenenfalls auch (Vor-)Studien gibt es
zu einer Reaktivierung der touristisch bedeutsamen, auf der
tschechischen Seite noch voll bet riebenen Schienenstrecke Passau-
Waldkirchen—Haidmühle (—Nove Udoli/Neuthal-Cerny Kriz/
Schwarzes Kreuz-Cesky Crumlov/Krumau), und wie ist der
rechtliche sowie tatsächliche Status der Strecke auf deutscher Seite im
Hinblick auf Stillegung für Personen- sowie Güterverkehr,
Gleisabbau und Entwidmung?
Hält die Bundesregierung die Reaktivierung dieser Strecke vor dem
Hintergrund der touristischen und regionalen Bedeutung dieser
Strecke für sinnvoll, zumal es dafür von tschechischer Seite großes
Interesse - auch für einen Bet rieb der Strecke durch die CSD
(Tschechische Eisenbahn) - gibt?
Nach Mitteilung des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) und der
Deutschen Bahn Aktiengesellschaft (DB AG) ist der
Schienengrenzübergang bei Haidmühle seit 1945 geschlossen; der SPNV
der Teilstrecke Waldkirchen—Haidmühle wurde 1963 wegen
mangelnder Verkehrsnachfrage auf Busbedienung umgestellt.
Der Gesamtbetrieb des Streckenabschnitts Jandelsbrunn—
Haidmühle (Bundesgrenze) wurde Anfang 1976 eingestellt, die
Infrastruktur anschließend zurückgebaut und die Trasse vorwiegend
an die Gemeinden zur Anlage von Radwegen und Langlaufloipen
veräußert. Über die Entwidmung dieses Streckenabschnittes
liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
Für den Streckenteil Waldkirchen—Jandelsbrunn hat das EBA am
5. Juli 1995 die Genehmigung nach § 11 des Allgemeinen
Eisenbahngesetzes zur dauernden Einstellung des Betriebes erteilt. Die
Stillegung erfolgte am 1. Oktober 1995. Die Gleisanlagen sind
noch vorhanden; ein Antrag auf Entwidmung liegt dem EBA nicht
vor. Über evtl. Untersuchungen Dritter hinsichtlich der
Reaktivierung der Strecke liegen der Bundesregierung keine Informationen
vor. Nach Auskunft der DB AG haben Gespräche mit der
Tschechischen Eisenbahn ergeben, daß beide Bahnen aus
wirtschaftlichen Gründen nicht daran interessiert sind, weitere
Grenzübergänge für den Eisenbahnverkehr zu öffnen.]