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Kleine AnfrageWahlperiode 12Beantwortet

Der "Askania-Verlag" (G-SIG: 12011723)

Struktur des Verlages, verfassungsschutzrechtliche Erkenntnisse

Fraktion

PDS/LL

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

08.11.1993

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 12/586406. 10. 93

Der „Askania-Verlag"

der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS/Linke Liste

Vorbemerkung

1983 wurde im Buchdienst von „Nation Europa" das vom Neofaschisten Herbert Taege geschriebene geschichtsrevisionistische Buch „Wo ist Kain?" wie folgt angekündigt: „Der Komplex Tulle und Oradour galt seit dreieinhalb Jahrzehnten als massenmörderischer Übergriff der SS im Frankreich des Sommers 1944. Der Autor, ein Wahrheitsfanatiker, untersucht, wie es zu diesen Repressalien kommen konnte, belegt den Schuldanteil der Partisanen an dieser grauenvollen Entwicklung und mißt den Oradour-Prozeß an seinen Forschungsergebnissen: Ein maßgeblicher Beitrag zur Zeitgeschichte. "

Herbert Taege hat eine ganze Reihe weiterer geschichtsrevisionistischer Bücher verfaßt, die er in seinem „Askania-Verlag" veröffentlichte. So u. a. „Über die Zeiten fort", „Die Gefesselten. Deutsche Frauen in sowjetischen Konzentrationslagern in Deutschland", „NS-Perestroika? Reformziele nationalsozialistischer Führungskräfte".

Zusammen mit Heiko Möhring fungiert Herbert Taege als Herausgeber der „Askania Studiensammlung für Zeitgeschichte und Jugendforschung".

Im „Askania-Verlag" erschienen u. a. folgende Bücher:

  • Jutta Rüdiger, „Der Bund Deutscher Mädel (BDM). Eine Richtigstellung",
  • Jutta Rüdiger, „Die Hitlerjugend und ihr Selbstverständnis im Spiegel ihrer Aufgabengebiete",
  • Gordon Lang, "... die Polen verprügeln ... ",
  • Dokumentenkabinett (Hrsg.), „Moskau — Berlin — Streng geheim. Wie Stalin und Hitler Osteuropa unter sich aufteilten. ",
  • Robert Kübler (Hrsg.), „Chef KGW. Das Kriegsgefangenenwesen unter Gottlob Berger",
  • Hermann Bickler, „Ein besonderes Land. Erinnerungen und Betrachtungen eines Lothringers",
  • Günther Ullrich, „Das Ende einer Rivalität? Perspektiven zur deutsch-französischen Zusammenarbeit",
  • Erich Möllenhoff, „Arzt hinter Stacheldraht. Bericht eines in Westdeutschland internierten deutschen Arztes",
  • Anna Kientopf, „Das friedensfeindliche Trauma. Die Rote Armee 1945 in Deutschland",
  • Jutta Rüdiger (Hrsg.), „Zur Problematik von Soldatinnen. Der Kampfeinsatz von Flakhelferinnen im 2. Weltkrieg".

Überdies gibt Herbert Taege die Verlags-Hauszeitschrift „Askania-Annual" heraus.

Die Verlagsprospekte des „Askania-Verlags" werden u. a. vom rechtsextremen „Buchdienst Nation Europa" und dem „Buchversand Anneliese Thomas" verschickt.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen11

1

Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den „Askania-Verlag"?

2

Stuft die Bundesregierung den „Askania-Verlag" als rechtsextrem ein, und hat sie sich über die innere Struktur des Verlags informiert?

Wenn ja,

a) wann wurde der „Askania-Verlag" gegründet,

b) wer sind die Eigentümer des Verlags,

c) welche Zielgruppen will der Verlag mit seinem Sortiment ansprechen,

d) hat es in den letzten Jahren Veränderungen im Sortiment gegeben und damit eine Veränderung der Zielgruppen, wenn ja, welche,

e) wie hat sich die Auflagenhöhe der Bücher aus dem „Askania-Verlag" entwickelt,

f) arbeiten andere rechtsextreme Verlage mit dem „Askania-Verlag" zusammen, und wenn ja, wie gestaltete bzw. gestaltet sich diese Zusammenarbeit?

3

Mit welchen rechtsextremen Vertriebsdiensten arbeitete bzw. arbeitet der „Askania-Verlag" zusammen?

4

Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse hat die Bundesregierung über das „Askania-Annual"?

5

Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die „Askania Studiensammlung für Zeitgeschichte und Jugendforschung"?

6

Seit wann gibt es die „Askania Studiensammlung für Zeitgeschichte und Jugendforschung", welche Zielgruppe soll damit erreicht werden, wie gestaltete sich das Sortiment, und wie groß ist die Auflage der Bücher?

7

Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Aktivitäten des Herbert Taege?

8

Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Heiko Möhring?

9

Wurde gegen Bücher aus dem „Askania-Verlag" eine Indizierung beantragt und auch durchgeführt?

Wenn ja, welche (bitte exakt auflisten)?

10

Wieso wird der „Askania-Verlag" nicht im Verfassungsschutzbericht des Bundes aufgeführt?

11

Wo und wie hätten sich beispielsweise Buchhändler oder Zeitungsverleger anhand von Veröffentlichungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz oder der Bundesregierung über den politischen Standort des „Askania-Verlags" informieren können?

Bonn, den 27. September 1993

Ulla Jelpke Dr. Gregor Gysi und Gruppe

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