Volltext (unformatiert)
[Drucksache 12/2615
19.05.92
Deutscher Bundestag
12. Wahlperiode
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Dagmar Enkelmann und der Gruppe
der PDS/Linke Liste
Drucksache 12/2147
Anbindung der ostthüringischen Industrieregion
Die Teilnehmer der strukturpolitischen Konferenz der IG Metall haben
am 30. Januar 1992 in Gera u. a. die Anbindung der ostthüringischen
Industrieregion an die großen Bahngleisverbindungen von
Industriezentren der Bundesrepub lik Deutschland gefordert.
Zur besseren Übersichtlichkeit werden die Fragen getrennt
jeweils für den Bereich Schiene und den Bereich Straße
beantwortet.
I. Antworten für den Bereich Schiene:
Die Fragen 1 bis 4 werden wegen des Sachzusammenhanges
gemeinsam beantwortet:
1. Durch welche Maßnahmen soll die verkehrsmäßige Anbindung der
ostthüringischen Industrieregion an das Ruhrgebiet über
Nordhessen, Erfurt, Weimar und Jena über Gera in das westsächsische
Industriegebiet bis nach Dresden erfolgen?
2. Durch welche Maßnahmen soll die verkehrsmäßige Anbindung der
ostthüringischen Industrieregion ausgehend von den bayerischen
und fränkischen Industriezentren München und Nürnberg über
Gera bis nach Berlin erfolgen?
3. Wo ist eine Sanierung, ein Ausbau beziehungsweise ein Neubau von
Trassen vorgesehen?
4. In welchem Zeitraum wäre eine Realisierung möglich?
Im Schienenverkehr ist die ostthüringische Industrieregion bereits
heute über ein relativ dichtes Eisenbahnnetz mit den übrigen
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministers für Verkehr vom 13. Mai
1992 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich - in kleinerer Schrifttype - den Fragetext.
Drucksache 12/ 2615 Deutscher Bundestag — 12. Wahlperiode
Regionen der Bundesrepublik Deutschland verbunden. Der
Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 1992 (BVWP '92) sieht zudem
Aus- und Neubaumaßnahmen in folgenden Achsen, die
Bedeutung für die angesprochenen Beziehungen zwischen dem Raum
Ostthüringen und dem Ruhrgebiet, Nordhessen, Dresden,
München, Nürnberg und Berlin haben, vor:
- Dortmund - Kassel - Erfurt/Halle,
- Karlsruhe - Stuttgart - Nürnberg - Hof - Leipzig/Dresden,
- München - Nürnberg,
- Nürnberg - Lichtenfels - Hochstadt-Marktzeuln - Saalfeld -
Jena - Camburg,
- Erfurt - Halle - Leipzig,
- Halle/Leipzig - Berlin.
Durch diese Projekte, mit deren Rea lisierung in der zweiten Hälfte
der 90er Jahre zu rechnen ist, wird die Anbindung von
Ostthüringen weiter verbessert.
Darüber hinaus soll in den nächsten Jahren im Rahmen des
Nachholbedarfs das Kernnetz der Deutschen Reichsbahn von Grund
auf saniert werden. Hierzu gehören im angesprochenen Raum
u. a, die Strecken
- Saalfeld - Gera - Leipzig,
- Glauchau - Gera - Erfu rt ,
- Zeitz - Weißenfels.
5. Wie hoch sind die vorgesehenen Kosten für Straßenbau
beziehungsweise Eisenbahnbau in Thüringen?
Im BVWP '92 werden die Ausgaben des Bundes für
Schieneninvestitionen erstmalig die für die Bundesfernstraßen übersteigen. Auf
Thüringen entfallen von den rd. 87 Mrd. DM, die als
„Vordringlicher Bedarf" (VB) im Entwurf des neuen Bundesverkehrswege
-
planes für den Neu- und Ausbau von Schienenstrecken enthalten
sind, ca. 7 Mrd. DM. Darüber hinaus sind Maßnahmen im
Eisenbahnknoten Erfurt vorgesehen (320 Mio. DM im „Vordringlichen
Bedarf", 115 Mio. DM im „Weiteren Bedarf"). Weiterhin entfallen
auf Thüringen anteilige Investitionen für den Nachholbedarf (für
die Deutsche Reichsbahn insgesamt rd. 40 Mrd. DM) und die
Ausrüstung zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit von Strecken (für
die Deutsche Reichsbahn insgesamt 400 Mio. DM im
„Vordringlichen Bedarf" für das Projekt CIR-ELKE).
II. Antworten für den Bereich Straße:
1. Durch welche Maßnahmen soll die verkehrsmäßige Anbindung der
ostthüringischen Industrieregion an das Ruhrgebiet über
Nordhessen, Erfurt, Weimar und Jena über Gera in das westsächsische Indu
striegebiet bis nach Dresden erfolgen?
Deutscher Bundestag —12. Wahlperiode Dicksache 12/2615
Die größte Bedeutung für die leistungsfähige Gestaltung der
Verbindung Thüringens mit den Zentren Rhein/Main und Rhein/Ruhr
im Westen, mit Sachsen sowie dem polnischen Industriegebiet im
Osten, aber auch in Richtung Süd- und Westeuropa hat
straßenseitig der geplante sechsstreifige Ausbau einschl.
Grundemeuerung der Bundesautobahn A 4 zwischen dem Kirchheimer Dreieck
(A 7) und dem Autobahndreieck Dresden, deren (vierstreifige)
Fortführung ab der Anschlußstelle Weißenberg. bis zur
Bundesgrenze bei Görlitz sowie der Bau der A 44, Kassel — Eisenach.
Diese Vorhaben zählen zu den Verkehrsprojekten Deutsche
Einheit, die im Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes 1992 in den
„Vordringlichen Bedarf" eingestellt sind.
2. Durch welche Maßnahmen soll die verkehrsmäßige Anbindung der
ostthüringischen Industrieregion ausgehend von den bayerischen
und fränkischen Industriezentren München und Nürnberg über
Gera bis nach Ber lin erfolgen?
Das wichtigste straßenseitige Vorhaben zur Herstellung bzw. zur
leistungsfähigen Gestaltung der Verknüpfung der
Industriezentren um Leipzig/Halle und Gera/Jena/Plauen mit Berlin im Norden
und dem Wirtschaftsraum Bayern bis München im Süden stellt der
geplante sechsstreifige Ausbau einschl. Grunderneuerung der
vorhandenen Bundesautobahn A 9 dar. Auch dieses Vorhaben ist
als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit eingestuft.
3. Wo ist eine Sanierung, ein Ausbau beziehungsweise ein Neubau von
Trassen vorgesehen?
Außer den genannten Vorhaben auf den Bundesautobahnen A 4/
A 44 und A 9 verdienen besonders Erwähnung die Planungen für
den Neubau einer vierstreifigen Bundesfernstraße zur
Erschließung des südthüringischen Raumes und zurleistungsfähigen
Verbindung der thüringischen Wirtschaftszentren mit den bayerisch
-
fränkischen Zentren um Würzburg/Schweinfu rt/Stuttgart/Ulm
und Bamberg/Nürnberg/München. Eine Verlängerung dieses als
Verkehrsprojekt Deutsche Einheit eingestuften Vorhabens bis
zum Wirtschaftszentrum Magdeburg wird erwogen.
Die direkte Verbindung der Siedlungs- und Wirtschaftszentren
von Halle/Leipzig und Rhein/Ruhr soll durch ein weiteres
Verkehrsprojekt Deutsche Einheit, den geplanten BAB-Neubau
zwischen Göttingen (A 7) und Halle (A 9/A 14), verbessert werden.
Weitere Schwerpunkte werden in Thüringen der Bau umwelt-
und nachfragegerechter Ortsumgehungen im Zuge von
Bundesfernstraßen sein und die abschnittsweise Trassenverbesserung
von Außerortsstrecken. Der Bundesminister für Verkehr hat in
seinem Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes 1992 eine Reihe
von derartigen Maßnahmen in den „Vordringlichen Bedarf"
eingestellt: Hierbei bleibt die endgültige Entscheidung durch den
Deutschen Bundestag, der im Rahmen der Anpassung des Fe rn
-straßenausbaugesetzes den Teil „Straße" als „Bedarfsplan für die
Bundesfernstraßen" verabschiedet, abzuwarten.
4. In welchem Zeitraum wäre eine Realisierung möglich?
Hinsichtlich der Realisierung der als „Vordringlicher Bedarf" im
BVWP '92 eingestuften Vorhaben wird davon ausgegangen, daß
sie im wesentlichen bis zum Jahr 2010 abgeschlossen werden
können.
Für die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit, die eine
Schlüsselfunktion für das Zusammenwachsen Deutschlands und den
wirtschaftlichen Aufschwung in den neuen Bundesländern haben,
wird die Verkehrswirksamkeit bis zur Jahrtausendwende
angestrebt.
5. Wie hoch sind die vorgesehenen Kosten für Straßenbau
beziehungsweise Eisenbahnbau in Thüringen?
Für Maßnahmen zum Ausbau der Bundesfernstraßen und Netz
-
ergänzungen sind im „Vordringlichen Bedarf" rd. 7,4 Mrd. DM
vorgesehen. Darüber hinaus besteht in den neuen Ländern noch
ein hoher Nachholbedarf für die Anpassung des vorhandenen
Straßennetzes an den Ausbaustandard der alten Bundesländer.
Der Anteil, der hiervon auf das Land Thüringen entfällt, kann
gegenwärtig nicht exakt angegeben werden.]