Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 16/10704
16. Wahlperiode 23. 10. 2008 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Cornelia Hirsch, Volker Schneider
(Saarbrücken), Dr. Petra Sitte und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 16/10483 –
Finanzausgaben des Bundes für die Berufsausbildung
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Seit Jahren werden von der Bundesregierung oder der Bundesagentur für
Arbeit (BA) regelmäßig neue Fördermaßnahmen für die Berufsausbildung
begründet. Grund ist die ständig gewachsene Ausbildungsplatzlücke sowie
der Rückzug der Unternehmen aus der Ausbildung. Letzte führen hierfür
insbesondere auch immer wieder die hohen Kosten für die Berufsausbildung an.
Es scheint daher hilfreich, die Kostenverteilung und die tatsächlichen
Ausgaben für die berufliche Bildung zu erfahren. Insbesondere auch, da viele
Programme nicht nur aus Bundesmitteln, sondern gleichzeitig aus Mitteln des
Europäischen Sozialfonds oder dem Länderhaushalt mitfinanziert werden.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt hat sich entgegen der Einleitung der
Fragestellung in den letzten drei Jahren erfreulich entwickelt. Die
Gesamtwirtschaft konnte die Zahl der bisher neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge
zum 30. September 2008 gegenüber dem Vorjahr um 9 200 (+ 1,7 Prozent) auf
539 560 Ausbildungsverträge steigern.
Zum Ende des Berufsberatungsjahres 2007/2008 am 30. September waren bei
der Bundesagentur für Arbeit noch 19 500 Berufsausbildungsstellen unbesetzt.
Ihnen standen noch 14 500 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber
gegenüber. Damit ist die Zahl der unbesetzten Berufsausbildungsstellen erstmals seit
2001 wieder höher als die der unversorgten Bewerber. Entgegen der
Fragestellung ist die Ausbildungsplatzlücke somit rein rechnerisch nicht mehr gegeben.
Das am 30. September 2008 noch gemeldete Ausbildungsstellenangebot
übersteigt die Zahl der noch gemeldeten Bewerber um 5 000 Stellen.
Hinzuweisen ist allerdings auch auf weiterhin bestehende regionale und
strukturelle Unterschiede auf dem Ausbildungsmarkt. In einigen Regionen und
Berufen wird es zunehmend schwierig, alle vorhandenen Ausbildungsplätze zu
besetzen. Zu dem guten Ergebnis haben auch die von der Bundesagentur für Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom
21. Oktober 2008 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 16/10704 – 2 – Deutscher Bundestag – 16. WahlperiodeArbeit geförderte Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen und
die Ausbildungsförderprogramme der Bundesregierung beigetragen.
Maßnahmen der Bundesregierung zielen darauf ab, die Ausbildungsreife von
Jugendlichen zu stärken und damit den Einstieg in die Berufsausbildung zu
ermöglichen, bzw. Jugendlichen, die Schwierigkeiten haben,
ausbildungsbegleitende Förderung anzubieten. So geht es dort auch um Programme, die die
Voraussetzungen dafür schaffen, dass auch leistungsschwächere Schulabgänger
einen Ausbildungsplatz erhalten. Mit dem Ausbildungsbonus und der
Berufseinstiegsbegleitung fördert die Bundesregierung ab dem Jahr 2008 auch
Maßnahmen zur individuellen Unterstützung förderungsbedürftiger Jugendlicher.
Berufseinstiegsbegleiter sollen helfen, Jugendliche in eine berufliche
Ausbildung zu bringen und Ausbildungsverhältnisse zu stabilisieren.
Im Rahmen der Beantwortung der Kleinen Anfrage werden die Programme
aufgeführt, die direkte Ausgaben für die Berufsausbildung darstellen. Als
direkte Ausgaben werden solche Ausgaben verstanden, die unmittelbar im
Zusammenhang mit einer dualen Berufsausbildung bzw. der Unterstützung der
dualen Berufsausbildung eines Jugendlichen geleistet werden (z. B.
Finanzierung von außerbetreiblichen Ausbildungsplätzen, Lehrgänge der
überbetrieblichen Unterweisung etc.). Den Antworten ist eine Gesamtübersicht der
Finanzierung beigefügt.
Nicht berücksichtigt sind dabei Programme und Initiativen, die daneben
flankierende Maßnahmen, etwa zur Einwerbung von zusätzlichen
Ausbildungsplätzen bei Unternehmen und mittelfristig wirkende Strukturverbesserungen der
beruflichen Bildung zum Ziel haben, wie etwa die BMBF-Programme
Jobstarter, Staregio, BQF, Perspektive Berufsabschluss und Schule–Wirtschaft–
Arbeitsleben.
1. Wie hoch sind die jährlichen Ausgaben des Bundes für die berufliche
Ausbildung einschließlich aller Programme und Maßnahmen (bitte die Jahre
ab 2000 angeben)?
2. Wie viel Geld wurde in welchem Jahr (seit 2000) für welches Programm
im Bereich der Berufsausbildung ausgegeben, und welches Ministerium
zeichnete jeweils dafür verantwortlich?
Die Fragen 1 und 2 werden mit folgender Übersicht im Zusammenhang
beantwortet:
D
eu
tsch
er B
u
n
d
estag
–
1
6
. W
ah
lp
erio
d
e
–
3
–
D
ru
cksach
e 16/10704
Finanzierungsträger 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Bund und Bundesagentur für Arbeit in Mrd. in Mrd. in Mrd. in Mrd.
Eur o
in Mrd.
Eur o
in Mrd.
Eur o
in Mrd.
Eur o
in Mrd.
Eur o
0,040 0,030 0,029 0,029 0,029
0,038 0,037 0,038 0,040 0,045
0,091 0,083 0,078 0,077 0,076
0,589 0,562 0,541 0,506 0,497
0,504 0,433 0,414 0,364 0,349
1,1 14 1,100 1,005 0,808 0,707
kA 0,166 0,146 0,129 0,1 14
2,942 2,920 2,625 2,286 2,153
0,924 0,446 0,039 0,007 –
0,039 0,152 0,001 – –
– 0,002 0,040 0,069 0,079
rung überbetrieblicher Ausbildung in der Grundstufe und die
losigkeit (bei Quali-ABM nur Zuschüsse zur Qualifizierung)
eingeschränkte Vergleichbarkeit mit den Vorjahren. Eur o Eur o Eur o
Ressorts Pr ogramm
BMBF Förderung überbetrieblicher Berufsbildungsstätten 1 0,059 0,043 0,036
BMW i Förderung von Lehr gängen der überbetrieblichen beruflichen Bildung im
Handwerk 2
0,043 0,042 0,043
BMBF Sonderprogramme des Bundes, der neuen Länder und Berlin zur Schaf fung
zusätzlicher Ausbildungsplätze in den neuen Ländern 3 0,095 0,095 0,099
BMAS/Bundesagentur für Arbeit 4, 8
Berufsausbildungsbeihilfen (betriebliche Berufsausbildung, berufsvorbereitende
Bildungsmaßnahmen)
1,399 0,793 1,037
Lehr gangskosten für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (ohne Reha) – 0,388 0,472
Berufsausbildung benachteiligter Jugendlicher 5 1,531 1,586 1,076
darunter: Ausbildungsbegleitende Hilfen kA kA kA
Berufsfördernde Bildungsmaßnahmen für Behinderte (Erst- und W iedereingliederung) 6 1,571 2,614 2,750
Sofortprogramm zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit 7 1,865 1,138 1,101
Sonderprogramm zum Einstieg arbeitsloser Jugendlicher in Beschäftigung und Qualifizierung
(Jump Plus)
– – –
Sonderprogramm des Bundes zur Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (EQJ) und
Einstiegsqualifizierung (ab 10/2007)
– – –
1 Ist-Ausgaben für Investitionen und laufende Zwecke.
2 Ist-Ausgaben Bund (BMWi) zur Förderung der überbetrieblichen Ausbildung des Handwerks in der Fachstufe; Landesmittel zur Förde
Landesmittel zur Förderung der Fachstufe (z. T. auch ESF-Finanzierung) sind nicht enthalten.
3 Ist-Ausgaben Bund ( 50 Prozent der Gesamtförderung Bund und Länder).
4 Ist-Ausgaben für das jeweilige Haushaltsjahr.
5 Die Angaben sind auf das jeweilige Ausbildungsjahr (z. B. 2000/2001 usw.) verteilt.
6 Vgl. Fußnote 7. 2000: nur Ersteingliederung.
7 Nur Leistungen nach Artikel 2, 3, 4, 6, 7 und Qualifizierungsanteil nach Artikel 9 des Sofortprogramms zum Abbau der Jugendarbeits
des Sofortprogramms, teilweise mitfinanziert aus ESF-Mitteln).
8 Bis einschließlich 2003 Daten aus den Abrechnungsergebnissen BA. Aufgrund der Umstellung der BA-Statistik ab dem Jahr 2004 nur
Drucksache 16/10704 – 4 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode3. Wie verteilen sich die Ausgaben innerhalb der Programme aus Frage 2 auf
die Kategorien Konzeption, Öffentlichkeitsarbeit, Evaluation, direkte
Förderung sowie Sonstiges?
Eine Aussage zur Aufteilung der Aufgaben innerhalb der Programme sehen die
Förderprogramme nicht vor. Kosten für Konzeption, Öffentlichkeitsarbeit
sowie Evaluation sind als so gering einzuschätzen, dass es eines gesonderten
Ausweises nicht bedarf.
4. Wie hoch ist der Mittelabruf bei den Programmen aus Frage 2 jeweils zum
Quartalsende, und welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus diesem
Mittelabruf?
Eine Abfrage zu den Quartalsenden ist innerhalb der Bundesregierung nicht
vorgesehen.
5. Wie schätzt die Bundesregierung die Zielgruppenspezifität der einzelnen
Programme ein, und welche würde sie als besonders erfolgreich einstufen?
Alle Leistungen der aktiven Arbeitsförderung sind zielgruppenorientiert. Dies
hat auch die Begleitforschung zum Sofortprogramm der Bundesregierung zum
Abbau der Jugendarbeitslosigkeit (JUMP), die Begleitforschung zum
Sonderprogramm des Bundes zur Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (EQJ) und
auch die Begleitforschung zum Sozialgesetzbuch II (SGB II) gezeigt. Die
aktive Arbeitsmarktpolitik leistet einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen
beruflichen Eingliederung junger Menschen.
Bei der Förderung der überbetrieblichen beruflichen Bildung im Handwerk ist
das Ziel die Stärkung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von KMU des
Handwerks.
Die überbetriebliche berufliche Bildung im Handwerk ist ein wichtiger
Baustein im dualen System der Berufsausbildung in Deutschland. Dieses seit
langem bewährte Instrument sichert eine gleichmäßig hohe Qualität der
Ausbildung nahezu jedes Handwerksberufes, unabhängig von der
Ausbildungsfähigkeit der Lehrbetriebe. Die Förderung stärkt somit auch die
Ausbildungsbereitschaft der Handwerksbetriebe.
6. Welche dieser Programme haben die Förderung Benachteiligter zum Ziel,
und welche werden dieser Aufgabe besonders gut gerecht?
Auf die Förderung von benachteiligten Jugendlichen sind die folgenden
Leistungen der Ausbildungsförderung im SGB III ausgerichtet:
– Übergangshilfen, Aktivierungshilfen,
– Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH),
– Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE).
Darüber hinaus kommen die Maßnahmen der betrieblichen
Einstiegsqualifizierung und des Sonderprogramms des Bundes zur Einstiegsqualifizierung
Jugendlicher (EQJ), die als Zielgruppe alle zum 30. September eines Jahres
primär noch unversorgten Ausbildungsplatzbewerber haben, teilweise auch
benachteiligten Jugendlichen zugute. Benachteiligte Jugendliche werden auch
in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) gefördert.
Die Wirksamkeit der genannten Maßnahmen zur Förderung der
Berufsausbildung von benachteiligten Jugendlichen lässt sich durch Eingliederungsquoten,
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5 – Drucksache 16/10704d. h. gelingende Übergänge in Ausbildung bzw. Beschäftigung ermitteln. Diese
finden sich im jährlichen Berufsbildungsbericht.
7. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über den Bekanntheitsgrad
der Programme bei den jeweiligen Zielgruppen, und welche Programme
sind besonders gut oder besonders schlecht bekannt?
Bei den Leistungen nach dem SGB III werden die veranschlagten Mittel im
Allgemeinen ausgeschöpft. Dies ist ein Hinweis auf die gute Akzeptanz und
Bekanntheit der Leistungen. Die Begleitforschung zur Einstiegsqualifizierung
und zum Sofortprogramm zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit hat gezeigt,
dass die Programme gut bekannt sind und genutzt werden.
Durch die jahrzehntelange Förderung überbetrieblicher Berufsbildungsstätten
(seit 1973) und durch die ebenfalls lange Förderperiode der Sonderprogramme
des Bundes, der neuen Länder und Berlins zur Schaffung zusätzlicher
Ausbildungsplätze in den neuen Ländern (seit 1993) ist der Bekanntheitsgrad als sehr
hoch einzuschätzen. Die Förderung der überbetrieblichen beruflichen Bildung
im Handwerk (ÜLU) erfolgt über eine zentrale Abwicklung, bei der die
54 Handwerkskammern eingebunden sind. Alle in Frage kommenden
Ausbildungsbetriebe werden von den Handwerkskammern informiert, so dass das
Programm bei der Zielgruppe bekannt ist.
8. Welches dieser Programme aus Frage 2 wird/wurde in welcher Höhe durch
ESF- oder Landes- bzw. Kommunalmittel ergänzt?
Das Programm „Förderung von Lehrgängen der überbetrieblichen beruflichen
Bildung im Handwerk wird durch jeweilige Landesmittel bzw. Landes-ESF-
Mittel ergänzt. Bund und Länder beteiligen sich jeweils zu einem Drittel an den
Gesamtkosten. Seitens des Bundes werden Lehrgänge für das 2. bis 4.
Ausbildungsjahr (Fachstufe, in 2007 über 48 000 Lehrgänge mit rund 443 000
Teilnehmern) gefördert. Die Länder unterstützen auch die Lehrgänge der
Grundstufe (1. Ausbildungsjahr).
Das Sonderprogramm zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze in den
neuen Ländern und Berlin „Ausbildungsprogramme in den neuen Ländern“
wird von Bund und Land jeweils zu 50 Prozent finanziert.
Das Sofortprogramm zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit wurde teilweise
aus ESF-Mitteln kofinanziert.
9. Wie haben sich die Ausgaben des Bundes, der Bundesagentur für Arbeit
(bzw. Vorgängerorganisation) und der Länder für die Maßnahmen der
Berufsbegleitenden Hilfen, der Sozialarbeit sowie sonstiger Maßnahmen zur
zielgenauen Förderung Benachteiligter von 2000 bis 2007 entwickelt
(insgesamt und getrennt nach den Maßnahmen und Institutionen)?
Die Entwicklung der Ausgaben für Leistungen zugunsten benachteiligter sowie
behinderter junger Menschen ist in der nachstehenden Tabelle dargestellt.
D
ru
cksach
e 16/10704
–
6
–
D
eu
tsch
er B
u
n
d
estag
–
1
6
. W
ah
lp
erio
d
e
SGB III SGB II SGB II + SGB III
Ausgaben (Mio. Euro) Ausgaben (Mio. Euro) Ausgaben (Mio. Euro)
insgesamt
006 2007 2005 2006 2007
– – 620,7 546,6 682,6
,5 1,4 1,3 0,6 1,4
,4 0,7 8,9 6,6 0,3
1,1 10,0 144,9 128,7 112,2
3,3 250,5 874,3 823,7 852,7
,3 0,4 2,0 1,9 1,4
,4 8,2 6,6 6,5 9,7
– 0,1 – – 0,1
2,0 18,6 980,1 941,7 904,1
– 1,2 40,2 69,4 79,0
2,0 291,1 2 679,0 2 525,7 2 643,51 Der Anteil für benachteiligte junge Menschen wird nicht gesondert ausgewiesen.
2004 2005 2006 2007 2005 2
Berufausbildungsbeihilfe (nur TN BvB incl. Lehr
gangskosten) § 59, 61 SGB III 1
647,5 620,7 546,6 533,5 –
Zuschüsse an AG zur Ausbildungsver gütung § 235 SGB III
(alt)
0,3 0,2 0,0 0,0 1,2 0
Erstattung der Praktikumsver gütung § 235b SGB III 2,5 8,8 6,2 – 0,4 0,1 0
Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) § 240 Nr . 1 SGB III 165,4 141,8 117,7 102,2 3,2 1
Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE)
§ 240 Nr . 2 SGB III
919,5 840,8 680,4 602,2 33,4 14
Über gangshilfen § 240 Nr . 3 SGB III 2,3 2,0 1,5 1,0 0,0 0
Aktivierungshilfen § 240 Nr . 2 i. V. m. �� 241 Abs. 3a SGB III 2,8 4,3 2,1 1,5 2,4 4
Sozialpädagogische Begleitung /Ausbildungsmanagement
§ 241a SGB III (ab 2007)
– – – 0,0 –
Eingliederung behinderter junger Menschen (gesamt) 959,1 966,0 923,5 885,5 14,1 18
Sonderprogramm des Bundes zur Einstiegsqualifizierung
Jugendlicher (EQJ) und EQ (§ 235b SGB III ab 10/2007) 1
2,0 40,2 69,4 77,8 –
Summe 2 701,4 2 628,8 2 347,4 2 203,3 54,4 34
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 7 – Drucksache 16/1070410. Wie hoch waren jeweils jährlich die direkten Ausgaben der Unternehmen
für die berufliche Ausbildung in der Bundesrepublik Deutschland in den
Jahren 2000 bis 2008 (insgesamt sowie aufgeschlüsselt nach Vergütung,
Lehr- und Lernmitteln und sonstigen Ausgaben)?
11. Wie hoch waren jeweils jährlich die indirekten Ausgaben der
Unternehmen von 2000 bis 2007, und wie setzen sich diese zusammen?
Die Fragen 10 und 11 werden im Zusammenhang beantwortet.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung erhebt regelmäßig die Kosten und den
Nutzen der betrieblichen Ausbildung für die Betriebe. Da diese in der Regel
keine gesonderte Erfassung der Kosten der Ausbildung vornehmen, ist ein
komplexes Instrument notwendig, um diese Daten zu erheben. Eine jährliche
Erhebung ist daher nicht möglich. Die aktuellen Zahlen liegen für das
Referenzjahr 2000 vor. Erste Ergebnisse der momentan laufenden Studie mit
Referenzjahr 2007 werden vorrausichtlich Anfang 2009 vorliegen. Aufgrund
des gestiegenen öffentlichen und wissenschaftlichen Interesses an den
Erhebungsdaten sollen die Kosten und der Nutzen der betrieblichen Ausbildung in
Zukunft alle fünf Jahre erfasst werden.
Die im Folgenden angegeben Daten beziehen sich auf eine repräsentative
mündliche Befragung von ca. 2 500 Ausbildungsbetrieben zu ihren Kosten und
ihrem Nutzen der betrieblichen Ausbildung im Jahr 2000. Die Ergebnisse
wurden auf die gesamte Bundesrepublik hochgerechnet und finden sich
aufgelistet in der beigefügten Tabelle (Anlage 1).
Die Bruttokosten der Ausbildung beliefen sich demnach im Jahr 2000 auf
durchschnittlich 16 435 Euro pro Auszubildenden und Jahr. Hochgerechnet auf
ganz Deutschland ergibt das eine Summe von 27,68 Mrd. Euro.
50,3 Prozent der Kosten entfallen dabei auf die Personalkosten der
Auszubildenden, 35,9 Prozent auf die Personalkosten der Ausbilder, 3,3 Prozent auf
Anlage und Sachkosten und 10,5 Prozent auf sonstige Kosten. Unter die
sonstigen Kosten fallen zum Beispiel Kosten für die Ausbildungsverwaltung
(6,9 Prozent der Gesamtkosten) und Kosten für Lehrmittel (0,5 Prozent der
Gesamtkosten). Die Angaben beziehen sich ausschließlich auf die Ausbildung
im Dualen System.
Dem gegenüber stehen die Erträge, die die Betriebe durch die produktiven
Leistungen der Auszubildenden erwirtschaften, in Höhe von ca. 13 Mrd. Euro.
12. Wie hoch waren jeweils jährlich die direkten Ausgaben der
Privatpersonen bzw. privaten Haushalte in den Jahren seit 2000 für die berufliche
Ausbildung, und wie setzen sich diese zusammen?
13. Wie hoch waren jeweils jährlich die indirekten Ausgaben – einschließlich
der Kosten für den Lebensunterhalt, der Fahrtkosten und (Schul-)
Gebühren – der Privatpersonen bzw. privaten Haushalten für die berufliche
Ausbildung in den Jahren 2000 bis 2007, und wie setzen sich diese
zusammen?
Die Fragen 12 und 13 werden im Zusammenhang beantwortet.
Die Ausgaben der Privatpersonen lassen sich nur schwer beziffern. Daten zu
den direkten Ausgaben für Lehrmaterial oder Schulgebühren liegen nicht vor.
In einer Studie von Dohmen (2004) wird unterstellt, dass die
Lebensunterhaltskosten durch die Ausbildungsvergütung gedeckt sind.
Zusätzlich entstehen den Auszubildenden Opportunitätskosten durch den
Verzicht auf mögliche höhere Löhne für An-/Ungelerntentätigkeiten (im Vergleich
Drucksache 16/10704 – 8 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiodezur Ausbildungsvergütung). Zur Bezifferung dieser Opportunitätskosten liegen
keine Daten vor.
Eine Einschätzung der Verteilung der Kosten oder jahresspezifische Angaben
können nicht gemacht werden.
14. Wie hoch sind die Ausgaben bisher nicht benannter Organisationen und
Gruppen für die berufliche Ausbildung (bitte die fünf größten
Einzelfinanziers/Kollektive separat aufführen)?
Einen großen Kostenbeitrag leisten die Länder durch die Finanzierung der
Teilzeitberufsschulen (siehe Tabelle im Anhang). Daten zu weiteren
Einzelfinanziers bzw. Kollektiven liegen der Bundesregierung nicht vor.
15. Wie hoch sind damit die durchschnittlichen direkten Aufwendungen für
einen Ausbildungsplatz insgesamt und aufgeschlüsselt nach Bund,
Unternehmen, privaten Haushalten, ESF und sonstigen?
16. Wie hoch sind damit die durchschnittlichen indirekten Aufwendungen für
einen Ausbildungsplatz insgesamt und aufgeschlüsselt nach Bund,
Unternehmen, privaten Haushalten, ESF und sonstigen?
Die Fragen 15 und 16 werden im Zusammenhang beantwortet.
Daten, die über die oben gemachten Angaben hinausgehen liegen nicht vor,
daher können auch keine Angaben in der gewünschten differenzierten
Untergliederung gemacht werden.
17. Wie haben sich die Ausgaben für die Berufsorientierung und -beratung
seit 2000 entwickelt (bitte insgesamt und getrennt nach Bundesagentur
für Arbeit (oder Vorgängerorganisation), Bund, Ländern, Kommunen und
sonstigen Organisationen)?
Die Ausgabenentwicklung ist in der nachstehenden Tabelle ab 2004 dargestellt.
Die Daten der Vorgängerjahre sind in der Datenreihe nicht darstellbar.
Eine Übersicht zu den Ausgaben der Berufsberatung der BA
(Berufsberatungspersonal und eventuelle Sachkosten) sind in der beigefügten Tabelle (Anlage 2)
zu dieser Anfrage beigefügt.
Ausgaben Bund und BA/Ausgaben in Mio. Euro
2004
(nur SGB III)
2005 2006 2007
Berufsorientierungsmaßnahmen 1,9 2,5 3,6 19,0
vertiefte BO § 33 SGB III 1,9 2,5 3,6 4,2
erweiterte vertiefte BO § 33 i. V. m. § 421q
SGB III (ab 2007) 0,0 0,0 14,8
D
ru
cksach
e 16/10704
–
1
0
–
D
eu
tsch
er B
u
n
d
estag
–
1
6
. W
ah
lp
erio
d
e
1 Anzahl der Stellen für Plankräfte für Berater/-innen U 25 mit Schwerpunkt Berufsorientierung sowie Berater/-innen Akademische Berufe mit Schwerpunkt Berufsorientierung in der AA.
2 Es handelt sich hierbei um die Kosten für die Berufsberater/-innen auf der Grundlage der durchschnittlichen Personalkostensätze incl. Personalgemeinkosten sowie der Sachkostenpauschale eines
Arbeitsplatzes incl. IT-Unterstützung.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Amsterdamer Str. 192, 50735 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Telefax (02 21) 97 66 83 44
ISSN 0722-8333]