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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet
Trassierung der Autobahn A 17 bei Dresden (G-SIG: 13010991)
Situation und Ausbaumöglichkeiten beim Schiene-/Straßenverkehr im Raum Dresden - Prag, Fahrzeugaufkommen auf der A 17 bis zum Jahr 2010, Verkehrsentlastung der Stadt Dresden, Baukosten, Umweltverträglichkeit, Bürgerentscheid am 5.11.1995 über die A 17
Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ressort
Bundesministerium für Verkehr
Datum
09.11.1995
Aktualisiert
26.07.2022
BT13/269613.10.1995
Trassierung der Autobahn A 17 bei Dresden
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
13. Wahlperiode
Drucksache 13/2696
13. 10. 95
Kleine Anfrage
des Abgeordneten Albert Schmidt (Hitzhofen) und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Trassierung der Autobahn A 17 bei Dresden
Der geplante Bau der Autobahn A 17 führt zu erheblichen
Eingriffen, sowohl in Natur und Landschaft als auch in das städtische
Umfeld von Dresden sowie darüber hinaus in den gesamten
Ballungsraum Oberes Elbtal. Insbesondere die stadtschneidende
Trassierung der A 17 ist auf heftigen Widerstand des Dresdener
Stadtrates gestoßen. Schon allein die großräumige Lage, aber
auch die Belastungen im grenzüberschreitenden Güterverkehr,
der bislang auf Bundesstraßen einige stark belastete Orte
durchquert, verdeutlichen die große Bedeutung und Gefahr, daß hier
eine neue transeuropäische Verkehrsader entsteht, die auch bei
einer Verlagerung der Verkehrsströme auf die Autobahn zu
erheblichen Schadstoff- und Lärmemissionen führen wird. Hinzu
kommt, daß der Bau attraktiver Straßen erhebliche Bedeutung für
die Induzierung neuer Verkehre besitzt.
Während über die Autobahn A 17 als Verkehrsverbindung von
Berlin/Leipzig/Dresden nach Prag viel diskutiert wird, spielt der
Ausbau der Bahnstrecken insbesondere zwischen Dresden und
Prag in der öffentlichen Diskussion wie auch in den Planungen
bislang kaum eine Rolle. Derzeit wird die Eisenbahnstrecke
Dresden—Prag nur zweistündlich von Eurocity-Zügen bedient, die
zudem mit einer Fahrzeit von über zweieinhalb Stunden als wenig
attraktiv anzusprechen sind; die Züge erreichen also zwischen
Dresden und Prag nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von
75 Kilometern pro Stunde. Angesichts dieser geringen
Wettbewerbsfähigkeit der Schiene und der angespannten Finanzlage des
Verkehrshaushalts erscheint es als sinnvoll, die
umweltfreundliche Schiene auszubauen. Fahrzeitverkürzungen auf eine Stunde
zwischen Dresden und Prag wären bei einem Neubau der
Eisenbahnstrecke Dresden — Heidenau — Liebstadt — Fürstenwalde —
Fojtovice — Osek — Most — Louny — Prag möglich.
Straßenverbesserungen sollten demgegenüber nur punktuell als
Ortsumfahrungen vorgenommen werden. Das Problem des Lkw-
Transits ist durch finanzielle und ordnungsrechtliche Maßnahmen
(Nachtfahrverbote) zu bewältigen. Positive Erfahrungen werden
mit der Rollenden Landstraße zwischen Dresden-Friedrichstadt
und Lovosice gerade im grenzüberschreitenden Güterverkehr
zwischen Sachsen und Tschechien gemacht: Die Auslastung ist
relativ gut, und der Schwerlastverkehr auf der B 170 nahm um fast
die Hälfte ab. Reserven für einen weiteren Ausbau sind
vorhanden. Ein Ausbau von Straße und Schiene wäre eine unsinnige
Parallelförderung.
Darüber hinaus könnte eine qualitative Verbesserung des
Straßennetzes mit einem behutsamen Ausbau die A 17 überflüssig
machen. Im einzelnen sind dazu erforderlich:
— der Ausbau der B 174 südlich von Chemnitz mit
Ortsumfahrungen von Zschopau und Marienberg sowie einem Ausbau eines
Grenzübergangs bei Reitzenhain;
— der Ausbau der B 177 Radeberg—Pirna und einer
Südumgehung Pirna im Zuge der B 172;
— die Schaffung einer Verbindung von der B 177 zur B 170 nach
Zinnwald sowie von Ortsumgehungen im Zuge der B 170;
— der vierspurige Ausbau der B 178 Bautzen — Löbau — Zittau mit
nördlicher Verlängerung durch Ausbau der B 115 oder der B 96
Richtung Cottbus. (Auf tschechischer Seite ist die
Ortsdurchfahrt von Liberec bereits vierspurig kreuzungsfrei ausgebaut,
und zehn Kilometer südlich bei Turnov erreicht man über eine
Schnellstraße die Autobahn nach Prag.)
Der behutsame Ausbau dieser Bundesstraßen würde nur ein
Drittel der für die stadtschneidende A 17 veranschlagten Finanzmittel
benötigen.
Vor diesem allgemeinen Hintergrund fragen wir die
Bundesregierung:
1. Sieht die Bundesregierung die Gefahr, daß mit der A 17 von
Dresden—Prag eine neue transeuropäische Verkehrsachse
entsteht, die zu erheblichen Schadstoff- und Lärmbelastungen
in einer breiten Schneise längs der Autobahn führen wird?
2. Wann ist mit Fertigstellung der Autobahn bis zur
tschechischen Grenze zu rechnen, da auf deutscher Seite laut Antwort
auf die Kleine Anfrage (Drucksache 13/2265) für 1997 der
Baubeginn geplant ist, und wie sehen demgegenüber die
zeitlichen Planungen (Baubeginn/Fertigstellung) auf der
tschechischen Seite aus?
Gibt es überhaupt schon eine endgültige Planung im
grenznahen Raum?
3. Ist derzeit die Öffnung bzw. Schaffung weiterer
Grenzübergänge nach Tschechien geplant, beispielsweise im Korridor 2
(Freiberger Linie) oder 5 (Zittauer Linie)?
4. Ist es richtig, daß auf tschechischer Seite erhebliche Probleme
bei der Finanzierung der Autobahn auftreten, und daß Anfang
September die vorgesehenen Finanzmittel in beträchtlichem
Umfang gekürzt worden sind?
Deutscher Bundestag — 13. Wahlperiode Drucksache 13/ 2696
5. Welche Ausbaumaßnahmen sind bei der Schiene im Raum
Dresden sowie zwischen Dresden und Prag für die nächsten
Jahre geplant, und welche Finanzmittel werden dafür
aufgewandt?
6. Welche Fahrzeitverkürzungen auf der Schiene sind für die
Relationen Berlin — Prag, Leipzig — Prag und Dresden — Prag
geplant bzw. wann werden solche Fahrzeitverkürzungen
realisiert?
Welche Fahrzeiten ergeben sich für diese Relationen im
Straßenverkehr mit und ohne A 17?
7. Wie soll sich der Schienenverkehr auf den in Frage 5 und 6
genannten Relationen hinsichtlich Fahrgastaufkommen und
Zugangebot entwickeln?
8. Wie bewertet die Bundesregierung den Erfolg der „Rollenden
Landstraße", und welche Möglichkeiten sieht sie, neue
Technologien des kombinierten Ladungsverkehrs vor allem im
Transitverkehr Nordeuropa — Südosteuropa einzuführen, um
größere Verlagerungen des Güterverkehrs von der Straße auf
die Schiene konkurrenzfähig zu realisieren?
Um welche Technologien handelt es sich?
Welche Kosten sind gegebenenfalls bereits geschätzt, und ist
die Bundesregierung bereit, für die südosteuropäischen
Länder Technologietransfer und finanzielle Hilfestellung zu
leisten?
9. Ist der Bundesregierung die Studie der Vieregg & Rößler
GmbH Innovative Verkehrs- und Umweltberatung, München,
zur Verbesserung des Schienenverkehrs zwischen Dresden
und Prag bekannt?
Wenn ja: Wie bewertet die Bundesregierung diese Studie bzw.
Planungen, die Fahrzeit im Schienenbereich von heute
zweieinhalb Stunden auf eine Stunde zu reduzieren?
10. Welches Fahrzeugaufkommen wird für die gegenwärtig
favorisierte stadtschneidende Trasse der A 17 im Raum Dresden
bis zum Jahr 2010 prognostiziert?
Wann wurde diese Prognose erstellt?
Ist diese Prognose noch als realistisch zu betrachten?
Warum gibt es verschiedene Prognosezahlen für die A 17, zum
einen beim Linienbestimmungsverfahren der A 17, zum ande
-
ren beim Planfeststellungsverfahren für den sechsspurigen
Ausbau der A 4 in Dresden?
11. Welches Fahrzeugaufkommen wurde für die ursprünglich
geplante ballungsraumferne Trasse der A 17 im Raum
Dresden prognostiziert?
Wann wurde diese Prognose erstellt?
12. Welches Fahrzeugaufkommen wird für die Abschnitte der
A 17 südlich Dresden prognostiziert?
Wie viele Fahrzeuge (Pkw/Lkw) werden für den
grenzüberschreitenden Verkehr erwartet?
13. Welche Kosten-Nutzen-Faktoren haben sich für die beiden in
Frage 10 genannten Trassen ergeben?
Wann und auf welcher Datengrundlage (Stand des
Zahlenmaterials) wurden diese Berechnungen erstellt?
14. Da ein häufig genanntes Argument für die stadtschneidende
Trasse der A 17 die Verkehrsentlastung der Stadt Dresden
vom Durchgangsverkehr ist, fragen wir:
a) Welche Straßen werden konkret um welchen
Verkehrsanteil entlastet?
b) Wie hoch ist an mindestens fünf ausgewählten
innerstädtischen Straßen der Anteil des Ziel- und Quellverkehrs, des
Binnenverkehrs und des Durchgangsverkehrs?
c) Wie viele und konkret welche Anschlußstellen sind im
Raum Dresden geplant?
d) Wie hoch ist der neu induzierte Verkehr aufgrund der
Verkehrsentlastung auf innerstädtischen Straßen?
e) Entsprechen die von der Bundesregierung angesetzten
Prognosezahlen den Szenarien der Dresdener
Verkehrsplanung, und werden die von der Bundesregierung
angesetzten Zahlen überhaupt als stadtverträglich eingeschätzt?
15. Welche Baukosten fallen — nach Abschnitten — für die A 17 im
Raum Dresden und weiter südlich bis zur Staatsgrenze an?
16. Welche Mehrkosten entstehen bzw. sind zu erwarten durch
Trassenverschiebungen, Umweltschutz- und weitere
Auflagen, also bei einem umweltverträglicheren Ausbau?
17. Inwieweit geht die Bundesregierung davon aus, daß sich die in
der Drucksache 13/2265 genannten Gesamtkosten für die A 17
von 1,35 Mrd. DM in nächster Zeit ändern werden?
Wie werden sich voraussichtlich die Kosten entwickeln, wenn
entsprechend einer Aussage des sächsischen Autobahnamtes
zum Ende des Jahres der technische Vorentwurf für das
Planfeststellungsverfahren noch einmal in eine
Abstimmungsrunde mit den Trägern öffentlicher Belange geht?
18. Sollen die Baukosten allein vom Bund getragen werden, oder
in welchem Umfang beteiligen sich — gegebenenfalls im
nachgeordneten Straßennetz — der Freistaat Sachsen und die Stadt
Dresden?
19. Wie bewertet das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz
und Reaktorsicherheit die Umweltverträglichkeit der A 17 im
Raum Dresden sowie südlich von Dresden bis zur
Staatsgrenze?
20. Inwieweit wird sich nach Ansicht der Bundesregierung die
A 17 als Bündelungstrasse im stadtnahen Raum erweisen und
zur Rückstufung anderer Bundesstraßen im Stadtgebiet
führen?
21. Ist sich die Bundesregierung bewußt und hält sie es für
akzeptabel, daß mit der Äußerung des Bundesministeriums für
Verkehr Druck auf die Entscheidungsträger vor Ort und im
Hinblick auf den Bürgerentscheid am 5. November 1995 gemacht
wird, wonach die A 17 bei Dresden zu denjenigen
Verkehrsvorhaben gehört, deren Realisierung aufgrund der
Finanzprobleme im Verkehrshaushalt und aufgrund von
Planungsschwierigkeiten „gestreckt" werden könnte (ddp vom 5.
September 1995)?
Bonn, den 10. Oktober 1995
Albert Schmidt (Hitzhof en)
Joseph Fischer (Frankfurt), Kerstin Müller (Köln) und Fraktion]
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